A/N: Diesmal hat es etwas länger gedauert - dummerweise hab ich vorgestern von der perfekten Szene geträumt und um die einzubauen, musste ich alles wieder umschmeißen... ich hoffe, man merkt es den folgenden Kapiteln nicht an. Nebenher arbeite ich an einem kleinen Hermione-Zabini-Oneshot, um meine Obsession für Blaise nicht an dieser Geschichte auslassen zu müssen. Sollte ich ihn fertig schreiben, sage ich euch natürlich Bescheid ;)
Ein liebes Dankeschön geht mal wieder an meine Reviewer - schön, dass es Euch gefallen hat: LunaNigra, Lena, one77, Gifty, teddy172, Valentina (ähm, gut, bei der Kapitellänge habe ich wieder versagt... aber es war mal doppelt so lang, bis ich alles umwerfen musste...), BlueApril, aleksandramalfoy und Weltherscherchen.
Kapitel 13 – Der Tag danach
Als Hermione am Morgen nach dem Weihnachtsball die Augen aufschlug stand die Sonne bereits ein gutes Stück höher, als sie es beim Aufwachen gewöhnt war. So ein Mist. Hoffentlich hatte sie das Frühstück nicht verpasst.
Schnell lief sie ins Bad und schlüpfte unter die Dusche. Das kühle Wasser erfrischte sie und sie fühlte sich gleich viel besser.
Sie hatte noch nie verschlafen. Jedenfalls so gut wie nie. Zum Glück war keine Schule - kaum auszudenken, wenn sie nicht rechtzeitig zum Unterricht erschienen wäre.
Unweigerlich drifteten ihre Gedanken zu dem Grund ihres späten Erwachens: ihrem Gespräch mit Blaise Zabini. Sie wusste, dass sich ihre Situation nicht im Geringsten verändert hatte, trotzdem fühlte sie sich seltsam erleichtert. Es lag nun nicht mehr allein in ihrer Verantwortung, Malfoy zu helfen. Blaise würde sich sicherlich etwas einfallen lassen.
Von diesem Gedanken beruhigt, bändigte sie ihre mit einem kurzen Zauberspruch getrockneten Haare in einem nachlässigen Dutt und kuschelte sich in ein viel zu großes, aber ungeheuer flauschiges graues Baumwoll-Sweatshirt. Nachdem sie eine bequeme schwarze Jeans übergestreift hatte, lief sie hinunter in die große Halle, um wenigstens noch eine Scheibe Brot zum Frühstück zu ergattern.
Wenige Meter vor ihrem Ziel traf sie auf Blaise Zabini, der sich, den dunklen Ringen unter seinen Augen nach zu schließen, in einem ähnlichen Zustand wie sie befand.
„Guten Morgen, Blaise.", grinste sie fröhlich.
„Morgen, Hermione.", grüßte er unter Gähnen zurück. „Wie kannst du nur so frisch und gut gelaunt aussehen, wenn du doch genauso wenig geschlafen hast, wie ich?"
Sie lachte.
„Oh, ich teile ungern meine größten Geheimnisse, aber dir kann ich es ja sagen." Verschwörerisch beugte sie sich zu ihm hinüber und flüsterte: „Es gibt da einen Ort… wenn du dort nach dem Aufwachen hingehst… du musst einige geheime Hebel bedienen… nur die Eingeweihten wissen wie… und dann bricht es über dich herein… und du fühlst dich erfrischt, wie neu geboren." Sie senkte ihre Stimme noch weiter. „Der Ort hat einen Namen." Sie wandte den Kopf zu allen Seiten, um sicher zu gehen, dass sie niemand belauschte. Zabini hing mit großen Augen an ihren Lippen. „Man nennt ihn… die Dusche."
Stille.
Hermione sah, wie es in Blaise arbeitete. Dann verengten seine Augen sich in plötzlicher Erkenntnis zu kleinen Schlitzen.
„Sehr komisch, Granger.", schimpfte er entrüstet.
Hermione spürte, wie sie bei dem verzweifelten Versuch, ihr Lachen unter Kontrolle zu halten, rot anlief. Tränen traten in ihre Augen. Ein Kichern entwich ihr. Zabini hob belustigt eine Augenbraue und piekte sie in die Seite.
„Na los doch, lass es raus, bevor du platzt."
Die Aufforderung wäre gar nicht nötig gewesen. Hermione hatte von Anfang an gewusst, dass es ein aussichtsloser Kampf gewesen war. Während ihr die Tränen vor Lachen über die Wangen rannen und sie, von einem Lachkrampf nach dem anderen geschüttelt, verzweifelt um Luft rang, erreichten sie und Blaise die große Halle.
„Versuch, nicht zu ersticken.", empfahl er, ihr freundschaftlich auf den Rücken klopfend, bevor er sich von ihr trennt, um zu dem Tisch der Slytherins zu gehen.
Als Hermione den Gryffindor-Tisch erreichte, hatte sie sich wieder einigermaßen beruhigt. Sie wischte ihre Lachtränen fort und versuchte, das widerspenstige Grinsen von ihrem Gesicht zu verscheuchen.
Als sie aufsah, bemerkte sie die verwunderten Blicke, die ihr Harry, Ron und Ginny zuwarfen.
„Ich fürchte, man kann es nicht erklären. Man muss einfach dabei gewesen sein.", entschuldigte sie sich, das erneut aufkommende Kichern unterdrückend.
Ginny legte interessiert den Kopf schief. Sie wusste, dass Hermione sich Blaise für ihr Gespräch über Malfoy ausgeguckt hatte und brannte darauf, Einzelheiten zu hören. Scheinbar war es erfolgreich verlaufen.
Harry und Ron hingegen wirkten nach wie vor überaus verloren.
„Ich wäre schon dankbar, wenn du erklären könntest, warum du überhaupt mit Zabini sprichst.", brachte Harry schließlich hervor.
Ups. Ja, das sah vermutlich seltsam aus. Besonders, da sie es selbst gestern noch für kaum möglich gehalten hätte.
„Aber Harry, er hat doch auch Arithmantik belegt. Hermione wird wohl ein Schulprojekt mit ihm bearbeiten, nicht wahr?" sprang Ginny ein.
Hermione beeilte sich, ihre Gesichtszüge unter Kontrolle zu bekommen, um sich ihre Überraschung nicht anmerken zu lassen. Sie schenkte Ginny ein dankbares Lächeln, als Harry und Ron ohne weitere Fragen die Erklärung akzeptierten. Wieso war sie denn nicht selbst auf diese Idee gekommen? Schlagfertigkeit war in diesem Jahr offensichtlich nicht ihre starke Seite.
„Wie bist du gestern Abend eigentlich so plötzlich verschwunden?" fragt Ron, als sie sich schon in Sicherheit wähnte. „Gerade standest du noch neben uns und kaum waren wir in der Eingangshalle, da warst du auch schon weg."
„Oh, ich… ich musste noch ein paar Kleinigkeiten mit einigen Vertrauensschülern klären und hab die Gelegenheit genutzt, als ich sie in der Halle plötzlich vor mir sah. Aber dann hab ich euch nicht wieder gefunden und bin in mein Zimmer gegangen."
Hatten sie ihr früher auch so viele Fragen gestellt? Das war ja wie ein Spießrutenlauf.
„Aber wenn ihr nichts dagegen habt, würde ich jetzt gerne etwas essen – die Frühstückszeit ist schon fast vorbei und ich kann, im Gegensatz zu dir Ron, keine Scheibe Brot auf einmal in den Mund stecken.", warf sie schnell ein, als sie sah, wie Rons Mund sich erneut öffnete.
Er klappte den ihn wieder zu und Hermione genoss erleichtert die folgende gefräßige Stille.
Nachdem sie ihr (kurzes) Frühstück beendet hatte, begab sie sich mit ihrem Freunden in den Gemeinschaftsraum der Gryffindors.
Hermione ahnte nicht, dass zur gleichen Zeit wie sie noch zehn andere Menschen den letzten Bissen ihres Frühstücks verspeisten und sich von ihren Plätzen erhoben.
Anders als in Hogwarts zeigte die Decke des Raumes hier nicht die Gewitterwolken, die den morgendlichen Himmel überzogen. Stattdessen erinnerte grob bearbeiteter Stein und langsam von ihm herabtropfendes Kondenswasser daran, dass sich etliche Meter Erde über ihren Köpfen befanden.
Die Männer in ihren schwarzen Roben zeigten sich jedoch unbeeindruckt. Jeder einzelne von ihnen hatte mehr Stunden in diesen Katakomben verbracht, als er zählen konnte. Und jeder einzelne von ihnen liebte die Dunkelheit, die sie hier trotz der vielen Kerzen umschloss.
Die schwarzen Masken tief über ihre Gesichter gezogen begaben sie sich in einer langen Reihe auf die vergitterte Tür am Ende des Raumes zu.
Einer von ihnen streckte die Hand mit seinem Zauberstab aus und murmelte einige Worte.
Die Tür schob sich knarrend auf.
Der angrenzende Raum lag in noch tieferer Dunkelheit und die geöffnete Tür warf einen schmalen Lichtschein auf einen Stuhl in der Mitte des Zimmers.
Auf dem Stuhl saß eine Frau.
Eine angekettete Frau.
Langsam hob sie den Kopf. Ihr schweißnasses Haar klebte an ihrem Kopf und ihre Augen blickten unfokussiert in Richtung des Lichtes.
Keiner der Männer zeigte eine Regung. Sie betraten den Raum und stellten sich an den Wänden entlang im Kreis um sie herum auf.
Langsam erhoben sie ihre Zauberstäbe und richteten sie auf die erbarmungswürdige Gestalt.
„Crucio!", erklang es wie aus einem Mund.
Der Körper der Frau krampfte sich zusammen, nur von den Fesseln auf dem Stuhl gehalten. Ihrer Kehle entrang sich ein Schrei, der von den Wänden ihres Gefängnisses widerhallte.
Die Männer beendeten ihren Zauber rasch, wohl wissend, dass ihr Opfer die Qualen nicht lange überleben konnte. Ihr Leben mochte nichts wert sein, jedoch war keiner der Anwesenden gewillt, den Genuss, den die Folter bereitete, vorschnell aufzugeben.
In Hogwarts waren Hermione und Ginny auf dem Weg in die Bibliothek. Sie hatten eine Ausrede gebraucht, um sich von den anderen Gryffindors abzusetzen und Ginnys Schwäche in Arithmantik kam ihnen gerade recht. Niemand hatte sie begleiten wollen, um stundenlang über Tabellen, Graphen und komplizierten Berechnungen zu brüten.
„Nun erzähl schon.", drängelte Ginny ungeduldig.
Hermione wollte gerade zu einer ausführlichen Beschreibung ihres Gesprächs mit Zabini am Abend zuvor ansetzen, als Malfoy mit seinen Schatten Crabbe und Goyle um die Ecke bog.
„Sieh an. Da haben wir ja zwei von Hagrids Schützlingen - einen Bücherwurm und ein Wiesel. Solltet ihr nicht in euren Käfigen bleiben, bis zur nächsten Stunde Pflege magischer Geschöpfe?"
Malfoy verzog den Mund zu einem überlegenen Lächeln und sah sich Beifall heischend zu seinen Spießgesellen um.
„Malfoy, deine unverschämten Sprüche helfen dir weder dabei, dein schlechtes Gewissen zu beruhigen, noch deine Sorgen zu vergessen.", platzte Hermione heraus, bevor sie sich auf die Zunge beißen konnte.
Oh verflixt. Sie wusste doch eigentlich von gar nichts. Wie hatte sie das nur vergessen können?
In Malfoys Augen konnte sie neben Überraschung deutlich wachsendes Misstrauen lesen.
‚Denk nach, Hermione, denk nach. Du musst doch irgendetwas sagen können, um hier wieder raus zu kommen…'
„Warum dieser überraschte Blick, Malfoy?", fragte sie so überheblich wie möglich. Er musste ihr das einfach abkaufen. „Hast du gedacht, ich wüsste nicht, dass du gestern Abend nach dem Ball deine Pflichten vernachlässigt hast? Du hättest um ein Uhr einen Kontrollgang machen sollen, um sicher zu stellen, dass alle Schüler in ihren Schlafräumen waren…"
Sie zog eine Augenbraue hoch, stemmte die Hände in die Hüften und klopfte mit einem Fuß auf den Boden. Hoffentlich wirkte das bedrohlich.
Zugegeben, es war hoch gepokert, aber sie war sich fast sicher, dass Malfoy sein warmes Bett den zugigen Fluren Hogwarts vorgezogen hatte.
„Granger, mach dir nicht ins Hemd. Was interessiert mich, wer sich nachts in der Schule rumtreibt?"
Mit diesen Worten schritt Malfoy an Hermione und Ginny vorbei, sein Gefolge hinter ihm hereilend.
Hemione stieß hörbar erleichtert den Atem aus, während Ginny neben ihr grinste.
„Ach Mione, ich hätte nie gedacht, dass ich mal erleben würde, wie dein Mund schneller als dein Gehirn arbeitet. Jetzt siehst du mal, wie Ron sich immerzu fühlt." Sie kicherte. „Aber jetzt komm weiter, ich will endlich von gestern Abend hören. Scheinbar hast du ja etwas erfahren."
