Severus blinzelte. Die Sonne stand bereits tief, er nahm an, dass es bereits Nachmittags sein müsse. Er blickte an sich hinunter und bemerkte eine rot getigerte Katze, die es sich eingerollt auf seinem Bauch gemütlich gemacht hatte. Er sah sich um und erinnerte sich langsam an den vergangenen Tag. Mit einem Stechen im Herzen erinnerte er sich an Dumbledore, seinen Fall, Potter und Hermine. Hermine? Wo war sie? Er richtete sich auf, sehr zum Missfallen der Katze. Diese machte ihrem Unmut sogleich mit einem unglücklichen Mauzen Luft. Severus schwang seine Beine aus dem Bett und stand auf. Das Vorhaben scheiterte sogleich da ihm schwarz vor Augen wurde. Severus taumelte und spürte plötzlich jemanden an seiner Seite der ihn stützte. Er erkannte ihren Duft und ihre Form sofort und hielt sich mehr als nötig an Hermine an. Sie bugsierte ihn wieder auf das Bett. Severus spürte ein leichtes Ziehen an seinem Arm und sah dort wo noch einige Stunden seine Haut aufgesprungen und zerrissen war, jetzt eine feine Linie zu sehen war. Diese Zog sich durch das dunkle Mal, welches kaum noch zu erkennen war. Severus konnte seinen Blick nicht von seinem Arm abwenden. Er trug das Mal schon so lang, dass er fast dachte es sei nicht sein Arm auf den er starrte. Er bewegte die Finger und beobachtete seine Sehnen die unter der Narbe und dem verblichenen Mal tanzten. Severus kam es vor, als ob das Schicksal nun einen Neuanfang für ihn bestimmt hatte. Ohne Mal, das ihn brandmarkte. Ohne Einsamkeit. Mit Hermine.

Die Katze kletterte sofort auf seinen Schoß und war drauf und dran es sich erneut gemütlich zu machen. „Krummbein, such dir eine andere Beschäftigung, los!" Hermine nahm den Kater und setzte ihn liebevoll auf den Boden. Dieser schmiegte sich an ihre Beine und blieb neben dem Paar sitzen. Severus zog belustigt eine Braue hoch. Es wunderte ihn nicht, dass Hermine diesen lebenden zerfransten Teppich in ihr Herz geschlossen hatte. Anscheinend hatte sie etwas für skurrile Persönlichkeiten über. Hermine strich mit ihrer Hand über den Arm den Severus Sekunden zu vor so andächtig betrachtet hatte. Die Berührung ließ ihn erschaudern. Er schloß unweigerlich seine Augen und genoss den Moment. Als er sie öffnete war Hermines Gesicht nur wenige Zentimeter von seinem entfernt. Sie lehnte ihre Stirn an seine und Severus schloss seine Augen erneut. Er wusste nicht, wie das passieren konnte. Und es war ihm in diesem Moment auch egal, denn in diesem Moment dachte er nur, dass Dumbledores Zauber das beste war, was ihm jemals passiert war.

Severus ging die nächsten Schritte mit Hermine durch. Sie besprachen ihre Möglichkeiten und was getan werden musste. Obwohl Severus es ungern zugab, mussten sie Potter finden. Er würde bestimmt Dumbledores Hinweis mit den Horcruxen nachgehen und sie suchen. Und er brauchte Hilfe. Nur wie sollten sie ihn finden. Severus überlegte für einen Moment laut, ob er sich wieder dem dunklen Lord anschließen sollte, um dessen Pläne zu erfahren- jedoch warf Hermine sofort ein, dass dies mit Sicherheit keine Option für sie sei.

„Jede Sekunde die du bei den Treffen warst, hatte ich Angst. Ich konnte kaum atmen weil ich nicht wusste ob du wieder kamst, ob es dir gut geht."

Severus Herz schwoll an. Seit Lily machte sich niemand wirkliche Sorgen um sein Wohlergehen. Selbst Dumbledore schickte ihn zu diesen Treffen, obwohl er wusste, dass Severus nicht nur einmal diversen entsetzlichen Flüchen ausgesetzt war und er oft mehr tot als lebendig zurückkehrte.

Schließlich beschlossen sie, Harry bei seiner Tante und seinen Onkel abzupassen.

Hermine war zuversichtlich, dass wenn Harry Dumbledores Beweggründe kannte, er Severus verzeihen konnte. Severus war zuversichtlich, dass ihn Harry töten wollte, egal was sie ihm erzählen würden.