Okay, es tut mir wirklich leid, aber die Klausuren haben mir keine Zeit gelassen. Ich habe jetzt drei Wochen Pause, also hoffe ich, dass ich für die nächsten Kapitel nicht so lange brauche.
Ein dickes Dankeschön an alle, die trotzdem weiterhin lesen und kommentieren. Ich hoffe, es gefällt euch weiterhin.
Kapitel 14
Sharon
Sharon erwachte am nächsten Morgen durch die Sonne in ihrem Gesicht.
Normalerweise hätte sie sich an so einem Morgen eine Tasse Tee gemacht und ihn auf dem Balkon getrunken, während sie auf Los Angeles im Sonnenlicht herabgeschaut hätte.
Jetzt starrte sie stattdessen auf die Gitterstäbe vor dem Fenster, die den in Licht getauchten Raum mit einem hässlichen Schattenmuster durchzogen.
Sie seufzte. Dass das gestern wirklich alles passiert war, dass sie wirklich hier war, wollte und konnte sie immer noch nicht so wirklich begreifen.
In dem Moment hätte sie wieder losheulen können. Aber was brachte das schon?
Ich werde dich hier rausholen, das verspreche ich dir.
Andys Worte hallten in ihrem Kopf wieder und das gab ihr sofort ein wenig Hoffnung. Sie kannte ihn jetzt schließlich lange genug, um zu wissen, dass, wenn dieser Mann sich etwas vorgenommen hatte, ihn nichts und niemand mehr aufhalten konnte.
Andy
Er hatte nicht wirklich geschlafen.
Immer, wenn er die Augen schloss, sah er Sharon vor sich. Übel zu gerichtet sah sie ihn mit nassen Augen flehend an. Flehend, dass er sie da raushole.
Er wollte nichts lieber. Nur hatte er Idiot es sich noch schwieriger gemacht als ohnehin schon.
Warum konnte er sich nicht kontrollieren? Warum musste er sein Temperament immer jedem zeigen, bevorzugt seinen Vorgesetzten?
Wütend schlug er die Decke zurück und setzte sich auf die Bettkante. Er sah aus seinem Schlafzimmerfenster über Los Angeles. Die Sonne ging gerade auf und tauchte die Stadt in orange-rotes Licht. Es war wunderschön.
Kopfschüttelnd lief er ins Bad und zog sich schnell sein T-Shirt und seine Boxershorts aus, bevor er sich unter die Dusche stellte. Er konnte die ganze Nacht kein Auge zutun, dabei war er so müde. Also drehte er die Dusche auf kaltes Wasser und schauderte kurz als er es anstellte. Es war unangenehm, tat fast weh, aber es erfüllte seinen Zweck. Hinterher war er wacher.
Als er die erste Tasse Kaffee getrunken hatte, stand die Sonne schon weit oben am Himmel. Er beschloss, dass sein Partner einfach wach sein musste.
„Provenza?"
Seiner rauen und grimmigen Stimme nach zu urteilen, war er alles andere als wach.
„Hey, Partner. Ich hab mich gefragt, ob ihr gestern noch weiter gekommen seid?"
Es war kurz still am anderen Ende der Leitung, doch als Provenza wieder sprach, zuckte Andy zusammen, völlig überrascht vom Ton und der Lautstärke des Mannes.
„Das fragst DU? DU IDIOT! Wie bescheuert kann man eigentlich sein, he? Tickst du noch sauber? Wieso hast du das gemacht in dem Interview? Was sollte das? Das war sowas von dämlich!"
Andys Kinnlade fiel herunter. Einen derartigen Ausbruch hatte er nicht erwartet.
„Hallo? Hat es dir etwa die Sprache verschlagen? Dass du ein Idiot bist, hätte ich dir auch schon früher sagen können!"
„Ich…"
Andy war wirklich sprachlos.
„Okay, hör zu, ich bin sauer auf dich, ja! Du hast da ganz schön was angerichtet. Eigentlich sind alle sauer auf dich und wenn Raydor das gestern gesehen hätte, dann wäre sie es mit Sicherheit auch."
Andy schloss die Augen. Sein Partner hatte ins Schwarze getroffen und das tat weh. Aber es tat nur so weh, weil er wusste, wie recht er hatte. Deshalb sagte er auch nichts.
„Aber…"
Andy öffnete die Augen wieder. Der Ton von seinem Partner war nicht mehr ganz so wütend wie vorher. Er zog die Augenbrauen zusammen und hakte nach.
„Aber?"
„Naja, da ich… Oder da wir alle sehen konnten, dass du, also-"
Er stoppte, was Andy wunderte. Provenza stotterte nur, wenn ihm etwas wirklich unangenehm war.
„Was denn?"
Louie seufzte tief.
„Ach mein Gott, weil du sie magst…"
Kurz war Andy geschockt, dann musste er trotz der Situation lächeln.
„Ach, ich mag sie also?"
„Jaja, hack nicht drauf rum, klar? Jedenfalls werde ich dir deshalb sagen, was passiert ist, auch wenn du ein Idiot bist."
Erleichtert atmete Andy aus. Es wäre unerträglich gewesen, nichts zu erfahren.
„Unter einer Bedingung."
Das Hochgefühl von dem vorhergegangenen Moment schwand etwas und Andy kniff die Augen zusammen, als er aus seinem Fenster starrte ohne wirklich etwas wahrzunehmen.
„Du musst mir versprechen, nicht auszurasten und erst recht nicht noch eine Dummheit zu machen."
Das hörte sich nicht gut an. Gar nicht gut.
„Ja, schon klar."
Er konnte förmlich hören, wie sein Partner die Augen verdrehte.
„Ganz ehrlich, Flynn."
„Jaa, versprochen, Kumpel. Ich mache nichts."
„Gut. Also, das Ganze lief nicht im Geringsten so wie geplant. Gleich nachdem du weg warst, hat der Typ seinen Anwalt verlangt und kein Wort mehr gesagt."
„Was?!"
Andy war perplex. Damit hatte er nicht gerade gerechnet.
„Ja, und wir hatten nun mal nichts gegen ihn in der Hand. Als also seine Bulldogge von Anwalt auftauchte, blieb uns nichts anderes übrig, als ihn laufen zu lassen."
Andy gab keine Antwort. Er war zu wütend. Seine Hände ballten sich zu Fäusten und er zerquetschte das Handy in seiner rechten fast. Provenza konnte anscheinend hören, wie seine Atmung immer schwerer wurde.
„Flynn? Bist du noch da? Mach jetzt bloß keinen Scheiß, ja? Flynn!"
Andy ignorierte ihn. Und er ignorierte sein Versprechen von vorhin.
Er griff nach seinen Autoschlüsseln und stürmte entschlossen aus der Wohnung.
