Danke Boomshaker! Ich werd das mit den Linien beibehalten, ich glaub so ists einfach übersichlicher! lg Gaby
14 Muss ich denn sterben um zu leben
Es gab etwas, wovon sein Meister sprach, aber er damals nicht ganz verstand. Jetzt, da er soviel Zeit hatte um darüber nachzudenken, jetzt begann er zu verstehen. Sehr wenig war ihm aus seiner Vergangenheit geblieben. Sein Ring und sein Stab. Dementoren hatten keine Verwendung für irdische Güter. Er überlegte, ob er es ohne Zauberstab überhaupt zustande brachte, aber er hatte keine andere Wahl.
Er war ein geschickter und starker Magier aus einem sehr alten und vor allem reinblütigen Haus. Es musste gelingen. Es war ein Trick mit gezinkten Karten. Ein Trick dessen sich sein ehemaliger Gebieter mehrmals, so hatte es den Anschein, bedient hatte. Für ihn reichte es, wenn er das Kunststück nur ein einziges Mal zustande brachte. Er konzentrierte sich, nahm all seine Wut, all seine Liebe, jeden Funken Gefühl, den er in sich fand, zusammen und hielt dabei seinen Stab eisern umklammert. Bitte funktioniere! Flehte er innerlich.
Aber nichts geschah. Verdammt! Vor Wut schleuderte er den Stab ein Stück von sich fort. Er würde hier nie rauskommen! So nicht. Es war ohne Zauberstab einfach unmöglich. Unmöglich! Höhnte es in seinem Kopf. Du alter Narr! Willst du hier bleiben und auf ihren Kuss warten? Dort draußen ist der Mann der dich hierher gebracht und deine Familie in alle Winde zerstreut hat. Tief atmete er durch, das Gesicht in seinen Händen vergraben. Er könnte es noch einmal probieren, was hatte er schon zu verlieren? Nichts!
Nichts mehr, denn die Bestie die in seinem Haus thronte hatte ihm alles genommen und nichts gelassen. Wütend richtete er sich wieder halb auf und versuchte seinen Stab zu fassen zu kriegen. Es kostete ihn weitere unzählige Minuten und immense Anstrengung ihn zu erreichen und wieder zu sich heranzuziehen. Wieder konzentrierte er sich fieberhaft und wieder scheiterte er. Doch er gab nicht auf. Er versuchte es weiter. Er musste es schaffen, dass war seine einzige Chance.
------------------- ---------------------------- ----------------------------------------
Neville erhob sich beim ersten Morgengrauen. Er hatte einige wichtige Termine im Ministerium, die er wahrnehmen musste und außerdem wollte er heute noch seine Großmutter besuchen. Die alte Dame hatte außer ihm niemanden mehr. Leise zog er die Eingangstür hinter sich ins Schloss, er wollte niemanden wecken. Oh hätte er das nur getan. Er war gerade die Stufen nach unten gelaufen und wollte sich nach links Richtung Ministerium wenden, als er einen spitzen Gegenstand in seinem Rücken spürte.
„Eine falsche Bewegung und du bist tot!" zischte Bartys Stimme hinter seinem Rücken.
„W..w..was willst du von mir?" stotterte Neville überrascht.
„Ich? Ich nichts! Aber mein Gebieter wünscht sich mit dir zu unterhalten!" zischelte Barty und ließ ein kehliges schmutziges Lachen hören.
Ihm gefiel sein eigener Witz. Nun Neville konnte rein gar nichts daran komisch finden, im Gegenteil der Gedanke Voldemort gegenüber stehen zu müssen ließ ihm Schauer der Furcht über den Rücken laufen. Er überlegte wie er aus dieser Situation fliehen konnte als Barty ihm erneut den Zauberstab heftig in den Rücken bohrte.
„Vorwärts!" befahl er grob und zwang Neville sich zu bewegen. Er dirigierte in zu einer geschützten Stelle zwischen den Häusern und ehe Neville noch einmal Luft holen konnte, waren sie auch schon verschwunden.
---------------------------------- ------------------------------- ---------------------------
Hermione erwachte beim ersten Licht des Tages. Irgendetwas war anders, das fühlte sie genau. Sie war anders. Sie hatte sich seit gestern verändert. Eigentlich nur ihre Gefühle. Sie hatte sich in Severus verliebt. Aber wie war das möglich? Sie ließ ihre Zeit hier mit ihm Revue passieren. Seine ständigen schlechten Launen, das herum Gebrülle, seine manchmal groben und kaltschnäuzigen Antworten. In so einen Mann sollte sie verliebt sein? War sie irre?
Doch dann erinnerte sie sich an seine Fürsorge, seine Angst um sie, wie er sie getröstet hatte und sie in seinen Armen Geborgenheit fand. Er war ein Held. Wahrlich nicht in einer strahlenden Rüstung, diese hatte unzählige Flecken und war ganz verbeult, aber darin steckte immer noch ein Held. Ihr Held.
Leise schmunzelnd begegnete sie diesem neuen Tag. Wenn sie sich in ihn verliebt hatte, dann war das eben so. Nicht das sie deswegen mit sich selber haderte, nein sie fühlte sich ob dieses Wissens frei und glücklich. Sie war glücklich. Beschwingt verließ sie das Bett, eilte ins Bad putzte sich energiegeladen die Zähne, zog sich rasch an und lief die Stufen hinab um Frühstück zu machen, dabei summte sie eine fröhliche Melodie vor sich hin.
Severus hörte sie als sie an seiner Tür vorbeikam und hob über den ungewohnte Klang den Kopf um zu lauschen und ehe er sich wieder seinen Büchern zuwenden konnte, hatte sein Geist bereits die Melodie aufgenommen die sie summte und setzte sie nun in seinem Kopf fort.
Beinahe ertappte er sich dabei wie er versuchte sie selber laut zu summen. „Das ist albern!" Wies er sich streng zurecht und schüttelte über sich den Kopf. Energisch zog er das Buch wieder zu sich heran und las weiter. Eigentlich versuchte er weiter zu lesen, aber es ging nicht, diese Melodie.
Nun hatte er sie schon zweimal geküsst und es waren die schönsten Momente seines Lebens gewesen. Schöner als alles, was er je zuvor erlebt hatte. Er dachte automatisch an Lily. Sie hätte er damals gerne geküsst, aber es sollte nicht sein. Ob ihre Lippen dieselbe Süße wie die von Miss Granger verströmt hätten? Nein. Hermione war einzigartig.
Ihre ganze Art, ihr ganzes Wesen. Sie war klug und gebildet, warm und fürsorglich, hatte Mut und war bereit für Andere einzustehen und zu kämpfen. Wütend auf sich selbst blätterte er heftig die Seite um. Er war kein liebeskranker Teenager, also sollte er sich vielleicht auch nicht wie so einer aufführen.
Er las nun schon das dritte Buch über Flüche, all diese Bücher stammten aus der verbotenen Abteilung der Bibliothek in Hogwarts, doch vermutete er das selbst diese nicht so verboten waren um das Wissen solch schwarzer und dunkler Magie die Voldemort bei ihm angewandt hatte in sich trugen. Nein das waren Bücher die man vielleicht, wenn überhaupt in der Nocturngasse bekam. Erschöpft rieb er sich über die Augen.
Er hatte den Rest der Nacht keinen Schlaf mehr gefunden und sich die Zeit mit lesen vertrieben ohne auch nur ansatzweise etwas Nützliches in ihnen zu finden. Müde lehnte er sich in die Kissen zurück und schloss kurz die Augen. Automatisch sah er ihr Gesicht vor seinen Augen und wie als hätte sein Geist sie herbeigerufen öffnete sich die Tür. Erwartungsvoll schlug er die Augen auf und sah sie an.
„Guten Morgen!" sagte sie fröhlich und befangen zu gleich.
Sie bemühte sich das Zittern ihrer Hände vor ihm zu verbergen. Bis zu seiner Tür war sie die Ruhe selbst gewesen, der Tag so schön wie nie zuvor, doch kaum hatte sie den Türknauf berührt und gedreht, war ihre Ruhe wie fortgeweht und ihr Herz trommelte wie verrückt in ihrer Brust. Severus verschränkte die Arme vor der Brust und setzte eine unbeteiligte Mine auf.
„Guten Morgen Miss…Hermione!" Nach allem was geschehen war, war es dumm sie weiterhin Miss Granger zu nennen.
Hermione legte beim Klang ihres Namens leicht den Kopf schräg. Es gefiel ihr ihn aus seinem Munde zu hören. Wie sie so vor ihm stand, den Kopf leicht geneigt, das Tablett mit seinem Frühstück in den Händen weckte sie Fantasien und Gefühle in ihm, die er nicht geglaubt hatte jemals wieder zu empfinden.
„Und was Interessantes entdeckt?" fragte sie ihn plötzlich. Ertappt zuckte er zusammen, so offensichtlich hatte er sie doch gar nicht angestarrt, oder? Fieberhaft überlegte er sich eine plausible Antwort, als ihm auffiel, dass sie gar nicht ihn meinte, sondern die Bücher.
„Nein!"
------------------------------ ----------------------- --------------------------------------
Zwei Tage! Seit zwei Tagen versuchte er nun schon sein Glück. Er stand kurz davor aufzugeben. Es hatte alles keinen Sinn mehr. Er sollte sich zurücklehnen und darauf warten, dass sie kamen und ihn töteten. Nein! Er war ein Malfoy, er gab nicht auf. Ein letztes Mal noch würde er es versuchen. Wieder ballte er all seine Gefühle in sich und versuchte erneut sein Glück und tatsächlich es klappte.
Eine feine wabenartige weiße Säule verließ seinen Mund und verband sich mit seinem Stab. Er hatte es geschafft. Ein Teil seiner Seele war nun für immer mit seinem Stab verbunden. Nun konnte er zum nächsten Teil seines Fluchtplanes übergehen und schon bald war er ein freier Mann.
------------------------------ ---------------------------------------- --------------------
„Sag mir was ich wissen will und du kannst gehen!" versprach ihm die zischende bösartige Stimme Voldemorts.
Nur glaubte Neville ihm kein Wort. Wenn es nur um Snape gehen würde, wäre er vielleicht bereit Verrat zu begehen, aber da war auch noch Hermione. Nein sie konnte er nicht verraten.
„Ich weiß nicht wovon sie sprechen!" stieß er gepresst hervor.
„Mr. Longbottom! Mr. Longbottom! Tztztztz! Sie belügen mich und das kann ich gar nicht leiden! Vielleicht sollte ich alte Familienerinnerungen erwecken?"
Desinteressiert betrachtete er den Zauberstab in seinen Händen. Die langen Fingernägel glitten das schlanke Holz entlang. Plötzlich und ohne Vorwarnung traf Neville der Cruciatus-Fluch.
Unter extremen Schmerzen wand er sich am Boden. Die körperlichen Qualen, die dieser Fluch auslöste, waren kaum zu ertragen, doch viel grausamer und schlimmer waren die seelischen Qualen, die Voldemort in Neville damit entbrannte. Seine Eltern waren unter diesem Fluch zerbrochen und vegetierten als Schatten ihrer selbst im St. Mungos Hospital, ohne Gedächtnis ohne Verstand, denn diesen hatten Voldemorts Schergen ihnen geraubt.
Tränen liefen über Nevilles Gesicht, doch entschlossen biss er die Zähne zusammen. Er würde seine Freunde niemals an ihn verraten und wenn er dabei das Schicksal seiner Eltern teilen musste.
----------------------------------- ----------------------------------- -------------------------
Sie stellte das Tablett vor ihn und verschränkte nervös die Hände hinter ihrem Rücken.
„Fühlen….fühlst du dich heute besser?" fragte sie höflich, wich aber seinen Augen aus.
Sie hatte Angst er könnte in ihren lesen, wie es um sie stand. Sie war verliebt in das Scheusal von Hogwarts. Nur weil sie mit sich damit in Einklang stand, so musste er es noch lange nicht erfahren. Severus bewegte unruhig seine Hände. Die Schmerzen waren immer noch da, aber lange nicht mehr so stark. Seit er sie berührt hatte, waren sie eindeutig weniger geworden.
„Besser!" erwiderte er einsilbig. Tatsächlich fühlte er einen Teil seiner alten Kraft in sich zurückkehren.
„Ich denke mit der Zeit verliert dieser Fluch seine Wirkung!" fügte er noch an.
Das es vielleicht mit ihr und dem Kuss zu tun haben könnte, daran wollte er nicht denken. Zerstreut strich sie ihm mit den Fingerspitzen über die Hand die auf der Decke ruhte.
„Ich weiß nicht, ist es so einfach?"
Heftig sog er die Luft über die Nase ein und zog sie fort so als hätte er sich verbrannt.
„Sie…ich…..das….nein!" brachte er stockend hervor.
„Nein?" fragte sie zurück und ließ sich auf der Bettkante nieder. Jetzt sah sie ihn doch an.
„Da ist etwas und du kannst es noch so sehr leugnen, aber es ist unbestreitbar da!" widersprach sie ihm heftig.
Sie wollte nicht das er das was zwischen ihnen war verleugnete. Wieder holte er tief Luft, seine Gesichtszüge begannen zu versteinern. Er schottete seine Gefühle hinter einer starren Maske ab vor ihr ab.
„Gut das heißt wohl ich fange an!" meinte sie resigniert. Sie hatte sich keinen leichten Menschen ausgesucht, in den sie sich da verliebt hatte.
-------------------------- ------------------------------------ ------------------------------
Sein Herzschlag verlangsamte sich, wurde ruhiger und setzte von Zeit zu Zeit einen Schlag aus. Nun kam der gefährliche Teil seines Planes. Er musste sterben um zu leben! Seine Hände verkrampften sich und er fiel nach vorne. Auf allen Vieren kniete er auf dem Boden. Ein Schrei entbrannte sich in seiner Kehle.
Sterben war wie geboren werden, nur in umgekehrter Reihenfolge. Immer mehr verlangsamte er seinen Herzschlag, seine ganze Konzentration lag darauf. Die Schläge wurden weniger die Pausen dazwischen mehr und länger. Er hörte ihn dumpf in seiner Zelle widerhallen. Was tat er? Tränen brannten in seinen Augen und machten ihn blind.
Röchelnd fiel er vornüber in den Staub. Er starb. Sein letzter Gedanke galt seinem Sohn Draco. Das war der Funke den er in sich trug, der letzte. Seine Liebe zu seinem Sohn. Die Dementoren würden ihn nicht finden können und ihn für tot halten. Das war sein Plan.
Die Liebe in seinem Herzen und das Stück seiner Seele gefangen in seinem Stab sollten ihn wieder zurück bringen, wenn sein Wille stark genug war. Der Hass machte ihn stark!
„Ich will! Ich will!" keuchte er, dann lag er still. Kein Herzschlag war mehr zu hören und kein Atemzug mehr zu spüren.
Lucius Malfoy war tot.
