Da war es. Pure Erregung loderte in seinen Augen, gemischt mit einer für sie undefinierbaren Gier. Es war, wie sie es bereits vermutet hatte. Und seine Worte bestätigten es.
„Egal was du glaubtest in mir zu sehen... es ist nicht da. Es erregt mich zutiefst dich dort zu sehen... und es widert mich nicht einmal mehr an, diese Erregung zu spüren."
Es schmerzte Hermine, es so deutlich von ihm zu hören, auch wenn sie es hatte kommen sehen. Denn damit stand sie vor einer Wahl, einem Scheideweg, an dem sie sich für eine Richtung entscheiden musste. Nahm sie Snape, so wie er war, mit allem was dazu gehörte oder beendete sie, was zwischen ihnen war? Beide Möglichkeiten würden zu Schmerz für die junge Schülerin führen, denn sie wusste nicht, was von beidem ihr schwerer fallen würde: Unterwerfung vor einem Mann, der sie zu seiner Sklavin machen wollte oder der Verlust einer Liebe, ohne die sie glaubte nicht mehr leben zu können. Doch war es nicht oft so, dass ein Opfer es Wert war, ganz gleich wie groß der damit einhergehende Schmerz auch sein mochte?
„Du sagtest du würdest mich nehmen wie ich bin und ich sage dir, du zerbrichst daran. Denn genau SO WILL ICH DICH!"
Hatte er am Ende doch Recht damit, dass sie an ihm zerbrechen würde? Schon jetzt fühlte sie sich zerrissen, unfähig dazu sich für eine Seite zu entscheiden. Doch nur weil die Gefühle zu ihm so groß waren, dass sie nicht bereit war, sie aufzugeben, ganz gleich welche Abgründe sie an ihm entdeckt hatte. Es fiel ihr schwer, weil er ihr zu wichtig geworden war.
Sie wusste nicht, ob sie es tatsächlich über sich bringen konnte das für ihn zu sein, was er von ihr begehrte, doch war es nicht viel schlimmer die Liebe zu ihm zu zerbrechen, ohne es versucht zu haben? Konnte sie den Versuch wagen und sich darauf einlassen? Hermine fand keine Antwort darauf und sie war sich auch nicht sicher, ob sie nicht im Moment der Wahrheit Reißaus vor ihm nehmen würde, doch die Gefühle zu ihm waren ihr zu wichtig geworden, um alles hier und jetzt zu beenden und damit zu leben, dass sie diese Möglichkeit verpasst hatte. Nichts war wichtiger als die Liebe und sie wollte sich im Nachhinein keine Vorwürfe machen müssen. Also fasste sie einen Entschluss.
„Ich werde alles sein, was du von mir willst", erwiderte Hermine daher leise auf Snapes Worte und sah ihn von unten her an. Ihr Wille war so stark wie er immer war und sie würde ihre Entscheidung nicht bereuen, doch gleichzeitig hatte sie das Gefühl, dass sie ihre Seele soeben an den Teufel verkauft hatte.
Seine eigentlichen Wünsche an sie waren tatsächlich anders, als die junge Schülerin seine Worte interpretierte. Er wollte sich gefesselt, wollte sie züchtigen und wollte Macht ausüben, doch er wollte sie genauso mutig, selbstbewusst und stark, wie sie nun eben war. Was wäre er für ein Mann, wenn er ein introvertiertes, kleines Mäuschen wollte, das sich nicht traute, den Mund aufzumachen. Der Professor brauchte jemanden an seiner Seite, der ihm tatsächlich ebenbürtig war und das hatte nichts mit dem Alter der jungen Schülerin zu tun. Sie war stark, sie kämpfte für das was ihr von Bedeutung war und nichts würde sie daran hindern können. Er wollte sie nicht brechen, sie verbiegen, um ihm zu gefallen. Er wollte, dass sie selbst nach diesem Gefühl des Ausgeliefertseins verlangte. Sie sollte es lieben, das Bewusstsein darüber ihm zu gehören, in seinem Besitz zu sein.
„Ich werde alles sein, was du von mir willst."
Allein an diesen Worten konnte Severus herauslesen, dass sie es nicht begriffen hatte. Was glaubte sie von ihm, dass er ihr so etwas antun würde? Natürlich gierte er regelrecht danach sie zu unterdrücken, doch sie verstand rein gar nichts von dem, was er ihr so umständlich vermitteln wollte. Doch der Professor begriff selbst nicht, dass es sich bei Hermine Granger um eine sechzehnjährige Schülerin handelte, die – mal abgesehen von der mit ihm verbrachten Nacht – keine Erfahrungen in sexueller Hinsicht hatte. Wie konnte sie auch das verstehen, was er so begehrte.
Im ersten Moment wollte er ihr erklären, was er damit meinte. Sie darüber aufklären, dass sie alles missverstand. Doch wie sollte er es ihr erklären? Sie würde nicht verstehen, da sie es selbst noch nie erlebt hatte. Er musste es ihr zeigen, sie langsam heranführen und nichts überstürzen. Der Professor verstand, dass es nichts brachte, sie so einfach vor den Kopf zu stoßen und sie zu irgendetwas zu zwingen, das ihr nicht gefiel. Er wollte sie freiwillig, wie sie sich ihm völlig hingab. Er wollte Vertrauen, das er von kaum jemanden auf dieser verdammten Welt geschenkt bekam.
Immer noch blickte sie zu ihm auf und er saß immer noch wie ein König in seinem Stuhl, die Hände fest um die Armlehnen gekrallt. Es kostete ihn eine enorme Überwindung sie in diesem Moment nicht gleich an sich zu ziehen und sie an Ort und Stelle zu nehmen. Doch er war sich der Umstände bewusst. Schließlich befanden sie sich in der Küche der Weasleys, umringt von sämtlichen Ordensmitgliedern.
Es war viel zu gefährlich, ihr in dieser Umgebung näher zu kommen, so entschied sich Severus für die einzige Möglichkeit, die ihn aus dieser misslichen Lage befreien konnte. Er ging auf sie ein, ignorierte, dass sie ihm völlig missverstand. „Steh vom Boden auf und geh in dein Zimmer!" befahl er ihr so mit kalter, unnahbarer Stimme und blickte sie nur fordernd an. Als sie sich schließlich vom Boden erhob und nun wieder direkt vor seinem Stuhl stand, hob er augenblicklich den Zauber über der Küche auf. Die anwesenden Hexen und Zauberer erwachten aus ihrer Starre und so als wäre nichts geschehen, funkelte Severus Hermine Granger nun gefährlich an.
„Ich verbiete Ihnen sich mir gegenüber so zu verhalten, Miss Granger. Wahrlich haben Sie wohl völlig den Verstand verloren. Aber das scheint mir nicht überraschend, offensichtlich müssen die Anforderungen, die der Orden an Sie stellt, Sie überfordern." Ein gespielt siegessicheres Grinsen stahl sich auf sein Gesicht, als Hermine schließlich seinem Befehl nachkam und die Küche verließ.
Nach einigen Stunden hitziger Diskussion war die Versammlung schließlich fürs Erste beendet. Man beschloss, sich am nächsten Morgen erneut zusammen zu setzten, um die Ergebnisse auszuarbeiten. Während sich alle anwesenden Ordensmitglieder in sämtliche Richtungen verstreuten, nutzte Severus die Gelegenheit ein paar Worte mit Kingsley zu wechseln. Der Professor wollte sichergehen, dass er über die Umstände im Ministerium bestens informiert war. Und schließlich brach der Abend herein, als plötzlich ein Schrei die anwesenden Ordensmitglieder und Familienangehörigen aus dem Haus trieb...
„Steh vom Boden auf und geh in dein Zimmer!"
Augenblicklich löste sich die Starre auf, die die Welt umfangen gehalten hatte, und die Körper der anderen erhielten ihre Bewegungsfreiheit zurück. Es war als wäre nie etwas vorgefallen und Hermine würde nichts erwidern, würde nicht widersprechen, würde sich nicht aufregen. Doch seine weiteren Worte, die er vermutlich nur sagte, um den Schein vor den anderen zu wahren, entflammten erneut diesen unbändigen Zorn in ihr, den er zuvor schon in ihr geweckt hatte. In ihren Gedanken bedachte sie ihn mit den schlimmsten vorstellbaren Schimpfwörtern, jagte ihm Fluch um Fluch auf den Hals, doch äußerlich blieb sie unnahbar. Wortlos verließ sie die Küche, ließ alles hinter sich und kümmerte sich auch nicht um Harry und Ron, die wie vom Donner gerührt zurückblieben. Hermine würde sich für die beiden irgendeine Ausrede einfallen lassen müssen, denn sie wusste, dass ihre besten Freunde sich im Moment am liebsten auf Snape gestürzt hätten.
In ihrem Zimmer angekommen machte sie sich wieder daran ihren Lehrstoff zu wiederholen, um sich abzulenken. Sofort leerte sich ihr Verstand, ließ all die Gedanken, die um ihren Lehrer kreisten verschwinden und machte Platz für Zauberkunst, Verwandlungen und natürlich Zaubertränke. Stundenlang bemerkte sie nichts mehr um sich herum, ihre Umgebung war bedeutungslos geworden und sie war so vollkommen vertieft, dass sie auch nicht bemerkte, dass die Dunkelheit über den Fuchsbau hereingebrochen war. Nach der Ordensversammlung hatten sie sich alle verstreut, unterhielten sich im Wohnzimmer oder diskutierten in der Küche. Die Dämmerung breitete sich über ihnen aus und schlug kurz darauf in dunkle Nacht um, als Harry mit Ginny an einem der Fenster stand und draußen einen Schatten erkennen konnte. Die Schwärze nahm Gestalt an und Bellatrix Lestrange, die Frau, die Sirius auf dem Gewissen hatte, erschien vor dem Fuchsbau. Harry war nicht mehr aufzuhalten, mit schnellen Schritten war er an der Eingangstür und hetzte hinaus, nichts anderes mehr wahrnehmend als das Lachen der irren Todesserin. Diese erzeugte einen Flammenring um den gesamten Fuchsbau, der lediglich einen Durchgang bot, durch den sie im Dickicht verschwand. Erst nachdem Harry ihr hindurch gefolgt war, schloss sich der Ring und ließ nichts zurück als lodernde Flammen, die in den Himmel leckten.
Remus und Tonks, die das Geschehen aus dem Inneren des Hauses beobachtet hatten, wollten den Dunkelhaarigen noch aufhalten, doch es war bereits zu spät. Mit aller Kraft versuchten sie die Flammenhölle zu ersticken, um Harry folgen zu können, doch das Feuer war zu mächtig. Es bildete nur einen winzigen Spalt und noch bevor jemand reagieren konnte, war Ginny hindurch gehetzt, um ihrem Freund beizustehen. Immer mehr Mitglieder des Ordens erkannten den Ernst der Situation und stürzten aus dem Haus, während Harry Bellatrix verfolgte. Ihre Rufe hallten durch die Nacht und ehe er sie erreichen konnte, hatte Ginny zu ihm aufgeschlossen. Stimmen wisperten um sie herum und kurz darauf standen beide Rücken an Rücken, die Zauberstäbe erhoben, um sich jederzeit zu verteidigen, sollte es notwendig sein. Die ersten Flüche schlugen auf sie hernieder und sie wehrten sie so gut es ging ab, woraufhin ein zorniger Kampf entbrannte. Die Übermacht der Todesser wuchs und immer mehr schlugen auf die beiden jungen Schüler ein, bis der restliche Orden endlich bei ihnen eintraf.
Hermine bekam von alledem nichts mit. Viel zu vertieft war sie in ihren Schulstoff, viel zu sehr musste sie ihre Gedanken von allem befreien, was sich nicht mit Bezoaren und Flubberwürmen beschäftigte. Die junge Schülerin war allein im Haus, nachdem alle Ordensmitglieder in Kämpfe mit den Todessern verwickelt waren, und bemerkte erst, dass etwas nicht stimmte, als es längst zu spät war. Eine Explosion ließ die Wände erzittern und warf Hermine zu Boden, die sich vollkommen verstört nach der Ursache umsah. Rauch drängte in den Raum, die angrenzenden Zimmer waren bereits zerstört und durch die Tür konnte sie erkennen, dass nebenan ein riesiges Loch in der Hauswand prangte. Sie streckte sich, um ihren Zauberstab zu erreichen, der auf ihrem Schreibtisch ruhte, doch eine weitere Explosion ließ den Raum in dem sie sich befand in Flammen aufgehen. Immer wieder erschütterten die Todesser das Haus, das kurz darauf einem einzigen flammenden Inferno glich und augenblicklich war Hermine in der Feuerhölle gefangen.
Ein Schlag auf den Kopf ließ sie für einen Moment benommen werden und als sie wieder klar sehen konnte, spürte sie, dass sie sich nicht bewegen konnte. Der Schrank hatte Feuer gefangen, war unter der Last der Explosionen zusammengebrochen und hatte sie unter sich begraben. Hermine hustete und musste zu ihrem Entsetzen feststellen, dass ihr Zauberstab sich außerhalb ihrer Reichweite befand. Der Qualm brannte in ihren Lungen, das Feuer leckte an ihrer Haut und Panik stieg in ihr auf, während sie unter Schmerzen schrie. Was war bloß passiert? Wie hatten die Todesser den Orden hier aufspüren können? Ausweglos versuchte sie immer wieder sich zu befreien, doch die Last, die auf ihr ruhte, war einfach zu schwer für die zierliche Schülerin. Sie hatte keine Chance. Im Angesicht ihres nahenden Todes drifteten Hermines Gedanken einmal mehr zu ihrem Zaubertränkemeister ab. Sie klammerte sich an die Liebe zu ihm, ließ sich vollständig von ihr ausfüllen und vertrieb damit die Angst. Er war ihr Licht in der Dunkelheit des Todes.
In Severus drehte sich alles, während sich hinter ihm ein Inferno ausbreitete, dass sich nicht mehr bezwingen ließ. Er hatte von der Attacke Bellatrix nichts gewusst und so überschlugen sich seine Gedanken regelrecht darüber, WARUM er nichts gewusst hatte. Misstrauten die Todesser und der Dunkle Lord ihm immer noch? Was musste er noch tun, um ihr vollkommenes Vertrauen zu erlangen? Doch ehe er die Frage in seinem Kopf formuliert hatte, wusste er zugleich die Antwort darauf. Er musste Dumbledore töten und diese Tat würde nichts mehr anzweifeln.
Das irre Lachen Bellatrix Lestrange drang an sein Ohr und nachdem er wieder einigermaßen rational denken konnte, bildete sich eine Vermutung in seinem Kopf. Bella hatte sicherlich aus eigenen Beweggründen angegriffen... oder war es doch ein geplanter Überfall auf den Fuchsbau?
Diese Frage schienen sich auch Remus und Kingsley zu stellen, die an seiner Seite standen und die Zauberstäbe zückten. Man konnte nur völlig schockiert dabei zusehen, wie ein Todesser nach dem anderen vom Himmel stieß und die beiden Kinder, Potter und das Weasley-Mädchen, umzingelten. Remus fragender Blick richtete sich immer wieder zu ihm, ohne jedoch das Geschehen aus den Augen zu verlieren.
„Hast du davon gewusst, Severus?"
Doch der Angesprochene antwortete nicht.
„Severus, hast du DAVON GEWUSST?"
„Nein, hab' ich nicht." Die dunkle Stimme des Zaubertränkemeisters fuhr den Werwolf augenblicklich an, blanke Wut war aus seinen Augen zu lesen. Er konnte regelrecht spüren, wie Misstrauen und Vorwürfe ihm gegenüber wuchsen.
„Wir müssen irgendetwas gegen die Feuer tun, wir müssen eingreifen, Harry und Ginny helfen." Kingsley hatte gesprochen und sich zwischen dem wütenden Werwolf und Snape positioniert.
Doch plötzlich stieg Panik in Severus auf. Wo verdammt nochmal war Hermine? Völlig aufgescheucht von diesem Gedanken, blickte er sich um. Sämtliche Ordensmitglieder standen nun vor dem Haus, den Blick in die Felder gerichtet, dort wo Bellatrix und die restlichen Todesser ihr Unwesen trieben. Er konnte Tonks erkennen, wild entschlossen begann sie gegen den Feuerring anzukämpfen, dann war da Molly Weasley, die sich schützend vor ihren restlichen Kindern positionierte, um sie davon abzuhalten unüberlegt einzuschreiten, dann dort Arthur, Ron und der Rest der Weasley-Bande. Doch weit und breit war nirgends die junge Gryffindor zu sehen. Wo steckte nur seine kleine Löwin?
Mit vor Schreck geweiteten Augen blickte Severus augenblicklich zurück zum Fuchsbau. Ein lauter Knall, brechende Bretter, eine Explosion, die das ganze Haus vollständig in Flammen einhüllte. Sie war dort drin... sie musste dort drin sein! Er hatte sie in ihr Zimmer geschickt!
„Ich muss weg..." Die Worte drangen noch rechtzeitig an Kingsley und Remus, die augenblicklich ihre Zauberstäbe auf ihn richteten. „Das ist jetzt nicht dein Ernst, Snape! Du hast davon gewusst, natürlich hast du davon gewusst!"
„Erspart mir eure Phrasen und erledigt eure Arbeit." Schnarrte Severus die beiden nur an, ehe er zurück zum Haus lief. Für jeden Außenstehenden schien es so, als würde Severus, der Verräter, davonlaufen, sich aus der Affäre ziehen. Doch in Wahrheit stürzte er sich augenblicklich in das brennende Haus, um sich mit den Flammen zu duellieren. Ein Kampf auf Leben und Tod, waren die schwarzmagischen Dämonsfeuer doch kaum zu bezwingen. Der Rauch stieg ihm in die Atemwege und die Augen, ließ ihm kaum noch Luft zu atmen und vernebelte seine Sicht. Immer weiter drang er vor, versuchte die noch übriggebliebenen Wände des Fuchsbaus zu besteigen, schließlich war die große Holztreppe des Hauses von den Flammen zerfressen. Er krallte sich an die Balken, die noch hingen, versuchte mit viel Geschick und Ausdauer irgendwie in das Obergeschoss zu dringen. Mit Seilen, die er augenblicklich heraufbeschwor, konnte er schließlich so viel Halt finden, um zu springen. Einige Meter fiel er hinunter, durch Schutt und Asche auf den hölzernen Boden. Sein Körper fiel zusammen, als eins seiner Beine nachgab. Humpelnd bewegte er sich weiter, eine lange, blutrote Wunde zierte nun sein Bein, die schwarze Hose aufgeschlitzt von einem der massiven Balken. Dichter Rauch überall im Obergeschoss... und dann hörte er sie.
Ganz in der Nähe musste sie sein, gefangen von den mächtigen, dämonischen Feuern. Severus stützte sich an dem noch bestehenden Geländer ab, während er weiter mit dem Zauberstab die Flammen bekämpfte. Irgendwann riss er dann eine Zimmertür auf und dort lag sie, begraben unter Schutt und Asche.
„HERMINE!" Sein Brüllen ließ selbst die Flammen erzittern, als er zu ihr vordrang und mit einem wuchtigen Zauberspruch den Schutt von ihrem Körper riss. „RAUS HIER!" Augenblicklich beugte er sich zu ihr hinunter, um sie mit seinen starken Armen zu umgreifen, ehe er ihren zierlichen Körper hochhob.
Ihre Sinne ließen die junge Schülerin einer nach dem anderen im Stich, der Qualm erstickte sie zusehends und die Schmerzen wurden unerträglich. Hermines Schreie hallten durch das zerstörte Haus, das von den Flammen verzehrt wurde, und gingen unter in dem tosenden Lärm. Sie wusste, dass sie nicht mehr lange durchhalten würde, wenn sie sich nicht befreien konnte. Irgendwie musste sie an ihren Zauberstab gelangen, doch die Last, die auf ihr lag, räumte ihr keinen Millimeter Bewegungsfreiheit ein. Verzweifelt kämpfte sie gegen die nahende Bewusstlosigkeit an, versuchte immer wieder sich zu befreien, doch es war sinnlos. Hermines Augen wurden schwer, ihr Körper versagte zusehends und ihr Verstand begann ihr Streiche zu spielen. Sie konnte seine Stimme hören.
„HERMINE!"
Severus?, hallte es in ihrem Inneren wider, immer und immer wieder rief sie in Gedanken seinen Namen. Sie war sich sicher, dass ihr Unterbewusstsein Severus Stimme hatte entstehen lassen, um ihr den Übergang vom Leben in den Tod zu erleichtern. Kurz darauf konnte sie ihn sogar sehen, verschleiert von den Rauchschwaden und ihren Augen, die langsam nachließen. Sein Gesicht war vor Angst verzerrt und sie wollte ihn anlächeln, wollte ihm die Angst nehmen, die er um sie hatte. Der Überlebensinstinkt in Hermine war zusammengebrochen, sie war so schwach, dass sie sich schon in den Fängen des Todes wähnte. Alles was zählte, war, dass er bei ihr war. Das Delirium streckte seine Finger nach ihr aus, ergriff sie und zerrte an ihr. Die junge Schülerin ließ es geschehen, wehrte sich nicht und gab sich ganz ihrem Zaubertränkemeister hin.
Ein plötzlicher Ruck jedoch holte sie zurück in die Realität. Die Last, die sie zuvor bewegungsunfähig gemacht hatte, war auf einmal verschwunden und der Schmerz, der nun noch heftiger auf sie eindrang, ließ sie aufschreien. Ihr Verstand war wieder klar und Hermine erkannte, dass Severus sie gefunden hatte. Er war gekommen, um sie aus der Flammenhölle zu retten. Mit einem Wink seines Zauberstabes hatte er den brennenden Schrank von ihr genommen und sie war frei sich zu bewegen, doch ihr Körper war so in Mitleidenschaft gezogen worden, dass sie es nicht schaffte sich aufzurichten. Ihr Gesicht schmerzverzerrt stemmte sie sich mühsam auf ihre Arme, doch als Snape sah, dass sie es allein nicht bewerkstelligen konnte, war sie bereits in seiner Umarmung gefangen.
„Severus!"
Zitternd vor Angst und Schmerzen klammerte sie sich hilfesuchend an ihn. Hermine war so unendlich froh, dass er sie gefunden hatte, dass sie alle Höflichkeiten über Board warf. Doch noch immer waren sie in dem flammenden Inferno gefangen, das einmal der Fuchsbau gewesen war. Noch bevor sie wusste was sie tat hörte sie es über ihnen gefährlich knacksen. In letzter Sekunde fanden ihre Beine auf dem Boden Halt, um den Mann den sie liebte mit aller Kraft, die ihr noch blieb, von sich zu stoßen, als der tragende Balken über ihr herunter stürzte. Hermine verlor das Gleichgewicht und fiel zu Boden, konnte jedoch endlich ihren Zauberstab auf dem Schreibtisch erreichen. Sie umgriff ihn mit fester Hand und robbte dann auf allen Vieren voran, um wieder zu Severus zu gelangen.
Feuer regnete auf sie herab, als sie versuchte vorwärts zu kommen. Als sie ihn endlich erblickt hatte gab der Boden unter ihr nach, den der Balken schwer beschädigt hatte, und zersplitterte. Hermine konnte sich nicht halten und stürzte durch das Loch nach unten, doch in letzter Sekunde fand ihre Hand Halt an dem zerstörten Holzboden. Scharf schnitt ihr die Kante in die Handfläche, doch mit allem was sie hatte klammerte sie sich daran fest, versuchte sich verzweifelt nach oben zu ziehen. Blut tropfte von ihrer Haut und Hermine hielt es kaum noch aus, konnte kaum noch Kraft aufbringen, um nicht in die Flammen unter sich zu stürzen. Mit einem gezielten Fluch unter sich ließ sie das Feuer erstarren, gerade noch rechtzeitig, als sie die Kräfte verließen und sie nach unten fiel. Der Aufprall presste ihr die Luft aus den Lungen und bevor sie wieder klar denken konnte, erlosch die Wirkung ihres Fluches und die Flammen loderten noch zorniger als zuvor um sie her.
Es waren schwarzmagische Flammen, was Hermine sich eigentlich hätte denken können, doch im Moment gingen ihr die Optionen aus. Fluch um Fluch nutzte sie was ihr gerade in den Sinn kam und versuchte das Feuer einzudämmen, doch nichts zeigte Wirkung. Nach ihrem Sturz hatte sie Severus aus den Augen verloren und die Panik, dass ihm etwas passiert sein könnte, schrie in ihrem Inneren. Sie würde es sich nie verzeihen, wenn er bei dem Versuch sie zu retten selbst verletzt wurde. Doch egal was sie tat, die Flammen kamen immer näher und gierten nach ihrem Körper. Ihre Schreie mischten sich mit dem Lärm, der um sie herum tobte, doch sie hatte nur einen Gedanken im Kopf, der alles übertönte – sie musste Severus finden.
Ihr zitternder Körper drückte sich an ihn, während er seine Arme schützend um sie schlang. Er konnte regelrecht ihre Angst spüren und die Schwäche, die ihr Körper erfasst hatte. Schlaff hing ihr Körper an ihm, während er tröstend über ihren Kopf strich. Doch der Moment, in dem sich die beiden Liebenden in den Armen lagen, war zu kurz. Kaum hatten sie sich gefunden, wurden sie gleich darauf schon wieder voneinander getrennt.
Mit den letzten Kraftreserven, die die junge Schülerin aufbringen konnte, hatte sie ihn augenblicklich von ihm weggestoßen, als sich einer der Balken löste und herunterkrachte. Plötzlich hatte Severus sie aus den Augen verloren, panisch blickte er sich um, während er keine Sekunde verstreichen ließ, um gegen die Flammen anzukämpfen. Mehr und Mehr, höher und höher türmten sie sich zwischen ihnen auf, versperrten die Sicht auf seine kleine Löwin.
Als Severus das Feuer schließlich wieder einigermaßen unter seiner Kontrolle hatte, erstarrte er für einen Moment, als die Sicht, wo eigentlich Hermine sein sollte, frei war. Ein riesiges Loch hatte sich im Boden aufgetan und das einzige was von der jungen Schülerin zu sehen war, war die kleine zierliche Hand, die sich mit großer Anstrengung an dem Holz festgeklammert hatte.
Severus sprang auf sie zu, sein Körper schlitterte über den Boden, als er seine Hand nach ihrer Hand ausstreckte. Doch es war zu spät, mit einem Mal konnte sich Hermine nicht mehr halten und fiel dem Abgrund entgegen.
„NEIN!" Snape schrie, voll von Panik und Entsetzten starrte er durch das Loch hinab. Angst ließ ihn für einen Moment lähmen, Angst um das Leben seiner Schülerin. Plötzlich stoben erneut Flammen durch das Loch im Holzboden und Severus musste davor zurückschrecken. Als er auf allen Vieren im Obergeschoss des zerstörten Fuchsbaus kniete, wurde ihm schlagartig bewusst, in welcher Gefahr sich Hermine befand. Der Rauch im unteren Wohnraum des Hauses musste unerträglich sein, noch schlimmer als es bei ihm schon der Fall war. Es zählte jede Sekunde!
Völlig gefesselt und gelähmt von dieser so furchtbaren Situation in der er sich befand, fiel es ihm schwer, sich auf eine glückliche Erinnerung zu konzentrieren. Da war Lily, irgendwo in seinem Hinterkopf war diese eine Erinnerung gespeichert, die er auch sonst anwendete, doch sie wollte nicht stark genug sein. Doch dann kam ihm die junge Gryffindor in den Sinn, wie sie lachend und vergnügt auf dem Weihnachtsball tanzte, ihre ansteckende Art Glück zu empfinden.
„Expecto Patronum!" Augenblicklich stob die silberne Hirschkuh aus seiner Zauberstabspitze und suchte sich einen Weg durch die Flammen. Der Zauber würde Hermine finden, ganz gewiss. Ohne zu Zögern stemmte sich der Professor augenblicklich vom Boden ab, um sich weiter durch die Flammen zu kämpfen. Er musste seinem Patronus folgen, um den Weg zu seiner Löwin zu finden.
Einem plötzlichen Einfall folgend hatte Hermine ohne es zu wissen die gleiche Idee wie Severus. Wenn sie es nicht schaffte ihn zu finden, würde es ihr Patronus schaffen und so sprach sie die Worte, um ihren silbernen Otter heraufzubeschwören. Ein Licht bildete sich an der Spitze ihres Zauberstabes und offenbarte den Zauber, der ihr den Weg weisen würde. Dennoch war sie noch immer inmitten der Flammen gefangen, ohne eine Möglichkeit in das obere Stockwerk zurück zu finden. So gut sie konnte bahnte sie sich einen Pfad durch das Feuer, das immer wieder nach ihr griff und ihren Körper verbrannte. Schritt für Schritt ging sie voran, achtete genau darauf wohin sie ihren Fuß setzte und folgte dem Otter, der ihr voraus durch die Flammen schwamm. Hermine hielt ihren Zauberstab schützend vor sich, um das Inferno einigermaßen von sich fernzuhalten, mit dem anderen Arm schirmte sie sich so gut es ging vor dem Feuer ab. Ihre Kräfte ließen sie zusehends im Stich und so wurden ihre Schritte unsicherer, ließen sie stolpernd durch das Haus irren, das jeden Moment drohte in sich zusammen zu stürzen.
„Severus..."
Sie hielt sich an ihm fest, griff mit aller Macht nach ihm und ließ sich von ihrer Liebe zu ihm leiten, ein Schutzschild, das sie vor allem Übel bewahrte. Der silberne Otter hielt inne, als sich der weitere Weg als versperrt erwies und Hermine zögerte nicht. Mit einem gezielten Fluch ließ sie die Wand zerbersten, die sich in zusammengestürzt war und ihr ein Weitergehen verweigerte. Als Rauch und Flammen den Durchgang freigaben sah sich die junge Schülerin plötzlich einer silbernen Hirschkuh gegenüber, die sie noch nie gesehen hatte. Sie fühlte sich an Harry erinnert, doch als sie Severus erblickte wusste sie, dass es sich um seinen Patronus handeln musste. Hermines Züge wurden weich, die Erleichterung ihn weitgehend unversehrt zu sehen trieb ihr Tränen in die Augen. Ohne auf ihre Umgebung zu achten stürzte sie in seine Arme, woraufhin sich ihr Otter in Luft auflöste. Sie erlaubte es sich nur kurz die süße Erlösung zu genießen, die der Körperkontakt mit ihm in ihr auslöste, bevor sie mit ihm zusammen den Weg fortsetzte und seinem Patronus folgte.
Durch herabstürzende Trümmer und lodernde Flammen kämpften sie sich Stück für Stück durch den Fuchsbau, von dem sie wussten, dass er sich nicht mehr lange würde halten können. Als Severus Patronus durch eine Wand hindurch schwebte, wusste Hermine, dass auf der anderen Seite die rettende Freiheit lag. Doch bevor sie sich den Weg freihexen konnten bebte das Haus unter dem nahenden Kollaps. Alles, was das ausgebrannte Gebäude noch aufrecht hielt, brach in sich zusammen. Der dröhnende Lärm war unerträglich, die Hitze schlug ihnen mit aller Wucht entgegen und die Druckwelle hätte sie beinahe zu Boden geschleudert, doch Severus hielt Hermine so fest umschlungen, dass nichts sie erschüttern konnte. Während er sie gegen die herannahende Explosion abschirmte und sie stützte, hob sie ihren Zauberstab und ließ die Wand bersten, die ihnen den rettenden Ausweg versperrte. Ein Zauberspruch in die entgegengesetzte Richtung schleuderte die beiden Liebenden eng umschlungen mit aller Kraft aus dem Gebäude, das nur Sekunden danach in sich zusammen brach.
Nachdem Asche und Feuer sich gelegt hatten und Hermine wieder Luft bekam fand sie sich in Severus gefangen auf dem Boden liegend wieder. Sie spürte Grashalme unter ihrem Körper und konnte die kalte Abendluft auf ihrem Gesicht spüren, die sie erschöpft in sich aufsog. Ihr Gesicht an seine Brust gebettet weigerte sie sich ihn loszulassen, sich von ihm zu lösen, um ihre Angst wieder unter Kontrolle zu bringen. Heftig zitternd suchte sie an ihm Halt, ihre Finger mit seiner Robe verwoben. Ihre Augen fanden die seinen und die ganze übersprudelnde Liebe zu ihm sprach aus ihnen, vereint mit der Dankbarkeit, dass er ihr das Leben gerettet hatte. Egal was in seiner Vergangenheit geschehen war, egal was sie in seinen Erinnerungen gesehen hatte, sie wusste, dass er nicht mehr der Mensch war, den es einst gegeben hatte. Und egal was er behauptete, sie wusste, dass er sie liebte. Ganz gleich welche Dunkelheit in ihm war, sie war das Licht und sie würde ihn niemals alleine lassen.
Ihr Körper lag auf seinem, als sie schließlich aus dem Haus katapultiert worden waren. Die letzten Überreste des Fuchsbaus lagen im Hintergrund, das Feuer loderte immer noch unerbittlich, doch das war ihm nun egal. SIE war in Sicherheit und nichts anderes zählte mehr.
In weiter Ferne konnte er immer noch Schreie hören, doch durch den Lärm hindurch konnte er auch Arthurs Stimme vernehmen, der die Ordensmitglieder wieder zurückrief. Sie hatten es überstanden, hatten die Übermacht an Todesser tatsächlich zurückgedrängt.
Severus Atem ging unruhig, er konnte sich kaum beruhigen. Den jungen Körper unter sich immer noch fest umklammert, schien es fast so, als würde er immer noch um ihre Sicherheit bangen. Die Angst um seine Schülerin ebbte nur langsam ab und die Panik in Snapes Gesicht verschwand nur allmählich. Sein lautstarkes Husten holte ihn zurück in die Realität, seine Atemwege hatten sehr unter dem Qualm zu leiden gehabt. Er versuchte sich langsam aufzurichten, dabei traf ein stechender Schmerz sein rechtes Bein. Er zuckte augenblicklich zusammen und biss die Zähne zusammen, ehe er dem Mädchen über sich in die wunderschönen, braunen Augen blickte. Er empfand es als solch ein unbeschreibliches Glück, sie zu sehen. Allein die Vorstellung, dass er tatsächlich zu spät gekommen wäre, um sie zu retten, hatte ihn beinahe um den Verstand gebracht. Seine Liebe zu ihr und seine Sorge um sie würden ihn wohl letztendlich noch umbringen.
„Ich muss gehen... sag' den anderen nichts von mir, es ist gut so wie es ist. Sag' ihnen, dass du nicht gesehen hast, wie ich geflohen bin. Sag ihnen das." Seine dunkle Stimme wirkte zerbrechlich, langsam strich er eine verirrte Haarsträhne aus ihrem Gesicht. „Arthur ist auf dem Weg hier her, ich konnte hören, wie er seine Leute zurückrief... sie werden dich gleich finden." Erklärte er dann nun wesentlich sachlicher, ehe er seine Hand auf ihre Stirn legte und einen Heilzauber über sie sprach.
„Wir werden uns bald wiedersehen, das Schuljahr bricht bald an..." Ehe er noch weiter irgendetwas sagen konnte, legte er sachte seine Lippen auf die ihren. Es war ein zärtlicher Kuss, dem jegliche Brutalität fehlte. Mit diesem einen Kuss drückte er all das Unausgesprochene zwischen ihnen aus. Seinen Ärger darüber, dass sie so brutal in seinen Geist eingedrungen war, die Verletzlichkeit darüber, wie bloßgestellt er sich dadurch fühlte und die Wut darüber, wie sie in Anwesenheit Dritter mit ihm umgesprungen war... all das war verflogen. Nichts blieb übrig, der Fuchsbau lag in Schutt und Asche... nur die Liebe zwischen der jungen Schülerin und dem dunklen Professor aus den Kerkern blühte auf.
