14. Kapitel

Am nächsten Morgen herrschte in der Küche am Grimmauldplatz 12 schon früh heftige Betriebsamkeit. Harry, Hermine und Ron dekorierten den Raum mit Luftschlangen, Luftballons und Girlanden für Ginnys 17. Geburtstag. Hermine zauberte einen gewaltigen „Happy Birthday"- Schriftzug, der über dem weiß gedeckten Eßtisch flatterte.
Gerade rechtzeitig wurden sie mit der Verschönerung des Raumes fertig, als Ginny auch schon in der Tür stand.
Ihre Freunde brachten ihr ein Geburtstagsständchen, daß Kreacher mit seiner tiefen, rauhen Stimme unterstützte. Dann fielen ihr die drei um den Hals, um sie zu drücken, zu küssen und zu gratulieren.

„Hier ist mein Geschenk", drängelte Ron sich vor.
Erstaunt zog Ginny eine Augenbraue hoch, als sie das säuberlich eingewickelte Päckchen in der Hand hielt.
„Danke", sagte sie, während sie das Papier aufriß und ein Buch zum Vorschein kam.
„Schönheitszauberein für die moderne Hexe", las sie den Titel vor.
„Nicht, daß du es wirklich nötig hättest, bei den vielen Verehrern die so um dich herumgeschwirrt sind", erklärte ihr Bruder, wieder einmal völlig taktlos.
„Naja, für später kann ich es vielleicht mal brauchen. Wenn ich mal älter bin oder so", erwiderte Ginny höflich und bekam auch schon Hermines Geschenk in die Hand gedrückt.

Es war in eine kleine Schachtel verpackt, die das Geburtstags"kind" auf dem Tisch abstellen mußte, damit es den Deckel öffnen konnte. Zum Vorschein kam ein seidenes Halstuch in leuchtenden Farben und dazu passende Haarkämme.
„Danke, Hermine", sagte Ginny schon sichtlich angetaner von dieser Gabe und sie nahm das Tuch heraus, um es sich umzulegen.
„Hilf mir mal mit der Torte", bat Hermine und zog Ron, der eben sagte:"Und was ist mit Harrys Geschenk?", mit in die Speisekammer.

Ginny und Harry waren nun allein und ein wenig verlegen lächelnd zog Harry ein kleines Kästchen aus der Jeans. Er hatte etwas Problem es aus der engen Hosentasche zu ziehen und scherzte: „Mir schaden Kreachers Kochkünste wohl auch schon."
Ginny lächelte darüber und hielt im nächsten Augenblick den Atem an, als Harry das kleine Kästchen aus „Walburgas Magische Juwelierschmiede" aufschnappen ließ. In einem eleganten, roten Samtpolster steckte ein blitzender Goldreif, der mit einem einzigen, zierlichen, in Herzform gearbeiteten Smaragd besetzt war.

„Oh, Harry, der ist wirklich wunderschön", hauchte die rothaarige Hexe ergriffen über dieses Geschenk.
„Ich hatte gehofft du würdest ihn als Zeichen unserer Liebe und eines Versprechens tragen", erklärte er mit etwas rauher Stimme.
„Ein Versprechen?" fragte Ginny, mit einem ahnungsvollen Lächeln.
„Ja. Das Versprechen meine Frau zu werden."
Sie fiel Harry um den Hals und flüsterte, mit Tränen in den Augen: „Natürlich werde ich deine Frau."

Sie blieben einige Augenblicke in enger Umarmung stehen, dann küßte Harry ihr eine einzelne Träne weg, die ihr über die Wange gekullert war und nahm ihre Hand. Der Ring paßte wie angegossen. Ginny wunderte sich nicht darüber, denn ihr war nun klar geworden, warum Hermine ihr am Vortag unbedingt einen ihrer Ringe als Glücksbringer für den Termin im Zaubereiministeriums hatte ausleihen wollen.

„Das war das schönste Geburtstagsgeschenk, das ich je bekommen habe oder werde", sagte Ginny.
Dann wurde die rührselige Stimmung unterbrochen. Und das konnte niemand so gut wie Ron, der mit den Worten: „Verstehe echt nicht, warum wir zu zweit eine Torte tragen müssen!" um die Ecke bog.
„Das war schon nötig, Mr. Weasley", widersprach Kreacher, der aufgeregt neben ihm herhüpfte. „Schließlich soll mein Geschenk für Miss Weasley in einem Stück auf den Tisch kommen."
Und dort kam das Meisterwerk auf seiner Silberplatte nun auch hin. Der Hauself hatte sich selbst übertroffen. Eine G- förmige Buttercremetorte mit Veilchencremefüllung, Rosenblütendekor und siebzehn brennenden Kerzen raubte der nun Volljährigen zum zweiten Mal an diesem Morgen den Atem.

Als Ginny die Überraschung verdaut hatte, beugte sie sich zu Kreacher hinunter, umarmte ihn und dankte ihm mit einem Kuß auf die faltige Wange. Ganz verlegen stellte der Hauself einen Fuß auf den anderen und wäre sicherlich knallrot geworden, wenn der Hauselfspezies den das Gen dazu gegeben gewesen wäre.
„Komm puste die Kerzen aus und wünsch dir was. Ich habe Hunger", knurrte Ron, der die ganze Rührseligkeit bald nicht mehr ertrug.
„Das geht nicht", antwortete Ginny zum Erstaunen der Anwesenden.
„Wieso nicht?" fragte Ron.
„Ich weiß nicht, was ich mir wünschen soll", erklärte sie und schmiegte sich in Harrys Arme.
„Was soll den das nun wieder bedeuten?" stöhnte ihr Bruder.

„Das bedeutet, daß sich mein größter Wunsch heute schon so gut wie erfüllt hat!"
„Du sprichst in Rätseln", sagte Ron und schaute Hermine hilfesuchend an.
„Das bedeutet, daß Harry sie gefragt hat, ob er dich Trottel zum Schwager bekommen kann", konnte es Hermine sich nicht verkneifen ihn aufzuziehen.
„Häh?" hörte man Ron nun vollends verdutzt.

Als Antwort hielt ihm Ginny die frisch beringte Hand entgegen und nun fiel endlich der Groschen.
„Darüber hättest du echt schon eher mal ein Wort verlauten lassen können", tadelte Ron seinen Freund.
„Ich glaube nicht, daß wir dafür dein Einverständnis brauchen", trotzte die rothaarige Hexe.
„Meinen Segen habt ihr, wenn du nur endlich den Kuchen anschneidest", verkündete der Zauberer und setzte sich demonstrativ an den Tisch.

An diesen trat Ginny, schloß kurz die Augen, wie es Tradition bei Geburtstagswünschen war, und blies die Kerzen aus. Harry reichte ihr das Messer, Hermine einen Teller und so konnte Ginny das erste Stück ihres Kuchens servieren.
„Das ist für Kreacher", bestimmte sie und der Hauself bedankte sich artig und verzog sich an sein Tischende. Ron bekam das zweite Stück, das sie sehr großzügig bemessen hatte. Dann wurden Hermines, Harrys und ihr Teller bestückt und dann nahm man schwatzend das Frühstück ein.

Nachdem alle soviel Geburtstagskuchen gegessen hatten wie es nur ging, beschloss man sich für die Feier umzuziehen.
„Besser ist das!" stellte Ron mit einem Blick auf die Uhr fest. „Das wird wieder Stunden dauern und Mum reißt uns den Kopf ab, wenn wir nicht pünktlich sind."
Dafür erntete er von den beiden Mädchen im Vorübergehen leichte Hiebe und von Harry die Bemerkung: „Ich glaube nicht, daß dein Buch solche Komplimente empfiehlt."
Kreacher, der Ginnys Einladung sie zum Fest zu begleiten, dankend abgelehnt hatte, zog sich in seine Kammer zurück, wo er den Tag im Zwiegespräch mit Mrs. Black und den Hauselfenköpfen zu gedenken verbrachte.

Harry und Ron gingen ins untere Badezimmer, das obere belegten die Mädchen, um sich zu rasieren und frisch zu machen.
„Was ziehst du an?" fragte Ron auf dem Weg nach oben.
„Ich dachte solche Gespräche führen nur Mädchen", hörte man Hermine kichernd.
Harry zuckte ratlos die Schultern und meinte: „Ich schau einfach mal durch, was ich finde."
Die Jungs trennten sich im Dachgeschoss und trafen eine Viertelstunde später im Hausflur wieder zusammen. Sie trugen beide Jeans und T- Shirts, die etwas geknittert aussahen.

„Ich glaube Kreacher hätte sich denen vorher mal annehmen sollen", fand Ron nach einem kritischen Blick auf ihr Outfit.
„Oder ihr hättet die Sachen etwas ordentlicher in den Schrank gelegt", erscholl über ihnen eine tadelnde Stimme.
Es war Hermine, die vom oberen Treppenabsatz ihr Gespräch gehört hatte. Die Jungen bekamen tellergroße Augen, als sie ihre Freundin erblickten. Sie trug ein geblümtes Sommerkleid, eine weiße Strickjacke über dem Arm und die Haare zu einem eleganten Knoten geschlungen, wie man ihn zuletzt zum Weihnachtsball anläßlich des Trimagischen Turniers in Hogwarts an ihr gesehen hatte.

„Wie hast du das nur so schnell hinbekommen?" staunte Ron.
„Schönheitszauberein für moderne Hexen, dirigere cappillis", erklärte die Stimme seiner Schwester, die nun neben Hermine trat.
Harry bekam einen dicken Kloß im Hals, als er sie in dem hellgrauen, mit schwarzen Stickereien verzierten Kleid (muß hier mal zum 7. Harry Potter- Film schwenken) sah, das sie zur Hochzeit von Fleur und Bill im vergangenen August getragen hatte. Dazu hatte sie ihre Haare mit den Kämmen, die Hermine ihr geschenkt hatte, aufgesteckt und über dem Arm lag der smaragdfarbene Festumhang, den sie drei Tage zuvor von Harry bekommen hatte.

„In dem Buch stand dieser kinderleichte Haarglättezauber", ergänzte Hermine und die jungen Damen stiegen die Treppen herunter.
„Ihr seht echt umwerfend aus", posaunte Ron.
„Kannst du mir nicht mal den Vortritt für solche Komplimente lassen", flüsterte Harry ihm zu, krampfhaft bemüht sich nun ein anderes einfallen zu lassen.
„Ihr seid wahre Augenweiden!" fiel ihm nur ein, aber die beiden bedankten sich für diese etwas plump klingende Artigkeit genauso herzlich wie für Rons Schmeichelei.
Hermine hakte sich bei Ron ein und Ginny bei Harry.

„Dann laßt uns gehen", meinte Hermine und Ron wollte Richtung Küche starten.
„Wenn du glaubst in unserer feinen Aufmachung reisen wir mit Flohpulver und lassen uns rußig machen, hast du dich geirrt", hielt seine Freundin ihn zurück.
„Wir apperieren", verkündete Ginny mit einem fröhlichen Lachen in der Stimme.
„Aber du hast noch immer keine Prüfung, auch wenn du ab heute offiziell zaubern darfst", erinnerte sie Ron.
„Ich habe ja Harry!" sagte sie und lächelte diesen an.
„Genau!" Und schon waren die beiden zum Fuchsbau verschwunden.

Hermine nahm Ron bei der Hand und sie disapperierten den beiden nach.