Entschuldigung. Ich weiß, es ist verdammt lange her... daher ohne Worte jetzt das Kapitel.
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19. März 2003 – die Nacht VOR der Hochzeit
„Neeeeeein!"
Der markerschütternde Schrei hallte durch die langen Flure Malfoy Manors. Selbst bis in den fernsten Winkel hörten die Poltergeister den Schreck und suhlten sich in ihrer Schadenfreude.
Draco Malfoy jedoch saß mit einem Mal senkrecht im Bett. Der mit einem ohnehin leichten Schlaf geplagte Mann hatte sich heute noch mehr in den Schlaf quälen müssen, angesichts des morgigen Tages.
Daran konnte auch das wider seinen Erwartungen friedlich verlaufene Saufgelage mit Potter, Longbottom, Crabbe und Goyle nichts ändern. Es kam lediglich ein leicht benebelter Zustand hinzu und die Erkenntnis, dass sie alle verdammt erwachsen geworden waren, über ihre Schulzeit lästern konnten und – obwohl es komisch war – sie sich nicht gleich an die Gurgel gingen. Ausnahmen bestätigten natürlich die Regel.
Der erbärmliche Weasley wollte selbstverständlich nicht an dieser elitären Runde teilnehmen. Der zerfloss lieber in Selbstmitleid wegen der Hochzeit seiner besten Freundin. Ein guter Grund mehr für Draco, Hermine morgen zu heiraten!
Verstört blickte sich der Bräutigam in seinem Zimmer um und fragte sich, welcher Alptraum ihn gerade heimgesucht hatte. Wenige Sekunden später fokussierte er seinen Blick auf seine Frau, die in ihrem weißen Morgenmantel eingewickelt, mitten im Raum stand. Draco rieb sich die Augen und fragte sich, was Hermine da gerade mitten in der Nacht herum werkelte, als der Morgenmantel verrutschte.
Sein Blick fiel auf ihre schlanken Schenkel und Draco musste unwillkürlich schlucken. Er merkte, wie ihm prompt das Blut zwischen die Beine schoss und er verfluchte seine männliche Schwäche.
Seit dieser Geschichte im Krankenhaus hätte er sich am liebsten selbst weggesperrt. Und obwohl er glaubte, dass das Hermine nur recht sein konnte, hoffte er insgeheim, dass ihre Eifersucht und ihr Trotz im Krankenhaus nicht gespielt waren. Wenn sie beide doch nicht immer so stur wären und Hermine mal vernünftig mit sich reden ließe! Und ganz ungern gab er zu: Hoffentlich behielt Ginny Weasley mit ihren Worten recht.
Seitdem die Familien wieder auf Malfoy Manor eingekehrt waren und sämtliche Hochzeitsgäste mit dazu, teilten sich Draco und Hermine erneut sein Zimmer. Seltsamerweise störte ihn das nicht im Geringsten. Endlich konnte er wieder Hermine beim Einschlafen beobachten, was jeden Abend – bis auf heute - auf die gleiche Weise ablief:
Sie saßen beide artig nebeneinander auf der Couch vor dem Kamin, und jeder las sein Buch. Dann fiel Hermine irgendwann das Buch fast aus der Hand, weil sie einnickte, und dann wurde sie vor Schreck wieder wach. Sie las dann immer weiter, als ob nichts gewesen wäre, nur um kurze Zeit später wieder einzuschlafen und das Buch fallen zu lassen. Er legte meistens nach ein paar Minuten auch sein Buch aus der Hand und trug Hermine ins Bett.
Diese paar Schritte, die er sie auf Händen trug waren in der letzten Woche das Highlight seines Tages geworden. Er genoss ihren Körper an seiner Brust, in seinen Armen und den Duft, der von der schlafenden Hermine ausging. Er deckte sie immer mit ihrer Decke zu und begab sich dann brav auf seine Seite des Bettes. Dann seufzte er, weil es ihm mittlerweile wirklich schwer fiel, sie nicht einfach in den Arm zu ziehen und so mit ihr einzuschlafen.
Doch Hermine blieb eisern auf ihrer Seite liegen, rückte des Nachts, wenn sie kurz aufwachte, dicht an die Bettkante und sprach am nächsten Morgen keinen Ton über die Art und Weise, wie sie ins Bett gekommen war. Er wettete, dass sie glaubte, er würde sie mit einem Levicorpus hinüber schaffen. Vielleicht weil sie ihm auch nichts anderes zutraute. Und wieder musste er seufzen.
Dank den Gästen hatte er seit etwa einer Woche wieder die Möglichkeit erhalten, Hermine voll und ganz zu erleben. Die Zeit, in der sie jeder getrennt in dem großen Manor lebten, war wieder einmal vorbei. Und wenn Draco ganz ehrlich war, dann wünschte er sich mittlerweile, dass keiner der Gäste nach der Hochzeit je wieder abreiste. Würde Hermine zurück in den Westflügel ziehen… er wüsste wirklich nicht, was er tun sollte. Er –
„Nein…", wimmerte Hermine schließlich und fing fürchterlich an zu schluchzen.
Die Realität traf Draco wie ein Schlag und schon stand er neben seiner zitternden Frau. „Meine Frau!", hallte es in seinem Kopf wieder.
„Was ist passiert?"
Hermine schaute ihn mit bösem Blick an und ohne Grund fühlte er sich bereits wieder schuldig.
„Du bist schuld!", rief sie ihm auch schon entgegen und Draco seufzte. Er seufzte viel zu viel in letzter Zeit. Was war er nur für ein Weichei geworden.
„Was habe ich denn nun schon wieder getan?", murmelte er müde und wünschte sich, einfach im Bett geblieben zu sein. Leider war er ja aufgestanden. Verliebter Trottel!
„DU hast Archimedes dazu angestiftet mein schönes Brautkleid zu zerfetzen!"
„Bitte was?"
Er traute seinen Ohren kaum. Beschuldigte sie ihn etwa gerade, diesen Welpen dazu angestiftet zu haben, ein äußerst teures Brautkleid zu zerfetzen?
„Du wolltest doch von Anfang an, dass ich dieses Familienkleid trage!"
Nun gut, er wurde wohl zu Recht beschuldigt. Aber er hatte wirklich nichts damit zu tun! Draco musste seine Gedanken erst einmal sammeln, bevor er diesen Vorwurf überhaupt nachvollziehen konnte.
„Hermine, ich schwöre dir!", er reckte die drei Finger beschwörend nach oben, „ich hab nichts damit zu tun! Archimedes ist noch ein verspielter Welpe, der macht halt gerne unbeaufsichtigte Dinge kaputt… denk doch an die Bibliothek oder die Küche!"
„Teppiche, Bücher und Vorräte waren das, aber nicht mein Brautkleid!", Hermine kreischte schon fast. „Nicht so laut", flehte er innerlich, sonst hatte er gleich Potter und Co. an der Backe!
Draco wagte es, einen kurzen Blick auf den Kleidersack zu werfen, in dem das Brautkleid lag. Oder eher das, was davon übrig war.
Ein zweieinhalb Monate altes Chaflyra saß zufrieden zwischen den weißen Stoffstreifen, die es mit seinen kleinen spitzen Milchzähnen aus dem Saum gelöst hatte. Mehrere Perlen und Kristallsteine lagen auf dem Boden zerstreut und Draco war sich sicher, dass Archimedes demnächst ein höchst glänzendes Geschäft machen würde.
Dieser gurrte zufrieden und schaute erwartungsvoll seine Zieheltern an. Vorsichtig rasselte Archimedes mit seiner Schwanzspitze, langsam fing er an zu ahnen, dass er wohl etwas falsch gemacht hatte.
„Du hast ein „Ohnegleichen" in Zauberkunst", fing Draco zögernd an, „da solltest du das Kleid doch wieder modelliert bekommen?"
Stumm schaute Hermine ihn an. Die Augen mit Tränen gefüllt. Draco spürte förmlich wie sie immer und immer wieder das Wort „CHEATER" in seinem Gesicht las. Longbottom musste wegen des Pantaleonischen Eids Merlin sei Dank seinen Mund halten und so konnte er der Hochzeitsgesellschaft, allen voran Hermines Eltern, die Geschichte auftischen, er hätte beim „Zauberer-ärgere-dich-nicht" geschummelt und somit diesen lustigen Fluch angehext bekommen. Der ginge bis zur Trauung auch wieder weg!
„Darum geht es nicht, Draco", seufzte Hermine. „Ich habe einfach keine Lust mehr auf diesen ganzen Ärger."
Mit diesen Worten zog sie ihren Morgenmantel fester an sich und verließ ihr - nein - sein Gemach. Draco verstand gar nichts mehr. Er war drauf und dran ihr hinter her zu laufen, er musste unbedingt mit Hermine reden! Ihr sagen, was er wirklich empfand. Ein für allemal klare Verhältnisse schaffen! Welcher Moment war geeigneter, als kurz vor der Hochzeit?
Entschlossen lief er los. Er brauchte dringend Rat und am besten einen Drink dazu. Er musste sofort mit Ginny Weasley sprechen!
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12. März 2003
„Das ist jetzt nicht dein Ernst?"
Entgeistert starrte Hermine Malfoy ihren Ehemann an. Ihr Augenlid fing nervös an zu zucken. Schützend presste sie den mannsgroßen, strahlendweißen Kleiderbeutel an ihre Brust und schluckte schwer. Ihre erste Brautjungfer Ginny Weasley legte ihr beschwichtigend die Hand auf die Schulter.
„Mein voller Ernst.", erwiderte Draco Malfoy und versuchte den eiskalten Blicken seiner Frau und deren Freundin Stand zu halten.
In Anbetracht der Tatsache, dass er seit annähernd zwei Wochen mit einem verunstalteten Gesicht herum lief und die kirchliche Trauung immer näher rückte – gar nicht so einfach!
„Und das fällt dir jetzt erst ein, Malfoy?", schoss die Weasley auch schon ihr Feuer auf ihn ab. Er hatte ja so was von verloren.
Seit knapp einer Woche hatte sie Malfoy Manor wieder in Beschlag genommen und organisierte nach striktem Plan die bevorstehende Hochzeit. Als ob er sich da großartig Gedanken machen musste?
„Warum hackt ihr denn schon wieder auf mir rum?"
Er hatte einfach keinen Bock mehr. Seit dem Unglück im Krankenhaus war seine Frau mit Vorsicht zu genießen. Nicht, dass er so oder so schon mit einem entstellten Gesicht herum laufen musste und sämtliche Geschäftstermine bis auf weiteres verschieben musste, NEIN! Vor einer Woche war sein größter Alptraum zurückgekehrt. Die Brautjungfer seiner Frau. Er hasste Ginny Weasley.
„Du kannst doch von Hermine nicht verlangen, ein geschätzt tausend Jahre altes Brautkleid zu tragen!"
Vor allen Dingen nicht jetzt, wo sie anscheinend schon ein brandneues Hochzeitskleid erworben hatte! Er spürte ihren vorwurfsvollen Blick wie Zauberstabstiche in seiner Magengegend. Verdammtes Gewissen!
„Es ist das Familienkleid der Malfoys, und, so wie der Ring auch, mit dem puren Glück gesegnet!", rechtfertigte sich Draco, „Ich wollte doch nur… ACH LASSEN WIR DEN QUATSCH!"
Wütend machte er auf dem Absatz kehrt und ging mit schnellen Schritten die Stufen zu seinem Arbeitszimmer hinauf. Er hatte wirklich besseres zu tun, als sich mit den zwei Hexen zu streiten. Die würden ihn eh nie verstehen. Vor allen Dingen Hermine nicht.
Als ob er das alles mit Absicht tun würde! Ihr antun würde…
„Hey!"
Der rote Teufel war ihm in sein Arbeitszimmer gefolgt und lehnte lässig im Türrahmen, den mit Pergamenten zu Bersten gefüllten Planungsordner für die Hochzeitsfeier im Arm und die Flotteschreibfeder neben ihr auf und ab tänzelnd. Draco schnaubte und setzte sich an seinen Schreibtisch.
„Was willst du? Ohne mich lässt sich die Hochzeit von Hermine und – hoppla! – MIR, doch viel einfacher planen!"
Er beugte sich in seinem Stuhl nach vorne und schaute Ginny provokant an. Neben ihr kritzelte die Feder irgendeinen Mumpitz auf ein Notizpergament.
„Dann kann ich nämlich eine Sache weniger verkehrt machen!", ätzte er noch los und versuchte dem Blick der Rothaarigen standzuhalten. Ging nicht.
Er raufte sich mit einem Mal verzweifelt den Haarschopf und presste den Kiefer mächtig zusammen. Er schluckte. Verdammte Scheiße.
„Sag mal, Draco", flüsterte Ginny und schloss die Tür hinter sich, „was redest du denn da auf einmal?"
Skeptisch beäugte sie Dracos Gesicht, auf welchem sich immer noch in unveränderter Weise das fette „CHEATER" zeigte.
„Du hast nun Mal Mist gebaut, und jetzt musst du da auch durch!"
„Weißt du was, Weasley?", sagte Draco mit matter Stimme. „Ich habe von ihr geträumt."
„Na, das erzählte mir Hermine bereits."
„Nein, du verstehst nicht", flüsterte er und schaute verstohlen zu dem Familienportrait über dem Kamin, nur um sicher zu gehen, dass sein Vater und sein Mutter nicht lauschen konnten. „Ich habe von Hermine geträumt! Und dann war Pansy da und hat mir diesen Traum zerstört…"
Ginny hörte ihm schweigend zu und legte den fetten Ordner auf den Tisch. Die Schreibfeder hielt einen Moment in ihrer Kritzelei inne. Dies schien ein besonderer Moment zu werden. Fast geräuschlos ließ sie sich in den Sessel vor seinem Schreibtisch nieder.
„Hast du es ihr erzählt?"
„Würde das einen Unterschied machen?", antwortete er gequält. „Ich bringe sie dazu mich immer mehr zu verachten."
Draco, wie jämmerlich bist du eigentlich geworden? Seit wann macht dir das was aus?
„Was meinst du damit?", überlegte Ginny und runzelte die Stirn. Draco Malfoy schien wirklich mit seiner Zauberkunst am Ende zu sein.
„Hat sie dir nicht erzählt, was ich alles getan habe, nachdem ihr alle abgereist seid?"
Staunen schwang in seiner Stimme mit und Ginny durchzuckte es unangenehm. Sie warf einen kurzen Blick auf ihre tänzelnde Feder, die sofort ein neues Blatt Pergament bekam und mit den Notizen weiter machte.
„An diesem Tag habe ich zu Hermine gesagt, dass ihr aufpassen müsst.", Ginny wurde immer leiser, das Kratzen der Feder immer lauter.
„Inwiefern?"
„Damit ihr euch nicht tatsächlich ineinander verliebt."
Ginny schwieg einen Moment und konnte förmlich hören, wie Draco die Luft anhielt. Die Feder schrieb weiter und Dracos Nackenhaare stellten sich bei dem schrecklich kratzenden Geräusch auf. Oder lag es am Thema, welches durchaus ernst zu nehmen war, und welches er vor allem mit einer Person besprach, die er absolut nicht ausstehen konnte?
„Ihr hattet euch in die kleine Scharade so gut eingefunden... glaub mir, Draco. Zumindest von Hermines Seite her war es zum Ende hin keine Schauspielerei mehr. Ob ihr das bewusst war, ist eine Geschichte, aber ich habe den Unterschied deutlich gemerkt."
„Du meinst, sie war in mich verliebt?", krächzte Draco und griff nach einer Karaffe Wasser, die auf seinem Schreibtisch stand. Ihm war lieber nach Whiskey zumute als nach Wasser.
„Sie ist es immer noch, du Troll!", zischte Ginny nun und schaute den entgeistert drein blickenden Draco belustigt an. „Was meinst du, warum ihr diese ‚Cheater'-Geschichte so nahe geht? Wenn sie nichts für dich empfinden würde, warum arbeitet sie bis zum Umfallen an der ihr so verhassten Quidditch-Weltmeisterschaft?"
„Sie ist ein Worcaholic.", erklärte Draco diese Tatsache. Nach all dem, was er Hermine angetan hatte, sollte sie nach wie vor in ihn verliebt sein? Das passte doch nicht. Keine klar denkende Frau wie Hermine konnte sich doch in einen so dämlichen Kerl wie ihn verlieben. Trotzdem klammerte sich seine Hoffnung insgeheim an dieser Vorstellung fest.
„Ja, das ohne Zweifel", grinste Ginny, „aber sie wird doch jedes Mal, wenn sie dir ins Gesicht blickt, daran erinnert, was du… nein, was Pansy mit dir getan hat. Und da du ihr ja noch nicht einmal erzählt hast, dass du eigentlich von ihr geträumt hast…"
„…wenn ich ihr das erzählt hätte, hätte sie sich doch nur noch mehr von mir gedemütigt gefühlt!", beendete Draco Ginnys Ausführungen. Er konnte ihren Worten einfach keinen Glauben schenken.
Stumm schauten sich die beiden eine gefühlte Ewigkeit lang an. Draco krampfte innerlich und versuchte unter keinen Umständen den Blickkontakt als erster zu lösen. Doch dann schlug Ginny beide Handflächen auf die Schreibtischplatte, so dass Draco erschrocken zusammen fuhr.
„Mein liebster Feind, du hast in der Tat ein echt beschissenes Problem!", rief die Rothaarige aus und beugte sich ihm über den Planungsordner hinweg zu. „Liebeskummer ist scheiße und ich werde dir helfen!"
„Ich habe keinen Liebeskummer!", grummelte Draco und schaute Ginny mit zusammen gekniffenen Augen an. In Gedanken fügte er noch hinzu: „Und eigentlich will ich auch nicht, dass du mir hilfst!"
„Wie willst du es denn sonst nennen?", flötete sie ihm fröhlich entgegen und schlug den Ordner auf. Die Flotteschreibefeder ließ sofort von dem Notizpergament ab und stürzte sich auf die bereits voll geschriebenen Seiten. Ginny blättert leise vor sich hinsummend im Ordner hin und her.
Dämliche Person, was erfreute die sich eigentlich an seiner Scheißsituation? Er sollte sie eigentlich hochkant aus seinem Haus werfen und Archimedes auf sie abrichten.
Aber leider war der Kleine für so blutrünstige Absichten noch zu jung. Ganz zu schweigen von dem Gezeter seiner Frau, die natürlich edlere Absichten mit dem Geschöpf vorhatte.
„Ich bin dafür, dass ihr euch endlich mal zusammen setzt und über alles redet!"
Klang absolut logisch, aber unmöglich.
„Und was soll ich ihr sagen? Hermine es tut mir leid, dass ich dich mies behandle, aber eigentlich liebe ich dich und weiß nur nicht wie ich mich sonst ausdrücken soll? Pah! Im Leben nicht!"
„Wahre Worte. Ich wette, sie würde annähernd dasselbe zu dir sagen!", grinste Ginny und die Feder machte sich akribisch Notizen in ihrem dicken Ordner. Draco versuchte auszuspähen, was sie da so eifrig niederschrieb, aber die Feder wedelte ihm unanständig mit ihrem Flaum vor der Nase herum. Schnell lehnte er sich zurück, bevor sie mit ihrer tintengetränkten Spitze auf ihn losging. Er war im Gesicht schon genug gezeichnet.
„Mir gefällt nicht, was ich da sehe!", knirschte er und versuchte das flaue Gefühl im Magen zu verscheuchen.
„Gar nichts siehst du!", flötete Ginny und zwinkerte ihm aufmunternd zu. Eben drum! Das konnte nichts Gutes bedeuten! Belebt wirbelte sie vor seinem Schreibtisch umher und tänzelte auf die Tür zu, die Feder immerzu im Schlepptau. Das gefiel ihm ganz und gar nicht!
Mit drei großen Schritten war er bei ihr und packte sie am Arm.
„Ich warne dich, Weasley! Egal was du vorhast, lass es lieber bleiben.", knurrte er drohend und erntete nur ein wissendes Lächeln. Grundgütiger.
„Lass gut sein, Draco. Ich brauche mir keine Mühe machen, denn ihr schafft das beide prima alleine!"
Ja, super!
19. März 2003 – die Nacht VOR der Hochzeit
„Hier, trink das."
Ginny Weasley reichte Draco einen Becher entgegen und Draco roch an dem seltsam glitzernden Gebräu, dessen Dampf in spiralförmigen Schwaden empor stieg. Es roch gut. Nein, es roch fantastisch! Seine Nase assoziierte sofort eine frische Sommerwiese, warmen Regen und helle Sonnenstrahlen. Eine sanfte Brise schien ihn zu umwehen und er wollte nichts sehnlicher, als endlich diesen Trank trinken! Eine letzte Quintessenz Vorsicht seines Gespürs hoffte inständig, dass Ginny ihn nun nicht vergiftete. Aber im nächsten Moment war nichts mehr von Vorsicht übrig und so setzte er den Becher an seine Lippen.
Er schmeckte nach frischer Minze, schlug dann in eine aromatische Vanille um, und letztendlich nach frischem Zimtgebäck Auf seiner Zunge fühlte es sich an wie cremige Sahne und im Abgang spürte er nur noch die pure Süße in seinem Mund. Draco war wie benebelt. Seine Atmung wurde langsam und ein tiefes Wohlbefinden breitete sich in ihm aus.
„Geh zu Bett, ihr habt beide einen anstrengenden Tag vor euch", befahl Ginny lächelnd und nahm ihm den Becher aus der Hand. „Um das Kleid kümmere ich mich!"
„Was war das für ein Trank?", fragte Draco und fand, dass seine Stimme auf einmal von sehr weit her kam. Ginny lächelte ihn weiterhin an. Verdammt, er hätte damals besser im Zaubertrankunterricht aufpassen sollen!
„Geh zu Bett!"
Er hörte – warum auch immer – auf die Weasley und trottete zurück in sein Schlafgemach.
Ohne zu überlegen war die Weasley aufgestanden und hatte sich in Bruchstücken von dem Malheur berichten lassen. Hörte ihm zu und sprach ihm Mut zu, mixte ihm einen Cocktail. Wollte dann noch mit Hermine reden gehen, die wahrscheinlich in der Bibliothek ihr Lager aufgeschlagen hatte. Mit Hermine! Seine wunderschöne Hermine.
Draco seufzte theatralisch und schritt zu seinem Bett. Warum war er nur so sentimental? Alles kam ihm auf einmal so wunderbar und schön vor. Das Brautkleid auf dem Boden brauchte sie doch gar nicht. Sie würde sogar in einem Kartoffelsack bezaubernd aussehen.
Berauscht von seinen überschwänglichen Gefühlen legte sich Draco in sein Bett und atmete tief den Duft ein, den sie dort hinterlassen hatte. Vanille und der einzigartige Hermine-Geruch. Wie eine Sommerwiese mit Morgentau. Er verspürte den Drang seiner Frau näher zu sein, als er es je war und als er es sich jemals zu wünschen gedacht hatte. Doch sie war nicht da. Der Schmerz der Erkenntnis durchzuckte ihn hart und er fragte sich zum wiederholten Male, warum in aller Welt seine Emotionen so überschlugen. Das konnte doch nur an dem Cocktail liegen, den die Weasley ihm gemixt hatte? Wieso hatte sie überhaupt derartige Zutaten auf ihrem Zimmer? Und woher –
Es gab keine Zeit für weitere Erklärungen, als Hermine Sekunden später das Schlafgemach betrat und mit warmen Augen zu ihm hinüber blickte.
Sein Herz setzte für einige Sekunden aus, Draco hielt den Atem an. Dann kam sie schnellen Schrittes auf ihn zu gelaufen, er schlug die Bettdecke beiseite, machte ihr Platz, und nahm sie stürmisch in die Arme. Ihre Lippen landeten aufeinander und er konnte sich die plötzliche Intensität nicht erklären. Fakt war jedoch, dass sein Herz befreit Purzelbäume schlug und er sich sicher war, dass es Hermine genauso erging.
Sie umklammerte seine Schultern und er vergrub seine Hände in ihrem vollen Haar. Draco sog den Duft in sich auf und fühlte sich erneut in höhere Sphären versetzt. Elektrisiert standen alle seine feinen Härchen senkrecht auf der Haut, als Hermine mit ihren Fingernägeln seinen Rücken hinunter fuhr.
Aber sie war doch gerade noch so sauer auf ihn gewesen? Ach, was tat das zur Sache. Er merkte, wie dringend es in seinen Lenden pulsierte und wie Hermine schamloser Weise ihr Becken gegen seine Erregung presste.
Irgendetwas war nicht ganz richtig an dieser Sache, doch leider konnte er nicht greifen, was genau das war. Überwältigt von seinen Gefühlen drückte er die junge Frau unter sich in die Kissen und küsste sie fast besinnungslos. Leises Stöhnen und sanfte Seufzer entwichen ihrem Mund und Draco war drauf und dran den Verstand zu verlieren. Das war absolut das Beste, was er je erlebt hatte!
„Ich… ich… ich weiß nicht, aber… ich halte das nicht mehr aus!", ächzte eine sichtlich erregte Hermine und eine Flutwelle des Verlangens durchzog seinen ganzen Körper. Er merkte, wie sich sein Verstand langsam aber sicher in die hinterste Ecke seines Seins verzog, um der Leidenschaft Platz zu machen.
„Pass auf was du sagst!", raunte er an ihrem Ohr und biss ihr zärtlich in das Läppchen. Hermine atmete schwer und legte ihre Hände in seinen Nacken.
„Ich will dich, Draco Malfoy.", sagte sie ernst und blickte in seine glänzenden Augen.
Nach einem tiefen Atemzug versuchte er durch Konzentration seinen rasenden Puls zu beruhigen – natürlich vergebens.
Hermine presste sich an seinen Körper und führte seine freie Hand ihren Körper entlang, bis hin zu einer Stelle von der er noch nicht einmal zu träumen gewagt hatte!
„Und pass erst recht auf, was du tust!", krächzte Draco mit rauer Stimme und zog ihr mit einem Ruck den Slip in die Kniekehlen runter. Er entledigte sich ohne es wirklich wahrzunehmen von seinen Shorts und drückte Hermines Schenkel auseinander. Sie krallte ihre Hand in seinen Oberarm und zog ihn zu sich. Draco positionierte sich vor ihrem Eingang und stieß fordernd in ihre schlüpfrige Höhle.
Ein tiefes Knurren entrang sich Hermines Kehle, als Draco sich zur Hälfte in sie vergrub. Nach ein paar Stößen war seine ganze Länge feucht genug um bis zum Anschlag in diesem wunderbaren Abgrund zu versinken.
„Chrmmm….", machte sie in ihrer Ekstase und Draco war sich sicher, dass es eine ausgiebige Wiederholung der vergangenen Minuten geben würde. Während er nun die letzten Stöße bis zu ihrer beider Erlösung genoss, hörte er von fern ihre Worte klingen: „Oh, Draco, es tut mir alles so leid, ich liebe dich!"
Alles in ihm zuckte zusammen und die Emotionen durchfluteten ihn bis in den letzten Winkel und ehe er in einen tiefen Schlaf sank antwortete er berauscht: „Ich liebe dich doch auch, Hermine."
Ginny Weasley beglückwünschte sich selber.
Beglückwünschte sich zu dem hervorragend gebrauten Amortentia für Draco. Sie wusste, sie hatte das richtige getan, als sie den Trank vorsorglich aufgesetzt hatte.
Beglückwünschte sich zu ihrer Gefährlich-Ehrlich-Schreibfeder und deren wahrhaft ehrliche Notizen auf dem kleinen Stück Pergament. Jenes kleine Stück Pergament, welches sie einer total aufgeregten und nervlich am Ende scheinenden Hermine in die Bibliothek gebracht hatte. Die, nachdem sie die gefährlich ehrlichen Worte gelesen hatte, absolut glücklich und überwältigt zurück zu ihrem Gatten lief. Wie vorausschauend von Ginny, das vor ein paar Tagen geführte Gespräch einfach protokollieren zu lassen.
Das war besser, als damals mit den Mistelzweigen. Glückwunsch!
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Ja. Also die Arbeit an diesem Kapitel war wirklich intensiv. Meine Beta hat sich dermaßen an mir ausgetobt, dass es schon wieder absolut spaßig ist, ihre Randbemerkungen und Korrekturvorschläge zu lesen. Daher habe ich beschlossen, nach Beendigung meiner Geschichte (in ca 2 - 3 Kapiteln) die sogenannten Outtakes zu veröffnetlichen. Die genialsten Kommentare meiner Beta zu den Kapiteln, verworfene Ideen, etc. pp. Das wird ein Spaß!
Jetzt bin ich erstmal im Skiurlaub, danke Beta Janine fürs Kritisieren und Lelli fürs Loben.
Ich hoffe euch gefällt das Kapitel jetzt wie es geworden ist.
Bussi eure Mel
