14. There Will Be Blood Tonight

(In Loving Memory of Haldir of Lórien)

Als ich die Augen aufschlug, war es noch ziemlich dunkel. Im Osten wurde der Himmel bereits hellgrau, aber im Westen war er noch fast schwarz. Verschlafen setzte ich mich auf.

Innerhalb kürzester Zeit saß ich wieder auf meinem Pferd und wir ritten weiter, nach Westen in die Dunkelheit hinein. Hinter uns wurde der Himmel heller. Ich hielt mich eisern am Sattel fest.

‚Nur nicht runterfallen, das hätte' ja grad noch gefehlt,' dachte ich noch etwas müde.

Der Himmel wurde immer blauer und im Osten ging endlich die Sonne auf. Langsam wurde ich wacher. Das Kettenhemd war noch immer ziemlich unbequem und vor allem schwer. Wie hielt Gimli das nur aus? Der trug ja 'ne ganze Rüstung.

Da es jetzt endlich ganz hell war, konnte man weit im Nordwesten eine riesige dunkle Rauchwolke oder so etwas sehen.

Gandalf lies sich etwas zurückfallen und ritt jetzt neben mir und Legolas.

„Könnt Ihr irgendetwas dort erkennen, weit entfernt in Richtung Isengard?" fragte der Zauberer den Elb.

„Viele Meilen liegen dazwischen," antwortete dieser und beschattete seine Augen mit einer Hand um besser sehen zu können. „ Ich kann eine Dunkelheit erkennen. Darin bewegen sich Gestallten, große Gestallten, weit entfernt am Ufer des Flusses; aber was sie sind kann ich nicht sagen. Ein verhüllender Schatten liegt auf dem Land und bewegt sich langsam den Fluss entlang. Es ist, als ob das Dämmerlicht unter endlosen Bäumen die Hügel hinunter fließen würde."

„Und hinter uns kommt ein Sturm aus Mordor," sagte Gandalf. „Es wird eine dunkle Nacht werden." Mit diesen aufmunternden Worten ritt der Weiße Zauberer wieder nach vorne, zu Théoden und Aragorn.

Wir ritten stundenlang ohne Unterbrechung nach Westen und ich wäre bereits ein paar mal beinahe eingeschlafen, so eintönig war das Ganze. Die Landschaft war auch nicht gerade abwechslungsreich. Je später am Tag es wurde, desto dunkler wurde es. Es konnte nicht viel später als früher Nachmittag sein, als die Sonne endgültig von dunklen, bedrohlichen Wolken verhüllt war. Es kam mir schon fast wie eine Sonnenfinsternis vor. Auch wurde es immer kälter. Ich war froh um meinen warmen Elbenmantel, den ich immer enger um mich zog. Das Kettenhemd störte mich mittlerweile schon fast nicht mehr.

Den Sonnenuntergang konnte man eigentlich gar nicht richtig sehen. Der ganze westliche Himmel war in ein blutiges Rot getaucht, das langsam immer dunkler wurde, während die Temperatur noch mal um einige Grad sank. Wir ritten immer noch weiter.

Mittlerweile befanden wir uns schon ganz nahe an den Bergen, die mit Schnee bedeckt waren. Die Gipfel direkt vor uns bestand aus drei einzelnen rauen Zacken, die im diffusen Licht der untergehenden Sonne glänzten. Im schwindenden Licht konnte ich erkennen, dass uns ein einzelner Reiter entgegen kam, der es offenbar sehr eilig hatte. Der König gab ein Signal zum anhalten und wir warteten auf den herannahenden Reiter.

Der Kleidung nach war er eindeutig ein Mann aus Rohan. Er sah total müde und erschöpft aus und musste, als er ankam erst mal eine Weile nach Atem ringen, bevor er etwas sagen konnte.

„Ist Éomer hier?" fragte er schließlich. „Ihr seid endlich gekommen, doch ihr seid zu spät und zu wenige. Seit Théodred fiel ist es schlecht gelaufen. Letzte Nacht wurden wir von einem großen Heer angegriffen und wir konnten die Furten des Isen nicht halten. Ganz Isengard muss gelehrt sein, so viele waren es, mindestens zehntausend, Orks und einige Männer aus Dunland. Sie haben uns überrannt und der Schildwall wurde durchbrochen. Erkenbrand von der Westfold hat sich mit einigen in der Festung von Helms Klamm verschanzt. Wo ist Éomer? Sagt im, dass es keine Hoffnung mehr gibt. Er sollte nach Edoras zurückkehren, bevor die Wölfe Isengards kommen."

Der König hatte die ganze Zeit geschwiegen, doch nur ritt er auf den Mann zu.

„Ich bin hier. Die letzte Heerschar der Eorlingas ist losgezogen. Wir werden nicht ohne eine Schlacht zurückkehren."

Der Reiter schien positiv überrascht sein, den König zu sehen.

„Befiehlt mir, mein Herr! Und verzeiht mir! Ich dachte..."

„Ihr dachtet, ich wäre in Meduseld geblieben, gebeugt wie ein alter Baum unter dem Schnee des Winters. So war es, als ihr in den Krieg gezogen seid. Doch ein Westwind hat die Zweige erschüttert," antwortete ihm Théoden. „Gebt diesem Mann ein frisches Pferd! Lasst uns Erkenbrand zu Hilfe eilen!" rief er den Reiter zu.

Nun meldete sich auch Gandalf zu Wort.

„Reite Théoden! Reite nach Helms Klamm! Ich muss Euch nun für eine Weile verlassen. Erwartet mich an Helms Tor! Lebt wohl!"

Daraufhin ritt der Zauberer in Richtung Nordwesten davon. Er war so schnell verschwunden, das es schon an Zauberei grenzte, denn kein Pferd konnte so schnell laufen. Aber Gandalf war ja auch ein Zauberer und Schattenfell war ja auch schließlich kein normales Pferd.

Auf ein Zeichen Théodens setzten wir uns wieder in Bewegung, diesmal nach Süden, auf die Berge zu. Die flache Ebene erstreckte sich dunkel bis zum Fuß der Berge, wo ich zwischen zwei Bergen ein schmales, tiefes Tal sehen konnte. Die Seitenwände des Tales waren sehr hoch und steil und nach hinten wurde es immer schmaler und enger. Als wir näher kamen, sah ich, dass sich in dem Tal eine Burg befand. An einer relativ engen Stelle, wo von der nördlichen Felswand eine Felsenklippe herausragte, befand sich eine hohe und mächtige Mauer, die bis zur anderen Seite hinüberragte und somit das ganze hintere Tal absperrte. Hinter dieser Mauer befand sich eine Festung aus hohen Steinmauer, in deren Mitte ein hoher Turm stand. Durch das Tal floss uns ein kleiner Bach entgegen und ich konnte eine Rampe sehen, die zu einem Tor am rechten Ende der Mauer führte. Wir ritten so schnell wir konnten auf diese Mauer zu und ich nahm an, dass es sich bei der Festung um Helms Klamm handeln musste.

Als wir vor der Rampe angekommen waren, wurden wir von einigen Kriegern, die anscheinend Wache gehalten hatten, begrüßt. Ich war zu weit hinten, um alles zu hören, was sie sagten, doch ich bekam mit, dass Erkenbrand nicht in Helms Klamm war. Es waren einige Krieger da, doch die meisten die sich in der Festung aufhielten, waren entweder zu alt oder zu jung um richtig kämpfen zu können und es waren viele Frauen und Kinder da, die aus der umliegenden Gegend in die Burg geflohen waren.

Théoden führte uns die Rampe hinauf und in die Festung hinein. Die meisten Reiter ritten zu der freien Fläche hinter dem großen Wall aber ich blieb zusammen mit Legolas, Aragorn, Gimli und mehreren anderen beim König. Unsere Pferde führten wir in den Inneren Bereich der Burg hinein. Théoden gab den Befehl, dass sich alle Frauen und Kinder in die Höhlen zurückziehen sollten und dass alle, die fähig waren zu kämpfen, sich bereit halten sollten. Die Tore wurden gesichert und die Pferde weiter aufwärts im Tal angebunden.

Ich stand etwas abseits und hatte mich an die Wand gelehnt, als Legolas auf mich zukam.

„Es besteht wohl keine Chance, dass ich dich überreden könnte, mit den Frauen und Kindern in die Höhlen zu gehen?" fragte mich der Elb besorgt.

„Nein," antwortete ich mit einem schwachen Lächeln. „Ich werde hier bleiben und mitkämpfen. Wozu habe ich sonst gelernt, mit einem Schwert umzugehen? Außerdem würde mich das Warten und die Ungewissheit verrückt machen. Ich möchte bei dir bleiben." Fügte ich mit einem wärmeren Lächeln hinzu.

„Ich hatte auch keine große Hoffnung, dich überreden zu können."

Aragorn kam langsam und sichtlich erschöpft zu uns herüber.

„Bauern, Schmiede, Stallburschen. Dies sind keine Soldaten."

„Die meisten haben zu viele Winter gesehen," fügte Gimli, der sich ebenfalls dazugesellt hatte, hinzu.

„Oder zu wenige," ergänzte ich.

„Unsere Chancen stehen schlecht, die Armee Isengards ist uns um ein vieles überlegen. Aber hinter diesen Mauern haben wir vielleicht eine Chance, wenn wir nur lange genug aushalten. Gandalf wird kommen," sagte Aragorn entschlossen.

Auf einmal ertönte von draußen ein klares Horn. Es hörte sich wunderschön an und erinnerte mich an etwas, ich konnte nur nicht genau sagen, was. Legolas reagierte erfreut und lief bereits nach draußen.

„Dies ist kein Ork-Horn!"

Wir folgten ihn, so schnell wir konnten. Auf dem Vorplatz der Hornburg blieben wir stehen und sahen in Richtung des großen Tores. Es wurde bereits nach dem König geschickt und ich versuchte, ebenfalls zu sehen, was da los war. Ein Trupp von ungefähr 200 Männer kam die Rampe empor, im Gleichschritt wie erfahrene Soldaten und in dunkelblaue Mäntel gekleidet. Doch als ich näher hinsah, konnte ich erkennen, dass es keine Menschen sondern Elben waren. Sie trugen alle eine Rüstung und waren mit Pfeil und Bogen und höchstwahrscheinlich auch mit einem Schwert bewaffnet, obwohl ich das nicht sehen konnte, da sie lange Umhänge trugen. Der Elb der an vorderster Stelle ging, hatte einen dunkelroten Mantel an und hatte seine Kapuze zurückgeschlagen. Haldir!

‚Ja,' dachte ich, als ich ein zweites Mal hinschaute. Es war tatsächlich Haldir aus Lórien. Doch wie kam er hierher? Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, dass wir jetzt circa 200 erfahrene Elbenkrieger zur Unterstützung hatten.

Die Elben hatte mittlerweile den Vorplatz erreicht und auch Théoden war aus dem Inneren der Burg gekommen.

„Wie ist dies möglich?" wunderte sich der König von Rohan.

„Ich bringe Wort von Elrond von Imladris," sagte Haldir, der anscheinend der Anführer der Elben war, mit melodischer Stimme. „Ein Bündnis existierte einst zwischen Elben und Menschen. Vor langer Zeit kämpften und starben wir zusammen. Wir kommen, um dieses Bündnis zu ehren."

„Mae govannen, Haldir," begrüßte Aragorn den Elben mit einer Verbeugung. Doch dann umarmte er ihn spontan. „Ihr seid sehr willkommen!"

Auch Legolas und ich begrüßten den Elb aus Lórien erfreut. Théoden konnte es immer noch nicht richtig fassen, dass so unerwartet Hilfe gekommen war und hieß die Elben herzlich willkommen.

„Wir sind stolz, wieder Seite an Seite mit den Menschen zu kämpfen," erwiderte Haldir lächelnd.

Die Sonne war schon seit einiger Zeit untergegangen. Ich stand zwischen Legolas und Haldir oben an der Mauer, den Bogen in der Hand. In der Ferne konnte man die Orkarmee sehen, die immer näher kam. Es war schaurig anzusehen, wie das riesige Heer mit den Fackeln näher kam. 10 000, das hört sich so wenig an, aber wenn man das dann vor sich sieht... also mir erscheint das ja eher wie eine Million. Aber schätzen konnte ich ja noch nie. Ich sah verstohlen nach links und rechts. Schon beeindruckend, wie die ganzen Elbenkrieger da aufgereiht standen, mit ihren Bögen. Aber es waren nur ca. 200 und dann noch 300 Menschen, von denen die Hälfte mindestens zu jung oder zu alt zum Kämpfen war.

‚Ich glaube, jetzt kann ich mir vorstellen, wie sich die Schottische Armee kurz vor der Schlacht von Culloden gefühlt haben muss.'

Ich seufzte. Legolas drehte sich zu mir und lächelte mich aufmunternd an. Ich lächelte schief zurück und sagte leise:

„Es könnte schlimmer sein. Es könnte regnen."

Kaum hatte ich das gesagt, donnerte es und es begann zu regnen. Deprimiert zog ich meinen Mantel enger um mich.

„Ich und meine große Klappe."

Ich musste gar nicht erst zu Legolas hinsehen, um zu wissen, dass er ironisch lächelte.

‚Na komm schon,' dachte ich. ‚Positiv denken, das Glas ist immer halb voll.' Ein weiter Blitz erhellte das Tal vor mir und mein Mut sank wieder. ‚Oh Sch... ist positiv das Gegenteil von realistisch?'

Mann, dass sah ja aus, als ob die Hölle heute wegen Überfüllung geschlossen hätte und sie alle, die nicht mehr reingekommen sind, hierher geschickt hätten.

Aragorn ging hinter uns vorbei und wand sich an die Elbenkrieger.

„A Eruchîn, ú-dano i faelas a hyn an uben tanatha le faelas! Oh Kinder Erus, zeigt keine Gnade für sie, denn sie werden euch keine zeigen!"

‚Tolle Aussichten. Wen versuchen wir hier eigentlich zu verarschen? Wir sind so was von tot.'

Auf einmal ertönte von einem der Orks ein schrecklicher und lauter Schrei, der anscheinend ein Zeichen zum Anhalten war. Kurz darauf fingen die Uruk-Hai an mit ihren Waffen auf den Boden zu stampfen und furchterregend zu brüllen. Shit, waren die laut! Die hätte ja sogar Van Gough gehört und der ist tot und ihm fehlt ein Ohr.

Einer der Männer aus Rohan schien aus Versehen einen Pfeil abgeschossen zu haben, denn einer der Uruks in der ersten Reihe fiel mit einem Grunzen um. Yeah! One down, 9999 to go!

"Dartho! Halt!" befahl Aragorn.

Die Orks waren anscheinend ‚not amused' und brüllten noch lauter und wütender als zuvor. Auf ein Zeichen hin, begannen sie, auf den Wall zu zu stürmen.

‚Oh scheiße,' dachte ich. ‚Wie war das bei Otto? Noch sind wir nicht verloren! Erst in drei Minuten.' Doch ich bezweifelte, dass uns jetzt noch drei Minuten blieben.

„Tangado a chadad! Macht euch bereit zu feuern!" ertönte Aragorns Befehl und ich legte wie in Trance einen Pfeil ein und hielt mich bereit.

„Faeg i-varv dîn na lanc a nu ranc. Ihre Rüstung ist schwach am Nacken und unter dem Arm." informierte uns Legolas. Das nützte mir zwar nicht viel, so eine gute Bogenschützin war ich nun auch wieder nicht, aber irgendwie beruhigte mich es trotzdem.

„Leithio i philinn! Schießt die Pfeile ab!" befahl Aragorn.

Ich lies den Pfeil zusammen mit den anderen los und die Geschosse hagelten auf die Orks herab. Alle trafen, sogar meiner, doch leider waren nicht alle tödlich. Auch Théoden gab seinen Männern nun den Befehl zu schießen. Die trafen schon weniger, aber trotzdem waren sie ganz effektiv. Irgendetwas trifft man bei einer so großen Anzahl von Feinden ja immer. Und wenn ein Pfeil im Bein einen Uruk-Hai vielleicht nicht allzu sehr behindert, ist es doch zumindest ein guter Anfang.

„Ribed had!" rief Aragorn, doch wir brauchten keine weitere Aufforderung mehr. Ein Pfeil nach dem anderen wurde auf die angreifenden Uruks abgefeuert. Die meisten fanden ihr Ziel.

‚Jetzt bräuchten wir so große Kugeln aus brennendem Material, so wie in Troja!' dachte ich, als ich einen weiteren Pfeil losschickte. Aber so ging's auch.

„Pendraith! Leitern!" warnte uns Aragorn, doch es war nicht nötig, denn wir konnten ziemlich gut sehen, wie von hinten Orks mit riesigen Leitern angerannt kamen. Die Nacht wurde jetzt regelmäßig von Blitzen erhellt, da würde man sich die Scheinwerfer sparen können. Außerdem waren da ja auch noch die Fackeln der Orkarmee. Ich war überhaupt nicht mehr müde und das Kettenhemd hatte eich bereits vergessen, nur der Helm rutschte mir einmal über die Augen. Verärgert schob ich ihn nach hinten und sorgte dafür, dass er diesmal auch wirklich fest saß.

Ich wartete den Ruf Aragorns, nach den Schwertern zu greifen gar nicht erst ab, sondern zog Gilmegil sofort als die ersten Uruk-Hai die Mauer erkletterten. Aus den Augenwinkeln konnte ich sehen, wie Legolas seine weißen Messer zog und auch Haldir machte sich bereit. Mein Schwert lag leicht in meiner Hand und als der erste Ork auf mich zusprang, riss ich die Klinge automatisch hoch und traf ihn quer über die Brust. Mit einem überraschten Grunzen fiel er seitlich nach hinten und in das angreifende Heer Isengards hinein.

‚Yeah!' dachte ich triumphierend. ‚Das hab' ich jetzt gebraucht.'

„Legolas! Zwei hab' ich schon!" rief Gimli grinsend.

„Ich bin bei 17!" antwortete der Elb lächelnd.

‚Ein Wettstreit!' dachte ich überrascht. ‚Ich bin dabei! 8 Pfeile und zwei mit dem Schwert macht 10. Nicht schlecht für den Anfang.'

Dem nächsten Uruk, der über den Wall kletterte, traf ich mit Gilmegil in den Magen. Doch links von mir konnte ich sehen, wie mehrere Ork mit einem Rammbock das Tor attackierten.

„Rampe! Na fennas! Hado ribed! Hado! Rampe! Schießt! Schießt!" ertönte Aragorns Stimme über den Kampflärm.

Eine Leiter, die nur noch ungefähr drei oder vier Meter von der Mauer entfernt war, fiel nach hinten zurück, da Legolas mit einem Pfeil das Seil durchtrennt hatte, dass sie hochzog. Yeah! Fliegenklatsche! Dadurch hatte ich Zeit noch schnell drei Pfeile in Richtung Tor abzuschießen, bevor ich wieder zu meinem Schwert greifen musste.

Es schien mir, als ob ich mittlerweile schon eine Ewigkeit auf der Mauer kämpfte und meine Arme taten mir langsam weh, aber ich war immerhin schon bei 22, wenn ich mich nicht verzählt hatte.

„Togo hon dad, Legolas! Bring ihn runter, Legolas!" schrie Aragorn auf einmal und zeigte auf einen Uruk-Hai, der mit einer Fackel auf den Wall zurannte. Scheiße! Kannten die Orks etwa schon Dynamit?

„Dago hon! Dago hon! Töte ihn! Töte ihn!" rief der Waldläufer verzweifelt. Doch obwohl ihn die Pfeile getroffen hatte, schaffte der Ork die letzten paar Schritte noch und schmiss sich in Richtung Mauer. Ein gewaltiger Knall ertönte und der Boden bebte unter meine Füßen. Ich verlor den Halt und konnte nur mit Mühe dem Schwert eines Uruks ausweichen als ich stolperte. Fuck! Das war unfair!

Mühsam rappelte ich mich auf und starrte ungläubig auf das riesige Loch in der Mauer durch dass eine Masse Uruk-Hai strömte. ‚Also, des würd' ich etz reklamieren.'

Ich stieg aus Versehen auf einen toten Uruk und wäre um ein Haar von der Mauer gefallen, doch ich konnte gerade noch rechtzeitig mein Gleichgewicht wiederfinden und den nächsten abwehren. Wie viel waren das jetzt? 26? Hinter mir konnte ich Aragorn hören.

„Herio! Angriff!"

Gute Idee. Den nächsten Uruk-Hai stieß ich einfach wieder von dem Wall herunter. Von meiner Müdigkeit spürte ich gar nichts mehr, so pumpte das Adrenalin durch meine Adern.

Wie aus weiter Ferne hörte ich jemanden rufen:

„Nan Barad! Nan Barad! Zur Festung! Zur Festung!"

Leichter gesagt als getan. Zwischen mir und der Festung waren jede Menge mordlustige Uruks. Ich griff den nächsten Ork an, der über die Mauer sprang doch ich traf ihn nicht richtig mit dem Schwert, also lies ich meinen Ellbogen auf seinen Nacken hinuntersausen, als er herumfahren wollte. Shit! Tat das weh! Mein Arm wurde ganz taub. ‚Fuck, des funktioniert auch nur im Fernsehen.'

Ich sah den nächsten Schlag zwar kommen, doch ich konnte meinen Arm nicht mehr rechtzeitig heben. Verzweifelt versuchte ich der Klinge auszuweichen und warf mich zu Boden, doch da wurde sie von einem Elbenschwert aufgehalten. Haldir schlug dem Uruk-Hai mit einer fließenden Bewegung den Arm ab und stieß ihn nach innen von der Mauer. Ich schnappte nach Luft und wollte ihn danken, da sah ich den Ork hinter ihm.

„Nein!" Mein Schrei ging im allgemeinen Lärm unter und Haldir wurde mit voller Wucht in den Rücken getroffen. Verzweifelt rappelte ich mich auf, doch zwischen mir und dem Elben befand sich plötzlich ein weiterer Uruk, den ich mit Müh und Not erledigte, doch da war es bereits zu spät. Ein zweiter Hieb hatte Haldir tödlich getroffen und er sank auf die Knie.

„Nein! Haldir!" Ich stieß den Ork weg und rannte zu dem sterbenden Elben, der in meine Arme sank und starb.

Eine Hand packte mich von hinten und Aragorn zog mich weg.

„Komm!"

Fassungslos lies ich mich von dem Waldläufer wegzeihen und in Richtung Festung mitschleppen.

Wir liefen über eine versteckte Treppe in den Inneren Bereich und kamen so zum großen Tor, wo sich auch der König befand. Wo Legolas und Gimli waren, wusste ich nicht. Das Tor war bereits eingebrochen und halb zerstört und sah nicht so aus, als ob es noch lange halten würde.

„Wir können das Tor nicht mehr viel länger halten," teilte uns Théoden überflüssigerweise mit.

„Wie lange braucht ihr?" fragte Aragorn nur.

„So lange wie Ihr uns geben könnt!" rief der König zurück.

Der Dunkelhaarige nickte und lief seitlich in eine Nische hinein. Ich wollte nicht zurückbleiben und folgte ihm. Durch eine gut versteckte Seitentür kletterten wir auf einen Felsvorsprung hinaus. Ich warf einen vorsichtigen Blick um die Ecke auf das belagerte Tor. Eine Entfernung von ungefähr zweieinhalb Metern, das sollte zu schaffen sein. Aragorn warf mir einen fragenden Blick zu, doch ich nickte nur entschlossen. Mit einem Schrei sprang der Krieger auf die Rampe rüber und attackierte die völlig überraschten Uruk-Hai.

„AH!" Schreiend sprang ich ebenfalls und prallte gegen einen Ork, den ich durch die Wucht umwarf. Ich lies meine ganze Wut heraus und griff die Uruks wütend an. ‚Ey, ihr kommt hier net rein!'

Die Männer hinter uns nutzten die Gelegenheit, das Tor zu verstärken und einigermaßen wieder anzudichten. Nach einiger Zeit rief Théoden uns durch das letzte Loch in der Tür zu, das kurz darauf auch noch zugemacht wurde.

„Aragorn! Elena! Macht dass ihr da raus kommt!"

Aber mit Vergnügen. Ich sah mich nach einer Möglichkeit um, genau das zu tun, als ich plötzlich Legolas von der Mauer oben rufen hörte. Der Elb warf uns ein Seil zu. Aragorn hatte ihn auch gehört und gab mir Rückendeckung, so dass ich das Seil ergreifen konnte. Mit einem großen Satz ergriff auch der Waldläufer das Seil und stieß sich von der Rampe ab. Gerade noch rechtzeitig, denn die nachstürmenden Orks verfehlten uns nur um Haaresbreite. Langsam zog Legolas uns rauf. Pfeile prallten neben uns auf die Steinmauer, doch sie trafen uns nicht.

‚Schlumpschützen,' dachte ich als ich nach unten schaute. Wir waren schon fast oben.

Auf einmal fühlte ich wie mich etwas mit voller Wucht in die Brust traf. Seltsamer Weise fühlte ich keinen Schmerz. Wie in Zeitlupe sah ich, wie meine Hände den Halt verloren und das Seil losließen. Langsam fiel ich nach hinten und Aragorn schien nach oben zu verschwinden, als ich nach unten sank. Er hatte den Mund offen und schien etwas zu rufen, doch ich konnte ihn nicht hören. Ich konnte überhaupt nichts hören. Noch nicht einmal die Schreie der Uruk-Hai und den normalen Schlachtenlärm. Es war, als ob jemand nicht nur auf slow-motion sonder auch auf lautlos gestellt hätte. Seltsam. Vielleicht war ich ja auch taub?

Der Sturz dauerte eine Ewigkeit. Schließlich landete ich mit einem satten Plumps auf den Rücken und bekam erst einmal keine Luft mehr. Ich lag wie gelähmt am Boden. Irgendein Teil meines Verstandes sagte mir, dass es besser wäre, wenn ich aufstehen würde. Doch ich konnte mich nicht bewegen.