Kapitel 14
Ewiger Bund
"Wenn ich das richtig sehe, wird die Party uns drei Tage lang auf Trapp halten. Was ist nur aus dem kleinen Zusammentreffen am vierten Juli geworden?" Jack sah von dem Notizblock in seiner Hand auf, auf dem er sich Notizen über Gäste und andere Pläne machte. Die Party war gerade noch zehn Tage entfernt.
„Wie meinst du das?", fragte Ennis.
„Der vierte Juli ist ein Dienstag, dass heißt, dass wir höllisch viel Arbeit haben.", erklärte Jack. „Alle Gäste von außerhalb kommen zum Wochenende. Wir müssen tagelang ziemlich viele Leute versorgen."
Ennis setzte sich neben Jack auf die Couch und sah über dessen Schulter auf das Blatt. „Wer kommt denn früher?"
Jack wies mit seinem Stift auf die Namensliste. „Junior und ihre Familie brechen morgens früh auf und verlassen Laramie am Samstag. Sie denken, dass sie die Fahrt in einem Tag schaffen."
Ennis schüttelte den Kopf. „Das ist eine verdammt lange Strecke, wenn man drei kleine Kinder im Auto hat…"
Jack nickte. „Ja, sie sagte, wenn es zu viel wird, dann übernachten sie irgendwo, aber sie versuchen, in einem Tag hier zu sein." Er sah wieder auf seinen Zettel. „Weiter… Jenny... sie und Kelly fliegen nach Denver und mieten sich ein Auto."
„Denver? Warum zum Teufel denn das? Sie sollten besser nach Lubbock fliegen, dass weiß Jenny doch."
„Sie sagte, sie möchte einen direkten Flug, ohne umsteigen zu müssen. Außerdem wollen sie Evan die Rocky Mountains zeigen."
„Das Kind ist drei Jahre alt, verdammt!", rief Ennis aus. „Er wird sich nicht an die Rocky Mountains erinnern."
Jack lachte. „Wie auch immer. Es ist ihr Trip, wenn sie von Denver aus herfahren wollen, sollen sie es von mir aus tun."
Ennis stimmte in sein Lachen ein. „Na gut. Wer noch?"
"Also, Lureen fliegt nach Dallas und fährt von dort. Wir werden nicht viel von ihr sehen. Sie verbringt das Wochenende bei Bobby und den Enkeln."
„Warum kommt sie überhaupt? Wird ihr Mann auch hier sein?"
"Nein, das brachte sie ja überhaupt erst auf die Idee, herzukommen. Allan ist das ganze Feiertagswochende auf Fortbildung in einer Tierarztpraxis in Corpus Christi. Lureen vermutet, dass er die ganze Zeit arbeiten muss, eine gute Ausrede, damit sie fortfahren kann." Jack besah sich wieder seine Liste. „Und dann deine Schwester..."
"Haben wir von ihr gehört?"
Jack nickte. „Ja, sie rief heute früh an. Du warst gerade auf einem Ausritt im State Park."
„Oh. Was hat sie gesagt?"
„Sie wollen Casper am Samstag verlassen, irgendwo übernachten und dann irgendwann am späten Sonntag hier sein. Sie fragte, ob sie hier bleiben können."
„Wie meinst du das?"
„Naja, anstatt auf einem Campingplatz zu bleiben. Sie fragte, ob sie den RV nicht hier parken können. Wasser und Strom könnten sie von der Scheune bekommen."
„Und du hast gesagt…?"
„Ich sagte, dass das wohl in Ordnung ginge, aber dass ich das erst noch mit dir besprechen will."
Ennis nickte. „Geht wohl in Ordnung." Er hielt inne und fuhr dann fort. "Hat sie was über meinen Bruder gesagt?"
Jack nickte. "Ja, er überlegt, ob er mitkommt. Sie hat ihm die Sache erklärt, erläutert, was du gesagt hast. Er hat drüber nachgedacht und glaubt, dass er sich benehmen kann."
„Ich will nicht, dass er sich nur „benimmt", Jack. Das ist unser Zuhause und er muss das respektieren."
„Weiß ich, Ennis, weiß ich. Wenn man deiner Schwester so zuhört, hat man das Gefühl, dass sie sehr gut weiß, was du gesagt hast und sie hat es deinem Bruder sehr klar gemacht."
Ennis runzelte die Stirn aber er sagte nichts mehr.
Jack sah auf seinen Notizblatt herab. „Tom Lawrence kann nicht kommen, er hat ein Familienpicknick."
„Hm, das ist echt schade. Ich hatte gehofft, ihn wieder zu sehen, es ist schon lange her…"
„Jap, ich auch." Jack wies wieder auf den Block. "Hat Billy mit dir über seine Pläne gesprochen? Was ist mit seinem Freund… ähm Scott oder? Kommt er mit?"
Ennis schüttelte den Kopf. "Nein, Billy hat nichts mehr gesagt, seitdem er mich gefragt hat, ob er ihn mitbringen kann."
„Ist auch egal. Eine Person mehr oder weniger, das macht keinen großen Unterschied. Außerdem bleiben sie nicht über Nacht."
Ennis zwinkerte Jack zu. „Naja, zumindest nicht hier. Wer weiß, was Billy so plant."
„Du meinst, seinen Freund zu verführen?"
„Vielleicht.", lachte Ennis. „So wie du mich verführt hast…" Er beugte sich herüber und zog Jack an sich. Dann küsste er ihn hinter sein Ohr.
Jack lehnte sich in die Umarmung und fuhr mit den Lippen Ennis' Wange hinab. „Ich hab dich verführt…?" Ihre Lippen fanden sich und verschluckten Jacks Worte. Einen langen, leidenschaftlichen Moment lang küssten sie sich, dann lösten sie sich voneinander und sahen sich an.
Ennis lockerte seine Umarmung etwas und Jack schaffte es, seinen Notizblock zwischen ihnen heraus zu ziehen. Er musterte ihn wieder.
„Du denkst noch immer an die Party?", fragte Ennis und nahm Jack den Block aus der Hand. „Nach solch einem Kuss?"
Jack grinste ihn an. „Schätze, ich kann mit der Partyplanung bis Morgen warten. Aber Ennis, ich hab da noch was, über das wir reden müssen.", sagte er. „Und es ist was Ernstes."
Ennis lehnte sich zurück und sah besorgt aus. „So richtig schlimm ernst?"
Jack schüttelte den Kopf und stand auf. „Nein, nichts Schlimmes." Er ging zum Schreibtisch herüber, zog eine Schublade auf und holte etwas Kleines heraus. Dann kam er zur Couch zurück und setzte sich neben Ennis. „Als du angefangen hast, darüber zu reden, dass wir für dreißig Jahre was Besonderes machen sollten – eine neue Erinnerung – naja, da hatte ich dieselbe Idee."
Er hob eine Hand und Ennis sah, dass er eine schwarze Seidenschatulle festhielt. „Was ist das?"
Jack reichte sie ihm. „Mach schon. Du kannst sie öffnen."
Ennis klappte den Deckel auf. Darin lagen zwei identische Silberringe, die in den schwarzen, seidenen Untergrund eingebettet waren. Er sah zu Jack auf und hatte einen verwirrten Ausdruck in den Augen.
Jack lächelte ihm zu. „Du hast von Nippelringen geredet, aber ich dachte an andere Ringe… die eher traditionelle Variante."
Ennis fuhr mit einem Finger über einen der Ringe in der Schatulle. „Die sehen aus, wie die Ringe, die wir haben... nur… sie sind anders."
„Sie wurden von derselben Person geschmiedet."
„Von Sarah?"
Jack nickte.
„Sie verkauft immer noch auf Jahrmärkten?"
Jack schüttelte den Kopf. „Nein, sie hat jetzt ihr eigenes Geschäft. Und eine Website. So hab ich sie auch ausfindig gemacht. Aber sie ist noch immer in Albuquerque." Jack nahm Ennis die Schatulle ab und besah sich die Ringe. „Diese Machart nennt man „Ewiger Bund". Sarah sagt, dass man sie als Hochzeitsringe nimmt, oder als Ringe für Jubiläen."
Ennis nickte, während er noch immer die Ringe betrachtete. „Und wie heißen noch mal unsere…?" Seine Stimme wurde leiser.
„Lovers Braid – Zopf der Liebenden.", erwiderte Jack. „Sarah macht die immer noch, es sind ihre Bestseller."
Ennis bewegte den Ring an seinem Finger, während er ihn ansah. „Er hat sich gut gehalten für einen 25 Dollar Ring vom Jahrmarkt."
„Ja stimmt. Und du kannst Gift darauf nehmen, dass ihre Ringe jetzt einen Haufen mehr kosten.", fügte er lachend hinzu.
Ennis musterte Jack. „Also wo ist denn jetzt der ernste Teil? Zwei Ringe zu kaufen ist doch keine große Sache."
Jack holte tief Luft. „Naja, ich hatte gehofft… oder mich eher gefragt... ob wir auf der Party nicht eine kleine Zeremonie haben könnten. Etwas, wo wir gegenseitig unsere Ringe austauschen…"
Ennis sah auf seine Hände hinab und drehte den Ring, den er trug um seinen rechten Ringfinger. Er dachte eine Weile nach, dann sah er auf. „Das glaube ich nicht, Jack.", sagte er sanft.
"Du glaubst nicht, dass du den Ring tragen kannst, oder dass du die Zeremonie haben willst?"
„Dass ich die Zeremonie haben will. Du kennst mich, Jack, ich bin eher ein privater Mensch."
„Weiß ich, Ennis, ich dachte nur… mit der Familie hier wäre es vielleicht okay für dich." Seine Stimme war eine Mischung aus Hoffnung und Enttäuschung.
Ennis sah auf und blickte Jack fest in die Augen. „Ich hätte es vielleicht getan, wenn nur die Kinder hier wären. Aber mit Cecilia und KE und Lureen… ich weiß nicht… es ist was anderes. Ich weiß nicht, ob ich vor allen stehen und ein Gelöbnis mit dir ablegen könnte."
Jack nickte und klappte die Schatulle zu. „Schon okay, Ennis, das verstehe ich."
Ennis griff nach Jacks Hand und nahm ihm die Box ab. „Jack… ich will diesen Ring tragen. Er ist wunderschön. Und du weißt, dass ich für dreißig Jahre etwas machen wollte. Ich fühle mich nur nicht wohl, wenn ich vor einem Haufen von Leuten stehen soll… du kennst mich doch."
„Ja. Und es ist okay. Mach dir keine Sorgen. Ich bin dir nicht böse oder so…"
Ennis öffnete die Schatulle wieder und nahm einen der Ringe hinaus. „Woher wusstest du meine Größe?"
„Ich hab geraten. Wir haben dieselbe Hosengröße, da dachte ich, dass wir auch dieselbe Ringgröße haben."
Ennis lachte leise, dann steckte er den Ring an seinen linken Ringfinger. „Sieht aus, als hättest du richtig geraten.", sagte er, dann nahm er den Ring wieder ab und legte ihn in die Schatulle zurück. „Deiner passt bestimmt."
"Ja, ich hab ihn anprobiert, als sie gekommen sind."
Ennis betrachtete erst Jack und dann die Schatulle in seiner Hand. „Warte kurz.", sagte er und stand auf. Er durchquerte das Wohnzimmer und nahm ein kleines, schwarzes Buch aus dem Bücherregal. Jack sah ihm verwirrt zu. Ennis blätterte durch die Seiten, dann nickte er. Er kam zur Couch zurück und setzte sich, das Buch legte er neben sich.
Jack blickte auf das Buch und erkannte, dass es sich um Ennis' Gebetbuch handelte, welches seine Schwester ihm geschenkt hatte, als er Alma heiratete. Oben auf der aufgeschlagenen Seite stand: „Sakrament der Ehe".
Ennis öffnete die Schatulle und nahm einen der Ringe hinaus, dann hob er Jacks linke Hand. Er grinste, als er den Ring an Jacks Ringfinger steckte. „Ich, Ennis, nehme dich, Jack, zu meinem Ehemann, ich werde dich lieben und ehren, in guten wie in schlechten Zeiten.", er hielt inne und warf einen kurzen Blick auf das Buch neben sich, dann schaute er, immer noch grinsend, wieder Jack an. „Bis dass der Tod und scheidet…" Er hielt Jacks Hand noch eine Weile fest und betrachtete den Ring, dann sah er auf.
Jack drehte den Ring an seinem Finger und sah Ennis an. „Du hast mich noch nie deinen Ehemann genannt.", sagte er sanft.
„Und ich werde wahrscheinlich auch nicht damit anfangen, es in die Welt hinaus zu posaunen.", erwiderte Ennis. „Aber das bist du nun mal… so denke ich von dir."
Jack lächelte ihm zu, dann schaute er auf das Gebetbuch. „Jetzt bin ich wohl dran.", sagte er, nahm den Ring und Ennis' linke Hand. „Ich, Jack, nehme dich, Ennis, zu meinem Ehemann, ich werde dich lieben und ehren, in guten wie in schlechten Zeiten, bis dass der Tod uns scheidet."
Der Ring rutschte an die Wurzel von Ennis' Ringfinger. Es sah so passend aus, als habe er ihn schon immer getragen. Seine Augen richteten sich auf Jack. „Krieg ich auch einen Hochzeitskuss?"
"Sicher.", sagte Jack und erneut trafen sich ihre Lippen für einen langen, leidenschaftlichen Kuss. Ihre Zungen spielten miteinander.
Sie lösten sich voneinander, ein wenig atemlos, und sahen einander fest in die Augen. Dann griff Jack nach dem Gebetbuch. Er wollte es schließen und zum Regal zurückbringen, als das Deckblatt aufschlug und ein Packen Postkarten heraus fiel. „Oh.", sagte Jack. „Ich hab vergessen, dass die hier drin sind." Er schaute sie durch und las kurz die Nachrichten, dann nahm er eine mit einem Bild des Signal Mountain in die Hand. „Das war die erste.", sagte er mit leiser Stimme.
Ennis nickte und sagte, ohne die Karte überhaupt anzusehen. „Freund, dieser Brief ist lange fällig. Ich komme am 24…."
Jack sah zu ihm auf. „Am 24.? Am 24. Juni? Das ist ja heute!"
Ennis nickte. "Weiß ich. Ich bin der Sentimentale, erinnerst du dich?"
Jack sah überrascht aus. „Heute haben wir uns wiedergesehen…"
Ennis nickte erneut. "Jap, ich hab mich daran erinnert. Ich hab mich auch erinnert, dass die Postkarten in meinem Gebetbuch waren. Deswegen dachte ich, dass heute wohl ein guter Tag zum Heiraten wäre… oder zum erneuten Heiraten, wenn es das war, was wir getan haben. Und indem wir das Buch benutzten, hatten wir auch diesmal die rechten Worte."
„Oh, Ennis…", sagte Jack sanft und fühlte sich plötzlich von seinen Gefühlen übermannt.
„Ist es okay für dich, was ich getan hab?"
„Es war perfekt. Besser als am vierten Juli, besser als vor der ganzen Familie." Jack griff nach Ennis' Hand und legte sie in seine eigene.
„Ich liebe dich, Cowboy.", sagte Ennis mit ruhiger Stimme.
„Ich liebe dich auch.", sagte Jack, hielt Ennis' Hände beide fest und rieb mit seinen Daumen über die zwei Ringe, die er nun trug und die identisch mit Jacks waren.
Eine Weile saßen sie so da, redeten nicht, küssten sich nicht, kosteten nur den Moment aus. Schließlich stand Ennis auf. Er nahm das Gebetbuch und brachte es an seinen Platz im Bücherregal zurück, dann kam er wieder und zog Jack auf die Füße. „Eine gute Sache an einer Hochzeit am Abend ist, dass man nicht solange auf die Hochzeitsnacht warten muss."
Jack grinste, als Ennis mit seinem Daumen seinen Wangenknochen hinab fuhr, bis zu seinem Kiefer. „Und hast du da was Besonderes im Sinn?", fragte er.
„Ich dachte mir, ich könnte dich ja fesseln oder dir die Augen verbinden… das hab ich lange nicht getan."
Jack fühlte ein erotisches Ziehen in seinen Lenden. „Behandelt man so etwa seinen Ehemann?"
„Sicher… du bist da nicht zimperlich, ich weiß, du magst es, wenn ich dich besinnungslos ficke." Er hielt inne und rieb mit seiner Hand über den rauen Denimstoff von Jacks Jeans. Er konnte seine Erregung spüren. „Ich dachte, dir würde die Idee gefallen, oder hast du was Anderes vor?"
„Naja, ich dachte, wir könnten den Jacuzzi füllen, ein paar Kerzen anzünden und Champagner trinken…" Seine Hand legte sich auf Ennis' Rücken, dann strich sie hinab und blieb auf seinem Hintern liegen.
„Hm.", sagte Ennis. „Du bist wohl auf dem Romantiktrip."
Jack nickte. "Jap, und nach der Romantiksache, dann darfst du mich fesseln."
Ennis zwinkerte. „Jack Mistkerl Twist, das hört sich an, als hätten wir eine anstrengende Nacht vor uns. Ich denke, wir sollten aufhören zu reden."
„Und mit dem Ficken anfangen. Lass mich nur schnell das Licht ausmachen."
„Und ich hol den Champagner.", sagte Ennis und ging in die Küche. Er kam in das Wohnzimmer zurück und sah, dass Jack noch immer dort stand. Der Raum war dunkel und er sah Jack im Schatten. „Alles klar, Babe?", fragte Ennis.
„Mir geht's gut.", sagte Jack. „Ich warte nur auf dich."
Ennis ging hinüber und zog ihn erneut an sich. „Mein Ehemann.", sagte er sanft.
„Mein Liebling.", sagte Jack. „Lass uns nach oben gehen."
