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Es zeigte sich, dass Obi-Wan mit allen seinen Vorhersagen recht behalten sollte. Owen erkannte, dass er als Gewinner aus dieser Abmachung hervorgehen würde und stimmte widerwillig zu.
Doch alle Sympathie die er vielleicht für den Jedi unter normalen Umständen gehabt hätte - und dies war bereits reichlich wenig - verschwanden durch die Art wie der Jedi die Sicherheit Padmés durch Owens Lage errungen hatte.
Die Abmachung war die, das Padmé und Obi-Wan bis zur Geburt der Kinder bei den Lars bleiben dürften. Bis dahin würde der Jedi genug Geld zusammen haben um das Land pachten zu können.
Die unterschwellige Feindseligkeit die Owen gegenüber dem Jedi empfand machte das Leben auf der Farm nicht immer einfacher. Owen erinnerte Obi-Wan oft und gerne daran, dass er nichts weiter als ein geduldeter Gast war. Es kam oft zu lautstarken Diskussionen, wenn Owen mit seinem Vater beim Abendessen über eine neue Anschaffung oder eine Umstrukturierung des Landes redete und Cliegg Obi-Wan um seine Meinung bat.
Die Tatsache, dass sein eigener Vater die Ideen des Jedi als interessant und für überlegenswert hielt, schien dem jungen Farmer noch mehr zuzusetzen. Cliegg hingegen schien nichts von dem innerem Zwiespalt seines Sohnes zu bemerken.
Padmé fragte sich wie lange es dauern würde bis Owen die Geduld verlieren würde. Nicht dass Owen ein schlechter Mensch war. Ganz im Gegenteil. Padmé glaubte, dass er ein großes Herzen unter all dem harten Getue hatte. Sie erinnerte sich immer noch an den zurückhaltenden jungen Mann den sie bei ihrem ersten Besuch auf Tatooine getroffen hatte, der Anakin die Hand gegeben und mit einem eher nüchternem Ton festgestellt hatte, dass er dann wohl sein Stiefbruder sei.
Doch der Krieg hatte sie alle verändert.
Die Zeiten waren härter, schlecht für den Umsatz und brachte ihnen Saisonarbeiter ein, die wohl eher in ein Gefängnis gehörten als auf Owens oder irgendeine andere Feuchtfarm.
Die beiden unterschiedlichen Männer schienen zu einer Art der Koexistenz übereingekommen zu sein. Sie arbeiteten den größten Teil der Zeit schweigend, aber friedlich miteinander und nach einem Monat überließ Owen Obi-Wan eine kleinere Gruppe von Männern und Droiden um auf den Nordfeldern zu arbeiten. Ob um ihn los zu werden oder weil er erkannt hatte, dass Obi-Wan einen passablen Farmer abgab, das konnte Padmé nicht sagen.
Wahrscheinlich war beides wahr.
Sie und Beru hatten weniger Probleme miteinander auszukommen. Beru war die ständige Anwesenheit einer anderen Frau zwar nicht gewöhnt, aber sie war umgänglich und heiter. Wohingegen Padmé den größten Teil ihre Jugend nur in Gesellschaft ihrer Kammermädchen verbracht und gelernt hatte mit anderen Mädchen und jungen Frauen auszukommen.
Frauen waren hier in der Minderzahl. Im ganzen Umkreis von Mos Eisley und Eista gab es dreiundzwanzig Frauen. Sie waren Ehefrauen oder Töchter. Farmerinnen gab es keine. Und die paar Barfrauen und Huren wurden nicht mitgezählt. Hier auf Tatooine war die Rollenverteilung noch genau so wie vor Hunderten von Jahren.
Padmé musste bald feststellen dass, obwohl die einzelnen Farmen alle mehrere Meilen auseinander lagen, Gerüchte hier schnell ihre Runde machten.
So kamen Beru und sie bald in den Genuss von weiblichem Besuch, der genau sehen wollte was es mit der Fremden auf sich hatte, die Beru aufgenommen hatte. Der Besuch bestand aus den Balinnen Frauen, die weiter nördlich auf einer der größten Feuchtfarmen lebten.
Beru hörte den Flitzer zuerst und schien sofort zu wissen was auf sie zukam.
„Früher oder später wären sie so oder so gekommen." meinte sie mehr zu sich selbst und stellte einige Becher und Saft auf den Tisch, bevor sie nach feuchten Tüchern griff.
„Wer?" fragte Padmé, bevor Beru an ihr vorbei ging ohne ihr zu Antworten.
„Du wirst sie kennen lernen. Bleib hier in der Küche. Ich komme gleich wieder."
Beru ging hinaus um die Frauen zu begrüßen. Sie verteilte die Lappen und ihre Gäste wuschen sich Hände und Gesicht damit, bevor sie ihrer Gastgeberin in die Küche folgten. Padmé konnte drei weibliche Gestalten durch das kleine Küchenfenster erkennen. Der Wind trug nicht nur trockene Luft sondern auch das Gelächter der Frauen hinüber.
„Na, wer ist das denn?" fragte die Älteste, als sie in die Küche trat.
„Das ist meine gute Freundin Padmé." stellte Beru sie vor. „Padmé, das sind Vera Balinnen und ihre Töchter Ethne und Reena."
Vera Balinnen war eine große, schlanke Frau mit hellen blonden Haaren die unter ihrem Kopftuch hervorlugten und einem offenen, markantem Gesicht. Ihr Mund war breit und sie lachte viel, was ihre kleinen Augen beinahe inexistent machte. Ihre Töchter Ethne und Reena waren alles in allem nicht so kantig wie ihre Mutter und hübscher anzusehen.
„Padmé." sagte Vera versuchsweise und lächelte dabei. „Ein schöner Name. Woher kommst du?"
„Alderaan." Die Lüge kam ihr inzwischen einfach von den Lippen.
„Alderaan ist auf jedenfalls grüner als Tatooine." Vera ließ sich mit einem Ächzen auf der Bank gegenüber Padmé nieder. Behände wickelte sie das staubige Kopftuch ab. Ihr feines blondes Haar stand etwas ab.
„Es ist wohl angebracht zu gratulieren." meinte Vera, mit einem Blick auf ihren Bauch und ließ ihre Hand über ihre abstehenden Haare gleiten. „Im wievielten Monat bist du?"
„Im sechsten." antwortete Padmé etwas widerwillig. Sie musterte die ältere Frau eingehend. Die Andere erwiderte ihren Blick mit einem Zwinkern.
„Ganz schön prall für den sechsten Monat." Ihr lautes Lachen war Padmé unangenehm, genauso wie ihre forsche Art. Ihre beiden Töchter verdrehten die Augen.
„Es werden Zwillinge." Padmé konnte den leicht verteidigenden Tonfall der sich in ihre Stimme gestohlen hatte nicht unterdrücken.
Beru schüttete den Frauen am Tisch Saft ein, bevor sie sich auch hinsetzte und Vera sagte, dass sie nicht so neugierig sein sollte. Die Ältere nahm es gutmütig hin, störte sich aber nicht daran.
„Nun," meinte Vera und sagte dann in Padmés Richtung: „Es gibt nicht viele interessante Dinge hier. Als ich vom Postmann gehört habe," hier sah sie zu Beru ",dass du eine Besucherin hast, musste ich herkommen und sie sehen."
Ethne schaltete sich ein. „Außerdem sieht sie nett aus. Mama wollte sehen ob sie nicht vielleicht einen ihrer Söhne heiraten möchte. Thom ist schließlich jetzt schon 26. Er sollte sich eine nette Frau suchen."
„Thom hätte Wendy heiraten sollen, als Zeit dazu war. Jetzt will sie ihn nicht mehr und man kann es ihr nicht verübeln." meinte Reena und warf ihrer Mutter einen Blick zu, den die Ältere ignorierte.
„Nein, Thom hätte Beru heiraten sollen. Aber leider war Owen schneller. Hmm, so spielt das Leben." Vera machte eine leicht bedauernde Geste und trank ihren Becher aus.
Beru und Vera verfielen in ein Gespräch, dem Padmé bald müde wurde zu zuhören. Sie unterhielten sich über Tuskenüberfälle oben bei den Hängen im Jutland, über neue Droiden, Hochzeiten und andere Dinge, die niemand interessant finden konnte, der nicht von hier kam.
Sie wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, bis sie hörte wie die Männer nach Hause kamen. Sie hörte sie draußen auf der Treppe, Owens durchdringende Stimme und Clieggs lautes Lachen. Manchmal befürchtete sie, dass Obi-Wan nicht zurück kommen würde. Dass er verschwunden war, wie Nebel.
Doch er war der Erste der in die Küche trat und die Frauen begrüßte. Er war voll von Staub und Dreck und Padmé griff nach einem der Lappen, kam ihm entgegen um ihm das Tuch zu reichen. Er wischte sich Gesicht und Hände daran ab. Sein Gesicht war sehr gebräunt seit ihrer Ankunft, was seine Augen noch durchdringender machte.
Während er sein Gesicht reinigte musterte er die Gäste. Dann fiel sein Blick zurück auf Padmé. Sie sah zurück. Dachte er was sie dachte? Daran das sie mit keinerlei Besuch gerechnet hatten, nicht daran gedacht hatten sich eine Geschichte zurecht zu legen? Nun, wahrscheinlich tappte nur Padmé selbst im Dunkeln...
„Huch." meinte Vera und stand auf. „Wer ist denn das? Noch ein Gast? Warum hab ich davon nichts gehört?" Vera wartete nicht darauf, dass Beru sie bekannt machte, sondern streckte ihm ihre Hand entgegen. Sie hatte große Hände, schlanke Finger. „Vera Balinnen."
Obi-Wan nahm ihre Hand und schüttelte sie. „Ben Kenobi."
„Und sie sind wer?" Vera warf einen spekulierenden Blick hinüber zu Padmé und ihrem Bauch. Beru sagte Veras Namen, doch Obi-Wan schien sich nicht daran zu stören.
„Padmés Schwiegervater." meinte er leichthin und Cliegg lachte dröhnend. Padmé selbst versuchte sich die Überraschung über diese Antwort nicht an merken zu lassen.
„Schwiegervater?" fragte Vera halb empört, halb belustigt. „Sind sie dafür nicht ein wenig zu jung?"
„Um genau zu sein? Nein." Obi-Wans Amüsement erinnerte sie an Meister Qui-Gon, der Padmé mit seiner ständigen Heiterkeit einige Male rasend vor Wut gemacht hatte.
Vera war für einen kurzen Moment sprachlos. Padmé sah den zufriedenen Blicken der Mädchen an, das dies nicht oft vorkam. Beru unterdrückte ihr Grinsen.
Die Männer setzten sich an den Tisch und bekamen wortlos Becher mit Wasser gereicht. Das Gespräch drehte sich bald um die heutige Ernte. Doch Padmés Gedanken kamen immer wieder zurück zu Obi-Wans immer regelmäßigerem Gebrauch ihres Vornamens.
