"Morgen, mein Schatz", wurde sie von Jon geweckt, der mit einem Tablett vor dem Bett stand. Kurz streckte sie sich und setzte sich auf.
"Musst du nicht zum Training`? Wie spät ist es denn?"
"Sieben. Und nein, ich fahre etwas später. Wir zwei frühstücken zuerst zusammen." Er stellte das Tablett kurz auf seinen Nachttisch, rutschte dann neben sie und nahm es dann auf seinen Schoss.
"Du bist ein Engel" Tami drückte ihm einen Kuss auf den Mund.
"Verrate meine romantische Ader ja niemanden. Ansonsten muss ich dich leider töten", antwortete er mit gefährlich rauer Stimme, sodass sie auflachte.
"Versprochen, ich werde es mit in mein Grab nehmen."
"Gut so. Und nun musst du etwas essen."
Tami sah auf das Tablett und musste sofort wieder die Nase rümpfen. "Aber nur ein wenig Toast. Mein Magen rebelliert noch immer."
"Du rufst mich nachher sofort an, wenn du Bescheid vom Doc hast. Ich hoffe du musst nicht da bleiben, denn wir fliegen morgen nach Denver für drei Tage."
"Ich vermisse dich jetzt schon."
Jon stellte das Tablett zur Seite und beugte sich über sie. "Ok, dann gebe ich dir etwas, damit du mich nicht allzu arg vermisst, Babe."
"Machen sie mich hier gerade an, Mr. Good?" Sie lehnte sich zurück und zog ihn auf sich.
"Ich mache gleich noch etwas ganz anderes mit dir."
"Große Worte, Sir. Na dann lassen sie mal sehen."
Als Antwort drückte Jon ihr hart seine Lippen auf den Mund und erhielt sofort ein leises Stöhnen von ihr.
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Gegen Mittag betrat Tami wieder die Station von Dr. Muller und wurde auch sofort in eines der Zimmer geleitet. Mit einer Akte in der Hand betrat der Arzt den Raum. Kurz sah er noch einmal drauf und sah sie an.
"Und?" Tami wurde nervös, denn sein Blick gefiel ihr überhaupt nicht.
"Wie lange sagtest du, ist dir schon schlecht?"
"Drei Tage jetzt. Wieso? Ist es eine Lebensmittelvergiftung?"
"Nein, Gott sein Dank nicht."
"Was ist es dann?"
"Wann hattest du das letzte Mal deine Periode?"
"Letzten Monat, aber wieso? Nein...nein" Sie fuhr sich durch ihre langen Haare und sah ihn kopfschüttelnd an. "Kann nicht sein." Sie stockte und hing wie gebannt an seinen Lippen.
"Doch, du bist schwanger."
"Absolut unmöglich. Ich nehme die Pille. Sie müssen sich irren."
Erneut sah er in ihre Akte. "Du weißt, dass mit den Medikamente, die du nimmst, die Pillenwirkung aufgehoben werden kann. Wir haben dir doch damals dieses Merkblatt gegeben."
"Das habe ich gar nicht gelesen, wenn ich ehrlich bin. Wow, das muss ich jetzt erst einmal verdauen."
"Ja, wir haben da eh noch einiges zu besprechen. Aber das hat noch ein paar Tage Zeit."
"Sie werden aber Dave nichts davon sagen, oder?"
Er schüttelte den Kopf. "Nein, ich habe ärztliche Schweigepflicht. Ich möchte, dass du übermorgen wiederkommst. Dann werden wir ein Ultraschall machen, damit wir genau sehen, wie weit du bist."
Wie in Trance verließ sie den Raum und ging Richtung Strandpromenade. Ihre Gedanken fuhren Achterbahn. Wie erklärte sie es Jon? Was wurde aus ihrer Arbeit? Wollte sie das alles überhaupt? Tausende Fragen, auf die sie keine Antworten fand. Zirka drei Stunden lief sie schon am Strand entlang, als ihr Handy klingelte. Sie schaute drauf und nahm ab. "Hi, Babe."
"Solltest du mich nicht anrufen, wenn du vom Doc kommst?"
"Sorry, ich habe noch eine alte Freundin getroffen und wir sind ein Eis essen gegangen", stammelte sie.
"Ist ja jetzt auch egal. Was hat der Doc gesagt?"
"Alles gut. Wohl nur eine Magenverstimmung, die hartnäckig ist. Er hat mir Tabletten gegeben. Damit sollte es eigentlich in ein paar Tagen gegessen sein." Sie wollte Jon nicht belügen und sie fühlte sich deswegen schlecht. Aber sie brauchte noch etwas Zeit zum Nachdenken.
"Ich mache heute mit dem Training früher Schluss. Dann haben wir noch den ganzen Abend für uns, bevor ich morgen fliege."
"Gut, ich geh noch etwas einkaufen und komme dann zu dir in die Wohnung. Bis gleich."
Tami legte auf und ging dann zum nächstgelegenen Supermarkt, den sie nach kurzer Zeit mit zwei vollbepackten Tüten wieder verließ. An Jons Wohnung angekommen, klingelte sie und sofort öffnete er ihr. Als sich der Aufzug öffnete, stand er nur in Boxershort bekleidet vor ihr und nahm ihr die Türen ab. Diese legte er auf den Küchentresen, drehte sich dann um und zog Tami zuerst einmal eng an sicher heran.
"Ich weis überhaupt nicht, wie ich die drei Tage ohne dich aushalte," hauchte er ihr ins Ohr.
Tami legte ihren Kopf an seine Brust und seufzte. "Was machst du nächsten Monat, wenn ihr nach Malaysia müsst?"
"Sterben."
Sie lachte leise auf. "Idiot"
"Ja, dein Idiot." Er küsste ihre Halsbeuge und seine Hand gingen unter ihren Pullover. Tami legte den Kopf in den Nacken und genoß seine Berührung. Als seine Hand ihren Bauch entlang wanderte drückte sie ihn leicht weg.
"Dafür haben wir später noch Zeit. Du, ab unter die Dusche. Ich mache uns etwas zu essen." Sie gab ihm einen Klaps auf den Hinter und zeigte Richtung Badezimmer.
"Miststück", grummelte er mit einem Grinsen, verzog sich jedoch sofort.
Beim Essen war Tami bedächtig still und stochterte nur in ihrem Essen rum. Jon machte sich doch ein wenig Sorgen.
"Wirklich alles in Ordnung. Du bist so ruhig."
"Alles gut. Ich bin halt ziemlich müde. Irgendwie macht mir diese Magenverstimmung echt zu schaffen."
"Dann ziehst du dir gleich etwas bequemes an und wir zwei schmeißen uns auf die Couch."
Tami nickte nur kurz.
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Zwei Tage später saß sie mit Cindy im Schlepptau wieder bei Dr. Muller, der gerade dabei war, ihr das Ultraschallgerät einzuführen. Sie hatte sich Cindy anvertraut, weil sie einfach mit jemanden reden musste und Cindy war ihr in der Zeit eine gute Freundin geworden. Dr. Muller drehte den Monitor, sodass Tami alles sehen konnte. Zuerst sagte er gar nichts, sondern schaute nur. Dann klickte er da einmal mit der Maus und dort einmal und druckte dann ein Bild aus.
"So wie es scheint bist du in der sechsten Woche", meinte er und hielt ihr das Ultraschallbild hin.
"Na Bravo, dann hat es ja gleich gescheppert", murmelte sie.
Er schaltete die Lautsprecher an und Tami hörte zum Ersten Mal die Herztöne ihres Kindes. Gestern noch hatte sie überlegt, ob sie überhaupt bereit für ein Kind sei. Jon und sie waren noch nicht lange zusammen und sie hatte vorgehabt noch ein paar Jahre arbeiten, bevor sie eine Familie gründen wollte. Tausend Gedanken waren ihr durch den Kopf gegangen. Doch jetzt, wo sie dieses kleinen schnellen Laute hörte, waren diese ganzen Bedenken vergessen. Sie strahlte und eine Träne suchte sich ihren Weg nach draußen.
"Wow," kam nur von Cindy.
"Ok, du kannst dich wieder anziehen. Ich sehe dich dann in vier Wochen wieder."
Mit Cindy im Arm verließ sie das Krankenhaus und fuhr zur nächsten Eisdiele, wo sie sich erstmal einen grossen Eisbecher gönnten.
"Wann willst du es Jon sagen?"
"Gleich wenn er wieder da ist. Oh, mein Gott, ich habe Angst."
"Was machst du, wenn er es nicht so positiv wie du aufnimmst?"
"Keine Ahnung. Ich kann nur hoffen, dass er es positiv aufnimmt."
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Vier Tage später saß Tami nervös im Wohnzimmer und zuckte auf, als die Haustüre aufgeschlossen wurde und Dave mit Jon den Raum betrat. Dave drückte ihr einen Kuss auf die Stirn und ließ sich erst einmal auf die Couch fallen.
"Hi, mein Schatz. Hab dich vermisst." Jon nahm ihren Kopf in seine Hände und drückte ihr einen Kuss auf die Lippen.
"Ich dich auch", murmelte sie. Ihr war plötzlich zum Heulen zumute, also vergrub sie ihren Kopf in seiner Brust.
Dave spürte sofort, dass Tami irgendetwas bedrückte. "Alles Ok, Sweetie?"
Tami schüttelte den Kopf. "Setz dich bitte Jon."
Verwirrt sah er sie an. "Tami, was ist?"
"Setz dich einfach. Verdammt, mach einfach was ich dir sage. Es fällt mir eh schon schwer."
Jon tat das Gewünschte und setzte sich neben Dave auf die Couch, während Tami ihren ganzen Mut zusammen nahm und noch einmal tief Lufth holte.
"Ich werde dir jetzt was sagen und egal wie du reagiert, ich habe meine Entscheidung schon getroffen. Ich bin schwanger Jon. Ich...wir bekommen ein Baby und ich will es. Mit oder ohne dich. Wir sind noch nicht lange zusammen und du hast dir bestimmt was anderes für die Zukunft zurechtgelegt. Ich auch, aber nun ist es nicht mehr zu ändern. Und ich will es auch nicht ändern." Mit einem Rumps ließ sie sich auf den Sessel fallen und schaute die beiden Männer einfach nur an.
Jon schluckte schwer und sagte überhaupt nichts. Dave stand auf und tingelte von rechts nach links durch den Raum. "Wow, das haut mich jetzt um. Was soll ich sagen, also ich freue ich für dich Sweetie", kam von ihm und er zog sie vom Sessel hoch in seine Arme.
"Tja, du wirst dann so was wie ein Ersatz Opa", kam grinsend von ihr.
Er griff ihr an die Wange. "Ich kann Tyron nicht ersetzen, aber ich werde mein Bestes geben, Sweetie."
Dann schaute sie wieder zu Jon, der sie immer noch anstarrte. "Kannst du mal endlich was sagen, Jon. Du machst mir Angst." Sie zuckte zurück, als er plötzlich aufsprang und auf sie zu kam. Er blieb vor ihr stehen und schaute kurz auf ihren Bauch. "Bist du von allen guten Geistern verlassen?"
Tami stockte der Atem, denn mit so einer Reaktion hatte sie jetzt nicht gerechnet. "Du willst allen Ernstes so einen kleinen Mox aufziehen. Hey, das wird sicher ein kleiner Teufel oder eine kleine Teufelin."
"Hallo! Ich werde mit dem Vater fertig, da können mich doch so Kleine Knirpse nicht erschrecken", schluchzte sie leicht auf, bevor Jon sie in seine Arme zog. "Du bist nicht böse?"
"Warum sollte ich böse sein. Passiert ist passiert. Und ob jetzt oder später, dass spielt keinen Unterschied. Hey, jetzt kann ich noch was mit ihnen anstellen. Noch sind meine Knochen heile. Wow, irgendwie fahre ich gerade nen Film. Das müssen wir sofort Joe und Colby erzählen. Komm, wir fahren sofort zu Joe. Ich weis, dass Colb da zum Essen ist."
Tami schaute zu Dave, der nur abwinkte. "Nun fahrt schon. Kelly kommt eh gleich vorbei. Die wird Augen machen."
"Bestell ihr liebe Grüsse. Bis später", kam nur noch von Tami. Da hatte Jon sie schon aus dem Haus gezogen und auf den Beifahrersitz bugsiert.
Am Haus von Joe angekommen klingelten sie und Galina öffnete ihnen die Türe. Doch anstatt sie zu begrüssen, stürmte Jon mit Tami an der Hand an ihr vorbei. "Hallo, ihr Zwei. Hey, was ist mit euch los?"
Jon stellte sich grinsend vor den großen Esstisch. Joe, Colby und Galina, die den beiden gefolgt war, starrten ihn erwartungsvoll an.
"Willst du?" Kurz schaute er zu Tami, die den Kopf schüttelte.
"Nein, du! Ich sehe doch, dass es dir auf der Zunge brennt."
"Hey, ihr Zwei. Was ist los?", wollte Joe jetzt wissen.
"Wir werden Papa! Nein, nicht Tami. Sie wird Mama, ich werde Papa", schoss es nur aus Jon heraus.
Galina stieß einen Schrei aus, sprang auf, umarmte Tami und danach Jon, der noch immer wie ein Honigkuchenpferd strahlte.
"Nicht euer Ernst. Wie geil ist das denn", kam von Colby, der seinen Kumpel abklatschte.
"Ja, ich kann es auch noch nicht fassen. Wow. Geplant war das so nicht, aber ich freu mich." Er küsste Tami auf die Wange.
Joe umarmte Tami, schüttelte den Kopf und strich ihr leicht über den Bauch. "Unser Mox vermehrt sich."
Galina holte eine Flasche Sekt, füllte vier Gläser damit und reichte Tami ein Glas mit Orangensaft. Sie stiessen gemeinsam auf die Zukunft an.
