Hallo, da bin ich wieder. Und tatsächlich schneller, als beim letzten update! "stolzbin"
Leider ist das Kapitel sehr gestrafft, weil ich endlich vorankommen will, denn schließlich gebe ich mich immer noch der Illusion hin, vor dem 21. Juli fertig zu werden! Ich hoffe dennoch, dass es dem Lesevergnügen keinen Abbruch tut …
Mein Dank gilt wie immer allen Reviewern! Bitte macht weiter so!
Frodo Beutlin: Vielen Dank! Ja, ich mag Luna sehr und darum hat sie auch noch den ein oder anderen Auftritt ;-)
DKub: Vielen lieben Dank auch an dich! Ich denke schon, dass Luna auch bei JKR eine Rolle spielen könnte … trotzdem wird sie sicherlich einen ganz anderen Handlungsstrang entwickeln und ich kann es selbst kaum abwarten! (Dauert ja nicht mehr allzu lange!)
Ich hoffe, bis dahin habt ihr noch Lust auf diese Geschichte …
Kapitel 14: Picknick im Mondschein
„James? Sei vorsichtig, Mann! Ich komme bald!"
Harry wusste nicht mehr, wie oft der die letzten Worte seines Paten aufgerufen hatte, bis es ihm endlich gelang, den Spiegel zur Seite zu legen. Das letzte Mal hatte er Sirius unwillkürlich entgegen geflüstert: „Bitte beeil dich, …" und beinahe schien es, als hätte der Blick der grauen Augen für einen Lidschlag lang auf ihm geruht, doch nachdem das Gesicht sich erneut in silbriges Glas aufgelöst hatte, schrieb er dies der vorgerückten Stunde zu.
Als er Ron und Hermine am nächsten Morgen darauf hinwies, alle Aufzeichnungen aus ihrem Spiegel zu entfernen, waren sie ebenso überrascht wie er. Auf ihrem Exemplar fanden sich jedoch keine Gesprächsfetzen aus der Vergangenheit. Sirius musste alles gelöscht haben. Sein Vater dagegen hatte den Spiegel wahrscheinlich rasch in den Wandverschlag gelegt, mit dem Vorhaben, Sirius in den nächsten Minuten wieder zu kontaktieren. Ein Vorhaben, das auszuführen er niemals mehr in der Lage gewesen war …
Harry erzählte seinen Freunden nichts von dieser Aufzeichnung. Es gab Dinge, die er für sich behalten wollte, außerdem war der Zustand der Zwillinge im Moment vorrangig. Ron war mit seinen Gedanken eindeutig bei ihnen, als Harry, unbemerkt von den anderen, in seinem Windschatten in das Klassenzimmer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste schlüpfte. Die letzte Reihe war leer und so setzte er sich an den äußersten Rand, verborgen unter seinem Umhang.
Galatea Merrythought – wie immer in Weiß – erschien, wackelte ganz kurz mit dem Kopf in seine Richtung und wartete gelassen, bis Ruhe einkehrte, was innerhalb von Sekunden nach ihrem Eintreten geschah.
„Meine Lieben, " krächzte sie gutgelaunt, „ich muss Ihnen mitteilen, dass ich meine Pläne für den Bunten Abend am Samstag geändert habe … Oh, nein, kein Grund, enttäuscht zu sein! Nach Rücksprache mit Firenze, der eine schöne klare Vollmond-Nacht für diesen Termin in Aussicht gestellt hat, bin ich nun der Meinung, dass ein Mondschein-Picknick eine viel lustigere Idee wäre. Natürlich nicht nur für die Häuser der Gryffindors und Slytherins, sondern für alle Prüflinge … auch diejenigen, die vielleicht nicht in den Genuss einer bestandenen Prüfung kommen werden …kurzum alle Siebtklässler."
„Aber es ist bereits September … Das Gras wird nass sein", empörte sich Pansy Parkinson und rümpfte die Nase. „Ich wäre viel lieber in der Großen Halle geblieben …"
„Oh, Miss … äh … Parkson …wenn nicht der Vollmond Ihr junges Blut in Wallung bringt, dürfen Sie gerne meinen Nierenwärmer ausleihen … Er ist aus feinster Yak-Wolle, dreifach gewickelt. Ich versichere Ihnen, dass damit eventuell von Feuchtigkeit bedrohten Körperteilen die notwendige Trockenheit zuteil kommen wird …"
Die ganze Klasse lachte und Pansys blasse Gesichtshaut färbte sich rosa. Sie versuchte einen gelangweilten Augenaufschlag, der kläglich misslang.
„Oh, ich erinnere mich noch genau an mein letztes Mondscheinpicknick anno 1935. Es war wundervoll", schwärmte die Professorin. „ Wir hatten einen Chor aus Myrthenfeen und die Brajec-Brüder spielten auf dem Akkordeon … Ich werde dieses Mal den überaus charmanten Professor Lopez bitten, uns auf der Laute zu begleiten. Ich habe gehört, er sei ein Virtuose auf diesem Gebiet …"
„Ja! Oh ja, das stimmt!" begeisterte sich Lavender Brown. „Gestern Abend habe ich ihn spielen hören … als ich ihn um die Meinung zu meiner Hausarbeit bat … die Klänge waren einzigartig - wie … wie aus einer anderen Sphäre…!"
„Und da bist du auch gleich hingesegelt, oder…?", konnte Seamus sich nicht verkneifen zu bemerken. „Nur bist du noch nicht wieder gelandet!"
Nun grölte die gesamte Klasse über Lavender, Pansy, froh, dass die Aufmerksamkeit sich nicht mehr auf sie konzentrierte, am lautesten und Professor Merrythought sah sich genötigt, mahnend die Hand zu heben.
„Wie gesagt, sein Können wurde schon von anderen bestätigt. …Doch kommen wir zu unserer heutigen Stunde. Ich möchte Ihnen einen Zauber zeigen, den wahrscheinlich nur einige Wenige von Ihnen ausführen können, weil es dazu enorme Konzentration, mentale Stärke und einen unvorhersehbaren Faktor braucht." Harry hatte das Gefühl, dass die Professorin sich direkt an ihn wandte und so hörte er gespannt zu.
„Ich meine die Stablose Magie. Sie werden sie nicht für die Prüfung benötigen, dennoch möchte ich sie Ihnen nicht vorenthalten. Man kann sie nicht erlernen, doch sollten Sie alle zu ergründen versuchen, ob die Vorraussetzungen dafür nicht auch in Ihnen schlummern. Denn jeder, der schon einmal ohne Zauberstab in einer bedrohlichen Situation war, kann bestätigen, dass sie lebensrettend sein kann …Vielleicht hat schon jemand von Ihnen ein Erlebnis gehabt?"
Harry sah sich um. Er selbst hatte als Kind schon Unerklärliches erlebt, doch damals nicht gewusst, was mit ihm geschehen war und er wusste auch von Neville, dass ihm Ähnliches passiert war. Doch Neville meldete sich nicht.
„Meistens bedarf es einer Extremsituation …", fuhr die Professorin fort. „Es geschieht dann ohne eigenes Zutun. Doch …" sie lehnte ihren Gehstock an das Pult, legte den Zauberstab und das Hörrohr darauf und stellte sich für alle gut sichtbar in die Mitte des Raumes. „ … manchen von uns gelingt es tatsächlich, die starken Emotionen, die normalerweise als Auslöser für die Stablose Magie gelten, zu bündeln und auf ein bestimmtes Ziel zu konzentrieren, ohne in akuter Lebensgefahr zu sein. Das nennt man Bewusste Stablose Magie. Bitte warten Sie einen Augenblick …"
Sie verschränkte die Hände vor der Brust und schloss die Augen. Ihre Stirn bekam einige zusätzliche Falten und die schneefarbenen Brauen schienen über ihrer Nasenwurzel zusammen zu wachsen. Ein paar Sekunden lang geschah nichts, doch plötzlich löste sich das weiße Hogwarts-Banner von der Wand, wehte hinüber zu der kichernden Lavender und bedeckte sie wie ein Leichentuch. Kreischend kämpfte sie sich darunter hervor, während auch die Bilder an den Wänden sich lösten und quer durch das Klassenzimmer segelten, Tintenfässer sausten knapp über die Köpfe der Schüler hinweg und zerschellten, wobei sie überall bizarr geformte Flecken hinterließen, der Gehstock der Professorin zischte wie ein Speer gegen die rückwärtige Wand und schraubte sich federnd in das Holz der Tür. Ein fasziniertes „Oh" scholl aus mehreren Schülerkehlen gleichzeitig.
Galatea Merrythougt öffnete die Augen und schwankte; Hermine erhob sich halb von ihrem Platz, doch sie winkte mit einem Lächeln ab. „Dieser Zauber ist sehr anstrengend und vielleicht nicht mehr für mein Alter geeignet. Sie sehen aber, es ist möglich … Derjenige, der die Stablose Magie mit Absicht benutzen will, muss außer dem entsprechenden Talent auch über eine enorme Willenskraft verfügen und wissen…" Sie schlurfte zurück zum Pult und hob den Zauberstab auf. „ … was Ausweglosigkeit bedeutet …"
Sie schwieg und ihr Blick hing für eine Weile gedankenverloren in der letzten Reihe. In dem Moment wusste Harry, dass er den Zauber üben würde bis zur Erschöpfung.
„Doch wenden wir uns jetzt wieder den erlernbaren Defensivzaubern zu …"
Als sie nach Beendigung der Stunde – die Schüler unterhielten sich noch immer tuschelnd über die eindrucksvolle Demonstration der Greisin - das Klassenzimmer verließen, eilte Professor McGonogall auf Ron zu und nahm ihn beiseite. Harry wartete im Hintergrund. „Mr Weasley, Ihre Mutter hat mich gebeten, Ihnen mitzuteilen, dass der Zustand Ihrer Brüder unverändert ist …"
Ron nickte und die Schulleiterin klopfte ihm tröstend auf die Schulter, dann hob sie ihre andere Hand, in der sie einen fleckigen, schon sehr mitgenommenen Brief hielt und senkte die Stimme zu einem Flüstern: „Bitte geben Sie dies … Sie –wissen-schon-wem … Das ist ein Schreiben aus dem Ministerium. Die Eule ist tagelang über Hogwarts gekreist bis Hagrid sie endlich eingefangen hat. Vollkommen erschöpft, das arme Tier…"
„Ich bin hier", sagte Harry leise.
„Oh, …gut … Ich …." Sie sah sich um und ihre Stimme war kaum noch hörbar, als sie aus den Mundwinkeln wisperte: „Hören Sie, ich habe alles für den Samstag arrangiert …. Sie werden allein in meinem Büro die Prüfung ablegen …"
„Vielen Dank …"
Sie entfernte sich und während Ron Hermine mit unverhohlener Skepsis fragte: „Was hältst du eigentlich von dem Mondscheinpicknick?" zog Harry sich in eine Nische zurück und öffnete im spröden Licht einer Fackel den Brief aus dem Ministerium.
„Ist doch mal was anderes …Was steht in dem Schreiben?" fragte Hermine leise in Harrys Richtung.
„Ach, schon wieder eine Vorladung. Mundungus wird der Prozess gemacht und ich soll aussagen …"
„In der Öffentlichkeit?"
„Wer sagt denn, dass ich hingehe …Hey – da ist Luna, …"
Ron und Hermine spurteten gleichzeitig los und nahmen die Ravenclaw, aus deren Haarknoten im geklöppelten Kugelnetz einige widerspenstige Strähnen in alle Richtungen abstanden und ihr somit das Aussehen eines Staubwedels verliehen, in ihre Mitte. Hermine dirigierte sie um die Ecke, zwei Stufen in einen tiefer gelegten Korridor herab, auf eine der vielen unerforschten Türen des Schlosses zu. Harry folgte ihnen und musste einen Hustenkrampf unterdrücken, als er in den schmalen Raum stolperte, der dieses Mal angefüllt war mit staubigen Pergamenten, Pulvern und Kreiden.
Hermine verriegelte die Tür, Harry zog sich den Tarnumhang herunter und bemerkte: „Schon wieder so eine Abstellkammer, Hermine …. Woher kennst du die alle?"
„Hallo Harry, du bist noch hier?" begrüßte ihn Luna und Hermine antwortete: „Die kenne ich alle aus unserem ersten Schuljahr. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie oft ich mich darin versteckt hatte, um wieder über irgendeine dämliche Bemerkung über mich nachzugrübeln ..."
„Niemand sollte deine Tränen sehen …", murmelte Luna, die zu wissen schien, wovon sie sprach. Hermine reckte das Kinn vor und erwiderte mit einem kleinen Lächeln:
„Ja, das stimmt …"
„Wenn ich je eine dieser Bemerkungen gehört hätte …", brummte Ron und wartete auf Hermines Reaktion. Harry verkniff sich ein Grinsen – offenbar hatte Ron vergessen, dass einige dieser Bemerkungen von ihm gekommen waren.
Doch statt einer Antwort hakte Hermine Luna unter und zog sie zu einem Sack in der Ecke, aus dem es merkwürdig knirschte, als sie sich darauf nieder ließen. „Also, Luna, würdest du uns noch einmal ganz ausführlich die Geschichte vom Diebstahl der Ravenclaw-Feder erzählen …?"
„Ihr beide wollt Hermine bei ihrem Diplom helfen?" Luna sah von Ron zu Harry und wieder zurück. „Schön, wenn man solche Freunde hat …"
„Dasselbe würden wir für dich tun, Luna!" sagte Harry mit dem Brustton der Überzeugung. Luna nickte ernsthaft und begann, mit einer der widerspenstigen Haarsträhnen zu spielen.
„Also, ich erzähl euch gern wie´s war … Es geschah auf der Hochzeit meiner Großeltern. Mein Großvater war ein Fluchfinder, er suchte überall auf der Welt nach unbekannten Zaubern, um sie zu katalogisieren und auf ihre Verwertbarkeit zu prüfen, er war ständig unterwegs und kannte unheimlich viele Leute. Darum war die Gästeliste war so lang, dass sie mehrere Seiten füllte und irgendwann verloren sie den Überblick. Meine Großmutter sagte immer, dass mehr Menschen anwesend waren als beim berühmten Cup-Finale der London Tigers gegen Celtic Glasgow. Irgendwann im Lauf des Abends wurde ihr alles zuviel und sie wollte sich in die Bibliothek zurückziehen, um ein wenig zu verschnaufen. Als sie die Tür öffnete, traf sie ein heftiger Schlag … alles, an das sie sich erinnern konnte, war ein grelles Licht, dann wurde sie ohnmächtig. Als sie aufwachte, blutete sie aus dem Mund, ihr Zahnfleisch war wie eine offene Wunde. Es war grässlich, vor allem, weil sie daraufhin ihre Zähne verlor und nichts half … Von da an führte sie ein sehr zurückgezogenes Leben und mein Großvater machte das nicht sehr lange mit. Er verließ sie zwei Jahre später, noch bevor meine Mama geboren wurde. Großmutter nahm wieder ihren Mädchennamen an. Als meine Mum meinen Daddy in ihr Haus brachte, hat er versucht, sie mit einem Wechselzauber von ihrer Qual zu befreien, doch es half nichts, außer, dass er seitdem selbst Zahnprobleme hat, du hast ihn ja kennen gelernt, Harry …"
Harry nickte schnell, er erinnerte sich vage, dass ihm an Mr Lovegood nicht nur der Schachbrett-Umhang, sondern auch die Unregelmäßigkeit seiner Zähne aufgefallen war …
„Naja, den Verlust der Feder haben sie erst am nächsten Tag bemerkt, als mein Urgroßvater sie einem der Übernachtungsgäste zeigen wollte. Bei den vielen Leuten hatten sich die Diebe leicht unter die Gäste mischen können, ohne aufzufallen. Als mein Vater von dieser Geschichte hörte, hat er gleich gewusst, dass es die Rotfängler waren, wegen des Zahnfleischblutens. Ihr müsst wissen, sie wollen die gesamte Zaubererwelt in eine gebisslose Masse verwandeln, damit sie allein die riesigen Vorratskammern, die unter dem Ministerium lagern, plündern können …" Sie schaute erwartungsvoll in die Runde und hoffte auf ein Zeichen der Zustimmung.
Harry räusperte sich nach einem kurzen Blickwechsel mit Ron und Hermine. „Luna, kannst du uns die Feder beschreiben. War irgendetwas … Auffälliges an ihr? Je mehr wie über die Feder wissen, desto eher … ich meine, desto mehr kann Hermine schreiben …"
„Sicher kann ich dir die Feder beschreiben … Wir haben ein Bild davon bei uns zuhause. Sie war blau-schwarz, mit winzigen bronzenen Flecken an der Unterseite. Wie eine Hormorvus-Feder eben aussieht….Ihr kennt doch die Abbildungen der Rabenmenschen, oder?"
„Der …was …?"
„Rabenmenschen. Rowena Ravenclaw hat die Feder von einem Homorvus, einem Rabenmenschen, es war ein Geschenk …"
Natürlich! Seit gestern hatte Harry gerätselt, was das fehlende Bindeglied zwischen der verschwundenen Schreibfeder und Voldemorts Aufenthalt im bulgarischen Sewniza war; Homorvus … Jetzt erinnerte sich Harry auch, dass er diese Bezeichnung in den Mythen der Macht gelesen hatte! Noch wusste er nicht, ob das irgendeine Bedeutung für ihn hatte, doch seltsam war es schon, dass es eine Verbindung gab zwischen einem eventuellen Horkrux und dem Corvitrum …
„Ein Rabenmensch hat ihr die Feder geschenkt?" fragte er langsam. „Aber soweit ich weiß, sind das doch ganz besonders grausame Kreaturen."
„Normalerweise schon, bis auf eine Ausnahme! … Es war nämlich so, dass nur einmal in der Geschichte der Rabenmenschen einer von ihnen menschliche Gefühle gezeigt hat. Er hieß Nevarro und er sah auf einem Beutezug die junge Rowena und statt sie zu töten, verliebte er sich in sie. Ob ihr´s glaubt oder nicht - Rowena erwiderte seine Gefühle. Doch sowohl der Clan der Homorvi als auch die Ravenclaws waren vehement gegen diese Verbindung. Es gab einige grausame Kämpfe und schließlich war es Rowena, die schweren Herzens den Entschluss fasste, die Verbindung zu lösen. Das war sehr schmerzlich für sie beide … Nevarro schenkte ihr eine seiner Federn als Zeichen seiner unsterblichen Liebe, dann riss er sich vor ihren Augen das Herz aus der Brust und starb. Tragisch, nicht?" Luna hatte die Hände ineinander verschlungen und zitterte wie unter einem kalten Schauer. Sogar Ron starrte wie gebannt auf die Erzählerin. „Das Erstaunliche war, dass sein Herz aus menschlichem Gewebe bestand, denn ihr müsst wissen: Rabenmenschen haben normalerweise Herzen aus Glas und sind zu keinerlei Gefühlen fähig …"
„Davon haben wir gehört", flüsterte Harry nach einem Blickaustausch mit Ron und Hermine.
„Oh … ich dachte, das glaubt ihr mir nicht …" Luna lehnte sich wieder entspannt zurück und plauderte weiter. „ Naja, Rowena schwor daraufhin, sich nie wieder zu verlieben und widmete sich dem Sammeln und Weitergeben von Wissen. Sie gründete Hogwarts mit drei anderen begnadeten Zauberern. Den Rest kennt ihr ja …"
„Das steht aber nicht in der Geschichte Hogwarts", murmelte Hermine schließlich.
„Natürlich nicht. Das hat mir meine Mutter erzählt und die hat es von ihrer Mutter und die wieder von ihrer … Das findet man nicht in Geschichtsbüchern. Wenn man so etwas niederschriebe, würde es wahrscheinlich ebenso verschwinden, wie der Inhalt des Buches, das mit dieser Feder verfasst wurde. Einer meiner Vorfahren hat es dem Ministerium schon vor Jahrhunderten zu Forschungszwecken zur Verfügung gestellt. Nur dass sie jetzt nichts mehr zum Forschen haben, denn, wie gesagt, seit einiger Zeit sind die Worte aus dem Buch verschwunden …"
„Verschwunden?" Harry, bereit für eine weitere unglaubliche Luna-Geschichte, ließ sich nun ebenfalls auf einem der Säcke nieder.
„Ja, es steht nichts mehr darin geschrieben, die Seiten waren eines Tages leer wie ein See in der Wüste. So hat es mir jedenfalls mein Vater erzählt. Die Buchstaben hatten sich einfach in Luft aufgelöst … und das Komische ist, das geschah ungefähr um den Zeitpunkt herum, an dem die Feder aus dem Haus meiner Großmutter gestohlen wurde. Daddy hat das Ministerium mehrfach darauf hingewiesen, doch niemand wollte auf ihn hören. Sie sagen, das Verschwinden der Worte hätte etwas mit dem ureigensten Geheimnis dieses Buches zu tun …"
„Wovon handelte das Buch?" fragte Harry.
„Oh, kannst du dir das nicht denken?" entgegnete Luna und lächelte. „Es handelte von den Geheimnissen der Liebe …"
„Ein Liebesroman?" Rons Grimasse war eine Mischung aus Ungläubigkeit und angestrengt verkniffenem Prusten.
„Sicher nicht", meinte Luna unberührt. „Ich glaube, darin setzt sie sich mit den ungeklärten Mysterien eines uralten Zaubers auseinander. So hat es mir jedenfalls mein Daddy erklärt. Der weiß viel mehr darüber. Ich kann ihm schreiben und ihn bitten, mir Genaueres mitzuteilen …"
„Dann ist es wahrscheinlich in dem verschlossenen Raum der Mysterienabteilung …"murmelte Harry, mehr zu sich selbst, und bevor einer der anderen Fragen stellten konnte, fuhr er fort: „Es könnte also durchaus sein, dass die Schrift wieder zu lesen ist, wenn … wenn die Feder und das Buch wieder zusammen kommen, oder? Hat … hat denn niemand versucht, anhand des Buches die Feder zu suchen?"
„Nein, wie gesagt, man ging davon aus, dass der Verlust der Worte nur ein weiteres Geheimnis dieser rätselhaften Kraft ist, die das Buch beschreibt."
Harry erhob sich unvermittelt. „Luna, ich danke dir vielmals. Du hast uns sehr geholfen …"
„Hab´ ich gern gemacht. Schreibst du denn auch an einem Diplom, Harry?"
„Ähm … Luna, ich glaube es wird Zeit für das Mittagessen." Hermine erhob sich ebenfalls. „Zeig mir vorher doch noch mal Tylers Halstuch, ja? … Bis später, Jungs!"
Harry hielt Luna an der Tür noch einmal zurück. „Bitte erzähl niemandem von diesem Gespräch, ja? Und es wäre gut, wenn du die Feder vor keinem anderen erwähnen würdest …"
„Kein Problem, Harry. Das interessiert sowieso niemanden …"
Als die Mädchen gegangen waren, wandte Ron sich mit einem zweifelnden Blick an Harry. „Glaubst du ihr?"
Harry nickte langsam. „Ja, ich denke das ist die richtige Spur. Und … irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass dieses Buch … es könnte uns vielleicht zu der Feder bringen …und damit zu einem weiteren Horkrux …"
„Hm … das hätten die doch schon früher probiert. Du hast doch gehört, die Buchstaben sind verschwunden, weil das Buch einen eigenen Zauber besitzt. Wahrscheinlich ist nach all den Jahrhunderten einfach nur die Tinte verblasst."
Harry zuckte die Schultern. Im Moment konnten sie nur spekulieren. Ron machte Anstalten zu gehen, doch irgendetwas schien ihm noch auf der Seele zu brennen. Er druckste ein wenig herum und meinte schließlich:
„Harry … gestern Nacht, da … hat Hermine … Ich meine, ich war ziemlich fertig wegen Fred und George und sie hat …ähm, also ich glaube, sie …" er brach ab und sah ihn aus den Augenwinkeln an. Harry, der nachdenklich ein Kreidestück zwischen seinen Fingern zerrieb, nickte abwesend.
„Also, am Samstagabend auf diesem Picknick, da sag ich´s ihr", setzte Ron von neuem an. „Ich meine, Mondschein und Musik und so … das mögen sie doch, oder …?"
Harry nickte noch einmal und hob schließlich den Kopf. „Sicher … das ist bestimmt ein guter Zeitpunkt, Ron. Vielleicht musst du gar nichts sagen …" Er konnte sich nicht erinnern, dass Ron bei Lavender Brown derart zögerlich gewesen war.
„Meinst du nicht?" fragte sein Freund, sichtlich erleichtert. „Auch nicht bei Hermine?"
Harry drehte sich seufzend um. „Ron", sagte er und hatte Mühe, ernsthaft zu bleiben. „Tu es einfach!"
- - -
Nur kurze Zeit nachdem sein Freund gegangen war, verließ auch Harry die Abstellkammer. Die Sache mit den verschwunden Worten ging ihm nicht aus dem Kopf. Es konnte doch kein Zufall sein, dass der Inhalt eines Buches, das den Zauber der Liebe thematisierte, zur gleichen Zeit verschwand wie die Feder, mit der das Buch geschrieben worden und die außerdem noch das einzige Relikt einer ungewöhnlich tragischen Romanze der Verfasserin gewesen war. Buch und Feder verband ein besonderer Zauber, da war er sicher …
Auf dem Weg in den siebten Stock sah er Ron mit Percy in der Nähe der Großen Halle stehen und es hatte den Anschein, als sei ihr Gespräch alles andere als brüderlich. Percy hatte schulmeisterlich den Finger gehoben und sagte etwas, das Harry nicht verstand, doch Ron machte sich nicht einmal die Mühe, die Stimme zu senken oder die Wut darin zu unterdrücken. Harry nahm den Fuß von der Treppe und kam näher.
„Wann sollte ich die Hausaufgaben machen? Ich war bis spät in der Nacht im Hospital. Der einzige, der fehlte, warst du!"
Percy sah sich kurz um und dann wurde auch seine Stimme lauter: „Ich hatte eine dringende Sitzung. Außerdem hätte meine Anwesenheit wohl nichts an ihrem Zustand geändert…"
„Diese …. Sitzung… war wichtiger, als das Leben deiner Brüder?" Harry, der Rons Anzeichen für eine bevorstehende Explosion kannte, ahnte, was folgen würde. Einige Schüler auf dem Weg zum Mittagessen waren stehen geblieben und verfolgten interessiert die lautstarke Auseinandersetzung zwischen einem Lehrer und einem von ihnen.
„Sie haben sich, wenn du ehrlich bist, selbst zuzuschreiben, was geschehen ist. Hätten sie nicht durch ihre …" entgegnete Percy.
Weiter kam er nicht. Ron hatte sich mit einem tief in seinem Innern entstandenen, wütenden Gebrüll auf ihn gestürzt. Percy, völlig überrumpelt von dieser Attacke, riss es von den Beinen und die beiden wälzten sich ringend auf dem Boden. Sofort erschien Peeves aus dem Nichts, um sie gegeneinander aufzustacheln: „Weasley haut ihm eine rein, doch Weasley wird Verlierer sein!" Der Lärm zog im Handumdrehen weitere Schaulustige herbei, die mit großen Augen den Kampf zwischen den ungleichen Brüdern beobachteten. Harry kämpfte mit dem widerstreitenden Verlangen, die beiden Streithähne zu trennen und der Gefahr, seine Tarnung zu verlieren. Doch gerade, als er entschlossen nach seinem Zauberstab gegriffen hatte, stürmte Professor McGonogall aus der Halle, schleuderte einen Fluch zwischen die Brüder, der beide blitzartig und mit lautem Heulen auseinander fahren ließ.
„Professor Weasley, Mr Weasley, was fällt Ihnen ein …," empörte sich die Schulleiterin und ihr Blick allein reichte, um die umherstehenden Schüler zurück in die Große Halle zu treiben.
„Etwas Derartiges ist mir in meiner gesamten Laufbahn noch nicht vorgekommen!"
„Frau Direktor, verzeihen Sie, ich wurde angegriffen …" stammelte Percy, wischte sich eilig das Blut von der Nase und versuchte, so gut es ging, seinen Umhang zu richten.
Ron, der sich seine Fingerknöchel rieb, schickte ihm einen mörderischen Blick. „Er hat Fred und George beleidigt …"
„Schweigen Sie!" Professor McGonogalls Stimme war frostig, doch die Geste, mit der sie ihre Brille zurechtrückte, wirkte müde. „In mein Büro. Alle beide!"
Ron musste seinen Wutausbruch gegenüber einem Lehrer - auch wenn dieser sein Bruder war - mit einer harten Strafe bezahlen. Zu einer anderen Zeit wäre er sicherlich von der Schule geworfen worden – so gab es für ihn einen zehnseitigen Aufsatz und eine Woche lang jeden Abend Strafarbeit im Kerker mit allerlei Aufräum- und Reinigungsarbeiten der widerlichen Art. Die Mondscheinpartie war selbstverständlich für ihn gestrichen und somit die günstige Gelegenheit, Hermine im Mondschein endlich seine Liebe zu gestehen. Harry empfand großes Mitleid mit seinem Freund, so dass er Ron die Zeit mit dem Spiegel zu verkürzen versuchte, denn weil Percy Hogwarts am Abend wieder verließ, um im Ministerium Überstunden zu schieben, konnte ihn niemand beaufsichtigen und er wurde für die Dauer seiner Strafarbeit „passwortgeschützt" im Kerker eingeschlossen. So hatten sich auch James und Sirius während ihrer Strafarbeiten miteinander unterhalten und wenn die Umstände anders gewesen wären, hätten sie sicherlich auch genauso viel Spaß dabei gehabt wie sein Vater und sein Pate …
- - -
Die Zeit bis zum Samstag verging wie im Flug. Immerhin gab es eine gute Nachricht in den verbleibenden Tagen bis zur Prüfung: zumindest Fred war wieder ansprechbar und auf dem Weg der Besserung. Georges Zustand allerdings war unverändert.
Harry übte sich jeden Abend in Bewusster Stabloser Magie, jedoch ohne Erfolg. Er rief sich die unerklärlichen Ereignisse seiner Kindheit ins Gedächtnis zurück – einmal zum Beispiel hatte er sich auf dem Dach der Schule wiedergefunden, als er auf der Flucht vor Dudley und seiner Bande gewesen war. Es hatte mehrere Begebenheiten dieser Art gegeben, Situationen, die ausweglos schienen und die sich auf wundersame Weise für ihn zum Guten gewandelt hatten; doch es war etwas anderes, ohne die Anspannung einer direkten Bedrohung vor dem knisternden Kaminfeuer im Raum der Wünsche zu üben.
Es stellte sich heraus, dass in diesem Jahr in Hogwarts kein Quidditch gespielt werden würde. Keinem der vier Häuser war es gelungen, eine Mannschaft auf die Beine zu stellen. Der Vorschlag Professor Merrythoughts, die Mannschaften der Slytherins und Gryffindors zusammen zu legen, wurde von den Schülern mit wilden Protesten und von der Schulleiterin mit einem Einsehen abgelehnt. Harry, der nachfühlen konnte, wie enttäuscht Ginny sein musste, hätte sie gern getröstet, doch wann immer er sie sah - sie war nie allein. Es war, als hätte sie einen Schutzwall aus Mitschülern um sich aufgebaut, damit er ja nicht an sie herankam.
Am Freitagabend begann Professor Merrythought, das Gras am Ufer des Schwarzen Sees mit Zaubersprüchen für die nächste Nacht zu präparieren und Dobby erzählte, dass die Elfen in der Küche geheimnisvolle Köstlichkeiten vorbereiteten. Professor Lopez übte für alle hörbar eine eigene Komposition ein, wobei Harry hoffte, dass er diese bis zum Samstag auch wirklich beherrschte, denn obwohl er kein Kenner war, erschienen ihm manche Töne, die der schwarzhaarige Professor seiner Laute entlockte, sehr gewagt. Die Gryffindors verzierten zusammen mit den Slytherins in der großen Halle Lampionblumen mit selbst gestalteten Mustern, damit auch für die passende Beleuchtung gesorgt war. So mancher Farbklecks landete dabei auf dem Nebenmann, wenn dieser dem jeweils anderen Haus angehörte und als dieses in eine regelrechte Farbschlacht ausartete, erschien Professor Merrythought mit einem Lächeln auf dem Gesicht und dem Magiator in der Hand am Tatort und im Nu kehrte Ruhe ein.
Am Samstagmorgen reiste die Prüfungsdelegation an, die aus Wilkie Twycross und einer beträchtlichen Anzahl der Ministerialgardisten, zwischen denen der ohnehin schon durchscheinend wirkende Zauberer kaum wahrzunehmen war, bestand. Die Hogwarts-Schutztruppen hatten sich gleichmäßig um das Schloss verteilt, denn schließlich musste für die Zeit der Prüfung der Apparierschutz aufgehoben werden. Es hieß, zusätzlich sei zu dieser Zeit ein neu entwickelter „Alarmierungsfluch" über das Schloss gelegt worden, der jedes erneute Eindringen in das Gelände mit einem schrillen Heulen publik machte. Die Prüfung selbst war vereinfacht worden: die Zugelassenen mussten von der großen Halle aus an den Rand des Schwarzen Sees apparieren, einen Strauß Seetang pflücken und diesen als Beweis wieder zurückbringen.
Harry wartete, wie mit Professor McGonogall vereinbart, im Schulleiter-Büro und während der Dumbledore auf dem Porträt genüsslich an einem Zitronenbonbon lutschte, überlegte er seine nächsten Schritte. Eigentlich hatte er sofort nach der Apparier-Prüfung das Schloss verlassen wollen, doch Ron hatte ihn gebeten, wenigstens bis zum Ende seiner Strafarbeit zu warten, damit sie gemeinsam das weitere Vorgehen besprechen konnten. Er hatte nur zu gern eingewilligt, denn ohne die Angst vor einem Gedankenüberfall fühlte er sich in Hogwarts beinahe wie früher – beinahe wie zuhause. Das lag nicht nur daran, dass er sich hier in Ginnys Nähe wusste oder eine Hexe wie Galatea Merrythought ihm auf ihre leichte Art die verborgenen Geheimnisse der Magie näher brachte, sondern auch daran, dass diese Schule ihn aufgefangen hatte und ihn zu dem gemacht hatte, was er jetzt war … Selbst an das Leben unter dem Tarnumhang könnte er sich gewöhnen. Außerdem war er fest entschlossen, das Schloss nicht zu verlassen, bevor Ron nicht endlich ein klärendes Gespräch mit Hermine geführt hatte! Wenn nötig, würde er etwas nachhelfen – bevor er ging, sollte aus seine beiden besten Freunden endlich ein Paar geworden sein – mit oder ohne Picknick!
Das Bildnis Dumbledores war jetzt leer und Harry entdeckte ihn in dem Gemälde von Phineas Nigellus, der mit blasierter Miene das ihm angebotene Lutschbonbon ablehnte, was daraufhin rasch im Barte Dumbledores verschwand. Harry grinste und setzte seine Gedanken fort. Der Prozess gegen Mundungus Fletcher war für den 20. September angesetzt und er beabsichtigte, entgegen seiner ursprünglichen Überlegungen, auch dann zu erscheinen. Davon hatte er seinen Freunden noch nichts gesagt. Und auch nicht, dass er die Gelegenheit nutzen wollte, um irgendwie in den verschlossenen Raum in der Mysterienabteilung zu gelangen …
„Wir haben hier noch einen besonderen Prüfling, Wilkie," hörte er schließlich die Stimme Professor McGonogalls und er erhob sich schnell. Mr Twycross, der Prüfer, war entweder eingeweiht oder er verstand es gut, seine Verwunderung zu verbergen. In jedem Fall war Harrys Prüfung lächerlich einfach; er musste nur vom Büro aus in die große Halle apparieren, den Korb mit dem eingesammelten Seetang holen und wieder zurück in das Büro bringen.
„Obwohl die Halle leer sein sollte, nehmen Sie vorsichtshalber diesen hier, " sagte die Schulleiterin mit einem Seitenblick auf den Prüfer und reichte ihm den Tarnumhang, den er über eine Stuhllehne geworfen hatte. Die große Halle war tatsächlich leer, als er unter dem Umhang hineinapparierte. Er sah sich kurz um, griff nach dem Korb auf einem der Tische und schon war er wieder zurück. Nachdem er seine Urkunde erhalten hatte, deutete Professor McGonogall ihm an, den Umhang erneut umzulegen. Dann belegte sie Wilkie Twycross mit einem Oblivate-Fluch, griff dem daraufhin Verwirrten unterstützend unter die Ellenbogen und führte ihn mit einem freundlichen: „Ich hoffe, der Tee hat Ihnen geschmeckt, Wilkie …" hinaus.
Nach Abschluss der Prüfung leerte sich das Gelände wieder und eine entspannte Stimmung als Folge der vorherigen, aber gut überstandenen Anspannung, legte sich über das Schloss. Die meisten Siebtklässler begaben sich in die Gemeinschaftsräume, um sich äußerlich auf die Mondscheinpartie vorzubereiten; Professor Merrythought hielt einen sehr langen Nachmittagsschlaf, um genug Energie für den Abend zu tanken; Ron, der seine Prüfung diesmal ohne Probleme bestanden hatte, schrieb an seinem Aufsatz, Harry übte Bewusste Stablose Magie und hielt zwischendurch nach Ginny Ausschau. Als es endlich dunkel wurde und tatsächlich der volle Mond sein ziemlich blasses Licht über dem Schloss aufgehen ließ, stieg Ron hinab in den Kerker für eine weitere Strafarbeit. Harry lehnte Hermines Vorschlag, wenigstens aus der Ferne bei den Vergnügungen am See zuzusehen, ab und blieb stattdessen im Raum der Wünsche, um Ron über den Spiegel aufzumuntern.
Sie hatten gerade eine Kommunikationspause eingelegt, weil Ron sich endlich seinen Aufgaben widmen wollte, da schreckte Harry keine fünf Minuten später aus seinem Dösen, das erfüllt war mit angenehmen Gedanken an eine rothaarige Hexe, auf.
„Hey Harry, hör mal!", meldete sich Ron im Spiegel „In einer der Truhen unter den Blutegeln hab´ ich eine alte Rezeptesammlung gefunden. Ich hab nur so durchgeblättert und da ist doch tatsächlich eine Beschreibung drin von diesem Trank, der den Medaillon-Horkrux zerstört hat …"
„Agapin …" gab Harry, wieder hellwach, zurück.
Ron senkte den Kopf, um sich noch einmal von der Richtigkeit des Namens zu überzeugen, dann meinte er: „Ja genau! Aber – das ist noch nicht alles … unten drunter steht noch ein Zusatz und eine Unterschrift …"
„Nun mach´s nicht so spannend, Ron!"
„Ja, also - da steht noch … ich lese mal vor … Zusatz vom 12.März 1979: Außerdem füge man noch sieben Tropfen eigenen Blutes hinzu, denn nur so entfaltet der Trank seine ganze Wirksamkeit. gez. Lily Potter, Professorin für Zaubertränke …Harry hörst du mich? Bist du noch da?"
„Was … steht da …?" Harrys Zunge schien irgendwie am Gaumen zu kleben. Es bereitete ihm große Mühe, zu sprechen.
„Warte, ich zeig´s dir …!" Ron hielt die Seite eines kleinen Büchleins in den Spiegel, so dass Harry deutlich die Worte erkennen konnte, die unter der letzten Zutat „fein zerriebenes Johanniskraut" standen:
Lily Potter, Professorin für Zaubertränke.
„Das hat mir niemand gesagt …"
„Vielleicht, weil du nie gefragt hast?"
„Ich … muss mit Hagrid reden …"
„Hey, Mann, überstürz jetzt bloß nichts! In zwei Stunden bin ich erlöst und dann besprechen wir alles Weitere, okay?"
„Ja … Ich werd trotzdem mit Hagrid reden. Ich hätte es schon längst tun sollen. Tut mir Leid, Ron, ich mach jetzt Schluss. Wir treffen uns nachher, versprochen …"
„Harry! Vergiss nicht, das Gespräch zu löschen!"
Die Gedanken überschlugen sich Harrys Kopf und er achtete kaum auf den Weg, als er, den Tarnumhang nachlässig übergeworfen, durch die Gänge des Schlosses eilte. Seine Mutter war also Lehrerin für Zaubertränke gewesen. Eine sehr junge zwar, doch hatten nicht alle immer wieder bestätigt, was für eine außerordentlich begabte Hexe sie gewesen war? Dann hatte Snape die Prophezeiung belauscht und seine Eltern waren gezwungen gewesen, sich zu verstecken. Und der Weg nach Hogwarts war frei geworden für den Verräter …Noch etwas, das Dumbledore ihm verschwiegen hatte. Der Hass gegen den ehemaligen Meister der Zaubertränke erreichte schwindelnde Höhen.
Warum hatte ihm das niemand gesagt?
Als er den Rasen betrat, drang unten vom See fröhliches Lachen zu ihm herüber, die bunten Lampions überstrahlten in ihrer Helligkeit den bleichen Vollmund. Lautenklänge mischten sich darunter, doch Harrys Gedanken weilten in der Vergangenheit. War Snape am Ende derjenige gewesen, den der alte John an Voldemorts Seite in der Halloweennacht in Godric´s Hollow gesehen hatte – und nicht Wurmschwanz, wie er bis jetzt angenommen hatte? Immer wieder Fragen und keine Antworten. Harry schüttelte den Kopf und wollte nach links in Richtung Hagrids Hütte gehen, als etwas Ungewöhnliches seine Aufmerksamkeit fesselte. Ein bläulicher Schimmer hing am westlichen Abendhimmel - ungefähr da, wo sich das Tor befand. Gehörte das zu den Überraschungen, die Galatea Merrythought für das Picknick geplant hatte? Er sah hinüber zum Seeufer, doch niemand dort schien etwas bemerkt zu haben. Kurzfristig änderte er seine Pläne und hielt misstrauisch auf das Tor zu. Das blaue Flirren hatte sich zu einer Art Welle verdichtet, die langsam, aber stetig, näher flutete. Seltsam auch, dass kein Angehöriger der Schutztruppe in der Nähe war. Harry ging schneller. Dann erstarrte er.
Jemand stand am Tor und öffnete es. Harry war nahe genug, um erkennen zu können, dass es Percy war. Schwarze Schatten quollen durch die Öffnung. Fünf, zehn … nein mehr … immer mehr!
Mit einem Schlag war er zurück in der Gegenwart, wirbelte herum und rannte los, so schnell ihn seine Füße trugen, während der Tarnumhang wie eine lästige Schlingpflanze nach seinen Knöcheln schnappte ….
tbc.
So, Schluss mit der Beschaulichkeit in Hogwarts. Das nächste Kapitel wird, wie ihr euch denken könnt, wieder etwas unruhiger .. Also bleibt dran!
Bis bald
lucinde
