Kapitel 14 – Malfoy Manor – Teil 2 (Hilflos)
Das Spiel näherte sich allmählich seinem Höhepunkt und die letzten beiden Spieler die noch übrig geblieben waren, waren Lucius Malfoy und Severus Snape. All die Anderen Spieler hatten bereits die Tafel verlassen – mit Ausnahme von Bellatrix Lestrange. Die Stimmung war angespannt und obwohl Snape am gewinnen war, hatte er sich entschieden von Elfenwein auf Feuerwhisky umzusteigen.
Nervös spielte Hermine an dem Standfuß ihres gläsernen Kelches herum und bemerkte wie langsam aber sicher ihre Füsse begannen zu schmerzen. Noch immer hatte sie es nicht gewagt von Snapes Seite zu weichen. Ebenso wie sie angewurzelt hinter Snape stehen blieb, blieb Narcissa an Malfoys Seite. Das war wohl Lucius Malfoys Frau – doch warum suchte sie dann nach Snapes Blickkontakt wie ein ausgehungerter Hund seinen Knochen?
"Du weißt aber schon darüber bescheid, dass wir alle zugestimmt haben beim Poker vollkommen auf Legilimentik zu verzichten – oder Snape?", zischte Bellatrix biestig, während sie sich mit gefalteten Fingern in ihren Sessel zurück sinken ließ und voller Skepsis Snape beim spielen musterte.
"Ich bin mir dessen bestens bewusst, Bellatrix." Snape konzentrierte sich gerade darauf den Stapel voller glitzernder Münzen beiseite zu schieben, welche er soeben erobert hatte. "Ich brauche keine Legilimentik um zu gewinnen, ich habe meinen ganz speziellen Glücksbringer bei mir." Mit einem knappen Kopfnicken deutete Snape zu Hermine, woraufhin die Frau namens Narcissa ihr einen giftigen Blick zuwarf.
Argwöhnisch beobachtete Lucius seinen schwarzhaarigen Gegenspieler dabei, wie dieser gerade im Inbegriff war ihn zu schlagen. Als sich plötzlich die blonde Frau zu seinem Ohr hinab beugte und ihm etwas zu flüsterte. Dem Anschein nach etwas erfreuliches, denn innerhalb von Sekunden hellte sich die Miene des blonden Zauberers wieder auf.
Süffisant grinsend schmiegte sich Malfoy in das weiche Leder seiner Sessellehne und legte gelassen ein Bein über das andere Knie.
"So Severus…" Stoisch begutachtete er den silber-glänzenden Schlangenkopf, der seinen schwarzen Stock zierte. "genug der Kinderspielchen. Lass uns nun die Einsätze ein wenig erhöhen."
Misstrauisch verfinsterte sich Snapes Blick und anhand seiner Augen konnte man förmlich die Skepsis erkennen, die soeben seine Gedanken belegte. "In wie fern, Lucius?" Seine schwarzen Augen hielten sein blondes Gegenüber fixiert und ein lautes Zischen presste sich zwischen seine Zähne hindurch, nachdem er sein Whiskyglas in einem Zug geleert hatte.
Nun zogen sich Malfoys Mundwinkel in ungeahnte Höhen und sein Blick wurde finster, ehe er sich wieder seiner Frau widmete.
"Bring mir den Rotschopf." Ohne zu zögern verschwand Narcissa in den umgebenden Schatten. Nur wenige Augenblicke später kehrte sie mit einer jungen Frau zurück, welche sie grob am Arm gepackt hielt.
Blankes Entsetzen brach über Hermine herein, denn sie erkannte das rothaarige Mädchen sofort wieder. Das war eindeutig ihre Zellennachbarin namens Ginny, die mit ihr den so genannten Zwinger verlassen hatte.
Allerdings hatte sie sich mittlerweile etwas verändert. Sie war, wie schon der junge Mann neben Bellatrix, in saubere weiße Lumpen gehüllt, welche jedoch ihre Blöße nur aufs knappste verhüllten. Darüber hinaus war sie wesentlich blasser als zuvor und ihr Gesicht, sowie die nackte Haut ihrer Arme und Beine, waren mit einer Menge tief lilafarbener Flecken und roter Striemen überzogen. Es war offensichtlich das sie mehr als einfach nur geschlagen worden war – Malfoy hatte sie gequält.
Teilnahmslos hielt sie ihren Kopf gesenkt und wagte es nicht jemandem der Umstehenden in die Augen zu blicken. Doch Hermine konnte ihren Blick nicht mehr von ihr abwenden und es zerriss ihr fast das Herz, wie sie jenes erbärmlich wirkende Wesen neben dem arroganten, blonden Zauberer stehen sah.
Sie fühlte sich schlecht, fast schon schuldig. Die ganze Zeit über war sie der Meinung gewesen sie hätte es in Snapes Obhut schlecht getroffen, doch dieser Abend führte ihr auf brutalste Weise vor Augen, wie gut sie es doch eigentlich bei ihm hatte. Zumindest im Gegensatz zu den Anderen.
Ihr Herz hämmerte unnachgiebigen gegen ihren Brustkorb. Sie war voller Mitleid und nur mit einem festen Biss auf ihre Unterlippe schaffte sie es mühevoll ihre Tränen zu bezwingen. Zu schmerzlich war die Erkenntnis, dass eben diese junge Frau, die ihr damals noch den Anschein vermittelt hatte, stark und widerstandsfähiger als alle anderen gewesen zu sein, nun gebrochen, gedemütigt und eingeschüchtert vor ihr stand.
Doch auch Snape war allem Anschein nach, durch ihr Auftreten, ein wenig aus der Fassung gebracht worden.
"Ich verstehe beim besten Willen nicht, was du nun mit der kleinen Weasley hier willst?" Snapes Stimme klang gereizt.
"Oh wie bedauerlich Severus, ich war stets der Meinung du würdest über eine ausserordentliche Auffassung verfügen. Nun, dann lass mich es dir erklären. Und zwar setzte ich mein Spielzeug gegen deins!" Es schien fast so als wäre das triumphierende Grinsen auf Lucius' schmalen Lippen festgewachsen.
"WAS? NEIN!" Blitzartig, und mit einer Mischung aus Empörung und Angst, hatte sich Hermine in den festen Stoff von Severus' Schulter gekrallt. Ihre Augen waren geweitet vor Entsetzen und ihr Herzschlag überschlug sich förmlich.
"SEI STILL!", brüllte Severus barsch. "HABE ICH DIR ETWA GESTATTET AUCH NUR EINEN TON VON DIR ZU GEBEN?!"
Sofort verstummte die junge Hexe. Doch ebenso erschütternd, wie Malfoys dreister Vorschlag, war der grausame Blick den Narcissa Malfoy ihr zuwarf, als diese bemerkt hatte, dass sich noch immer Hermines Finger hilfesuchend an Snapes Schulter klammerten.
"Was ist nun? Nimmst du den Einsatz an? Oder bist du Schlichtweg zu Feige für solch einen pikanten Einsatz?" Provozierend, und begleitet von dem hysterischen Gelächter seiner Schwägerin, lehnte sich Lucius auf den Tisch und blickte seinem letzten Kontrahenten herausfordernd in die schwarzen Augen.
Mit unergründlicher Miene und Gesichtszügen, dessen Unerbittlichkeit selbst seine eigene Mutter getäuscht hätte, blickte Snape zu Malfoy hinüber als wolle er den Anschein erwecken, er wöge die Vor- und Nachteile ab. Doch das Malmen seiner Kieferknochen, sowie sein schwerer Atem, verriet Hermine das er gerade krampfhaft mit seiner Selbstbeherrschung rang.
"Ich denke nicht, Lucius, mein guter Freund, dass das ein fairer Einsatz ist." Er hatte eine merkwürdige Sanftheit in seiner Stimme. "Ich meine, sieh' dir die kleine Weasley nur an. Im Gegensatz zu ihr –" Mit einer überheblichen Handbewegung deutete er auf Hermine als wäre sie ein Stück Vieh, das man auf einem Markt begutachtet. "ist deine Gespielin nicht einmal ein Drittel wert. Verzeih mir Lucius, so verlockend dein Angebot auch sein mag, aber ich bin kein Schwachkopf der sich über den Tisch ziehen lässt. Keines deiner Spielzeuge, selbst wenn du mir beide bieten würdest, wäre auch nur annähernd ausreichen. Es tut mir leid, aber meine Antwort lautet – Nein, ich bin nicht gewillt sie einzusetzen."
Erleichtert atmete Hermine auf, doch das Gesicht von Narcissa Malfoy hatte sich schlagartig in eine hasserfüllte Fratze verwandelt, mit der sie der jungen Hexe Blicke zuwarf, die ohne jeden Zweifel durchblicken ließen, dass sie sie auf der Stelle hätte töten wollen.
Ohne dass Malfoy auch nur die Chance bekam Snape zu widersprechen, erhob dieser erneut seine dunkle Stimme: "Ich denke ich habe nun genug die Gunst dieser jungen Dame ausgereizt." Mit diesen Worten drehte er sich zu Hermine. "Geh' und setz' dich da hinten in die Ecke und ich will für den Rest des Abends keinen Mucks mehr von dir hören – verstanden?"
Hermine nickte hastig, alles war ihr lieber als weiterhin an diesem Tisch zu stehen – wie Freiwild.
"Na also los, dann verschwinde!", befahl Snape rüde und deutete auf einen Haufen freier Stühle an der Wand.
Ohne noch weiter zu zögern, setzte sie sich in Bewegung und ließ sich auf einen der vielen freien Plätze nieder, die bei ihrer Ankunft noch besetzt waren. Nun saß sie in den schützenden Schatten, die das spärliche Licht der Flammen nicht mehr erreichten und fühlte sich wie ein Zuschauer. Der Tisch an dem sie noch Sekunden zuvor gestanden hatte, war hell erleuchtet und ermöglichte es ihr somit das gesamte Geschehen zu überblicken sowie alles Gesprochene zu vernehmen.
Voller Hoffnung erwartete nun die junge Hexe das auch Ginny wieder zurückkehren würde, immerhin hatte sie ihr soviel Erlebtes mitzuteilen. Nicht zuletzt das aufeinander Treffen mit dem jungen Mann in der Winkelgasse, der Ginny dem Anschein nach gut kannte.
Doch voller Grauen musste sie mit ansehen, wie der blonde Zauberer die rothaarige Hexe daran hinderte.
Fest umklammerte er ihr Handgelenk und richtete wieder das Wort an Snape.
"Du sagtest du hättest einen ganz speziellen Talisman, ja? Mal schauen ob mir mein kleines Schätzchen hier ebenso viel Glück bringt, wie dir dein Püppchen." Mit diesen Worten warf er Ginny einen strengen Blick zu, der sie augenblicklich erzittern ließ. "Auf die Knie mit dir! Du weißt was du zu tun hast."
Schlagartig durchzogen Gefühle wie Zorn, Hass und Abscheu jede Faser von Hermines Körper und stürmisch biss sie sich auf die geballte Faust, um zu verhindern das sie einen protestierenden Laut von sich gab. Doch das Schlimmste war für sie, dass sie hilflos dabei zusehen musste, wie Ginny sich, begleitet von Bellatrixs ekelerregendem Grinsen, zwischen Malfoys Oberschenkeln auf die Knie sinken ließ.
Ihr Herz klopfte ihr bis zum Hals und alles in ihr schrie danach einfach nur auf Lucius loszustürmen und Ginny zu Hilfe zu eilen. Sie focht einen immens harten Kampf gegen ihren Verstand, der ihr sagte dass es ihr eigenes und vielleicht sogar Snapes Todesurteil gewesen wäre, wenn sie nun einfach dazwischen gehen würde.
Mit zittrigen Fingern begann Ginny nun Lucius' Hose zu öffnen und somit seine bereits erigierte Männlichkeit zu entblössen, welche sich ihr nun drohend entgegen wölbte. Nur zögerlich senkte sie ihren Kopf, ehe sie zaghaft ihre Lippen öffnete und sie über die Spitze seines Schaftes stülpte.
Reflexartig vergruben sich Malfoys Hände in ihrem roten Haar und sorgten rabiat dafür, dass sie ihn noch tiefer in sich aufnahm. Widerstandslos ließ sie seinen führenden Rhythmus über sich ergehen.
Snape wandte sich angeekelt ab von diesem Szenario und Narcissa verrollte entnervt die Augen, während sie kopfschüttelnd ihrem Mann den Rücken zukehrte. Doch bevor sie den Salon verließ, warf sie Snape, der ihren Abgang aus dem Augenwinkel begleitet hatte, noch einen verheißungsvollen Blick zu. Einen Schritt später war sie mit der Dunkelheit des Flures verschmolzen und alles was sie hinterlassen hatte, war der schwere Duft eines sündhaft teuren Parfüms.
"Bist du wirklich der Meinung das du in diesem Zustand noch in der Lage bist einen klaren Kopf zu behalten?", fragte Snape skeptisch und entriss somit endlich Lucius das hämischen Grinsen aus dem Gesicht.
"Sicher doch, Snape!", knurrte dieser gereizt.
"Wirklich? Nicht das du dann die Kleine dafür verantwortlich machst, wenn du erneut gegen mich verlierst.", erwiderte Snape gequält grinsend, während er sich gelassen in seinem Sessel zurück lehnte und seine Fingerkuppen aufeinander legte. "Ich meine es ja nur gut, mein Freund, denn ICH kann bei diversen Dingen keinen klaren Gedanken mehr fassen. Immerhin hatte ich erhofft, dass du wenigstens eine kleine Herausforderung für mich währst." Gönnerhaft zog Severus beide Augenbrauen, sowie beide Schultern in die Höhe und blickte sein blondes Gegenüber gespielt unschuldig in dessen graue Augen.
Ein wütendes Schnauben, fast wie das eines Ungeheuers, war von Malfoys Seite zu vernehmen. Angespannt schloss der blonde Zauberer seine Augen und atmete tief durch, während seine Kieferknochen zu malmen begannen.
"VERSCHWINDE!" Mit diesen Worten hatte er Ginny brutal an den Haaren nach oben gezogen, was sie mit einem schmerzverzerrten Ton quittierte und stieß sie unsanft in Hermines Richtung. "ICH WERDE MICH DIR SPÄTER NOCH WIDMEN – FREU DICH NICHT ZU FRÜH!"
Kurzerhand schloss er wieder die Knöpfe seiner Hose und funkelte Snape herausfordernd an.
"Ich hoffe du bist nun zufrieden?!", raunte Malfoy missmutig.
Snapes schwarze Augen wanderten nun zur Decke und es erweckte den Eindruck als würde er demonstrativ nachdenken. Doch nur wenige Sekunden später lehnte er sich leicht hinüber zu Lucius, der noch immer schnaubend an der Kopfseite des Tisches thronte. "Nun ja, eins gäbe es da noch, Lucius…" Schalkhaft hielt er sein leeres Whiskyglas in die Höhe. "wie wäre es mit einem gefüllten Glas?"
Erbost von Snapes Unverschämtheit, verfinsterten sich Malfoys Gesichtszüge zu einer bedrohlichen Maske.
"Nicht Lucius…", scharrte Bellatrix dazwischen, die die ganze Zeit über nichts weiter als ein stummer Zaungast gewesen war. "lass mich das doch bitte machen – es wäre mir eine Ehre unserem guten Freund das zu geben, was er verdient." Sie hatte sich Snape zugewandt und grinste nun dünkelhaft.
Ohne Malfoy oder Snape auch nur die Möglichkeit gegeben zu haben etwas zu erwidern, hob sie ihren Zauberstab, richtete ihn auf Severus' Glas und im Handumdrehen füllte es sich mit einer farblosen Flüssigkeit.
Höchst skeptisch erhob sich eine von Snapes Augenbrauen und musterte die Flüssigkeit, doch ehe das Glas an seine Lippen führte, führte er es an seine Nase.
"Wasser – aber Bellatrix, ich wußte ja schon immer das dir der Ruf deiner überaus großzügigen Gastfreundlichkeit vorauseilt, jedoch muss ich gestehen das er dir bei weitem nicht gerecht wird."Er prostete ihr feixend zu und leerte das Glas in einem Zug. "Allerdings hätte es ein wenig kühler sein können, meine Liebe."
In der Zwischenzeit hatte Ginny Hermine erreicht und neben ihr Platz genommen. Noch immer hielt sie ihren Kopf gesenkt und wischte sich nun mit zittrigen Fingern, beschämt über ihre Lippen – wortlos.
Tröstend legte die brünette Hexe ihre flache Hand auf den Rücken ihres rothaarigen Gegenübers, woraufhin diese Autschend zusammen zuckte. Sofort riss Hermine ihre Hand zurück.
"Ist alles in Ordnung? Es tut mir leid wenn ich dir wehgetan habe – das wollte ich nicht."
"Schon ok." Noch immer hatte es Ginny nicht gewagt ihr in die Augen zu blicken, doch im schummrigen Licht der Kerzen sah Hermine, dass stumme Tränen über ihre Wangen kullerten.
Nochmals wagte die brünette Hexe einen erneuten Versuch ihrer Freundin ein wenig Halt zu schenken. Vorsichtig nahm sie ihre kalte Hand zwischen die ihren und versuchte ihr somit das Gefühl zu übermittelte, nicht allein zu sein.
"Alles wird gut, glaub' mir." Hermines Stimme war nicht mehr als ein Flüstern.
Langsam hob Ginny den Kopf an und blickte mit ihren braunen Augen in die ihres Gegenübers. Doch was Hermine darin sah war schlimmer als jede nur erdenkliche Qual, die sie sich hätte ausmalen können – denn Ginnys Augen waren leer.
Keine Hoffnung, kein hitziges Funkeln, kein Lebenwille, nein nicht einmal Anzeichen von innerlichem Kampf. Ihre Augen waren trüb und hatten jeglichen Glanz verloren, fast so wie die Augen die sich mit dem schlimmsten aller Dinge abgefunden hatten und sich nichts sehnlicher als den Tod herbei wünschten.
"Alles wird gut?", wiederholte Ginny matt. "Nein Hermine, nichts wird gut. Nichts! Du kannst dich wohl immer noch nicht daran erinnern, aber Harry und Ron sind tot, einfach weg, und sie werden nie mehr zurückkehren." Ihre Tränen waren für einen kurzen Moment zum versiegen gekommen, doch die Worte die ihre Lippen verließen, sprach sie mit solch einer Selbstverständlichkeit, dass es Hermine einen Schauer über den Rücken schickte.
"Sei stark, bitte. Wir waren vor ein paar Tagen in der Winkelgasse und dort bin ich einem jungen Mann names Neville Longbottom begegnet. Er sagte das sich die letzten Überlebenden zusammen getan haben und dann hat er zwei Namen erwähnt die sich freuen würden, dass du noch lebst…warte lass mich nachdenken… Molly und Arthur."
Für den Bruchteil einer Sekunde huschte ein Blitzen über Ginnys Augen. "Mum und Dad – sie leben?!" Doch nur Sekundenspäter hatte die Realität sie wieder in die bodenlose Tiefe der Hoffnungslosigkeit gerissen. "Niemand wird kommen und uns helfen, glaub' mir Hermine, niemand. Es sind einfach noch zu viele von denen und zu wenige von uns. Ich entkomme Malfoy nur mit dem Tod." Doch plötzlich schreckte sie auf und ein Hauch von Vitalität blitzte in ihren Augen. "Weiß Snape davon?"
"Nein, aber er hat Neville erwischt."
"Er hat ihn erwischt?! Wo ist er? Ist er Tod?" Ginnys Augen füllten sich erneut mit Tränen.
"Nein, er hat ihn laufen lassen.", besänftigte Hermine ihre Freundin.
"Er hat ihn laufen lassen? Ernsthaft? Snape? Wieso?" Ungläubig funkelten Ginnys Augen und es wirkte für den kurzen Moment, als wäre neues Leben in sie zurückgekehrt.
"Ich weiß es nicht, aber ich habe gesehen wie Neville verschwunden ist – unversehrt."
"Wie dem auch sei, zumindest weiß er jetzt, dass sich die letzten Überlebenden zusammen getan haben."
"Woher soll er das wissen? Ich habe es ihm nicht gesagt und als Neville es mir erzählte war Snape nicht dabei."
Ein trauriges Kopfschütteln war von der rothaarigen Hexe zu vernehmen. "Snape beherrscht Legilimentik wie niemand anderes, abgesehen von Du-weißt-schon-wem."
"Du-weißt-schon-wem? Legilimentik? Was soll das sein?", fragte Hermine leise.
"Die Fähigkeit Gedanken zu lesen. Er hatte damals Harry darin unterrichtet."
"Unterrichtet? Wie das?" Hermine war vollkommen verwirrt.
"Snape war damals unser Lehrer auf Hogwarts, Hogwarts die Schule für Hexerei und Zauberei. Du kannst dich wohl wirklich an gar nichts erinnern, du Arme. Das ist ja gerade das Schlimme, du warst eine seiner Schülerinnen und er tut solche Dinge mit dir. Das ist fast noch niederträchtiger als das, was Malfoy mit mir tut."
Doch Hermines Verstand und Gehör hatte nach der Information, dass Snape ihr Lehrer gewesen war, abgeschaltet. Ein Gefühl, als würde pures Eiswasser ihre Venen durchströmen, durchfuhr Hermines Körper.
Sie atmete schwer. "Snape war wirklich unser Lehrer?" Erst als die Worte ihre Lippen verlassen hatten, bemerkte sie, in welcher Lautstärke sie gesprochen worden waren.
"VERDAMMT SEID STILL! ODER ICH MUSS PERSÖNLICH EUCH BEIDEN DAS MUNDWERK STOPFEN – NOCHMALS!", brüllte Malfoy jähzornig und seine Stimme ließ den gesamten Raum erzittern.
Doch auch Snape hatte sich umgedreht und warf nun einen mahnenden Blick in Hermines Richtung.
"Wir sollten lieber leiser sein, bevor er seine Drohung noch wahr macht." Schamhaft hatte sie erneut den Blick gesenkt und ihr feuriges Haar verdeckte nun den Großteil ihres Gesichts.
"Verlier nicht deine Hoffnung – bitte. Du bist nicht allein."
"Hoffnung, welch ein schönes Wort. So vielsagend und doch so bedeutungslos in unserer misslichen Lage." Ginny schluckte hart und vergrub ihr Gesicht ein wenig mehr in ihrem roten Haar. "Du hast keine Ahnung wie er ist. Lavender – du kannst dir nicht vorstellen was er mit Lavender gemacht hat, wahrscheinlich kannst du dich auch nicht an sie erinnern. Sie war kurzzeitig mit Ron zusammen. Sie ist apathisch, spricht nicht mehr, oder sie kann es nichtmehr – ich weiß es nicht genau. Malfoy, der widerliche Mistkerl, rühmt sich damit sie so vielen Cruciatusflüchen ausgesetzt zu haben, dass sie zu dem geworden ist was sie heute ist – ein zombieartiges Wesen. Und das nur weil sie sich ihm einmal verweigert hat." Schemenhaft konnte Hermine beobachten, wie Ginny sich die Tränen aus dem Gesicht wischte, doch sie unterbrach sie nicht, sie wollte ihr alle Zeit geben um zu sagen was ihr auf der Seele und auf dem Herzen brannte.
Doch es sollte nicht lange dauern, ehe Ginny ihren Monolog fortsetzte: "Er liebt es wenn man Angst vor ihm hat." Ihre Stimme war gebrechlich und sie drohte fast gänzlich zu versagen, denn ihre nächsten Worte sollten sie die letzten Reste ihrer Überwindung und Kraft kosten. "Doch mittlerweile ist die Furcht in meinen Augen erloschen und das macht ihn wütend – doch wie kann man sich vor etwas fürchten, womit man sich bereits abgefunden hat?" Langsam schüttelte sie den Kopf. "Er lässt sich immer wieder neue Grausamkeiten einfallen um mich aus der Reserve zu locken. Neuerdings sind es Demütigungen. Dennoch, manchmal erwacht ein leichter Hoffnungsschimmer in mir und ich wage zu träumen das er vielleicht irgendwann das Interesse an mir verliert und mich in Ruhe lässt, so wie bei Lavender. Er ist ein grauenhafter Sadist, ich wünsche dir das du es bei Snape besser hast."
Erst jetzt bemerkte Hermine, dass ihr Gesicht nass von Tränen war und das ihre Hände noch immer fest Ginnys Hand umklammert hielten, als wolle sie verhindern das sie sich jemals wieder von einander lösten.
Erneut musste die brünette Hexe feststellen, dass ihre eigene Misere mit Snape, in keinster Weise mit Ginnys Qualen zu vergleichen war. Die erschreckend ehrlichen Worte der rothaarigen Hexe führten Hermine nur noch mehr vor Augen, dass sie im Grunde genommen von Glück reden konnte, dass sie in gewisser Weise "nur" unter Snapes Launen leiden musste. Vielleicht war er sogar nicht so schlecht wie sie dachte, denn so etwas erniedrigendes, wie Malfoy es getan hatte, würde er niemals von ihr verlangen. Steckte vielleicht hinter der zynischen Fassade doch ein Mensch, der nicht grundsätzlich von Boshaftigkeit und Hass geprägt war?
Doch ehe, Hermine wieder das Wort an Ginny richten konnte, durchschnitt Malfoys lautes Fluchen die angespannte Stimmung.
"Verdammt, Severus!" Mit einer ausladenden Handbewegung stieß der blonde Zauberer seinen gefüllten Kelch beiseite, welcher nun laut klirrendem auf dem harten Marmorboden zerschellte. Alle im Raum waren verstummt, selbst Bellatrixs düsteres Lachen war verschwunden.
Wutschnaubend hatte sich Lucius vor Snape aufgebaut und funkelte ihn mit zusammengekniffenen Augen an. "Das geht nicht mit rechten Dingen zu! Gib' zu dass du nicht fair gespielt hast!" Malfoy's Stimme war beängstigend drohend, doch Snape nippte nur höchst amüsiert und keinesfalls eingeschüchtert, an seinem Getränk und würdigte Lucius währenddessen keines Blickes.
Scheinbar sorglos stellte der schwarzhaarige Zauberer sein Glas ab und fixierte nun sein Gegenüber mit gelassener Miene. "Lucius, Lucius…" Er schüttelte seinen schwarzen Schopf, während er sich wieder entspannt zurück lehnte und seine Hände faltete. "ich habe dich nicht betrogen – was hätte ich auch für einen Grund? Es gibt nichts um was ich dich beneide."
Das Gesicht des Blonden hatte sich nun zu einer wutverzerrten Fratze verzogen, seine Lippen waren nur noch ein heller, schmaler Spalt und die kalten, grauen Spalten, die einst den Platz seiner Augen eingenommen hatten, waren bereits längst nicht mehr als diese wahrzunehmen.
Malfoy öffnete den Mund, doch seine Stimme sollte niemals die Wände des Salons erreichen, denn ein großer blonder Mann mit grobschlächtigen Gesichtszügen betrat nun die Halle.
"Lucius, du hast mich doch darum gebeten dich zu informieren, wenn Yaxley mit der Befragung beginnt", sagte der Fremde mit tiefer Stimme.
"Danke Thorfinn, dass es schon soweit ist. Sowas. Da hatte ich doch vollkommen die Zeit vergessen." Mit einem Nicken gab er dem Mann nun zu verstehen, dass er ihm gleich folgen würde.
Auch Bellatrix hatte sich nun erhoben. "Komm schon mein Hündchen, auch wir werden uns dieses Schauspiel nicht entgehen lassen. Wird sicherlich sehr amüsant." Mit diesen Worten zerrte sie den jungen Mann an seiner Leine durch den gesamten Raum und verschwand nun in der Finsternis des abgedunkelten Flurs.
"Komm sofort her!", rief Malfoy und mit einer bestimmenden Geste gab er der jungen, rothaarigen Hexe zu verstehen, dass sie unverzüglich ihren Platz neben ihm einnehmen sollte.
Tatenlos musste Hermine mitansehen wie ihre Freundin sich von ihr löste und kleinlaut zu ihm trottete, ohne sie auch nur ein letztes Mal angesehen zu haben.
"Und, Severus? Was machst du? Du lässt dir diesen krönenden Abschluss doch wohl nicht entgehen, immerhin weißt du das der dunkle Lord dich an seiner Seite erwartet." Lucius hatte Snape einen geringschätzigen Blick zugeworfen, als dieser sich immer noch nicht erhoben hatte.
"Ich werde mir natürlich jenes grandiose Finale nicht entgehen lassen, jedoch möchte ich mich zuvor noch anderen Dingen widmen – angenehmeren, wenn du verstehst was ich meine. Sicherlich kann ich doch, eine deiner zahlreichen Räumlichkeiten nutzen um mit Hermine ungestört zu sein, oder?" Severus zog nun mithilfe beider Hände, ein Bein über sein aufgestelltes Knie.
"Sicher doch, Freund, du kennst dich ja aus. Es ist nicht die erste Party die du hier deinen Spaß hast, nicht wahr?!" Lucius' Lippen hatten sich zu einem süffisanten Grinsen verzogen.
"Sicher, Lucius."
"Nun gut, dann wünsche ich dir deinen Spaß, auch wenn du mir meinen nicht vergönnt hast. Und beeil dich, der Lord wartet nicht gerne, selbst auf dich nicht." Mit diesen Worten drehte sich Malfoy um und zog Ginny mit sich in den dunklen Flur, den nur Minuten zuvor Bellatrix Lestrange betreten hatte.
Noch immer hin und her gerissen zwischen den Gefühlen der Hilflosigkeit, Ginny nicht helfen zu können, und der schäumenden Wut auf Malfoy, ließ es sie vollkommen kalt, als Snape sich ihr zuwandt.
"Komm' schon, lass uns gehen." Mit einer geschmeidigen Bewegung hatte er sich erhoben und wartete nun in der Mitte des Raumes auf sie, doch sie reagierte nicht.
"Nur, weil wir jetzt alleine in diesem Raum sind, heißt das noch lange nicht, dass du wieder aufmüpfig werden kannst."
Doch erst als sein Schatten ihr das Licht nahm, registrierte Hermine, dass er bereits vor ihr stand.
"Los, mach-schon!" Mit schnellen Schritten verließ er den Salon und Hermine folgte ihm.
Ich hoffe euch hat das Kapitel gefallen. Reviews sind ja sozusagen das Brot des Autoren, deshalb würde ich mich natürlich sehr über Lob, Anregungen oder konstruktive Kritik freuen. Lasst mich also nicht verhungern. ;)
LG, Missy
