~ Kapitel 13 – Trost ~

„Willst du wirklich nichts trinken?" Susi reichte ihr ein Glas mit Gin und lächelte ihr lieblich zu, doch die Blonde schüttelte ihren Kopf. Sie zog die Beine noch näher an sich und starrte auf einen Fleck im Teppich. Sie kam so zur Arbeit und verblieb so und nun brach sie zusammen.

Die Ruhe hatte nichts genutzt. Sie spürte ihn noch immer an sich. Sie fühlte ihn genau weit unten und die Erinnerung flammte so sehr auf, dass sie einfach anfing zu weinen. Die Worte schmerzten einfach. Sie hatte sich zu schnell vergeben und wurde weggestoßen.

Susi bekam es mit, als sie im Hinterzimmer weinte. Sie kam sofort und versuchte mit ihr zu reden, aber es nützte wenig. Seras war schon immer verschlossen. Sie redete wenig über ihre Probleme. Doch Susi war beharrlich. Sie war einfühlsam und redete selbst über einige ihrer Probleme. Es lenkte gut ab.

Seras sah auf und blickte ihr in die grünen Augen. Sie war einfach freundlich. Seltsam anders, wie man sich eine Prostituierte kaum vorstellen kann.

Erneut sah sie zum Fleck und hörte, wie sie den Gin trank. Sie lächelte matt.

„Sicher hat dich kein Mann als Spielzeug benutzt, den du selbst liebst." Susi setzte ab und sah sie an. Sofort lächelte sie.

„Bitte?" Seras schnaufte. Sie fuhr sich durch ihr Haar und holte Luft.

„Mein...mein Problem." Das Mädchen sah zur Blonden und lächelte.

„Du bist verliebt." Seras schwieg. Sie wollte nicht in solch ein Arschloch verliebt sein. Das würde sie nicht verkraften wie blind zu ihm zu kommen und immer mies behandelt zu werden. Er war es nicht Wert. Doch irgendwie schaffte er dies. Sie schnaufte und hasste sich für diese Tatsache.

„Ich will.. dieses Gefühl weg haben." Susi schmunzelte und strich ihr über den Rücken. Sie spürte, wie das Mädchen sich an sie lehnte und einen Arm um ihre Schulter zum Ruhen kam. Ihr leiser Atem war beruhigend.

„Die Liebe ist immer schrecklich, besonders, wenn man so dreckig von einem Womanizer behandelt wird." Die Blonde nickte. Was tat sie sich nur dort an? Sie strich sich angespannt durchs Haar und seufzte lautstark. Selbst die Worte von Susi können ihr wohl wenig helfen. Doch was könnte sie anderes tun? Sie brauchte jemanden mit dem sie reden könnte.

„Womanizer?" Sie sah das Mädchen an.

„Ja, sicherlich. Oder liege ich bei ihm so falsch?" Nein, lag sie nicht. Sie hatte oft das Gefühl, dass er ein Frauenmagnet und -versteher sei. Er ist doch nur einfach anziehend und sie verlor sich in ihm. Sie war einer der Vielen. Das wurmte sie. Er durfte sie nicht so klein bekommen.

„Sollte ich etwas dagegen tun?" Das Mädchen sah zu der Blonden und grinste.

„Willst du etwas dagegen tun? Ich meine, es ist die Frage was du möchtest, Rache oder ihn." Sie überlegte.

„Gibt es Unterschiede?" Sie bekam ein Lachen als Antwort.

„Sicher. Rache heißt, du führst ihn vor, ihn haben heißt mehr Arbeit." Die Frage war gut, was wollte sie.

„Im Grunde Rache. Ich lasse mich so nicht behandeln!"

„Gut so. Keine Frau sollte sich so behandeln lassen, aber wie willst du deine Rache anstellen?"

„Das weiß ich nicht. Ihn kann man schlecht misshandeln." Susi grinste noch breiter und stand auf. Sie streckte sich und zwinkerte ihr zu.

„Verarsche ihn doch genauso. Du kannst doch in dem Arm eines anderen sein, eines jenen, den er vielleicht als Konkurrenten ansieht." Ein Konkurrent. Jemand, den er nicht vor sich haben würde. Ihr fiel nur eine Person ein, welche ihm ein Dorn im Auge wäre. Weswegen er sie so niedermachte. Doch die Person war im Grunde schon tot.

„Mh, vielleicht." Sie stand ebenfalls auf.

„Hast du nun Feierabend?" Die Blonde nickte.

„Ja, ich gehe Heim."

Dies tat sie auch. Sie zog sich um und strich ihr blondes Haar zurecht. Mit einem kurzen Blick zur Bühne auf der Rose ihr Bestes gab, drehte sie sich um. Sie wusste, dass die Frau ihr nachsah. Die Musik klang dumpf und wirkte wie aus einer schlechteren Szene, in der man mehr als nur normales rauchte. Doch dies ließ sie hinter sich. Seras schloss die Tür atmete die frische Luft ein und blickte in den aufgegangenen Mond. Er strahlte so wundervoll hell. Es erinnerte sie an die frühere Zeit. Vollmonde waren ihr lieber, aber selbst die Hälfte gab ihr viel Kraft.

Sie rückte ihren Kragen zurecht und ging gemächlich weiter. Es würde ein langer und schwerer Weg sein. Sie musste nachdenken. Sie wollte ihre kleine, große Rache haben, aber ungerne auf den einzigen Weg, der vor ihr schien. Es war frustrierend, aber Besseres fiel ihr nicht ein. Sie sah nach vorne. Die Straßen waren leer. Kaum einer wagte es in diesem Viertel nachts umher zu gehen. Sie hatte wenig zu befürchten. Sie war schon tot.

Seras schritt weiter und blickte jeden Strauch an. Sie war verträumt und seufzte vor sich her. Sie genoss einfach diese Ruhe, die sie so lange umschloss. Keiner würde sie da herausholen und ihr Besseres bieten können, das war ihr schon als Kind bewusst.

Kaum bog sie um die Ecke vernahm sie ein gleich bleibenden Takt eines Klaviers. Auf und ab, auf und ab, auf und ab. Sie schielte zu der Ecke an dem sich einige Personen nieder gelassen haben. Bleibsel des Weihnachtsmarktes. Wanderleute, die einen Mittelaltermarkt mitfinanzierten. Sie saßen in einem Kreis und blickten auf eine junge Dame. Kaum Älter als 13. Sie tanzte gelenkig im Kreis zu dem Takt und sang. Es wirkte alles entspannend. Man sah sie im Kreis tippeln, wie sie mit dem Finger verneinte und sich streckte. Sie erzählte eine Geschichte. Sie erzählte sie auf ihre Art. Und es klang wundervoll. Die Blonde schritt hin und beobachtete sie, wie sie sich hin und her bewegte, als wäre sie in einem Palast des Sultans. So verschleiert wirkte sie. Doch sie trug nur normale Sachen, bewegte sich aber einfach himmlisch. Es war hypnotisierend, als sie ihre Zeichen deutete und die Geschichte mit Händen und Füßen weiter erzählte. Es war über die Liebe und ein Kind. Es schien kaum zu enden.

Seras merkte nicht, wie jemand auf sie sah. Seine Augen funkelten zu ihr, als er weiter auf die Tasten haute und sein Bestes gab. Er fixierte sie schweigend. Sie achtete nur auf den Tanz und dem Gesang. Es schien zum Höhepunkt zu kommen, als sie zum Himmel beten schien. Dann drehte sie sich und schüttelte traurig den Kopf, als sie nieder sank und etwas beweinte. Man sah sie nur noch, wie sie mit den Händen pantomimisch in ihr Herz stach.

Alle klatschen. Sie standen auf und klatschen ihr Beifall. Seras erkannte einige Städter unter ihnen. Sicher lockte die Musik sie hier her. Sie kamen zu ihr und gaben ihr Geld und gaben ihr Feedback zu Gute. Das Mädchen nickte und bedankte sich höflich. Man sah, wie sie freudig zur Bühne grinste, von der die Musik kam, die noch immer weiter klimperte. Einige andere versuchten ihr Glück beim Tanz, bei der Geschichte und lachten erfreut auf, wenn sie aneinander stießen. Es wirkte schon fast magisch, so wie das Lächeln des Klavierspielers.

Sie hatte es erst nicht bemerkt, doch als das Mädchen zu dem Fleck sah, blickte sie ebenfalls hin und erkannte einen Mann, der sie angrinste und weiter spielte. Seras wurde rot. Es war ihr unangenehm. Er schmunzelte und nickte sie sachte zu sich, als sein Spiel langsamer und dann wieder schneller wurde. Er erwartete doch nicht im Ernst, dass sie zu ihm ging? Er war ihr fremd.

Aber etwas an ihm, ließ ihre Beine gehen. Sie schritt zu ihm und blickte herauf, als er weiter spielte. Er beendete sein Stück langsam. Sie konnte jeden Ton in ihren Knochen spüren.

„Wohin des Weges, junge Dame?" Seras zuckte und sah in seine dunklen Augen, die so verwaschen wirkten.

„Heim.", meinte sie ruhig. Er lächelte und stand auf. Sie sah, wie er neben sie herabsprang und ihr seine Hand reichte.

„Michael ist mein Name, nach dem herzhaften, großen Engel Gottes." Sie nahm seine Hand und schnell gab er ihr höflich einen Kuss auf dieser. „Und ihr, meine Dame. Wie lautet euer Name?" Sie lächelte sanft und nahm ihre Hand an sich.

„Seras. Sehr erfreut, Michael." Er nickte und verneigte sich ehrfürchtig.

„Ich habe gesehen, wie ihr unser Spiel zusaht. Hat es euch gefallen?" Erfreut nickte sie.

„Wundervoll. Auch wenn man die Geschichte wenig verstand." Michael lachte und sah zu dem Mädchen.

„Gabriel, willst du nicht die Geschichte uns erneut erzählen?" Sie huschte, tänzelte zu ihm und reichte ihm den Sack mit dem Geld. Ihre jungen Augen sah zu Seras. Sie merkte, wie das Kind die Nase rümpfte und dann lächelte.

„Ein Mann, der kam zu uns. Er aß und trunk. Er erzählte uns seine Geschichte von seiner Pein und höhnte auf die Welt herum.

Doch kaum einer aus unserer Familie, nur wir, scherte sich drum.

Er belohnte uns fürstlich, schenkte uns das Kostbarste, er lachte dann aber über uns und meinte, gesegnet seit ihr, denn nun tragt ihr, die selbe Pein.

Leben auf ewig leben und niemals Ruh'n. So wie einst Fürsten soll es uns ergehen, sterben sollen unsere Liebsten und sterben sollt das eigen Fleisch und Blut. Und was tun wir? Wir wagen es nicht einmal selbst uns zu töten. Und nun warten wir, bis es irgendjemand tut." Sie griff den Beutel und huschte hinter den Karren. Seras sah ihr verwirrt nach. Sie blickte zu Michael, der verlegen lächelte.

„Sie ist etwas, anders..." Das sah man. Sie sprach fast singerisch und reimte unbedacht. Sie wirkte so verzweifelt und hasste die Welt. „Jetzt wisst ihr, worum es ging." Seras blickte ihm nochmals deutlich in die Augen. Erst jetzt erkannte sie eine Spur rot.

„Euer Schicksal?"

„Ich glaube, ihr tragt dieselbe Pein, zu wandern. Niemals zu Ruhen. Alleine und für immer einsam." Sie senkte ihren Kopf. Für immer einsam? Sie war schon immer einsam.

„Vielleicht." Er lächelte und legte eine Hand auf ihre Schulter.

„Darf ich euch zu einem Trunk einladen? Kein Blut, Wein." Sie zuckte und lachte verlegen. Sie kannte ihn doch bisher nur kurz und sollte mit ihm gehen.

„Naja.. ich wollte Heim."

„Heim ist überall für uns." Seras seufzte. Es wäre nichts dabei. Sie hatte nichts zu Hause. Nichts außer einem Arschloch und eine nervende Chefin. Sie seufzte.

„Okay." Auch wenn sie Integra weniger gerne mit Alucard alleine ließ, wollte sie nicht unbedingt zu ihm zurück. Was wäre schon bei einem Gläschen Wein dabei? Er deutete höflich zu einem Wohnwagen. Sie ging voraus und ließ sich in sein Reich führen.

Michael war schon seltsam. Er erzählte ohne Wiederworte einfach alles, was ihn betraf. Er meckerte nicht, wenn sie sich doof anstellte, nein er fand es amüsant und er drängte sie nicht. Keines Wegs. Er behandelte sie einfach, wie sie es sich immer wünschte. Sie genoss die Stunden, bei dem sie mit ihm ein Schluck Wein trank und lachten. Er berichtete alles aus der Welt und was er in seinen Jahrhunderten alles erlebte. Wie sie sich anpassen mussten und was für ein Leben sie nun führten. Er ließ nichts aus. Sie war so dankbar, dass er sie nicht zu dem selben Zwang. Er gab sich mit dem Wenigen zufrieden. Es war schon entspannend, wenn man jemanden zum reden hatte.

Sie wollte auch fast nicht gehen, als die Sonne nahe dem Horizont aufkam. Sie wollte hier bleiben, hier wo es ihr gut ging und nicht wieder zum schwarzen Nichts zurück. Doch sie musste. Michael drängte sie nicht. Er machte ihr die Zeit sehr gemütlich, dass sie diese auch vergaß.

„Ich muss.", meinte sie lächelnd. Er seufzte und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht, als sie sich in dem Kissenmeer leicht bewegte. Sie warne im Wohnwagen. Alles war verhüllt und warm dekoriert. Das Kissenmeer einfach gemütlich und es roch sehr nach ihm. Sie kicherte und entzog sich ihm.

„Was wird dies?" Sie wusste, was die werden sollte. Sie hoffte dem ist so und dann wieder nicht.

„Was meinst du, was es werden sollte?" Sie richtete sich auf und seufzte lautstark. Er sah, wie sie sich durch ihr Haar fuhr, nach der Jacke griff und aufstand.

„Küsse mich lieber nicht." Seras lächelte und zog sich die Jacke an. Michael kroch zu ihr und griff nach ihrer Hand. Sie spürte, wie er ihr einen Kuss drauf gab.

„So, was passiert nun?" Sie sah nur ein unverschämtes Lächeln und die braunen kurzen Haare. Er hatte seine Kontaktlinsen herausgenommen und das rot strahlte sie an. Er war damals ein Mann Anfang 20 und muskulös gebaut. Sie schmachtete bei seinem Anblick. „Oder sollte ich dich dort nicht küssen?" Er gab ihr einen auf die Innenseite des Armes und wanderte hoch. „Oder hier nicht?" Sie sah, wie er hochwanderte und mit dem Lippen knapp über ihre Jacke wanderte bis hin zu ihrem Hals. Sie spürte seinen Atem, als er sie ansah. „Oder hier nicht?" Er legte seine Lippen sanft auf ihre und hielt ihr Gesicht fest. Seras keuchte, als er sie küsste und konnte nicht leugnen es erwidert zu haben. Er schmeckte sehr gut. Er hatte diesen verführerischen Duft an sich, der in seinem Kuss überging. Er war köstlich, doch nicht so köstlich wie jemand anderes. Sofort entfernte sie sich und schüttelte ihren Kopf.

„Nein, tue das lieber nicht." Er blickte sie verwirrt an. „Es würde nicht gut enden." Michael lächelte schnell, stand auf und ging zu ihr.

„Wieso nicht?" Sie sah herab und drehte sich um. Er sah sie langsam gehen.

„Weil ich noch nicht einmal frei bin." Traurig sprach sie diese Worte aus. Sie wusste, sie gehörte noch ihrem Meister und sie wusste, er war noch nicht einmal längst mit ihr fertig. Deswegen hatte sie Angst davor, einfach nur noch eine Hülle zu sein. Michael sah ihr nach, wie sie aus dem Wagen steig und in den Morgen verschwand. Sie löste sich auf. Er seufzte deprimiert auf und schloss die Tür.

„Ach, Seras."

„Sie sollte dir nicht Leid tun. Du solltest dir Leid tun!" Gabriel saß auf den Berg Kissen und starrte ihn frustriert an. Er lächelte zu ihr, nahm die benutzte Gläser und stellte sie in das Waschbecken.

„Hast du Durst?" Sie schnaufte auf.

„Verdammt, wann kannst du es endlich lassen mit Frauen zu verkehren, die weit mehr als Vergeben sind? Sie gehört nicht dir! Sie gehört einem Vampir und wenn ich unser Glück einschätzt, wird er mächtig sein! Wieso also spielst du mit dem Feuer?" Michael goss sich Blut ein und trank ein Schluck. Er lächelte verliebt.

„Ist sie nicht bezaubernd?" Das Mädchen knurrte und schrie frustriert auf. Sie schlug auf ein Kissen ein.

„Sie ist gewiss auch Anhang der Gesellschaft und du weißt, für sie sind wir Sabbat! Verdammt, du bringst uns noch alle ins Grab!"

Schnell war er bei ihr und lehnte sich über sie. Gabriel rückte nach hinten und stockte den Atem.

„Ist... es nicht das... was wir uns.. so sehr.. wünschen, G-a-b-r-i-e-l?" Er richtete sich auf und drehte sich einmal, als er das Glas erneut ansetzte und trank. „Sie ist so schön."

Seras kam gerade noch rechtzeitig an. Die Sonne stand schon fast zu hoch. Das kam davon, wenn sie so trödelte. Doch es zählte, dass sie da war. Sie war in dem Anwesen. Sie blickte zur Treppe und ging langsam hinauf. Integra war sicher schon längst wach. Vielleicht darf sie wieder durchmachen und sie den gesamten Tag begleiten. Es wäre eine willkommene Abwechslung und Ablenkung. Doch dem war wohl nicht. Es war hier sehr ruhig. Kaum einer regte sich. War sie etwa schon aus?

Das Mädchen ging weiter zu ihrem Reich. Sie wollte sich im Sarg gemütlich machen und ruhen. Der nächste Abend wird anstrengender genug sein. Denn da hätte sie frei. Vielleicht könnte sie ihre Zeit in der Stadt vertrödeln und vielleicht würde sie Michael wieder über den Weg laufen. Sie musste schon sagen. Er hatte sie beeindruckt. Sie genoss den Kuss, aber wollte es nicht vertiefen, da es sich doch nur um Trost gehandelt hatte. Doch er war dennoch ein fantastischer Mann.

Seras öffnete die Tür zu ihrem Zimmer und blickte auf den Tisch. Dort stand eine Vase mit einer Rose. Wer gab ihr die Rose?

„Öhm..." Sie ging um den Tisch herum. Alucard würde ihr solch eine Aufmerksamkeit nicht geben, nicht nach gestern Nacht und Sasha hätte keinen Grund, wie auch Integra nicht. Vielleicht hatte sich das gute Stück verlaufen?

Was für ein dummer Gedanke. Eine Rose, welche läuft.

Es wäre auch egal, sie wollte im Moment nur schlafen.

„Seras!" Die Blonde zuckte und drehte sich um. Sasha kam herein und grinste breit. Sie sah nun ganz anders aus. Langes Haar bis zu der Brust mit einer Feder verflochten und einem dunkelroten, aufvolumierten Zopf hinten. Sie hatte einfach einen BH und ein dünnes, weißes Hemd an und die Jeans.

„Ähm..." Sasha kam herein und griff ihre Hand.

„Komm mit!" Sie konnte nicht anders. Das Ding zog sie mit in den Flur, tief hinein in die Kellergewölben, tief in sein Reich.

„Ich will dort aber nicht hin." Der Protest verschalte. Es schien ihr egal zu sein. Sie zog sie weiter mit sich. Es ging immer tiefer, bis sie an einem Zimmer hielten, an dem Seras nie wieder hingehen wollte. Es war sein Refugium, dort wo es geschah.

„Wir heiteren dich jetzt auf.", flüsterte sie und holte einen Stift hervor. Verwundert blickte die Blonde darauf. Doch Sasha grinste und drückte die Tür leise auf. Man konnte ihn sehen. Er lag auf dem Sofa und schlief, so schien es. Ein Buch auf der Brust, Kerzen um ihn herum an und ein Bein lag herunter. Er hatte den Mund leicht geöffnet, wie auch seinen Mantel ausgezogen, den Hut und die Sonnenbrille abgesetzt. Er wirkte so harmlos und unschuldig. Doch dies war er nicht. Er war fies, das wusste sie.

„Was hast du vor?" Das Mädchen grinste breiter.

„Umstyling aller Pummeluff!", kicherte sie und zog die Kappe des Edings ab.

„Pummel-was?" Sasha sah sie an.

„Kennst du kein Pokemon?" Seras schüttelte ihren Kopf. „Naja ist auch egal. Der Eding ist Wasserfest und wir werden ihn nun verschönern!" Sie deutete auf Alucard, der weiter schlief. Die Blonde schüttelte ihren Kopf.

„Nein, mache du. Ich habe keinen Bedarf auf Kinderdingen." Die Vampirin grinste.

„Gut, dann mache ich es." Sie schlich hinein. Seras sah, wie sie sich über ihn beugte und ansetzen wollte. Irgendwie wusste sie, dass es nicht funktionierte. Es war, als würde sie es wissen, was mit ihm immer war. Wie eine seltsame, finstere, undurchdringbare Verbindung, die über beide herrschte,

Er schlug die Augen auf, grinste und stieß sie gegen die nächste Wand. Sasha keuchte und rutschte mit dem Rücken herab. Sie landete auf den Kopf und blinzelte zu ihm, als der Stift fiel.

„Manno!" Alucard richtete sich auf und ließ das Buch fallen. Er sah zu dem Mädchen und schnaufte.

„Ich bin wohl eingeschlafen.", kommentierte er es gelassen und strich sich durch sein Haar. Die kleine Vampirin huschte durch die Wand und kam richtig herum wieder hervor. Sie knurrte und rieb sich den Kopf. Schnell nahm sie den Stift und ging zur Tür.

„Woher hast du dies gewusst?" Er lächelte lasch. Er schien sie wieder nicht mit zu bekommen, denn anstatt aus zu rasten oder frech zu antworten, wandte er sich mit dem Kopf zu Seras. Sie sah, wie verschlafen er wirkte und doch waren seine Reflexe so munter. Er schmunzelte matt.

„Wo warst du?" Sie schnaufte und drehte sich ab.

„Gute Ruhe." Dann ging sie den Flur zurück. Sie hatte keinen Bedarf sich zu erklären. Stehen lassen wäre die beste Variante. Sie könnte sich später damit auseinander setzen, aber nicht jetzt.

Sie hörte Sasha laut schreien. Sicher wollte sie eine Antwort.

„Hört auf mich anzuschreien!" Er brüllte genauso.

„Dann ignoriere mich nicht!" Sie musste schmunzeln. Soll er mit dem Kind glücklich werden. Vielleicht wird sie dann endlich bald frei sein. Eilig bog sie zu ihrem Zimmer ein. Sie schloss die Tür und seufzte erfreut auf. Jetzt noch in den Sarg und dann alles vergessen. Dieses verdammte Gefühl vergessen.

Man hörte nur noch Holz schließen.