Sinthora: Danke für dein Review! Freut mich, dass dir das Kapitel gefallen hat. Ich weiß, dass meine Kapiteln immer recht kurz sind, aber ich werde versuchen es zu ändern und mehr Beschreibungen einzubringen.

Auf der Suche

Vergebung leicht gemacht

Drei Tage später

„Was soll ich jetzt machen? Ich kann doch nicht zulassen, dass Equin sich für den Rest seines Lebens einsperrt. Lord Haran wird auch nicht sonderlich glücklich darüber sein." Silivren war ratlos. Equin hatte sich wie ein verwöhntes Kind benommen und sich in seinem Zimmer eingesperrt. Niemand ließ er ein außer den Dienern, die ihm Essen brachten.

„Ich finde, er hat etwas überreagiert. Lord Haran wird sicherlich auch so denken", beruhigte Amelyn Silivrens Gewissen. „Entweder beruhigt er sich nach einer Weile oder..."
„Oder du musst zu ihm gehen", beendete Luciana Amelyns Satz. „Vielleicht wartet sein männlicher Stolz, der ein Kratzer bekommen hat, auf deine Entschuldigung."

Silivren überlegte kurz. Die erste Möglichkeit war äußerst anziehend. Doch was konnte sie tun, wenn er sich nach Wochen immer noch weigert herauszukommen? Tief seufzend sank Silivren auf Amelyns weiches Bett zurück. „Er weigert sich ja überhaupt jemanden zu sehen. Demnach müsste ich mich als Dienerin verkleiden."

„Gute Idee!" Luciana sprang begeistert auf. Sie war sofort Feuer und Flamme. „Wer besorgt die Sachen?"

Nach einer ganzen Weile stand Silivren vor Amelyns großem Spiegel und zupfte sich das Dienstmädchenkleid zurecht.

„Du siehst perfekt aus", sagte Amelyn anerkennend. „Ich wünschte nur, ich könnte auch so gut aussehen, wenn ich ein Dienstmädchenkleid anhabe." Amelyn tat gespielt neidisch. „Als ob du es nicht könntest", kommentierte es Luciana kopfschüttelnd.

Schon brachen sie eine Diskussion über den Zaun, wer besser in einem Dienstmädchen passt. Silivren sah sie amüsiert zu. Sie konnten sich wirklich über ein unsinniges Thema streiten. Dann bemerkte sie, dass keine von den beiden noch auf sie achtete und schlich sich aus dem Zimmer hinaus.

Die Gänge waren vom Licht der Mittagssonne erhellt. Alles schien hier so friedlich. Silivren trat in den Gang, wo Equins Gemächer lagen. Ein Dienstmädchen mit einem gefüllten Tablett auf dem Arm wartete auf sie.

Amelyn hatte alles gut durchgeplant.

„Danke", sagte Silivren, als sie das schwere Tablett entgegennahm. Das Dienstmädchen knickste tief und verschwand rasch um die Ecke. Silivren wandte sich der Tür zu. Jetzt kam sie an die Reihe. Sie hatte einige Mühe anzuklopfen, da sie noch das Tablett in den Händen hielt.
Gewagt balancierte sie das Tablett auf der linken Hand und klopfte mit der rechten an.

„Wer ist da?", ertönte es gedämpft durch die Tür.

„Ich bringe das Mittagessen, Mylord", versuchte Silivren ein Dienstmädchen zu imitieren. Zum Glück hatte sie sich in der Schauspielkunst geübt. „Gut, komm herein."

Vorsichtig öffnete sie die Tür. Mit einer Hand war es gar nicht so einfach.

Das Tablett schwankte leicht. Schnell stützte sie es mit der freigewordenen Hand und huschte ins Zimmer. Die Tür verschloss sie mit einem Fußtritt.

Silivren schloss kurz erleichtert die Augen. Die erste Hürde hatte sie glimpflich bestanden. Sowie sie ihre Augen wieder öffnete, empfing sie Dämmerlicht. Höchstwahrscheinlich hatte Equin die Vorhänge zugezogen. Nach kurzer Zeit gewöhnten sich ihre Augen an die Lichtverhältnisse im Raum.

„Stell einfach das Essen auf den Tisch ab." Equins schattenhafte Gestalt lag auf dem Sofa und schien die Decke anzustarren. Er blickte nicht auf, als sie eintrat.

Silivren machte den Tisch ausfindig und entledigte sich befreit ihrer Last.
„Danke. Du kannst gehen", entließ Equin sie. Unschlüssig, ob sie sich nun zu erkennen geben sollte, blieb sie neben dem Tisch stehen.

„Du darfst jetzt gehen", wiederholte er genervt und setzte sich auf. Silivren atmete tief durch und setzte zu einer Antwort an: „Ich möchte aber nicht gehen." Equins Form hielt in der Bewegung inne.
„Silivren?", fragte er ungläubig.

„Ich wollte mich für meine Aktion vor drei Tagen entschuldigen. Es tut mir wirklich leid." Ihre Stimme hatte einen ehrlichen, reumütigen Klang angenommen. „Es ist in Ordnung", begann er zögerlich nach einer langen Pause. „Ich habe auch überreagiert. Du bist eine Prinzessin. Ich hätte nicht glauben sollen..." Er stockte.

„Egal", schob er das Thema schnell beiseite. Equin trat vor ihr.
„Ich habe viel Zeit zum Nachdenken gehabt in den letzten Tagen. Ich bin dir nicht mehr böse, Silivren. Ich hoffe nur, dass ich von heute an von eurer Liste der Versuchskandidaten gestrichen werde. Ich weiß, dass alles nur ein Spiel war." In seinem Ton schwang soviel Verletztheit mit, die er nicht schaffte vor ihr zu verbergen, dass Silivren den Drang dazu verspürte, ihm zu widersprechen.

„Es war kein Spiel", erwiderte sie schnell. Zu schnell?

„Sag mir nicht, dass es für dich so ernst war wie für mich. Ich glaube es dir nicht."
Nun klang Equin ungehalten. „Lüg mir nicht ins Gesicht, Silivren."

Sie war verzweifelt. Innerlich resigniert, griff sie zur letzten Methode. „Nein, es ist die Wahrheit. Bitte glaube mir!"
Er drehte sich abrupt um und wollte gehen, sie nicht sehen. „Equin!"

Silivren hielt ihn am Arm fest. Sie sah ihm in die Augen. „Warum soll ich dir es glauben, Silivren?" Schmerz glaubte sie in seinen Augen zu lesen.
„Weil ich dich liebe", bekannte sie mit einer ruhigen Stimme. ‚als ein Bruder', fügte Silivren gedanklich hinzu, sprach es aber nicht aus.

Etwas blitzte in Equins Augen auf. Equin brauchte einen kurzen Moment um das Gesprochene zu verarbeiten.
Dann zog er sie in eine feste Umarmung und presste seine Lippen auf ihre. Der Kuss war hart und voller Leidenschaft.
Atemlos lösten sie sich. „Ich liebe dich", flüsterte Equin ihr zu.

---------------------------------------------------------------------------------------

„Elizabeth, ich bitte dich, höre auf, dich mit diesem Andrew zu treffen."

Sie hatte Mühe nicht frustriert aufzuschreien. Sie hasste es, dass John so unglaublich eifersüchtig war. Er hatte keinen Grund dazu. Schließlich hatte sie ihn geheiratet.

„John, du musst dir keine Sorgen machen. Wir sind nur Freunde, wirklich", versicherte sie ihn schon zum hundertsten oder tausendsten Mal. Leider sah John, wie immer, wenig überzeugt aus. „Manchmal habe ich das Gefühl, du bist lieber in seiner Gegenwart als in meiner." Warum musste er nur so verletzt klingen?

Elizabeth schüttelte den Kopf. „Es stimmt nicht. Ich liebe dich doch." Innerlich betete sie, dass Gott ihr das nicht übel nehmen möge. Andererseits war es keine richtige Lüge. Sie hatte einfach etwas verschwiegen. Diesmal schien John zufrieden zu sein. Er küsste sie innig.

„Ich glaube dir. Ich liebe dich." Irgendwie fühlte sie sich schuldig, doch... John war nun glücklich, oder?