©Sunrisepainter: Mit Sonne im Herzen


Was letztes Mal geschah:

»Ja, sie haben auch die Rockmon auf uns gehetzt. Es tut mir leid, Haruka...ich hätte dir schon viel früher davon erzählen müssen.«
Haruka konnte spüren, dass es Xu ernst meinte. Es brachte jetzt auch nichts ihr Vorwürfe zu machen. Dafür war auch noch später Zeit. Und außerdem hatte Haruka schon vorher gewusst, dass Midoris Rettung kein Kinderspiel werden würde. Auch Xu hatte sie damals gewarnt: Wenn sie eine Verbindung eingingen, dann würde Harukas Leben nicht mehr dasselbe sein.
- Was machen wir jetzt?
»Zuerst müssen wir deine Schwester in Sicherheit bringen. Wir wissen noch nicht, ob ein Kampf nötig ist oder nicht.«


Kapitel 14:

Der erste Kampf

Noch immer hatte sich nichts auf der Kreuzung in Tokio bewegt. Seit zwei Minuten stand die Zeit still. Xu hielt immer noch Midori im Arm, die wie eine Eisfigur wirkte. Sie starrten zum Himmel empor, der bereits schwarz wie die Nacht war. Er sah aus wie vor einem kommenden Regenguss.
»Aber wo sollen wir Midori verstecken?«, überlegte Xu jetzt laut. Auch Haruka zermarterte sich das Hirn. Ja, wo war ihre kleine Schwester in Sicherheit? Vor dem, was auch immer sie erwartete...
Plötzlich tauchten vier dunkle Gestalten aus der Dunkelheit auf. Sie hoben sich vom Rest der Kulisse ab und Haruka war sofort klar, dass sie die Urheber für die plötzlich Dunkelheit waren.
Uns bleibt nicht mehr viel Zeit oder willst du mir jetzt erzählen, dass das dort deine Freunde sind?
»Du hast Recht. Sie werden uns mit Sicherheit gleich angreifen«, Xu hielt sich vorsichtshalber hinter einem Hochhaus versteckt, sodass die Szene erstmal aus der Ferne beobachten konnten.
Doch Haruka hatte plötzlich ganz andere Sorgen:
Werden sie den Menschen dort unten etwas tun?

Kaum hatte sie diese Frage gestellt, begannen sich die vier Schatten auch schon in unterschiedliche Richtungen zu bewegen. Jetzt konnte man sie deutlicher erkennen. Sie sahen furchteinflößend aus. Als kämen sie als Dämonen direkt aus der Hölle.
»Ghoulmon, Endigomon, Arkadimon Champion, Reapermon. Sie alle kommen aus der dunklen Zone. Kaltblütige Mörder, mit denen einfach zu kooperieren ist, wenn man Böses anrichten möchte. Er immer sie geschickt hat, muss ein noch dunkleres Herz besitzen als diese Wesen.«
Haruka schluckte. Doch es wurde alles noch schlimmer.
Ghoulmon, Arkadimon und Reapermon begannen damit alles um sie herum aufzusaugen als wäre es nichts weiter als Wasser. Häuser, Autos, Menschen. Alles verschwand in ihren Schlünden. Haruka hätte am liebsten ihre Augen geschlossen, aber noch immer hatte Xu die Kontrolle über ihren Körper.
»Das Endigomon hat die Macht Zeit und Raum zu manipulieren. Dadurch konnten sie wahrscheinlich ein Tor in eure Welt öffnen«, mutmaßte Xu, »sie sind anscheinend nicht nur gekommen, um mich zu suchen, sondern auch um eure Welt zu vernichten. Sie können alles hier in Daten verwandeln und dadurch mühelos in sich aufsaugen. Die Energie, die sie dadurch gewinnen, macht sie nur noch gefährlicher.«
Dann sollten wir schleunigst etwas tun. Sonst verschlingen sie noch alles hier und werden unbesiegbar.
»Erstmal müssen wir deine Schwester in Sicherheit bringen«, wiederholte Xu, »ich habe eine Idee, aber ich weiß nicht ob sie funktioniert. Ich habe das nie zuvor gemacht.«
Wovon sprichst du?
»Davon, dass ich versuchen werde Midori alleine durch die Zeit zu schicken. Zurück in die Zukunft. Zu deinen Freunden.«
Das kannst du?, Haruka war einmal ganz aufgeregt.
»Ich sagte doch bereits: Ich habe es noch nie versucht«, Xu zögerte einen Moment und runzelte dann die Stirn, »uns bleibt keine andere Wahl.«
Haruka konnte genau sehen, was alles schief gehen konnte bei dem Versuch Midori alleine ohne Xus Anwesenheit durch die Zeit zu schicken. Immerhin waren ihre Gedanken mit denen Xus verknüpft. Trotzdem wandte sie nichts dagegen ein. Wenn sie Glück hatten, dann konnten sie so zumindest schon mal Midori retten.
»Aber das wird viel Energie kosten«, warnte Xu sie, »weil ich durch den letzten Kampf und die Zeitreisen immer noch geschwächt bin, muss ich wohl oder übel auch etwas von deiner Lebensenergie verwenden. Bist du damit einverstanden?«
Lass es uns versuchen.

Izumi war noch nie auf den Mund gefallen. Schon als kleines Mädchen konnte sie ihre Gefühle schon gut in Worte fassen und sich selbst verteidigen, wenn es darauf ankam. Natürlich gab es oft Momente, in denen sie unsicher war, aber die lagen in der Vergangenheit und anderen Dingen zu Grunde.
Im Hier und Jetzt hatte sie auf einmal große Schwierigkeiten ihren Mund aufzumachen. Es war als wäre sie auf einmal ein ganz anderer Mensch. Schüchtern und nervös. Der Grund dafür war ausgerechnet ein Junge. Ein Junge!
Dabei war sie bisher mit Jungen immer besser klar gekommen als mit Mädchen ihren alters. Sie hatte keine beste Freundin mit der sie über Gefühle sprechen konnte. Die meiste Zeit war sie umgeben von den vier Jungen, denen sie seit ihrer Kindheit das meiste anvertraut hatte. Sie waren immer für sie da, wenn sie Probleme hatte. Doch dieses mal war es anders. Dieses Mal konnte sie nicht mit den Jungen über ihr Problem sprechen. Vor allem deshalb auch, weil es gerade um einen von ihnen ging.
Sie war jetzt bereits fünfzehn Jahre alt und da gab es nun mal eine Entwicklung zwischen Jungen und Mädchen, die neu und völlig normal war. Natürlich wusste Izumi, dass der Tag kommen würde an dem sie sich das erste Mal verlieben würde. Doch nie hätte sie damit gerechnet, dass es sich dabei ausgerechnet um jemanden aus ihren Freundschaftskreis handelte.

Schon länger hatte sie beobachtetet wie Takuya und Junpei um ihre Aufmerksamkeit kämpften. Das entging niemanden. Besonders nicht, wenn man dann auch noch weibliche Intuition besaß.
Izumi musste zugeben, dass es ihr anfangs sehr gefiel wie die beiden Jungen ihr jeden Wunsch von den Augen ablasen. Es war das erste Mal, dass man sie geradezu wie eine Prinzessin behandelte.
Doch dann wurde ihr das ganze auf einmal sehr peinlich. Sie bemerkte die Blicke von anderen Mädchen, die sie um ihre beiden „Kavaliere" beneideten. Es war ihr unangenehm, dass Takuya und Junpei so eine Show aus der ganzen Sache machten. Doch sie konnte es einfach nicht übers Herz bringen den beiden zu sagen, dass ihr das alles gar nicht gefiel.
Die beiden waren immerhin auch ihre Freunde und sie wollte nicht eine größere Debatte verursachen. Und dann war es plötzlich geschehen.
Sie wusste nicht mehr warum und wie genau. Sie waren schon so lange befreundet, aber plötzlich sah sie ihn mit ganz anderen Augen. Von einen Tag auf den anderen. Sie versuchte die neuen Gefühle für ihn zu unterdrücken, behandelte wie immer. Doch es nützte nichts. Wenn immer er sie anlächelte oder ihr einen gefallen tat, schlug ihr Herz schneller und die Welt um sie herum schien plötzlich stehen geblieben zu sein. Und am Ende konnte sie es gar nicht mehr leugnen:
Sie hatte sich in ihren Freund Takuya verliebt.

Vielleicht lag es nur an der Aufmerksamkeit, die ihr er schenkte, oder es waren Gefühle, die eigentlich schon immer da gewesen waren. Das war Izumi allerdings vollkommen egal. Das wichtigste war, dass ihre Freundschaft dadurch nicht aufs Spiel gesetzt wurde.
Natürlich gab Takuya vor sie zu mögen, doch sie war sich nicht so sicher, ob er es ernst meinte oder er einfach nur gegen Junpei gewinnen wollte. Er hatte schon immer dieses Konkurrenzdenken gehabt.
Hinzu kam, dass sie Junpei nicht verletzten wollte. Immerhin war er auch mit Takuya befreundet. Und er mochte sie schon viel, viel länger. Diese und viele andere Gründe, hatten sie dazu gebracht ihre Gefühle zu unterdrücken. Doch bis zu einem bestimmten Punkt war das ihr fast unmöglich geworden. Besonders, wo sie doch in der Digiwelt so nah beieinander waren wie sonst nie.
Sie hatte ihn furchtbar vermisst als er mit Kouichi und Haruka am Sonnenspiegel gewesen war. Doch das hatte sie den anderen beiden nicht sagen können. Und auch nicht wie sehr sie sich freute, dass er lebend (wenn auch ein wenig angeschlagen) zurück gekommen war. Sie wäre fast vor Freude in Tränen ausgebrochen.
Und weil die Emotionen immer sichtbarer wurden und sie sich kaum noch beherrschen konnte, war sie ihn in den letzten Stunden aus dem Weg gegangen. Mit Erfolg.
Takuya war sowieso zu sehr damit beschäftigt gewesen sich Sorgen um seine Cousine zu machen um sie zu bemerken.
Und dann machte ihr Kouji einen Strich durch die Rechnung. Warum konnte nicht jemand anderes zu Seraphimon gehen? Warum ausgerechnet sie und Takuya?

Izumi seufzte, während sie schweigend nebeneinander die lange Treppe empor stiegen.
»Was ist?«, Takuya blieb stehen und drehte sich fragend zu ihr um. Um ihr rotes Gesicht zu verbergen schaute sie schnell in eine andere Richtung.
»Nichts.«
»Aber du hast doch gerade geseufzt? Machst du dir Sorgen um Haruka – chan?«
Sie antwortete nicht. Hätte sie ihm denn auch sagen sollen, dass sie gerade über ihn nachgedacht hatte? Doch Takuya wartete gar nicht auf eine Antwort.
»Das tue ich auch. Ich hoffe Seraphimon hat eine Idee, wo sie stecken könnte«, er blickte stirnrunzelnd hinauf zum Schloss, »es ist das erste Mal, dass Haruka – chan etwas gefährliches macht. Normalerweise ist sie immer sehr vernünftig und denkt über Dinge nach. Doch seit wir in der Digiwelt sind ist sie naiv geworden. Ich wette es hat etwas mit dieser Xu zu tun...«
Izumi konnte die Wut in seiner Stimme hören und für einen Moment war sie wirklich Eifersüchtig auf ihre neue Freundin. Sie konnte sich nicht daran erinnern, dass er sich mal so viel Sorgen um sie gemacht hatte. Aber sie schüttelte den bösartigen Gedanken gleich wieder von sich. Haruka war Takuyas Cousine, schon fast so etwas wie eine Schwester für ihn, also keine Konkurrentin oder so etwas.

Ein Piepen war zu hören. Es kam von ihren D – Kommunikatoren. Gleichzeitig zogen sie diese aus ihren Hosentaschen und drückten auf den Knopf. Sofort erschienen die Gesichter von Kouichi und Kouji auf den Bildschirmen. Kouji verzog keine Miene, aber sein Zwillingsbruder schien etwas besorgt zu sein.
»Was gibt's? Ist Haruka – chan wieder zurück gekommen?«, fragte Takuya aufgeregt und ließ das Gerät dabei fast fallen. Kouichi schüttelte bedauernd den Kopf.
»Nicht direkt, aber Midori – chan ist bei uns«, meinte Kouji ohne mit der Wimper zu zucken.
»Was? Wie? Wie geht es ihr? Ist sie in Ordnung? Was ist passiert?«, Takuya war ganz aus dem Häuschen.
»Deine kleine Cousine ist wie aus dem Nichts aufgetaucht. Ganz in der Nähe unsere Lichtung. Keine Angst, sie scheint in Ordnung zu sein«, beruhigte Kouichi ihn, doch Takuya war alles andere als ruhig.
»Was bedeutet es »sie scheint«?«
»Sie ist nicht verletzt und atmet auch noch, aber sie ist bis jetzt nicht aufgewacht. Junpei kümmert sich um sie«, erklärte Kouji und drehte seinen D – Kommunikator so, dass die beiden Junpei sehen konnte, der vor einer blassen Gestalt auf dem Boden hockte.
»Gut, dann versucht sie vorsichtig zu wecken und haltet uns auf dem Laufenden«, meinte Izumi zu Kouichi. Dieser nickte und verschwand keine Sekunde später vom Bildschirm.
Takuya strich sich durchs Haar und atmete erleichtert aus.
»Wenigstens ist Midori – chan in Sicherheit«, er schaffte es sogar ein bisschen zu lächeln.
»Du wirst sehen: Es wird alles wieder gut und wir können zu siebt die Digiwelt verlassen«, Izumi legte ihm eine Hand auf den Oberarm.
»Danke, Izumi – chan«, sein Lächeln wurde noch breiter und Izumis Herz schlug ihr bis zum Hals. Schnell entfernte sie ihre Hand von seinem Arm und nahm gleich drei Stufen auf einmal als sie eilig nach oben lief. Takuya, der natürlich nicht merkte, was sie gerade wirklich fühlte, glaubte sie wolle schnell zu Seraphimon, um auch noch Haruka zu finden und endlich verschwinden zu können, deshalb eilte er ihr hinterher.

Haruka hatte noch nie im Leben so viel Angst gehabt. Es beruhigte sie auch nicht, dass Midori nun in Sicherheit zu sein schien. Laut Xu hatte es keine Komplikationen gegeben und wenn man ihr Glauben schenken konnte, dann war ihre kleine Schwester bereits bei Takuya und ihren Freunden.
Jetzt mussten sie sich allerdings erstmal um ihre eigenen Probleme kümmern.
Die fünf Digimon, die urplötzlich aufgetaucht haben, waren immer noch dabei alles n ihrer Umgebung regelrecht zu absorbieren. Doch es war nur eine Frage der Zeit bis man sie entdecken würde.
»Wir müssen sie jetzt auf uns aufmerksam machen«, meinte Xu, nachdem sie das Schauspiel für eine Weile, versteckt hinter den Hallen eines großen Einkaufcenters, wortlos beobachtet hatten.
Bist du verrückt geworden?, Haruka verstand im ersten Moment nicht, warum sie sich mit Absicht in Gefahr begeben sollten.
»Zu einem Kampf wird es so oder so kommen«, befürchtete Xu, »du hast es doch selbst gesagt: Je mehr Daten sie aufnehmen, desto stärker werden sie.«
Also müssen wir sie so schnell wie möglich besiegen, verstand Haruka endlich den Zusammenhang.
»Richtig. Am besten noch bevor unsere Energie zu Neige geht. Also lass uns am besten etwas auf sie zu fliegen. Bist du bereit?«
Natürlich war Haruka das nicht. Sie hatte keinerlei Kampferfahrung und ihr Herz klopfte bis zum Hals. Bei ihrem ersten und letzten Kampf war sie nicht mal bei Bewusstsein gewesen. Würde sie wieder ohnmächtig werden?
»Das kann ich ehrlich gesagt nicht beurteilen. Wir werden es gleich sehen.«
Xu's Worte machten ihr nicht gerade Mut, trotzdem flogen sie vorsichtig aus dem Schatten des großen Gebäudes und direkt auf die vier unheilvollen Monster zu.

Da das Ghoulmon fliegen konnte, entdeckte es Xu und Haruka natürlich als erstes. Es verlor auch nicht viel Zeit. Sobald es sie mit seinem großen Auge in Visier genommen hatte, schoss es einen Energiestrahl auf sie ab. Für Xu war es ein leichtes der Attacke auszuweichen. Doch die zweite folgte gleich aus der Hand des Ghoulmons und hätte sie voll erwischt, wenn sie nicht im letzten Moment ein unsichtbares Schutzschild um sich (und Haruka) errichtet hätte.
»Wir lassen es so lange aktiviert wie möglich«, teilte sie Haruka in Gedanken mit, »das Ausweichen kostet um einiges mehr an Energie.«
Zwar war Ghoulmon nur darauf gepolt sie zu vernichten, aber seine Attacken waren plump und schienen Xu überhaupt nichts anzuhaben. Es war auch nicht besonders schnell im Ausweichen und so wurde es bald von Xu bezwungen. Sie hob ihren magischen Stab und „reinigte" seine Seele.
Auf einmal sah es gar nicht mehr bösartig, sondern viel mehr friedlich aus. Es nickte ihnen dankbar zu und verschwand vom Schlachtfeld (wahrscheinlich dahin zurück, wo es hergekommen war).
Haruka war Xu unheimlich dankbar, dass sie das Wesen nicht umgebracht hatte. Diesen Anblick hätte sie nicht ertragen.

Und auch bei dem Kampf mit Endigomon lief ungefähr das gleiche Prinzip ab. Es konnte sie nur vom Boden aus angreifen und schoss sofort mit Maschinengewehren auf sie. Doch das Problem war, dass Xus Energie (und auch die von Haruka) nicht genug waren. Xus Bewegungen wurden immer langsamer. Das fiel auch Haruka auf.
Einen Moment passte Xu nicht auf und stieß mit dem Rücken gegen eine Wand. Das Endigimon nutzte die Gelegenheit und attackierte sie unbarmherzig. Xus Körper reagierte zu langsam und eine der Kugeln streifte ihren Flügeln. Haruka schrie in Gedanken auf als sie gemeinsam dem Boden entgegen rasten.
Sie wollte sich bewegen, irgendwo festhalten. Es war das erste Mal, dass Haruka wieder unbewusst Kontrolle über ihren eigenen Körper erlangte. Sofort stieß sie wieder einen Schrei aus. Die Schmerzen waren schlimmer als sie sich hätte vorstellen können. Ihr ganzer Körper schien in Flammen zu stehen. Spürte diejenige von ihnen, die den Körper gerade beherrschte Schmerzen stärker als die andere, Wenn ja wie hatte dann Xu das die ganze Zeit ertragen können ohne einen Mucks von sich zu geben?
Doch bevor sie hart auf dem Boden aufschlugen, hatte Xu die Kontrolle wieder übernommen.
»Tut mir Leid, ich war in dem Moment, in dem wir gefallen sind unachtsam«, brachte sie zwischen sie zusammengebissenen Zähnen hervor, »ich wollte nicht, dass du den Schmerz mitbekommst. Ihr Menschen seid um einiges empfindlicher als Wesen wie ich.«

Sie stand auf und wischte sich etwas Blut von der Wange. Haruka spürte wie schwach sie waren. Wenn sie das nicht bald beendeten, dann...
»Keine Angst. Ich mache es kurz und schmerzlos«, Xu hob ihren Stab und schoss eine Lichtkugel auf das Endigomon ab. Genauso wie Ghoulmon verschwand es im Nichts.
Doch zwei Digimon standen ihnen noch gegenüber. Akardimon hatte jetzt anscheinend genug Energie aufgesammelt und verschwendete keine Minute damit auf einen Angriff zu warten.
Es wurde zu einem Nahkampf. Da Xu nicht mehr fliegen konnte war es ein leichtes für Akardimon sie mit seinen Klauen anzugreifen. Xu blieb nichts anderes übrig als die Attacken mit ihrem Stab abzufangen.
Wieder konnte Haruka nur hilflos dabei zusehen wie ihr eigener Körper angegriffen und verwundet wurde. Sie fühlte sich nutzloser als jemals zuvor. Was konnte sie tun um Xu wenigstens ein bisschen zu unterstützen?
»Es ist eben nicht dein Kampf?«, dachte Xu, während sie weiter Akardimons Klauen auswich.
Aber irgendetwas muss ich doch tun können! Du wirst immer schwächer, Xu.
»Mir würde es schon reichen, wenn du einfach an mich glauben würdest. Du musst mir die Kraft zum Kämpfen geben.«
Kraft zum Kämpfen?, wiederholte Haruka nachdenklich.
»Ja, man kann einander nicht nur körperlich unterstützen, sondern auch mental. Denk einfach an alles, was dich bewegt. Warum es sich lohnt diesen Kampf zu gewinnen und zurück in die Zukunft zu kehren. Denk an deine Mutter, deinen Onkel, an Midori, an Takuya und an deine Freunde.«

Du hast Recht, Haruka spürte einen kleinen Stich in ihrem Herzen, ich darf noch nicht sterben. Ich hab doch noch so viel zu tun und zu erleben. Ich muss doch noch mein erstes Jahr auf der Oberschule überstehen. Es wurden ja noch nicht mal die ersten Examen geschrieben. Und Megumi. Ich muss mich unbedingt mit ihr versöhnen. Immerhin war sie als erstes Mädchen nett zu mir.
Xus Attacken bekamen auf einmal wieder einen neuen Schub. Haruka spürte wie der Wunsch in ihr das hier zu überleben immer größer wurde.
»Mach weiter so, Haruka. Ich spüre wie deine Energie meinen ganzen Körper durchströmt.«
Ich muss doch Midori – chan doch noch zeigen, dass Takuya und ich wieder Freunde sind. Und Kaito, dass ich mir nicht mir alles gefallen lasse. Ich muss diesem Fiesling doch zeigen, dass ich stärker bin als vorher. Und Kouji.
Haruka wusste, dass sie jetzt geweint hätte, hätte sie Gewalt über ihren Körper gehabt. Ihr Herz fühlte sich um einiges leichter an, nachdem sie das alles ausgesprochen hatte. Xu raffte ihre gesamte Energie zusammen und feuerte eine Lichtkugel auf Akardimon ab. Obwohl es getroffen wurde und fünf Meter durch die Druckwelle zurück flog, wurde es nicht vernichtet.
»Es ist stärker als die anderen beiden zuvor, aber jetzt habe ich es wenigstens geschwächt«, freute sich Xu.
Akardimon rappelte sich wieder auf und gab ein wütendes Knurren von sich. Es stürzte ein weiteres Mal auf die zu, doch wurde wieder von Xu verletzt. Es hielt sich seine Seite und blickte sie mit seinen Augen kalt und mordlustig an. Haruka erschauderte, denn sie erinnerte sich noch an Xus Worte zu Anfang dieses Kampfes. Kaltblütige Mörder...

Doch anstatt ein weiteres Mal anzugreifen, machte das Akardimon etwas ganze anderes. Es holte mit seinen Krallen aus und stürzte sich ganz unerwartet auf das Reapermon. Dieses wurde regelrecht von Akardimon absorbiert.
Was passiert hier?, fragte Haruka panisch. Xu antwortete nicht, sondern biss nur die Zähne zusammen. Es war anscheinend nichts Gutes. Mit einem Mal begann sich der Körper des Arkadimon zu verändern. Es wurde größer und fiel stärker.
»Verdammt, es ist auf ein höheres Level digitiert«, murmelte Xu, »es ist vom Rookie zum Champion geworden und viel stärker als zuvor.«
Oh nein! Was machen wir jetzt?
Xus Körper entspannte sich auf einmal wieder. Sie atmete tief durch und Haruka konnte spüren, dass sie auf etwas hoffte. Aber auf was? Warum war sie auf einmal wieder so ruhig?
Arkadimon starrte sie aus seinem unheimlichen, schwarzen Augen ununterbrochen an und dann startete es seine erste Attacke. Doch Xu machte nichts. Sie verharrte an Ort und Stelle und errichtete lediglich wieder einen Schutzwall um sie.
Was ist los? Warum weichst du nicht aus? Mist, es wird den Schutzwall einfach zerbrechen!, Haruka war außer sich vor Angst. Doch Xu zuckte nicht mal mit der Wimper als Arkadimons Attacke gegen den Schutzwall prallte. Er wackelte zwar bedenklich, blieb aber zuwider Harukas Erwarten heil.

Und noch etwas passierte. Es gab eine große Explosion, die eine mächtige Druckwelle mit sich brachte und Bäume, Autos und Häuser mit sich riss. Zurück blieb ein großer Krater und eine unheimliche Stille. Xu deaktivierte den Schutzwall und sackte kraftlos auf die Knie. Ihr Atem ging schwer. Und in Haruka drehten sich alle Gedanken.
W-was ist geschehen...?
»Da – das A – Arkadimon hat sich selbst erledigt«, keuchte Xu und stützte sich mit ihren Händen auf dem Boden ab, »als es die Energie von Reapermon absorbiert hat um zu digitieren, hat es sich selbst überschätzt. Es war eine erzwungene Digitation und hat gerade Mal für einen Angriff gereicht.«
Ich verstehe das nicht ganz...
»Es ist so ähnlich wie bei einer Lampe, in die man eine Glühbirne mit zu hoher Elektrizität einbaut. Sie brennt durch und funktioniert am Ende gar nicht mehr.«
Das heißt also Reapermons war zu viel für Akardimon?
»Genau.«
Heißt das wir haben gewonnen?, fragte Haruka ungläubig. Xu grinste und stand dann vorsichtig auf:
»Schau dich doch mal um.«

Haruka war bis eben viel zu beschäftigt mit der Explosion gewesen als das sie auf ihre Umwelt hätte achten können. Doch jetzt sah sie es. Der Himmel klärte sich langsam wieder auf und um sie herum begann die Stadt wieder zum Leben zu erwachen. Die Häuser, Autos und Menschen, die von den bösen Digimon verschlungen worden waren, begannen sich wieder zu materialisieren.
Die Dunkelheit verschwand ebenso wie der große Krater, den Arkadimon hinterlassen hatte, und bald war alles wieder wie zuvor.
Großartig!, staunte Haruka. Es war als würde man von einem bösen Traum erwachen. Auch Xu schien mehr als zufrieden zu sein. Sie hob ihren Stab.
»Lass uns von hier verschwinden und endlich dahin verschwinden, wo wir normalerweise hingehören.«
Hai.

Und nächstes Mal das große Finale!