Drei Sternchen - mach dir keine Sorgen, wenn du mal nicht antworten kannst. Bei dir und Latriviata wissen wir ja jetzt, das ihr uns treu ergebene Leser seit. "schmunzel Da überleben wir es wenn auch mal ein Chap lang keine Reaktion kommt - nur wenn das über zwei Chaps geht fang zumindest ich (Morti) mir an Gedanken zu machen. "augen aufschlag und verlegen lächel" Die schnellen Updates habt ihr euch selbst verdient, eben durch die tollen Reviews. - Morti

strega79 - auch dir Danke für dein Review! Es freut mich das die Überraschung mit Vor gelungen ist. - Morti

Latriviata - ich lieg für meinen Teil wieder flach vor Staunen wie du das schaffst jedesmal eine so wunderbar langes Review zu schreiben. Ich persönlich könnte das niemals schaffen und bewundere dich dafür umso mehr. Was bin ich glücklich das dir die Geschichte gefällt und wir somit in den Genuss deiner Reviews kommen dürfen. (das ganz ehrlich und überglücklich mein!) Ich habe da enormen Respekt vor allen die Reviews schreiben können und du kannst das zu 100. Es ist immer wieder ein enormer Ansporn und für meinen Teil ein regelrechter Energieauschwung, der direkt in die Ideen und Finger fließt, so das sie Story weiter wächst und wächst und wächst und ... naja sie hat schon enormae Ausmaße angenommen. Ich denke, ich übertreibe nicht, wenn ich sage, das ich persönlich nur einen anderen deutschsprachigen Dreiteiler hier auf kenne (und das hier ist ja mind. ein Vierteiler) der ähnliche Ausmaße angenommen hat, wobei wir bei Teil Eins schon den Umfang von etwa zwei der drei Teile haben ... (ok sogar noch mehr)Wir vier Schreiberinnen sind einfach dermaßen motiviert durch solche Reviews, haben so viel Spaß an der Geschichte und am schreiben daran, das ein Ende noch nicht abzusehen ist und wenn ihr uns weiter derart motiviert - nun dann kann es ja nur weiter gehen. :-)

Dennoch kann ich da nur empfehlen die Geschichten von "Werinaya" zu lesen. "Misstrauen, Vertrauen, Geheimnisse" - eine meiner absoluten Lieblings abgeschlossenen Mehrteiler. Wobe ich "Schatten der Wahl - Teil 1 und 2" ebenso genial finde und diese Geschichte ja noch fortgeführt wird. - Morti

Danke (mal wieder ) für das tolle Review. Da deine Fragen diesmal alle ziemlich tief rein gehen und auch in den nächsten Kaps beantwortet werden, sag ich diesmal nichts dazu. Aber du bist mit einigen deiner Vermutungen, doch ziemlich dicht an der Wahrheit. - Mazi

Warnung: Diesmal ist es auch nicht besonders viel. Ein klein wenig Gewalt. Allerdings Sklaverei! Wer solcherlei Demütigung nicht mag, sollte dieses Chap nicht lesen.

Kapitel 13 – Ein neues Leben

Als die beiden das Zimmer betraten, schlief der Blonde noch immer zusammen gerollt unter der Decke. Doch in den vier Jahren, die er hier war, hatte er einen sechsten Sinn entwickelt und so war er sofort wach, setzte sich auf und rutschte aus dem Bett.
"Guten Morgen, Meister.", wisperte er mit gesenktem Kopf.

"Du wirst dich um den Jungen hier kümmern. Gib ihm etwas zum Anziehen und erkläre ihm schon einmal die wichtigsten Regeln!", meinte Macnair schneidend und ließ Sasch dabei los. Doch er kam nicht einmal dazu sich umzudrehen, als der blonde Sklave auch schon vor ihm kniete und sich an seiner Robe klammerte.

"Bitte, Meister... tauscht mich nicht aus.", wimmerte der Junge verstört, wofür er sich im nächsten Moment eine Ohrfeige einhandelte, die ihn zu Boden warf. Dann verschwand Macnair aus dem Zimmer und verschloss deutlich hörbar die Tür.

Sasch hatte das Geschehen mit weit aufgerissenen Augen und einem ängstlichen und kaum unterdrückten Aufschrei beobachtet. Mit Panik in seinen Augen wich er bis ans andere Ende des Zimmers zurück und kauerte sich dort zitternd zusammen.

Erst als die Tür verschlossen war, stand der Blonde wieder auf und rieb sich kurz leicht die leuchtend rote Wange. Dann sah er sich suchend nach dem Kleinen um.
"Du musst... keine Angst haben.", murmelte er leise und kam auf Sasch zu, wobei der seidige Stoff seiner Schlafhose raschelte. "Ich geb dir eine Hose... dann brauchst du das Handtuch nicht mehr."
Er versuchte wirklich nett zu sein, auch wenn er innerlich noch immer vor Angst bebte, dass der kleinere Junge ihn ersetzen würde.

"Wie kannst du diesen schrecklichen Menschen nur mögen!", stieß Sasch fast schon anklagend hervor, da er sich einfach keinen anderen Grund für das Verhalten des anderen Jungen denken konnte und ihm genau dieses vollkommen unverständlich schien.

"Wer sagt, dass ich ihn mag?", erwiderte der Angesprochene nur leise und zuckte leicht mit den Schultern. "Er ist alles, was ich habe... Jetzt komm, wenn du immer noch dort sitzt, wenn er zurück kommt, bestraft er uns beide."
Damit ging er einfach aus dem Zimmer in einen kleinen Nebenraum, der mit zwei Schränken völlig ausgefüllt war. Sofort begann er in einem nach einer Hose zu suchen, die dem Kleinen nebenan passen würde.

Zu überrascht um zu fragen, wie sich der andere Junge dann dem Mann derart zu Füßen werfen konnte, stand Sasch zögernd auf und folgte diesem. Mit vor Überraschung großen Augen blieb er, kaum dass er das andere Zimmer betreten hatte, abrupt stehen, dabei die unglaubliche Menge an verschiedenster Kleidung anstarrend.

"Hier... probier die mal an und... die hier.", murmelte er leise und hielt Sasch zwei Hosen hin, die ziemlich klein, aber vermutlich viel zu weit waren. Deswegen suchte er noch weiter.
"Die wichtigsten Regeln... schau ihm niemals in die Augen, wenn er es nicht verlangt oder dir das Kinn anhebt. Sollte er es verlangen, darfst du den Blick nicht abwenden. Soweit klar?"

Zögernd nahm der Dunkelhäutige die beiden Hosen entgegen und zog erst die eine an und die andere dann ohne zu zögern ebenfalls über die bereits vorhandene drüber. Sie waren wirklich etwas weit und der Stoff war – obwohl er ihn nun zweilagig trug – immer noch so dünn, dass er eine Nacht draußen nur schwer überstehen würde.

Schaudernd und mit blassem Gesicht nickte Sasch. Es schüttelte ihn regelrecht bei dem Gedanken daran, diesem Riesen ins Gesicht, geschweige denn in die Augen sehen zu müssen. Gleich ob dieser es wollte oder nicht. Das sagte er dem Anderen dann auch: "Ich … ich hab viel zu viel Angst um … um ‚den' auch noch freiwillig anzugucken."

"Das ist gut... aber wenn er es verlangt, musst du ihn ansehen.", murmelte der Blonde und sah Sasch an. "Doch nicht gleichzeitig... zieh sie wieder aus, sie sind eh zu weit."
Und schon verschwand er wieder halb in dem Schrank, um weiter hinten noch nach einer kleineren Hose zu suchen, die er dann auch gegen alle Erwartung wirklich fand.
"Die hier müsste passen.", meinte er triumphierend.

Verwirrt, aber im Moment einfach zu neugierig auf das Kommende und zu erleichtert, dass der Hüne nicht hier war, zog Sasch die Sachen wieder aus und die andere Hose an. Ja – diese passte tatsächlich, auch wenn sie Sasch schon fast etwas zu eng auf der Haut anliegend schien. Aber vielleicht war das ja eh als Unterwäsche gedacht? Derlei grübelnd griff er abermals nach den zuvor wieder ausgezogenen Hosen, um sie sich erneut überzustreifen.

"Hey...", mischte sich der Blonde sofort ein und nahm Sasch die Hosen weg. "Eine reicht völlig."
Damit packte er die restlichen Hose und auch das, was er aus dem Schrank geräumt hatte, wieder ordentlich weg und schloss die Türen. Nachdem er sich selbst auch die Schlafhose aus und eine enge angezogen hatte, schob er Sasch aus dem Zimmer und zu einem weichen Teppich, auf den er sich setzte.
"Also... weißt du schon irgendetwas, wie du dich benehmen musst?"

Mit leicht roten Wangen, ob der dürftigen Bekleidung, was man bei seiner dunklen Hautfarbe allerdings nicht so schnell erkennen konnte, schüttelte der sich auf den Teppich dirigiert sehende Sasch leicht seinen Kopf. "Nein ich … wir dachten wir hätten einen sicheren Platz zum Schlafen gefunden", begann er zögernd zu erzählen, "als plötzlich .. wie aus dem Nichts auf einmal ein Mann genau in unserem Unterschlupf erschien und ehe Vor und ich noch begreifen konnten, woher der Typ kam, packte er uns auch schon und … dann waren wir hier."

"Aha...", kam erst einmal nur von dem Sklaven und er betrachtete den wirklich erschreckend dürren Jungen vor sich genauer. Die kaum noch vorhandenen Haare ließen auf erst kürzliche Bekanntschaft mit einer Schere schließen.
"Und jetzt musst du wohl hier bleiben.", murmelte er leise und seufzte dann. "Hier gibt es dieses Zimmer, das Kleidungszimmer und das Badezimmer. Diese Räume dürfen wir ohne seine Erlaubnis nicht verlassen. Niemals."
Ein Zittern durchlief seinen Körper, als er an den gestrigen Tag und die Strafe dachte.
"Wenn er herein kommt und dich zu sich ruft, gehst du sofort hin und kniest vor ihm."

Sasch hatte den anderen Jungen aufmerksam beobachtet, um auch ja nichts von dem zu verpassen, was dieser ihm sagte und so übersah er auch dessen körperliche Reaktion nicht, als dieser ihm davon abriet, das Zimmer zu verlassen. "Aber was ist wenn ich zu Vor will? Ich meine … da muss ich dann doch hier raus."

"Wer soll das sein?", fragte der andere Stirn runzelnd, aber sichtlich neugierig. "Wird er von jemand anders erzogen?"
Einen Moment schwieg er wieder, dann nahm er Saschs Hand und sah ihm in die Augen.
"Du darfst hier nur mit Erlaubnis des Meisters raus. Was du willst... ist hier nicht mehr wichtig. Nur seine Wünsche und Befehle zählen... das musst du als erstes lernen."

"Vor ist mein Bruder – naja nicht wirklich, aber … seit er mich vor drei Jahren getroffen hat, waren wir immer füreinander da. Haben uns gegenseitig beschützt, weißt du?", vertraute Sasch dem anderen Jungen mit sichtlich bemühter Miene an, das soeben gehörte in irgend einer Art und Weise zu verstehen. Etwas, das ihm einfach nicht gelingen wollte. "Wer soll dieser … dieser Meister sein? Meinst du den Schwarzhaarigen aus dem … dem Zimmer mit dem Büro? Derjenige der gesagt hat, das Vor bei dem Mann mit den weißblonden Haaren lernen soll?"

Auf das andere ging er vorerst nicht ein. Sich hinknien? Sasch schauderte leicht, als er sich die plötzlich auf seinem Oberkörper gebildet habende Gänsehaut weg zu reiben versuchte.

"Büro? Nein.. das ist der dunkle Lord.", wisperte der Blonde sehr leise. "Der Meister hat dich her gebracht. Er wird solange dein Meister sein, bis der Lord vielleicht entscheidet, dass du jemand anderem gegeben wirst oder was sonst noch mit dir passieren soll."

Er hätte den Kleinen gern in den Arm genommen. Aber deswegen würde er vermutlich nur Ärger bekommen.

Bei den Worten ‚was sonst noch' zuckte Sasch heftig zusammen, sich nur zu deutlich an die Furcht erinnernd, die er gegenüber des Hünen empfunden hatte: "Du … du meinst ich soll mich vor Stiernacken hinknien?", fragte er das Gehörte einfach nicht glauben könnend, mit großen Augen nach. "Und was meinst du mit … mit weitergeben? Ich bin doch kein Gegenstand, den man einfach so an den nächsten weiterreichen kann? Und … und wofür eigentlich?"

"Nenn ihn nie wieder so! Hast du verstanden?", erwiderte der Blonde heftig und sein Blick huschte zur Tür. "Er ist der Meister und genauso wirst du ihn auch nennen."

Es dauerte einen Moment, bis der Junge sich wieder halbwegs beruhigt hatte und weiter sprechen konnte.
"Akzeptiere, dass alles, was mit dir geschieht, von anderen entschieden wird... du bist vielleicht kein Gegenstand, aber so dicht dran wie ein Mensch es nur sein kann."

Lautlos erschien auf dem Tisch in der Nähe der Jungen ein großes Tablett mit dem Frühstück. Sofort verbreitete sich der Duft von Brötchen und Kaffee im Raum. Aber der Blonde machte keinerlei Anstalten aufzustehen.

Kopfschüttelnd stand Sasch auf und ging auf das Tablett zu, dessen unnatürliches Erscheinen ihn zwar immer noch leicht zusammenfahren ließ, ihn aber dank seines Erlebnisses im unteren Bereich des Hauses nicht mehr wirklich in Schrecken versetzen konnte. ‚Oder', dachte er bei sich mit leisem Spott, ‚ich bin einfach schon zu abgestumpft, um mich über aus dem Nichts auftauchendes Essen noch groß zu wundern.'

Was er auf die Eröffnungen des anderen Jungen sagen sollte, wusste Sasch im Moment nicht. Es war einfach etwas, das für seinen gestressten Verstand viel zu hoch, zu unbegreiflich war, als dass er es verstehen könnte. Außerdem war da nun dieses verlockend riechende Essen, das ihm mehr als nur ein wenig Wasser im Munde zusammenlaufen ließ, als er seine Hand nach einem der dort liegenden Brötchen hin ausstreckte.

Einen Moment sah er Sasch nach, wie dieser zum Tisch ging, dann war er aber auch schon bei ihm und riss dem Jungen die Hand zurück.
"Niemals... Solange der Meister nicht da ist, wird nicht gegessen, es sei denn, er hat es gestattet.", erklärte er und ließ Saschs Hand wieder los. Dann sank er neben dem einzigen Stuhl am Tisch auf die Knie. "Komm runter..."

Verblüfft auf den anderen Jungen starrend, meinte Sasch nur: "Aber ich hab Hunger."

"Ich auch.", erwiderte der Blonde lediglich und zog an Saschs Arm, damit dieser sich endlich zu ihm auf den Boden kniete. "Du willst doch nicht gleich in der ersten Stunde hier bestraft werden, oder?", wisperte er warnend, als er auch schon den Schlüssel im Schloss hörte. Sofort verspannte er sich und wartete.

"Wieso denn bestraft? Ich verstehe nicht …", meinte Sasch nur unglücklich, von dem Geräusch der sich öffnenden Türe und dem offen verspanntem Verhalten des Anderen derart beunruhigt, dass er sich zögernd neben diesem auf den Boden setzte, den Blick jedoch weiterhin auf das Tablett mit Essen gerichtet haltend.

Macnair trat ein und schmunzelte bei dem gierigen Blick, den Sasch auf das Tablett gerichtet hielt, als würde es sich jeden Moment wieder in Luft auflösen. Auch entging ihm nicht, dass der Junge noch immer von dem anderen festgehalten wurde.
"Gut, dass du auf ihn gehört hast.", murmelte er nur und kam zum Tisch, setzte sich hin. "Zeig ihm, wie er sich richtig hinzuknien hat, Junge!"

Der Blonde schluckte nur. "Ja, Meister.", wisperte er und drehte sich zu Sasch. "Knie dich hin.. so wie ich. Nicht setzen... und lass die Arme neben dir."

Vor dem näher kommenden Hünen am liebsten zurückweichend, es aber nicht mehr als ein paar Zentimeter könnend, da der Blonde, dessen Namen er immer noch nicht kannte, ihn weiterhin festhielt, fragte Sasch, seine Verwirrung und Unsicherheit nicht verbergen könnend: "Aber … wenn ich mich so … so …", er suchte nach einem Wort für die Haltung, die der Junge eingenommen hatte, fand aber keine und sprach daher hastig weiter, "… hinsetze", nein er würde knien nicht einmal denken, nahm er sich vor, "wie sollen wir denn dann essen können?"

Wohlweißlich richtete Sasch seine Frage mehr an den Jungen, als an den Mann, vor dem er mehr als nur ein wenig Angst hatte, eingedenk der Worte, die der Andere ihm zuvor gesagt hatte, dass er diesem nicht von sich aus ins Gesicht blicken durfte. Ob das dann auch dafür galt, ihn nicht von sich aus anzusprechen, wusste Sasch nicht, wollte aber lieber kein Risiko eingehen.

Außerdem fühlte er sich mehr als nur unwohl in seiner hautengen neuen Hose, die, wie er fand, mehr enthüllte als verbarg und so versuchte er automatisch während er sprach, noch ein weiteres Stück zurück zu rutschen.

Macnair ignorierte die beiden im Moment, oder tat zumindest so. Nebenbei schmierte er sich eines der Brötchen mit viel Butter und legte eine Scheibe Käse darauf, um es dann genüsslich zu essen.

"Wir bekommen zu essen... aber du musst dich richtig hinknien, Kleiner.", wisperte der Blonde beschwörend. Er hatte auch Hunger und wenn Sasch so weiter machte, bekamen sie nichts mehr ab, weil der Meister fertig gegessen haben würde.
"Komm... knie dich hin."

"Aber…", wollte Sasch abermals widersprechen, schwieg dann aber doch lieber kurz, ehe er zögernd seine Beine unter seinen Körper schob, den Rest aber so ließ wie er war, dabei mit vor Hitze brennenden Wangen nuschelnd, "das ist so … unwürdig …"

Als ihn der Geruch der frisch verteilten Butter erreichte, zuckte sein Blick automatisch sofort zum Tisch zurück und verfolgte wie gebannt den Weg des Brötchens.

"Nichts ist unwürdig... soetwas wie Scham existiert nicht!", wisperte der Blonde sofort und legte seine Hand in Saschs Nacken. "Schau nach unten... Warte, bis du etwas kriegst und bettel nicht darum."
Nun kniete er sich selbst wieder richtig hin und wartete darauf, dass er etwas abbekam.

Macnair aß das Brötchen fertig und schmierte ein zweites. Dann sah er zu den beiden Jungen hinunter, während er zwei Mund große Stücke abschnitt.

Es kostete Sasch alle ihm noch zur Verfügung stehende Selbstbeherrschung, nicht gegen die Hand in seinem Nacken – so kurz die Berührung auch war – anzukämpfen. Da war der Umstand, dass er seinen Blick auf den Teppich zwang, fast schon einfacher zu ertragen.

Dass er dabei heftig über die letzten Worte des Blonden ins Grübeln geriet, half ihm ebenso dabei, wenigstens für die nächsten beiden Minuten einigermaßen still zu halten. Wieder spürte Sasch ein Gefühl von tief in sein Innerstes gebrannter Panik aufsteigen, als ihm diese Worte ‚das es keine Scham gäbe und nichts unwürdig sei' fast schon dazu zwangen, sich an einige seiner schlimmsten Alpträume zu erinnern.

Gegen seinen Willen dachte er zurück an die Nächte im Weisenheim, in dem er untergebracht worden war. Dachte zurück an das raue Lachen einiger der Nachtdienst habenden Pfleger. Dachte an das verzweifelte Weinen und Schreien und ‚die anderen Geräusche', die aus den Zimmern der etwas älteren Jungs zu ihm herüber gedrungen waren und schließlich dachte er an die Nacht zurück, in welcher zwei der drei Männer zu ihm gekommen waren, ihn gezwungen hatten sich vor ihnen auszuziehen und an die Worte, die sie ihm unauslöschlich ins Gehirn gebrannt hatten. Dass er ein wirklich hübscher Bub war, der sich die besondere Aufmerksamkeit, die ihm ab der nächsten Nacht zuteil werden würde, mehr als verdient hatte. Dass er ruhig schreien sollte, denn es würde niemanden interessieren, wenn er sich wehrte.

Sasch hatte die nächste Nacht nicht abgewartet – er war noch innerhalb der nächsten Stunden beim Wachwechsel geflohen. Beinahe hätten sie ihn wieder eingefangen, doch Vor war damals aufgetaucht, hatte ihn in Sicherheit gebracht und seit diesem Zeitpunkt waren sie zusammen geblieben.

Das ihm Tränen in die Augen gestiegen waren und er vor Angst zu zittern begonnen hatte, war Sasch nicht bewusst, da er mit seinen Gedanken immer noch zu sehr in der Vergangenheit festsaß.

Macnair beobachtete den Jungen genau und konnte sich fast schon denken, was der Kleine gerade dachte. Auch wenn er nicht wusste, was es genau war und ob er schon Erfahrungen in diesem Bereich hatte. Langsam nahm er ein Stückchen Brötchen und hielt es unter den Kopf des Kleinen, sodass dieser es sehen konnte.
"Der Lord sagte, keine Spiele.", murmelte er nur. Mehr würde er dem Jungen an Hinweisen erst einmal nicht geben.

Mit Tränenverschleiertem Blick brauchte Sasch mehrere Atemzüge lang, um zu erkennen, was ihm da unter die Nase gehalten wurde. Doch fühlte er sich derart von allem erschlagen, dass er einfach nicht wusste, was tun und was nicht und so warf er einen zögernd fragenden Blick auf den blonden Jungen neben sich.

Mit den Worten des Hünen konnte er nicht wirklich etwas anfangen.

"Wenn du nicht magst.", murmelte Macnair nur nach einem Moment und hielt den Bissen nun dem Blonden hin, der auch sofort den Mund öffnete und sich füttern ließ. Genüsslich kaute er das frische Brötchen und wartete, dass er noch etwas bekam. Dabei schielte er wieder zu Sasch hinüber und runzelte leicht die Stirn. 'Nimm es!', formte er lautlos mit den Lippen, als Macnair Sasch ein zweites Stück vor den Mund hielt.

Nachdem Sasch beobachtet hatte, wie der Blonde mit sichtlichem Genuss das ihm gereichte Stück gegessen hatte, zögerte auch er selbst nicht mehr, als sich ihm eine zweite Gelegenheit bot, etwas von dem ihn mit seinem Duft in der Nase kitzelndem Brötchen abzubekommen.

Immer noch zitternd öffnete er also seinen Mund.

Macnair schob das Stück in den Mund des Jungen und so ging es weiter, bis beide jeder zwei Brötchenhälften gegessen hatten und auch Macnair ein zweites gehabt hatte. Das restliche Essen verschwand und der Mann drehte sich auf dem Stuhl um, damit er die beiden Knaben besser sehen konnte.
"Hast du ihm schon die verschiedenen Positionen gezeigt, Junge?"

"Nein, Meister... ich hab zuerst einige... Regeln erklärt.", wisperte der Blonde leise. Ohne weitere Aufforderung zeigte er Sasch die verschiedenen Positionen, in denen er sich hinzuknien lernen musste. Die letzte war die Bestrafungsposition, die von allen am demütigsten war.
Die Beine waren weit gespreizt und der Kopf lag mit der Stirn auf dem Boden, sodass der Hintern der höchste Punkt des Körpers war.

Mit jeder der neu gezeigten Positionen immer grauer im Gesicht werdend, konnte Sasch zum Schluss ein wimmerndes Aufschluchzen einfach nicht mehr unterdrücken.

Der Blonde erhob sich wieder und nahm Sasch bei der Hand.
"Probier es...", wisperte er dringlich und nahm wieder die erste Position ein. Er fühlte sich verantwortlich dafür, dass der Junge schnell lernte, und er wollte vor allem, dass Sasch nicht so oft bestraft wurde.

Am ganzen Körper zitternd konnte Sasch nur wieder und wieder abwehrend den Kopf schütteln, vor Augen immer noch die vergangenen Ereignisse vor seiner Flucht aus dem Weisenhaus. Als er spürte dass jemand ihn an der Hand griff, rollte er sich leise wimmernd so eng wie möglich zusammen.

Mit Panik in den Augen sah der Blonde kurz zu Macnair, ehe er Sasch sanft in den Arm nahm.
"Kleiner... beruhig dich... es ist doch nicht so schlimm.", wisperte er leise. "Bitte... versuch es."

Von Macnair war nur ein leises Trommeln zu hören, als dessen Finger immer wieder auf die Tischplatte trafen.

Als Sasch spürte wie er von jemanden umarmt wurde – schon längst wusste er nicht mehr, wo und mit wem er sich eigentlich an einem ganz anderen Ort, als dem in seiner Erinnerung neu aufgelebtem befand – verkrampfte sich jeder einzelne seiner Muskeln in seinem Körper und selbst das leise schluchzende Wimmern verstummte schlagartig, ehe eine nun viel kleiner und verhärmter klingende Stimme als seine zuvorige immer wieder und wieder die selben Worte zu stammeln begann: "Nicht sagen … ganz still … weh tun … nicht sagen … ganz still … weh …"

Er wusste nicht, was er tun sollte und fing an Sasch zu schütteln.
"Hör auf!", rief er verzweifelt. Doch im nächsten Moment befand Sasch sich nicht mehr in seinem Arm.

Macnair war schlicht der Geduldsfaden gerissen und er schleppte Sasch ins Badezimmer, stellte ihn unter die Dusche und drehte das kalte Wasser auf. So würde der Bengel sicher wieder zu Vernunft kommen.

Japsend und nach Luft schnappend wurde sich Sasch schlagartig wieder seiner Umgebung bewusst – und des Hünen, der ihn gepackt hielt. Ihm drohten fast die Augen aus dem Kopf zu fallen, derart entsetzt war er. Hastig versuchte er sowohl dem Griff, als auch dem eisigkaltem Wasser, das auf ihn herunterprasselte zu entkommen, glitt jedoch auf dem nun rutschig gewordenem Duschbeckenboden aus und verlor nun vollends den Halt unter seinen Füßen. Eng und durchscheinend klebte die erst vor kurzem angezogene Hose an seinen dürren Beinen.

Als Macnair zufrieden sein konnte, dass der Bengel wieder bei sich war, stellte er das Wasser ab und zog ihn heraus. Sofort wickelte er das zitternde Kind in ein Handtuch.
"Zieh die nasse Hose aus und dann komm wieder raus. Die heutige Lektion ist noch lange nicht zu Ende...", knurrte er nur und ließ Sasch stehen, um wieder nach draußen zu gehen. "Besorg ihm noch eine Hose, Junge..."

"Ja, Meister.", war nur noch zu hören, als der andere im Ankleidezimmer verschwand und erneut den Schrank durchwühlte. Vielleicht hatte Sasch ja Glück, dass sich doch noch eine weitere Hose fand.

Zitternd, nun jedoch vor Kälte und nicht mehr so sehr vor Angst, da er glaubte, über diese simple Empfindung schon längst hinaus zu sein und nun etwas fühlte, das weit tiefer ging, als bloße Furcht, starrte Sasch mit einer Mischung aus sich in seinem Körper sammelnder Kälte und langsam wachsendem Unglauben dem nun wieder aus dem Badezimmer hinaus verschwindenden Mann hinterher.

Warum hatte dieser erneut die Gelegenheit ausgelassen, die dieser zweifelsohne herbeiwünschte? Sasch waren die Blicke, die der Mann ihm von Anfang an zugeworfen hatte, keineswegs entgangen und er wusste sie sehr wohl zu deuten. Gerade deshalb – weil er zu wissen glaubte, was kommen würde, ja kommen musste – entsetzte ihn dessen bloße Anwesenheit bereits derartig.

Warum brachte er es nicht endlich hinter sich? Machte es dem Stiernacken etwa Spaß ihn zu foppen, zu quälen. Ihm das falsche Gefühl von Hoffnung zu geben, doch noch unversehrt bleiben zu können, nur um es im nächsten Moment durch sein Verhalten ihm und des blonden Jungen gegenüber erneut zu erschüttern? Zweifelsohne ergötzte es diesen.

Doch wo blieb er selbst bei dem Ganzen? Wo sollte es ihn – Sasch – hinführen, wenn diese Spielchen noch länger andauerten? Oder war es tatsächlich die Absicht des Hünen, ihn in den Wahnsinn zu treiben?

Wenn ja- dann hatte er dies bereits fast geschafft. Sasch war sich der Tatsache nur zu bewusst, dass er die letzten Minuten kaum mehr als ein Bündel wimmernder Erinnerungen gewesen war und es hätte nicht – nein es würde nicht viel mehr fehlen, um ihn wieder an diesen dunklen, finsteren Ort zurückzustoßen. Ob er noch öfter aus dem Gefängnis das seine eigene Seele ihm stellte entkommen würde können, das wusste der Neunjährige nicht und es graute ihm davor, es herausfinden zu müssen.

Bisher war immer Vor für ihn da gewesen. Hatte ihn gehalten, ihn beschützt und ihm gezeigt, dass das Leben weiter ging. Dass es trotz des Umstandes, dass sie immer halb vorm Verhungern standen und kaum eine Nacht wussten, ob sie einen trockenen, oder zumindest einigermaßen warmen Schlafplatz finden würden, noch vieles gab, für das sich das weiter kämpfen lohnen würde. Tag um Tag der vergangenen drei Jahre, hatte sich Sasch immer mehr auf Vor verlassen – doch Vor war nun nicht da.

Sasch war alleine. Vollkommen alleine.

Einmal hatte ihm Vor gesagt, dass, wenn er alleine wäre, er sich dem, was ihm Angst machte, stellen musste, um sie zu besiegen und Sasch hatte es geglaubt, wenn auch nicht verstanden. Sasch glaubte immer alles, was Vor ihm sagte, auch wenn es oft Dinge waren, die so weit mehr zu bedeuten schienen, als dass sie ein Gleichaltriger, ja selbst ein Erwachsener würde sagen können.

Doch nun begann Sasch zumindest den Sinn dieses einen Satzes zu verstehen.

Er wollte nicht noch weiter gefoppt und gequält werden.

Er musste sich dem stellen, was er fürchtete und es dadurch besiegen, dass er es hinter sich brachte. Es war die Ungewissheit, die ihn derart quälte. Wenn er es schlussendlich erfuhr, die Berührungen und mehr ertrug und das, was die Einen immer so zum schreien und die Anderen zum - ihm selbst in seiner verworrenen Erinnerung noch vor Ekel kaum zu übertreffender Genauigkeit - Stöhnen gebracht hatte, dann wüsste er zumindest, was genau es war, das er fürchtete und der namenlose Schrecken des Unbekannten wäre endlich überwunden.

So sehr seine Gedanken auch in diese Richtung gingen und einen Entschluss gefasst zu haben schienen, so sehr verweigerte ihm sein durch die letzten Ereignisse und die kalte Dusche immer noch geschockter Körper den Dienst und mit einem unbeholfenem ‚Plumps' kippte er einfach dort, wo er zuvor noch bebend gestanden hatte, mit sich zum Weißen hin verdrehten Augäpfeln um.

Das um in herum geschlungene Handtuch unbewusst weiter mit seiner kleinen, rechten Hand umfasst haltend und die immer noch an seinen Beinen nass klebende Hose an habend.

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TBC