sunny66sara: Das ist für dich. Ich habe mich an Länge diesmal selbst übertroffen.


Table Stakes

Ein lautes Klingeln kündigte an, dass Nick und Sara das kleine Cafe betraten.

„Ich gehe bestellen. Du kannst schon mal einen Platz suchen.", teilte Sara Nick mit und nickte Richtung Tresen.

Nick war mit ihrem Vorschlag einverstanden. „Ich nehme das Übliche."

Aber Sara hörte ihm gar nicht mehr richtig zu, als sie zum Tresen ging. Sie wusste eh, was er immer aß.

„Hallo, was kann ich für Sie tun?", fragte eine rothaarige Bedienung hinter dem Tresen.

Sara strich sich durchs Haar und überlegte einen Moment, was sie essen wollte. „Ich nehme zwei Kaffee, schwarz, einmal Menü 12 und einmal Menü 8. Die Eier bitte von beiden Seiten gebraten."

„Darf es noch etwas sein.", die Bedienung klang gestresst, was ihrer Freundlichkeit aber keinen Abbruch tat.

„Nein, danke.", sagte Sara und beobachtete wie die Frau hinter der Küchentür verschwand.

Eine Mädchenstimme erschrak sie leicht, als diese fragte: „Ist der süße Typ, mit dem du gekommen bist, dein fester Freund?"

Sara sah sich um und fragte sich, ob die gemeint war. Als sie die Besitzerin der Stimme ausfindig gemacht hatte, war sie überrascht.

„Meinst du mich?"

Das kleine Mädchen mit roten, langen Haaren nickte.

„Nein, er ist nicht mein fester Freund. Er ist nur ein Freund.", Sara fragte sich sofort, warum sie dem Mädchen das überhaupt erzählte.

„Oh, hat er Angst dir zu sagen, was er für sich empfindet?", sie fragte das, als wäre es selbstverständlich einen fremden Menschen solche eine Frage zu stellen.

Sara konnte es nicht glauben. Sie wollte darauf auch nicht antworten. „Solltest du nicht in der Schule sein oder so etwas?"

„Es ist Samstag.", sagte das Mädchen und schreckte Sara ihre Hand entgegen, „Ich bin Chloe."

Sara ergriff ihre Hand und schüttelte sie. „Sara."

„Nett dich kennen zulernen, Sara."

Chloe wollte immer noch eine Antwort, auf die Frage, die sie eben gestellt hatte.

„Und? Woran liegt es nun, dass er nur ein Freund ist und nicht dein Freund?"

Sara tippte mit der Hand unbewusst auf dem Tresen herum. „Ich weiß nicht, wir sind nur Arbeitskollegen."

„Warum geht ihr denn auf einem Samstag zusammen essen?", sie beobachtete Sara genau.

„Er hat mir gezeigt, wie man Unterschriften fälscht.", sagte Sara und musste lächeln. Sie wusste, dass Chloe keine Ahnung hatte, wovon sie brach, also fügte sie hinzu: „Unsere Schicht ist gerade zu Ende."

Chloe guckte auf ihre Uhr. „Es ist halb Acht am Morgen, wer hat denn um diese Uhrzeit Schichtende. Arbeit ihr in einer Käsefabrik oder was?"

Sara musste Grinsen, sie wusste nicht, wie ein so kleines Mädchen, so neugierig sein kann. „Eigentlich arbeiten wir beim CSI."

„Oh, cool. Ihr seid Wissenschaftler.", Chloe hatte einen neu gewonnen Respekt vor Sara.

Sara nickte und strahlte jetzt förmlich.

„Also hat der süße Typ eine feste Freundin. Oder lässt er sich auch mit keiner Anderen ein, wenn er dich nicht hat?", kam Chloe wieder auf das Anfangsthema zurück.

„Erstens, du bist ganz schon hartnäckig. Zweitens, der süße Typ heißt Nick. Drittens, er hat im Moment keine feste Freundin und viertens, wir sind nur Arbeitskollegen."

Chloe lächelte Sara an. „Rede dir das nur weiter ein, ich habe gesehen, wie er dich ansieht", gerade als Sara fragen wollte, wie er sie denn ansähe, fuhr Chloe schnell fort, „Meinst du, ich hätte eine Chance bei ihm?"

Sie klang ziemlich hoffnungsvoll, so dass Sara sie nicht enttäuschen wollte, trotzdem fragte sie: „Wie alt bist du eigentlich?"

Chloe richtete sich auf. „Zehneinhalb.", verkündete sie stolz.

Sara runzelte leicht die Stirn und überlegte. Gerade, als sie Chloe antworten wollte, kam die Bedienung mit zwei Kaffee.

Sara nahm diese in die Hand und richtete sich wieder an Chloe: „Wartest du für einen Augenblick, ich will Nick nur schnell den Kaffe bringen."

Chloe nickte und sagte: „Beeil dich."

Sara drehte sich um und ging zum Tisch. Als sie in Nicks Nähe kam, guckte sie ihn aufmerksam an. Unweigerlich fragte sie sich, wie er sie wohl ansah und ob sie zu blind war, um denn Unterschied zu merken. Sah er andere Frauen nicht auch so an?

„Hier schon mal dein Kaffee, das Essen braucht noch etwas.", Nick legte die Speisekarte aus der Hand, die er nur gelesen hatte, um sich zu beschäftigen und nahm Sara den Kaffee ab.

„Danke."

Als Sara sich wieder umdrehte, fragte Nick schnell: „Willst du nicht hier auf das Essen warten?"

Sara drehte sich wieder zu ihm. „Ich würde ja gerne, wirklich, aber ich habe noch eine Kleinigkeit zu tun."

„Was ist denn da vorne so interessant?", sein Gesichtsausdruck war voller Neugier.

Sara überlegte schnell. „Nichts Besonderes. Ich hab nur erfahren, dass du ein süßer Typ bist."

Dann drehte sie sich wieder um und ging zurück. Hätte sie noch einmal zurückgeschaut, hätte sie seinen verdutzten Blick gesehen.

Chloe hielt schon nach Sara Ausschau, als sie sie endlich erblickte, war sie beruhigt. Sie wollte schließlich noch eine Antwort.

„Und, habe ich eine Chance?", war das erste, was sie zu Sara sagte, als diese wieder bei ihr war.

„Wenn du 20 Jahre älter wärst, ganz bestimmt.", sagte Sara und sah im selben Augenblick Chloes Enttäuschung.

„Na ja, so hast du wenigstens keine Konkurrenz, Sara.", sie versuchte die Situation von der positiven Seite zu sehen.

Sara nickte ihr zu. „Darüber bin ich auch sehr froh. Wenn du alt genug wärst, hätte ich ja nie eine Chance."

Gleich als sie Chloes Augen funkeln sah, bereute sie ihre Aussage.

„Dann liegt es doch daran, das er Angst hat, dir zu sagen, was er empfindet.", sie klang, als hätte sie gerade eine Goldmedaille gewonnen.

Sara hätte nie gedacht, dass sie einer Bedienung so dankbar sein würde, als sie das Essen brachte.

„Ich gehe jetzt lieber zu Nick, bevor das Essen kalt wird.", sage Sara entschuldigend zu Chloe und nahm die Teller.

„Ja, nutze deine Chance und schnapp ihn dir.", Sara musste lachen.

„Vielleicht sehen wir uns nachher noch mal.", sagte Sara.

Chloe schüttelte den Kopf. „Nein, mein Dad kommt gleich und holt mich ab. Es ist sein Wochenende."

Sara ging ein Licht auf. „Die rothaarige Frau ist deine Mutter, richtig?"

Chloe nickte. „Ja, aber jetzt geh endlich essen, sonst wird das Essen wirklich noch kalt."

Sara nickte ihr zum Abschied zu und wollte etwas sagen, doch Chloe kam ihr zuvor. „Ich sagt dir Tschüss, wenn ich gehe. Ich muss eh daran vorbei, wo du und Nick sitzen."

„Okay.", sagte Sara und machte sich auf den Weg zu Nick.


Nicks Gesicht bekam ein Strahlen, als sie mit dem Essen kam. Sara konnte jedoch nicht genau sagen, ob es an ihr oder dem Essen lag.

„Ich dachte schon, du kommst nie wieder.", sagte er zu Sara und nahm ihre die Teller aus der Hand.

Sie ignorierte seinen Kommentar und setzte sich ihm gegenüber.

„Hast du heute noch was vor?", fragte sie ihm, als ihr nichts Anderes einfiel.

Nick nickte. „Oh ja, ich werde schlafen, schlafen und noch mal schlafen."

„Ich glaube, das mache ich auch.", sagte Sara. Sie brauchte auch schon zehn Liter Kaffee, um die Augen offen zu halten.

Sie aßen für eine Weile, ohne zu sprechen. Nick erblickte ein kleines rothaariges Mädchen und wunderte sich, warum es auf sie zukam.

„Sara, ich gehe jetzt. Mein Dad ist da, also auf Wiedersehen."

Sara legte ihre Gabel aus der Hand und ergriff Chloes. „Ich wünsch dir viel Spaß."

Chloe dankte ihr und wendete sich an Nick: „Überwinde endlich deine Angst. Du bist ein Mann, also verhalte dich auch so, Nick."

Dann ging sie und winkte zum Abschied.

Als sie weg war, fragte Nick erstaunt: „Was war das?"

Sara sah ihn an und sagte wie selbstverständlich. „Das war Chloe."

Als er sie weiter ausfragte, antwortete sie nicht. Sie hatte keine Lust ihm zu erklären, was Chloe meinte. Irgendwann würde er von selbst darauf kommen.

Das hoffte sie jedenfalls.