Als wir den Thronsaal betraten, war ich überwältigt. Anders als vor drei Tagen waren die nackten, pechschwarzen Steinwände mit fließenden Stoffen verdeckt, auf denen das Emblem des Imperiums prangte. Der Imperator saß auf seinem Thron, aber diesmal lächelte er. Der Scheinwerfer, der auf ihn gerichtet war, malte gruselige Schatten in sein Gesicht und das Lächeln, dass verriet, wie dringend er einen Zahnarzt aufsuchen sollte, machte es nicht besser. In seiner üblichen schwarzen Robe wirkte er vollkommen fehl am Platz, obwohl er unbestreitbar der Mittelpunkt dieser Party war.
Die Höflinge, die ihm umschwärmten, taten alle ihr bestes, seine zweifelhafte Gunst zu erringen. Schräg hinter dem Thron, außerhalb des Spotlights, stand eine Frau mit Kapuze, unter der langes rotblondes Haar hervorquoll. Der Rest des Saals war mit Mitgliedern des Senats und ihren Abgeordneten gefüllt, die sich unterhielten und sich an ihre Sektgläser klammerten. All diese Eindrücke stürmten auf mich ein, gemeinsam mit dem Lärm, den die versammelte Gesellschaft veranstaltete. Ich klammerte mich noch fester an Vaders Arm und lehnte dankend das Sektglas ab, das mir angeboten wurde. Plötzlich bemerkte der Imperator unsere Anwesenheit und stand auf. „Ah, Lord Vader. Welch eine Freude, Euch endlich begrüßen zu dürfen." Die Menge war bei seinem ersten Wort verstummt und in der gespenstischen Stille hallte das Gesagte seltsam nach. Jeder hatte den leisen Tadel in seiner Stimme bemerkt. Vader neben mir neigte den Kopf und ich sank aus Reflex heraus in einen Knicks. „Und Eure reizende Mätresse begleitet euch. Nun, Ihr habt die Ehre, diesen Ball zu eröffnen. Wenn ich Euch also auf die Tanzfläche bitten dürfte..." Vader nickte kurz und führte mich in die Mitte des Raumes. Die Menge teilte sich vor uns wie Wellen vor dem Bug eines Bongos.
Plötzlich wurde ich panisch. Den Ball eröffnen? Ich hatte seit Jahren nicht mehr getanzt. Ich hatte keine Ahnung, ob ich die Tanzschritte noch beherrschte. Das könnte blamabel werden. Als wir und aufstellten, warf Vader mir einen brennenden Blick zu und flüsterte so leise, dass nur ich es hörte: „Nicht denken. Fühlen." Er musste mein Unbehagen gespürt haben und hatte richtig kombiniert. Ich entschloss mich, seinem Ratschlag zu folgen. Als die ersten Töne der Musik erklangen, bewegten sich meine Füße von allein, als ich in den Rhythmus fand und Vaders Führung folgte. Er war ein guter Tänzer und schob und zog mich mühelos in die von ihm gewünschten Richtungen. Seine flammenden gelben Augen hielten meinen Blick gefangen, sodass ich das Ende des Liedes nur an dem donnernden Applaus erkannte, der folgte. Endlich riss ich mich von seinen Augen los und warf einen schnellen Blick in die Runde. Alle lächelten mich freundlich an, aber ich konnte nicht erkennen, welches Lächeln ernst gemeint war und welches nicht. Dann sah ich zum Imperator, der mir mit seinem Glas zuprostete. Die Geste war höflich, sein Blick kalt und berechnend. Ein Schauder lief mir den Rücken hinab. Dieser Mann war nicht zu unterschätzen.
Dann räusperte sich jemand vor mir, offensichtlich um meine Aufmerksamkeit zu erlangen. Mir gegenüber stand ein Mann mit honigfarbener Haut, schwarzem Haar und Bart und dunklen Augen. Ein scheinbar aufrichtiges Lächeln zierte seine Lippen. Vader stellte ihm mir als Bail Organa, Senator von Alderaan vor. Die wunderschöne Frau an seiner Seite war Breha Organa, seine Frau und Regentin von Alderaan. Ich knickste höflich, als Vader mich vorstellte. Dann sprach der Senator. „Mylady, es ist mir eine Ehre, Euch kennenzulernen. Ich muss sagen, Ihr seid fast so schön wie Alderaan. Aber nur fast." Er grinste und zwinkerte mir zu. Ich lachte, als ob sein Witz besonders lustig gewesen wäre. Aber seine Betonung des Wortes Alderaan war mir nicht entgangen. Das nächste Codewort! Er verbeugte sich vor mir. „Darf ich um diesen Tanz bitten?" Anstatt einer Antwort reichte ich ihm meine Hand. Es war unsere einzige Chance, hier ungestört miteinander zu sprechen. Halbwegs ungestört. Er zog mich in seine Arme und wirbelte mich von Vader weg.
Als er sprach, war sein Ton nicht mehr höflich, sondern geschäftig. „Was gibt es neues?" Ich zuckte kaum merklich mit den Schultern. „Nicht viel. Ich verbringe die meiste Zeit gezwungenermaßen in meinen Räumen, deswegen bekomme ich nur wenig mit. Aber unterschätzt weder den Imperator noch Vader. Vader ist wahnsinnig, aber gerissen. Sein Handeln ist vollkommen unlogisch, aber er weiß genau, was er tut und hat die absolute Kontrolle über jegliche Situation. Er verbirgt meine Präsenz jetzt gerade vor dem Imperator. Er ist unglaublich mächtig und ich tue mein bestes, sein Temperament zu bremsen, aber ich kann nichts versprechen. Seid vorsichtig!" Organa nickte. „Ist das alles?" „Leider ja. Tut mir leid." „Macht nichts. Jeder Fetzen Information, den wir in die Finger bekommen, ist hilfreich. Merkt Euch das Wort Imperator!" Den letzten Satz flüsterte er mir ins Ohr, als das Lied endete. Sofort stand Vader neben uns und zog mich von Organa weg. „Ich danke Euch für den Tanz, Senator!", rief ich noch über meine Schulter, bevor Vader mich aus Organas Hörweite zerrte.
Als er anhielt und mich ansah, fauchte ich: „Was sollte das denn?" Er umarmte mich fest und wisperte gegen die Haut meiner Stirn: „Ich habe beschlossen, dass ich es nicht mag, wenn du mit jemand anderem tanzt. Deshalb werde ich den ganzen Abend nicht von deiner Seite weichen." Ich zog die Augenbrauen hoch. „Auch, wenn ich aufs Klo gehe?" Er lachte leise. „Du verstehst dich wirklich darauf, jeden Moment zu verderben. Also, wenn du aufs Klo gehst, werde ich vor der Tür auf dich warten." Er neigte sich zu mir hinunter und legte die Lippen auf meine Schulter als er sagte: „Ich werde immer auf dich warten. Sein Atem auf meiner Haut jagte mir einen angenehmen Schauer über den Rücken.
