Viel zu früh am nächsten Morgen wurde Hermine geweckt. Die Hauselfe, die dies getan hatte, entschuldigte sich unter endlosen Verbeugungen und versprach sich sogleich zu bestrafen.

Hermine blieb nichts Anderes übrig, als mit dem Kopf zu schütteln und sich über die Merkwürdigkeit dieser Wesen zu wundern.

Nach wenigen Minuten zwang sie sich widerwillig zum Aufstehen und machte sich fertig. Der Zug fuhr doch erst um elf Uhr ab! Warum musste sie sich dann so beeilen?

Am liebsten würde sie sich noch ein paar Stunden in ihr warmes Bett kuscheln, aber das blieb ihr ja leider verwehrt.

Ihre Laune war immer noch nicht die beste, als sie in den Speisesaal trat, wo schon alle anderen am Tisch saßen. Sie war wieder einmal die letzte, wenn man von ihrem Vater einmal absah, der so wie so immer auf sich warten ließ.

„Gut geschlafen?", fragte Draco leise, als sie sich neben ihn setzte.

„Ja, aber leider viel zu kurz", antwortete Hermine und unterdrückte ein Gähnen.

„Du kannst im Zug weiterschlafen", meinte er daraufhin nur und Hermine konnte ein schalkhaftes Glitzern in seinen Augen erkennen.

„Danke für deine Anteilnahme."

„Ihr streitet doch wohl nicht etwa?", fragte auf einmal Tom, der gerade hinzugetreten war.

Hermine grinste ihn an. „Wie kommst du denn darauf?"

Tom grinste ebenfalls, als er sich setzte.

Die anderen bemerkten das Geplänkel zwischen Vater und Tochter mit einem wissenden Lächeln. Solch kleine, gespielte Streitgespräche Klagen mittlerweile an der Tagesordnung.

Kurz vor halb elf standen alle in der Eingangshalle des Schlosses und waren bereit mit einem Portschlüssel zum Bahnsteig zu reisen.

Hermine stand neben ihrem Schrankkoffer und hielt nach ihrem Vater Ausschau, damit sie sich verabschieden konnte, da er ja schlecht mit auf den Bahnhof kommen konnte.

Endlich sah sie ihn die Treppen hinunterkommen und ging auf ihn zu.

„Freust du dich schon darauf, mich endlich loszusein?", fragte er sie scherzhaft.

„Ehrlich? Nein."

Sie zögerte einen Moment, dann umarmte sie ihn einfach. „Ich werde dich vermissen, Dad", murmelte sie in seine Robe.

Tom war im ersten Moment überrascht über ihre Aktion, dann lächelte er und erwiderte die Umarmung. „Ich dich auch, meine Kleine."

Eine Weile verharrten sie so, dann löste sich Hermine aus seinen Armen.

„Wir sehen uns in den Weihnachtsferien", tröstete Tom und strich ihr sanft über die Wange, bevor er sich an die anderen wandte, die ebenfalls in der Halle warteten. „Ich denke, es wird Zeit."

Er führte Hermine zu Lucius, der den Portschlüssel in der Hand hielt.

„Wenn ihr euch nicht beeilt, werdet ihr zu spät kommen", sagte er und bedeutete Lucius den Portschlüssel auch für die anderen erreichbar zu machen.

Nachdem alle den Portschlüssel berührten, nickte er Lucius zu und schon verspürte Hermine das altbekannte Ziehen hinter dem Bauchnabel.

Gleich darauf fanden sie sich auf dem Gleis dreiviertel wieder, wo es schon ziemlich voll war.

„Sucht euch ein Abteil, bevor alle besetzt sind", sagte Lucius und verabschiedete sich gleich auch wieder. „Ich muss noch ins Ministerium."

Draco seufzte ergeben und verabschiedete sich. „Dad mag keine Menschenansammlungen, deshalb ist er so schnell verschwunden."

Hermine nickte verstehend, während sie Draco zum Zug folgte. Sie hatten kaum die halbe Strecke bewältigt, als sie auf eine Gruppe stießen.

„Wenn das nicht Malfoy, das Frettchen, ist!", schnarrte eine Stimme, die Hermine erschreckend bekannt vorkam.

„Sieh mal an! Das Wiesel und Potty höchstpersönlich! Welch eine... Schande!", höhnte Draco. „Wo habt ihr denn euren Babysitter gelassen?"

„Halt die Klappe, Malfoy!", brauste Ron auf.

„Meine Güte, ihr scheint sie wohl sehr zu vermissen..."

„Sei still, du Idiot!", schritt nun auch Harry ein. „Wenigstens müssen wir uns keine Kinder als Freundin holen", meinte er mit einem Kopfnicken auf Hermine.

„Nun... im Gegensatz zu dir habe ich eine Freundin... und beinahe siebzehn würde ich auch nicht als Kind bezeichnen. Aber ich kann von euch ja nichts anderes erwarten..."

Ohne sie weiter zu beachten gingen Draco und Hermine weiter zum Zug und stiegen ein. Kurz darauf hatten sie auch ein Abteil gefunden.

Draco beobachtete Hermine mit einem besorgten Ausdruck in den Augen. „Alles in Ordnung?", fragte er nach einer Weile, als sie sich hingesetzt hatten.

„Es geht schon", wollte Hermine abwehren, doch Draco schüttelte den Kopf.

„Slytherin zu sein heißt automatisch als Todesseranwärter abgestempelt zu werden. Der Charakter zählt da recht wenig", sagte er und zog sie in seine Arme.

Auf einmal ging die Abteiltür auf. „Meine Güte, ich habe dich schon gesucht", sagte ein schwarzhaariger, gut gebauter Slytherin.

„Blaise, schön dich zu sehen!", begrüßte Draco ihn. „Komm rein, bevor Pansy dich bemerkt."

„Du meinst wohl eher, bevor sie dich bemerkt", lachte Blaise und beförderte seinen Koffer mit einem Ruck ins Abteil. „Willst du mich nicht vorstellen?"

„Natürlich! Blaise, das ist Hermine McKiran. Mia, das ist Blaise Zabini."

„Freut mich!", sagte Hermine und reichte ihm die Hand.

„Du bist nicht zufällig das Mädchen, dem ich auf keinem Fall in die Quere kommen darf?", fragte er.

Hermine grinste. „Exakt."

Blaise verzog leicht sein Gesicht wegen der nichts sagenden Antwort und wandte ich wieder an Draco. „Warum ist eigentlich Pansy nicht hier? Nicht, dass ich sie vermissen würde, aber wundern tu ich mich schon!"

„Oh, Mia hat ihr lediglich die Meinung gesagt und sie war wohl so geschockt, dass sie sich... nun ja... aus dem Staub gemacht hat."

„Hoffen wir, dass du das noch einmal schaffst", meinte Blaise und nickte zur Tür, wo sich Pansy schon durch ihr absolut teuflisches Lachen ertönen ließ.

Schon wurde die Abteiltür erneut aufgeschoben und Pansy wollte eintreten.

„Hallo, Pansy", sagte Hermine, bevor diese auch nur einen Schritt in das Abteil machen konnte.

„M... My Lady... entschuldigt bitte... ich bin schon weg...", stotterte sie und verschwand fast sofort wieder von der Abteiltür, die sie schnellstens wieder schloss.

Eine Weile lang herrschte Stille in dem Abteil, dann fasste Blaise das eben Erlebte in Worte: „Wow!"

Hermine und Draco brachen in schallendes Gelächter aus.

„So kann man es auch bezeichnen", kicherte Hermine.

„Wie kommt es, dass sie so große Angst vor dir hat?", fragte Blaise und lehnte sich interessiert vor.

Hermine warf Draco einen fragenden Blick zu, doch er zuckte nur mit den Schultern.

„Es hängt mit meinem Vater zusammen, der... nun ja..."

„... dunkle Lord persönlich ist", ergänzte Draco.

„Oh", war alles, was Blaise sagte. „Oh!"