Er hatte es stillschweigend zu Kenntnis genommen das sie wieder da war. Sie redeten nicht mehr viel miteinander. Meist bestand ihre Unterhaltung nur aus Snapes mürrischen Grollen und finsteren Bemerkungen, die sie allerdings gelernt hatte zu ignorieren.
Hermine vollendete das Experiment mit dem Fulgurit, was ihr aber auch den erwünschten Erfolg nicht einbrachte. Snape wurde zusehends unzufriedener und nörgelte mehr als je zuvor.
Wenn er einen Blick in ihren Kessel warf, dann achtete er peinlichst genau darauf einen gebührenden Abstand zu ihr zu halten, als ob sie eine ansteckende Krankheit hätte. Er erwähnte den Vorfall nie wieder und Hermine hütete sich ihn daran zu erinnern.
Nur wenn ihre Blicke sich trafen, was beide zu vermeiden suchten, beschleunigte sich Hermines Herzschlag und sie hielt unwillkürlich den Atem an. Solche Momente gab es aber nur noch selten, und wenn es doch passierte, dann waren es nur zehntelsekunden bis einer von ihnen hastig den Blick senkte.
Es war jetzt bereits Ende Januar und Hermine hatte bisher noch keinen Fortschritt bei ihrer Arbeit erzielt, was sie masslos frustrierte. Sie wartete angespannt auf den Tag, an dem Snape sie vor die Tür setzen würde, denn auch er war sichtlich ernüchtert und unzufrieden, auch wenn er es nicht sagte.
Er verschwand immer öfter noch während Hermine mitten in ihren Versuchen war und tauchte dann meistens nicht mehr auf. Das allerdings verschaffte ihr ungewohnten Freiraum und die Arbeit ging ihr wesentlich leichter von der Hand, als unter Snapes kritischen Blicken.
Gestern war er schon nach zehn Minuten verschwunden und heute hatte er ihr nur eine magische Notiz an der Tür hinterlassen, das offen sei und sie reingehen könne. Er würde heute keine Zeit haben. Und natürlich hatte er sich auch den Kommentar nicht verkneifen können, dass sie doch dafür sorgen solle, dass das Labor hinterher wieder ordentlich, sauber und aufgeräumt wäre.
Hermine hatte leise schnaubend den Kopf geschüttelt. Als ob sie jemals vergessen hätte das Labor und die Kessel zu säubern und die Zutaten sorgfältig wieder in die Regale zu sortieren!
Also würde er heute gar nicht auftauchen. Hermine summte leise vor sich hin bei der Arbeit und genoss die Ruhe. Ein Hauch von Stolz durchzog ihre Brust, denn mit dem heutigen Tag bewies Snape eindeutig, dass er ihr mittlerweile vertraute.
Hermine sah sich um. Die hohen Kellergewölbe mit den immer etwas feuchten, steinernen Wänden, wirkten düster. Die kleinen Fenster weit oben waren mit dunklen Vorhängen bestückt, was das spärliche Tageslicht, das den Weg zu ihnen fand, fast komplett daran hinderte in den Raum zu dringen.
Auch anderen Ecken des Raumes hatte der Bewohner eindeutig seine dunkle Note aufgedrückt. Das Holz der Möbel war dunkel, sie wirkten sehr wuchtig und man hatte das Gefühl von ihnen bedrängt zu werden. Kleine, zierliche und helle Möbel hätten den Raum freundlicher und luftiger wirken lassen.
Blumen gab es keine. Diese hätten hier unten wohl auch nicht das nötige Licht zum Leben bekommen. Die Luft war abgestanden und roch streng nach Kräutern und anderen nicht identifizierbaren Dingen. Die Regale an den Wänden waren hoch, reichten bis fast unter die Decke und waren vollgestopft mit den erstaunlichtsen aber auch abschreckendsten Sachen die man sich vorstellen konnte.
Da sie noch nie die Gelegenheit hatte sich wirklich in Ruhe umzusehen, machte sie einen zögernden Schritt darauf zu und musterte die verschiedenen Gläser und Kisten die sich dort im Laufe der Jahre angesammelt hatten, und teilweise verstaubt waren.
Aus einem Glas starrten sie hunderte winziger, toter Augen an, die zu merkwürdigen kleinen Körpern gehörten und wohl am ehesten an zu gross geratene Regenwürmer erinnerten. Sie schwammen in einer rötlichen Flüssigkeit und Hermine schauderte bei dem Gedanken es könne Blut sein.
Schnell wand sie sich ab und schritt weiter an der Regalwand entlang. In einer Ecke befand sich ein kleines Kästchen, welches so sehr eingestaubt war, dass man die Beschriftung nicht mehr lesen konnte. Vorsichtig hob sie es aus dem Regal und wischte sacht mit den Fingern die dicke Staubschicht und die unzähligen Spinnweben von dem Deckel. „Krötenmaul' stand darauf und Hermine hätte es fast erschrocken fallen lassen.
Ob es wirklich….? Mit leicht zitternden Händen und angewidert verzogenem Gesicht hob sie den Deckel ein winziges Stück an, und spähte hinein. Sie war fast erleichtert, als sie darin kleine gelblich-braune, getrocknete Blumenblüten vorfand. Sie schloss das Kästchen, stellte es vorsichtig wieder an seinen Platz und drehte sich zu ihrem Kessel um, in dem der Trank vernehmlich angefangen hatte zu blubbern.
Sie ging hinüber und regulierte mit einem kleinen Schlenker ihres Zauberstabes die Temperatur des Feuers unter dem Kessel, bis die Flammen nur noch lau vor sich hin flackerten.
Jetzt dauerte es noch etwa zehn Minuten. Danach sollte der Trank eine leicht grünliche Färbung haben, und wie Seide schimmern. Hermine setzte sich auf den Stuhl, der vor ihrem Tisch stand, und nahm sich ein mitgebrachtes Buch zur Hand, bei dem sie bisher nicht die Ruhe gefunden hatte es zu lesen.
Es vergingen nur ein paar Minuten bis sie merkte, dass ihre Augen nicht auf den Seiten des Buches ruhten, sondern statt dessen auf der Tür ruhten, durch die Snape immer verschwand. Sie blinzelte ein paar mal um sich aus ihren Gedanken zu reissen, und richtete den Blick wieder auf das Buch in ihren Händen.
Erneut ertappte sie sich nach ein paar Minuten dabei, wie ihr Blick zur Tür glitt und unwillkürlich hatte sie Snapes grosse, dunkle Gestalt vor sich, wie er mit wehenden Umhang durch sie verschwand. Was er wohl heute machte das er keine Zeit fand hier her zu kommen? Die Zeit der Todesser war schon lange vorbei, Voldemort tot und Snape widmete seine Arbeit auschliesslich Hogwarts.
Dumledore hatte ihnen das nötigste von Snapes Geschichte offenbart, was ihm aber keinerlei zusätzliche Sympathien bei den Schülern einbrachte. Harry konnte ihn nach wie vor nicht leiden und auch der Gedanke daran, das Snape seine Mutter geliebt und ihn zu beschützen versucht hatte, lockte bei ihm eher ein unwohles Schaudern hervor, als Verständnis.
Für Harry war es noch lange kein Grund sich so abwertend gegenüber dem Sohn zu verhalten, der seiner hätte sein können. „Kein Wunder, dass meine Mutter ihn nicht gewollt hat. Nun sieh ihn dir doch an Hermine!", waren seine Worte gewesen, als sie ihn vor einiger Zeit versucht hatte darauf anzusprechen. „Und eine andere Frau interessiert sich für den sowieos nicht." Verächtlich hatte sich sein Mund gekräuselt.
Hermine war bei diesen Worten still geworden und erinnerte sich deutlich an den Ausdruck in Snapes Gesicht, an das unbestimmte Flackern in seinen dunklen Augen und an das deutliche Kribbeln im Bauch, dass ihr dieser Moment verschafft hatte. War sie verrückt geworden? War ihr Bild von ihrem grosses Idol Snape (das er ohne Zweifel die ganzen Jahre für sie gewesen war), plötzlich zu etwas verrutscht, was gefährlich wurde? Was sie fanatisch machte?
Nun – fanatisch hatte es sich definitiv nicht angefühlt. Es war eher so gewesen, als ob, sie strich grübelnd mit dem Zeigefinger über ihre Nase – ja als ob sie plötzlich jemanden gefunden hatte, den sie nie dort vermutet hätte. Und zu ihrem Leidwesen dachte sie seither wesentlich häufiger an Snape als davor.
Aus ihrem Kessel ertönte plötzlich ein leises Zischen und grüne Funken sprühten nach oben. Erschrocken zückte Hermine ihren Zauberstab, löschte das Feuer unter dem Kessel und kühlte den Trank um einige Grad ab. Vorsichtig warf sie einen Blick in den Kessel und war erleichtert, als der Trank immer noch seine seidig schimmernde, grüne Färbung hatte.
Das sah gut aus. Den Vergleich zu dem anderen Trank konnte sie aber erst morgen ziehen, da dieser noch knappe fünfzehn Stunden brauchte, um fertig zu werden.
Sie nahm eine Probe, verkorkte die Phiole sorgfältig und stellte sie in das Regal, das Snape ihr extra dafür zugewiesen hatte. Dann säuberte sie den Kessel, räumte die restlichen Zutaten weg und reinigte den Tisch gründlich.
Als sie ihre Tasche geschultert hatte, warf sie noch einen prüfenden Blick durch den Raum, ob auch wirklich alles wieder so war wie sie es vorgefunden hatte, und ihr Blick blieb erneut an der Tür hängen. Wo er wohl war?
Im selben Moment schüttelte sie energisch den Gedanken ab und machte sich auf den Weg in den Gemeinschaftsraum, wo sie sich mit Harry treffen wollte, der sie verzweifelt um ein paar Tipps gebeten hatte aus Panik vor dem bevorstehenden Valentinstag. Und immerhin war Ginny Hermines beste Freundin.
Darüber hinaus war auch das Thema Valentinstag etwas, woran sie nur mit viel Unbehagen und Widerwillen dachte. Wahrscheinlich würde sie an diesem Tag einfach einen Spaziergang auf die Ländereien machen und ihre Einsamkeit verfluchen. Zu Hagrid konnte sie auch nicht mehr gehen, da er in den letzten Jahren diesen Tag mit Madam Maxim verbrachte.
Hermine schnaubte frustriert. Selbst ein Halbriese fand das passende Deckelchen. Nur sie würde wohl bis an ihr Lebensende ein Dasein als alte Jungfer fristen. Vielleicht sollte sie ja doch eines ihrer Bücher heiraten wie Malfoy einmal boshaft geäussert hatte.
Aber noch war nicht aller Tage abend. Vielleicht gab es ja jemanden ausserhalb von Hogwarts der für sie geschaffen war. Das änderte aber nichts an der Tatsache, dass sie sich überlegen musste, wo und wie sie den 14.2. verbringen wollte.
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Die nächsten Tage im Labor waren einsam, wie Hermine ernüchtert feststellen musste. Snape tauchte nun überhaupt nicht mehr auf und die Stille in den Kerkern schien sie oftmals zu erdrücken. Auch wenn Snapes Bemerkungen selten angenehmer Art, und eine Unterhaltung mit ihm nahezu unmöglich war – trotzdem fehlte etwas. Die Anwesenheit eines anderen Menschen in diesen düsteren Hallen hatte doch etwas Leben hineingebracht, und einfach das Wissen, dass Snape da war, hatte Hermine doppelt aufpassen lassen.
Jetzt merkte sie, dass sich kleinen Fehler einschlichen, weil sie zu oft mit etwas anderem beschäftigt war. Da waren zum einen die Regale mit den Trankzutaten, die sie Stück für Stück durchforstete und zum anderen die Regale mit den Büchern.
Hermine erschauderte leicht bei dem Gedanken an das Wissen, das dort an der Wand stand und langsam verstaubte. Sie verbrachte mittlerweile mehr Zeit damit zu lesen, als mit dem Trank an sich. Wenn die Zubereitung eines Trankes zwei Stunden dauerte, dann sass sie oftmals danach noch einmal so lang, weil sie sich in ein Buch vertieft hatte.
Gestern war es sogar fast Mitternacht gewesen, als sie ein erschrockener Blick auf die Uhr in die Höhe fahren lassen hatte. Sie wusste nicht wie Snape reagieren würde, wenn er sie hier erwischen würde um diese Uhrzeit und mit seinen Büchern. Auf der anderen Seite hatte er es ihr aber auch noch nie ausdrücklich verboten seine Bücher zu lesen.
Vor allem hoffte sie in den Büchern irgendeinen Hinweis zu bekommen. Irgendetwas, was sie weiterbringen würde. Sie selber wusste nicht mehr weiter. Sie hatte absolut keine Ideen mehr und Snape war nicht da, also konnte sie ihn nicht fragen.
Heute war Freitag und sie hatten Zaubertränke gehabt. Nach dem Unterricht wollte Hermine mit Snape sprechen. Sie hatte sich extra Zeit gelassen beim aufräumen ihres Platzes. Als ihre Mitschüler verschwunden waren, war sie vor seinen Schreibtisch getreten und hatte ihn um Rat gefragt.
Seine Antwort hätte sie sich vorher schon denken können: „Miss Granger, dass ist Ihr Projekt. Ich habe weder die Zeit, noch die Lust mich damit zu befasen. Hören Sie auf, wenn es Ihnen zu viel wird, aber jammern Sie mir nicht die Ohren voll. Vielleicht gibt es auch keine Lösung – auch das sollten Sie in Erwägung ziehen und akzeptieren." Dann hatte er sich wieder über seine Unterlagen gebeugt und ihr mit dieser Geste unmissverständlich klar gemacht, dass er nichts weiter dazu sagen würde.
Jetzt sass sie hier in den Kerkern und sah sich müde um. Das war es also gewesen, warum er nicht mehr kam. Er hatte nicht etwas anderes zu tun – er hatte schlicht die Lust verloren. Sie hatte heute keinen Trank gebraut. Sie war nur hier, weil ihr diese Räume inzwischen vertraut geworden waren und sie sich wohl fühlte inmitten der Bücher und Apparaturen.
Sie würde es vermissen. Bei diesem Gedanken krallte sich ein hohläugiges Monster in ihrer Brust fest und nahm ihr fast die Luft zum Atmen. Sie hatte keinen weiteren Grund hier unten zu sitzen, Tag für Tag. Die Ideen waren ihr ausgegangen und nur die Gewohnheit hatte sie hierher getrieben.
Heute am 11. Februar, knapp 3 Monate nachdem sie ihre Arbeit begonnen hatte, gab sie auf. Heute hiess es Abschied nehmen von den Räumen, die ihr fast wie ein Zuhause geworden waren. Abschied nehmen von ihrem Wunsch etwas Besonderes zu entdecken. Und ja, auch Abschied nehmen von dem Verlangen, Snape zu beweisen, dass sie gut war. Anerkennung von ihm zu bekommen. Endlich, nach all den Jahren, die Anerkennung die sie sich von ihm wünschte.
Müde fuhr sie mit der Hand über ihre Augen aus denen jetzt leise zwei Tränen sickerten. Das Monster in ihrer Brust schien sich noch etwas fester an ihre Lungen zu klammern. Es drückte ihr jetzt fast den gesamten Brustkorb zusammen. Es tat weh.
Sie ging zu den hohen Bücherregalen, die sie in den letzten Tagen vollkommen vom Staub befreit hatte, und strich liebevoll mit den Fingerspitzen über die Buchrücken. Mit einem wehmütig-sanften Ausdruck auf ihrem schmalen Gesicht umfasste sie den düsteren Raum und starrte mit brennenden Augen auf die kleine Tür, von der sie bis heute nicht herausgefunden hatte wohin sie eigentlich führte.
Von plötzlicher Neugierde getrieben ging Hermine drauf zu, und stoppte kurz davor. Sie wollte schon die Hand ausstrecken um die Klinke herunterzudrücken, liess sie im letzten Moment jedoch sinken.
Snape würde es bestimmt nicht gut finden, wenn sie einfach durch sein Domizil spazierte. Was, wenn er ausgerechnet jetzt hereinkommen würde? Was, wenn er direkt in dem Raum hinter der Tür war? Zögernd ging sie wieder ein paar Schritte weg.
„Ach was", sagte sie sich laut. „Ich will mich ja nur verabschieden und ihm sagen das ich nicht wiederkomme." Und mit schnellen Schritten war sie wieder bei der Tür, drückte die Klinke nach unten und öffnete sie vorsichtig.
Langsam steckte sie ihren Kopf durch den Spalt und war enttäuscht, als sie vollkommene Finsternis empfing. Was auch immer das für ein Raum war – Snape war jedenfalls nicht hier. Oder?
„Professor Snape", rief sie atemlos in die Dunkelheit. Nichts. Sie zog die Tür ein Stück weiter auf, griff nach ihrem Zauberstab und murmelte „Lumos". Sogleich erhellte ein Licht, das von der Spitze ihres Zauberstabes ausging, ein grosses Stück des Raumes vor ihr.
Ihr Blick fiel auf ein zerschlissenes Sofa von undefinierbarer Farbe und einem ebensolchen Sessel. Sie hob den Zauberstab über den Kopf, um die Sicht zu erweitern und sah einen Kamin am anderen Ende des Raumes, davor einen Teppich, der genauso heruntergekommen aussah wie Sofa und Sessel, und einen Schreibtisch, links von ihr.
Mit angehaltenem Atem nahm sie den Raum in Augenschein, soweit es das spärliche Licht ihres Zauberstabes zuliess.
Snapes Privaträume.
Er lebte sehr bescheiden, soviel konnte Hermine bei dem dünnen licht erkennen. Kein Prunk und kein Glanz. Aber das hätte sie wohl auch verblüfft. Das hier passte zu Snape.
Sie wollte gerade wieder die Tür schliessen, als der Lichtstrahl auf ein Bücherregal fiel, das rechts von ihr, in etwa drei Meter Entfernung, an der Wand stand. Was hatte Snape für Bücher hier in seinem Wohnzimmer? Von Neugier getrieben ging sie weiter in den Raum hinein.
Sie liess das Licht über die Bücherrücken gleiten und las dabei die Titel. Nicht eines der Bücher sagte ihr etwas. Da gab es ‚Sinnverwirrende Tränke im Angesicht de Mondes' und ‚Beschwörungen der Erdtrolle' oder ‚Verfeinerung des Cruciatos – eine magische Kunst'. Hermine lief bei diesem Buchtitel eine Gänsehaut wie von tausend Spinnenbeinen über den Rücken.
Sie entdeckte noch einige Bücher die der schwarzmagischen Hölle entsprungen zu sein schienen. Wenn Snape das alles beherrschte, dann musste er ein excellenter und sehr starker Zauberer sein, mit dem garantiert nicht gut Kirschenessen war. Gut – anders hätte er die Zeit bei den Todessern wohl kaum überstehen können.
Ob er getötet hatte? Menschen gefoltert? Jemand der so fein ausgeprägte Sinne hatte wie Snape, musste ein sehr guter Folterer sein. Hermine erschrack hier über ihre eigenen Gedanken und wurde sich plötzlich bewusst, wo sie war, und der Gedanke, was Snape mit ihr anstellen würde – anstellen könnte – wenn er sie hier erwischen würde, jagte ihr die Furcht bis ins Mark.
Schnell drehte sie sich um, verliess heftig atmend Snapes Wohnzimmer und schloss schnell die Tür hinter sich. Im selben Moment flog die Tür auf der anderen Seite auf und das Objekt ihrer wüsten Gedanken stand als schwarze Silhouette auf der Schwelle. Hermine stiess vor Schreck einen spitzen Schrei aus und starrte ihn in herzjagender Panik mit weit aufgerissenen Augen an.
Hatte er bemerkt wo sie gewesen war? Verrieten sie ihre zitternden Hände oder ihre weichen Knie?
Die Stille lag bedrohlich zwischen ihnen und keiner von beiden bewegte sich.
„Was tun sie hier Miss Granger?" Seine Stimme durchquerte den Raum wie ein gefährliches Raubtier auf Jagd.
Sie schluckte und straffte dann ihren Körper. „Ich habe meine Experimente beendet und wollte jetzt gehen.", stammelte sie atemlos, wobei sie vergeblich versuchte ihrer Stimme einen normalen Klang zu geben.
Snape trat ein paar Schritte auf sie zu, sodass sie nun sein Gesicht, das vorher im Schatten gelegen hatte, scharf umrissen sehen konnte. Mit hochgezogenen Augenbrauen sah er zu ihr hinab und das Gefühl in der Falle zu sein, nahm augenblicklich von ihr Besitz.
Abwartend, mit nervös fliegendem Puls hielt sie seinem Blick stand.
„Wozu leuchtet ihr Zauberstab?", fragte Snape sie leise, doch jedes Wort war scharf wie ein Messer und schnitt sich Hermine ins Herz. Mit vor Schreck bleichem Gesicht und unkontrolliert zitternden Lippen sah sie auf den Zauberstab in ihrer Hand, als würde sie ihn heute das erste mal sehen.
„Ich – ich habe die Regale abgestaubt –„ ,es war das erste und wahrscheinlich auch das dümmste was ihr einfiel, das konnte sie an Snapes Gesicht ablesen, „- und um besser sehen zu können brauchte ich noch etwas Licht." , beendete sie ihren Satz mit einem Anflug von Trotz.
„Die Regale sind dort drüben Miss Granger. Was tun Sie hier? Die Wände putzen? Den Boden schrubben?" ölte snape bedrohlich leise, ohne sie auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen.
Hermine begriff, dass es keine Sinn machte länger auszuweichen und entschied sich für einen Bruchteil der Wahrheit. „Ich wollte Ihnen Bescheid sagen, dass ich aufgebe und dachte Sie wären eventuell im Raum hinter dieser Tür…" Sie senkte betreten den Blick und drehte nervös ihren Zauberstab zwischen ihren zitternden Händen.
„Haben Sie nicht geklopft Miss Granger?" Snapes Stimme war ein gefährliches Flüstern, seine Haltung eine einzige Drohung.
„Doch Sir – habe ich!" , beeilte Hermine sich zu sagen und sah ihn flehend an.
„Und? Habe ich Sie herein gebeten?" Hermine schluckte krampfhaft. Warum zur Hölle lies er nicht locker? Um seinem Blick zu entgehen starrte sie genau auf die Stelle zwischen seinen Augen.
„Nein.", flüsterte sie zitternd und spürte wie sie vor Scham rot wurde..
„Und da dachten Sie, also gut wenn die alte Fledermaus schon mal nicht da ist, nutze ich das aus und sehe mich in aller ruhe in seinen Privaträumen um. Ihre Wissbegierigkeit kennt wahrlich keine Grenzen Miss Granger!"
Sein Ton war spöttisch sein Blick nicht. Dieser erzählte von der Wut die in ihm brodelte. Hermine zuckte wie unter einem Schlag zusammen.
„Bitte Sir!", rief sie entsetzt „So etwas habe ich nie gesagt oder auch nur gedacht!" Mit grossen Augen in denen jetzt Tränen schimmerten, machte sie einen verzweifelten Schritt auf ihn zu. „Bitte – ich wollte wirklich nur-„ Sein Blick liess sie verstummen und den Kopf senken.
„Gehen Sie Miss Granger. Bevor ich noch Einzelheiten erfahre, die ich nicht hören will." Ohne ein weiteres Wort verschwand er mit langen Schritten durch die Tür zu seinen Privaträumen und liess diese mit einem Knall ins Schloss fallen.
Hermine packte mit zitternden Knien ihre Sachen zusammen und trat fluchtartig den Weg zum Gemeinschaftsraum an. So hatte sie sich das Ende wahrlich nicht vorgestellt. Jetzt hatte sie vermutlich ein für allemal bei Snape verspielt. Sie hatte sein Vertrauen missbraucht. Das war unentschuldbar und Hermine tat bei diesem Gedanken das Herz auf eine recht seltsame Art weh.
