Mehr als verwirrt stand Sirius im Raum, starrte stur auf die Holztür, die ihm vor der Nase zugeschlagen worden war und zuckte zusammen, als er ein furchtbar lautes „Fuck!" zu hören bekam. Er kam sich blöd vor. Verdammt blöd. Da hatte Draco ihm gerade die Ehre zu Teil werden lassen, sein erstes Mal zu werden und dann haute er ab, sicher um sich zu übergeben. Oder? Nee… Hatte ihm doch Spaß gemacht.
Sirius grinste breit und schleckte sich die Hand ab. Schmeckte phantastisch. Hatte er es doch gewusst… Sobald Draco sich wieder eingekriegt hatte, konnten sie ja gleich nochmal.
Nur schien Draco sich nicht einzukriegen. Eine gefühlte Stunde später saß Sirius noch immer auf der Bettkante, inzwischen mit seiner Boxershorts an, und wartete darauf, dass die Tür aufging, damit ein blonder Haarschopf herausschauen konnte.
„Draco?" Sirius klopfte an die Tür und rüttelte an der Klinke. „Kommst du da nochmal raus? Duschst du? Soll ich dir den Rücken schrubben?"
„Verschwinde, Black!", kam es von drinnen. Hörte sich an, als würde Draco den Kopf wogegen gelehnt haben.
Sirius atmete tief durch, schaute über die Schulter und besah sich der Unordnung, die sie auf dem Bett hinterlassen hatten. „Was ist los?"
„Lass mich in Ruhe!"
„Machst du bitte auf?" Sirius rüttelte erneut an der Türklinke. „Draco?"
„Hau ab!", quietschte Draco richtig.
Sirius seufzte. „Ich würde ungern halbnackt durchs ganze Haus laufen. Du hast da drinnen noch…" Erstaunt hob er die Augenbrauen, als Draco versuchte ihm seine Klamotten unter der Tür durchzuschieben. „Ähm… Das ist…" Albern! Total albern! Er war eindeutig zu alt für sowas! Mann! Sirius war kurz davor die Tür einzutreten, stattdessen bückte er sich und zog seine Hose an. Mehr hatte er nicht bekommen. „Du hast da noch meinen Zauberstab. Wärst du so freundlich und gibst ihn mir?"
Er hörte ein Schnauben von Draco. „Der passt nicht dadurch. Zu dick."
„Das hatten wir schon", grinste Sirius und Draco gab ein entsetztes Quieken von sich. „Passt er wirklich nicht?" Vielleicht hatte er Draco verletzt? Lag es daran? Blutete er am Ende das Badezimmer voll?
„Lass mich in Frieden, Black…", murmelte Draco dumpf.
„Sitzt du vor der Tür?", wollte Sirius wissen.
Stille.
„Wieso?", kam die Antwort zurück.
„Weil ich die Tür eintreten werde", sagte Sirius ernst, hörte ein Rumpeln, als Draco aufsprang und verdrehte die Augen. „Ein letztes Mal: Mach auf!"
„Nein…" Dracos Stimme zitterte hörbar.
Sirius befeuchtete sich die Lippen. Okay, okay… Dann würde er es eben so versuchen. Große Hoffnungen, dass es klappen würde, hatte er zwar nicht, aber er wollte sich nicht unbedingt die Schulter ausrenken, wenn er die Tür einreißen würde, weil ein verwirrter Teenager sich im Bad einschloss.
„Ich hätte nicht gedacht, dass du so eine durchtriebene Schlange bist, Malfoy!", schnauzte Sirius so sauer er konnte. „Verführst mich, nur um an meinen Zauberstab zu kommen!"
„Was?!"
„Hab ich doch gewusst, dass du deinen Mund schon überall hattest! Wie oft machst du das für deinen Meister, häh? Voldemort noch gut bestückt da unten?", polterte Sirius weiter. „Du hast selbst mit Zauberstab keine Chance. Das Haus ist voll mit Ordensmitgliedern und den Schutzzauber kannst du auch nicht…"
Die Tür wurde ruckartig aufgerissen. Draco schaute ihn aus vor Entsetzen und Enttäuschung geweiteten Augen an. Einen Moment fragte Sirius sich, ob das eine Träne war, die da in Dracos Augenwinkel glitzerte. Der Junge bebte förmlich, hatte sich seine Hose falschrum angezogen und Sirius' Hemd um die Schultern gelegt, zog es jetzt fest um seine Seiten.
„Du mieser Bastard!", fauchte Draco ihn an. „Ich dachte…"
Sirius machte schnell und umklammerte Draco so fest er konnte. Sofort versteifte der Blonde sich in Sirius' Armen, hörte erst auf zu zittern, als Sirius ihm beruhigend über den Hinterkopf strich.
„Pscht…", hauchte Sirius in Dracos Ohr. „Ich wollte nur, das du aufmachst."
Beruhigen tat diese Aussage Draco keinesfalls. Er schlug heftig gegen Sirius' nackte Brust, wollte sich so wohl eher losmachen, konnte dann aber nicht widerstehen die Hand auf dem wild schlagenden Herzen liegen zu lassen.
„Aua…", murmelte Sirius gespielt verletzt. „SM ist jetzt nicht so meins…"
„Scheiß Schwuchtel…", raunte Draco. „Lass mich los. Sofort!"
„Eben…"
„Eben war eine… eine Kurzschlussreaktion! Adrenalin. Mehr nicht", versuchte Draco sich rauszureden. „Ich dachte, du bringst mich um!"
„Übertreib nicht." Sirius verstärkte seinen Griff, vergrub die Nase in Dracos Haaren und sog den leichten Geruch von Schweiß ein. „Du wolltest. Es hat dir gefallen und…"
„Hat es nicht!"
„Und das verwirrt dich jetzt." Draco erschauderte, als Sirius mit der Zunge an seinem Hals entlangfuhr um den leichten Schweißfilm zu entfernen. „Du schmeckst wunderbar…"
„Black!" Wieder versuchte Draco Sirius wegzudrücken. Vergeblich. Schließlich ließ er sich von Sirius an seine Brust drücken und schloss die Augen, als der Ältere ihm das Hemd von der Schulter streifte um mehr Freiheit für seine Lippen zu haben. Gerade wollte Sirius sich an der weichen Haut festsaugen, als Draco ihn ruckartig wegstieß.
„N-Nein… Ich… bin nicht… Merlin. Scheiße! Verdammte Hippogreifscheiße!", brüllte Draco, schlug mit voller Wucht gegen Sirius' Brust und stapfte dann extra laut zu seinem Bett, wo er abrupt stehenblieb, als er die deutlichen Spuren seines Techtelmechtels sehen musste. So etwas Ähnliches wie ein Wimmern entfuhr ihm, bevor er den Kopf hängen ließ. „Mist, verdammter…"
„So schlecht war es nicht", meinte Sirius, bekam dafür einen bösen Blick zusehen, ignorierte das aber einfach und hockte sich neben Draco auf den Boden. Er zögerte, bevor er einen Arm um die bebenden Schultern legte und Draco an sich zog. „Möchtest du irgendwas fragen?"
Draco schnaubte auf. „Du kannst mich mal, Black…"
„Wenn du mir sagst, wo…"
„Halt's Maul", fuhr Draco ihn an, machte aber keine Anstalten sich von Sirius wegzubewegen. „Das ist… Das hätte nicht passieren dürfen."
Enttäuscht wandte Sirius den Blick ab. So etwas Schönes einfach zu verleugnen, das tat schon irgendwie weh. Irgendwie. Immerhin mochte… hatte er Draco… gern um sich… Ein bisschen. Wenigstens ein paar Minuten kuscheln hinterher hätten ja wohl drin sein können.
„Es ist nun mal passiert", seufzte er schließlich. „Also gibt es auch einen Grund, warum es passiert ist." Lockerleicht strich er immer wieder über Dracos Rücken, versuchte nicht allzu viel Druck auszuüben. Egal, was er jetzt wollte.
„Ich bin aber nicht schwul! Ich darf gar nicht schwul sein!", blaffte Draco, stützte die Hände auf dem Boden auf und ließ den Kopf nach vorne fallen. „Wenn mein Vater das erfährt, dann… Oh, Merlin! Da will ich gar nicht dran denken…"
„Dann tu's einfach nicht", schlug Sirius vor, lehnte sich vor und versuchte Dracos Blick einzufangen. „Sieh mich an", verlangte er, als das nicht klappte. „Draco." Er fasste den Jüngeren am Kinn und brachte ihre Gesichter auf eine Höhe. „Jetzt sag mir, dass es dir keinen Spaß gemacht hat."
Draco verzog die Mundwinkel. „Du würdest mir doch eh nicht glauben. Keiner glaubt mir irgendwas", schnaubte er. „Wahrscheinlich hörst du eh nur, was du willst."
„Wenn es ansatzweise so atemberaubend klingt, wie dein Stöhnen, dann…"
„Black!" Schockiert wich Draco zurück und lehnte sich mit dem Rücken gegen den Bettpfosten. „Du bist widerlich… Verschwinde."
„Leugne es ruhig, Draco", grinste Sirius und krabbelte auf Draco zu. „Schauen wir, wie lange du das hinkriegst." Dracos Augen weiteten sich, als Sirius die Hand auf seinen Oberschenkel legte und anfing leichte Kreise mit den Fingern zu ziehen. „Ich könnte dir so viel beibringen.", raunte Sirius heiser, rückte noch näher. Draco blieb, wo er war und beobachtete fasziniert Sirius' Hand.
„Du… Du… Ich hab…", stotterte der ehemalige Slytherin herum und schluckte schwer.
„Ich verlange doch nichts Unmögliches oder Schlimmes, Draco", hauchte Sirius in Dracos Ohr, nahm ein angespanntes Seufzen war. „Du kannst dir sicher sein, dass ich nichts tun werde, das dir nicht gefällt."
„Du willst nochmal?!", quiekte Draco so schrill, das Sirius zusammenzuckte, dann aber heiser lachte.
„Warst du eben dabei?", wollte er wissen, rutschte zwischen Dracos Beine und strich mit beiden Händen durch das weißblonde Haar, bis es ganz durcheinander gekommen war.
„J-Ja… So…zusagen…", antwortete Draco tatsächlich auf diese rhetorische Frage.
Sirius gluckste, fuhr mit den Händen jetzt die Konturen von Dracos Gesicht nach. Wunderschön… Die hohen Wangenknochen kamen durch den extremen Rotschimmer viel besser zur Geltung. Dracos Lippen waren noch immer rotgeschwollen und an seinen Hals prangten wahre Massen von Knutschflecken. Sirius' Meinung nach waren es viel zu wenige, wo die blasse Haut dadurch viel schöner aussah.
„Du glaubst nicht ernsthaft, ich will das nicht wiederholen?" Am liebsten sofort, bis zum Morgengrauen… Ach, am besten noch viel länger! Er wollte Dracos Körper genießen so gut es ging, ihn spüren, schmecken, die verschwitzte Haut an seiner fühlen und diese Stimme seinen Namen schreien hören.
Draco versuchte noch einmal wegzurutschen. „Ich… kann…"
„Soll ich dich jetzt alleine lassen?", fragte Sirius und bekam leider sofort ein Nicken zu sehen. „Sag…" Er lehnte die Stirn gegen Dracos mehr als heiße, widerstand der Versuchung, die erwartungsvoll geöffneten Lippen mit seinen zu verschließen, nur schwer. „Sag Bescheid, wenn du etwas brauchst oder Fragen hast."
„Man braucht sich also nur von dir flachlegen zu lassen und schon kriegt man alles, was man will?" Draco wollte wohl verächtlich klingen, aber seine Stimme war nicht mehr als ein erbärmliches Hauchen.
Sirius rückte von Draco weg und fixierte die hellen, grauen Augen. „Denk nicht, du könntest mir jetzt auf der Nase herumtanzen. Ich bin weder verliebt noch blöd. Ich kann klardenken", sagte er kalt und grinste überheblich. Dass sein Körper sich schon längst wieder nach Dracos sehnte und er am liebsten hiergeblieben wäre, ignorierte er einfach. Zumindest versuchte er es. Lange würde er das nicht unterdrücken können und hoffte einfach, dass es Draco ähnlich ging.
Im Moment wirkte er aber nicht so. Für Sirius sah es wie blanker Hass aus, der da in den grauen Augen stand, die eben so wunderbar geblitzt hatten.
„Es war ein gut gemeintes Angebot", sagte Sirius und richtete sich auf. Noch einmal kurz fuhr er Draco über die Wange, bis der den Kopf wegdrehte und demonstrativ die Wand anstarrte. „Ich war auch mal jung. Ich war auch mal Jungfrau."
Draco schnaubte.
„Dachte auch mal, ich sei hetero."
„Black…", hauchte Draco kaum hörbar. Vielleicht hatte er etwas anderes sagen wollen, war aber zu verwirrt, wer wusste das schon.
„Mein ja nur", sagte Sirius, hob die Hand und drehte sich um.
„Dein Hemd…", sagte Draco tonlos.
Kurz schaute Sirius über die Schulter, bis Draco den Blick senkte. „Vielleicht gibst du es mir morgen wieder, wenn du verstehst", sagte er und zwinkerte, was Draco nur aus den Augenwinkeln wahrnahm. „Schlaf gut." Sirius schloss die Tür hinter sich und lehnte sich noch einmal dagegen. Die Augen schließend versuchte er wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Anders als behauptet hatte er den nämlich überhaupt nicht. Ein Wunder, wenn er heute Nacht schlafen konnte und sich nicht einfach wieder in Dracos Bett schlich. Aber der Junge brauchte jetzt Zeit, das wusste Sirius. Morgen würde die Welt wieder ganz anders aussehen. Hoffentlich so, wie Sirius es sich wünschte.
Mit einem tiefen Seufzer stemmte er sich von der Tür ab und ging in die Küche, wo er sich nur einen Trank für vielleicht auftretende Schlafstörungen besorgen wollte, aber einen bösen Blick aus grünen Augen gratis dazu bekam. Purer Zorn kochte in Sirius auf, fast so stark wie die Erregung vor nicht einmal einer Stunde. Nur weniger schön.
„Wo ist dein Hemd?", wollte Harry mit heruntergezogenen Mundwinkeln wissen.
Die Hände zu Fäusten ballend fiel Sirius erst jetzt auf, dass er seinen Zauberstab bei Draco gelassen hatte. Harrys Glück. „Warum hast du mich angelogen?", zischte er.
„Ich weiß nicht, was du meinst." Harry wandte sich ab und schreckte zusammen, als Sirius die Fäuste auf den Tisch hieb.
„Von wegen Angriff!", schnauzte er. „Machst du dich jetzt lustig über mich? Kannst du mich so wenig ausstehen?! Was bitte hab ich dir getan, dass du mich schlechter behandelst, als den Dreck unter deinen verdammten Fingernägeln?!"
Harry fuhr hoch, öffnete den Mund, schloss ihn aber wortlos wieder.
„Da fällt dir nichts ein, was?! Denkst, du kannst mich für blöd verkaufen um mir deine widerwärtigen Foltermethoden recht zu machen, oder?" Schwer atmend fuhr Sirius sich durch die Haare. Diesen Wutausbruch mussten selbst die Muggelnachbarn gehört haben, aber es tat gut.
„Knutschst du deswegen gleich wieder mit Malfoy?!", fuhr Harry ihn zornig an. „Verbrüderst dich mit dem Feind… Wo sind deine Prinzipien, Sirius? Hast du übersehen, was er auf dem Arm hat?"
„Was ich in meiner Freizeit, wovon ich ja durchaus genug habe, mache, das geht dich einen Scheiß an, Harry", sagte Sirius ruhig, worauf Harry die Augen zu Schlitzen verengte.
„Wieso glaubst du Malfoy mehr als mir?", fragte er ehrlich verletzt und schon wieder glaubte Sirius heute einen Teenager zum Weinen zu bringen.
„Draco hat mich nicht angelogen. Vielleicht solltest du dir doch eine Scheibe von ihm abschneiden." Sirius ließ die Augenbrauen hüpfen, drehte sich auf den Absätzen um und ging davon.
„Wo willst du hin, Sirius?!"
„Ich mache dasselbe wie jeden Abend", log Sirius. „Wenn du mal hier wärst, wüsstest du das."
„Das ist nicht fair!", blaffte Harry, rief noch einmal nach seinem Paten, aber der schlug die Küchentür mit voller Wucht hinter sich zu.
