Verlieben für Anfänger 14

Am 25. Juli waren sie zwar immer noch etwas müde, dafür aber bester Stimmung, gut erholt und braungebrannt – relativ gesehen, versteht sich – nach Hogwarts zurückgekehrt.

Dort verbrachten sie zwei anstrengende Wochen damit, die mitgebrachten oder inzwischen aus den Depots per Eulen eingetroffenen Zutaten zu sichern oder zu verarbeiten und schließlich alles sorgsam zu katalogisieren.

Wenn er den Wert der gesammelten Waren grob überschlug, kam er auf über 2000 Galleonen. Zog er die Kosten und Aufwendungen ab, blieb immerhin noch ein Reingewinn von über 1.500 Galleonen. Ein echter Erfolg und ein kleines Vermögen.

Zudem war die Qualität der Waren erstklassig, dank Hermines ausgeklügelter Logistik und ihren innovativen und klugen Kühlungs- und Verpackungsmethoden!

Er beschloss, trotz seiner anfänglichen Weigerung ihr irgendein Gehalt zu zahlen, die Hälfte des Gewinns auf ihr Konto bei Gringotts einzuzahlen. Sie hatte es verdient, genau wie das ‚Ohnegleichen', dass er ihr für Planung, Durchführung und Nachbereitung dieser Exkursion in ihr Meisterbuch schrieb.

Sie war ganz außer sich vor Freude, als er es ihr nachlässig in die Hand drückte.

Und in dieser Hochstimmung verabschiedete sie sich dann Ende Juli von ihm in ihre Ferien.

Sie wollte mit ihren Freunden zwei Wochen Urlaub an der Mittelmeerküste machen, in einem kleinen Muggelbungalow, „Harry und Ron halten vom Zelten nicht mehr so viel!" erklärte sie achselzuckend.

„Weicheier!" knurrte er verächtlich.

Sie grinste ihn verschmitzt an „Ich bin am 15. August wieder zurück, bis dahin können Sie sich gründlich von mir erholen, Professor!"

„Das ist auch bitter nötig, Miss Granger, die letzten sieben Monate haben mich um Jahre altern lassen!" schnarrte er abweisend, er wollte ihr nicht zeigen, dass er sie nicht gerne gehen ließ.

„Also Hagrid hat gemeint, dass sie noch nie so gut aussahen wie im Augenblick, Severus, immerhin haben Sie sogar Farbe bekommen!" zwinkerte sie ihn lachend an.

Da war es schon wieder, dieses drängende Gefühl, sie am liebsten in seine Arme zu ziehen und sie schwindlig küssen zu wollen! Das musste aufhören, zum Donnerwetter und diese pubertären Träume von spärlich bekleideten Meisterschülerinnen, die seit ihrer Rückkehr durch seinen Schlaf wandelten, ebenfalls! Er wusste nur noch nicht genau wie er das bewerkstelligen sollte. Ein Besuch in dem verschwiegenen Etablissement in der namenlosen Gasse wäre ein viel versprechender Anfang.

Er räusperte sich und schaute demonstrativ auf seine Taschenuhr: „Miss Granger, wenn Sie nicht bald aufbrechen, werden ihre furchtbaren Freunde die Gelegenheit nutzen und ohne Sie abreisen und mit meiner Erholung ist es vorbei! Also verschwinden Sie endlich!"

„Sie haben Recht, Severus, ich muss mich beeilen, passen Sie auf sich auf und erholen Sie ich gut!" Sie hatte ihm fröhlich zugewinkt und ihren Rucksack geschultert. Dann war sie um die Ecke gelaufen und für zwei lange Wochen verschwunden.

Da außer Hagrid alle Lehrerinnen und Lehrer in die Ferien verreist waren, hatte er das ganze Schloss für sich alleine. Früher hatte er sich darauf am allermeisten gefreut. In diesem Jahr war es zum ersten Mal anders: Er fühlte sich allein! Und er vermisste sie, das wurde auch nicht besser, je mehr er sich in Dingen vergrub, die ihm bis zum 2. Januar noch Freude und Entspannung gebracht hatten.

Der einzige Lichtblick waren ihre regelmäßigen Postkarten und die sporadischen Briefe, in denen sie ihm neue Trankideen beschrieb oder von einigen Urlaubserlebnissen berichtete.

Apropos alleine! Wo blieb sie nur? Jetzt war sie schon über eine Stunde weg. Anscheinend war doch mehr zu Bruch gegangen als erwartet.

Seufzend erhob er sich, sorgte mit einem Schlenker seines Zauberstabes dafür, dass die Couch wieder auf normale Maße schrumpfte und streckte die langen Glieder. Entweder ging er jetzt zu Bett oder er setzte doch noch die Tränke für die Krankenstation an, diese Warterei machte ihn nur kribbelig.

Er entschied sich für die Tränke. Wenn Hermine jetzt heim kommen würde, wäre sie eh zu müde für wilde Orgien, das könnten sie vielleicht morgen früh erneut auf den Plan setzen.

Schnell und zügig ging ihm die Arbeit von der Hand, es waren ja auch keine komplizierten Rezepte, sondern recht einfache Heiltränke gegen Erkältungen und zur Stärkung der Abwehrkräfte.

Fast war er mit dem ersten fertig, da hörte er sie heimkommen. Gleich darauf ging auch schon seine Labortür auf und Hermine stand mit finsterstem Gesichtsausdruck im Rahmen.

„Es ist nicht zu fassen!", polterte sie sogleich, „wie kann ein einzelner Mensch nur so viel Unheil anrichten und dabei so unglaublich gut gelaunt sein?"

„Schick ihn bei mir vorbei, seine Laune haben wir schnell im Griff!" grinste Severus, sie sah so unglaublich sexy aus, wenn sie wütend war.

„Zwei meiner Explorationstränke sind ruiniert, das ganze Zutatenregal liegt in Schutt und Asche und ich weiß nicht, wie lange es dauern wird, bis ich all die verstreuten Unterlagen wieder geordnet und sortiert habe!", sie schnaubte wütend, „Erinnere mich bitte daran, dass ich ihn umbringe, wenn er es in den nächsten Wochen nicht alleine schafft!"

„Ich werde es notieren!" versprach er.

„Weißt Du, was er zu all dem gesagt hat?", natürlich wusste er es nicht, war wahrscheinlich auch nur eine rein rhetorische Frage, „Er meinte, er wäre doch positiv überrascht, dass die Explosionskraft nur so schwach gewesen wäre! Unglaublich!", sie ließ sich kopfschüttelnd auf den Laborstuhl fallen.

„Hat er denn mit einer Explosion gerechnet?" wollte Severus überrascht wissen.

„Ja, daher ist ihm auch nichts passiert, er hat nur dummerweise die falsche Explosionsrichtung berechnet!", sie raufte sich die Haare.

„Schlecht für Dein Labor!" fasste Severus die Informationen zusammen.

„Verdammt schlecht!", stimmte Hermine düster zu, „aber ich werde Vorkehrungen für die Zukunft treffen, darauf kannst Du Dich verlassen. Ich habe bereits mit dem Dekan gesprochen, er bekommt andere Räume!"

„Am sichersten wären welche auf dem Mond"

„Nein, am sichersten wären welche auf dem Pluto!", erboste sie sich.

Er musste lachen, „Dann benötigte er aber ca. 2 Monate für den Weg zur Arbeit.

„Und wo ist da bitte das Problem?", auch um Hermines Mund zupfte ein kleines Lächeln. Dann fiel ihr Blick auf die Uhr an der Wand, deren Zeiger kurz vor Mitternacht zeigten und sie seufzte wieder.

„Ich muss morgen noch mal hin und den Rest aufräumen, heute Abend konnte ich nur das Gröbste erledigen und alles andere mit einem Stasiszauber belegen." Sie rieb sich die Augen.

„Dann nimm jetzt ein Bad und geh zu Bett", riet er ihr.

„Und was ist mit unserer Orgie?" fragte sie etwas enttäuscht, konnte aber ein Gähnen nur schlecht unterdrücken.

Um seinen Mund spielte ein diabolisches Grinsen, „Wer sagt Dir denn, dass ich nicht meine Orgie schon hatte?"

Ihre Augenbrauen zogen sich amüsiert in die Höhe, „Vielleicht mein weiblicher Instinkt oder Dein hungriger Blick?" schlug sie schmunzelnd vor, stand auf und schlenderte zu ihm herüber. Bei ihm angekommen schaute sie kurz in seinen Kessel und meinte dann verführerisch: „Wenn Du heute schon Poppys Hausaufgaben erledigt hast, dann hättest Du morgen früh ja Zeit für anderes."

„Gut möglich, dass ich Dich noch unterbringen kann!"

„So, so, unterbringen?" feixte Hermine und zog ihre Augenbraue noch ein Stückchen mehr nach oben, „mal sehen, wer hier wen unterbringt!"

Ganz dicht stand sie jetzt vor ihm und drückte ihren wundervollen Körper an ihn heran. Leider hatte er seine Hände nicht frei um sie wild in seine Arme zu reißen, diese glitschigen Sibirischen Springforellen neigten dazu ihrem Namen alle Ehre zu machen, aber um sich zu ihr herunterzubeugen und sie leidenschaftlich zu küssen, dafür braucht er ja nur seinen Mund und seine Zunge und seine Zähne.

Zudem hatte sie ja ihre Hände frei und konnte ihre Arme um seinen Nacken schlingen und die Finger in seinem Haar vergraben. Hm, wie er das liebte.

Nur sehr widerwillig löste sie sich von ihm, als sie bemerkten, dass der Inhalt seines zweiten Kesseln zu kochen anfing, denn jetzt mussten bald die Fische hinein.

„Ich sehe, ich sollte Dich besser nicht weiter ablenken, sonst werden heute noch mehr Tränke ruiniert!" stellte sie lächelnd fest, küsste ihn noch mal kurz und verschwand, um sich ein Bad zu gönnen.

Es war wirklich besser, dass sie gegangen war, denn lange hätte er sich nicht mehr beherrschen können und dann wären ihm die Tränke vollkommen egal gewesen.

Gegen 1:00 Uhr war er dann fertig und löschte die Lichter in ihrer Wohnung. Nach einer kurzen Dusche schlüpfte er zu ihr ins Bett, natürlich schlief sie bereits tief und fest, so blieb ihm nichts weiter übrig, als sich genüsslich an ihren Rücken zu schmiegen und seinen rechten Arm um sie zu legen.

So richtig müde war er aber noch nicht, wahrscheinlich hatte er zu lange auf der Couch herumgelegen.

Auch war er mit seiner Frage ja ebenfalls noch nicht zu einem befriedigenden Ergebnis gelangt.

Es stimmte zwar, dass er sich im Laufe des Sommers in seine Meisterschülerin verliebt hatte, aber sich dessen bewusst gewesen? Nein, das war er sich eher nicht – oder wollte es sich jedenfalls nicht sein.

Als sie endlich wiederkam, strahlend und das Gesicht voller winziger Sommersprossen, war er einfach nur froh gewesen, was sie natürlich unter keinen Umstände merken durfte, daher war seine Reaktion auch beherrscht und möglichst kühl.

„Ach, Miss Granger, da sind Sie ja schon wieder, sind diese zwei Wochen denn schon um oder hatten ihre Freunde schon genug von Ihnen?"

„Ich freue mich auch Sie zu sehen, Severus!", lachte sie ihn an, ohne auf seine Provokationen einzugehen, „Was haben Sie in der Zwischenzeit gemacht? Gibt es etwas Neues? Haben Sie meine Briefe bekommen?"

„Geht Sie nichts an, Nein, Ja!" beantwortete er ihre Fragen knapp und versuchte nicht in ihre Augen zu schauen, denn das Glitzern darin war einfach zu wundervoll.

„Sehr gut!", wischte sie seine Grobheit kurzerhand fröhlich vom Tisch, „Ich hatte tolle Ferien, es war überhaupt der beste Sommer meines Lebens! Aber ich bin auch sehr froh wieder hier zu sein! Ich habe Ihnen übrigens etwas mitgebracht, hoffentlich gefällt es Ihnen!" aufgeregt kramte sie in ihrer Tasche und fischte ein großes Paket heraus. Mit leuchtenden Augen hielt sie es ihm entgegen.

Er überlegte kurz, ob er seine Unhöflichkeiten weiter fortsetzen und das Paket ungeöffnet auf seinen Schreibtisch deponieren sollte. Aber ihr erwartungsvoller Blick ließ ein solch rüdes Verhalten einfach nicht zu. Daher nahm er ihr missmutig das Paket aus der Hand und wickelte es zügig aus der Verpackung.

„Ich habe es in einer Buchhandlung in Rom gefunden und musste es einfach kaufen", erklärte sie begeistert.

Als er es vom Papier befreit hatte, musste er einige Male blinzeln, es handelte sich um einen Fotobildband über heilige Orte und Berge unterschiedlicher Völker und Religionen.

„Er ist auf Seite 99", half Hermine ungeduldig.

Tatsächlich zeigten die Seiten 99 bis 101 wundervolle großformatige Aufnahmen der Heiligen Berge in den Anden und eben auch des Berges in Patagonien, den sie besucht hatten. Er musste sich auf das Sofa setzen. Andächtig blätterte er Seite um Seite um und las die kurzen Kommentare. Dabei entwich ihm ein Schnauben, der Autor stufte diesen Berg als unbedeutend ein, was für ein Ignorant!

„Es ist ein Muggelbuch, Severus, er konnte gar nicht das sehen, was Sie und ich gesehen haben!" erklärte Hermine, die seine Gedanken erraten konnte.

„Der Horeb ist übrigens auf Seite 45!" warf Hermine leise ein. Sie hatte sich zu ihm gesetzt, schaute mit ihm die beeindruckenden Bilder und zwischendurch beobachtete sie immer wieder ihren Professor sehr genau.

Alles in Allem fesselte ihn das Buch trotz einiger eklatanter Fehler, fast den gesamten Nachmittag. Längst hatte er vergessen sich kühl und reserviert ihr gegenüber zu zeigen, er hatte sogar Tee und Gebäck bestellt.

„Im nächsten Jahr nehme ich auch eine Kamera mit!" beschloss Hermine, als er bedauernd feststellte, dass kein Bild von einem anderen Ort zu finden war, wo sie gewesen waren.

„Eine weitere Exkursion steht aber nicht auf ihrem Meisterplan", gab er zu bedenken.

„Egal, wenn Sie wollen, machen wir es im nächsten Jahr noch mal, mir sind da schon einige lohnenswerte Verbesserungen eingefallen, die ich natürlich noch gründlich recherchieren muss, versteht sich."

„Verbesserungen?", echote er ungläubig, „ich habe Ihnen ein ‚Ohnegleichen' gegeben, wenn es noch Verbesserungen gibt, sollte ich diese Note in ein ‚Erwartungen übertroffen' revidieren."

„Nein, nein", wiegelte sie schnell ab, „keine richtigen Verbesserungen, nur Erleichterungen vielleicht."

„Hm, Erleichterungen wären nicht schlecht, vor allem für die letzte Etappe der Tour."

„Gut, dann ist es beschlossen, im nächsten Jahr ziehen wir wieder durch die Welt!" freute sie sich und erhob sich um endlich ihre Sachen auszupacken.

Sie war schon fast aus dem Zimmer, da hielt er sie zurück, „Hermine?"

„Ja, Sir?"

„Danke!"

„Gern geschehen!" strahlte sie.

Bei Merlin war er froh, dass sie wieder da war!