Geschichte Hogwarts
Die Tage wurden länger, draußen wurde es zunehmend wärmer und schon bald begangen die Osterferien. Fast alle Schüler waren in Hogwarts geblieben, denn so lustig die Weihnachtsferien auch gewesen waren. Dieses Mal würden sie die ganze freie Zeit zum Lernen brauchen. Selbst die Lehrer schienen es nicht einmal als Ferien anzusehen und gaben ihnen so viele Hausaufgaben wie nur möglich. Lily glaubte daran zu ersticken und musste ein ums andere Mal Rose bitten ihr zu helfen. Vielleicht hätte sie es auch allein geschafft, wären ihre Gedanken nicht ganz wo anders gewesen und würde sie sich für Geschichte der Zauberei oder Astronomie interessieren. Doch Lily dachte stets darüber nach, ob sie ihren Plan in die Tat umsetzten sollte, oder lieber die Finger davon lassen. „Willst du uns endlich von deinem Plan erzählen?", fragte Eric sie genervt, als sie im Gemeinschaftsraum auf den Sesseln vor dem Feuer saßen und zusammen für Zauberkunst übten. Lily schüttelte den Kopf. „Dann hast du dir das nur ausgedacht und hattest doch Angst", meinte Colin und grinste. Lily schüttelte jedoch nur den Kopf und überlegte weiter. Sie wollte den beiden nichts von ihrem Plan erzählen, bevor sie nicht alles genau durch gedacht hatte. Colin und Eric seufzten nur. Seit Tagen hatten sie jetzt versucht herauszufinden, was denn Lilys angeblich so toller Plan war und es vermutlich in genau diesem Moment aufgegeben.
„Wisst ihr wo ich mir nicht sicher bin", fing Lily auf einmal an laut zu denken. „Wobei?", fragte Colin, während er versuchte seine krakeligen Notizen zu entziffern. „Ob die Gründer wirklich so etwas wie Magieservatoren hatten", antwortete Lily ihm. „Auf einmal glaubst du also nicht mehr, dass Walker komisch ist", meinte Eric nun und zog die Brauen hoch. „Nein, ich dachte nur, dass wir vorher vielleicht erst einmal gründlich nachforschen sollten, bevor wir uns hier irgendetwas ausdenken", verteidigte sich Lily. „Gut und wo?", fragte Colin sofort. Er klappte sein Zauberkunstbuch zu und warf seine Notizen in seine Tasche. „In der Bibliothek", meinte Eric und stand auf. Die drei packten ihre Sachen zusammen und kletterten aus dem Porträtloch. Innerhalb von ein paar Minuten kamen sie unten in der Bibliothek an und suchten sich einen freien Tisch. Natürlich war fast alles besetzt und besonders ältere Schüler nutzten die Ruhe der Bibliothek, um für ihre OWL's oder NEWT's zu lernen. „Schon wieder dieses ewige Bücherdurchwälzen", maulte Colin und ließ sich auf einen Stuhl fallen. „Ich wette, wir finden hier bestimmt wieder nichts!"
Die Stunden vergingen und Lily und Eric mussten sich eingestehen, dass Colin recht behielt. Es war schon Zeit zu Abend zu Essen und sie hatten immer noch nichts gefunden. Colins Miene hellte sich jedoch auf, als sie die Große Halle betraten und ihm der Geruch von Brathähnchen in die Nase stieg. Sie setzten sich gerade an den Gryffindortisch, als Lorcan und Lysander sich zu ihnen gesellten.
„Morgen erscheint ein Interview über Mum und Dad im Tagespropheten", sagte Lorcan verträumt. „Und im Klitterer", fügte Lysander munter hinzu. „Worüber?", fragte Colin. Doch die Zwillinge grinsten nur. „Verraten wir nicht!", meinte Lysander, „Wir wollten nur sicher gehen, dass ihr es auch lest." „Es wird euch bestimmt gefallen", sagte Lorcan, „besonders der letzte Teil!" Die beiden grinsten verschmitzt und zogen ab. „Komisch die beiden, nicht wahr?", meinte Colin und Eric nickte. Lily lächelte nur. So waren sie eben.
Weder Lily noch Colin oder Eric hatten nach dem Abendessen Lust ihre Suche in der Bibliothek fortzusetzen und gingen deshalb recht früh zu Bett, um gleich am nächsten Morgen noch vor dem Frühstück weiter zu suchen. „Es ist viel zu früh", murrte Colin und benutzte einen alten dicken Wälzer als Kissen. „Wir müssen das aber herausfinden. Nur so kommen wir wirklich dahinter, was Walker vorhat", sagte Eric und zog ein Buch nach dem anderen aus dem Regal, um es durchzublättern. „Bald haben wir die ganze Bibliothek durch", nörgelte Colin weiter und streckte sich. „Es ist für einen guten Zweck", ermutigte Lily ihn, doch er ließ seinen Kopf nur wieder zurück in sein Buch sinken.
Als sie ein paar Stunden später die Große Halle zum Frühstück betraten, fiel Lily wieder ein, was Lorcan und Lysander ihr gestern mitgeteilt hatten. „Colin, kann ich mal bitte deinen Propheten haben?", fragte sie deshalb. Wie jeden morgen hatte er sich eine Ausgabe bestellt, um in dem Quidditchteil herumblättern zu können, während er seinen Haferschleim löffelte. Es war das einzige, was er überhaupt las mit Ausnahme seiner Schulbücher natürlich. Colin reichte ihr den Tagespropheten und Lily warf einen Blick auf das Titelblatt, wo eine blonde Frau mit einem dunkelgrünen Umhang und ein freundlich aussehender Mann neben ihr lächelnd in die Kamera winkten. Der Mann hatte einen Arm um die Frau gelegt und beide wirkten, als gäbe es keinen glücklicheren Moment. Unter dem Bild prangte eine riesige Überschrift:
Scamanders bringen Buch heraus
Nachdem sie vor zwei Jahren ihre Weltreise beendeten, begannen die beiden Forscher Luna geb. Lovegood (links) und Rolf Scamander (rechts) ihre gesammelten Notizen über die neusten Entdeckungen der magischen Tierwelt in Texten aufzuschreiben. Über 40 neue Arten, darunter drei Drachen und natürlich viele Unterarten bereits bekannter Tierwesen entdeckten die beiden neu und erforschten sie genauestens. Der restlichen Zaubererwelt soll dieses Wissen nicht mehr länger vorenthalten bleiben, denn am nächsten Montag erscheint ihr Buch, in dem wir alle Erkenntnisse ihrer dreijährigen Reise erfahren können. „Die neuesten Entdeckungen bisher unbekannter phantastischer Tierwesen" wird ihr Buch heißen, das in jedem Buchladen erhältlich sein wird. Flourish und Blotts haben bereits 5000 Exemplare bestellt. Die Scamanders sollen nämlich am Montagmorgen dort ihre neuen Bücher signieren. „Wir hätten nie gedacht, dass das ein solcher Erfolg wird", teilte Mrs Scamander uns mit einem Lächeln mit, denn neben bereits 3000 vorbestellten Exemplaren hat die Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei ihr Buch ab nächsten Jahr als Pflichtexemplar in ihrem Lehrplan hinzugefügt. Ihre beiden Söhne besuchen derzeit dort die erste Klasse. Das Buch enthält wirklich ausführliche Details über alle neu bekannten Tierwesen und schließt sich direkt an das von Mr Rolf Scamanders Großvater, dem berühmten Newt Scamander, an, welches ebenfalls jeder Hogwartsschüler ab der ersten Klasse erwirbt. Wir alle wünschen den Scamanders noch viel Glück und den selben Erfolg, den Mr Newt Scamander mit seinem Werk erzielen konnte!
Lily reichte den Tagespropheten herum, damit auch Colin und Eric den Artikel über die Scamanders lesen konnten. Lily war unendlich stolz, dass ihre Patin so etwas geschafft hatte und trank zufrieden von ihrem Kürbissaft. Lily konnte es fast nicht mehr erwarten, das Buch zu lesen. Besonders die drei neu entdeckten Drachenarten interessierten sie brennend. Als sie noch jünger war, hatten sie mal ihren Onkel Charlie in Rumänien besucht. Die Drachen dort hatten sie zwar sehr fasziniert, doch sie hatte einen großen Abstand von ihnen gehalten. Lily hatte damals entschieden, dass Drachen eindeutig nichts für sie waren, sie aber in gewissem Maße interessierten. „Sag mal, woher kanntest du die Zwillinge eigentlich?", fragte Eric, als er vom Lesen aufschaute und Colin den Tagespropheten zurück gab. „Meine Eltern sind mit ihrer Mum befreundet. Sie kennen sich schon seit der Schulzeit. Luna ist jetzt meine Patin", antwortete Lily. Eric staunte. „Wenn sie deine Patin ist, schenkt sie dir sicherlich eine Ausgabe", meinte Colin, der sich schon wieder dem Quidditchteil zugewandt hatte.
Eine Woche verging und Lily, Colin und Eric hatten die Suche in der Bibliothek aufgegeben. Schlussendlich hatten sie entschieden, dass es dort nichts mehr zu finden gab, obwohl dort wahrscheinlich so viele Bücher standen, dass sie sie nie alle durchlesen konnten. Am Abend saßen sie mit Albus, Rose und Ascella im Gemeinschaftsraum vor dem Feuer auf ihren Sesseln und arbeiteten weiter an ihrem Hausaufgabenberg. Es dauerte wohl nicht mehr lange, bis sie endlich alles geschafft hatten, doch bis dahin, würden die Ferien zu Ende sein. Rose hatte natürlich schon lange alle ihre Aufgaben beendet und war in ein Buch, welches „Geschichte Hogwarts" hieß, vertieft.
Plötzlich sah Lily auf, denn ihr war eine Idee gekommen. „Rose, was liest du da?", fragte sie. Auch Rose sah auf. „Ich lese gerade wie Hogwarts zu seinem Namen kam", antwortete sie. „Findest du es nicht auch komisch, dass alle Zauber der Gründer noch erhalten sind, obwohl sie schon seit Ewigkeiten tot sind", meinte Lily und versuchte beiläufig zu klingen. Wenn sie Glück hatte, würde Rose nichts bemerken. „Stimmt, das habe ich mich auch schon gefragt", biss Colin an und machte ein fragendes Gesicht. Rose sah nun aus, als würde sie ernsthaft über Lilys Frage nachdenken. „Ich glaube, ich habe mal irgendetwas gelesen", sagte sie plötzlich und legte die Stirn in Falten, „Wenn ich mich nicht täusche, gab es einen Gegenstand, in dem sie das alles gespeichert haben." Lily versuchte interessiert auszusehen, während die Gedanken in ihr förmlich rasten. „Aber in dem Buch hier steht auch nichts genaueres", meinte Rose, die in der Zwischenzeit die Stelle gesucht hatte. „Nur ein Gegenstand, keiner weiß, was es ist oder wo es sich befindet." Lily überlegte einen Moment. „Ach so", sagte sie dann nur und wandte sich wieder ihrem Kräuterkundeaufsatz zu. Anscheinend hatten die anderen es ihr abgenommen, denn keiner fragte weiter.
Die Gründer hatten also tatsächlich Magieservatoren. Lily wusste es einfach. Was sollte der Gegenstand sonst sein? Sie glaubte, es war nun endlich an der Zeit, Colin und Eric von ihrem Plan zu erzählen, denn sie mussten so langsam handeln. Würden sie länger warten, würde Walker die Kugeln zerstören, bevor sie überhaupt herausgefunden hatten, wo sie waren. Es dauerte nicht lange und Albus, Rose und Ascella gingen alle nacheinander ins Bett und sobald alle die Treppen hinauf und nicht mehr zu sehen waren klappte Lily ihr Buch zu. „Erzählst du uns jetzt von deinem Plan", fragte Eric erwartungsvoll und Lily nickte. „Mein Bruder James hat einen Tarnumhang", fing Lily an.
„Einen echten?", staunte Colin.
„Ja", antwortete sie.
„Also passt auf, am 2. Mai ist abends dieser Ball und dann wird weder jemand oben im Schlafsaal noch auf den Länderreihen sein und wir haben die ganze Nacht Zeit. Das heißt, ich gehe hoch und hole den Umhang, während ihr beiden hier unten auf mich wartet, dann schleichen wir uns alle drei unter dem Umhang raus und sehen mal, was sich da unten so finden lässt."
Besonders Colin war von ihrem Plan mehr als begeistert. „Er hat einen richtigen Tarnumhang?", fragte er immer wieder, bis Lily es satt hatte andauernd mit dem Kopf zu nicken.
„Also ich bin dabei", sagte Eric sofort und klappte sein Buch zu und rollte seinen Aufsatz ein.
„Ich auch", sagte Colin, als er sich wieder gefasst hatte.
„Gut", antwortete Lily und unterdrückte ein Gähnen. „Ich glaube, dann gehe ich jetzt erst einmal ins Bett."
Colin und Eric taten es ihr nach. Bevor sie die Wendeltreppen hinauf stiegen, wünschten sie sich alle gegenseitig noch eine „Gute Nacht". Zufrieden ließ Lily sich einige Zeit später in ihr Bett fallen und schlief schon bald darauf ein.
Die Osterferien neigten sich dem Ende zu und obwohl Lucas Hitchens den Schnatz fing, besiegte Slytherin Hufflepuff mit 190 zu 170 im Quidditch. Gryffindor führte nun noch immer mit über 200 Punkten Vorsprung vor Ravenclaw die Tabelle an und James war todsicher, dass sie das nächste Spiel gewinnen würden. Mit vollem Ehrgeiz kündigte er ein Training nach dem anderen an. Egal bei welchem Wetter, er trainierte fast jeden Abend und Lily hatte das seltsame Gefühl, dass hinter seinem Siegeszwang noch etwas ganz anderes steckte, als nur der Quidditchpokal. Andererseits hatte sie auch das Gefühl, dass je näher, das Spiel rückte, seine Laune immer mehr auf den Tiefpunkt sank. Auch Albus schien das kommende Spiel ein wenig zu ernst zu nehmen, denn Lily sah ihn ständig mit irgendwelchen Plänen für Taktiken herumlaufen, die er anschließend auch noch mit James besprach. Lily hatte nie gesehen, dass ihre Brüder sich so gut verstanden, doch nun hatten sie ein gemeinsames Ziel, nämlich die Ravenclaws platt machen. Auch für Lily wuchs die Aufregung täglich und das weniger wegen des Spiels als für ihren Plan. Sie hatte so etwas noch nie zuvor gemacht und hoffte inständigst, dass alles klappen würde und sie unbemerkt unten am Bahnhof ankommen würden. Sonst hieße das für Gryffindor nämlich sich von dem Hauspokal zu verabschieden, den sie auch in diesem Jahr wieder in Aussicht stellen konnten und neben Slytherin ganz oben mitspielten. Doch noch war nichts entschieden und Lily wollte nicht die dumme Erstklässlerin sein, die Gryffindor ans unterste Ende beförderte.
