So, weiter gehts. Ich fürchte, diese Kapitel könnte ein wenig langwierig werden. Ich selber bin mal wieder nicht so zufrieden damit, aber es war einfach eine Sache, die passieren muss. Ich denke, dass das nächste Kapitel dafür wieder interessanter wird.

Von überfälligen Besuchen

Harry sah sich an diesem Abend einer etwas unangenehmen Aufgabe gegenüber, auf die er sich im tiefsten seines Herzens schon sehr freute.

Er hatte diese Aufgabe lang genug vor sich her geschoben, doch jetzt war es Zeit.

Er musste endlich seinen Paten und dessen einzig übriggebliebenen besten Freund, die besten Freunde seines Vaters, besuchen.

Sirius und Lupin verdienten Gewissheit über seinen Verbleib, wo er doch praktisch wie ein Sohn für die beiden war, wie sie auch für ihn seit jeher seine Vaterfiguren waren.

Harry lief ein wenig nervös in seinem Zimmer auf und ab.

Er wusste ja schließlich nicht was ihn erwartete.

Über Mr. Weasley hatte er erfahren, dass Lupin heute extra aus Hogwarts gekommen war um Sirius zu besuchen.

Wie Harry sich sagen lassen musste, war Lupin inzwischen der Schulleiter von Hogwarts geworden und hatte so in den Winterferien Zeit seine Freunde nahe Londons zu besuchen.

Harry hörte, wie sich die Zimmertür öffnete und die kleine Lily hereinschaute.

Lächelnd sah Harry der Kleinen entgegen.

Erleichtert stellte er fest, dass das Kind keine Zeichen eines blauen Auges aufwies.

Hermine hatte es im Handumdrehen weggehext.

„Na, was treibt Sie hier her, Mylady?"

Lily kicherte und meinte: „Grandma sagt, ich soll dich zum Abendessen holen."

„Ich fürchte, das Angebot muss ich heute ablehnen. Ich habe ein paar Freunde hier in England, die ich heute besuchen möchte."

„Oh", sagte Lily ein wenig enttäuscht.

Harry sah es und es wärmte ihm das Herz.

In diesem Moment schwoll ihm das Herz über vor Liebe für das kleine Mädchen mit seinen Haaren und Augen.

„Ihr dürft nicht traurig sein, Mylady, sonst bringe ich es nicht über mich zu gehen und das würde meine Freunde sehr traurig machen. Ich verspreche, ich bin zurück bevor Ihr zu Bett gehen müsst", sagte Harry und hob seine Hand um einen Schwur anzudeuten.

„Na gut, aber wenn du nicht wiederkommst, dann muss ich es wohl meinem Papa sagen, wenn er mich wieder besuchen kommt und dann steckst du in der Klemme, Onkel Seth. Papa wird dich in der Luft zerreißen, wie er es mit dem bösen Zauberer Wollimort gemacht hat", sagte Lily mit misstrauischer Miene.

Harry musste sich ein Lachen verkneifen.

Er wusste nicht, ob es an Lilys Worten lag oder an dem Blick, der eine perfekte Nachahmung ihrer Mutter war.

„Na, das wollen wir ja nicht, also muss ich mich wohl beeilen. Ihr solltet jetzt zum Essen gehen."

Mit einem letzten strengen Blick auf Harry ging Lily wieder zur Tür.

„Onkel Seth, bist du ein wirklich richtig guter Zauberer? Mama sagt, keiner hat gewusst, dass du zaubern kannst, nicht mal Tante Hermine. Erst als du mich gerettet hast, haben sie es gewusst. War das nicht schrecklich gemein von dir, Tante Hermine anzuschwindeln? Ich meine, wenn du so ein Geheimnis hat, musst du es dann nicht erzählen, weil dann Tante Hermine sehr traurig ist?", fragte Lily bevor sie das Zimmer verließ.

Harry dachte einen Moment nach bevor er dann antwortete: „Ja, ich denke, da hast du Recht. Ich hätte deine Tante Hermine nicht anschwindeln sollen. Eigentlich sollte man niemals schwindeln, aber manchmal ist es vielleicht viel besser eine Weile zu schwindeln. Aber irgendwann muss man die Wahrheit sagen. Was allerdings das Zaubern angeht, so denke ich, dass ich ein ganz ordentlicher Zauberer bin."

Lily nickte zufrieden und meinte dann mit strenger Miene: „Aber du darfst meinem Papa nicht weh tun, wenn er dich in der Luft zerreißt, sonst rede ich kein Wort mehr mit dir."

Damit verließ sie das Zimmer.

oooooooooooooooooooooo

Harry stand vor dem riesigen Gebäude am Grimmauld Place und atmete ein paar Mal tief durch.

Das Haus sah von außen wesentlich ansprechender aus, als bei seinem letzten Besuch hier.

Es waren draußen schöne Blumen gepflanzt und die bunten Vorhänge an den Fenstern ließen das Gebäude gleich einladender wirken.

Harry straffte mit einem letzten Blick auf die beleuchteten Fenster seine Schultern, ging auf die Tür zu und klopfte fest gegen die Türe.

Er hörte von drinnen lachende Stimmen, ein Hund bellte und das Geschrei von Kindern wurde laut.

Harry musste lächeln als er diese Geräusche wahrnahm.

Sein Pate schien endlich ein erfülltes Leben zu führen.

Als die Tür aufging, stand Harry immer noch lächelnd davor und sah eine sehr hübsche blonde Frau vor der Tür stehen.

„Oh, kann ich etwas für Sie tun, Sir?", fragte die Frau.

Harry sah sie verwirrt an, bevor er sagte: „Arabella, erkennst du mich nicht mehr?"

Arabella, ehemalige Figg, jetzt Black, sah den jungen Mann vor ihrer Tür an und schüttelte ein wenig verständnislos den Kopf.

Harry dachte kurz nach, dann viel es ihm wie Schuppen von den Augen.

Er hatte ja noch seine Zauber aktiv, die sein Aussehen veränderten.

„Ach ja, einen Moment, das haben wir gleich", sagte Harry, zog seinen Zauberstab und richtete ihn auf sich.

Arabella reagierte sofort als Harry seinen Zauberstab zog.

„Expelliarmus!"

Harrys Zauberstab flog ihm aus der Hand und er sah blinzelnd von seiner leeren Hand zu Arabella.

„Wow, ich hätte nicht gedacht, dass ihr so misstrauisch seid. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, dass Moody mir gegenüber steht."

Arabella starrte nach wie vor verwirrt den jungen Mann, vor ihrer Tür, an, dessen Aussehen sich jetzt komplett verändert hatte.

Aus braunen Haaren waren schwarze geworden und aus braunen Augen waren grüne geworden.

Auf seiner Stirn war eine sehr verblasste Narbe zum Vorschein gekommen.

„Wer zum Teufel sind Sie?", fragte Arabella mit beiden Zauberstäben auf Harry gerichtet.

Harry seufzte und antwortete: „Ich bin es Arabella, Harry, das siehst du doch!"

„Ja, als wenn ich darauf hereinfallen würde. Jeder weiß wie Harry aussieht und könnte sich als er ausgeben. Wer sind Sie wirklich und was wollen Sie hier?"

„Das ist ja noch schlimmer als Moody. Ich bin ich und niemand anders, das kannst du mir glauben", sagte Harry und machte einen Schritt auf Arabella zu.

„Locomoto Mortis!"

Harry hielt mitten in seinem Schritt inne und starrte mit erschrockenen Augen auf Arabella, bevor er das Gleichgewicht verlor und stürzte.

„Wer ist denn an der Tür, Liebes?", fragte Sirius, der jetzt neben Arabella an der Tür auftauchte.

Sein Blick fiel sofort auf den schwarzhaarigen Mann, der vor der Tür auf dem Boden saß.

„Verdammt noch mal Sirius, Arabella hat mich verhext!", rief Harry, der sich den schmerzenden Hintern rieb.

Sirius riss seine Augen auf.

„Harry? Bist du das Junge?"

Harry sah mit vor Zorn blitzenden Augen zu seinem Paten auf.

Noch nie hat er seiner Mutter so ähnlich gesehen wie in diesem Moment, dachte Sirius.

„Natürlich bin ich es. Das sag ich doch die ganze Zeit. Wollt ihr Beweise? Ich weiß von der Karte des Rumtreibers und von Sirius Flucht aus Hogwarts. Verdammt, ich kann dir jeden einzelnen Namen von Arabellas verflixten Katzen aufzählen. Mal sehen, da waren Sparkle, Twinky, Cleopatra und..."

„Oh Gott, Harry, du bist es wirklich. Es tut mir so leid."

Arabella ließ sich auf den Boden sinken und nahm Harry in den Arm.

All die Jahre, als Harry bei den Dursleys gewesen war, hatte sie auf ihn aufgepasst.

Er war ihr ans Herz gewachsen wie ihr eigener Sohn und jetzt war er wieder da.

„Was ist denn los, dass ihr solange hier an der Tür rumsteht?"

Mit diesen Worten tauchten Lupin und Tonks neben Sirius an der Tür auf.

„Oh, die verlorene James-Brut ist wieder aufgetaucht", meinte Sirius trocken.

Tonks schrie freudig auf und nahm den Platz neben Arabella ein und umarmte Harry ebenfalls.

Lupin blinzelte ein paar Mal.

Wer genau hinsah, konnte erkennen, dass er ein paar Freudentränen wegblinzelte.

„Und warum sitzt er auf dem Boden?", fragte Lupin nach einer Weile ruhig.

Sirius machte eine wegwerfende Handbewegung.

„Ach, weißt du, der größte Zauberer aller Zeiten wurde von meiner hinreißenden Frau mit einem Beinklammer-Fluch belegt."

Lupin schmunzelte und unterdrückte ein Lachen.

„Habt ihr beiden euch jetzt endlich genug lustig gemacht? Wäret ihr vielleicht so freundlich und würdet mir helfen?", fragte Harry ein wenig von Arabellas und Tonks Umarmung erstickt.

Sirius und Lupin sahen sich kurz an, bevor sie sich ihre Frauen schnappten, sie auf die Seite stellten und dann Harry unter die Arme griffen.

„Ach weißt du, Junge, es gefällt uns ganz gut, wie du jetzt bist. Nicht wahr, Remus, alter Freund?", fragte Sirius fröhlich.

„Aber natürlich, Sirius, alter Freund. So ein Beinklammer-Fluch hat etwas absolut positives", meinte Remus heiter.

Harry sah von einem zum anderen.

„Ihr wollt mich auf den Arm nehmen oder?"

„Aber nein, Harry, wo denkst du hin? Dieser Fluch garantiert uns nur, dass du uns nicht davonläufst bis du uns ein paar zufriedenstellende Antworten gegeben hast", sagte Sirius bevor er Harry kameradschaftlich auf die Schulter klopfte.

Harry seufzte tief bevor er sich seinem Schicksal ergab.

ooooooooooooooooooooooo

„Wo, zum Teufel, hast du gesteckt? Kannst du dir vorstellen, was Remus und ich für Ängste durchgestanden haben? Einfach zu verschwinden, ohne ein einziges Wort?", schnauzte Sirius Harry an.

Die beiden hatten Harry auf einen Stuhl gesetzt und nun tigerte Sirius schon eine halbe Stunde wütend vor ihm hin und her.

Remus lehnte Harry gegenüber am Kamin.

„Ja, Sirius, guter Freund, bring dem jungen Kerl mal ein wenig Vernunft bei, damit aus ihm nicht so ein verkorkster Mann wie du oder sein Vater wird."

Sirius sah auf und schnaubte, bevor er zustimmend nickte.

„Da hörst du s, Harry! Du willst doch nicht so enden wie ich oder dein Dad? Du willst doch nicht auch dauernd in der Klemme stecken. Was hast du dir nur dabei gedacht? Hach ja, spazier ich mal eben aus dem Krankenhaus, wird mich schon keiner vermissen?"

„Äh, weißt du, das war so...", fing Harry an, doch weit kam er nicht.

„Und dann Hermine zu schicken, die uns einfach so eben erklärt, dir geht es gut, aber sie kann uns nicht sagen, wo du steckst. Das war verdammt töricht von dir Harry. Wie konntest du zulassen, dass ich mich so zum Narren mache. Jetzt muss ich mich bei dieser verdammt schlauen Hexe entschuldigen. Bei so jemandem wie ihr sollte man nicht in der Kreide stehen", sagte Sirius aufgebracht.

Remus nickte und meinte: „Ja, Harry, das war nicht nett von dir. Dein armer Pate will noch eine Weile Leben. Was denkst du, was ihm blüht, wenn Hermine sich rächt oder noch schlimmer, die Leitung von St.Mungos übernimmt? Da kann er ja nie wieder zum Arzt. Außerdem will ich gar nicht wissen, was passiert, wenn sie und Ron sich wieder vertragen. Dann bekommt Sirius Weasley-Schläge. Was hast du dir nur dabei gedacht?"

„Ja, wisst ihr, das war so."

Wieder kam Harry zu keiner Erklärung.

„Und weißt du überhaupt, was du mir und meiner armen Frau zugemutet hast? Dobby war deinetwegen so bestürzt, dass das Essen ein Desaster war. Und kannst du dir vorstellen, wie das aussieht, wenn der Minister bei einem äußerst wichtigen Interview mit einer weißen und einer pinken Socke auftaucht? Es war einfach schrecklich! Diese Blamage! Und natürlich der arme Dobby!"

Remus nickte wieder bekräftigend und erklärte dann an Harry gewandt: „Ja, das mit der Socke war wirklich gemein von dir. Dobby hätte man dir noch verzeihen können. Aber die Socke war unglaublich. Es steht heute noch im Tagesprophet. Ganz zu schweigen davon, dass der arme Sirius auf der Liste „Begehrenswertester Junggeselle, wenn die Ehefrau endlich tot ist" nur noch auf Platz zwei steht, seit der Sache mit der Socke. Das war wirklich ein schwerer Schlag."

Sirius nickte bestürzt.

Harry sah von einem zum anderen und fragte sich, wann sein Pate und dessen Freund verrückt geworden waren.

„Okay, ihr wisst, dass ihr eine absolute Meise habt, deshalb werde ich das jetzt nicht erwähnen, aber jetzt versetzt euch mal im meine Lage. Stellt euch vor, das Letzte woran ihr euch erinnert, ist ein absolut erschreckender Tag mit viel Blut, Geschrei, Kampf und Tod. Dann wacht ihr auf und auf euch liegt ein kleines Kind, dass, wie ihr bald erfahrt, eure Tochter ist. Die Mutter des Kindes, die Frau, die ihr liebt, kommt zu Tür rein und tändelt mit eurem Arzt, eurem eigenen Arzt, herum und hat sich, wie ihr hören müsst, sogar verlobt, weil sie die Hoffnung aufgegeben hat, dass ihr je wieder aus eurem Koma aufwacht. Dann seid ihr allein und all eure Träume für eure Zukunft haben sich zerschlagen. Ihr schaut euch um und das einzigste, dass euch irgendwie hilft, sind die Briefe eurer besten Freundin. Die Freundin erzählt euch, dass sich praktisch alles geändert hat. Die Hälfte der Leute, die ihr kennt, sind auf einmal verheiratet und haben Kinder, die andere Hälfte, von der ihr dachtet, sie müssten inzwischen verheiratet sein, haben sich im Streit getrennt. Alles ist irgendwie seltsam, also beschließt ihr erst mal zu dieser einen Freundin zu gehen, von der ihr als einzigste sicher sagen könnt, wo sie wohnt und was sie tut. Außerdem ist diese Freundin verdammt klug und ihr seid euch sicher, sie kann euch helfen. Tja, dann erfahrt ihr von eurer Tochter, dass die Familie, die wie eine eigene für euch ist, irgendwie auseinander fällt, weil alle verstritten sind. Stellt euch das vor und dann sagt mir, was ihr getan hättet. Mal ganz davon abgesehen, dass ich gar kein paar Socken zum Anziehen gefunden habe als ich aufwachte, nicht mal ein verdammtes Paar, das aus einer weißen Socke und einer Pinken besteht. Ist das nicht eine verdammt furchtbare Vorstellung?"

Sirius und Remus sahen Harry lange schweigend an, dann nahm Sirius seinen Zauberstab.

„Finite incantatem"

Harry stellte erleichtert fest, dass er seine Beine endlich wieder bewegen konnte.

Remus warf ihm seinen Zauberstab zu, den Harry mit seinen Sucher-Reflexen ohne weiteres auffing.

„Was wirst du also jetzt tun, Harry?", fragte Sirius.

„Ach wisst ihr, ich habe da einen Plan", meinte Harry verschmitzt grinsend und erzählte Sirius und Remus von seinem und Hermines Plan.

ooooooooooooooooooooooooo

Später am Abend standen Harry, Sirius, Remus, Arabella, Nymphadora und die kleine Vivian, Remus älteste Tochter, von fünf Jahren, in der Halle um Harry zu verabschieden.

„Kommst du uns bestimmt bald besuchen, Onkel Harry? Das wäre so cool, dann könnte ich der ollen Mary-Alice aus dem Kindergarten endlich beweisen, dass du gar nicht tot bist und dass du schon gar nicht aussiehst wie ein Troll", meinte Vivian.

„Klar doch, ich komme dich bestimmt bald besuchen und dann bringe ich vielleicht auch Lily mit, dann könnt ihr beiden mal wieder miteinander spielen", sagte Harry.

Vivian sprang vor Freude auf und ab.

Harry hatte all die Kinder von Sirius und Remus kennen gelernt.

Sirius einzigstes Kind war ein Junge namens James.

Er war zwei Jahre alt und sah genauso aus wie sein Vater.

Sirius hatte ihn etwas betreten gefragt, ob es ihm etwas ausmachte, dass er seinen Sohn nach Harrys Vater benannt hatte.

Harry machte es natürlich überhaupt nichts aus, immerhin war es für Sirius ein genauso großer, wenn nicht sogar größerer Verlust, wie für Harry selbst.

Er war froh, dass sein Vater nicht in Vergessenheit geriet und nur das zählte.

Remus hatte außer Vivian, noch zwei andere Kinder.

Nicholas war vier und Davy drei.

Davy kam, genau wie Vivian, eher nach Remus, während Nicholas nach seiner Mutter kam.

Er hatte dieselbe Gabe wie Nymphadora, von daher war es schwer festzustellen, wie Nicholas eigentlich genau aussah.

Harry freute sich für die beiden, dass sie endlich ihr Glück gefunden hatten und die Kinder würden sie auf Trab halten.

„Machs gut, Harry und entschuldige noch mal wegen vorhin", meinte Arabella, bevor sie Harry zum Abschied umarmte.

Dann nahm Nymphadora ihn kurz in die Arme, bevor sie ihn an Remus und Sirius weiterreichte.

„Pass gut auf dich auf und dass du uns nicht noch mal solche Sorgen machst!", sagte Sirius mit einem erhobenen Zeigefinger.

„Melde dich, wenn was ist und schau bald wieder vorbei", meinte Remus.

Die beiden umarmten ihn kurz und dann verließ Harry das Haus.

oooooooooooooooooo

Endlich am Fuchsbau angekommen wartete Lily bereits ungeduldig auf ihren neuen Onkel.

„Da bist du ja endlich wieder, liest du mir jetzt etwas vor?", fragte sie aufgeregt.

Harry lächelte, dann ging er zur Couch im Wohnzimmer, setzte sich und klopfte mit der flachen Hand auf den leeren Platz neben sich.

Lily rannte freudestrahlend los um ihr Lieblingsbuch zu holen und sich damit neben Harry zu setzen.

Es war ein Märchenbuch von den Gebrüdern Grimm.

„So, welches der Märchen würdet Ihr gerne hören, Mylady?", fragte Harry freundlich.

Lily zögerte keine Sekunde bevor sie rief: „Dornröschen, Dornröschen, das ist mein Lielblingsmärchen, weil die Prinzessin so lange schläft, fast wie Papa. Aber dann wird sie geküsst und ist wieder wach. Bei Papa hat das nicht geklappt, aber jetzt ist er trotzdem wach, weil ich es mir ganz doll gewünscht hab."

„So ist das also. Dann wollen wir mal. Es war einmal..."

Während Harry zu lesen begann, rutschte Lily ganz nah zu ihm und kuschelte sich an ihn.

Es dauerte nicht Mal zehn Minuten bevor sowohl Lily, als auch Harry fest eingeschlafen waren.

Nach einer halben Stunde betrat Ginny das Wohnzimmer und der Anblick ließ sie stehen bleiben.

Ginny wurde ganz warm ums Herz als sie ihre kleine Tochter so friedlich schlafen sah.

Ihr kleiner Kopf ruhte auf Harrys Brust und Harry hatte einen Arm um das Mädchen geschlungen.

Ginny betrachte die beiden eine Weile bevor ihr bewusst wurde, was sie da tat.

Es war ja schön, dass Lily Hermines Verlobten so gerne mochte, aber er war nun mal Hermines Verlobter und definitiv konnte er nicht Lily Ersatzvaterfigur werden.

Zum einen gab es Keith, der ihr Stiefvater werden würde, zum anderen war da noch Harry.

Harry, ihr Vater, von dem sie immer noch nicht wusste, wo er sich herumtrieb.

Harry, von dem sie sich fest wünschte, er würde endlich auftauchen und ihr Herz im Sturm erobern.

„Wo bist du nur, Harry", flüsterte Ginny leise.

Als ihr bewusst wurde, was sie da dachte, schüttelte sie den Kopf über sich, ging zur Couch und breitete eine Decke über die beiden Schlafenden.

Dann verließ sie leise das Zimmer.

Als sie draußen war, öffnete Harry die Augen.

„Ich bin ganz in deiner Nähe", murmelte er, bevor er Lily fester in die Arme nahm und weiterschlief.