Disclaimer: Nichts an dieser Geschichte gehört mir. Es ist nicht nur so, dass das Original von der unübertroffenen Jane Austen stammt, sondern ich in diesem Fall auch nur die Übersetzerin der Geschichte bin. Das Copyright der Geschichte liegt bei der Autorin Kara, ich habe aber ihre Erlaubnis, diese Geschichte in der deutschen Übersetzung zu posten. Sollte Interesse bestehen, das Original, das unter dem Titel „Disenchanted" auf mehreren Plattformen erschienen ist, zu lesen (denn eine Übersetzung ist und bleibt ein Echo des Originals), möge man sich bitte bei mir melden. Leider erlaubt diese Seite nicht die Angabe eines Links, man kann ihn aber durch eine Mail an mich oder durch eine Frage im Review bei mir erhalten

Kapitel 14 – strömender Regen

Als Elizabeth am nächsten Morgen aufwachte, waren zwar ihre Kopfschmerzen verschwunden, nicht aber ihre Wut. In der Hoffnung, Mr. Collins' Gesellschaft und Charlottes fragenden Blicken zu entkommen, blieb sie in der Zeit vor dem Frühstück in ihrem Zimmer und überlegte, was sie als Antwort auf den Brief ihrer Tante schreiben sollte. Schließlich aber – nachdem sie das Blatt Papier ziemlich häufig mit Tinte bekleckst hatte – ging sie nach unten für eine schnelle Tasse Tee und machte sich dann auf in den Park.

Elizabeth ging geschwind voran (und tat ihr bestes, um Mr. Darcy aus ihren Gedanken zu vertreiben) und begab sich schnurgerade zu dem Ort, wo sie vor einigen Tagen das die Steinhütte gesehen hatte. Als sie diese zuerst nicht sah, dachte Elizabeth, dass sie vielleicht noch nicht weit genug gegangen war. Dann, als sie weiter ging und immer noch nichts sah, fragte sie sich, ob sie vielleicht zu weit gelaufen war. Sie ging zurück und umrundete das Gebiet, in dem – sie war sich sicher – das Gebäude gestanden hatte. Als sie nichts fand, nicht einmal die geringste Spur, breitete sie ihre Suche aus, wandte sich vom Pfad ab und begab sich in die ungezähmten Bereiche des Waldes.

Als die Sonne immer höher stieg, wurde die Luft immer wärmer. Elizabeth nahm ihre Haube ab, um sich Luft zuzufächeln, dann bemerkte sie, wo sie war, und begab sich zögerlich auf den Weg zurück (von dem sie ein ganzes Stück weit abgekommen war). Erhitzt und verärgert darüber, dass sie die Zeit ganz vergessen hatte, machte sie sich auf den Weg zurück zum Pfarrhaus. Mr. Darcy war die letzte Person, die sie zu treffen erwartet oder gewünscht hatte, und so war sie sehr verärgert, als sie auf ihn stieß, wie er mit ausgestreckten Beinen und ohne Hut mit dem Rücken an einen Baum gelehnt auf dem Boden saß. Seine Augen waren geschlossen und er war nicht weit von der Stelle entfernt, wo sie zum ersten Mal vom Pfad abgewichen war. In der Hoffnung unbemerkt an ihm vorbei zu schleichen, bewegte Elizabeth sich sehr leise, aber sehr zu ihrer Enttäuschung öffnete Mr. Darcy die Augen, als sie sich genau vor ihm befand.

„Wer da?", sagte er lächelnd.

„Ich werde mit Ihnen heute nicht Ihr Spiel spielen", schnaubte Elizabeth, als er sich aufrichtete.

„Sie hatten gesagt, Sie hätten sich einen Namen für sich ausgedacht", sagte er und trat näher. „Ich möchte ihn hören."

„Das hat nichts zu bedeuten", sagte sie und wich zurück.

„Ganz im Gegenteil", sagte er. „Möchten Sie es mir nicht sagen?"

„Nein, Mr. Darcy, das möchte ich in der Tat nicht", sagte sie und ging einfach weiter.

Mr. Darcy fiel in ihre Schritttempo ein und sagte dann: „Sie haben es mir gegenüber doch erwähnt. Darf ich fragen, warum Sie ihn mir jetzt nicht sagen wollen?"

„Das fragen Sie noch?", fauchte sie zurück und blickte ihn nur kurz an.

„Können Sie bitte für einen Moment anhalten, Miss Bennet?", sagte er plötzlich. „Ich muss mit Ihnen reden."

„Zwischen uns gab es in letzter Zeit wenig zu bereden, Mr. Darcy", Elizabeth hob eine Augenbraue, aber sie hielt an und wandte sich ihm zu. „Warum heute diese Ausnahme?"

„Sie müssen wissen, wovon ich spreche."

„Von Ihrem Rat?", sagte Elizabeth und verschränkte ihre Arme. „Ich habe genug gehört von–"

„Es geht nicht um den Rat", sagte er ernst, „jedenfalls nicht ganz. Ich kann verstehen, dass Sie in den letzten Tagen von mir enttäuscht waren, aber es war zu Ihrem eigenen Schutz."

„Zu meinem Schutz?", sie hob verwirrt beide Augenbrauen.

„Oder vielleicht auch meinem eigenen", sagte Mr. Darcy und sein Gesicht war blass. „Es war nicht das, was ich mir gewünscht hatte, aber ich kann es nicht länger unterdrücken."

„Ich verstehe nicht, was Sie sagen wollen", rief Elizabeth frustriert.

Mr. Darcy blinzelte sie überrascht an. „Sie verstehen nicht? Miss Bennet", er holte tief Luft und ging auf sie zu, „Sie müssen doch wissen, dass ich Sie liebe."

Elizabeth war überrascht und schwieg. Er nahm das als ein Zeichen der Ermutigung und sprach weiter.

„Sie können doch nicht überrascht sein. Sie müssen sich doch vielmehr über meine Aufmerksamkeit und das darauf folgende abweisende Verhalten in der letzten Woche gewundert haben. Aber Sie müssen verstehen, dass ich nicht die Absicht hatte, etwas zu verfolgen, was niemals hätte sein können. Bis gestern hatte ich mir nicht einmal erlaubt, die Möglichkeit überhaupt in Betracht zu ziehen. Ich glaube, ich liebe sie, seitdem ich sie zum ersten Mal – ich weiß gar nicht mehr, wann es überhaupt angefangen hat – und obwohl ich dagegen gekämpft habe, kann ich jetzt nicht mehr weiter machen, ohne Ihnen zu sagen, wie sehr Sie mir am Herzen liegen."

Elizabeth sah ihn nur schockiert an, aber der Gentleman bemerkte dies nicht, als er vor ihr auf und ab ging.

„Der Unterschied zwischen Ihnen und mir war nicht leicht zu überwinden", fuhr er fort, „nicht nur im Bezug auf unsere Stellung, sondern auch im Bezug auf die lange Geschichte des magischen Talents in meiner Familie und das Fehlen in Ihrer. Natürlich würde das jeden Zauberer von Bedeutung zögern lassen – aber das hat nichts zu bedeuten. Meine Zuneigung zu Ihnen und meine Bewunderung Ihrer Fähigkeiten ist stetig gewachsen, seitdem ich Sie kenne. Die Stärke meiner Zuneigung hat – trotz meines besseren Wissens – alle meine Anstrengungen, sie zu unterdrücken, überwunden. Ich habe gefürchtet – und ich hoffe– Würden Sie mir", er hielt inne und stand ihr genau gegenüber, „die Ehre erweisen und meinen Heiratsantrag annehmen?"

Es gab eine lange und schreckliche Pause. Elizabeth sah ihm standhaft in seine hellen Augen. Er sprach von Angst, aber er zeigte keine. Sie musste ihn abweisen. Obwohl sie sich geschmeichelt fühlte, weil er sie bewunderte – ja gar liebte! – gab es keine andere Möglichkeit.

„Ich hatte nicht die Absicht, Sie zu verletzten", begann sie, „und ich würde meine Dankbarkeit ausdrücken, wenn ich sie denn empfinden würde. Aber es ist für mich unmöglich, das zu tun. Ich kann es nicht annehmen, Mr. Darcy. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung von Ihren Gefühlen – aber ich bin mir sicher, dass die anderen Gefühle, die Sie zum Ausdruck gebracht haben, dafür sorgen werden, dass die Enttäuschung nicht lange anhält."

Mr. Darcy blinzelte, trat einen Schritt zurück und das Blut schoss in seine Wangen. Nach einer weiteren Pause sagte er mit erzwungener Ruhe in der Stimme: „Bedeute ich Ihnen so wenig, dass ich auch nur ohne die geringste Höflichkeit abgewiesen werde?"

„Und ich darf fragen, ob ich Ihnen so wenig bedeute, wo ich in einem Atemzug von Ihnen beleidigt und umworben werde? Dass Sie mich trotz Ihren besseres Wissens mögen? Sie vergleichen unsere Vorfahren! Und das, wo Sie doch genau wissen, dass unsere Väter Zeitgenossen waren!" Elizabeths Augen blitzten wütend. „Aber das ist nicht der wahre Grund für meine Unhöflichkeit – wenn ich denn unhöflich war. Glauben Sie im Ernst, dass ich Sie heiraten könnte – wo Sie das Glück meiner geliebten Schwester vielleicht für immer zerstört haben? Können Sie leugnen, dass Sie es getan haben?"

„Ich habe nicht den Grund, das zu leugnen", sagte er mit leiser Stimme. „Ihm habe ich einen besseren Dienst erwiesen als mir."

„Einen Dienst, indem Sie zwei Menschen, die sich liebten, voneinander getrennt haben?", lachte Elizabeth bitter.

„Das ist Ihre Sichtweise. Ich habe im besten Interesse – und aus Schutz meines Freundes – gehandelt. Es gibt Gründe für mein Handeln, die können Sie sich nicht einmal ausmalen."

„Schutz vor meiner Schwester? Ein gesellschaftlicher Abstieg durch eine Verbindung mit meiner Familie ist so gefährlich!"

„An Ihrer Familie ist nichts gefährlich. Stellen Sie keine Vermutungen aufgrund von Informationen an, die Sie nicht verstehen", sagte Mr. Darcy mit erhobener Stimme.

„Vermutungen ist alles, was bei Ihnen möglich ist, Mr. Darcy", sagte sie und ging ebenfalls einen Schritt zurück. Das Sonnenlicht prallte durch die Bäume auf ihre Köpfe. „Sie haben mich dazu gebraucht, zu glauben, dass ich die Gelegenheit bekommen würde, bestimmte Informationen, auf die Sie angespielt haben, zu verstehen. Aber ich hätte nicht überrascht sein sollen, dass Sie solche Informationen – immer noch! – für sich behalten. Ihr wahrer Charakter hat sich mir in dem Bericht enthüllt, den ich vor vielen Monaten vom Mr. Wickham erhalten habe."

„Sie scheinen großen Anteil an den Sorgen dieses Herren zu nehmen", sagte Mr. Darcy in einem weniger ruhigen Tonfall.

„Er hat mir mehr nützliche Informationen gegeben als Sie während unserer ganzen Bekanntschaft!"

„Daran zweifle ich nicht – obwohl ich aber bezweifle, ob seine Informationen wirklich so nützlich sind."

„Sie verachten ihn, haben ihm das vorenthalten, was ihm zugedacht war und ihn so in seine jetzige Armut gestürzt – seine relative Armut!" Elizabeth hielt inne und erwiderte Mr. Darcys herausfordernden Blick nicht weniger intensiv. Sie holte einmal tief Luft und fuhr dann fort: „Wie genau haben Sie diese Wunde erhalten, Mr. Darcy? Während Sie ihren Freund vor dem Dieb verteidigt haben? Oder hat er sich selbst vor Ihnen verteidigt?"

Mr. Darcy stolperte schockiert einige Schritt rückwärts. „Was?", sagte er und seine Augen funkelten.

„Ich weiß mehr, als Sie denken, Mr. Darcy. Ich kenne die wahre Identität Ihres Onkels! Sie sind ein Mitglied des Rats der Zauberer – aber wissen Sie auch, dass es einen Informanten im innersten Kreis gibt? Ihre Geheimhaltung, Ihre Lügen – ich wurde vor all diesem lange zuvor gewarnt."

„Sie behaupten, ich sei der Dieb?", Mr. Darcys Stimme war sehr leise. „Und das ist die Meinung, die Sie von mir haben! Das ist die Wertschätzung, die ich in Ihren Augen genieße! Ich danke Ihnen, dass Sie sie so ausführlich erklärt haben. Ich bin verschwiegen gewesen, aber nur, weil dies absolut notwendig war. Sie behaupten, Sie kennen meine Rolle innerhalb des Rats der Zauberer – dann müssen Sie doch eigentlich auch verstehen, dass das Leben meiner Freunde beizeiten in meinen Händen liegt. Hätte ich Ihnen das trotz meiner Bedenken alles verraten und Ihnen geschmeichelt, wären diese Anschuldigungen wohl nie gemacht worden."

„Es gibt nichts, dass Sie hätten verraten können, das Ihnen geholfen hätte, Mr. Darcy", sagte Elizabeth und musste kämpfen, damit ihre Stimme nicht zitterte. „Hätten wir auch in einer Welt ohne die Bedrohung durch das Böse oder ähnlich gefährliche Machenschaften gelebt, Sie hätten mir einen Heiratsantrag auf keine Weise machen können, die mich verlockt hätte, ihn anzunehmen. Ihre grundsätzlichen Charaktereigenschaften bleiben doch die gleichen: Dass Sie stolz sind und sich wenig um die Gefühle von anderen – es sei denn, wenn dies für Sie selbst nützlich ist – kümmern, ist mir schon vom ersten Augenblick unserer Bekanntschaft an aufgefallen. Sie sind der letzte Mann auf der Welt, den zu heiraten man mich überreden könnte."

Die Stille breitete sich zitternd zwischen ihnen aus. Mr. Darcy begegnete ihrem Blick mit kaum verborgener Verwunderung und Scham.

„Ich verstehe, Miss Bennet", sagte er. „Ich entschuldige mich deshalb für meine Gefühle. Verzeihen Sie mir, dass ich Ihre Zeit in Anspruch genommen habe."

Elizabeth nickte und beide drehten sich um, um jeweils geschwind in entgegengesetzte Richtungen davon zu gehen. Und nicht bevor sich Elizabeth sicher in ihr eigenes Zimmer eingeschlossen hatte, ließ sie ihren Tränen freien Lauf.


Als ihre heißen Tränen schließlich versiegten, setzte Elizabeth sich an das offene Fenster und ließ die kalte Brise über ihre Wangen streichen. Sogar in ihren wildesten Fantasien über Mr. Darcys Geheimnisse hatte sie nie gedacht, dass er verliebt in sie war. Er tat ihr nicht leid – sich dachte nicht, dass seine Zuneigung lange halten würde, um das zu rechtfertigen – und sein Verhalten ihr, Jane und Mr. Wickham gegenüber vertrieb all die Gefühle, die sie sonst vielleicht empfunden hätte. Aber Sie bereute ihre Unterstellung, dass er mit schwarzer Magie involviert war. Sie wusste, dass er das nicht war und sie hätte ihren Ärger zurückhalten sollen.

Am Nachmittag wurden sie glücklicherweise nicht auf Rosings zum Tee erwartet. Elizabeths Stimmung war den Rest des Tages sehr gedrückt und Charlotte machte sich Sorgen über die Gesundheit ihrer Freundin. Mr. Collins fragte sich, ob sie vielleicht unter der gleichen Krankheit litt wie Lady Catherine die vergangene Woche und Maria flüsterte ihr zu, dass es ihr leid tat, dass sie ihr keinen verzauberten Tee machen konnte, um ihre Stimmung zu heben. Dies zauberte ein mattes Lächeln auf Elizabeths Gesicht und Elizabeth versicherte ihnen, dass es ihr gut ging und dass sie wahrscheinlich nur müde war von der Überanstrengung im Park am Morgen.

Charlotte schickte sie nach zahlreichen Tassen Tee und der Ermahnung, am nächsten Morgen nicht in den Park zu gehen, früh zu Bett. Aber Elizabeth stand früh auf und konnte nicht anders als nach draußen zu gehen. Sie wurden am Nachmittag auf Rosings erwartet und sie konnte die Aussicht, Mr. Darcy zu sehen, nicht ohne die stärkende Ruhe in den frühen Morgenstunden ertragen.

Als sie wieder an Mr. Darcy dachte (von dem sie seit ihrer letzten Begegnung nicht aufgehört hatte zu denken), erinnerte sie sich daran, den Ort zu meiden, wo sie sich zuletzt getroffen hatten. Sie war noch nicht sehr weit gegangen und wollte gerade zum Haus zurückkehren, als sie in den Augenwinkeln etwas wahrnahm. Als sie dorthin blickte, sah Elizabeth überrascht das Gebäude aus Stein, das dieses Mal fast gänzlich von Weinranken umgeben war und sich in einiger Entfernung im Wald versteckt befand. Da sie sich jetzt absolut sicher war, dass es sich um einen Zauber handelte, verließ Elizabeth den Weg und ging auf das Gebäude zu.

Sie bemerkte das Schwirren der Magie, als sie näher kam, es war jetzt an einer komplett anderen Stelle als zuvor. Sie brauchte viel länger als angenommen, um es zu erreichen, denn die Hecken, die es umgaben, waren dicht und voller Dornen, die an ihrem Kleid und ihrer Haut zogen. Immer wenn sie dachte, sie sei fast da, sah sie weg und sah dann, als sie erneut aufblickte, dass der Bau noch viel weiter weg war, als sie gedacht hatte. Schließlich aber stand Elizabeth – müde und außer Atem – an der Schwelle und spähte durch einen türlosen Bogen in die Dunkelheit. Das Licht drang nicht in die Dunkelheit vor, Elizabeth fröstelte und zögerte.

„Miss Bennet!", rief eine Stimme aus einiger Entfernung. Sie drehte ihren Kopf leicht zur Seite und sah, wie Mr. Darcy geschwind auf sie zukam. Blut stieg ihr in die Wangen und sie richtete resolut ihre Haube auf.

„Was machen Sie wo weit weg vom Weg, Miss Bennet?", fragte er verwirrt, als er sie erreichte. „Ich bin hier eine Zeit lang her gegangen, in der Hoffnung, Sie zu treffen."

Elizabeth deutete mit ihrem Arm auf die Steinhütte hinter ihr. „Ich fand das hier faszinierend – es ist nicht die Art von Magie, an die ich gewöhnt bin und ich bin her gekommen, um sie zu erforschen. Ich hätte ich gedacht, dass Sie das stören würde."

Jetzt war es an Mr. Darcy zu erröten. „Das wollte ich damit nicht sagen. Was fanden Sie faszinierend? Es gibt hier doch keine außergewöhnliche Magie."

Elizabeth schürzte verstimmt ihre Lippen. „Ich kann Magie nicht erkennen, wenn keine Zauber ausgeführt werden, aber dieses Gebäude ist voll davon. Sie sind etwas undurchsichtig für mich, aber ich kann erkennen, dass–", sie hielt inne und hätte beinahe über seinen Gesichtsaudruck gelacht. „Ich verstehe", sagte sie und ging auf den dunklen Bogen zu, „Sie können es nicht sehen."

„Was sehen?", sagte er und zog seine Augenbrauen zusammen.

„Dieses Gebäude."

„Wo?"

„Mr. Darcy, wir stehen an der Türschwelle."

Er kam ihr näher und hatte seine Stirn in Falten gelegt. „Sie müssen sich irren. Wäre hier ein Gebäude, wäre ich mit Sicherheit in der Lage, es aufzuspüren."

„Es gibt also keine Magie, die zu kompliziert für Sie ist", sagte Elizabeth nur kalt und ging eine paar Schritte von der Hütte zurück. „Und Sie beleidigen mich jedes Mal."

Mr. Darcy sah schmerzerfüllt drein. „Ich will Sie nicht beleidigen, aber es ist unmöglich–"

„Sehen Sie genau hin", unterbrach Elizabeth ihn, hob ihre Hände und schloss ihre Augen, um sich zu konzentrieren.

In dem Gewirr an Magie, das um sie herum schwirrte, konnte sie den richtigen Zauber finden und zog daran. Zögerlich und langsam, aber mit größerer Leichtigkeit als die Zauber, die sie zuvor entwirrt hatte, löste er sich auf. Mr. Darcys Augen weiteten sich.

„Wie Sie sehen können, bilde ich es mir nicht ein", sagte sie triumphierend und ging auf das Gebäude zu.

„Gehen Sie nicht dorthin!", rief Mr. Darcy ernst und hielt sie am Arm fest.

Elizabeth wollte ihm gerade einen Vorwurf machen, als plötzlich die Erde unter ihren Füßen bebte und sie beide zu Boden fielen. Es gab einen lauten Knall und für einen Moment konnte keiner von ihnen wegen dem gleißendem Licht etwas sehen – dann folgte die Dunkelheit. Darcy hielt ihren Arm fest und als sie schließlich ihre Umgebung wieder erkennen konnten, war das Steingebäude verschwunden und eine dichte Hecke umgab sie. Die Sonne wurde von Wolken verdeckt und die ersten Regentropfen fielen vom Himmel.

Darcy zog Elizabeth auf ihre Füße und hielt sie an ihren Schultern fest.

„Elizabeth", sagte er, „du musst sofort zu Mrs. Collins laufen und ihr sagen, dass es einen Angriff auf Rosings gegeben hat. Danach musst du sofort nach London zur deinem Onkel und deiner Tante Gardiner aufbrechen. Hast du mich verstanden?"

„Was habe ich getan?", schnappte sie entsetzt und da sie sich nicht traute, seinem Blick zu begegnen, schloss sie ihre Augen und versuchte, die Zauber, die sich um sie herum aufbauten zu ordnen.

„Ich weiß nicht, was passiert ist – bitte versteh doch – ich sage die Wahrheit. Aber ich erkenne diese Zauber – ich habe schon viel zu häufig dagegen gekämpft."

„Ich kann den Punkt, an dem sie beginnen, nicht finden!", rief Elizabeth. „Ich weiß nicht, wie ich sie brechen kann."

„Das ist Magie, die viel zu mächtig für dich oder auch mich zum Entwirren ist. Es gibt für mich keine Hoffnung auf Entkommen, ich muss warten bis er kommt – und er wird kommen, obwohl das vielleicht etwas dauern wird. Elizabeth", sagte er drängend und schüttelte sie sanft an, „du musst zu deiner Tante und deinem Onkel nach London, du musst dich verstecken. Verwende das Schild, das du bei unserer ersten Begegnung eingesetzt haben und verschwinde von hier. Ich folge so schnell ich kann."

„Ich werde bleiben und helfen, gegen ihn zu kämpfen. Vielleicht bin ich in der Lage–"

„Nein!", sagte er und seine Hände umklammerten sie fester. „du wirst nicht bleiben."

„Sie können mich nicht dazu zwingen, zu gehen", sagte sie und hob trotzig ihr Kinn.

„Ich bitte dich zu gehen", sagte er sanft und ließ ihre Arme los. Sie sahen sich schweigend an, während der Regen immer dichter fiel und sie beide durchnässte. „Es bleibt nicht mehr viel Zeit, bitte! Die schlimmsten Befürchtungen deines Vaters haben sich in diesem Augenblick bewahrheitet. Der Dieb weiß jetzt von dir – und dass jemand in der Lage war, Entzauberung anzuwenden. Kannst du dir vorstellen, wie groß die Anziehungskraft einer solchen Gabe für den Hexenmeister ist?"

Elizabeth antwortete nicht, sondern baute schnell eine Barriere zwischen sich und dem fallenden Regen auf. „Wenn Sie nahe bei mir bleiben, könnten wir gemeinsam gehen", sagte sie und wischte sich das Wasser von ihrem Gesicht.

„Damit uns der Dieb nach London verfolgt?", entgegnete er. „Dein Schild ist nicht mächtig genug, damit ich den Zaubern entkommen kann, die mich hier ohnehin festhalten." Er stoppte, griff dann in seinen Mantel und zog zwei Dinge hervor. „Hier", sagte er und drückte ihr eine Uhr in die Hand. „Lass das auf dem Boden außerhalb des Parks zurück. Lös keinen Zauber davon auf – es funktioniert von ganz alleine und wird mir die Hilfe bringen, die ich brauche. Tust du das für mich?"

Sie nickte, zitterte vor Kälte und blickte auf die Wolken, die sich über ihnen auftürmten.

„Und wirst du nach London gehen? Ich werde kommen, so schnell ich kann, ich gebe dir mein Wort", sagte er und blickte sie bittend an. Er stockte. „Nehmen Sie das", sagte er und drückte eine zweite Sache – einen Brief – in ihre Hand. „Erweisen Sie mir die Ehre und lesen Sie ihn. Er erklärt vieles – vieles, das ich schon vorher hätte erklären sollen. Können Sie mir vergeben, Miss Bennet?"

„Es tut mir leid", sagte sie sanft, „dass ich Sie beschuldigt habe, schwarze Magie zu verwenden, Mr. Darcy, und ich bete zu Gott, dass Sie verschont bleiben mögen."

„Sie müssen sich nicht fürchten", sagte er mit der leichten Andeutung eines Lächelns. „Mein unerträglicher Stolz wird nicht zulassen, dass ich sterbe. Werden Sie gehen?", fragte er und drückte ihre Hand. „Sie müssen sich verstecken, Sie müssen sich in Sicherheit bringen. Vertrauen Sie niemandem – nicht einmal wenn sie einer guten Bekanntschaft ähneln – außer Ihrem Onkel, Ihrer Tante und Jane. Und sogar diese müssen Sie mit Fragen testen, die nur sie beantworten können."

„Ihre Losung", sagte Elizabeth schwach und versuchte so wie er zu lächeln, „dafür ist er gedacht."

Er nickte. „Wenn jemand auf Sie zukommt, der so aussieht wie ich, und er begrüßt Sie nicht in dieser Form, dann bin ich es nicht. Schützen Sie sich selbst. Und mein Cousin, Colonel Fitzwilliam, er gehört auch dazu. Er wird sich selbst als Fortinbras bezeichnen. Können Sie sich das merken?"

„Und Sie sind Pendragon?", sagte Elizabeth.

„Nein", sagte er mit einem kurzen Lachen und bewegte sie langsam in Richtung des Kreises, der sie umgab. „So nenne ich mich nur selber. Aber im Rat ist meine offizielle Bezeichnung der Poet."

„Der Poet?"

„Das war nicht meine eigene Wahl", sagte er schroff.

Elizabeth wandte sich ihm zu, nahm seine Hand und hielt diese kurz. „Ich werde tun, was Sie verlangen, weil Sie versprochen haben, zurückzukehren", sagte sie, ließ seine Hand los, als sie von ihm weg trat, und sich durch die Hecke kämpfte.

„Ihr Name!", rief Darcy drängend.

„Rosalind(1)", antwortete sie und war verschwunden.

Allein, mit dem Regen, der auf ihn nieder prasselte und den Blitzschlägen über ihn, sprach Mr. Darcy sanft, weil er wusste, dass ihn niemand hören würde.

„Rosalind… hätte ich doch dein Orlando(1) sein dürfen."

AN: Evil Cliffhanger 2 von 4 - der hier ist richtig gemein, gell?? Mehr gibt es leider erst in einer Woche...

(1)Rosalind und Orlando sind Charaktere (und Liebende!! ;-)) aus Shakespeares "Wie es euch gefällt." Besonders über Rosalind (dich ich persönlich sehr mag) gibt es eine Menge Informationen, aber ich werde nur sagen, dass sie eine sehr fortschrittliche, forsche, gewissenhafte und zielstrebige Person ist - das sollte reichen ;-)
Für mehr Informationen: Das Internet ist eine Fundgrube (besonders im englischsprachigen Bereich...