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Ganz besondere Grüße gehen diesmal nach Italien. Danke für die lieben Zeilen.
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Heute ist wieder der Tag der Tage. Mir ist kalt.
Nicht ohne Grund...
Da stand er, mit diesem Blick in seinen Augen, der deutlich besagte, wie schuldig er war.
Ich würde nie vergessen, was er getan hatte. Und er wusste es.
Wenn ich mein Leben ändern könnte, würde ich es tun.
houseghost
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Burden of impurity
Kapitel 14
Sectumsempra
„Wann haben Lavender und ich denn eigentlich Schluss gemacht?"
Hermine hielt die Luft an und hoffte inständig, dass Harry den Mund halten würde.
„Du weißt es nicht?", fragte sie vorsichtig, während sie aus den Augenwinkeln zu Lavender hinüber schielte, die mit ausreichend Abstand am anderen Ende des Gryffindor-Tisches saß und ein finsteres Gesicht machte.
Ron legte die Stirn in Falten. „Ich kann mich an gar nichts erinnern. Außer … Nein. Ich hatte das Gefühl, als hätte es einen Streit zwischen dir und Lavender gegeben, Hermine. Irgendwie war ich wohl der Meinung, ich müsste mit dir zusammen sein. Aber das kann nicht sein. Das war nur ein Traum."
Am liebsten wäre sie vor Scham im Boden versunken. Da das nicht ging, zog sie die erstbeste Möglichkeit in Betracht, die ihr in den Sinn kam, um ihn von Lavender abzulenken.
Aufmunternd klopfte sie ihm auf die Schulter. „Komm, wir sollten dich auf andere Gedanken bringen."
Voller Tatendrang stand sie auf, doch Ron verzog die Mundwinkel.
„Was hast du denn vor?"
Sie zuckte mit den Schultern. „Irgendwas wird uns schon einfallen."
Mit einem breiten Grinsen hievte sie Ron und Harry zu sich hoch und hakte sich bei ihnen unter.
Das jüngste Ereignis mit Snape hatte dafür gesorgt, dass Hermine sich deutlich besser fühlte. Zwar war sie immer noch verwundert darüber, wie es dazu kommen konnte, doch abgesehen davon bescherte ihr alleine der Gedanke an ihren Professor ein wohliges Kribbeln in der Bauchgegend. Es war, wie sie zugeben musste, verboten, sich ihm so intim zu nähern. Vielleicht lag aber genau darin der Reiz verborgen, denn mal ehrlich, wer hätte schon gedacht, dass diese Leidenschaft in ihm stecken würde? Snape war ganz anders als sie immer vermutet hatte. Er war so unglaublich gebildet und roch noch dazu teuflisch gut. Vor allem aber steckte er voller Überraschungen, die sie ständig aufs Neue herausforderten.
„Wir könnten doch sehen, ob Hagrid Zeit hat", schlug sie eifrig vor.
„Das wäre eine Möglichkeit", bemerkte Harry ernst. „Aber da hinten ist Malfoy. Ich würde nur zu gern wissen, was der schon wieder im Schilde führt."
Hermine rollte mit den Augen. „Muss das sein, Harry? Jetzt, wo wir endlich wieder alle zusammen sind, fände ich es schön, das etwas zu feiern. Wie in alten Zeiten, weißt du?"
Er seufzte. „Das versteh ich ja, Mione. Und das werden wir. Es wird auch gar nicht lange dauern, versprochen. Geht ihr schon mal zu Hagrid und verkündet ihm die frohe Botschaft, dass das Trio wieder komplett ist. Ich komm dann nach."
Ron nickte zustimmend. „Du kannst es immer noch nicht lassen, was?"
Harry setzte ein verschmitztes Grinsen auf. „Irgendein Gefühl sagt mir, dass ich ihn nicht aus den Augen lassen sollte."
„Also schön, Harry. Aber vergiss nicht, du hast es versprochen."
Kaum hatte sie ausgeredet, hatte er sich auch schon aus dem Staub gemacht.
„Er wird sich nie ändern", sagte Ron kopfschüttelnd.
„Nein. Vermutlich nicht."
„Und was machen wir jetzt? Wir brauchen einen Ersatzplan … Nur für den Fall, dass Hagrid keine Zeit hat. Jetzt, wo ich endlich wieder fit bin, will ich die freien Stunden nicht einfach so vergeuden. Das Leben kann verdammt schnell zu Ende sein, weißt du?"
Hermine boxte ihm spielerisch in die Seite. „Man merkt deutlich, dass du mit Fred und George verwandt bist." Dann wurde sie wieder ernst. „Du hast uns ganz schön Angst gemacht."
Ron grinste stolz, sagte aber nichts darauf.
„Lass uns doch kurz nach Ginny sehen, vielleicht will sie ja mit zu Hagrid. Und wenn er nicht da ist, können wir uns immer noch heimlich nach Hogsmeade schleichen."
„Alles klar. So wie ich das sehe, könnte es eine Weile dauern, bis Harry nachkommt. Wenn er kommt."
„Er hat es versprochen."
„Schon. Aber er hatte diesen irren Blick in seinen Augen."
„Du meinst den Malfoy-Blick?"
„Klar mein ich den."
„Hoffentlich stellt er nicht wieder was Dummes an."
Er zuckte mit den Schultern. „Ich für meinen Teil habe erst mal genug davon, im Krankenflügel zu liegen. Pomfrey kann ziemlich anstrengend sein."
„Glaub ich dir sofort", gab Hermine seufzend zurück. Genau diese Unbeschwertheit mit Ron hatte sie vermisst. „Ich weiß noch, wie sie mich mit Fragen gelöchert hat, als die Sache mit dem Vielsafttrank schiefgelaufen ist."
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Der Geruch des Blutes, der sich in der Luft ausgebreitet hatte, erregte eine grauenhafte Übelkeit in Hermine. Das Bild, das sich ihren Augen bot, als sie durch die Tür des Badezimmers lugte, indem Harry und Draco sich duelliert hatten, war auch nicht gerade besser. Da war es kein Wunder, dass Harry so schnell wie möglich das Weite gesucht hatte, nachdem er dafür zur Verantwortung zu ziehen war.
Als er wie von der Tarantel gebissen in den Gemeinschaftsraum gestürzt war, um sein blödes Zaubertränke-Buch loszuwerden, an dem er in den vergangenen Monaten so stur festgehalten hatte, wusste Hermine instinktiv, dass etwas Schreckliches geschehen war.
Nun stand sie hier und wagte kaum zu atmen, obwohl sie wie der Teufel gerannt war, um zu Snape zu gelangen.
Der ganze Raum zeigte Spuren eines Kampfes. Waschbecken und Wasserrohre waren beschädigt, es plätscherte und tropfte an verschiedenen Stellen von den Wänden. In einer Lache aus Dracos Blut stand Snape über seinen Schützling gebeugt und murmelte im Singsang einen Gegenfluch vor sich hin.
Die Gefühle, die Hermine durchströmten, waren schauderhaft. Draco wirkte mehr tot als lebendig. In seinem Körper klaffte ein Loch.
Sie fröstelte. Immer wieder hatte sie dieselben Gedanken: es war ein Loch, für das Harry verantwortlich war.
Snape, der seinen Zauberstab auf Draco gerichtet hatte, um den blonden Slytherin-Jungen wieder zusammenzuflicken, schien sie nicht einmal bemerkt zu haben.
Erst nach einer schieren Ewigkeit endete sein sich immer wiederholender Singsang plötzlich und er rappelte sich auf. Er wirkte erschöpft und ausgelaugt. Als er dann den Kopf in ihre Richtung drehte, hielt sie den Atem an.
Der Ausdruck auf seinem Gesicht lag jenseits der Wut. Seine Augen glühten vor Zorn, und obwohl seine ungepflegten Strähnen Teile seines Gesichts verdeckten, konnte Hermine die dunkle Falte zwischen seinen Brauen erkennen, die vor Erregung bebte. Überall an ihm klebte Blut. Seine Kleidung war triefnass, von all den Pfützen aus Wasser, die sich um Draco herum angesammelt hatten.
Hermine biss sich auf die Zunge. Wie Harry es diesmal schaffen sollte, nicht aus Hogwarts rauszufliegen, war ihr ein Rätsel.
„Kann ich – kann ich irgendwas tun?", stammelte sie unbeholfen.
Snapes Hand, mit der er den Zauberstab hielt, zitterte unmissverständlich und sie wusste, dass sie jetzt extrem vorsichtig sein sollte, ihn nicht noch zusätzlich zu reizen.
Langsam kam er durch das Wasser auf sie zu gewatet, bis er unmittelbar vor ihr stehenblieb und wie der altbekannte schwarze Wall vor ihr emporragte.
„Du solltest dafür beten, dass er das überlebt", zischte er zwischen seinen eng aufeinander gepressten Kiefern hervor.
Hermine nickte wie vor den Kopf geschlagen.
„Komm in einer halben Stunde in mein Büro. Wir müssen reden."
Ungläubig blinzelte sie ihn an. „Müssen wir das?"
Er nickte. „Allerdings."
Nachdem er ihr einen weiteren, sehr zornigen Blick zugeworfen hatte, drehte er sich um und wendete sich erneut Draco zu.
Hermine hörte Schritte und Stimmen. Vermutlich war die gesamte Belegschaft informiert worden.
Mit klopfendem Herzen machte sie kehrt und rannte davon.
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„Wie konntest du nur so nachlässig sein, Harry?"
Er saß wie ein Häufchen Elend neben seinen Freunden auf dem Sofa im Gemeinschaftsraum und schüttelte den Kopf.
„Ich weiß es nicht."
„Ha!", schnaubte Hermine wütend. „Ist das zu fassen? Du hast einen unbekannten Zauberspruch an einem deiner Mitschüler ausprobiert, der von dem kranken Hirn aus diesem blöden Buch stammt. Sag mal, geht es dir noch gut?"
Ron seufzte. „Mione, ich denke nicht, dass das jetzt was bringt ..."
„Sei still, Ronald!", fauchte sie ihn an, ohne Harry aus den Augen zu lassen. „Du hast versprochen, heute was mit uns zu machen, Harry. Ich bin maßlos enttäuscht von dir! Wenigstens einmal hättest du Malfoy sich selbst überlassen und dein Versprechen halten können."
Harry sprang auf die Beine und beugte sich über sie. Sein ganzer Körper zitterte.
„Das sagt ja genau die Richtige! Wer war es denn, der ihm eine gescheuert hat?"
Entgeistert schüttelte sie den Kopf. „Aber das war etwas ganz anderes. Ich hatte allen Grund, auf ihn wütend zu sein. Du hingegen suchst seit dem Beginn des Schuljahres nach einem Schuldigen für die Verbrechen, die Voldemort zu verantworten hat."
„Natürlich tue ich das!"
„Und das verstehe ich. Glaub mir. Aber Hogwarts ist vielleicht nicht der richtige Ort, um dort danach zu suchen.
„Hermine! Hast du es denn noch immer nicht kapiert? Draco ist jetzt einer von denen, die unter anderem deine Eltern getötet haben."
Sie schluckte. „Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass er was damit zu tun hat?"
Wie gleichgültig zuckte er mit den Schultern. „Woher willst du das wissen? Vielleicht war er ja dabei. Frag doch mal Snape, wenn du schon so viel mit ihm abhängst. Er kann dir bestimmt mehr verraten."
Vollkommen überrumpelt stand ihr der Mund offen, als plötzlich Ginny in den Gemeinschaftsraum geklettert kam.
„Ihr solltet jetzt besser damit aufhören", platzte sie ernst aus sich heraus.
Ron sah sie besorgt an. „Und? Was hast du rausgefunden?"
„Es war nicht so leicht, was in Erfahrung zu bringen. Filch hätte mich vor dem Lehrerzimmer fast erwischt. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was da draußen los ist. Das ganze Schloss ist auf den Beinen. Dumbledore, McGonagall … Sie werden bald hier auftauchen und du musst endlich dieses Buch loswerden, Harry! Ein für alle Mal."
Hermine nahm all ihre Kraft zusammen und stand auf. „Sie hat Recht. Ihr solltet gehen und es verschwinden lassen. Vielleicht haben wir noch eine Chance, dass du nicht rausgeworfen wirst, wenn es keine Beweise für das Buch gibt. Ich muss jetzt jedenfalls zu Snape. Bestimmt will er wissen, ob ich etwas davon gewusst habe."
„Mione ..."
Sie schüttelte den Kopf. „Nein, Harry. Lass es gut sein. Wir sollten später weiter reden, wenn wir nicht mehr so aufgebracht sind. Wenn es um Snape geht, sollte ich lieber nicht zu spät kommen, bevor alles noch schlimmer wird."
Er nickte belämmert und Hermine machte sich einmal mehr mit einem flauen Gefühl im Magen auf den Weg in die Kerker.
