Kapitel 14 - Schlafzimmergespräch
Im Gästeschlafzimmer ließ James sich ganz vorsichtig und mit zusammengebissenen Zähnen auf das Bett nieder, in dem Remus lag. Er war weiß wie die Wand, atmete aber ruhig. Vorsichtig nahm James das Tuch von seiner Stirn, tauchte es in eine Schüssel mit herbei gezaubertem, kaltem Wasser und wischte ihm damit dann einmal vorsichtig übers Gesicht. Anschließend widmete er sich der rechten Hand und löste vorsichtig den Verband. Es war keine Schnittwunde wie James vermutet hatte, es sah nur nach einer Berührung aus. Da hast du aber Schwein gehabt, mein Freund, stellte James fest. Ganz vorsichtig tupfte er die fast kreisrunde blaulila mit einem stich Silber verfärbte Wunde ab und zuckte zusammen, als Remus plötzlich aufstöhnte.
Die Dunkelheit, die ihn gefangen genommen hatte, lichtete sich langsam. Er spürte, wie etwas Feuchtes über seine Wangen wischte. Aber es war keineswegs unangenehm, ganz im Gegenteil. Es tat sogar richtig gut. Dann aber durchzuckte ihn ein brennender Schmerz. Er wollte sich aufbäumen, etwas dagegen tun, doch wehren konnte er sich nicht, das einzige, was ihm gelang, war ein Aufstöhnen.
Nur langsam ließ das Brennen nach, wich einem pochenden Schmerz. Und auch das Gefühl der Gefangenschaft in seinem eigenen Köper, das er von der Verwandlung her kannte und hasste, ließ nach. Es gelang ihm mühsam seine Augen zu öffnen, doch das Bild blieb verschwommen. Dafür waren die Gerüche um so deutlicher wahrzunehmen. Zum einen war da etwas Vertrautes. ‚Freund' war das erste, was ihm zu diesem Geruch einfiel. Dann roch da etwas nach Wald… Hirsch… ‚Krone', sagte sein nur langsam arbeitender Verstand zu diesem Geruch. Dann war da aber auch etwas unangenehmes was sein Hirn als ‚Gefahr' mit höchster Priorität einstufte und etwas, das bei ihm Ekel auslöste. Verbranntes Fleisch.
Nun, ganz langsam schärfte sich auch das Bild vor seinen Augen. Zartgelb getünchte Decke, sicherlich mit Magie denn die Farbe war zu 100 gleichmäßig. Das schaffte selbst ein Muggelmaler nicht, nicht für seine Augen. Und dann entdeckte er das, was sein Gehirn gerade als Freund eingestuft hatte, oder besser wen. "James", flüsterte er, brach aber, kaum dass dieser Name seine Lippen verlassen hatte, in einen Hustenanfall aus, der ihm die Tränen in die Augen trieb. Seine Kehle fühlte sich an wie ein Reibeisen und nur mit äußerster Mühe schaffte er es, sich zu beruhigen.
James sah mit wachsendem Staunen zu, wie sein Freund die Augen aufschlug. Die unnatürlich geweiteten Pupillen huschten hin und her, bis sie sich langsam verkleinerten und ihn ansahen und ihn erkannten, wie er zweifelsfrei an Remus' Äußerung feststellte. Das schwere Keuchen seines Freundes sofort danach verstärkte die Sorge um ein Vielfaches, zeigte es ihm doch, wie krank sein Freund zurzeit war. Behutsam legte er eine Hand auf Remus' Rücken, rieb darüber, um ihn zu beruhigen. Und es half. "Komm. Ich helfe dir auf, dann kannst du was trinken.", sagte er leise und schob vorsichtig einen Arm unter Remus' Rücken, der zusammenzuckte, aber sonst nichts tat. Doch dies und auch das schmerzverzerrte Gesicht seines Freundes ließ ihn vermuten, dass Remus Qualen litt. Dabei war doch nur seine Hand verletzt. Ihm zwei Kissen hinter den Rücken stopfend, ließ er Remus langsam gegen die Rückwand des Bettes sinken und beobachtete, wie sich dessen Gesicht entspannte. Vorsichtig und ohne einen weiteren Kommentar hielt er Remus ein Glas Wasser an die spröden Lippen.
Jede Bewegung schmerzte, ob er sie nun selbst ausführte oder nicht. Nur James konnte das nicht wissen, hatte Remus doch noch nie über so eine Vergiftung mit seinen Freunden gesprochen. Es hatte auch noch nie eine Notwendigkeit dazu bestanden. Bisher war er dem führ ihn todbringenden Edelmetall erfolgreich ausgewichen.
Gierig trank er etwas von dem Wasser, was James ihm reichte, während sich seine Gedanken sortierten. Das letzte, was er wirklich wusste, war, dass er Celine hergebracht hatte. Sie war verletzt gewesen, schwer verletzt. "Celine!", keuchte Remus, versuchte aus dem Bett zu kommen, wollte wissen, was mit seiner Freundin war, doch James hielt ihn zurück.
"Bleib liegen. Celine geht es gut. Lily kümmert sich um sie.", versicherte James seinem Freund. "Außerdem… ich glaub kaum, dass du im Moment in ihre Nähe gehen solltest. Das könnte eine sehr schmerzhafte Erfahrung werden." Bei diesen Worten verzog James das Gesicht, während er an das immer noch vorhandene leichte Stechen in seinem Schritt dachte.
"Wie?", fragte Remus leise. Wieso schmerzhaft? Meint James etwa, dass sie mich wirklich umbringen…Moment. Warum geht es mir überhaupt so besch… eiden. Man könnte glatt meinen… "James… Was ist passiert. Warum bin ich überhaupt… im Gästezimmer?", fragte er nun leise, sich noch einmal richtig umsehend.
James seufzte leise. "Silbervergiftung. Ich hab es nicht mal mitbekommen. Dachte, du ständest unter Schock, weil Celine versucht hat, dich umzubringen und… der Anblick deiner Wohnung war auch ein Hammer. Hab übrigens sauber gemacht.
"Auf jeden Fall hab ich dich hier ins Bett gebracht und dir einen… Beruhigungstrank gegeben. Wobei… eigentlich sollte der dich bis morgen ausschalten."
Remus schluckte. Ihm war klar, dass dies eine Frage gewesen war. Denk nach Junge. Denk nach. Lass dir was einfallen, stachelte er sich selbst an. "Na ja… ihr.. ihr könnt es nicht wissen, aber… mein Körper baut Schlaf- und Beruhigungsmittel schneller ab. Erblich bedingt, von meinem Vater. Ist aber nicht weiter bedenklich.", log Remus. Die Wahrheit hätte nur bedeutet, seinem Freund erklären zu müssen, dass er sie seit 8 Jahren belog, was seine Existenz anging und er war sich nicht sicher, ob das die Freundschaft, die ihm selbst mehr als sein Leben bedeutete, verkraften würde. Und einen wirklichen Unterschied machte es doch gar nicht, wie er zum Werwolf geworden war, die Tatsache blieb immerhin die Gleiche. Dann sah er abrupt auf. "Sagtest du grade Silbervergiftung?", hakte er nach.
"Jep. Du bist irgendwie mit dem Dolch, den Celine in deine Wohnung geschleppt hat, in Berührung gekommen. Deine Hand. Ne ziemlich hässliche Brandwunde. Blaulila verfärbt. Echt appetitlich.", erklärte James und verzog dabei das Gesicht.
So grade konnte Remus sich einen Kommentar à la Sirius Black verkneifen, bedachte James nur mit einem angewiderten Blick. "Muss passiert sein, als ich das Verbandszeug geholt habe. Mein eigene Dummheit.", stellte er dann fest und war verwundert über James' missmutigen Gesichtsausdruck.
"Deine Dummheit? Es war Celine, die den Dolch in deine Nähe gebracht hat. Es ist ihre Schuld, nur ihre ganz allein.", platze James heraus. Er verstand nicht, wie sein Freund die Schuld einfach so auf sich nehmen konnte. Remus konnte ja wohl am allerwenigsten etwas dazu, dass das Silber in seiner Wohnung gelandet war.
"James… bitte.", seufzte Remus. "Mir ist nicht nach streiten. Hilf mir lieber auf. Ich will zu ihr.", sagte er und warf die Bettdecke zurück. Aber schon die kleinste Bewegung ließ ihn aufstöhnen.
"Du kannst dich doch noch nicht mal allein aufsetzten. Wie willst du denn da die Stufen runter kommen?", fragte James sarkastisch, aber trotzdem mit sorgenvollem Blick. "Außerdem lässt Celine wohl keinen Mann an sich ran. Hab ich grade äußerst effektiv zu spüren bekommen. Wusste gar nicht, dass Celine einem Mann in sein bestes Stück tritt."
"Was?", prustete Remus entsetzt und unterdrückte das schmerzhafte Husten so grade eben. "Sie hat dir in… autsch. Warum?", fragte er, allein bei dem Gedanken tat es weh. Und er würde in dem Fall garantiert ohnmächtig werden, sollte sie ihm dort hintreten.
"Ich muss ihr irgendwie zu nahe gekommen sein. Und du solltest ihr erst Recht nicht zu nahe kommen. Das Silber scheint dir echt zuzusetzen.", meinte James mit nachdenklichem Blick und war mal wieder unendlich dankbar dafür, dass sie sich nahe genug standen, um sich ihre Fragen von den Augen ablesen zu können. So konnte James sich seine offenkundige Neugierde, warum sein Freund so litt, ersparen.
Remus ließ sich seufzend in die Kissen sinken. Also eine Lehrstunde in Silbervergiftung aus Betroffenensicht wünschte James. Gut, wenn er ihm dann half, zu Celine zu gelangen, sollte er sie bekommen. "Was eine Berührung auslöst, siehst du ja. Unbehandelt wächst so eine Wunde immer weiter, weil sich die Vergiftung langsam über die Haut ausbreitet. Je länger desto größer aber auch desto tiefer wird die Wunde. Und erreicht das Gift das Blut wird es richtig gefährlich. Das Gift breitet sich dann im ganzen Körper aus, beeinträchtigt die Organfunktion, bis die schließlich aufhören zu arbeiten. Herztod. Das Ganze geht schneller, kommt das Blut direkt mit Silber in Berührung. Die Menge, die dann übergeht ist größer, deswegen ist das auch schlimmer. Angenommen eine Silberkugel würde mich treffen und stecken bleiben, wäre ich innerhalb von Minuten tot. Es ist ein brennender Schmerz, der durch den Körper läuft. Am ehesten mit dem Cruciatus zu vergleichen. Außerdem erhöht das Silber die Schmerzempfindlichkeit um ein Vielfaches. Es reicht, wenn du mir eine Hand auf den Arm legst, um mir weh zu tun."
James schluckte hart bei dieser Information. "Ich… das wusste ich nicht, Moony. Sonst wäre ich vorsichtiger gewesen. Tut mir leid.", entschuldigte er sich.
"Schon gut. Konntest du ja nicht wissen. Hilf mir lieber auf. Ich würde jetzt gern zu Celine.", meinte Remus und versuchte, sich auf die Bettkante zu setzen. Aber nur mit viel Mühe und unter Schmerzen gelang es ihm.
"Gut, du sturer Esel. Aber nicht in den Sachen. Sirius dürfte sich im Übrigen bedanken dafür, dass du seine Klamotten so einsaust.", sagte James, der wusste, dass gegen Remus' Dickschädel kein Kraut gewachsen war. Und Gewalt wollte er seinem angeschlagenen Freund gegenüber nicht anwenden.
"Und was soll ich Ihrer Meinung nach anziehen, Mr. Potter?", fragte Remus, ein Stöhnen unterdrückend, da er sich grade versucht hatte, etwas zu strecken.
"Na das hier.", grinste James und schwang einmal den Zauberstab. Und in Sekunden verschwanden Sirius' Sachen und Remus war in einen von seinen eigenen Schlafanzügen gehüllt. "Das ist schon besser. Ein bisschen groß aber wenigstens sauber. Nur… wie hast du dir vorgestellt, nach unten zu kommen?"
Remus sagte nichts, sondern stand einfach auf. Nun, einfach war übertrieben, es kostete ihn sehr viel Mühe, Schweiß und mehrere unterdrückte Keucher, ehe er auf den Beinen stand, aber sofort nach seinem Freund greifen musste, begann das Zimmer sich doch glatt zu drehen.
James packte sofort zu, als Remus nach ihm griff, wollte ihn zurück ins Bett schieben, doch der wehrte sich, machte einen Schritt Richtung Tür. "Lily erschlägt mich.", sagte James, half Remus aber dennoch, bevor sein Freund es noch mal allein versuchte, denn die Stufen würde er ganz sicher nicht allein schaffen.
TBC
