Wow, elf Reviews, ich bin begeistert! Und bitte hiermit um eine Zugabe ;)
Anscheinend mögt ihr es, wenn ich Sirius leiden lasse? Kein Problem, davon könnt ihr hier noch einiges lesen gg

An dieser Stelle auch einmal Danke allen, die mich auf ihre Story- oder Author- Favorites- oder Alerts-Liste gesetzt haben!

Ich darf leider in den Kapiteln nicht mehr auf eure Reviews eingehen, deshalb bitte ich euch, entweder einzuloggen oder mir zumindest einmal eure Email-Adresse dazulassen - ich werde dann entweder nach dem Review oder kurz vor dem Hochladen antworten ;)

Für Kapitel 13 hab ich nach euren User-Namen gesucht, aber wenn ihr noch keine Antwort bekommen habt, hab ich vielleicht den falschen User erwischt oder nichts gefunden - gilt vor allem für Sanny - hab hier nur ein englisch-sprachiges Profil gefunden - und Sirius-Fan1992

Auf keinen Fall bitte ich euch, deswegen nicht mehr zu reviewn! gg

Und nun entschuldige ich mich für's lange Warten und wünsche viel Spaß beim Lesen!


Descriptio!


„HA-...-HAATSCHI!"

Harry wurde unsanft aus dem Tiefschlaf gerissen, als Ron sich lautstark schnäuzte, widerwillig drehte er sich auf die andere Seite und brummte. Die Augen zur Hälfte geöffnet, immer noch hundemüde, versuchte der Junge der lebte blinzelnd die Uhrzeit zu erkennen – was sich als recht schwierig erwies, lag doch seine Brille irgendwo auf dem Nachttisch.

16.41 Uhr oder 16.47 Uhr. Du gute Güte, und noch immer nicht wach!

Aber genaugenommen war es Harry auch egal, ob es Tag oder mitten in der Nacht war, eigentlich schlief er schon wieder, als sein Kopf ins Kissen zurückfiel.

Er döste weiter, ließ seine Gedanken treiben und war drauf und dran, ins Reich der Träume zurückzukehren, als er selber niesen musste, dicht gefolgt von einem trockenen Hustenanfall, der beinahe sogar das melodische, tiefe Klingeln der Haustür im Hintergrund übertönte – jedoch leider nicht ausreichte, um den gleichen Effekt bei Mrs. Black zu erzielen, die die Gelegenheit natürlich zu einem weiteren, verbalen Angriff auf nichtreinblütige Zauberer und seine Ohren nutzte.

Verärgert brummte Harry ein zweites Mal und warf die Bettdecke zurück; mühsam zwang er sich aufzustehen und stöhnte – verdammte Kopfschmerzen! Nachdem er sofort wieder anfing zu niesen und sich auch sonst wie gerädert fühlte, stutzte der Junge: Wurde er jetzt etwa auch noch krank?

‚Wär ja keine sonderliche Überraschung', dachte er zynisch und rieb sich verschlafen über die Augen, bevor er nach der schwarzen Brille angelte, die irgendwo links neben dem Bett lag, ‚Was erwartest du, wenn du fast nur in Schulkleidung nach London im Schneesturm auf dem Besen fliegst?'

Ein Hustenanfall von Ron, als auch dieser sich aufsetzte; seine Augen glänzten fiebrig, sodass sich Harry automatisch an die Stirn fasste. Zumindest schien seine Temperatur völlig normal zu sein.

„Bleib liegen", riet er seinem besten Freund also mit näselnder Stimme – na toll, jetzt war auch noch seine Nase vollkommen zugeschwollen! – und wartete eine Sekunde, bis der Raum aufgehört hatte, sich zu drehen. Wieso verdammt wurde einem immer schwindlig, wenn man sich krank fühlte, und aufstand?

Dann schlüpfte er in seine Hausschuhe – weiß der Thestral wo sein Pate die am Vorabend aufgetrieben hatte – und wankte unsicher in Richtung Tür, „Ich schau mal nach, ob Sirius hier irgendetwas gegen eine Erkältung hat."

Sirius.

Ein Grinsen stahl sich auf Harrys blasses Gesicht, als ihm dieser Gedanke wieder die Ereignisse der vergangenen Nacht ins Gedächtnis rief – sein Pate war frei!

Offiziell freigesprochen – auch wenn seine Verhandlung eigentlich erst noch stattfinden musste, aber genau genommen war das nur noch Formsache – und nicht mehr die Nummer eins auf der Liste der Auroren – nach Voldemort natürlich.

Flüchtig fragte er sich, wer nun nachrücken und diesen Platz übernehmen würde – Bellatrix Lestrange und Lucius Malfoy stellten beide gleichermaßen aussichtsreiche Kandidaten dar –, aber eigentlich kümmerte es ihn nicht die Bohne; ein anderer Gedanke drängte sich in den Vordergrund, ein Gespräch zwischen Sirius und Remus, als Harry früh morgens aufgewacht war und in der Küche ein Glas Wasser gegen seinen trockenen Hals hatte holen wollen ...


... Gelächter drang durch die halb geöffnete Tür, ließ Harry stutzen und die Stirn kraus ziehen, als er die Stimmen von Remus und Sirius erkannte und sich neugierig durch den schmalen Türspalt in die Küche schob.

Er hatte nicht damit gerechnet, jemanden dort anzutreffen – zugegeben, ein Blick auf das Fenster ließ die anbrechende Dämmerung erkennen, aber sie waren doch vor gerade einer Stunde zu Bett gegangen. Außerdem begrub eine zentimeterhohe, durchgezogene Schneedecke die ganze Straße unter sich, und wenn Schnee lag, wirkte die Umgebung sowieso immer viel heller.

Doch wenn er genauer darüber nachdachte, konnte Harry verstehen, wenn sein Pate nach dieser Nacht nicht so schnell einschlafen würde ...

„Deine Mutter ist natürlich auch ein netter Vergleich!" stellte Remus gerade schmunzelnd fest und musterte einen grinsenden Sirius, der ihm gegenüber im Schneidersitz auf dem schweren Holztisch saß – mit einem um seinen Knöchel gewundenen Umschlag, die Schnittwunden provisorisch versorgt, bis sich am Nachmittag jemand darum kümmern würde. Harry tippte auf Pomfrey oder Smethwyck, je nachdem, wer gerade Zeit hatte. Nicht, dass sich einer der beiden in den letzten Monaten über einen Mangel an Arbeit beklagen konnte ... Moody war nicht das einzige Ordensmitglied geblieben, dass sich schließlich im Krankenflügel Hogwarts' wiederfand – auch wenn Madam Pomfrey bisher noch nicht in den Orden aufgenommen worden war.

„Aber als ich dich fragte, an wen mich Natasha erinnert hat", fuhr der Werwolf nun ernster fort und beugte sich auf seinem Stuhl nach vorne – wie um sich zur Flucht bereit zu machen, fuhr es dem Jungen durch den Sinn, „meinte ich eigentlich dich selbst!"

– „Was!" entfuhr es Sirius und Harry – der sich eigentlich gar nicht hatte einmischen wollen – simultan, beide viel zu überrascht von einer Aussage, die ihnen zu absurd vorkam, als dass sie mehr darauf hätten erwidern können. Ein Bild schob sich Harry vor die Augen; Natasha, deren blutendes Schwert den Schal Mrs. Blacks durchtrennte, nachdem sie seinen Paten knapp verfehlt hatte. Völlig unmöglich!

„Das kann nicht dein Ernst sein!" behauptete Sirius entrüstet, nachdem er Harry gewunken hatte, sich zu ihnen zu setzen, und wirkte dabei, als würde er dem Freund die Worte wirklich übel nehmen. Remus unterdessen begrüßte den Neuankömmling mit einem knappen Kopfnicken, bevor er sich mit gehobener Braue wieder an den Verteidigungslehrer wandte.

„Wieso nicht?" fragte er nur und lehnte sich wieder zurück, suchte eine bequemere Position auf dem alten, dunklen Holzstuhl; er fand das Gespräch an sich bestimmt schon unbequem genug, „Für einen geliebten Menschen Rache nehmen zu wollen ... Solltest nicht gerade du wissen, wie sich das anfühlt?"

– „Aber –"

– „Kein ‚aber'!" unterbrach Remus seinen aufgebrachten Freund und sah ihm eindringlich in die empört funkelnden Augen, bevor er seine Stimme hob und fortfuhr,

„Wie oft hast du selbst Rache nehmen wollen für Lily und James und warst bereit, dafür zu töten – und hätte Ron damals nicht den halben Gryffindor-Turm zusammen geschrieen oder Harry dich und mich daran gehindert, Peter in der Hütte zu ermorden, hättest du es sicher auch getan, nicht wahr? Erst heute Nacht warst du wieder kurz davor! Objektiv betrachtet, Tatze", schloss Remus, nun um etliches sanfter, und schmunzelte verhalten, „hat sich Natasha nicht anders verhalten als du. Sie hat wohl nicht nur das gleiche gedacht, sie hat vermutlich sogar das gleiche gefühlt! Der Blick in ihren Augen – das war dein Blick, der Blick, mit dem du Peter so oft bedacht hast, seit er uns verraten hatte."

Unangenehme Stille folgte Remus' Worten und senkte sich schwer über die Küche.

Sirius wirkte auf einmal sehr nachdenklich – wenn auch immer noch verärgert, und starrköpfig, aber doch auch irgendwie nachdenklich –, und Harry schwieg ebenfalls; er hätte ohnehin nicht gewusst, was er darauf hätte erwidern sollen. Remus hatte da einen gewissen Punkt – die Logik seiner Argumente ließ sich nicht abstreiten.

Dieser Ausdruck in den stürmend grauen Augen seines Paten – so ähnlich dem Funkeln in Natashas Blick, als sie ihn Minuten zuvor mit dem Schwert hatte aufschlitzen wollen – machte ihm mit einem Schlag bewusst, dass Sirius Pettigrew tatsächlich umbringen konnte.

Auch Harry hatte dies bemerkt, es erschrocken zur Kenntnis genommen, und das erste Jahr des zweiten Krieges zum ersten Mal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.

„Ich will damit bestimmt nicht sagen, dass ich es gut finde, was sie versucht hat!" brach Remus schließlich leise das Schweigen. Sirius, mit gläsernem Blick – seine Gedanken mussten in eine andere Welt eingetaucht sein –, nickte nur geistesabwesend mit dem Kopf; er schien diese Möglichkeit nie in Betracht gezogen zu haben, und auch für Harry klang diese Unterstellung mehr als nur absurd.

„Sondern nur", endete Remus und verschränkte die Arme vor der Brust, „dass du Natasha eigentlich am besten verstehen müsstest, wenn du außer Acht lässt, dass sie auf dich losgegangen ist."

– „Sie hätte sich aber trotzdem überlegen können, dass Dumbledore mich nicht wieder in den Orden aufgenommen hätte, wenn ich wirklich der Mörder all dieser Muggel wäre!" antwortete Sirius irgendwann und schnaubte, sah endlich wieder auf, mit Falten in der Stirn, hinter denen es noch immer angestrengt zu arbeiten schien.

– „Hat es dich jemals gestört, dass Dumbledore Snape ohne Vorbehalte vertraut?" erklang eine hohe Stimme von der Tür her, ließ Harry, Sirius und Remus herumfahren, noch bevor einer von ihnen die im Türrahmen lehnende Frau mit dem zu großen Schlafanzug als Tonks erkannte; ihre leuchtend pinken Haare bildeten einen willkommenen Kontrast zur Farblosigkeit der Black'schen Küche, die die betretene Atmosphäre noch unterstrich.

„Nicht wirklich, oder?" fuhr die Aurorin fort und ließ sich munter auf einen Stuhl am Tisch fallen, schenkte Remus dabei ein warmes Lächeln, das sofort auf dessen Gesicht übersprang, „Immerhin hättest du dich deswegen vor zwei Jahren beinahe mit ihm geprügelt."

– „Woher weißt du das schon wieder?"

– „Tja, Sirius", entgegnete Tonks schlicht und erlaubte sich ein knappes Grinsen, bevor sie trocken hinzufügte, „Solche Dinge sprechen sich immer am schnellsten rum ... Denk mal über Remus' und meine Worte nach! Natasha und du, ihr beiden habt wirklich mehr Ähnlichkeiten, als du im Moment denkst!"

Eine kurze Pause, dann fuhr sie fort. „Was haltet ihr davon, wenn ihr jetzt – zum Wohl aller Leute in diesem Haus, die endlich schlafen wollen – in eure Betten geht? Kreacher wuselt schon die ganze Zeit durch unsere Zimmer und weckt uns dabei auf, weil er aus Angst vor Sirius' Strafe nicht in die Küche will!" ...


... Ron nieste lautstark und holte Harry dadurch aus seinen Gedanken zurück, erinnerte ihn daran, was er eigentlich vorgehabt hatte, und der Junge machte sich auf die Suche nach seinem Paten.

Das Geschrei Mrs. Blacks war zum Glück verstummt, als er schlurfend die Eingangshalle betrat.

Wenigstens nicht noch mehr Kopfweh!

Beinahe wäre Harry, als er einen Moment nicht aufpasste, über Kreacher gestolpert, der sich fluchend aus dem Staub machte und den Jungen dabei mit Beleidigungen und Verwünschungen überhäufte – schon gut, mögest du auch an den Beinen aufgehängt, mit Bubotublereiter gefüttert und vom Dunklen Lord persönlich zu Tode gefoltert werden! –, und entnervt schlich sich der Junge weiter in Richtung Küche.

Auf halber Höhe der Treppe blieb Harry dann plötzlich interessiert stehen, da drin unterhielten sich angeregt einige Leute, die – den Stimmen nach – zum Orden gehören mussten.

Neugierig schlich er sich näher und lauschte.

„... großer Zufall, Pettigrew direkt vor unserer Nase aufzusammeln", dröhnte ein Knurren mit der Stimme Moodys durch den Raum, gerade als er den Boden der Treppe erreichte und vorsichtig um die Ecke in die dunkle Küche spähte. Von irgendwoher außerhalb Harrys Sichtweite stimmte Sirius ihm munter zu, und Harry konnte sein Grinsen fast hören: „Ich kann aber nicht behaupten, dass mich das groß stören würde!"

– „Sicher nicht!", warf Remus gut gelaunt ein, der mit überschlagenen Beinen auf einem Stuhl nahe der Tür saß und an einer Tasse schwarzem Kaffee nippte, „Immerhin konnten wir dadurch deine Unschuld beweisen!"

Dann lehnte sich der Werwolf zurück und gab somit für Harry den Blick auf Moody frei, dessen magisches Auge – zum Glück für den Jungen – starr auf die Tischrunde gerichtet blieb, bevor er fortfuhr: „Wir hätten uns allerdings denken können, dass Voldemort den Orden ausspionieren will – und wer würde sich da besser anbieten als Peter? Bei all den Ratten, die allein in dieser Gegend herumlaufen?"

– „Nur zu schade, dass Pettigrew zusammenbrach, bevor wir ihn über Du-weißt-schon-wens Pläne befragen konnten!" drang eine neue Stimme an Harrys Ohren und der Junge stutzte, überlegte kurz und unterdrückte dann ein Knurren, als er die Stimme von Natasha Toleen erkannt hatte, sah erneut ihr Schwert vor seinen Augen aufblitzen, kurz bevor sie es auf Sirius niedersausen lassen wollte und ballte die Hände zu Fäusten bei der Erinnerung. Wie konnte sie es wagen ... ?

Sie hat wohl nicht nur das gleiche gedacht, sie hat vermutlich sogar das gleiche gefühlt! Der Blick in ihren Augen – das war dein Blick, der Blick, mit dem du Peter so oft bedacht hast, seit er uns verraten hatte.

Remus' Worte, die sich plötzlich wieder in Harrys Kopf drängten, seine Wut zerfaserten und den Jungen mit gemischten Gefühlen zurückließen.

Er wusste nicht, ob er dem Lehrer zumindest teilweise recht geben sollte – er hatte ja irgendwie auch recht, aber Natasha hätte doch beinahe seinen Paten aufgeschlitzt!

„Wieso ist er eigentlich zusammengebrochen?" fuhr die Frau in der Zwischenzeit ungerührt fort, ohne vom Zwiespalt des Jungen vor der Tür zu ahnen – oder davon, dass dort überhaupt ein Junge stand und lauschen konnte.

– „Schockzauber", riet Remus mit gerunzelter Stirn und stellte seine Tasse ab, „Sah zumindest so aus – frag aber nicht, wo er herkam. Da muss ich passen."

– „Voldemort hat im Ministerium hochrangige Agenten!" Moody knurrte noch lauter als zuvor und schlug so plötzlich mit der flachen Hand auf den Tisch, dass Lee Jordan am anderen Ende des Zimmers erschrocken zusammenzuckte und dabei einen Teil der Milch verschüttete, die er gerade in seinen Kaffee geben wollte, „Das hatten wir ja bereits vermutet."

– „Könntest du dich vielleicht dazu bequemen, ausnahmsweise mal still zu halten?" hörte Harry auf einmal, wie Natasha jemanden zurechtwies – so gelassen, dass es im krassen Kontrast zum Temperament Moodys stand; er versuchte, um die Ecke des Türrahmens zu spähen, mit wem redete sie?

„Sonst bekommst du auch einen Schockzauber ab, damit ich dich verarzten kann!" fuhr sie dann unbeirrt fort – oder vielleicht doch ein wenig amüsiert? Diese Frau ließ sich wirklich schwer einschätzen!

Harry beugte sich vorsichtig ein wenig nach vorne, sah Natasha vor Sirius stehen, der in Jeans und Pulli gelangweilt auf dem Tisch saß und die Beine baumeln ließ, nebenbei durch die Zeitung blätterte; seine Roben hingen achtlos über einer Stuhllehne, und Toleen versorgte mit dem Zauberstab die Schnitt– und Platzwunden, die sie ihm selbst zugefügt hatte – geschieht ihr ganz recht! Auch wenn Harry sich wunderte, warum die Schnitte denn nicht von Pomfrey oder Smethwyck geheilt wurden ...

„Wer hat dich eigentlich so zugerichtet, Sirius?" warf Moody auch schon alarmiert ein, und Harry hatte kaum Zeit zu realisieren, was der ehemalige Auror eigentlich gesagt hatte, da ließ ihn bereits eine auf den Tisch niederfahrende Faust zusammenzucken – Lee wohl auch, denn er verschüttete sogleich noch etwas Zucker und fluchte verhalten.

Sirius' Antwort bestand lediglich darin, kopfschüttelnd abzuwinken, während Remus – der nach einem kurzen Blickwechsel mit dem Freund plötzlich sehr interessiert an seiner Kaffeetasse schien – und Natasha – noch immer damit beschäftigt, Heiler zu spielen, und außerdem nicht rot anzulaufen – sich in betretenes Schweigen hüllten.

Jordan (der das nächtliche Schauspiel tief und fest verschlafen hatte) hob daraufhin nur ebenso wie der Direktor Hogwarts', den Harry jetzt erst wahrnahm, fragend die Brauen; was den Jungen jedoch nicht wirklich interessierte, da er aufmerksam seinen Paten musterte, dessen Blick nun – nach dem Blickwechsel mit Remus – wieder ins Leere davonglitt; er dachte wohl an das zurückliegende Gespräch über Rache, und wie weit diese führen konnte ...

Ich will damit bestimmt nicht sagen, dass ich es gut finde, was sie versucht hat! Sondern nur, dass du Natasha eigentlich am besten verstehen müsstest, wenn du außer Acht lässt, dass sie auf dich losgegangen ist.

Wieder Remus' Worte.

Irgendwann jedoch konnte Sirius die stumme Frage Dumbledores nicht mehr ignorieren, und er zuckte nur mit den Achseln und schüttelte erneut den Kopf.

„War jedenfalls kein Angriff der Todesser ... Wenn wir außerdem gerade von denen sprechen", wechselte er kurzerhand mit einem besorgten Blick auf die Zeitung das Thema und zog die Stirn kraus, „Seit den Sommerferien haben sie sich viel zu still verhalten, wenn ihr mich fragt."

– „Stört es dich etwa, dass sie pro Monat nicht mehr als zwei bis vier Überfälle durchführen und kaum Leute ermorden?" schnaubte Natasha zynisch; ein kurzes, anzügliches Grinsen huschte über ihr Gesicht, und keine drei Sekunden später hatte sie Sirius seinen Pulli mitsamt dem darunter befindlichen Hemd über den Kopf gezogen, sodass sie nun die Wunden auf seinem entblößten Oberkörper behandeln konnte.

Harrys Pate schnaubte nur zurück und wandte sich wieder der Zeitung zu.

„So hat Sirius das nicht gemeint", mischte sich Remus nun vermittelnd ein und fing mit einem schiefen Blick auf Natasha den Pulli seines Freundes auf, den Toleen ihm zugeworfen hatte, „Wir haben uns kürzlich darüber den Kopf zerbrochen, wieso sie sich so zurückhalten – und unserer Meinung nach kann das nichts gutes bedeuten. Sie planen irgendetwas!"

– „Und das, was sie vorhaben, wird uns sicher nicht gefallen!" ergänzte Sirius bestimmt und gestikulierte unterstützend.

– „Wäre es nicht einfach möglich, dass Lockhart mit seinen neuen Verordnungen die Lage unter Kontrolle gebracht hat?" warf Lee ein und schloss den Schrank, in dem er bis zu diesem Zeitpunkt nach Zucker gesucht hatte, „Immerhin unternimmt er doch alles, um den Todessern ihre Planungen und die nächtlichen Streifzüge so unmöglich wie ... ähm, nun ja, möglich zu machen", er zuckte kurz mit den Achseln, „auch wenn er dabei wenig Rücksicht auf die anderen Zauberer nimmt ..."

– „Wieso auch nicht, wenn er damit Voldemort aufhalten kann?" erwiderte Natasha und kam dann wieder zurück zum Thema, schüttelte ansatzweise den Kopf, „Darüber sollte einmal in einer Ordensversammlung beratschlagt werden ..."

Mad-Eye fuhr bei diesen Worten herum und schnaubte abfällig: „Das Thema hatten wir doch neulich schon bei einer Sitzung des Ordens –"

– „Ich war seit Monaten auf keinem Ordenstreffen mehr", fiel Natasha dem knurrenden, alten Mann unwirsch ins Wort, „warst du nicht der Meinung, Moody, dass das meine Tarnung gefährden würde? Außerdem hätte mir ja jemand irgendwann während dieser ganzen Monate erzählen können, was damals wirklich zwischen Pettigrew und Black passiert ist!" fügte sie mit gehobenen Brauen hinzu und heilte eine kleine Schnittwunde auf Sirius' Oberarm, bevor sie sich nach hinten wandte:

„Hast du das etwa vergessen, Dumbledore?"

– „Keineswegs", hörte Harry, wie sich der Schulleiter zum ersten Mal ruhig ins Gespräch einmischte, und horchte auf – auf die Erklärung, warum Natasha davon nichts wusste, war er sehr gespannt!

„Ich habe Severus gebeten, dir diesbezüglich Bescheid zu geben und einen Brief zu schicken."

Snape?' Der Junge verdrehte die Augen und vergaß für einen Moment, die Kinnlade wieder hochzuklappen, ‚Ausgerechnet Severus Snape?'

„Pff", machte Sirius und schnaubte verächtlich, „wundert mich nicht, dass er das vergessen hat ..."

– „Bitte, Sirius!" wies Dumbledore Harrys Paten tadelnd zurecht und schüttelte den Kopf, während Lee fragend in die Runde blickte: „Wieso denn einen Brief? Wir kommunizieren doch mit unseren Patroni?"

Diesmal schnaubte nicht mehr Sirius, sondern Moody: „Wir dürfen nicht auf Toleen aufmerksam machen! Lockhart überwacht alles! Ein Brief ist – vor allem wenn wir ihn ins Ministerium schicken – viel unauffälliger!" knurrte er und ergänzte: „Perfekt getarnt! Und Tarnung ist lebenswichtig! Bin außerdem mit Sirius und Lupin vollkommen einer Meinung!" nahm Mad-Eye schließlich die ursprüngliche Richtung ihrer Diskussion bellend wieder auf, „Immer wachsam, sonst gibt's böse Überraschungen!"

– „Hast du schon neue Informationen über den Schlüssel?" wechselte Dumbledore mit einer Frage an Natasha das Thema.

Die Frau runzelte die Stirn, bevor sie verärgert den Kopf schüttelte: „Ich weiß nicht mehr, als ich euch damals in dem Brief geschrieben habe, den eure Weißgesichtseule abgeholt hat."

– „Wo ist der?" brummte Moody und fuhr herum, Lupin (der in der Zwischenzeit nach der Zeitung gegriffen und zu lesen angefangen hatte) antwortete ohne aufzusehen: „Oben im Zimmer von Sirius und mir. In der Schublade im Nachttisch. Ich wollte zu Lesespaß für Zauberer und nach Informationen zum Schlüssel suchen, und da dachte ich, wäre Natashas Brief vielleicht nützlich."

– „Lesespaß für Zauberer?" hakte Lee neugierig nach und schaute Remus an, während er einen Schluck Kaffee nahm und angewidert das Gesicht verzog.

– „Die größte Bibliothek der Zaubererwelt", klärte Lupin den Neuling im Orden mit leuchtenden Augen auf – die Sirius mit einem vergnügten Schnauben quittierte, woraufhin sich Harry fragte, warum heute nur jeder schnaubte –, „Wenn wir dort keine Informationen finden, dann finden wir sie in keinem Buch."

– „Und was machen wir, wenn du dort nichts findest?" fragte der junge Mann beunruhigt und schüttete noch mehr Zucker und Milch in seinen Kaffee, sodass dieser nun fast weiß war. Remus seufzte tief und wandte sich wieder ratlos der kleineren der beiden Schlagzeilen zu, die nicht Pettigrew hinter Gittern sondern einen strahlenden Lockhart zeigte: „Das weiß ich nicht."

– „Wir werden in diesem Fall wohl woanders suchen müssen", erklärte Dumbledore gelassen und wickelte einen seiner geliebten Brausebonbons aus dem zitronengelben Papier, „Nimm Andromeda mit in die Bibliothek, dadurch werdet ihr schneller fertig. Die anderen verfolgen die ursprüngliche Aufgabe, herauszufinden, was die Todesser planen und wer ihr Spion im Ministerium ist."

Oh nein, weshalb gerade jetzt!

Harry hätte gern noch weiter gelauscht – es wurde doch nun richtig interessant! –, aber er merkte, dass ein weiterer Hustenanfall kurz bevorstand, und dann hätten die Personen in der Küche bemerkt, dass jemand heimlich zugehört hatte.

Deshalb lief er so leise und so schnell wie möglich zurück in die Eingangshalle und versuchte krampfhaft, den Hustenreiz noch zu unterdrücken, bevor er diesmal lauter in die Küche zurückkehrte, sich unterwegs nun endlich erlaubte, loszuhusten, dabei wohl sogar rot anlief.

Aber wenn er auf der Treppe so viel Lärm machte, käme niemand auf die Idee, er hätte gelauscht!

„Hallo Harry", grüßte Dumbledore freundlich, nachdem der Junge den Raum betreten hatte und schon wieder heftig husten musste, und er hatte den Eindruck, als hätte der Schulleiter sich gerade mitten im Satz unterbrochen, weil er hereingeplatzt war.

„Alles ok, Harry?" wandte Sirius sich mit einem besorgten Blick an sein Patenkind, „Du bist ganz blass!"

– „Nur eine Erkältung", meinte der Junge heißer und krächzte: „Aber Ron hat wahrscheinlich Fieber. Ich wollte dich fragen, ob du was dagegen hier hast."

– „Kein Wunder, dass ihr nach eurem Besentrip krank werdet", schmunzelte Natasha süffisant und drückte Sirius – der gerade aufstehen und zum Zaubertränke-Schrank gehen wollte – entschlossen zurück auf den Tisch. Mit einer Hand hielt sie sein Kinn fest, sodass er den Kopf nicht bewegen konnte ohne sich selbst ihre Fingernägel in die Wangen zu bohren, und behandelte flink die Platzwunde in Sirius' Gesicht.

„Wieder wie neu", stellte sie dann zufrieden fest und hob die Brauen.

– „Darf ich jetzt endlich aufstehen?" wollte Sirius ungeduldig wissen und war schon auf den Beinen, bevor sie auch nur den Mund aufmachen konnte, schlüpfte unterwegs in seine Roben, ohne auf seinen (wieso zum Henker hatte Remus den ordentlich gefaltet?) auf einen Stuhl gelegten Pulli zu achten.

„Leg dich wieder hin, ich seh mal nach, was gegen Erkältung im Schrank ist und bring es euch rauf", schlug Sirius Harry vor; seine Stimme klang dumpf, weil er seinen Kopf bereits in den Kasten in der Wand gesteckt hatte und ihn angeregt durchsuchte, wobei die eine oder andere Phiole zu Boden fiel. Zum Glück waren sie bruchsicher gehext!

Dumbledore jedoch winkte ab: „Wenn wir schon einen Zaubertrank-Lehrer im Haus haben, halte ich es für sinnvoller, wenn dieser einen Trank für sie zusammenbraut. Der ist vermutlich effektiver als die üblichen Hausmittel! Ich wecke Severus auf."

– „Da kannst du ihn gleich mal loben, wie schnell er die Erklärung an Natasha vergessen hat", grummelte Sirius missgelaunt, was Dumbledore jedoch zu überhören schien.

Lee seufzte: „Vielleicht kann er auch einen Ersatz für diesen widerlichen Kaffee brauen?"

– „Leider haben wir keinen Sumpfnarzissenwurzeltee da, um wach zu bleiben", entgegnete Dumbledore lächelnd, „Also wird es dieses Muggelgetränk von Arthur tun müssen!"

– „Als ob der Tee besser wäre", schnaubte Lee kaum hörbar, entschloss sich allerdings, das Thema nicht weiter zu vertiefen.

„Warum kümmert sich Natasha nicht um Harry und die anderen?" fuhr er also lauter fort, „Da sie Sirius verarztet hat, schließe ich, dass sie vor ihrer Laufbahn im Ministerium als Heilerin tätig war?"

– „Falsch vermutet", widersprach Toleen und steckte den Zauberstab in ihren Gürtel, bevor sie zu Sirius ging und ihm half, die Phiolen wieder in den Schrank zu stellen – ‚Schuldgefühle?' dachte sich Harry angesichts dieser Hilfsbereitschaft stumm und grinste –, „Ich habe keine Ahnung von der Heilkunst, wenn es nicht gerade um Schwertkampfwunden geht – für eine Hobby-Fechterin lässt es sich kaum vermeiden, auf dem Gebiet Erfahrungen zu sammeln!"

– „Also doch Snape", brummte Harry leise – das Lachen war ihm bei dem Gedanken an den verhassten Lehrer sofort vergangen – und wechselte einen Blick mit Sirius, der ihn mitleidig ansah, bevor er ihn zurück in sein Zimmer brachte.

Hinter sich hörte er noch, wie Mad-Eye alarmiert herumfuhr und bellte:

„Schwertkampfwunden?"


„Neville, Ron, Harry! Psst, aufwachen!" hörte Harry eine leise Stimme durch seinen Traum von Schwertern, Phiolen, Lee und Moody sickern.

Knurrend öffnete er die Augen und sah benommen in Lunas Gesicht; gemeinsam mit Hermine und Ginny hatte sie sich ins Zimmer geschlichen, und sie versuchten, die Jungen wachzurütteln, was alles andere als leicht war. Nachdem Snape ihnen vor einigen Stunden einen Erkältungs-Trank vorbeigebracht hatte – scheußlicher Geschmack, bei dem Gedanken wurde Harry jetzt noch schlecht – waren die sechs Schüler in einen tiefen und erholsamen Schlaf gefallen.

Noch halb in Trance setzte Harry sich auf und rieb verschlafen seine Augen, neben ihm gähnte Ron herzhaft und streckte sich.

„Was ist denn los?" beschwerte sich Neville lahm über den Weckruf und zog sich die Decke über den Kopf.

– „Schau mal aus dem Fenster!" wies Hermine ihn an und unterstrich ihre Worte mit einer ausladenden Geste, in der Dunkelheit nur schwer zu erkennen.

Widerwillig folgten nicht nur Neville, sondern auch die anderen Jungen, ihrer Anweisung – und Harry war mit einem Schlag hellwach!

Dort draußen kämpften Lupin, Tonks und Andromeda verbissen mit drei Todessern, mitten auf der Straße ließen sie die verschiedensten Flüche auf die Gegner regnen und wichen den (größtenteils schwarzmagischen) Gegenattacken aus, stießen sich immer wieder gegenseitig aus der Schusslinie; ihre Roben machten den Eindruck, als würde schon seit Stunden eine Schlammschlacht stattfinden.

Von rechts stürmte gerade Sirius in Harrys Gesichtsfeld und schlitterte ein Stück über die matschige Straße, die direkt aus der umgebenden weißen Schneedecke hervorstach, ließ den Kopf des Jungen herumfahren und ihn beobachten, wie sein Pate einen weiteren Todesser verfolgte – bunte Funken blitzten auf, dann flog der Feind meterweit durch die Luft, verfehlte dabei nur knapp einen Kollegen, der seinerseits wutschnaubend hinter Lee herrannte; dieser setzte sich mit Zähnen und Klauen gegen ihn zur Wehr, steckte jedoch in Schwierigkeiten, sodass ihm Snape fluchend zu Hilfe eilte.

Toleen unterdessen hatte sich hinter dem Gartentor des Nachbarn – der sich wahrscheinlich in den eigenen Keller verzogen hatte, wo er zitterte und ahnungslos auf das Vergissmich des Ministeriums am nächsten Tag wartete – im Schnee verschanzt und unterstützte ihre Kameraden mit heftigen, gut gezielten und überraschenden Angriffen aus dem Hinterhalt; zuguterletzt schickten Fred und George gerade einen Todesser ins Reich der Träume, fuchtelten dann mit ihren Zauberstäben durch die Luft und stürmten auf die anderen Feinde zu – Dumbledore und Moody hatten das Haus wohl kurz nach Harrys Besuch in der Küche verlassen.

„Du gute Güte!" rief Ron entsetzt aus und wich einige Zentimeter vom Fenster zurück, an dem er sich bis jetzt die Nase platt gedrückt hatte, „Todesser, hier?"

Er schien es kaum fassen zu können, und Harry war schon auf dem Sprung nach unten, um das Haus zu verlassen und dem Phönixorden zu helfen, den Zauberstab dabei fest umklammert, doch Hermine umfasste sein Handgelenk und hielt ihn so zurück.

„Der Orden scheint die Lage im Griff zu haben", stellte sie fest und ließ dann Harrys Arm los, legte ihre Hand stattdessen auf Rons Schulter und dirigierte den Jungen – der noch zu geschockt war um sich zu widersetzen – zurück in Richtung Bett.

„Die Todesser wollten Professor Lupin und Andromeda angreifen, als sie von der Bibliothek zurück kamen. Den Professor hätten sie fast mit einem Splitterfluch erwischt, und auch Andromeda konnte sich gerade noch wegducken."

– „Sieht wirklich so aus, als bräuchten sie keine Hilfe!" stimmte ihr Harry nach einigen weiteren Minuten widerwillig und hustend zu und wandte sich ebenso wie die anderen vom Fenster ab, riss die Augen auf, als ihn ein Geistesblitz durchzuckte, „Das ist die Gelegenheit, Ron! Holen wir Natashas Brief!" Natürlich hatte er seinem besten Freund, als Sirius die beiden mit dem schlafenden Neville alleingelassen hatte, sofort von dem belauschten Gespräch erzählt, und seitdem warteten sie nur auf eine Chance, dieses Pergament einmal näher in Augenschein zu nehmen.

„Das Thema hatten wir doch schon, oder, Harry?" widersprach Hermine ernst und warf dem Jungen einen warnenden Blick zu, „Wenn uns der etwas angehen würde, dann hätten sie –"

– „– ihn uns schon längst vorgelesen, bis wir ihn auswendig wissen", beendete Ron genervt ihren Satz – allerdings bezweifelte Harry nicht, dass Hermine ihn etwas anders formuliert hätte! – und schwang die Beine über die Bettkante.

– „Du bist krank und solltest im Bett bleiben!" redete das Mädchen Ron ins Gewissen und schien verärgert.

– „Mir geht's schon viel besser!" verteidigte sich der Junge entrüstet.

– „Von uns allen aber noch am schlechtesten!" wies ihn Hermine entschieden zurecht und öffnete schon den Mund, um etwas hinzuzufügen, doch Ron schnitt ihr mit einem grandiosen Niesanfall glatt das Wort ab.

– „Sag, was du willst, ich hol jetzt mit Harry diesen Brief!" entschied er dann und erhob sich, wurde jedoch gleich wieder von einer seufzenden Hermine zurück ins Kissen gedrückt.

– „Wenn ihr beide unbedingt eure Nasen in fremde Angelegenheiten stecken müsst, kann ich euch wohl nicht abhalten", resignierte sie und verdrehte die Augen, dann schaute sie verlegen zu Boden, „Aber da du krank bist, bestehe ich darauf, dass du im Bett bleibst! Ich werde mit Harry gehen und den Brief holen!"

Zusammen mit Luna machten sich die beiden auf den Weg und ließen drei verdutzte Schulkameraden zurück.

„Ich steh Schmiere", bot sich Luna gedankenverloren an, als sie das Zimmer von Lupin erreicht hatten; Harry und Hermine nickten und glitten lautlos hinein.

„Welches Bett gehört wohl Remus?" überlegte Harry und drehte sich nach seiner Begleiterin um.

– „Das Bett mit der nichtzerschnittenen Zudecke und dem intakten Kissen", gab Hermine trocken zurück und verschränkte die Arme, rührte sich nicht vom Fleck und machte somit deutlich, wie wenig sie von dem ‚Einbruch' hielt.

– „Hätte ich mir denken können", brummte Harry ohne darauf zu achten, fragte sich flüchtig, wieso das Bett noch nicht repariert worden war und ging vor dem Nachttisch des Duellierlehrers in die Hocke, kramte nach dem Brief und zog ihn kurze Zeit später zwischen einem riesigen Stapel verschiedenster Bücher hervor.

„Schau dir nur mal an, was Remus alles liest", staunte er und ließ seinen Blick über die Titel der Wälzer gleiten: Flüche gegen die dunklen Künste für Fortgeschrittene, Duelltaktiken für schwierige Fälle, Wie man sich gegen einen Schwarzmagier zur Wehr setzen kann, und und und.

„Donnerwetter!" brachte der Junge hervor, „Wie kann man das nur alles lesen?"

– „Ron und du, ihr solltet mehr Zeit in der Bibliothek verbringen", tadelte ihn Hermine kopfschüttelnd, „Bücher sind nicht nur dafür gut, sie sich gegenseitig um die Ohren zu werfen!"

– „Jetzt übertreib mal nicht!" verteidigte sich Harry entrüstet und versuchte, die Bücher, die er beim Herausziehen des Briefs mit herausgeholt hatte, wieder in der richtigen Reihenfolge hineinzulegen, „Die Reihe, die Sirius und Remus mir vor zwei Jahren zu Weihnachten geschenkt haben – Praktische defensive Magie und ihr Einsatz gegen die dunklen Künste – kann ich auswendig!"

– „Dann werd ich auf der Stelle runter zu den beiden gehen, sie von ihren Todessern wegziehen und ihnen vorschlagen, dir übermorgen wieder Bücher zu schenken", verkündete Hermine entschieden und beobachtete, wie er sich abmühte (Harry hatte ganz vergessen, welches der Bücher im Stapel wohin gehörte), dann resignierte sie, nahm ihm die Wälzer aus der Hand und sortierte sie selbst.

„Jetzt bringen wir zuerst diesen Brief in mein Zimmer und verstecken ihn, damit Remus ihn nicht findet, wenn er merkt, dass er weg ist und danach sucht!" lenkte Harry vom Thema ab und wollte sich schon erheben, als Hermine ihn wieder in die Hocke zog.

„Ich hab eine bessere Idee", sprachs und zog ein leeres Pergament aus dem Umhang hervor, legte Natashas Brief darüber und tippte sacht mit dem Zauberstab dagegen:

Descriptio!"

Harry staunte nicht schlecht, als auf dem bisher leeren Pergament derselbe Text erschien wie in dem Brief.

„Wie hast du das gemacht?" brachte er verblüfft hervor und schluckte.

– „Du solltest eben nicht nur Praktische defensive Magie und ihr Einsatz gegen die dunklen Künste lesen", rügte ihn Hermine, legte den ursprünglichen Brief zurück zwischen Lupins Bücher und verließ mit Harry den Raum.

Einige Minuten danach hatten sich alle sechs Schüler im Schneidersitz auf Rons Bett niedergelassen und studierten ihre Beute.

Wieder kurze Zeit später starrte Harry gebannt auf das Pergament zwischen seinen Fingern und zog die Stirn kraus, hob dann die smaragdgrünen Augen und begegnete Rons Blick; den Jungen würde es nicht wundern, wenn er ebenso fassungslos dreinblickte wie sein schlacksiger Freund.

Er sah sich in der Runde um – Verwirrung auch auf den Gesichtern von Neville, Ginny und Luna; selbst Hermine schien nicht zu wissen, was dieser Brief bedeuten sollte. Und was das für ein Schlüssel war. Und überhaupt ...

Enttäuscht – er hatte sich deutlich mehr erhofft – warf Harry einen weiteren Blick auf den Text, überflog noch einmal die einzelnen Zeilen, fragte sich dabei wieder und wieder, wieso er denn für den Phönixorden so wichtig sein sollte ...

An den P.O. –

Folgende Informationen konnte ich einem alten Schriftstück entnehmen, welches unter strikter Geheimhaltung versteckt wurde und einen Hinweis auf den gesuchten Schlüssel liefert.

Der Schlüssel – ein Gegenstand erfüllt von derselben Macht wie der Raum – ähnelt keinem gewöhnlichen seiner Sorte, sondern ist etwas völlig anderes. Ihn zu finden ist nicht jeder in der Lage, ihn zu benutzen noch weniger. Ihn zu suchen wird wenig helfen, denn zeigen wird er sich nur wenn es seiner bedarf. Viel Glück demjenigen, der ihn zu benutzen bestimmt ist.'

In der Hoffnung Sie können dieses Rätsel lösen,

N.T.


Genervt und müde ließ Harry sich auf sein Bett fallen und streckte die Arme von sich.

Die letzten beiden Stunden hatte er damit zugebracht, Sirius' neuen Hindernisparcour, den sein Pate in den oberen Etagen heraufbeschworen hatte, entlang zu rennen, um anschließend zu meditieren und Gerüche und Geräusche zuzuordnen.

Für letzteres waren sie in den düsteren, modrigen Geheimgang unter Sirius' Haus geschlichen (durch den durchdringenden Schimmelgeruch, der ihnen permanent und penetrant in die Nasen gestiegen war, fiel diese Aufgabe Harry nicht wirklich leicht), welcher auf ein nahegelegenes Grundstück führte und sich hervorragend eignete, um den Augen der Todesser zu entgehen, die das Haus der Blacks mittlerweile wieder beschatteten, um den Orden davon fern zu halten.

Hätten die Phönixmitglieder davon nicht erst vor drei Tagen erfahren, hätten sie sich kein neues Hauptquartier suchen müssen! Was Sirius wiederum weniger gefallen hätte ...

Harry seufzte tief.

Die Trainingsstunden bei Sirius gingen ihm allmählich auf den Geist. Nicht, dass er es nicht schätzte, täglich mehr als zwei Stunden allein mit seinem Paten zu sein, aber er würde die Zeit lieber anders verbringen, als auf so anstrengende Weise zu versuchen, einen Zauber zu lernen, von dem er immer noch nicht wusste, wozu er ihm nützen sollte!

Sirius beharrte dennoch darauf, dass sie mit dem Training fortfuhren, und immer noch wollte er ihm nichts darüber sagen – was Harry nicht weniger missfiel. Sie befanden sich immerhin noch mitten in der ersten Phase, und erst nach Phase zwei konnte – oder wollte – sein Pate ihn in das Geheimnis des Zaubers einweihen.

Verdammt!

Harry fing an daran zu zweifeln, dass der Zauberspruch die Mühe wert sein sollte, die er dafür auf sich nehmen durfte! Musste er wirklich all das über sich ergehen lassen?

Harry schnaubte und erhob sich.

Er hatte Sirius gebeten – ihn regelrecht angebettelt – die Übungsstunden wenigstens morgen – an Weihnachten! – auszusetzen, aber sein Pate hatte sich mit einer Hartnäckigkeit und Strenge geweigert, die Harry an ihm noch gar nicht kannte und die er auch nicht sonderlich mochte.

Was schadete es, EINEN Tag zu pausieren und einfach die Feier zu genießen?

Nein, Harry musste trainieren, für einen Zauber, der eventuell völlig überflüssig war, sollte er, Harry, das Fest unterbrechen und schwitzen und schuften wie jeden Tag – was ihn allmählich rund um die Uhr müde und abgespannt werden ließ, auf den Abend hin zunehmend unkonzentriert und – als Konsequenz – immer launischer.

„Harry, komm runter!" rissen ihn Lunas verträumte Stimme und ihr Klopfen an der Tür aus seinem Ärger, „Wir wollen doch alle zusammen den Weihnachtsbaum schmücken!"

– „Ich komm gleich nach", versuchte er halbherzig, das Mädchen durch die Tür abzuwimmeln, im Augenblick wollte er lieber allein sein.

Als er allerdings fünf Minuten später seinen Raum verließ, stellte er erstaunt fest, dass Luna an der Wand lehnte und geduldig auf ihn wartete.

Warm lächelte sie ihn an und fragte erstaunt: „Wieso bist du denn so frustriert? Freu dich doch auf Weihnachten, das wird bestimmt lustig, wenn alle Weihnachtslieder singen, und die verbrannten Kekse probieren, die Hagrid wahrscheinlich wieder versalzen hat. Dumbledore hat sie vorbeigebracht. Du hattest übrigens recht", lenkte sie dann geistesabwesend ein, als sie Harrys Paten durch die Decke Weihnachtlieder singen hörten, „Sirius trifft die Töne so schlecht, er war bestimmt nie Bandleader und Sänger!"

Dann nahm sie seine Hand und zog den überrumpelten Jungen hinter sich her: „Mach schon, die anderen warten alle auf uns!"

Seine Hand lag immer noch in ihrer, als Harry hinter Luna die Stufen hinunter stieg, fühlte sich fast an als würde sie glühen; der Junge wusste nicht wie ihm geschah, und als Luna neben ihm verträumt in Sirius' Weihnachtslied mit einfiel, summte auch Harry die Melodie begeistert mit, den Ärger über das Training seines Paten hatte er völlig vergessen.


Einige Tage später saß Harry zwischen Luna und Neville am Frühstückstisch und biss herzhaft in sein Erdbeerhonigmarmeladenbrötchen, das Dobby zubereitet hatte – kein Wunder, dass er sich so hungrig fühlte, immerhin hatten Sirius und er das Training heute bereits vor dem Frühstück durchgezogen, da sie später nicht mehr dazu kommen würden.

Neben dem Jungen wuselte Dobby herum und packte anscheinend gerade den Koffer eines der Ordensmitglieder, wobei der Hauself die neuen Strümpfe trug, die Harry ihm geschenkt hatte – diesmal hatte der Junge darauf geachtet, ein Paar zu kaufen, wie es unterschiedlicher nicht ging.

Winky räumte in der Zwischenzeit die toten Ratten zurück in ihr Versteck, mit denen Sirius vor kurzem Seidenschnabel gefüttert hatte; nur Kreacher ließ sich, wie sonst auch in den Ferien, ausgenommen diesen einen Zusammenstoß, die ganze Zeit nicht blicken – ihm lag wohl noch immer nichts daran, Sirius über den Weg zu laufen, der ihm sicher eine schwere Strafe für sein Verhalten gegenüber Harry im Kamin vor zwei Jahren erteilt hätte.

Apropos Kamin, wie würden sie in einigen Stunden überhaupt nach Hogwarts zurückkehren, ohne entdeckt zu werden?

Reisen mit Flohpulver überwachte das Ministerium ja seit neuestem ebenso genau wie Apparationen, Besenflüge oder Portschlüssel!

Da sie heute jedoch nach Hogwarts zurückkehren mussten – morgen begann wieder der Unterricht, die Ferien waren vorbei – war das doch eine ziemlich interessante Frage.

Irgendwie schade, dass es schon so weit war – auch wenn Harry sich auf die Rückkehr freute, in diesem letzten Schuljahr besonders –, denn dieses Weihnachtsfest war doch in den letzten Jahren mit Abstand das lustigste gewesen; genaugenommen konnte er es überhaupt nicht mit dem blamablen Ball während des Trimagischen Turniers – er und tanzen, hilfe! –, mit den darauffolgenden Weihnachtsferien im Grimmauldplatz, überschattet von den Depressionen seines Paten, oder gar dem Fest im vergangenen Jahr vergleichen, an dem Sirius ganz und gar gefehlt und diese Lücke Harry den schmerzhaften Verlust besonders bewusst gemacht hatte – wie gesagt, kein Vergleich!

Bis auf die schlauchenden (er würde schon fast so weit gehen, sie zermürbend zu nennen) Trainingsstunden bei Sirius und die Gesellschaft von Snape beim Abendessen hatten Harry und seine Freunde jedenfalls viel zu lachen gehabt und nach dem Abklingen ihrer Erkältung viel Unsinn getrieben und Unheil gestiftet – jedoch waren dies leider ziemlich mickrige Versuche verglichen mit den Streichen der Zwillinge und Lees, wenn die drei denn nicht gerade im Auftrag des Phönixordens unterwegs waren!

Die hatten immer den Vogel abgeschossen (nein, natürlich nicht Mimas, Harry hätte sie gejagt!); trotzdem, der Junge musste zugeben, dass die Zwillinge darauf hätten verzichten sollen, den Schlaf der Leute im Haus am ersten Abend mit Slughorns einminütigem Tiefschlafpulver zu vertiefen, um an ihre Zauberstäbe zu kommen – wobei er sich fragte, wie sie denn Natashas Zauberstab geklaut hatten, denn das Pulver wirkte nur, wenn die betreffende Person schon schlief, und das hatte sie sicher nicht ...

Dennoch, ihre anderen Scherze konnten sich wirklich sehen lassen – wenn Harry nur an die kleine Extraeinlage an Weihnachten dachte:

Alle (außer einem gewissen Zaubertränkelehrer) in festlicher Stimmung, die Geschenke bereits ausgepackt hatten sie sich mit einem Haufen Plätzchen um den prächtig in rot und gold geschmückten Weihnachtsbaum gescharrt – natürlich hatten sie das ganze Haus in rot und gold gehalten.

Abgesehen von einem kleinen, grün-silbernen Adventskranz je in Andromedas und Snapes Zimmer (ganz bestimmt weder Snapes noch Sirius' Idee) und dem Kamin, der für Luna, Tonks und Natasha in den Farben Ravenclaws verziert war. Überall die Farben Gryffindors, dank Sirius' strikter Weigerung, außerhalb der Zimmer der beiden Slytherins auch nur ein Weihnachtsschmuckstück in grün oder silber zu dulden.

Mitten in den Feierlichkeiten war dann aus heiterem Himmel ein kunterbuntes, dröhnendes Feuerwerk mit Weasleys Wunderbaren Wunderknallern losgegangen, die speziell für diesen Zweck „Viele Weihnachten", „Frohe Geschenke" und „Nieder mit Du-weißt-schon-wem!" verkündeten – nach dem ersten Lachkrampf war die Festtagsgesellschaft erst einmal über eine Stunde damit beschäftigt gewesen, die verschiedensten Dekorationsteile zu löschen, die die Raketen angezündet hatten.

Harry schmunzelte bei der Erinnerung an den Vorfall.

Selbst Mrs. Black, die den Lärm natürlich genutzt hatte, um allen ihre Ansichten über Reinblüter und nichtreinblütige Zauberer nahe zu legen, war im allgegenwärtigen Raketenkrachen untergegangen, und das war wirklich verdammt gut so!

Immerhin musste die ihnen nicht auch noch das Fest kaputt machen, wenn sie die Schüler und Ordensmitglieder schon im Rest der Ferien mit ihren beinahe stündlichen Anfällen so auf die Palme brachte, dass selbst der sonst eigentlich immer gefasste Remus gestern genervt die Tür zur Küche hinter sich zugeschmissen hatte.

Apropos Remus, dieser beendete eben sein Gespräch mit Tonks (Harry stutzte, hatte der Metamorphmagus gerade versucht, mit dem Werwolf zu flirten?), danach stand er auf, legte die Zeitung auf den Tisch und ging auf die Tür zu mit den Worten: „Ich geh zu Sirius, um die Rückreise nach Hogwarts zu besprechen."

– „Warte, ich komm mit!" hielt Harry ihn kurzentschlossen zurück und schluckte würgend den letzten Bissen seines Frühstücks hinunter, bevor er vom Stuhl sprang und zur Tür eilte – diese Frage hatte ihn immerhin vorhin auch schon beschäftigt.

Gemeinsam verließen sie also die Küche und schlichen durch die Eingangshalle in Richtung Treppe.

„Habt ihr eigentlich erledigt, was der Orden euch aufgetragen hat?" flüsterte Harry in der Eingangshalle so leise, dass Remus ihn gerade noch verstehen konnte; er war zwar neugierig – vor allem nachdem er den Brief von Natasha aus Lupins Nachttisch geklaut und gelesen hatte –, wollte jedoch auf keinen Fall das Porträt aufwecken. Auf Mrs. Blacks ‚Schlammblüter'-Rufe konnte er gut und gerne verzichten, wie gesagt, davon hatten sie schon genug in diesen Ferien ...

„Wir haben Fortschritte gemacht", lenkte Remus nach einem raschen Seitenblick vorsichtig ein, winkte dann nur mit einer knappen Geste ab, „sind allerdings nicht fertig geworden. Mehr darf ich dir dazu nicht sagen."

Harry seufzte tief – immer diese Geheimniskrämerei!

„Kannst du mir nicht wenigstens einen Hinweis geben?" bat er und bemühte sich darum, möglichst unschuldig dreinzuschauen, was bei Lupin ein Schmunzeln hervorrief als er antwortete: „Lass das, Harry, den Gesichtsausdruck hast du dir von Sirius abgeschaut! Ich darf wirklich nichts verraten."

– „Wie gemein!" beschwerte sich Harry enttäuscht und wollte schon einen neuen Versuch starten, doch ein schrilles Zirpen hielt ihn davon ab, fuhr durch die Eingangshalle und ließ ihn alarmiert herumwirbeln.

Verblüfft beobachtete Harry die rote Lampe über dem Einstieg zum Geheimgang, die plötzlich erschienen war und – ähnlich wie eine blaue Muggel-Sanitätssirene – die ganze Halle erhellte, fragte sich verwirrt, was sie wohl zu bedeuten habe, bis Lupin schließlich aus seiner momentanen Starre erwachte und scharf die Luft einsog.

„Hol sofort Tonks und die anderen aus der Küche!" drängte er angespannt, schon den Zauberstab auf die Luke gerichtet, und schubste Harry in Richtung Treppe, murmelte bereits konzentriert Zauberformeln vor sich hin, während der Junge die Stufen hinunterstolperte.

„Was ist passiert?" platzte Tonks auch sofort heraus, als sie kurz darauf an der Spitze der kleinen Gruppe mit gezücktem Zauberstab die Eingangshalle stürmte, und sah den Werwolf eindringlich an.

– „Todesser", gab dieser knapp und zweifellos besorgt zur Antwort, ohne den Blick oder den Zauberstab vom kaum zu erkennenden Einstieg zu wenden, und Harry spürte, wie neben ihm Hermine und Luna zusammenzuckten, während ihm selbst das Blut aus den Wangen wich; wie zum Henker ... ?

„Mindestens elf Stück! Im Geheimgang ..."

– „Verdammter Zauberlehrling, nochmal!" fluchte der Metamorphmagus hingebungsvoll und stand bereits neben Remus, löste ihn ab und murmelte nun selbst die Sprüche, die die Tür verschlossen halten sollten, „Wie sind die durch den Fideliuszauber gekommen?"

– „Keine Ahnung", entgegnete Lupin ratlos, nahm sich nicht einmal die Zeit, um mit den Schultern zu zucken und schwang auch schon seinen Zauberstab, damit das gerade von den Hauselfen gepackte und in die Halle gestellte Gepäck in die Mitte des Raums flog.

„Severus, würdest du bitte einen Portschlüssel zaubern?" forderte Remus den Zaubertränkelehrer dann hastig auf, während er schon mit wehendem Umhang auf die Treppe zuhielt und dem Angesprochenen zugleich einen Schokoriegel über die Schulter zuwarf, den Snape gerade noch auffangen konnte, „Harry, wir holen Sirius, Andromeda und Natasha!"

Krachend schlug keine Minute später die Tür zu Sirius' und Remus' Zimmer gegen die Wand, und neben Mrs. Black in der Eingangshalle schreckten auch noch zwei Personen im Raum auf, die – eben noch in einer ziemlich intimen Situation nur mit dem Gegenüber, oder besser mit den Lippen des Gegenübers beschäftigt – herumfuhren und vorwurfsvoll die beiden Eindringlinge anstarrten.

„Oops!" machte Harry und konnte, nachdem die erste Überraschung verflogen war, aufgrund der Situation trotz der Gefahr durch die Todesser im für sie eigentlich verborgenen Geheimgang nur verhalten grinsen, während Lupin neben ihm sich mit einem leicht ironischen Unterton entschuldigte, dass sie beide einfach so hereingeplatzt waren, aber es befänden sich einige Anhänger Voldemorts nur Minuten von der Wandluke entfernt, und Natasha solle doch bitte Andromeda holen und die anderen dann zwei Stockwerke tiefer treffen.

„Verfluchter Zauberlehrling!" stieß Toleen aus, löste ihre Arme schnell wie der Wind von Sirius, um nach ihrem Umhang zu greifen, dann fegte sie so rasch zur Tür hinaus, dass Remus sich beeilen musste, ihr aus dem Weg zu gehen.

„Ihr seid ja schon ganz schön weit, dafür dass sie dir vor weniger als zwei Wochen noch den Kopf abschlagen wollte", stellte Remus mit gehobener Braue fest und beobachtete, wie Sirius konzentriert den Zauberstab in verschiedene Richtungen wendete und dabei stets kurz verharrte, mit der Aktivierung der Verteidigungszauber in der alten, durch seinen Vater Antares in vielerlei Hinsicht gegen Eindringen abgesicherten Villa begann, die jetzt Sirius als dem letzten der Blacks gehorchte.

– „Tja", entgegnete Harrys Pate geistesabwesend in dem gleichen trockenen Tonfall und wischte sich mit der freien Hand Natashas Lippenstift vom Mund, bevor er mit seinen eigenen Roben über dem Arm schnellen Schrittes das Zimmer verließ und auf die Treppe zuhielt, „Nicht jeder lässt sich soviel Zeit wie du und Tonks!"

– „Ich hab in den Ferien gar nichts zwischen euch bemerkt! Hattet ihr vor, eure Beziehung geheim zu halten?" wollte Harry neugierig wissen, während er angespannt – wie nah waren die Todesser der Tür zum Geheimgang mittlerweile gekommen? – mit seiner neuen Kette unter dem Pulli spielte und wider Erwarten nicht einmal schockiert war angesichts der Tatsache, dass er da gerade ausgerechnet Natasha Toleen mit seinem Paten erwischt hatte.

Wobei er zugeben musste, nachdem Snape und Sirius sich vor einigen Tagen in der Küche gestritten hatten – es ging wohl um irgendwelche Zaubertrankvorräte, die der Lehrer regelmäßig für den Orden braute – und Toleen den Tränkemeister irgendwann mit einem einfachen ‚Silencio!' zum Schweigen gebracht hatte, war sie ihm um einiges symphatischer.

„Du magst radikale Lösungen, was?"

Harry erinnerte sich plötzlich an die Worte seines Paten, der – die Arme locker im Türrahmen – dabei über das ganze Gesicht gegrinst hatte, nachdem er, zugegeben mit einiger Mühe, die Augen von dem stumm vor sich hinfluchenden Snape hatte reißen können.

Und wenn Harry genauer darüber nachdachte ... doch, das war wohl die erste Gelegenheit, zu der Sirius und Natasha sich einfach so freundlich angegrinst hatten!

„Wieso sollten wir das geheim halten?" gab Sirius zurück, den die Frage offenbar überraschte, während er weitere Zauber in Gang setzte und gleichzeitig darauf achtete, nicht die Stufen hinunter zu stolpern. Er rang sich ein schmales, freudloses Lächeln ab: „Du warst wohl ... zu beschäftigt damit, dich über das harte Training zu ärgern, um darauf zu achten ... "

Nach einigen weiteren Sekunden und dem direkten Befehl Sirius' an die Hauselfen, Seidenschnabel und sich selbst ins neue Hauptquartier zu bringen ohne (dieser Nebensatz galt für Kreacher) mit einem Todesser Kontakt aufzunehmen oder jemanden dorthin zu führen, drang auch schon lautes Pochen an die Ohren der drei, die gerade die letzten Stufen in die Eingangshalle hinunter sprangen, dicht gefolgt von Andromeda und Natasha.

„Sie sind hier!" fluchte Tonks und schnaufte, biss die Zähne zusammen und kämpfte mit der Unterstützung von Hermine und Snape gegen die magische, dunkle Kraft an, die die Luke von der anderen Seite her öffnen wollte, dabei diese bedrohlichen, dumpfen Töne erzeugte, als sie immer und immer wieder mit ihrer vollen Wucht dagegen stieß und das alte Eichenholz zum Beben brachte, „Wir müssen verschwinden!"

– „Augenblick noch", bat Sirius angespannt und bedeutete den anderen mit einer knappen Geste, bereits den Portschlüssel bereit zu halten, bevor er sich ein letztes Mal den Verteidigungszaubern der Blackschen Villa zuwandte, während Natasha und nun auch Andromeda Tonks mit vor Anstrengung verzerrten Gesichtszügen unterstützten.

„Was treibst du da, Black, wir haben keine Zeit!" keifte Snape und versammelte die Schüler und jüngeren Ordensmitglieder um sich, von denen jeder mit einem mehr oder weniger zitternden Finger nach dem Schokoriegel griff, der sie gleich ins Hauptquartier bringen sollte, während das Klopfen von der gegenüberliegenden Seite lauter wurde, die komplette Wand erzitterte ...

„Ich kann die Hauptverteidigung nicht rechtzeitig aktivieren, darum kümmere ich mich um den Rest", gab Sirius knapp zurück und schloss die Augen, während Schweißtropfen auf seine Stirn traten und er sich offenbar aufs Äußerste konzentrieren musste – das Haus wehrte sich doch nicht etwa gegen ihn? –, nahm sich nicht einmal die Zeit, um Snape zu beleidigen oder zumindest im gleichen barschen Tonfall zu antworten; ein deutlicher Hinweis auf die Gefahr, die ihnen allen drohte, wenn sie sogar Sirius' Hass auf den Zaubertranklehrer in den Hintergrund rücken ließ!

„Dadurch können die Todesser zwar reinkommen, aber nicht auf Dauer hier bleiben und auch nichts entfernen – zumindest nicht, wenn sie an ihrem Leben hängen ..."

Wieder erzitterte die Wand, ließ alle Augen herumfahren und Harrys Magen verknotete sich, da sich nun die ersten Risse in der Luke abzeichneten, mit jedem Stoß größer wurden ... Sie hatten keine Zeit zu verlieren! Durch die Wand waren leise die eiskalt lachenden Stimmen und Flüche der Todesser zu hören ...

Langsam wichen Tonks und die beiden anderen Frauen zurück, ohne ihre Zauber zu unterbrechen, näherten sich Snape und dem Portschlüssel, während Sirius noch vor sich hinmurmelte, bis er schließlich – endlich! – zitternd den Zauberstab sinken ließ und schwankte, in dem Augenblick als das erste, große Stück aus dem Zugang zum Geheimgang brach und auf den Boden fiel.

Harry setzte bereits zum Sprung an, um seinen Paten rechtzeitig zum Schokoriegel zu ziehen, bevor er fiel, doch Remus kam ihm zuvor, zerrte den Eulen-Animagus mit Hilfe von Natasha zu den anderen und stützte ihn, sodass nun endlich alle den Portschlüssel berühren konnten.

Snape zählte bis drei, und mit jeder Ziffer vergrößerten sich die Risse, die sich nun durch die ganze Tür zogen ...

Bei ‚drei' barst der Einstieg.

Die Splitter fielen in dem Moment auf den Boden, als Harry den wohlvertrauten Ruck hinter seinem Bauchnabel spürte.


-Anmerkung der Autorin-


Dieses Kapitel hat mich wieder einiges an Nerven gekostet - einige Szenen hab ich komplett überarbeiten müssen!

Ich bitte deswegen wieder um Reviews -
wenn's wieder zweistellig wird, spring ich vor Freude im Dreieck!