Nachdem sie sich verabschiedet hatten machten sie sich wieder auf den Weg zu seinem Auto. Sicher steuerte Don seinen Wagen durch den dichten samstagnachmittags Verkehr in L.A. zu Amitas Wohnung. Diese lag ganz in der Nähe der Uni. Es war ein Apartmenthaus. Es machte einen südländischen Eindruck. Die Basis war ein dunkles Terrakotta-rot welche auf jedem Stockwerk mit einem sandfarbenen Streifen unterteilt war. Jede Wohnung hatte großzügige Balkone und viel Grün war um die Wohnanlage herum gepflanzt.

„Es sieht sehr schön aus." meinte Don als er vor dem Haus auf dem Parkplatz hielt. „Ja, das stimmt. Ähhh... möchtest du noch kurz auf einen Kaffee mit rauf kommen?" Etwas verlegen schaute Amita auf ihre Hände. Nach kurzem Zögern stimmte Don zu und sie machten sich gemeinsam auf den Weg.

„In welchem Stockwerk wohnst du denn?" Amita grinste. „Ganz oben." „Ich hoffe ihr habt einen Aufzug." „Nein tut mir leid, wir müssen laufen." „Was? Ins achte Stockwerk. Die spinnen doch." „Da hast du recht." Mittlerweile waren sie im Gebäude angekommen. Amita deutete zur Treppe. „Geh du schon mal vor, ich schau noch nach ob Post da ist. Oben ist es die zweite Tür links." „Na dann bis gleich." Amita nickte und lief zu den Postfächern und kramte ihren Schlüssel aus der Tasche. Doch es war nichts Interessantes dabei, nur eine Rechnung und diverse Werbeflyer.

Sie klemmte sich den Stapel unter den Arm und lief dann um die Treppe herum zu dem Aufzug. Sie grinst übers ganze Gesicht. Sie freute sich schon Dons Gesicht zu sehen, wenn sie ihn oben in Empfang nahm. Sie drückte die Hol-Taste und surrend öffneten sich die Fahrstuhltüren. Drinnen betätigte sie den Knopf für die oberste Etage und der Fahrstuhl setzte sich in Bewegung. Leise vor sich hin pfeifend trat sie wenig später aus dem Fahrstuhl und lauschte im Treppenhaus nach Dons Schritten. Schwach hörte sie das Geräusch von Schritten, die die Treppe hinaufkamen. Es würde nicht mehr lange dauern bis er hier war und er war schnell, das musste sie ihm lassen. Sie dachte kurz darüber nach wie sie ihn empfangen sollte.

Schließlich stand sie, so lässig wie es ihr möglich war, an ihre Wohnungstür gelehnt da und ein breites Grinsen zierte ihr Gesicht. Und schon sah sie Don das Treppenhaus heraufkommen. „Na, kommst du auch schon?" fragte sie so neutral wie möglich, doch das Lachen ließ sich nicht aus ihrer Stimme verdrängen. Don sah sie an als hätte er einen Geist gesehen. „Moment mal, wie … und wie ..." Don sah sie verwirrt an. „Tja Don ich bin eben schneller als du. Da musst du wohl noch etwas üben." „Aber ich hätte dich doch sehen ... Ohh, warte du hast mich eiskalt angelogen. Das Haus hat doch einen Aufzug." „Sehr gut kombiniert, Herr FBI-Agent." Immer noch lehnte sie im Türrahmen und grinste.

Don war mittlerweile bei ihr angekommen und baute sich vor ihr auf. „Und wieso lässt du mich acht Stockwerke Treppen steigen?" Halb verärgert, halb amüsiert schaute er sie an. „Ich wollte dir nur etwas Konditionstraining verschaffen." „Davon habe ich auf Arbeit schon mehr als genug, schließlich muss ich eh ständig irgendwelchen Leuten nachrennen, weil die denken sie könnten uns entkommen." „Tja, dann entkommen sie dir jetzt noch weniger als vorher." meinte sie lachend und tippte Don dabei gegen die Brust. Er schnaubte nur und dann breitete sich ein Grinsen auf seinem Gesicht aus. Amita konnte gar nicht so schnell kucken, da hatte er sie bereits gepackt und kitzelte sie erbarmungslos durch. Sie schrie und lachte, wand sich in seinen Armen, doch natürlich er war stärker als sie.

Und so blieb ihr nichts Anderes übrig als um Gnade zu flehen. Doch plötzlich wurde eine Tür aufgerissen und ihre Nachbarin, die alte Mrs. Flemming, kam schimpfend und zeternd mit erhobenem Krückstock auf sie zu. „Sie Flegel, sie, lassen sie sofort die junge Frau in Ruhe oder ich rufe die Polizei." Sofort ließ Don von Amita ab und zog sie aber schützend hinter sich. Amita steckte ihren Kopf unter Dons Arm hindurch und sah ihre Nachbarin an. Immer noch etwas außer Atem meinte sie: „Keine Sorge, Mrs. Flemming, er ist harmlos, zumindest für mich." „Bist du sicher Liebes? Er sieht mir etwas raufboldhaft aus." Immer noch musterte Mrs. Flemming den Mann von unten bis oben. „Ja ich bin mir sicher, nur böse Buben vergeht bei seinem Anblick das Lachen." Mrs. Flemming sah sie verständnislos an.

„Wie meinst du das Liebe?" „Nun, er ist von der Polizei." meinte sie lachend. „Er ist bei der Polizei?" fragte Mrs. Flemming und auch Don schloss sich jetzt der Frage an. „Seit wann bin ich denn bei der Polizei?" Verwundert das er Amita an und die alte Frau ihn. Amita wollte ihn noch am Weitersprechen hinter, doch er war schneller. „Ich bin beim FBI, schon immer gewesen." Kurz herrschte Stille und Amita war sie Sache unangenehm. „Ach so ist das," meinte die alte Dame verstehend. „Keine Sorge Amita, ich komme schon damit zurecht." „Sind sie sicher?" „Aber ja doch Kindchen. Das Ganze ist jetzt über fünf Jahre her." „Darf ich auch erfahren worüber ihr redet?" fragte Don in das Gespräch der beiden Frauen hinein. Beide Frauen sahen ihm an und für einen Moment herrschte schweigen, dann meinte Mrs. Flemming: „Natürlich mein Junge, aber kommt erst mal rein ihr zwei. Ich habe gerade Kaffee und Kuchen auf dem Tisch. Dort lässt es sich auch besser reden als hier draußen."

Amita und Don sahen sich kurz an und nickten dann. Lächelnd bat Mrs. Flemming sie herein und Amita steuerte zielsicher das Wohnzimmer an. „Du warst also schon mal hier?" fragte Don sie leise. „Ja, wir haben schon gelegentlich miteinander Kaffee getrunken. Sie ist wirklich nett, du wirst sehen." „Ich finde sie jetzt auch schon ganz nett, wenn sie nicht gerade mit einem Krückstock auf mich losgeht." Amita lachte leise und gab Don einen Klaps auf den Arm. „Was denn." beschwerte sich Don leise. „Du wärst doch auch nicht begeistert, wenn mein Dad mit einer Harke auf dich losgehen würde." „Hmm… das stimmt allerdings." gab Amita zu und setzte sich dann auf das Sofa und deutete Don sich neben sie zu setzten.

Der Kuchen stand schon auf dem Couchtisch. In der Zwischenzeit holte Mrs. Flemming die Kaffeekanne aus der Küche und stellte noch zwei weitere Kaffeeteller und Tassen dazu. „So meine Lieben, lasst euch den Kuchen schmecken, der ist selbst gebacken. Ich hoffe ihr mögt Donauwelle. Das ist ein deutsches Rezept von meiner Urgroßmutter. Sie kam aus Deutschland hier her und hat viele Rezepte mitgebracht." „Vielen Dank, Mrs. Flemming." sagten Don und Amita fast gleichzeitig, was die alte Dame zum Schmunzeln brachte. Als alle ein Stück Kuchen hatten, begann Mrs. Flemming zu erzählen. Von ihrem Mann und ihrem Sohn, die ebenfalls beim FIB waren und beide in Ausübung ihrer Pflicht getötet wurden.

„Deshalb, mein Lieber, hat Amita nicht direkt gesagt, dass du beim FBI bist. Sie wollte nicht, dass ich daran erinnert werde. Aber wie schon gesagt, das Ganze ist jetzt schon über 15 Jahre her und es ist auch nicht mehr zu ändern. Aber versprich mir, mein Lieber, das du immer vorsichtig bis. Es wäre traurig, wenn so einem guten Junge wie dir das gleiche passieren würde wie meinen Männern." Don war bei so viel Fürsorge etwas überfordert, aber er versprach ihr natürlich, dass er vorsichtig sein würde. „Dann bin ich beruhigt, mein Junge." Mrs. Flemming sah auf ihr Uhr.

„Nun ich hoffe ich habe euren Tagesplan nicht zu sehr durcheinander gebracht. Don, es hat mich gefreut dich kennen zu lernen. Ich hoffe wir sehen uns mal wieder, aber jetzt muss ich mich fertigmachen. Ich bin in einer halben Stunde mit einer Freundin zum Bridge verabredet." Beide nickten mit dem Kopf. „Dann wünschen wir ihnen viel Spaß beim Spielen und vielen Dank für Kaffee und Kuchen, Mrs. Flemming" meinte Amita und umarmte die alte Dame lächelnd. „Keine Ursache mein Kind, ich habe mich gefreut über eure Gesellschaft. Ich wünsch euch noch einen schönen Tag." „Danke sehr, das wünschen wir ihnen auch." sagte Don und auch er bekam eine Umarmung von ihr. Nebenbei flüsterte sie ihm zu, dass er gut auf Amita aufpassen sollte. Er nickte nur, verblüfft über ihre Aussage.

Im Flur standen die beiden einen Moment da, weil keiner so richtig wusste was er nun sagen sollte. Schließlich fand Amita als erste die Sprache wieder. „Na, dann will ich dich mal nicht länger aufhalten. Du wolltet ja noch zu deinem Dad. Danke für den schönen Tag, es hat viel Spaß gemacht." Sagte sie lächelnd. „Ja, mir auch. Vielleicht ergibt sich ja mal eine andere Gelegenheit etwas zu unternehmen." „Bestimmt, außerdem habe ich Sianti doch versprochen sie wieder zu besuchen." Don nickte. „Ja, sonst wäre sie sehr böse mit mir, wenn ich dich beim nächsten Besuch nicht mitbringen würde." Er lächelte.