Kapitel 14:
(Huojin, Zuko, Amaya/ Klinik/ Ba Sing Se/ Episode: 'Geschichten aus Ba Sing Se: Aangs Geschichte')
Neue Erfahrung, dachte Huojin, während sein Kopf noch dröhnte, da er gegen die Wand der Klinik geprallt war, schlafende Imperiale Feuerbändiger wachzurütteln ist nicht gut.
„H'ojin?", murmelte Lee, während er blinzelte, als ob er sich nicht erklären konnte, warum er halb angezogen war und eine vor Schmerz stöhnende Wache vor seinen Füßen lag. „Is mitten in der Nacht... mindestens noch zwei Stunden bis die Sonne aufgeht..."
Huojin blinzelte ein paar weiße Flecken weg und starrte ihn ungläubig an. „Du hast hier doch keine Uhr drin."
„Wer braucht schon eine Uhr? Ich weiß – " Ein Kieferknackendes Gähnen. „Weiß wo die Sonne ist. Nicht ist. Ist Nacht. Geh weg." Die Augen fielen wieder zu und er schlurfte zum Feldbett zurück.
„Heilungsnotfall." Amaya tauchte mit frisch gewaschenem Gesicht auf und warf ihrem Lehrling einen Blick amüsierten Mitgefühls zu. „Falls du lange genug geruht hast, könnte ich deine Unterstützung gebrauchen." Sie sah zu Huojin. „Geht es dir gut?"
„Ich habe schon Schlimmeres abbekommen", gab Huojin zu, betastete eine schmerzende Stelle und zuckte zusammen. „Erinnere mich daran ihm nächstes Mal einen Eimer Wasser über den Kopf zu schütten."
Das schien Lee wachzurütteln. Grüne Augen weiteten sich, schuldbewusst. „Es tut mir Leid. Onkel ruft immer von der Tür aus, um mich zu wecken, nicht bewegen – "
„Ich kümmere mich darum", sagte Amaya fest. „Zieh dich an. Du kommst mit."
Lee nickte und schnappte sich seine Kleider vom Fuß des Feldbettes und stolperte in den Waschraum.
In dem nächstgelegenen Feldbett lag Mushi und schnarchte nur.
Amayas kühle Berührung wusch den Schmerz weg und Huojin rappelte sich vom Boden auf. „Danke. Was machen die zwei hier?" Es war nicht seine Absicht es so beschuldigend klingen zu lassen, zumindest nicht sehr.
„Nachwirkungen von Lees Ertrinken", sagte Amaya unverbindlich. „Die Geister haben es wirklich auf diesen jungen Mann abgesehen."
„Vielleicht ist das heute nicht der beste Notruf, um ihn mitzunehmen", sagte Huojin zögernd. „Es soll ja alles erledigt sein, aber..." Aber man konnte nie sicher sein. Nicht bei solchen Kreaturen.
„Was ist erledigt?"
Der Bursche ist schnell. „Sagen wir nur, dass es kein gewöhnlicher Hausbrand war", sagte Huojin dem Feuerbändiger einfach.
„Und es gibt Gründe, warum ich die Dai Li behandele, wenn sie mich brauchen", fügte Amaya hinzu. „Ihre Aufgabe war es das kulturelle Erbe von Ba Sing Se zu beschützen. Und das tun sie immer noch. Aber die Geschichte zu beschützen heißt uralte Artefakte zu beschützen und damit..."
„Tsukumogami." Lee wirkte etwas wacher, befingerte seine Schärpe. „Ich habe Salz, aber ich weiß nichts über Beschwichtigungsrituale. Das ist eher was für die Feuerweisen... was?", fragte er, als Huojin die Augenbrauen hochzog. „Wo ich aufgewachsen bin wurden zu jeder Sonnenwende Zeremonien abgehalten. Ba Sing Se ist nicht der einzige Ort an dem es alte Sachen gibt."
„Ist mir nicht eingefallen", gab die Wache ehrlich zu. „Nennt ihr die Neunundneunzig-Jahre-Geister so?"
„Wir haben ein paar Worte", sagte Lee nach einem Moment. Er seufzte und schien sich vorzubereiten. „Also kümmern sich die Dai Li um Geister? Sie müssen ziemlich starke Bändiger sein."
„Und wie stark", stimmte Huojin grimmig zu. Er schaute Amaya eindringlich an. „Bist du sicher, dass du ihn mitnehmen willst? Es soll ja nur noch das Aufräumen übrig sein, aber..."
„Jemand, der es schafft, dem Geist des Ozeans auszuweichen, wenn er in schlechter Laune ist, ist sicherer als du", erwiderte Amaya mit trockenem Humor. „Gehen wir."
Ich hab's versucht. Ein wenig erschaudernd zeigte Huojin ihnen den Weg.
„Was ist los?", fragte Lee, als sie sich ihren Weg durch dunkle Straßen suchten.
„Was los ist?", wiederholte Huojin, ungläubig. „Geister, Lee. Jeder vernünftige Mensch würde in die andere Richtung laufen."
„Das gibt ihnen nur die Chance von hinten anzugreifen."
Und das schloss ein, dass Lee pessimistisch genug war, zu glauben, dass weg zu laufen nichts bringen würde und optimistisch genug, zu glauben, dass er trotzdem überleben konnte. Autsch.
Zumindest sah es jetzt ruhig aus. Es war ein unscheinbarer Häuserblock im Unteren Ring, der jetzt von Ruß befleckt und von Grüppchen evakuierter Bewohner umgeben war, zusammen mit ein paar nervösen Stadtwachen. Man konnte nicht sehen, wie die Dai Li sich durch die Schatten und auf den Dächern bewegten, doch alle wussten, dass sie da waren..
Amaya strebte zu den am schlimmsten Verwundeten, die schon mit Kräutern und Salben von ein paar örtlichen nicht Bändigenden Heilern behandelt wurden. Die Erleichterung auf ihren Gesichtern war genug um Huojin zusammenzucken zu lassen.
Lee hielt sich etwas zurück, nahm ein paar Momente, um seinen Blick über Gebäude und Menschengruppen schweifen zu lassen, ehe er in Amayas Ohr murmelte und dann seinen Feuertopf aufstellte.
Er hat die ärgsten Probleme erfasst, erkannte Huojin und folgte dem Blick des Feuerbändigers zu verdächtig dicken Rußschichten und Gesichtern, die mehr zornig waren als erleichtert am Leben zu sein. Du bist bereit, sofort zu verschwinden und Amaya mit zu nehmen, nicht wahr?
Das war vielleicht nicht die Reaktion, die man normalerweise von einem Heiler erwartete, aber Huojin persönlich? Er konnte es Lee nicht im geringsten verübeln.
Schauen wir mal, ob ich nicht ein paar von diesen Problemen lösen kann.
Ein paar der möglichen Unruhestifter brauchten einfach nur jemand mit dem sie reden konnten. Oder zumindest jemand der nur zuhörte. Er war nicht die einzige Wache, die zuhörte und höflich nickte, während verschiedene Leute ihre feurige Begegnung mit einer alten Steinlampe und ein paar Theaterfächer, die wirklich verdorben worden waren wiedergaben.
„- geflattert wie ein Fleder-Rabe!", gab der nächste geschockte Alte wieder, Hände flatterten in der Luft. „Schwarze Risse als Augen, die wie Lava geglüht haben..."
Hm. Das hörte sich nicht nach einem Fächer-Geist an. „Ich bin sicher, dass sie alle Geister die noch in den Wohnungen waren erwischt haben – "
„Nein, nein, nein! Nicht da drin!" Ein knorriger Finger stach zwei Gassen weiter hinunter. „Ich habe es gesehen! Bevor das alles passiert ist! Aber nein, keiner hört auf den alten Hu..."
Richtig. Und wie wahrscheinlich war es, dass gleich vier Neunundneunzig-Jahre-Geister in der gleichen Gegend randalierten? „Ich überprüfe das", seufzte Huojin. Er wechselte ein paar Worte mit dem Befehlshabenden Offizier und wandte sich der Gasse zu. Panik neigte dazu sich auszubreiten. Es war besser es gleich im Keim zu ersticken, als später einen Aufruhr zu riskieren –
Etwas hakte sich um seinen Hals und riss ihn hart in eine Wand.
Was zum – ?
Seidige Membranen peitschten Staub in seine Augen, klatschten seine Finger von dem Schraubstock um seinen Hals fort. Die Gasse wurde rot und schwarz und er bekam keine Luft mehr –
Etwas schnappte wie der Knall einer Peitsche und dann war da Luft.
Es flatterte und war schwarz, oh ja, aber es war wie in einem Netz in einer durchscheinenden Sphäre gefangen, ein Wasserstrang führte zu...
Das ist nicht Amaya.
Lee war ein Feuerbändiger. Huojin wusste es. Er hatte es mit eigenen Augen gesehen.
Aber genau so sah er jetzt das Wasser, das um die Hände des Jugendlichen floss, welches das Netz verankerte, das den kreischenden, mörderischen Geist gefangen hielt. Dieser Geist war ein schwarzer, zerfledderter...
Huojin schloss die Augen und schüttelte den Kopf, um das Bild weg zu schütteln. Dann lugte er hinüber.
Es hatte nicht geholfen. Er war immer noch da.
Ich wurde gerade fast erwürgt. Und das von einem Regenschirm.
Das wird mir ewig anhängen.
„Hol Hilfe", sagte Lee angespannt.
„Nicht nötig", erklang eine vertraute Stimme. „Wir sind hier."
Eiserne Ketten schossen herbei und fingen den aufgebrachten Geist mit einem beinahe fröhlichen Klirren ein. Ein vertraut aussehender Dai Li ließ sich vom Dach fallen, Hände hinter dem Rücken verschränkt, als er den um sich schlagenden Regenschirm betrachtete. „Du kannst jetzt loslassen."
„Agent Shirong." Wasser strömte in Lees Wasserschlauch zurück. Der Fluss stotterte wie Schmelzwasser um einen gerade gestürzten Baumstamm. „Ich dachte nicht, dass die Dai Li sich um … diese Dinge kümmerten."
„Die meisten Leute denken lieber nicht darüber nach." Shirong zuckte mit den Schultern und studierte Lee. „Ich kann mich nicht erinnern, diese Technik auf der Rolle gesehen zu haben."
„... ich hab's mir irgendwie selbst ausgedacht."
Ich muss mir den Kopf härter angeschlagen haben als ich dachte, schloss Huojin. Das war die einzige Möglichkeit, dass das hier Sinn ergab.
„Hmm." Selbst im Schatten seines Hutes konnte man Shirongs Überraschung aufflackern sehen. „Dann versuche mal, ob du sie nicht modifizieren kannst. Im Moment benutzt du beide Hände..."
„Und wenn ich mein Ziel eingefangen habe, was mache ich dann?" Lee seufzte. „Ich weiß. Ich kann es auf eine Hand schieben, aber das braucht viel Konzentration. Ich frage Meister Amaya... was?"
Shirong beäugte ihn, sehr vorsichtig, während andere Agenten mit dem Regenschirm verschwanden. „Du bis viel zu ruhig. Was für einen Kamuiy hast du schon bekämpft?"
Oh, das ist nicht gut, erkannte Huojin. Das kann er ihnen nicht erzählen – und verdammt, Lee ist ein grässlicher Lügner –
„Ein Plagen-Geist", sagte Lee leise.
„Ernsthaft?"
„War eine der gruseligsten Nächte meines Lebens." Lee setzte an zu erzählen, brach ab und holte tief Luft, offensichtlich seine Gedanken sammelnd. „Als Onkel und ich auf der Reise waren, kamen wir zu einer Ranch, wo die Tiere krank waren, und... Wir sind uns nicht ganz sicher bei allem. Wir kamen zu ein paar Schlussfolgerungen als... als wir die Leiche fanden."
Shirong fuhr zusammen, was die menschlichste Reaktion war, die Huojin je an einem Dai Li gesehen hatte. „Eine Schwangere."
„Sie war nur ein Mädchen", sagte Lee traurig. „Sie war noch nicht mal so alt wie ich. Wir fanden heraus, dass drei Monate davor ein Überfall der Feuernation stattgefunden hatte und – " Er breitete hilflos seine leeren Hände aus. „Ihr Vater sagte sie würde vermisst. Ihre Brüder schlossen sich dem an."
„Das war genug." Shirong wirkte tatsächlich als ob ihm übel wäre. „Wie habt ihr es aufgehalten?"
„Wir haben die Ranch niedergebrannt." Lee hob die Schultern.
Huojin schlug sich ungläubig gegen die Stirn.
„Wenigstens hoffen wir, dass es geklappt hat", sagte Lee langsam. „Wir konnten nicht gut bleiben. Wie beweist man, dass man kein Feuerbändiger ist?"
… Das hat er jetzt nicht wirklich gesagt.
„Guter Punkt." Shirong schmunzelte. Er drehte sich um, um zu gehen und blieb noch einmal stehen. „Ach ja. Plagen-Geister sind rachsüchtige kleine Biester. Wenn er euch nicht gefolgt ist, dann hat es geklappt."
Etwas von der Anspannung wich aus Lees Schultern. „Danke", hauchte er.
„Versuch dich aus Schwierigkeiten heraus zu halten", riet ihm Shirong, beinahe freundlich. „Ich weiß, dass das nicht ganz möglich ist, die Geister haben eine Zielscheibe auf deinen Rücken gemalt, genau wie bei dem Rest von uns... aber versuche trotzdem nicht in menschliche Schwierigkeiten zu geraten." Ein harsches Auflachen folgte. „Es ist immer so schmutzig, wenn wir Leute von der Wand kratzen müssen."
Die Erde grollte und er verschwand in den Boden.
„Angeber", grummelte Huojin, dann schaute er unsicher zu Lee. „Was... wie?"
„Ich bin ertrunken." Lee starrte zu ihm zurück, argwöhnisch, als ob er abschätzen wollte, in welche Richtung er am Besten rannte. „Der Mond – hat was mit mir gemacht. Es ist verrückt, aber es ist echt." Er schluckte. „Amaya will mir helfen auch das zu trainieren."
Auch? Wie in – „Du bist … beides?", brachte Huojin heraus.
„Ich dachte, Onkel würde wütend werden", sagte Lee mit sehr kleiner Stimme.
„Nein, wirklich?", kam es aus Huojins Mund. Ein Feuerbändiger, der einen Wasserbändiger als Neffe hatte. Autsch.
„Aber das ist er nicht", fuhr Lee ungläubig fort.
„Dass die Klinik noch stand, war ein Hinweis", sagte Huojin trocken und rieb seinen Hals. Au.
„Onkel tut das nicht... ähm. Naja, er hat nicht... lange nicht... er ist im Ruhestand..."
„Ich will nicht wissen was er davor gemacht hat, oder?"
„Nein", sagte Lee ehrlich. Er schaute zur Seite, als sie wieder zu den Überlebenden zurück gingen. „Er sollte wirklich in Pension sein. Er sollte Pai Sho spielen, wie er es will... aber als er nach Hause kam hat Vater – mich auf ihn abgeschoben. Ich habe es nicht... nicht wirklich gut aufgenommen."
Das hörte sich nach einer Untertreibung an. Warum erzählst du mir das alles? fragte sich Huojin.
„Ist dir das mit Amaya so gegangen?", fragte Lee leise. „Bist du einfach – wütend auf sie geworden, weil sie nicht der war, den du da haben wolltest?"
Oh. Das hörte sich so an, als ob das Ertrinken jemanden zum Denken angeregt hatte. „Ja", gestand Huojin. „Man kann einem Kind sagen dass es nicht haben kann was es will bis man blau im Gesicht wird. Dadurch tut es aber nicht weniger weh." Er zog eine Augenbraue hoch. „Fang am Besten mit einer Entschuldigung an."
„Ich dachte ich fange mit deinem Hals an", sagte Lee mit schiefem Lächeln.
Huojin berührte seine Schrammen und verzog das Gesicht. „Damit kann ich leben."
(Iroh /Teeladen/ Ba Sing Se)
Onkel,
Es tut mir so Leid, dass ich wütend auf euch war. Einfach nur, weil ihr da wart und Mama nicht. Weil Vater klar stellte, dass ich seiner Zeit nicht wert war und sie schon. Wegen vielen Sachen.
Ich werde mich bessern.
Ihr werdet es mir wahrscheinlich noch ein paar mal in den Schädel prügeln müssen. Jähzorn. Leichtsinn. Der ganze Mist.
Ich gehe mit Amaya ein paar Dörfer in der Nähe der Äußeren Mauer besuchen, wir sind bald wieder da.
… Und sagt nichts zu Huojin, aber es ist wirklich schwierig jemandem das Leben zu retten, während man versucht nicht zu kichern. Wild gewordener Regenschirm-Geist. Ha.
Lee.
Als zwischen den Gästen eine kleine Pause war, las Iroh die Notiz noch einmal und lächelte. Er faltete sie, steckte sie wieder weg und beschäftigte sich wieder mit seinem Tee.
(Zuko, Amaya/ Dorf bei Äußerer Mauer/ Ba Sing Se)
Der Apfelbaum bewegte sich im Wind und Zuko schwankte mit ihm. Er ließ seinen Blick über die grüne Fleckendecke von Feldern und Dörfern innerhalb der Äußeren Mauer schweifen. „Hier draußen könnten kleine Inseln verloren gehen."
„Kannst du mein kleines Fluffielein sehen?", wurde von unten herauf gerufen.
Zuko schaute die flauschige weiße Kreatur misstrauisch an, wo sie sich in einer Astgabel putzte, gerade außerhalb seiner Reichweite. „Ich sehe sie."
„Und?"
„Wenn ich sie hole wird sie nicht sehr froh darüber sein", warnte Zuko.
„Oh, bitte, bring sie einfach herunter!"
„Ich habe sie gewarnt", murmelte Zuko. Er sammelte Wasser in seinen Händen und warf es aus.
Ein kreischender, nasser, weißer Tornado landete in einem Komposthaufen und zerschredderte Blätter flogen in alle Richtungen.
(Amaya, Zuko/ bei Äußerer Mauer/ Ba Sing Se)
Selbst als Wasserbändiger ist er ein geborener Feuerbändiger, dachte Amaya mit trockenem Humor, als sie half die letzten Kratzer derjenigen zu säubern, die geholfen hatten, das Haustier der Stadtfrau zu fangen. Er arbeitet nie um ein Problem herum, wenn er direkt hindurch stoßen kann.
Ah, nun gut. Keiner hatte schlimmeres als ein paar Kratzer abbekommen und Fluffielein war bei ihrer Besitzerin zurück, die schon gegangen war, um den Zug noch zu erreichen, nachdem sie freudestrahlend ihr noch immer feuchtes Kätzchen in Empfang genommen und dankbar eine kleine Geldsumme an alle die geholfen hatten, verteilt hatte.
„Also, wie kommt eine Stadtkatze den ganzen Weg bis hier hinaus?", fragte Zuko, während er mit Stirnrunzeln eines der neugierigen Bauernkinder behandelte.
Gute Frage, erkannte Amaya. Sie warf einen versteckten Blick zu ihrem Lehrling. Du weißt immer, wenn etwas nicht zusammenpasst, nicht wahr? Gute Angewohnheit.
„Irgend so ein verrückter junger Erdbändiger aus dem Oberen Ring", sagte die Frau des Bürgermeisters, Wu, mit missbilligender Miene. Sie winkte mit der Hand, deutete vage nach Norden und Westen. „Hat ein paar Felder aufgewühlt außerhalb der Inneren Mauer und das für einen Zoo. Es heißt, dass vor ein paar Tagen eine Tierstampede war – mit allen Tieren in der Stadt!"
Das löste eine Flut von Tratsch und Spekulationen aus; was die Adeligen des Oberen Rings sich dachten; wer die Stadt ernähren würde, wenn das Schule machte; mit wie viel mehr die Bauern entschädigt worden waren, als sie zugaben; hieß das, dass die Generäle die Äußere Mauer wieder nach außen bewegen würden und hieß das wiederum, dass der Krieg gut lief oder...?
Amaya war überrascht zu bemerken, dass Zuko sorgfältig auf das alles lauschte.
Warum überrascht dich das? fragte sich die Heilerin nach einer kurzen Weile. Nicht wenige dieser Leute sind Feuernation, er sieht das ebenso klar, wie sie ihn sehen. Wenn er und Mushi wirklich ...diese unmögliche Ding planen, das sie planen... natürlich muss er wissen, worüber sie sich Sorgen machen.
Das zeigte einen Blick für Details, den sie nie von jemandem in Zukos Alter erwartet hatte. Egal ob er von den Geistern geprüft worden war oder nicht.
Sie haben wirklich vor das durchzuziehen. Sie wollen ihre Leute evakuieren. Sie wollen wirklich eine Zuflucht außerhalb von Ba Sing Se erschaffen.
Ich habe mich schon so lange um mein verborgenes Volk gekümmert...
Aber ein Heiler zu sein bedeutete, dass man tat, was für die Patienten am Besten war. Nicht das, was man wollte. Amaya wappnete sich und verbrachte einen Morgen damit jene zu besuchen, die nicht die Kraft oder Zeit hatten, in den Unteren Ring zu kommen. Sie wartete bis sie in dem Zug waren, der sie wieder zurück brachte, und murmelte: „Glaubst du, dass ihr es mich wissen lassen könnt, wenn ihr in Sicherheit seid?"
Zuko hob die eine Augenbraue und grinste auf eine Art, die sie an seinen Onkel erinnerte. „Wollen sie nur davon hören? Oder wollen sie helfen es zu erschaffen?"
(Tingzhe, Zuko, Jinhai/ Haus der Wens/ Ba Sing Se)
„Ich will nicht!"
Tingzhe saß im Keller, auf der Seite und hielt den Atem an, froh darüber, dass er Suyin beim ersten Anzeichen dass Jinhai auf einen ausgewachsenen Wutanfall zuging, nach oben geschickt hatte. Er konnte sehen wie 'Lee' schweigen bis zehn zählte... und die königliche Linie von Sozin war nicht gerade für ihr ausgeglichenes und ruhiges Wesen bekannt.
„Feuerbändigen", sagte der junge Prinz gleichmäßig, während er still saß, „kommt vom Atem, nicht den Muskeln. Mein Lehrer hat Jahre gebraucht, um das in meinen Kopf zu bekommen, aber ich habe viele schlechte Angewohnheiten. Du solltest mit guten anfangen. Feuer ist nicht wie die anderen Elemente. Erde erhebt sich nicht um einen zu erdrücken, Wasser entscheidet sich nicht plötzlich, jemanden in die Tiefe zu ziehen. Aber Feuer breitet sich aus und wird immer versuchen, alles zu verzehren, was es kann. Du musst dein inneres Feuer kontrollieren. Und du musst mit dem Atem anfangen."
„Ich will nicht! Das ist dumm und macht überhaupt keinen Spaß und – "
Der Jugendliche atmete scharf aus und Feuer brach aus.
Tingzhe zwang sich, sitzen zu bleiben, selbst als Jinhai japste, während die Flammen beide Feuerbändiger umfingen. Er wird keinem Kind weh tun. Vergiss seinen Vater – der Junge, den du gesehen hast, ist geduldig, freundlich und nicht jemand der den Schmerz anderer genießt.
Ihr Geister, bitte, lasst mich Recht haben...
„Man kann das Feuer eines anderen Bändigers mit einer defensiven Bewegung teilen. Aber nur wenn man das eigene Feuer kontrolliert." Zukos Stimme war eisern. „Du willst aus diesem Kreis heraus? Dann tu es."
Jinhais Mund klappte auf. „Aber – das ist nicht fair!"
„Wer hat dir jemals gesagt, dass Bändigen fair ist?" Zukos Stimme wurde nicht weicher. „Das hier ist Feuer, Jinhai! Jedes Mal, wenn du bändigst, kletterst du in einen Käfig mit einem Gürteltier-Löwen. Und zwar einen hungrigen, wütenden Gürteltier-Löwen. Wenn du keine Kontrolle hast, frisst er dich bei lebendigem Leibe!"
„Papi..."
Der Professor schüttelte den Kopf, geballte Fäuste in den Ärmeln verborgen. „Als ich noch in der Ausbildung war, hat mir mein Lehrer einen extrem großen Felsen an den Kopf geworfen, mein Sohn." Zugegeben, ich war etwas älter. „Lee hat Recht. Bändigen ist nicht fair."
Jinhai streckte die Hand nach den Flammen aus und riss sie wieder zurück. „Aber er hat das Feuer!"
„Natürlich kontrolliere ich es", sagte Zuko trocken. „Willst du dass das ganze Haus niederbrennt? Wenn ich es loslasse, ist es genau das was passieren wird." Grüne Augen verengten sich. „Feuer ist Macht, Jinhai. Es ist die Entschlossenheit zu erreichen was man will. Wie sehr willst du an diesen Flammen vorbei kommen?"
Nicht bewegen, sagte sich Tingzhe grimmig. Wenn er nicht wirklich in Gefahr ist, dann bewege dich nicht.
Noch ein gemessener Atemzug und Zukos Flammenkreis schrumpfte nach innen. „Wie sehr willst du es?"
Jinhai wich vor den Flammen zurück, Augen weit aufgerissen, sein Blick huschte zu seinem Vater, als ob er nicht glauben konnte, das das passierte. „Du bist gemein!"
„Du hast keine Ahnung wie gemein ich sein kann." In Zukos Stimme schwang ein Hauch einer Drohung mit, der die Haare an Tingzhes Nacken sich aufstellen ließ. „Jinhai. Ich bin müde ist ein Grund aufzuhören. Ich weiß nicht was ich mache ist ein Grund aufzuhören. Ich will nicht ist niemals ein Grund aufzuhören." Der Flammenkreis flackerte ein wenig niedriger. „Entschlossenheit. Was willst du?"
Finger berührten fast die Flammen, Jinhai fuhr zurück und fiel fast über Zukos Knie. Er schaute wieder zu seinem Vater, immer noch verblüfft, dass Tingzhe nichts tat.
Oh, wie sehr ich eingreifen will. Aber stattdessen zog Tingzhe eine Augenbraue hoch, so wie er es tun würde, wenn Jinhai ihm ein Problem brachte, dass der Junge selbst lösen musste. Dann formte er mit den Lippen: „Denk nach."
Jinhai blinzelte und schluckte. „Ich will... aufhören?"
Das Feuer erlosch.
„Das geht", sagte Zuko müde. „Für heute ist es genug."
Jinhai war schon halb auf der anderen Seite des Kellers, hielt vor seinem Vater mit aufgerissenen, verletzten Augen an –
Dann drehte er sich auf dem Absatz um und floh die Treppe hinauf.
Tingzhe seufzte mit schwerem Herzen. Er betrachtete den Jugendlichen, der dastand, mit verschlossenem Gesicht und trotziger, balancierten Haltung und subtil gewappnet.
Er erwartet, dass ich ihn angreife.
Nun. Und was sonst sollte er denken?
„Komm mit in den Garten", bat Tingzhe. „Ich glaube, du brauchst die Sonne mehr als Jinhai."
Überrascht und argwöhnisch folgte ihm Zuko hinaus.
„Als ein Lehrer zum anderen", sagte Tingzhe gleichmäßig, als sie sich auf einer Bank nieder ließen, „wenn du müde genug bist, um die Geduld zu verlieren, dann sag deinen Schülern, dass sie nach Hause gehen sollen."
Zuko fuhr zusammen.
Tingzhe wartete ab, ließ die Stille sich ausbreiten. Junge, stolze Männer waren nichts neues für ihn.
„... Ich wollte das nicht so." Zuko starrte in die verhakten Zweige eines Senfbusches. „Ich habe Onkel versprochen, dass ich nachdenke. Ich... alles ist besser als es jemals war seit – wir waren drei Wochen lang auf einem Floß und hatten gar nichts! Ich sollte nicht wütend sein!"
„Vielleicht", überlegte Tingzhe. Auf einem Floß? Verbannt oder nicht, wie kommt ein junger Prinz... überlasse das Meixiang. Wenn sie richtig liegt, werden wir eine ganz schöne Geschichte zu hören bekommen. „Jedoch, wenn ich für drei Wochen auf einem Floß fest gesessen wäre, dann glaube ich, dass ich immer noch zornig wäre. Ganz zu schweigen wenn ich die anderen Ereignisse erlitten hätte, die du erwähnt hast."
Das nicht vernarbte Auge verengte sich. „Wenn ein Agni Kai vorbei ist, dann ist es vorbei."
„So wurde es mir gesagt", bestätigte Tingzhe. Und hier bist du und riskierst dein Leben in der Hoffnung, dass du dich nicht irrst und er mehr wie sein Onkel ist und nicht wie sein Vater. Du bist ein sentimentaler alter Mann, kein Zweifel. „Aber das Ergebnis eines Duells ändert nicht die Tatsache, dass du betrogen worden warst, noch bevor es begann."
Rauch stieg zwischen geballten Fingern auf. „Ich schuldete ihm Loyalität", biss der Jugendliche hervor.
„Als einer vom Erdkönigreich kann ich nicht vorgeben zu verstehen, wie stark dieses Band ist", sagte Tingzhe unumwunden. „Aber meine Frau sagte mir, dass Loyalität niemals Selbstmord verlangt. Einen dreizehn Jahre alten Jungen sich mit einem unerwarteten, viel stärkeren Gegner duellieren zu lassen – ich bin nicht sicher, ob Selbstmord dafür genügt." Versuchter Mord kommt schon näher. Von diesem Mann könnte ich es glauben.
„Doch wie ich schon sagte, ich kann es niemals wissen", legte Tingzhe dar, etwas wehmütig. „Meine Frau schenkte mir nicht nur ihre Hand, sondern auch einen Teil ihrer geistigen Stärke. Manchmal frage ich mich, ob meine Liebe genug sein kann." Er lächelte traurig und lehnte sich zurück. „Meixiang möchte deine Familie auf nächste Woche zu einer Mitbringparty einladen."
Zuko zögerte, während der Rauch fort geblasen wurde. „Was ist das?"
Meine Güte. „Warum unterhalten wir uns nicht mit ihr", sagte Tingzhe einfach. „Sie kann ein paar Speisen vorschlagen, die nicht schwierig zu machen sind und ich kann nie genau sagen, wie viel man für so viele Leute mitbringen sollte." Wenn er überhaupt weiß, wie man kocht, dachte der Professor belustigt. Manche unserer adeligen Kinder können spektakulär nutzlos sein...
„Wie viele Leute?", fragte Zuko argwöhnisch.
...Nun, hoffen wir auf das Beste.
(Iroh, Zuko/Wohnung /Ba Sing Se)
„Sechs Kinder und sechs Erwachsene", überlegte Iroh, während er mit einem Stück Kohle Notizen auf ein fleckiges Papier kratzte. „Hmm."
Mach es langsam. Mach die Bewegungen der Handgelenke richtig... Zuko zog das meiste Wasser vom Kelch mit nur einem einzigen gluckernden Spritzen und begann es zwischen die Hände zu strömen. „Es ist keine gute Idee."
„Es ist ein Abendessen. Kein Hinterhalt."
„Hat mich trotzdem überrascht", grummelte Zuko. „Sie können mich nicht wirklich dabei haben wollen, Onkel. Ich habe Jinhai Angst gemacht."
Iroh zog nur eine Augenbraue hoch. „Und was hat er getan, dass er es verdient hatte geängstigt zu werden?"
Zuko zog den Kopf ein und musste eine Hand kreisen lassen, um den Wasserstrom nicht fallen zu lassen. „Er war ein kleiner Bengel." Es hörte sich so kleinlich an.
„Während des Trainings?" Iroh nickte ein Mal. „Dann war es weise, ihn zu berichtigen." Der pensionierte General hielt eine warnende Hand hoch, ehe Zuko protestieren konnte. „Wenn ihr jetzt glaubt, dass ihr zu hart wart, dann beobachtet ihn in der nächsten Stunde genau. Ihr solltet nicht wünschen, dass er euch fürchtet. Doch ein kleines bisschen Furcht an sich ist nicht immer schlecht. Feuer ist gefährlich. Selbstkontrolle ist lebensnotwendig. Ein Feuerbändiger kann sich nicht wie ein launischer Bengel benehmen." Iroh hielt inne, blickte in seine Erinnerung. „Egal wie sehr ein Kind es verdient hat."
„Ich mache Sachen kaputt", murmelte Zuko, sich jetzt noch schuldiger fühlend. „Er wollte – einfach nicht atmen."
„In letzter Zeit habt ihr nichts kaputt gemacht", legte Iroh dar. „Ihr werdet immer daran arbeiten müssen, eure Wut zu kontrollieren. Das ist ein Fehler der in unserer Familie liegt und keiner von uns entkommt ihm. Doch so unangenehm es ist, Neffe – ihr zerstört Gegenstände. Ihr verletzt keine Menschen. Ein Feuerbändiger, der seinen Atem nicht kontrolliert, wird nie sein Feuer kontrollieren. Wir wissen beide, wozu das führt." Er legte seine Notizen zur Seite und nickte zu der Flüssigkeit, die mit Zukos Bewegungen floss. „Was ist das?"
„Amaya nennt es 'das Strömen des Wassers'", antwortete Zuko und konzentrierte sich, als er es in einen Bogen nach oben führte. Aus irgendeinem Grund drohte es jedes Mal auseinander zu fallen, wenn er es über seinen Kopf bewegte.
Oh, Dummkopf. Nordpol. Eis und Wasser über deinem Kopf war nicht gut, erinnerst du dich?
Damals hatte er es geschmolzen und überlebt. Das hier war nur ein bisschen Wasser. Es würde ihn nicht ertränken.
Sich kräuselndes Wasser wurde gleichmäßig und er atmete freier und zog das Band wieder herunter, in Hüfthöhe. „Es ist eine Anfängertechnik. So wie man mit einer Kerze spielt."
„Um ein Gefühl für sein Element zu entwickeln, unter kontrollierten Bedingungen." Iroh nickte und hielt dann inne. „Ihr lasst Jinhai noch nicht mit einer Kerze arbeiten."
„Nein." Zuko dehnte das Wasser. Er zog es zu einer Kugel über seiner Handfläche zusammen und warf es wieder in einen schwebenden Bogen. „Wenn er morgen wieder an Atemtechnik arbeitet, lasse ich ihn das Brennende Blatt versuchen."
„Gut", erklärte Iroh. „Wenn er sieht wie Kontrolle direkt angewandt wird, mag er klarer verstehen, weshalb er sie benötigt." Er hob eine Augenbraue. „Für eine Anfängertechnik sieht das recht nützlich aus."
„Man verbessert die Präzision und arbeitet an Richtung und Menge", stimmte Zuko zu. Nach oben und herum. Kann ich – ? Ja, drehe es einfach in diese Richtung... Er zog die Finger durch das Band, teilte es in drei Bänder, hielt sie kräuselnd für ein paar Momente und ließ sie wieder zusammen fallen.
Doch es war ein langer Tag gewesen und er spürte das Zittern, das ihm sagte, dass er sich übernahm. Er holte das Wasser zusammen und gab es in den Kelch zurück. „Ich kann mir schon viel vorstellen, was ich mit nur dem hier machen kann. Ich habe schon ein paar Sachen gemacht. Das Netz das ich benutzt habe, um diesen Geist zu fangen? Ich hatte keine Ahnung, was ich eigentlich getan habe, als ich es mir ausgedacht habe, aber es ist einfach das hier in ein paar verschiedenen Teilen. Das Wasser werfen, eine Kugel formen und es einholen." Und das hieß, dass er es doch vielleicht einhändig hinbekommen könnte. Mit Übung.
„Grundlagen." Iroh lächelte. „Lernt sie gut und alles andere wird folgen." Er hob eine neugierige Augenbraue. „Wie fühlt es sich an?"
Zuko runzelte die Stirn, streckte sich nach dem stillen Gezeitensog des Wassers in ihrer Wohnung aus, in der benachbarten und auf dem Dach. „Es ist als ob man in der Brandung entlanggeht, gerade zwischen Ufer und Meer. Es schiebt und zieht an einem und die meiste Zeit über ist das in Ordnung, man geht einfach weiter. Aber wenn man nicht aufpasst und eine große Welle herein kommt – " Er klatschte die Hände zusammen, erinnerte sich an das Stöhnen des verbogenen Metalls ihres Schiffes in der Mitte des Sturms.
„Feuer und der Ozean", grübelte Iroh. „Es ist nicht sicher ihnen den Rücken zuzukehren. Doch respektiert man sie, sind sie machtvolle Verbündete." Er lachte leise. „Sogar schön, nach allem, was ich euch habe bändigen sehen."
Oh. Das war... interessant zu wissen. Er hatte nicht gerade nach schönen Formen gestrebt, es war einfach so passiert und... richtig. Denke nach. „Es fühlt sich merkwürdig an", gestand Zuko. „Nicht im Chi, Amaya hat das in Ordnung gebracht. Nur – beides Bändigen zu können. Feuer und Wasser. Es sollte nicht gehen." Er zögerte. „Es sollte sich nicht anfühlen als ob es zusammen gehört."
„Sie sind nicht so getrennt wie man denken mag", sagte Iroh nachdenklich. „Mir wurde gesagt, dass im Kern alles Bändigen eins ist, dass selbst Nicht-Bändiger die lernen ihr Chi im Kampf zu nutzen, was ihr Suyin lehrt, von der gleichen Quelle schöpfen. Um genau zu sein... habe ich euch von Jin erzählt?"
„Alle Fünfundachtzig Arten?", sagte Zuko zögernd. Er passte bei dem Unterricht für Schlachtfeldstrategien auf, selbst wenn er sie nicht alle auswendig kannte.
„Es ist weise sie alle zu kennen, aber drei sind für das Bändigen am wichtigsten", bemerkte Iroh. „Neutrales Jin ist der Schlüssel zum Erdbändigen. Der Meister wartet und horcht um den genauen Moment zum Angriff zu finden."
„Professor Tingzhe", erkannte Zuko. „Er ist immer... ruhig. Abwartend. Bis er genau weiß, was er sagen will."
„Sehr wohl", stimmte Iroh zu. „Ich hoffe sehr, dass ich die Gelegenheit haben werde, um mich mit ihm über das Bändigen zu unterhalten. Wir nutzen viele ähnliche Haltungen, doch die Gründe dahinter sind sehr unterschiedlich. Und das führt uns zu Feuer. Positives Jin. Vorstoß und Angriff ist das Herz unserer Kunst. So wie unser Feuer von unserem eigenen Chi genährt wird, können wir nicht so lange kämpfen wie andere Bändiger. Also greifen wir als erste an, unnachgiebig um unsere Gegner zu überwältigen, ehe Ausdauer die Waagschalen des Streites ändern kann."
Dieses hier wusste Zuko. Aber er nickte und lauschte trotzdem, sich sicher, dass Onkel auf etwas hinaus wollte. Nun, er war sich größtenteils sicher.
„Wasser mag Feuer entgegen stehen, doch in Taktik und Energie ist unser wahres Gegenstück das Luftbändigen", fuhr Iroh fort. „Negatives Jin, Rückzug und Ausweichen sind Teil der Philosophie der Luft. Das habt ihr gesehen, während ihr den Avatar gejagt habt. Er wird keinem Angriff standhalten, wenn er fliehen kann; und so lange er er selbst ist, und nicht vom Geist vergangener Avatare besessen, wird er nicht töten."
„Die Mönche haben sich gewehrt", warf Zuko ein. „Ich habe die Tempel gesehen."
„Ein Erwachsener weiß, wann die Ideale der Realität Platz machen müssen", sagte Iroh sachlich. „Wenn alles Leben heilig ist, so ist es auch das eigene Leben. Und man sollte nicht erlauben, dass es geraubt wird." Er lächelte. „Und so haben wir den Kreis geschlossen und sind bei Wasser angelangt. Dieses balanciert sowohl positives als auch negatives Jin, verwandelt Verteidigung in Angriff und sie nutzen die Kraft ihres Gegners gegen ihn. Dies spart Energie und erlaubt ihnen lange Schlachten auszutragen. Doch sie führen selten den ersten Schlag aus und wenn sie zu langsam darin sind, den Angriff ihres Gegners umzukehren, verlieren sie an Schwung."
Das konnte den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen. Zuko blickte zur Seite, in Gedanken. „Also kenne ich positives Jin und habe negatives bekämpft..."
„Und ihr habt drei Jahre lang im Griff der Gezeiten gelebt", erklärte Iroh. „Ihr kennt das Wasser, Prinz Zuko. Vielleicht nicht so wie einer des Wasserstammes, doch ihr kennt es. Baut darauf auf."
Das mache ich. „Wir haben noch nicht darüber geredet..." Zuko schluckte. „Ich bin nicht mehr der Erbe. Ihr sagt, dass das viele eurer Pläne vernichtet hat. Hat es – wie beeinflusst es unseren Plan, dass ich ein Wasserbändiger bin? Nur weil unser Volk Amaya akzeptiert, heißt das nicht, dass sie es verstehen, wenn ich einer bin."
„Es ist möglich, dass einige von ihnen es nicht tun", sagte Iroh direkt. „Doch ist es ebenso wahrscheinlich, dass dies jene sind, die wir auch nicht hätten überzeugen können, wären unsere Namen rein."
Wir können sie nicht alle retten, sagte Zuko sich düster.
...Ich weiß, dass das nicht geht. Aber ich wollte es versuchen. „Viele von ihnen werden nicht fort gehen wollen", gab Zuko zu. „Sie haben schon einmal einen Neuanfang gemacht."
„Und wie ihr selbst wisst, ist es niemals leicht, ein neues Leben zu beginnen." Iroh nickte. „Wir werden verlangen, dass sie das Leben das sie aufgebaut haben hinter sich lassen und ihr Vertrauen auf jene setzen, die etwas erschufen, das wie ein verzweifelter Plan wirkt. Und wenn Jinhai der einzige Feuerbändiger ist, der hier geboren wurde in all jenen Jahren – werden sie das nicht als ein Risiko für ihre Kinder ansehen." Er schaute mit einem grimmigen Lächeln zur Seite. „Doch das Risiko mag größer sein als sie erkennen, wenn die Feuernation ihre Aufmerksamkeit hierher lenkt. Ich glaube nicht, dass es ein Zufall ist, dass Jinhai geboren wurde, während meine Belagerung noch hielt."
Okay, das war ein interessanter Gedanke für später, aber im Moment nicht entscheidend. „Also werden wir Leute bekommen, die Angst haben, die Dai Li satt haben, oder das Abenteuer suchen", schloss Zuko.
„Gut möglich", nickte Iroh. „Und es ist unwahrscheinlich das solche Menschen zurückscheuen werden, nur weil ihr ein Wasserbändiger seid. Ich gestehe, es wäre einfacher gewesen, die Loyalität unseres Volkes zu rufen, wären wir nicht zu Verrätern erklärt worden, doch diese Zeit ist vorbei. Wir haben beide gesehen, wozu Wasserbändiger imstande sind. Ihr werdet eine große Hilfe sein." Er seufzte. „Und bedenkt man, dass wir allein sind und uns verbergen, ist es eine Erleichterung zu wissen, dass einer von uns während der Sonnenfinsternis nicht ohne Bändigen sein wird."
Zuko fuhr zusammen. Er war schon vorher ohne Bändigen gewesen, aber Ty Lee hatte nie vorgehabt ihn zu töten. Acht Minuten ohne Bändigen, ohne bewaffnete Unterstützung, wenn jeder, der genug Verstand hatte aus dem Fenster zu schauen, wissen konnte, dass Feuerbändiger hilflos waren … keine gute Situation.
Ich kann Jinhai nichts sagen. Nicht, bis es geschieht. Vielleicht hat das Erdkönigreich bessere Astronomen als ich weiß, gut genug, um den Himmel im Auge zu behalten, so wie es die Feuerweisen tun. Aber das bezweifle ich. Es gibt alle vier Jahre irgendwo eine Finsternis. Wenn sie es wüssten, hätten sie es irgendwann im letzten Jahrhundert ausgenutzt. Also wissen sie es nicht. Und wenn das so ist – dann zwinge ich Professor Tingzhe nicht dazu zwischen seiner Familie und seiner Nation zu wählen.
„Was Einzelheiten angeht, wie Wasserbändigen uns helfen kann", Iroh lächelte, „da habe ich ein paar Ideen."
„Die tausche ich mit ein paar für Befestigungen", bot Zuko an.
„Oh?" Iroh sah interessiert aus.
„Wir müssen uns auf jedes Element vorbereiten", zeigte Zuko auf. „Ich habe ein paar Pläne, was wir machen können, falls wir Metall bekommen, oder wenn wir uns nur mit Holz begnügen müssen."
Es würde noch eine Weile dauern, bis er schlafen konnte, aber Onkels zustimmender Blick war es wert.
(Suyin, Zuko/ Haus der Wen/ Ba Sing Se)
„Okay", sagte Suyin zweifelnd, das trockene Blatt am Stiel haltend. Jinhai, der selbst eines hielt, sah ebenso verwirrt aus. In der Ecke sitzend, in der sie einen Ärmel stopfte, sah Meixiang nicht verwirrt aus – aber es sah auch nicht so, als ob sie es erklären wollte. „Ich weiß nicht so ganz, wie ein Blatt mir beibringen soll, wie man kämpft."
„Onkel würde etwas von winzigen Eicheln und mächtigen Eichen sagen, aber ich erspare euch die Sprichwörter", sagte Lee trocken. „Das sind eigentlich zwei Lektionen in einer. Aber sie hängen zusammen. Suyin du wirst besser, und das heißt, es ist Zeit dir zu zeigen, wie es ist, wenn man in einer Auseinandersetzung abgelenkt ist. Und das wird meistens der Fall sein. Bis du viel mehr Übung hast, wird sich jedes Mal wenn du in einen Kampf gerätst das Denken verabschieden. Also zeige ich dir jetzt wie das ist. So ist es weniger wahrscheinlich dass du in Panik gerätst, wenn du kämpfen musst. Wenn du die Kontrolle behältst, wirst du richtig reagieren, selbst, wenn du nicht denken kannst. Und das heißt, dass du überlebst."
Suyin nickte, hart schluckend.
„Jinhai. Bei deiner Lektion geht es um Kontrolle", fuhr Lee fort. „Kontrolliere deinen Atem und du kontrollierst dein Feuer. Das hier zeigt dir, wie genau das funktioniert." Er ergriff mit zwei Fingern die Mitte von Jinhais Blatt und ein Funke blitzte auf. „Konzentriere dich auf das Feuer. Halte die Flamme am Brennen, so lange wie du kannst. Langsam. Damit es so lange wie möglich dauert, bis es den Rand des Blattes erreicht." Lee grinste ein bisschen. „Es ist in Ordnung, wenn es nicht gleich klappt. Ich habe genug Blätter mitgebracht."
Gleichzeitig schauten die zwei Geschwister zu Lees Ausrüstung. Er hatte auch eine große Papiertüte voller Blätter mitgebracht. Suyin unterdrückte ein Kichern, allerdings nicht schnell genug und Jinhai rümpfte seine Nase in ihre Richtung.
„Keine Sorge, sie kommt nicht so einfach davon." Lees Finger zuckte herbei und Hitze wusch über ihre Hand –
Suyin ließ das Blatt nicht fallen, aber sie spürte, wie ihr der Schweiß ausbrach, ihr Atem schneller wurde und ihr Herz heftig schlug. Feuer, es brennt, ich bin keine Bändigerin...
„Suyin." Lees Stimme war unheimlich ruhig. „Ich weiß, du hast Angst. Genau darum geht es. Der Kampf ist das schrecklichste was es gibt. Feuer kommt dem nicht einmal nahe. Ich habe das Feuer, Suyin. Ich lasse nicht zu, dass es dich verbrennt. Tief durchatmen."
Ein durch die Nase. Aus durch den Mund. Nimm Haltung an.
Es war, als ob sie ihre Gedanken durch Stein hindurch zwang. Alles war zu hell, zu laut, zu schnell. Undeutlich sah sie eine Flamme aufflackern als Jinhai keuchte, sah, wie Lee durch den Keller ging, um ihrem Bruder ein anderes Blatt zu geben und ein paar aufmunternde Worte. Sie konnte nicht hören, was er sagte. Sie war nicht sicher, ob sie sie verstanden hätte, wenn doch.
„Suyin." Lee war vor ihr, drehte sanft ihr Gesicht von ihrem Bruder weg. „Er hat dich ein paar Mal verbrannt?"
Ich werde nicht weinen. Ganz bestimmt nicht. Augen füllten sich und sie nickte.
„Du hast ihn lieb, aber du hast Angst." Lee hielt ihren Blick, verständnisvoll. „Das ist in Ordnung. Darum geht es hier. Zum Teil. Man muss das Feuer respektieren. Aber wenn du Angst hast, machst du eine falsche Entscheidung, wenn es zählt. Also bringen wir dich darüber hinweg. Wie ist dein Atem?"
Stumm nickte Suyin wieder. Ein und aus. Ein, und aus.
„Das ist schwer", sagte Lee ernst. „Das weiß ich. Aber ich weiß auch, dass du es schaffen kannst." Er führte sie hinüber zu dem Futon. „Also fangen wir von vorne an. So fällt man, wenn man eine Hand nicht benutzen kann."
(Zuko, Meixiang/ Haus der Wen/ Ba Sing Se)
Schritte stampften zielstrebig die Treppe herab und Zuko hielt einen Fluch zurück. Wir müssen länger gebraucht haben, als ich dachte.
„Min. Jia." Meixiangs Stimme war warm, aber nicht ganz erfreut. „Ihr seid früh dran."
„Warum hat er seine Hände auf Suyin?", knirschte Min.
Jia grinste hinter ihm. „Und warum habt ihr nicht gesagt, dass er nicht schlecht ausschaut, auf eine ruppige Art – "
Suyin aus dem Griff, der sie zu Boden drückte aufstehen lassend, warf Zuko Jia einen harten Blick zu.
„...Uäh."
Ja. Das dachte ich mir.
„Ihr zwei –!", schäumte Suyin.
„Suyin." Meixiangs Stimme war hart. „Vergib meinen Kindern ihre schlechten Manieren, Lee. Sie sollten schon wissen, wie Voll-Kontakt-Training aussieht. Und dass nicht alle dem Krieg unversehrt entkommen." Sie schüttelte den Kopf. „Wir werden uns später noch unterhalten. Ihr zwei habt mich sehr enttäuscht."
Und was soll ich jetzt dazu sagen?, fragte sich Zuko. 'Entschuldigung angenommen'? Ich bin ein lausiger Lügner. Und ich bin nicht derjenige, den Min wirklich beleidigt hat. Respektiert er denn die Fähigkeit seiner Schwester ihre eigene Ehre zu verteidigen nicht?
Dann wieder lehrte das Erdkönigreich seinen Frauen nicht, wie sie sich verteidigen konnten. Wie verdreht war das?
Der Treppe bewusst den Rücken zukehrend griff Zuko nach Jinhais langsam brennendes Blatt. „Ich denke für heute ist es genug."
„Och." Aber Jinhai gab ihm das Blatt, während sein Blick zu seinem älteren Bruder glitt.
„Wenn du das üben willst, dann frage erst deine Eltern um Erlaubnis, damit jemand aufpassen kann", sagte Zuko schlicht. „Und mache es direkt über einem Sandeimer. Damit, wenn etwas schief geht, du es einfach nur fallen lassen musst." Er hoffte, dass er den verletzten Stich nicht gezeigt hatte. Er war an Reaktionen wie die von Jia gewohnt, aber Min –
Er ist Jinhais Bruder. Du bist nur sein Lehrer. Lass es gehen.
Aber das fühlte sich auch nicht richtig an. Er hatte nicht die Absicht sich in Familienloyalitäten einzumischen, Meixiang sollte das wissen, selbst wenn Min es nicht tat –
Er ist ein Erdbändiger. Hier geht es nicht um Loyalität. Ich weiß nicht worum es geht... aber ich kann nicht zulassen, dass er glaubt, er kann sich in ihre Lektionen einmischen.
Richtig. Halte dich an den Plan. „Es gibt noch etwas, das ich euch zeigen wollte", erklärte Zuko. „Wenn Madame Wen nichts gegen ein kleines Experiment einzuwenden hat? Etwas das der Professor gesagt hat, hat mich auf eine Idee gebracht."
Meixiang hob neugierig die Augenbrauen. „Dann zeig es uns."
Mit dem brennenden Blatt in der einen Hand griff er mit der anderen in die Tüte um noch eine Handvoll zu nehmen. Er ging zur Mitte des freien Raumes, steckte alle Blätter mit dem ersten in Brand und warf sie in die Luft.
Die Bewegung ist wie Wasser, nur etwas schärfer.
Er beschrieb mit dem Arm einen Bogen. Die brennenden Blätter folgten, wirbelten in ihrem eigenen, heißen Wind.
Ziehe daran, aber sanft. Reiße nicht die Flammen heraus. Lasse sie ihren eigenen Brennstoff mit sich tragen.
Und das war nicht im Entferntesten wie klassisches Feuerbändigen. Aber er hatte Sozins Stil dutzende Male gegen den Avatar geschleudert. Es brachte nichts.
Er kann ein Feuer löschen, das nur Chi ist. Aber wenn etwas in Flammen steht – damit ist er nicht so gut.
Azula auch nicht.
Kontrolle hielt die Blätter langsam am Brennen. Aber er hatte einen losen Griff an den Flammen, keinen festen, der sie weg ziehen würde. Vorsichtig... sanft... halte alles in Bewegung...
Wirbelnde Blätter folgten wirbelnden Händen. Zuko drehte sich und Feuer wand sich um ihn herum in einem brennenden Wirbelwind.
Es klappt!
Flammen schlugen höher hinauf, als sein Herz aufstieg und er lachte beinahe. Niemand hat Feuerbändigen wie das hier gesehen. Nicht seit –
Kuzon. Er wusste nicht, woher er das wusste. Er war sich dessen nur sicher, so sicher, wie er wusste, dass die Sonne am nächsten Morgen aufgehen würde.
Kuzon konnte heilen. Er kannte Luftbändiger. Er muss das hier auch versucht haben.
Urgroßvater. Danke.
Wind wurde langsamer, als er langsamer wurde und er führte die Hände in die Anfangshaltung des Strömenden Wassers, sammelte feurige Blätter in eine Kugel zwischen den Händen. Zuko spürte durch den Keller, nach anderem Feuer, seine eigene innere Flamme und die Jinhais feststellend, nach irgendwelche übrig gebliebene Funken suchend...
Dann atmete er langsam aus und ließ Feuer zu kalter Asche ersterben.
„Wow", hauchte Jinhai.
Min, so bemerkte Zuko mit düsterem Humor, sah plötzlich gar nicht mehr so selbstsicher aus.
Denke nach, sagte er dem jugendlichen Erdbändiger stumm. Es ist mir egal, wie gut deine Lehrer sagen, dass du bist. Ich habe schon gegen Erdbändiger gekämpft. Wenn du noch keine Feuerbändiger bekämpft hast – glaub mir, du willst nicht mit mir anfangen.
Und ich will nicht gegen dich antreten. Ich bin für Jinhai und Suyin hier. Ich bin sogar für dich hier, du Arsch.
Du willst nicht wissen, wie es ist, seine Familie zu verlieren. Glaub mir.
Vielleicht würde Min nachdenken. Vielleicht hatte Onkel eine bessere Idee. Im Moment hatte er keine Ahnung, was er sonst noch versuchen sollte. Erde hatte vielleicht nicht die Entschlossenheit von Feuer, aber sie hatten eine sture Ausdauer, die sie auf einen gewählten Standort fixierte, ein Fort, eine Stadt, eine Meinung. Er hatte keine Ahnung wie er Min von seinem 'Ich hasse Feuerbändiger' – Punkt rütteln sollte, ohne überwältigende Gewalt zu gebrauchen … und das würde Jinhais Training nicht zuträglich sein.
Also, sei wie Wasser. Weiche aus und lenke ab. Warte ab, was passiert.
„Ich muss meinem Ehemann von dieser Technik erzählen", überlegte Meixiang. „Es erinnert mich an die Sandbändiger, die er ein paar Mal beschrieben hat." Sie nickte, wie zu sich selbst. „Ich bin sicher, er freut sich schon darauf, es mit deinem Onkel auf der Party zu besprechen."
„Du was?", setzte Min an und brach auf dem harten Blick seiner Mutter wieder ab.
„Ich weiß, dass Onkel sich darauf freut", sagte Zuko höflich, bewusst die Anspannung in der Luft ignorierend. Er hatte schon mit schlimmeren Feinden gegessen. Und Iroh freute sich auf das, mit dem Kochen und allem.
Der Jahrestag von Lu Ten kommt näher. Er sollte – er sollte etwas Zeit davor haben um glücklich zu sein. Davor.
Denn Min war trotz allem nicht grausam. Nur stur und ignorant. Das konnte er überleben.
Er wechselte mit seinen Schülern Verbeugungen und ließ sich von Meixiang zur Tür begleiten. Und versuchte eine plötzliche Vorahnung abzuschütteln.
Starrköpfig. Ignorant und er weiß, dass ich ein Feuerbändiger bin. Aber er würde mich nicht bloßstellen. Er würde Jinhai nicht in diese Art von Gefahr bringen.
Ihr Geister, ich wünschte ich könnte es glauben.
(Huojin, Zuko, Iroh/ Haus der Wen/ Ba Sing Se)
Er ist so schreckhaft wie ein Kaninguru auf heißen Kohlen, dachte Huojin halb belustigt, während er aus den Augenwinkeln zu Lee spähte und der Bursche seinen Reiskuchen attackierte. Sehr ähnlich einem schlauen aber angespannten Wachkommandant, der eine Geiselnahme zerpflückte.
Armer Bursche. Er gibt sich wirklich Mühe. Er kann nur nichts mit 'normal' anfangen.
Oh, Lee wusste, welches Besteck er benutzen sollte und warum. Amaya hatte ihm so viel mitgegeben, auf das er aufbauen konnte –
„Also, was machst du in deiner Freizeit?" Jia warf ihm ein strahlendes Lächeln zu, das nur von der Vorsicht in ihren Augen gestraft wurde.
„Ich habe keine Freizeit."
– Er hat gerade bei Smalltalk völlig versagt.
„Ist er immer so ernst?", flüsterte Luli in Huojins Ohr, mit funkelnden Augen.
„So ziemlich", murmelte Huojin zurück.
„Ohh. Armer Junge..."
Am anderen Ende des Tisches, wo die Kinder waren, schwatzten die zwölfjährige Lim und neunjährige Daiyu fröhlich mit Suyin … und tolerierten Jinhai. Und das war so ziemlich das meiste, was man in ihrem Alter von ihnen erwarten konnte. Ganz besonders, nachdem der kleine, feuerbändigende Racker sich vor ein paar Monaten mit einem Topf voll Kleber an Daiyus Zöpfen zu schaffen gemacht hatte.
Ich kann es Lee nicht wirklich verübeln, dass er kein Hobby hat, gestand sich Huojin ein. Mit der Klinik und dann noch den Jungen von Schwierigkeiten fern zu halten, wer hätte da noch Zeit?
Ganz zu schweigen vom Wasserbändigen. Oma, Shu und Agni. Wenn Lee das zu all dem noch trainierte – wann hatte er Zeit zum Schlafen?
„Er ist immer beschäftigt, mein Neffe." Mushi lächelte. „Ich versuchte, sein Interesse auf Pai Sho zu lenken, aber er zieht es für gewöhnlich vor Landkarten zu studieren. Oder zu Angeln, hin und wieder."
„Zu dumm, dass du nicht bei der Fischflotte bist", sagte Min trocken.
„Das würde es schwer machen bei Meister Amaya zu studieren", sagte Lee ruhig.
„Als ob dir das fehlen würde", sagte Min skeptisch.
„Ja, es würde mir fehlen."
Oh nein. Huojin fuhr beinahe zusammen, als er diesen gleichmäßigen, sorgfältig ruhigen Tonfall hörte. Das ist so was von nicht gut.
Er konnte es Amaya nicht verübeln, einen stillen, angenehmen Abend für sich selbst haben zu wollen, nach einer Woche voll Lees und Mushis Chaos. Aber sie hätten jetzt wirklich eine gute, ruhige Stimme der Vernunft brauchen können.
Trotzdem, Luli war nicht umsonst so lange die Frau einer Wache gewesen. Sie stand mit einem angenehmen Lächeln auf. „Nun, es ist nie zu spät etwas freie Zeit zu haben, nicht wahr?", sie blinzelte Meixiang zu.
„Der rote Mangold ist auch so ziemlich erledigt." Meixiang nickte. „Wir können auch hier Schluss machen, wenn du willst." Sie winkte eine scheuchende Hand in Lees Richtung, wehmütig lächelnd.
Der regelrecht dankbare Gesichtsausdruck, den der junge Mann ihr zuwarf gehörte nicht zu einem Jugendlichen, der von einer übermütigen Meute Kinder zur Tür hinaus gezerrt wurde, grübelte Huojin düster.
Dann wieder war es doch richtig. Denn der Sohn eines Großen Namen hatte offensichtlich zwei grundlegende Antworten auf eine Drohung: töten oder ignorieren. Und wenn man bedachte dass er Min höchstwahrscheinlich nicht umbringen wollte und der junge Erdbändiger es unmöglich machte ihn zu ignorieren... ja.
Und dem unheilvollen Gesicht das Tingzhe da hat nach zu schließen, hatten sie diese Unterhaltung schon vorher. Und es ist nicht hängen geblieben. Huojin räusperte sich und rückte seinen Stuhl zur Seite, um eine bewusst schwere Hand auf Mins Schulter zu legen. „Ein kleiner Ratschlag gefällig? Lass das sein."
„Warum?", sagte Min säuerlich. „Weil er ein Feuerbändiger ist?"
„Nein", sagte Huojin knapp, seinen Blick nicht von dem Jugendlichen abweichen lassend, während Jia keuchte und der Rest der Erwachsenen sich anspannte. „Weil er dich mit bloßen Händen in der Mitte durchbrechen könnte. Buchstäblich." Er ist ausgebildet, er ist tödlich und er hat ein wirklich übles Jahr. „Was für ein Problem hast du überhaupt mit ihm?"
„Er ist Feuernation." Min sagte das wie einen Fluch. „Du weißt doch, wozu sie Feuerbändiger ausbilden."
„Das tun wir", sagte Mushi, grüne Augen wogen Min ab und befanden ihn für ungenügend. „Aber ich kann dir versichern, Lee war nie Teil irgendeiner militärischer Handlung gegen das Erdkönigreich. Er trat Erdbändigern der Armee entgegen, ja, aber das nur, als ich ein etwas närrisches getan hatte. Und selbst dann hat er sie am Leben gelassen. Sie waren zerschrammt und unter ihren eigenen Felsen begraben, doch davon abgesehen unverletzt." Er faltete die Hände vor seinem Bauch. „Aber weißt du wozu Feuerbändiger ausgebildet sind? Das bezweifle ich. Sonst würdest du dich nicht zu einem Hindernis für ein strategisches Hauptziel machen. Und dieses Ziel", fuhr Mushi über Mins Protest fort, „ist die Sicherheit von Jinhai, deiner Familie und uns allen. Jinhai muss lernen, oder deine ganze Familie ist in Gefahr. Du bist Jinhais Bruder und er schaut zu dir auf. Das bedeutet, dass mein Neffe seine Optionen, wie er mit dir umgeht sehr sorgfältig abwägt."
Jia erbleichte etwas. Damit beweist sie wieder einmal, dass sie um einiges schlauer ist, als sie ihre Freunde wissen lässt, dachte Huojin trocken.
„Lässt du ihn einfach so da sitzen und so was sagen?", sagte Min hitzig, seinem Vater einen Blick zuwerfend.
„Min", sagte Tingzhe mit angestrengter Geduld, „du hörst nicht zu – "
„Oh, ich habe genug gehört. Strategisches Hauptziel? Du sagst ein Lehrer soll seine Schüler respektieren. Und du lässt jemanden Jinhai unterrichten, dem er egal ist?" Er rückte seinen Stuhl nach hinten und Min blitzte Mushi an. „Alles war gut bevor ihr aufgetaucht seid! Sagen sie ihm doch, dass er seine Optionen so sorgfältig abwägen kann wie er will. Ich tue, was richtig ist."
„Min – ", fing Meixiang an.
„Ich bin bis zur Sperrstunde weg!"
Noch während ihr Bruder hinausstürmte, lächelte Jia schwach. „Ich... gehe und übe meine Haikus. Muss fürs Turnier bereit sein." Sie verbeugte sich höflich und floh in den oberen Stock.
„Oh, das wird ja so was von gut ausgehen", sagte Huojin sarkastisch. „Professor..."
Tingzhe hielt eine Hand hoch mit ernstem Gesicht. „Glaub mir, wir haben eine Ahnung wie unschön genau das werden könnte."
„Was, noch schlimmer, als das was er bisher gesagt hat?" Luli neigte den Kopf zur Seite, unersättlich neugierig. „Ich bin mir sicher, dass es nicht angenehm wird, aber das sind doch nur Jungen. Sollen sie sich doch gegenseitig verprügeln und... Meixiang?"
Die Frau des Professors schüttelte den Kopf traurig, während sie um den Tisch herum ging, zu Mushis Platz. „Ich glaube nicht, dass Lee weiß wie man nur ein Junge ist. Oder liege ich falsch?" Sie beugte sich hinab und flüsterte etwas in sein Ohr.
Mushi zuckte nicht im geringsten, doch er seufzte. „Vielleicht könnten wir das an einem ruhigeren Ort besprechen?"
„Mein Büro", schlug Tingzhe vor. Er schaute Huojin und Luli stirnrunzelnd an. „Es ist vielleicht besser, wenn ihr die Einzelheiten nicht kennt, für eure eigene Sicherheit. Meixiang und ich kennen schon den gefährlichsten Teil..."
„Ich glaube, dass wir reden können, ohne Namen zu nennen", sagte Mushi vornehm. „Natürlich nur, wenn sie wünschen mehr zu erfahren." Ein weiterer Seufzer. „Ich werde nur das sagen. Sollte Min wahrhaftig glauben, dass Lee Jinhai nicht respektiert und es ausspricht... ist es sehr wahrscheinlich, dass er eine sehr schmerzhafte Lektion erhalten wird."
(Iroh, Huojin, Meixiang/ Haus der Wen/ Ba Sing Se)
„Der Feuerlord", sagte Huojin schwach. Luli hielt seine Hand gepackt, Jadeaugen weit aufgerissen. „Er ist gegen den Feuerlord angetreten?"
„Es war der Kriegsraum des Feuerlords", sagte Meixiang bitter. „Wenn er sich entschied, es ihm übel zu nehmen – ja, er konnte erklären, dass Lee Respektlosigkeit zeigte." Ihr Blick huschte zu Iroh. „Es war grausam."
„Das war es", gestand Iroh traurig, als er sich ihres leisem, respektvollem Flüstern erinnerte: Prinz Iroh. „Ich hätte meinem Neffen nie erlauben sollen, diese Kammer zu betreten. Ich hätte wissen sollen, dass er nicht still halten könnte, wenn er eine Schandtat gegen unser Volk sähe. Ich hätte wissen sollen, dass er … zu viel Vertrauen hegte."
„Er sagte, dass er nicht einmal versuchte zu kämpfen." Tingzhe verzog das Gesicht, auf Irohs scharfem Blick. „Geben sie ihm keine Schuld. Er war sehr sorgfältig, uns keine Einzelheiten zu geben. Aber, Geister, ich verstehe warum."
„Es war die beste Entscheidung, die er hätte treffen können", sagte Iroh düster. „Ich erfuhr erst kürzlich von Ereignissen die mit dem Verschwinden seiner Mutter zu tun hatten." Er schauderte. „Ich wusste, dass mein Bruder Lees Schwester als Erbin vorzog. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie weit er gehen würde."
Luli und Tingzhe erbleichten, Meixiang schluckte trocken. Doch Huojin...
Huojin starrte ihn an, Wut in einen professionellen, bewussten Fokus kanalisiert. „Sie glauben, ihr Bruder hat dafür gesorgt, dass das passierte. Um Lee umzubringen."
„Ich glaube, dass er solch einen Tod für günstig gefunden hätte", sagte Iroh kalt. „Doch da Lee auf den Knien war, hatte selbst der Feuerlord keine Entschuldigung für einen tödlichen Schlag." Er schüttelte den Kopf. „Ich bin sicher, mein Bruder fand dies sehr unangenehm. Er zog Lees Schwester vor, das wusste ich. Wie sehr jedoch, erkannte ich nicht, bis sie mit dem Befehl erschien, uns in Ketten zurück zu bringen... lebendig oder tot." Iroh suchte Tingzhes Blick direkt. „Sie ist eine ausgezeichnete Feuerbändigerin. Ein wahres Wunderkind. Wäre ich auch nur einen Herzschlag langsamer gewesen um ihren Angriff abzuwehren – Lee hatte keinerlei Verteidigung gegen die Technik die sie entfesselte. Viele glauben, dass eine solche Verteidigung überhaupt nicht existiert."
„Seine Schwester hat ..." Luli zitterte, vor Empörung, nicht vor Furcht.
Sie haben einen großen Schatz in ihrer Frau gefunden, Huojin, befürwortete Iroh. Ich hoffe nur, dass mein Neffe ebensolches Glück hat. „Ich denke, sie beginnen zu verstehen, warum mein Neffe keine Ahnung hat, was er wegen Min tun soll."
„Oma und Shu." Der Professor hielt seinen Kopf in den Händen, holte tief Luft. Dann straffte er die Schultern und schaute auf. „Sie sind der Stratege, General. Was schlagen sie vor?"
„General?", sagten Luli und Huojin, entsetzt.
„Im Ruhestand." Iroh lächelte. „Und – warten sie." Er schloss die Augen, fühlte jenem Gefühl des abwartenden Feuers, viel kontrollierter als Jinhais winziges Flackern. „Jemand klopft gleich."
Noch ein paar Momente und die Faust seines Neffen klopfte an der Tür. „Onkel? Professor?"
Tingzhe zog eine Augenbraue hoch. „Herein."
Die Tür öffnete sich ein paar Zentimeter. „Ich wollte nicht stören, es ist nur – " Zukos Gesicht huschte über ernste Gesichter und er duckte den Kopf. „Was ist Erdverstecken?"
Ah. „Es ist wie Feuerverstecken, glaube ich", sagte Iroh nachdenklich. „Aber ohne Explosionen."
„Oh." Zuko sah immer noch zweifelnd aus.
„Und ohne Messer", warf Meixiang schnell ein.
„Okay." Zuko sah etwas weniger düster aus. „Danke." Er schloss die Tür und zog sich zurück.
„Keine Messer?", brachte Tingzhe heraus, während die anderen zwei noch glotzten.
„Unsere Spiele sind rau, mein Liebster."
„Woher wussten sie, dass er kommt?", fragte Huojin nach, während er noch die Tür anstarrte.
„Ein fähiger Bändiger kann sein Element in seiner Umgebung fühlen", informierte Iroh ihn. „Jeder Feuerbändiger trägt sein eigenes Feuer in sich. Mein Neffe kann mich auf die gleiche Weise erspüren, wenn er ruhig ist. Doch das ist nicht oft", gestand er. „Also. Um ihre Frage zu beantworten, weshalb wir hier sind, Madame Meixiang... haben sie noch etwa Geduld mit einem alten Mann." Geister, auf gewisse Weise war das der schwierigste Teil.
Die Kinder und ihr Leben sind in Gefahr. Sie haben das Recht es zu erfahren.
„Nach dem Duell erklärte der Feuerlord, dass mein Neffe in seiner Weigerung zu kämpfen beschämende Schwäche gezeigt hatte", fuhr Iroh fort. „Er wurde verbannt und geschickt um – nun. Das ist eine Geschichte für ein anderes Mal. Sagen wir nur, dass ich wusste, dass Lee seine Aufgabe niemals alleine überleben konnte. Deshalb schloss ich mich ihm an. Ich hoffte, ihn am Leben zu erhalten, ihn zu lehren und die schlimmsten Wunden, die mein Bruder ihm zugefügt hatte zu heilen. Und ich hoffte, fern von der Feuernation – eine Chance zu finden. Etwas Unerwartetes, dass zu unserem Vorteil genutzt werden konnte."
„Ich glaube, dass sie dafür einen Ruf erworben haben", sagte Tingzhe trocken. „Und da frage ich mich, warum ihr Bruder es gewagt hat, sie frei herumlaufen zu lassen."
„Ah." Iroh lächelte etwas traurig. „Doch bin ich nur ein trauriger alter Versager, der seinen Sohn verloren hat, seine Position und seinen Kampfeswillen. Mein Bruder selbst würde ihnen das sagen."
„Lee sagte, dass sein Vater auf sie abgewälzt hat." Huojins Augenbrauen zogen sich in einer unschönen Schlussfolgerung zusammen. „Das hat er wirklich so gemeint, oder?"
„Ich betrauerte meinen Sohn. Ich kehrte erst Monate nach dem Verschwinden von Lees Mutter nach Hause zurück", sagte Iroh gleichmäßig. „Auch das bedauere ich. Sein Vater hätte ihn nicht vor seiner Schwester beschützt und niemand sonst hätte es gewagt. Sie ist … grausam. Sie genießt es Schmerz zuzufügen. Und sie ist sehr talentiert darin, Leute glauben zu lassen, dass sie so unschuldig wie ein Koala-Lamm ist." Er hob eine Augenbraue. „Sollten sie sie sehen, dann rate ich ihnen, weg zu laufen. Schnell."
„Aber sie kann nicht nach Ba Sing Se kommen", warf Luli ein.
„Madame Luli, wir sind in Ba Sing Se", zeigte Iroh auf. „Ich gestehe, wir hatten Unterstützung, doch Strategie und Taktik liegen uns im Blut. Lee fand einen Weg in den Nordpol, bis ins Herz dieser Festung aus Eis, bevor Zhao mit all seinen Truppen eindrang. Ich zweifle, dass sie sich je aus freiem Willen als schlichter Flüchtling ausgeben würde, doch sollte mein Bruder es ihr befehlen, dann würde sie es tun. Sie ist ihm loyal." Seine Stimme wurde leise, traurig. „Und das ist auf gewisse Weise die größte herzzerreißende Tatsache von allen. Trotz all der Fehler, die mein Bruder hat, lieben ihn seine Kinder und haben ihm ihre Loyalität gegeben, ohne Vorbehalte. Und er... Ich beginne zu zweifeln, ob er jemals jemandem loyal war. Selbst unserem Vater." Iroh blickte in seine Erinnerung, voller Gram. „Ganz besonders unserem Vater."
„Ihr Vater? Aber das war – " Tingzhe unterbrach sich, jonglierte offensichtlich Namen und Daten in seinem Kopf. „Meine Güte. Das – ich bin sprachlos ..."
„Weiß es Lee?", fragte Meixiang leise.
Iroh holte Luft und seufzte. „Ja." Er betrachtete sie ernst. „Aber ich wusste es nicht. Und lange Jahre war Lee zu verängstigt, mir zu sagen, was er wusste. Sein Großvater war tot. Seine Mutter verschwunden und niemand wollte sagen wohin. Und er wusste schon längst, dass seine Schwester ihn als Hindernis sah, das entfernt werden musste. Er hatte eine sehr lange Zeit große Angst. Oft begräbt er Furcht in Zorn, was nützlich sein kann, wenn man um sein Leben kämpft. Aber er weiß, dass er das nicht in Jinhais Nähe tun darf."
Huojin stöhnte. „Im Grunde genommen ist der Junge innerlich so von Narben übersät wie eine Marder-Ratte im Hafen, ist so blind für normal gemeine Jugendliche, die einen nicht umbringen wollen wie ein Dachs-Maulwurf und so bösartig im Kampf wie ein Pygmäen-Puma, der von Skorpion-Vipern in die Ecke gedrängt wird."
„Sehr gut zusammengefasst", gab Iroh zu.
„Er wird Min zusammenschnüren und von einer Brücke baumeln lassen, oder?" Luli grinste schief.
Hocherfreut strahlte Iroh sie an. Er zog in Tingzhes Richtung eine fragende Augenbraue hoch. „Hätten sie etwas dagegen einzuwenden, wenn ich dies Lee vorschlage? Es wäre viel sicherer für Min als die meisten Szenarien, die ich mir vorgestellt hatte."
„Sie sollten besser nicht fragen, was ich glaube dass sie fragen", warnte Tingzhe, die Finger tappten unruhig auf einem Knie.
„Das tut er nicht", sagte Huojin offen. „Lee ist völlig verkorkst und aufbrausend, sicher. Aber er sucht keine Auseinandersetzung."
Luli rieb seine Schulter, ihre Augen waren mitfühlend. „Nur dumm, dass Min etwas anderes im Sinn hat."
„Richtig." Huojin nickte. „Also, wonach der General fragt, glaube ich sind – wie nennt man es, Einsatzregeln?"
„Genau das." Iroh neigte den Kopf. Er schaute wieder zu dem Professor. „Mein Neffe ist ein rechtschaffener und ehrenwerter junger Mann. Und er wird sich auch so verhalten, wenn einer uns nur darüber aufklärt, was angemessen ist."
Meixiang hielt ihr Schweigen, während ihr Mann die Arme verschränkte und Iroh zweifelnd studierte.
Nun. Niemand sagte, einen Erdbändiger von etwas zu überzeugen, was er nicht akzeptieren wollte, leicht wäre.
Wenigstens hat Zuko Spaß.
(Zuko/ Haus der Wen/ Ba Sing Se)
Lang ausgestreckt lag er auf dem Dach im Schatten der vom Seitenflügel des Hauses geworfen wurde, Hände gegen die Ziegeln gedrückt, während er dem Gemurmel von gebrochenen Haiku lauschte. Zuko grinste. Die Kinder die sich im Moment in Meixiangs Garten versteckten oder diesen durchsuchten wussten, dass er irgendwo sein musste, aber sie sahen nicht nach oben.
Erdkönigreich. Ha.
Nun, das war nicht ganz fair, gestand er, als Jinhai hinter die Wasserfässer des Gartens lugte um eine kichernde Lim zu entdecken. Viele Soldaten der Feuernation schienen auch nie den Trick zu lernen nach oben zu schauen.
Dumm. Luftnomaden sind nicht die einzigen, die Höhen nutzen können.
Die Dai Li schienen da schon mehr Ahnung zu haben, bedachte man die Art, wie sie sich von den Dächern hatten fallen lassen, als das mit dem Regenschirm-Geist passiert war. Und war das nicht ironisch, etwas mit den Leuten gemein zu haben, die ihn umbringen würden, wenn sie wüssten wer er wirklich war?
Sie bekämpfen Geister. Ich war hinter der Brücke zur Geisterwelt her. Und wir alle haben Befehle.
Befehle, die der Rest der Welt hasste. Befehle, die von ihren rechtmäßigen Herrschern abgesegnet waren. Wenn der Erdkönig nicht exakt wusste, was der Dai Li machte, dann verdammt noch mal sollte er es wissen.
Ja. Er hatte viel mehr mit den bedrohlichen Erdbändigern gemeinsam, als ihm lieb war...
Hm. Und da drüben sind sie.
Er widerstand der Versuchung den Schatten ein paar Dächer entfernt zuzuwinken. Sie würden es wahrscheinlich nicht zu schätzen wissen.
Und es ist alles in Ordnung, dass ich hier oben bin. Wir spielen ein Spiel.
Und wahrscheinlich erkannten die Dai Li das. Sie taten nichts. Doch schienen sie auf etwas zu warten...
Ziegeln zitterten unter seinen Händen und er bewegte sich nicht schnell genug.
Gebrannter Ton klammerte sich um ihn wie ein Schraubstock und Zuko spürte das Gewicht mehrerer Personen durch die Mauer und auf das Dach hinauf zittern. „Na, wie magst du das, Min!", schnarrte jemand. „Mann und du glaubst, dass du ein Dai Li wirst? Du hast das nicht mal kommen gespürt!"
Jugendliche. Ich hasse sie. Ich hasse sie alle, entschied Zuko, und packte weißglühende Wut. „Ich bin nicht Min", knurrte er.
„Hey... das ist er nicht", sagte ein anderer Junge, überrascht. „Also, was machen wir – "
„Spielt keine Rolle."
Eine dritte Stimme, bemerkte Zuko, tief und langsam und kontrolliert atmend, während er seine eingeklemmten Hände flach gegen das Dach presste und das Feuer in ihm auflodern ließ. Er ist der Anführer. Er ist arrogant –
„Er ist hier. Das macht ihn zu einem weiteren Flüchtlingsfreund der Familie. Also wird er eben die Botschaft überbringen."
Selbst während die Ziegeln sich zusammen zogen, grinste Zuko. Er wurde nieder gehalten. Er konnte nicht offensichtlich Feuer verwenden. Und es waren drei.
Zu dumm für sie.
„Ich verstehe ihre Sorge", sagte Iroh geduldig, „aber – "
Die Lampe im Büro loderte auf, die Flamme flackerte hoch und sank wieder in einem bewussten Rhythmus.
Oh, nein.
Heiße Ziegeln zersprangen und Zukos Hände hatten Raum sich zu bewegen.
Komm!
Man musste sein Element nicht sehen um es zu Bändigen. Man musste es nur fühlen.
Männliche Stimmen japsten, als Wasser gegen sie klatschte und sein Ziegelgefängnis löste sich. Das war alles was er brauchte.
„Geht ins Haus!"
Er hörte die überraschten Rufe der Kinder, aber sie waren weit entfernt. Er hatte drei Erdbändiger hier mit denen er fertig werden musste, drei junge, dämliche Jugendliche, die schon gezeigt hatten, dass sie tödliche Ziegeln bändigen konnten und da waren unschuldige Zivilisten unten –
Ein Schnitt seiner Finger durch Wasser und er hatte zwei Ströme, die über seinen Händen flossen. Eine Drehung und Bändigen und ein Luftstoß...
Eis fesselte vier Füße ans Dach. Der dritte Bändiger schrie auf, seine Füße rutschten unter ihm weg und er brüllte den ganzen Weg bis hinunter.
Wenn es nur er gewesen wäre, hätte Zuko die zwei übrigen ganz bewegungsunfähig gemacht, bevor er vom Dach sprang. Aber da waren noch andere und während Suyin Lim drängte und Jinhai mit zum Haus zurück zerrte, näherte sich Daiyu dem fluchenden Jugendlichen mit der unschuldigen Absicht zu helfen –
Knurrend schlug der Jugendliche sie mit einer Faust aus Erde zur Seite.
Schlechter Zug.
Zuko wich den Erdgeschossen von Kopfgröße aus mit kaum einem Gedanken. Angriffe, die in seine Richtung flogen, waren nicht auf die Kinder gezielt... und es gab noch einen anderen Grund, auf dem Boden zu sein, statt auf dem Dach. Das Wasser war näher.
Ein Strom peitschte und band beschäftigte Arme. Ein weiterer verwickelte sich mit den Beinen, ehe der Jugendliche ganz aufstehen konnte. Ein zweiter, gefrierender Atem folgte.
Hinunter und weg.
Etwas zischte durch die Luft und er konnte beinahe ausweichen.
Sie werfen Ziegeln, erkannte Zuko, durch den ersten Schmerz, der ihn durchzuckte. Er spürte, wie Blut herablief und beachtete es nicht weiter. Kopfwunden bluteten immer und er war noch nicht tot. Es ist dunkel, sie können unmöglich gut genug sehen, um sicher zu sein, dass ich es bin, den sie treffen –
… Verdammt, meine Wasserwand ist echt lausig.
Wankendes Wasser verlangsamte die Ziegeln zwar, aber es hielt sie nicht auf. Er konnte ausweichen, aber die Kinder – verdammt er war einfach nicht gut mit Verteidigung.
Also greife an.
Wasser zu verdichten war vielleicht schwierig, es zu bewegen dagegen einfach. Zuko wirbelte es in eine sich windende Welle zwischen sich und die Ziegeln und nutzte die steigende Beschleunigung des Mini-Wasserwirbels um sie zurück zu schleudern –
Und das Gewicht von Eis und Körpern, auf einem ziegellosen, von Feuer geschwächten Dach tat endlich genau worauf er gehofft hatte.
Krach. Knirsch.
„Meine Roben!", kreischte Jia.
Und alle Ziegeln stoppten.
Professor Tingzhe stand neben ihm, stand so beständig wie ein Berg, die Hände in einer formelle Geste für Halt, die wahrscheinlich jede Unze Erde in einem Umkreis eines ganzen Häuserblocks so unverrückbar wie Eis hielt. Nicht dass die zwei die halb durch das Dach gebrochen waren noch viel Gegenwehr aufbringen konnten.
„Was", sagte der Professor streng, „ist der Grund für diesen Vandalismus?"
„Kein Vandalismus", brachte Zuko heraus, während er das Wasser in eine kräuselnde Tentakel an seiner Seite holte. Zwei kleine Mädchen warfen sich in Lulis Arme und fingen an zu heulen. „Sie sagten, sie hätten eine Botschaft für Min."
„Ach, tatsächlich." Huojins Stimme tropften mit unschönen Absichten, als er den eingefrorenen Jugendlichen an funkelte. „Welcher von euch guten, rechtschaffenen jungen Herrschaften hat meiner Tochter weh getan?"
Selbst mit einem Frostbiss fing der Junge zu schwitzen an.
„Verschwindet. Aus. Meinem. Zimmer!" Jia tauchte an ihrem Zimmer auf, ihre Arme kreisten in einem energischen Bogen über dem Kopf –
Und ihre zwei Eindringlinge, Arme von Ziegeln fest geklammert, schossen durch das Loch im Dach wieder heraus. Und fielen.
Sie hielten kaum einen Zentimeter über dem Boden an. Es war nicht leicht, es in dem Licht der Lampe zu sehen, die Meixiang mitgebracht hatte, doch Zuko war sich ziemlich sicher, dass Tingzhe grinste.
Alle sind vollzählig, dachte Zuko. Onkel passt auf Jinhai und Suyin auf. Madame Luli hat ihre Kinder. Zeit die Wache das übernehmen zu lassen.
Erleichtert ließ er das geborgte Wasser in die Fässer zurück fließen und trat aus der Schusslinie. Dann nahm er seinen Wasserschlauch, den ihm Iroh reichte mit einem gemurmelten „Danke."
„Sehr zurückhaltend", lobte Onkel Iroh. „Gut gemacht."
„Das hoffe ich, Onkel", murmelte Zuko. „Da sind Dai Li ein paar Dächer nördlich von hier."
Autor-Notizen: Ja, Amaya hat die Löwenschildkröte getroffen.
Es gibt Nachfahren von Roku in dieser Geschichte, nur nicht ganz so, wie es im Kanon passierte. Im Kanon bleibt da ein großes Loch in der Geschichte... nun, ein kurz gewachsenes, etwas rundliches, unglaublich feuerbändigendes Loch. Wenn der einzige Grund, weshalb Zuko das Gute wählen kann Rokus Erbe ist (weil alle Nachfahren von Sozin BÖÖÖSE sind), wie erklärt man dann Iroh?
Eine Taktik, die ich nützlich finde, um Langzeit – OC's zu erschaffen: einfach eine 'Persönlichkeitskern' von einem anderen fiktionalen Charakter nehmen. Zum Beispiel basiert Huojin auf Commisioner Jim Gordon. Tingzhe? Dr. Henry Jones (Nicht Indiana, sondern Senior). Amaya, Jedi Heilerin T'raa Saa. Und noch andere sind zu finden. Auch zwei Charaktere von Buffy wurden verwendet.
Jetzt zu dem Konzept des 'unzuverlässigen Erzählens'. Zuko ist paranoid... nur kann man es nicht Paranoia nennen, wenn jemand einen wirklich auf dem Korn hat. Er wuchs mit Azula auf, die immer lügt. (Außer, wenn die Wahrheit noch schlimmer ist). Sowohl er als auch Iroh müssen denken, handeln und planen, nach dem was sie von historischen Avataren wissen (Roku hat Sozin nicht einmal darüber reden lassen, was er mit dem Imperium machen wollte, Punkt. 'Es gibt keine Möglichkeiten. Das ist das Letzte, das ich davon hören will.' Und später hat er das Leben des Feuerlords direkt bedroht). Und begründet auf das was Aang tut, nicht was Aang sagt. Aang mag ja ständig vom Frieden reden, er mag auch jedes Wort so meinen – aber schaut euch seine Handlungen an. Schiffsladungen von Leuten in arktische Gewässer zu werfen bedeutet Tod von riesigen Ausmaßen. Punkt. Und der Nördliche Lufttempel? Oh, Junge!
Aang will die Menschen vielleicht gar nicht in die Vier-Nationen-Schubladen zurück schieben – aber Zuko kann das nicht wissen. Und so weit es Zuko angeht, hat Aang von Anfang an ihm nicht die Wahrheit gesagt.
Zum Schluss... Zuko, der dem Hauptkonflikt in Ba Sing Se entgeht? Nicht die geringste Chance! Denkt daran, die Geister haben ihm immer auf dem Korn! Und das macht es einfach einen verrannten Plot wieder auf die Reihe zu bekommen, witziger Weise. Die extremen Zufälle sind Kanon!
Übersetzer-Notizen: Zwei Phrasen in diesem Kapitel, die mir Schwierigkeiten bereiteten waren zum einen 'pot-luck', die Mitbringparty. Das andere war 'rules of engagement' - Einsatzregeln. Ich persönlich habe keinerlei Kenntnis über das Militär und die Ausdrücke, die über das hinausgehen was der Normalverbraucher kennt, also kann es sein, dass manche Übersetzungen in dieser Hinsicht nicht ganz korrekt sein mögen. Meiner Meinung nach ist die Übersetzung für 'potluck' ganz gut so und trifft den Kern der Sache. Bei 'rules of engagement' ist eine deutsche Entsprechung schwieriger. Es deutet Verhaltensregeln für den Kampfeinsatz an, glaube ich, aber ich bin mir da nicht ganz sicher. Der Terminus wird in verschiedenen Situationen gebraucht und ist - glaube ich - einfach als solcher ins Deutsche übernommen worden, ohne eine entsprechende Übersetzung zu finden.
Was vielen Leuten nicht klar ist, ist dass der Wortschatz verschiedener Sprachen sich niemals hundertprozentig decken. Es gibt Worte im Englischen für die keine genaue Entsprechung im Deutschen existiert oder mehrere Worte, die mit verschiedenen Worten je nach Kontext übersetzt werden müssen. Wie zum Beispiel 'stalk' oder auch 'pleasure', oder 'chuckle'. Im Umgekehrten gilt das gleiche auch für das Deutsche. Hier habe ich auch ein paar Beispiele parat: Vaterland, Heimat, Gestalt. Versucht mal die genau und hundertprozentig ins Englische zu übersetzen ohne zu irgendwelchen Phrasen zu greifen. Anderen mögen vielleicht genau diese Worte leicht fallen, ich weiß es nicht, aber es ist ärgerlich, wenn manche meinen dass eine Übersetzung leicht wäre. Einen Text in einer Sprache zu verstehen ist eine Sache, ihn aber auch angemessen in eine andere zu übersetzen etwas völlig anderes. Meinen Respekt an alle, die das beruflich machen.
