Dumbledores Armee

Sa. 14.10.1995

Als sich die drei an ihrem Hogsmeade-Wochenende vor dem Eberkopf trafen, überlegte Hermine guter Laune, wie Ron Harry letztendlich überreden konnte. Sicherlich, gab er dem ganzen Geschehen nicht seinen Segen, aber die Aktion brauchte nun mal einen Vertreter und Harry war der Richtige für den Job.

Würde nur der Professor zu den Treffen kommen, dann würden die Teilnehmer wegen Snapes schlechten Rufes lediglich als Neuanwärter für die Todesser von Voldemort durchkommen. Doch mit Harry neben ihm an der Spitze… Harry, der Junge der überlebte… Harry, Dumbledores Mann. Nun, so würde kein Zweifel bestehen, für welche Sache die Jugendlichen kämpften.

Entschlossen öffnete Hermine die Tür. Allerdings wusste auch sie nicht, was sie erwartete.

Es war überhaupt nicht wie in den Drei Besen, deren großer Schankraum einem das Gefühl behaglicher Wärme und Sauberkeit vermittelte. Der Schankraum im Eberkopf war klein, schäbig und sehr schmutzig und er roch stark nach etwas wie Ziegen. Die Erkerfenster waren so schmutzverkrustet, dass nur spärliches Tageslicht in den Raum dringen konnte, der stattdessen durch Kerzenstummel auf den rohen Holztischen beleuchtet war. Der Fußboden schien auf dem ersten Blick aus festgetretener Erde zu bestehen, doch es war Stein, der offenbar unter dem gesammelten Dreck von Jahrhunderten lag.

„Hier will Snape sich mit uns treffen?", sagte Ron angeekelt.

„Eines muss man ihm zugestehen. Hier wird uns niemand nachspionieren kommen", kommentierte Harry gleichgültig, doch Hermine war froh. Dies konnte man schon fast als Kompliment gelten lassen. Sie fragte sich, ob Dumbledore stolz auf sie sein würde, wenn sich die Wogen bei Professor Snape und Harry, durch ihren Verdienst, glätten würden.

Die Glocke an der Tür läutete und ihre Mitschüler kamen rein. Hermine war total erstaunt, dass ihre Idee einen so hohen Zuspruch erlangt hatte und nach wenigen Minuten befanden sich rund fünfundzwanzig Schüler in dem kleinen Raum. Von dem Professor war allerdings keine Spur.

Sie bestellten jeder ein Butterbier und warteten, doch Snape ließ sich einfach nicht blicken. Nach fünfzehn Minuten (die ersten hatten ihre Getränke schon leer), wurden die Schüler nervös und wollten sich aufmachen, zu gehen. „Wieso sollte ich hier bleiben, wenn ich mein Butterbier auch in den Drei Besen zum selben Preis trinken könne?", schnaubte der Rawenclaw-Junge Anthony Goldstein und Ron nickte Hermine Mut machend zu. Sie würden ohne Snape anfangen müssen. Sie räusperte sich und fing an zu reden:

Nun… Ähm… ja, ihr wisst, warum ihr hier seid. Ähm…", ihre Stimme klang vor Nervosität ein bisschen höher als sonst. Wie sehr wünschte sie, Snape würde jetzt eingreifen.

Ich hatte die Idee – dass es gut wäre, wenn Leute, die Verteidigung gegen die dunklen Künste lernen möchten – und ich meine wirklich lernen, versteht ihr, nicht den Stuss, den Umbridge mit uns macht (Hermines Stimme klang plötzlich viel kräftiger und selbstbewusster) – weil das niemand Verteidigung gegen die dunklen Künste nennen kann… („Das kannst du laut sagen", warf Goldstein ein, was Hermine offensichtlich weiter bestärkte) Also, ich dachte, es wäre gut, wenn wir, nun, die Dinge selbst in die Hand nehmen würden."

Sie hielt inne, warf einen Seitenblick auf Harry und fuhr fort. „Und damit meine ich lernen, wie wir uns richtig verteidigen, nicht nur in der Theorie, sondern indem wir tatsächlich zaubern –"

Du willst doch auch deine ZAG-Prüfungen in Verteidigung gegen die dunklen Künste bestehen, wette ich?", sagte Michael Corner.

Natürlich will ich das", erwiderte Hermine prompt. „Aber ich will noch mehr, nämlich richtig ausgebildet sein in Verteidigung, weil… Weil…", sie holte tief Luft und schloss: „… weil Lord Voldemort zurück ist."

Cho Changs Freundin ließ einen leisen Schrei los und die Gruppe wurde unruhig. Alle murmelten und tauschten sich über das eben Gesagte aus. Die vorher leicht fröhliche Stimmung, fiel nun schwer auf sie herab und drohte, sie alle zu erdrücken. Die Luft lud sich auf.

Katie Bell ergriff das Wort: „Selbst wenn, das was du sagst wahr sein würde. Rein hypothetisch gesehen, versteht sich.", sie blickte in die Runde und dann wieder zu Hermine, „Wer könnte uns dann eingehend darauf vorbereiten? Ich weiß, dass du sehr schlau bist, Hermine. Und ich weiß, dass Du, Ron und Harry sicherlich schon einige brenzlige Situationen gemeistert habt. Aber, und das jetzt ohne euch zu beleidigen… Ich glaube wohl kaum, dass ihr dazu in der Lage seid, uns zu unterrichten."

Ein zustimmendes Gemurmel erhob sich aus den Reihen und Hermine setzte zur Antwort an. Jetzt oder nie:

„Das werden wir auch nicht. Professor Snape wird es tun."

Es war still im Raum und niemand traute sich mehr, ein Wort zu sprechen. Wenn die Situation vorher schon unter Spannung lag, dann wusste Hermine nicht, die jetzige Situation zu beschreiben. Keiner rührte sich und sie glaubte, dass einige sogar mit dem Atmen aufgehört hatten. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Bombe platzen würde.

Und wie erwartet, fingen plötzlich alle an, durcheinander zu reden und zu diskutieren. Heiße Debatten wurden geführt und schlimme Vorwürfe wurden ihr an den Kopf geworfen.

„Wenn meine Mutter davon erfährt, wird sie mich enterben!", „Soll das ein Scherz sein? Wir sind doch jetzt schon unglaubwürdig, mit Snape würden wir noch den letzten Funken Glaubwürdigkeit verlieren!", „Was läuft da zwischen Hermine und Snape?", „Wo ist er denn? Ich sehe ihn nirgends…", „Ich habe mich wohl verhört!", „das geht nicht, Snape ist ein Todesser!"

Einige Schüler aus Hufflepuff erhoben sich sogar und gingen, ohne sich zu verabschieden.

„Hört zu…", setzte Hermine an, doch sie kam gegen diesen Geräuschpegel nicht an. „Ich bitte euch –", doch sie fand abermals kein Gehör. Warum sträubte sich denn jeder gegen die Idee, auch nur ein Mal zusammenzuarbeiten?

„RUHE!", schrie Harry Potter und knallte die Hand auf den Tisch. Augenblicklich war es ruhig.

„Glaubt mir. Ich habe genau so reagiert. Doch so sehr mir diese Idee missfällt, Hermine hat Recht. Voldemort ist wahrhaftig zurück und ich habe ihn mit meinen eigenen Augen gesehen. Durch mein Blut ist er damals gefallen und auch MEIN Blut hat ihm zur Wiederauferstehung verholfen. Und durch ihn ist Cedric –", er blickte zu Cho, welcher Tränen in den Augen standen, „Durch ihn ist Cedric gestorben."

Er stand auf und blickte ein jeden an. „Ich hasse Snape und ich hasse noch mehr die Idee, auf seine Hilfe angewiesen zu sein. Aber durch Voldemort ist Cedric gestorben. Und durch ihn sind auch meine Eltern gestorben. Er hat unzählige Menschenleben auf dem Gewissen und ich bin sicher, dass auch ihr irgendjemanden vermisst, der ihm und seinen Todessern zum Opfer gefallen ist. Und ich sage euch. ICH, werde nicht kampflos dabei zusehen, wie weitere Opfer gebracht werden. Ich werde mich nicht mit Theorie zufrieden geben. Ich werde kämpfen!"

Hermine war stolz auf ihren Freund und sah in die entschlossenen Mienen derer, die letztendlich da geblieben sind. Sie waren zwar nicht mehr fünfundzwanzig, aber sie waren entschlossen und Entschlossenheit war eine der größten Waffen.

Sie würden kämpfen. Ja, und Snape würde ihnen zum Sieg verhelfen.


Mo. 16.10.1994

Nach der Zaubertrankstunde, packte Hermine ihre Sachen noch langsamer als sonst ein. Sie wollte ihrem Lehrer von dem Treffen erzählen und hatte sich mit ihren Freunden darauf geeinigt, dass der beste Moment dafür nach ihrer Zaubertrankstunde war. Snape hatte eine halbe Stunde Zeit, bevor der nächste Unterricht mit den Sechs-Klässlern begann und verließ somit nicht den Raum. Er konnte ihr nicht entkommen, würde sie ihn in diesem Zeitraum zur Rede stellen. Harry und Ron machten sich schnell aus dem Staub und nach einigen Minuten, war sie alleine mit der schwarzen Fledermaus.

Sie schritt an sein Pult und hielt ihm eine Galleone vor die krumme Nase.

„Sehen Sie die Ziffern rings um den Rand der Münze?", sagte Hermine und hielt sie ein wenig höher, sodass er sie besser erkennen konnte. Die Münze schimmerte fett und gelb im Licht der Fackeln. „Auf echten Galleonen ist das nichts weiter als eine Seriennummer, die sich auf den Kobold bezieht, der die Münze geprägt hat."

Snape sah sie mit einer hochgezogenen Augenbraue an. Als ob er nicht wüsste, was die Ziffern zu bedeuten haben. Er wollte sie unterbrechen, doch stattdessen lauschte er ihr (vorgetäuscht) interessiert weiter.

„Auf dieser falschen Goldmünze aber ändern sich die Ziffern und zeigen Datum und Uhrzeit unseres nächsten Treffens im Raum der Wünsche an. Die Münzen werden heiß, wenn sich das Datum ändert, also spüren Sie es, wenn Sie diese in der Tasche haben. Wenn Harry das Datum des nächsten Treffens festlegt, ändert er die Ziffern auf seiner Münze, und weil ich sie mit einem Proteus-Zauber belegt habe, ahmen alle Münzen die seine nach und verändern sich.", fuhr sie fort und der Professor war sichtlich beeindruckt von ihrem Wissen.

Er nahm die Münze in die Hand und begutachtete sie. Er hätte es nicht für möglich gehalten, dass sie eine Fälschung war. Er steckte sie in seine Hosentasche und sie erwärmte sich. Potter hatte in diesem Moment ein Datum festgelegt und als er sie wieder hervornahm, bestätigte sich dies.

Er packte sich unauffällig an sein dunkles Mal, doch Hermine bemerkte dies.

„Ich… Entschuldigen Sie, Sir. Natürlich müssen Sie die Münze nicht annehmen. Ich wollte Sie nicht an irgendetwas erinnern, dass…", stotterte Sie. Sie hatte sich die Idee tatsächlich von den Todesser-Narben abgeguckt, die jedes Mal schmerzhaft zu brennen anfingen, wenn Voldemort die seine berührte.

Hermine ahnte natürlich nicht, dass dieses harmlos klingende schmerzhafte Brennen die Hölle auf Erden war. Snape biss die Zähne zusammen und er dachte an das letzte Mal, als der Dunkle Lord ihn zu sich gerufen hatte. Seine Augen zogen sich zu Schlitzen zusammen.

Die junge Frau vor sich hatte einen sehr komplizierten Zauber vollzogen und er war beeindruckt, das konnte er nicht verleugnen. Trotzdem staute sich in ihm eine unkontrollierbare Wut auf und er drohte, sich selbst zu vergessen. Auch Hermine war dies aufgefallen und sie schalt sich selbst für ihre Dummheit und dafür, dass ihr Empathie-Gefühl sie anscheinend bei der Entscheidung, ihm diese Münze zu geben, im Stich gelassen hatte.

„Professor, ich bitte Sie. Ich habe verstanden. Ich werde Sie mündlich über die Daten verständigen, wenn Sie dies bevorzugen…", sagte sie ängstlich.

„Wie konnten Sie es wagen? Wo Sie doch genau wussten, was ICH jedes Mal für den Orden leisten muss, wenn Ich zu ihm gehe?", schrie er, nicht darauf achtend, dass diese wichtigen Informationen nicht für ihre Ohren bestimmt waren. Er warf kraftvoll die Münze gegen die Kerkertür. Seine Augen glommen vor Wut und in Hermine kam ein Gefühl von Angst auf. Allerdings spürte Sie die Enttäuschung über ihr Versagen noch mehr als die Angst. Die Enttäuschung darüber, dass sie IHN enttäuscht hatte und zusätzliches Leiden hinzugefügt hatte. Sie wollte ihm nicht wehtun. Sie war auf seiner Seite.

„Professor Snape", setzte sie in einem Versuch der Beschwichtigung an, doch sie hatte eine Grenze überschritten, die er unmöglich akzeptieren konnte.

„RAUS, SOFORT!", brüllte er und kam bedrohlich auf sie zu. Sie floh aus seinem Klassenzimmer und wurde mit neugierigen Blicken von ihren Freunden empfangen. Sie blickte auf den Boden und war den Tränen nahe.

„Ich glaube, wir müssen vorerst ohne Snape auskommen…", sagte sie und versuchte dem gleichgültig gegenüber zu stehen. Doch es stimmte nicht. Es war ihr nicht egal.

Er war ihr nicht egal.


Wie konnte Sie es wagen?

Gefühlt zum bereits hunderten Male stellte der Professor sich die ein und die selbe Frage und es machte ihn rasend. Wütend stützte er seine Hände auf sein Pult, riss gleichzeitig ein Paar Knöpfe aus und atmete. Kontrolle. Das ist, was er in genau diesem Moment brauchte. Kontrolle.

Doch es war zwecklos. Etwas rührte sich in ihm, was er schon lange nicht mehr gefühlt hatte und das machte ihm Angst.

Was war das? War es der Duft ihres Haares, das ihn verfolgte? War es ihre weiche Haut, die er sehnlichst verlangte? Waren es ihre sanften braunen Augen, mit denen sie ihn angstlos fixierte? War es die Tatsache, dass Hermine Granger sich vielleicht um ihn kümmerte? Dass sie ihm Aufmerksamkeit schenkte? Ihn wie einen Menschen behandelt?

Er schüttelte sich.

"Sie ist eine Schülerin. Es ist dir egal, was sie von dir denkt. Dieser ganze Unsinn, den sie dir aufgetischt hat, ist dir egal.", redete er sich ein. Doch zugleich meldete sich ein schlechtes Gewissen. Eine Veratwortung, die er trug und ein Versprechen, dass er ihr gab.

Mit einem Ruck warf er alle seine Unterlagen vom Tisch.

Was passiert mit ihm?


Sa. 29.10.1995

„Ich komme sofort nach, ich glaube, wir könnten noch ein Paar Bücher gebrauchen! Ich gehe nur kurz in die Bibliothek!", benachrichtigte Hermine ihre Freunde und war schon mit einem Fuß durch das Porträtloch. „Beeil dich, Hermine! Ich will den anderen nicht erklären müssen, dass wir vorerst ohne Snape starten müssen!", rief Harry ihr nach, doch umsonst. Hermine war schon verschwunden.

In der Bibliothek angekommen, warf sie ihren bereits von Büchern schweren Rucksack auf einen leeren Tisch, öffnete ihn und stopfte alles Brauchbare, was sie finden konnte hinein. Da auch auf diesem ein Zauber lag (wie auf ihrer kleinen Perlentasche), würde es garantiert kein Platzproblem geben. Zaubern zur Selbstverteidigung, Geschichte der modernen Energie, Flüche und Gegenflüche, alle Bänder von Lehrbuch der Zaubersprüche, sogar Zaubern für Dummies legte sie schmunzelnd dazu. Das müsste vorerst reichen. Wingardium Leviosa, wisperte sie möglichst leise (sie übte sich momentan an unausgesprochenen Zaubern) und mit ihrer Tasche neben sich her schwebend rannte sie aufgeregt zum Raum der Wünsche.

Sie würden ihr erstes Treffen auch ohne Snape schaffen. Davon war sie fest überzeugt.

„5 Punkte von Gryffindor für Verspätung."

Er stand vor ihr, mächtig, in seinem schwarzen Mantel mit den eleganten Schlangenknöpfen, deren Abbilder sich langsam bewegten und ein warmes Gefühl der Dankbarkeit meldete sich in Hermines Innern, sodass sie wohlig erschauderte. Sein schwarzes Haar fiel ihm leicht ins Gesicht und sein Blick lag ruhig auf ihr. Seine Mundwinkel erhoben sich zu einem schelmischen Grinsen und Hermine fiel zum ersten Mal auf, wie schön dieser Mann eigentlich war.

Was tat sie da?

Sie schüttelte den Kopf und zwang sich, klare Gedanken zu fassen.

Kaum war sie durch die Tür, wurde sie auch schon bestraft? Doch es war ihr egal. Er war gekommen. „Danke!", sagte sie mit einem bis zu den Ohren hochgezogenem Grinsen. Snape entließ ein verächtliches Schnauben und machte weiter, wo er zuvor unterbrochen wurde.

Er würde sie auf den Krieg vorbereiten und schwor sich fest entschlossen, nicht eher aufzugeben, bevor er den tollpatschigen und unfähigen Haufen nicht zumindest auf das ZAG-Niveau gebracht hatte.

Zehn Minuten später bereute er diesen Eigenschwur zutiefst.

Bis auf den aufgeblasenen Potter und seinem Anhang konnten die meisten nicht einmal einfachste Zauber, wie den Expelliarmus, ausführen. Zusätzlich blaffte er sie an, sie sollten sich an einem Zauber, der dem ihren Niveau entspräche ausprobieren. Sarkastisch schrieb er ihnen vor einen Lumos auszuführen – rein sarkastisch! Es war nicht sein Ernst. Doch auch diesen banalen Zauber konnte der Großteil nicht ausführen! Worauf solle er aufbauen, wenn sie nicht einmal den dämlichen Taschenlampen-Zauber konnten?

Er blickte zu Miss Granger, die diese äußerst unangenehme Lage erkannte und ihm fragend in die Augen blickte. Er spürte, dass sie dachte, dies würde ihn zurückschrecken und da lag sie gar nicht so falsch. Snape war angeekelt und kurz davor das Handtuch zu werfen.

Sie näherte sich ihm und sah ihn herausfordernd an: „Ich hoffe, Professor…", tat sie unschuldig. „Ich hoffe, dass sich Ihnen die Lage nicht als zu schwierig erweist. Ich kann verstehen, wenn Sie überfordert sind…"

Dieses kleine Miststück.

Snape versuchte unbeeindruckt und gelassen zu bleiben. „Weitere 5 Punkte, Granger, für ihr Mangel an Vertrauen und Einschätzungsvermögen.", sagte er trocken und sie bewegte sich wieder zu ihrem Übungspartner Neville.

Er blickte in die Runde. „Miss Abbot. Sie sehen aus, als wollten sie ihr gegenüber erschießen. Halten Sie ihren Zauberstab gefälligst wie einen Zauberstab und nicht wie einen Revolver.", schrie er und Hermine warf ihm einen anklagenden Blick zu. Er wusste, er müsste netter sein, wenn er Erfolge sehen will, doch er war noch nicht bereit dazu.

Als Snape ihr den Rücken zuwandte, sprang Hermine zu dem Hufflepuff-Mädchen Hannah und half ihr, ihre Haltung zu verbessern: „Pass auf. Am Besten ist es, wenn du deinen Zeigefinger zur Hilfe nimmst. Der Zauberstab bildet dabei die Verlängerung ebendessen. Wenn Du möchtest, kannst du so auch die einzelnen Bewegungen ohne Zauberstab üben, wenn du gerade nicht zaubern darfst. Zuhause, mache ich das immer so!", und sie lächelte Hannah Mut machend an. Sie war eine sehr gute Schülerin und hielt auf Hermines Niveau mit. Doch Snape hatte Recht. Es fehlte ihr an Präzision. Hermine wäre niemals auf die Idee gekommen, dass die Art und Weise, wie Hannah ihren Zauberstab hielt, falsch war. Sie hielt ihn in der Faust, wie einen Revolver. Woher Snape wohl wusste, was ein Revolver war? Er muss viel über Muggel und deren Bräuche gelesen haben.

Drei Stunden später verabschiedeten sie sich alle, um sich in die Große Halle zum Mittagessen zu begeben. Hermine hatte einen riesen Hunger und hakte sich bei ihren Freunden unter. Sie war sehr zufrieden mit dem Ergebnis, da mittlerweile neun der achtzehn Mitglieder den Expelliarmus beherrschten. Wenn sie sich anstrengten, dann würden sie alle sogar noch vor Weihnachten den Schock-Zauber beherrschen und der Gedanke erfüllte Hermine mit Wärme. Sie fühlte sich von Nutzen, wichtig. Sie würden endlich die Chance haben, zu handeln und vielleicht sogar selbst etwas zu bewegen. Sie lächelte und zog Harry und Ron noch näher an sich heran, was sogar Harry zum Schmunzeln brachte.