Auterenanmerkung: 400 Hits! Ich freu mich riesig. Ich wollte gerne die 400 erreichen, bevor ich update, und genau das hat auch geklappt. Außerdem freu ich mich auf den DVD-Genuß des ersten Teils der zweiten Staffel von CSI:NY.
Mein Danke heute geht an alle, die die Geschichte lesen. Ich werte die Schweigsamkeit mal so, dass ihr nichts habt, worüber ihr euch beschweren wollt... oder?
Viel Spaß beim nächsten Kapitel!
Kapitel 13: Bier löst die Zungen
Es dauerte etwas, bis wir zu meiner Wohnung kamen. Und erst als wir die Treppen hoch stiegen fiel mir auf, dass Danny noch nie in meiner Wohnung gewesen war. Er wusste zwar wo ich wohnte, hatte mich schon mal abgeholt, aber in meine Wohnung selber…
… hatte ich bisher nur Stella gelassen.
Aber irgendwas hatte sich in den letzten Wochen sowieso geändert, denn ich wurde insgesamt offener zu meinem Team. Manche berufliche Distanz, die ich immer beibehalten hatte, begann zu bröckeln, und nicht nur Danny gegenüber. Aber Danny drehte sowieso meine ganze Welt immer noch auf den Kopf. Ich fragte mich immer noch, wie ich nur auf die Idee gekommen war ihn auf ein Bier einzuladen.
Ich schloss meine Wohnungstür auf und Danny folgte mir. Nachdem ich das Licht angeschaltet hatte deutete ich auf den Küchentresen. „Setz dich doch."
Schnell hatte ich zwei Flaschen Bier aus dem Kühlschrank geholt. Noch etwas, was es in meiner Wohnung wenigstens gab. Auch wenn ich nicht viel trank, etwas Bier hatte ich meistens im Kühlschrank. Aber es war das erste Mal seit langer Zeit, dass ich mit einem männlichen Arbeitskollegen zusammen ein Bier trank. Danny nahm schweigend den ersten Schluck aus seiner Flasche, nachdem wir ebenso wortlos die Flaschenkörper gegen einander hatten klirren lassen um anzustoßen.
Er saß da an dem Tresen, während ich neben dem Kühlschrank an die Arbeitsplatte gelehnt stand. Es war auf der einen Seite ein angenehmes Schweigen, das zwischen uns herrschte, auf der anderen Seite baute es nur die Spannung noch mehr auf. Meine Gedanken drifteten ab, dahin, dass wir hier alleine waren, dahin, wie kurz die Distanz zu meinem Bett doch nur war.
„Hast du schon mal mit einem Mann geschlafen?" fragte Danny plötzlich und total unvermittelt. Ich verschluckte mich fast an meinem Bier. Was war nur mit meinem jungen Kollegen heute los, dass er mir ständig Sex-Fragen stellte? Erst die Frage im Fahrstuhl, jetzt hier. Ob er wohl was damit mir mitteilen wollte? Und wenn ja, was?
Ich beschloss nicht darüber nachzudenken, sondern einfach offen und ehrlich seine Frage zu beantworten. Ich erinnerte mich wieder an die Unterhaltung mit Stella, wo es genau darum gegangen war: Offenheit und Ehrlichkeit. Ich hatte Danny immer noch nicht gesagt, was ich empfand. Ich hatte Angst ihn damit vielleicht auch zu überfahren. Und mich selber viel zu verletzlich zu machen. Aber seine Frage konnte ich immerhin beantworten.
„Nein."
Ich überlegte, ob ich vielleicht noch was hinzufügen sollte. Danny hatte ja immerhin mir schon gesagt, dass er noch keine Erfahrungen mit einem Mann hatte, zumindest war es das, was ich auch unserem Gespräch im Labor entnommen hatte, nachdem ich das Reagenzglas zerbrochen hatte.
„Praktische Erfahrungen habe ich noch gar keine mit einem Mann…" sagte ich schließlich, gespannt auf seine Reaktion.
„Ich auch nicht." gab Danny schließlich zu.
Oh Gott, wenn was passieren würde, dann wären wir beide komplett unerfahren. Naja, nicht komplett unerfahren, aber auf dem Gebiet unerfahren. Es wäre nicht so, wie zwei Teenager, die zum ersten Mal Sex hätten. Aber wohl so ähnlich.
„Aber ich hätte nichts dagegen es irgendwann zu ändern."
Himmel, zwei Schlücke Bier und ich begann wirklich zu reden. Dannys Blick spiegelte sehr gut die Überraschung wieder, die ich selber empfand.
„Hm, ich auch nicht." sagte er nach einigen Momenten der Stille.
„Mac?" Wir hatten weiter schweigend unser Bier getrunken, wohl beide in unsere Gedanken vertieft. „Gibt es da jemanden?"
Huh? Wie war das denn nun gemeint?
„Bist du gerade verliebt?"
Oh, oh, oh… Gleich würde ich Farbe bekennen müssen. Zumindest würde sich jetzt die beste Möglichkeit bieten, ihm endlich zu sagen, was ich für ihn empfand.
„Ja, das bin ich." antwortete ich, erneut der Ehrlichkeit den Vorzug gebend.
„Er oder sie?"
„Er."
„Muss ein glücklicher Mann sein. Freut mich für dich." Danny lächelte mich an, aber irgendwie lächelten seine Augen nicht mit.
„Danke." antwortete ich.
Wieder verging einige Zeit der Stille bevor ich sagte: „Er weiß nichts von meinen Gefühlen für ihn."
Dannys Kopf schnellte hoch. Das hätte der Moment sein müssen, in dem ich hätte merken sollen, dass er was für mich empfand. Aber ich war zu blind dafür, zu sehr geblendet von meinen Gefühlen für ihn.
„Du solltest es ihm sagen."
Ich stöhnte leicht gequält auf.
„Was?" fragte Danny, mit einem unschuldigen Blick, der so gar nicht zu ihm passte, aber total… süß war. Oh Gott, ich war wirklich sehr in ihn verliebt, wenn ich ihn schon als süß beschrieb.
„Den Satz habe ich in letzter Zeit schon öfters gehört."
„Und wieso hast du ihm dann nichts gesagt?"
Ich zuckte mit den Schultern. „Vermutlich, weil es einfach nicht so einfach ist."
„Wieso?"
Danny sah mich durchdringend an und ich fragte mich, wie lange ich es noch würde zurückhalten könnten, wie lange ich mich noch würde beherrschen können bevor ich herausplatzen würde, dass er es war, in den ich verliebt war. Dass er mein Herz zum Rasen brachte, und dass die Tatsache, dass wir zusammen arbeiteten, mal abgesehen von der Möglichkeit, dass er meine Gefühle vielleicht nicht erwidern würde, mich davor zurückhielt ihm meine Gefühle zu offenbaren.
„Danny, New York ist vielleicht ein recht liberaler Staat, trotzdem bezweifle ich, dass einem jeder um den Hals fällt, wenn man ihm sagt, dass man sich in ihn verliebt hat, vor allem, wenn es jemand vom gleichen Geschlecht ist."
Rettung in letzter Sekunde. Und es war noch nicht mal der schlechteste Punkt gewesen: Homosexualität wurde in vielen Staaten immer noch als Verbrechen angesehen, zumindest, wenn sie praktiziert wurde. Verdammt, ich würde mal das New Yorker Gesetzbuch herauskramen müssen um nachzulesen, ob es in diesem Staat überhaupt legal wäre, wenn ich mit einem Mann schlafen würde. Und dann fiel mir ein, dass der einzige Mann, mit dem ich mir überhaupt so was Intimes vorstellen konnte mir gegenüber saß und vermutlich nicht so für mich empfand, wie ich für ihn, egal was Lindsay Monroe sagte.
Und dabei waren wir beide noch nicht mal schwul. Aber wenn wir intim werden würden, dann wäre es eine schwule Beziehung. Sagte ich schon mal, dass ich das Schubladendenken der Gesellschaft hasste? Wir waren bisexuell, beide. Durch und durch. Claire war eine Frau gewesen. Und was für eine Frau. Und Danny… Der kannte Frauen vermutlich noch besser als ich.
„Hm…" brummelte er zu meiner Aussage.
„Was ist mit dir?" fragte ich schließlich. „Gibt es bei dir jemanden?"
Er sah mich an. Aber ich wurde aus seinem Blick nicht schlau. Schließlich nickte er.
„Freundin?" fragte ich.
Er schüttelte den Kopf.
„Freund?"
Er schüttelte wieder den Kopf.
„Verknallt, verliebt, verkuckt? Männlich oder weiblich?"
Er nickte zu den ersten vier Vermutungen von mir, und verneinte die Frage, ob die Person weiblich war.
„Und, hast du es ihm gesagt?"
Ein erneutes Kopfschütteln.
„Wieso nicht?"
„Zu kompliziert."
Da waren wir wieder. Beide verliebt, und für uns beide war es zu schwierig es demjenigen zu sagen, für den wir was empfanden. Schließlich nahm ich mir ein Herz.
„Ist es Flack?"
Wieder schnellte Dannys Kopf hoch.
„Himmel, Mac, nein!" Er lachte. Und ich stellte nur mal wieder fest, wie sehr ich dieses Lachen liebte. Ich fühlte mich in diesem Moment sehr lebendig, in dem Moment, in dem Danny Messer lachend in meiner Küche saß, und verneinte, in Don Flack verliebt zu sein. Irgendwie war ich erleichtert, dass es nicht Don war.
„Ist er verheiratet?" fragte ich weiter. Irgendwie wollte ich wissen, wer es war, der Dannys Herz dazu brachte, schneller zu schlagen. Und gleichzeitig hatte ich Angst, es herauszufinden. Aber dann war da auch die Hoffnung, dass ich ihn ja vielleicht trösten könnte, wenn es eine Enttäuschung wäre.
„Er war es." antwortete Danny. „Aber ich weiß seit einiger Zeit, dass er auch auf Männer steht."
Meine Augenbrauen wanderten nach oben. Danny hatte sich offensichtlich viel Mühe gemacht um herauszufinden, dass der Mann, in den er verliebt war, auch auf Männer stand. Ich fragte mich, wie er das wohl herausgefunden hatte.
„Ich hoffe, er weiß, was er an dir hat…" sagte ich leise. Es war etwas Bedauern, dass in meiner Stimme mitschwang.
„Keine Ahnung." antwortete Danny. „Weißt du denn, was du an mir hast?"
Kurz war da ein schelmisches Blitzen in seinen Augen, aber schon wurde sein Gesicht ernst. Ich stieß mich von der Arbeitsplatte ab, stellte meine Flasche Bier, die ich erst zu Hälfte geleert hatte, auf den Tresen und ging um den Tresen herum auf Danny zu, bevor ich ihn von dem Hocker in einer Umarmung zog. Eine freundschaftliche Umarmung, wie ich mir versuchte einzureden.
„Natürlich, weiß ich, was ich an dir habe. Du bist einer meiner besten Mitarbeiter und einer meiner engsten Freunde. Auch wenn du mich in den letzten Monaten ziemlich enttäuscht und verletzt hast…"
Das war vielleicht nicht das cleverste, ihm das so zu sagen. Aber es hatte wehgetan, dass er mir nicht so sehr vertraute, als dass er mir alles erzählte. Bei dem Fall mit Sonny Sassone und den Tanglewood Boys, da hatte ich es erst festgestellt: Danny hatte mir nicht erzählt, was er darüber wusste. Ich hatte aus seiner Akte einiges gewusste, aber er selber hatte die Zähne zu dem Thema nie auseinander bekommen.
Und nicht zuletzt war da ja auch noch die Schießerei gewesen, in der U-Bahnstation. Es gab wohl niemanden der froher war als ich, als wir herausfanden, dass Danny Minhas nicht getötet hatte, aber trotzdem… Es hatte mich verletzt, dass er mir nicht einfach vertraut hatte, dass ich mich schon um die Sache kümmern würde.
Während ich ihn so im Arm hielt, etwas, das ich vielleicht schon viel früher hätte tun sollen, und ihm zeigte, dass ich da war, konnte ich ihn wieder riechen, nur diesmal noch viel intensiver als vorhin im Fahrstuhl. Ich schloss meine Augen und atmete seinen Geruch vollkommen ein, hielt seinen warmen Körper eng an meinem, bis ich merkte, dass mein Körper Blut in eine Region pumpte, in die es besser gerade nicht sollte. Ich wollte nicht, dass Danny merkte, dass ich eine Erektion bekam, während ich ihn nur umarmte. Ich hatte Angst, ich würde auffliegen, und dass er herausfinden würde, was ich für ihn empfand, nur um mir dann zu sagen, dass ich mit meinen Gefühlen alleine wäre.
Langsam löste ich die Umarmung.
„Es tut mir leid, Mac."
Da war aufrichtiges Bedauern in seinen Augen.
„Vergiss es, das können wir jetzt eh nicht mehr ändern." sagte ich, und versuchte die Stimmung wieder etwas zu entspannen. Das Problem war: Ich selber konnte mich nicht entspannen. Der enge Körperkontakt hatte mit Danny hatte mich einfach nicht kalt gelassen, so sehr ich es mir vielleicht auch wünschte. Eigentlich wünschte ich mir noch so viel mehr.
„Es ist spät, ich sollte nach Hause." sagte Danny schließlich, und trank den letzten Schluck aus seiner Bierflasche, bevor er sie auf den Tresen neben meine stellte. Ich nickte nur. Es gab nichts, womit ich ihn hätte bei mir behalten können, auch wenn ich es gewollt hätte. Und ich hatte viel zu viel Angst, dass wenn ich ihm sagen würde, was ich empfand, dies unsere gerade wieder stabiler werdende Freundschaft vielleicht für immer zerstören würde.
„Pass auf dich auf." sagte ich zu ihm, bevor ich ihn erneut in eine knappe, wenn auch nicht so enge Umarmung zum Abschied zog.
Im nächsten Kapitel:
Die Crossover-Folge mit CSI:Miami und ihre Folgen: Das Team, eine Flasche Tequila und die Auswirkungen.
