„Tadaaaa!", rief Patty, als wir das Türschild unseres Klassenraums erblickten.
Kid blieb vor der Tür stehen, allerdings so ruckartig, dass ich mit der Nasenspitze zwischen seine Schulterblätter stieß. Er drehte sich sofort um und ich ging sicherheitshalber einen Schritt zurück.
„Ich sollte noch anmerken, dass dich mein Vater in die Neumondklasse stecken wollte.", sagte er.
Ich sah ihn einfach nur an, da ich nicht wusste, welche Antwort der Todesgott nun von mir erwartete. „Und in welcher Klasse bin ich jetzt?"
„Halbmondklasse.", entgegnete er.
„Bei uns.", fügte Liz hinzu. Sie war ziemlich relaxt, im Gegensatz zu mir, da ich jeden einzelnen Muskel angespannt hatte und gleichzeitig noch müde war.
„Und wieso bin ich jetzt doch in eurer Klasse?", wollte ich wissen. Irgendeinen Grund musste es ja wohl haben, oder?
„Weil Kid dafür gesorgt hat, du Horst!", rief Liz und grinste mich an, weil ich es erst nach ihrer Erklärung kapiert hatte.
„Ach.", machte ich leise und sah zu Boden.
„Ich kann dich unmöglich allein in eine andere Klasse lassen.", sagte der junge Gott kühl. „Außerdem habe ich dich lieber in meiner Nähe, falls zu etwas anstellen solltest."
Den letzten Satz murmelte er mir entgegen, sodass nur ich und Patty es hören konnten.
Liz verdrehte die Augen, als habe sie ihren Waffenmeister trotz seines Flüsterns verstanden.
Hielt er mich etwa für eine weibliche Form des „Bad Boys"?
Aber mir war es von vorneherein klar gewesen.
Patty drückte die Klinke herunter und trat ein.
Es war eine Art Hörsaal, allerdings war er fast komplett leer. Nur ein Junge mit Brille und Halbglatze [in dem Alter?] saß schon in der ersten Reihe. Kid ging voran in die Dritte und wies mir an, mich neben ihn zu setzen, obwohl ich lieber zwischen den Schwestern gesessen hätte.
Der Brillentyp nahm mich kaum war, erst nach einer Weile, in der ich meinen neuen Lehrsaal bestaunte, drehte er sich zu Kid um und sprach irgendetwas mit ihm, was ich selbst völlig überhörte, da ich zu sehr mit meinen Gedanken beschäftigt war.
Patty saß zu meiner Linken, zu Kids Rechten Liz.
Maka und ich schüttelten uns lächelnd die Hände, als sie und ihr Partner eintrudelten. Bei Black*Star und Tsubaki verlief es ähnlich, mit dem einzigen Unterschied, dass mir der Meister beinah die Hand zerquetschte und ich drauf und dran war, sie in eine kräftigere Drachenklaue zu verwandeln.
Der Lehrer, der uns zuerst unterrichtete war dieser Dr. Stein, dem ich an meinem ersten, unoffiziellen Tag begegnet war.
Laut Maka war er ein Freund der Sektion, was mich interessiert, aber auch zugleich angeekelt stimmte. Eine Erfahrung war es sicher wert, aber die armen Tiere! Außerdem: Würde mein Magen dem Anblick der Innereien standhalten?
Zum Glück durfte ich mich erst einmal vorstellen, oder eher vorstellen lassen, da Kid anscheinend einen Drang zur Moderatorrolle hatte. Danach galt es verschiedene Organe einer Reihe von Tieren zuzuordnen und welche Vorteile man aus ihnen ziehen konnte.
Den Rest des Tages verbrachte Professor Sid damit, uns in Physik zu unterrichten, was ich recht interessant fand, auch wenn mir viele Begriffe fremd waren. Ehrlich gesagt hatte ich nicht erwartet, dass der erste Schultag so langweilig und gleichzeitig entspannt werden würde.
Ich hatte mit Hunderten von Fettnäpfchen gerechnet, wusste aber, dass wenn ich heute nicht hineintrat, es sicherlich ein andermal tun würde.
Der Tag ging für mich viel zu schnell um, da ich nicht nur aufmerksam zuhörte, sondern auch ständig Maka um mich herumwuselte, um mich zur Redseligkeit zu animieren, die mir gerade heute fehlte.
Durch sie erfuhr ich auch von einer Person namens Chrona, welche mit einer Lehrerin auf einer Art Mission war.
Demnächst würde man uns miteinander bekannt machen.
„Ach übrigens, mein Vater hat uns wieder mit einer Mission beauftragt.", meinte Kid nebensächlich, als er seine Arbeitsmaterialien zurück in den Schuber unter der Tischplatte legte und wir nur noch die Einzigen im Klassenraum waren.
„Wohl eher aufgehalst.", kommentierte Liz gelangweilt und starrte an die Tafel, die Sid gerade wischte.
Ihren Kommentar ignorierend fuhr er fort.
„Es ist nichts besonders Waghalsiges, da es sich in der Schule abspielen wird, aber ich bin dennoch etwas beunruhigt." Kid stellte seine Füße auf die Tischkante und steckte die Hände in die Hosentaschen, um stirnrunzelnd auf die Tischplatte zu starren.
Patty und ich sahen uns fragend an.
„Worin besteht denn jetzt die Mission?", fragte ich einfach nach.
Kid stand plötzlich auf und machte Anstalten den Klassenraum zu verlassen. „Erzähl' ich euch später."
„Wo will er denn jetzt hin?" Meine Frage blieb unbeantwortet in der Luft hängen, da sie mir niemand beantworten konnte.
In der Pause löste ich mich unbemerkt von den Thompson-Sisters und machte auf eigene Faust eine Spritztour durch die Schule, jedoch hauptsächlich, um Kid zu suchen, der sich hier irgendwo herumtrieb. Obwohl es hoffnungslos war, ihn in einem Gebäudetrakt wie diesem zu finden, versuchte ich es, jedoch ohne Erfolg.
Bis halb Sieben saßen wir zu Dritt in der Bibliothek, als Kid endlich zurückkehrte. Außer uns, war nur noch der Bibliothekar anwesend, der in einem Hinterraum des riesigen Raums ein Zimmer hatte.
„Wo warst du so lange?", meinte Liz vorwurfsvoll, doch der Shinigami würdigte sie keines Blickes, sondern blieb vor einem Regal stehen, um unauffällig hindurchzuspähen. Er prüfte, ob noch jemand hier war. Dann kam er zu uns, wagte es aber nicht sich zu setzen.
„Also, was gibt's?", wollte sie wissen.
„Anscheinend gibt es einen Späher an dieser Schule.", begann er. „Etwas was nicht hier hingehört."
„Was meinst du mit Späher?" Patty hatte sich von ihrem Bilderbuch losgerissen.
„Wir wissen nicht genau wer oder was dieser Fremde ist, aber er oder sie treibt sich gelegentlich in den Katakomben herum. Mein Vater hat mich angewiesen ein Auge darauf zu haben.", erklärte er.
Ich verkniff mir den Kommentar, dass er nicht nur auf den Fremden, sondern auch noch auf mich ein Auge haben sollte.
„Was gibt es da denn Interessantes?" Umsonst würde sich ja keiner im Schulkeller herumtreiben, oder? Teilweise fand ich es auch unheimlich, denn jetzt hatte ich das Gefühl, dass dort unten etwas lauerte.
Noch bevor der Gefragte etwas erwidern konnte, gab mir Liz Auskunft. „Zum Beispiel die ganzen Lehrerzimmer. Chrona schläft auch dort. Und das Geheimdepot befindet sich auch da unten."
Kid warf der älteren Schwester einen bösen Blick zu, anscheinend sollte ich das nicht wissen.
Tja, zu spät.
„Bring' sie nicht auf dumme Gedanken, Liz.", bemerkte er.
Ich zog einen Flunsch, ärgerte mich allerdings auch ein wenig über sein noch immer vorhandenes Misstrauen.
„Und was machen wir jetzt?" Es war beinahe erschreckend, wie lange Patty nun schon still zuhörte, ohne zu lachen. Es schien, als sei ihr die Sache ebenso ernst.
„Heute Nacht gehen wir da runter und sehen uns ein wenig um. Mein Vater hat nicht irgendjemanden ausgewählt, außerdem sollen wir uns nicht unnötig erwischen lassen."
Auch ich warf eine Frage dazwischen. „Wieso schickt er keinen erfahrenen Lehrkörper? Ich meine, die können ja schlecht „erwischt" werden, wenn sie eh da wohnen."
„Berechtigte Frage", wandte Liz ein und schlug die Knie überkreuz.
„Das stimmt." Kid lehnte sich an den Tisch, auf dem Pattys Buch lag. „Und um deine Frage gleich mit zu beantworten: Es ist wahrlich etwas seltsam, wenn eine Lehrkraft mitten in der Nacht noch durchs Gebäude schleicht. Außerdem sind wir hier Schüler, sodass wir auch ganz einfach mit der Ausrede „Wir haben uns verlaufen" durchkommen müssten. Und was den für Schüler verbotenen Bereich angeht: Mit der Death Card ist es uns gestattet, uns dort aufzuhalten."
Ich fragte erst gar nicht, was eine Death Card war. Es war auch eigentlich egal, solange es uns keine Schwierigkeiten einbrachte. Ich wollte einfach nur etwas essen und dann schlafen gehen. Doch bei dem Gesicht, das Kid zog, war sicher, dass es eine lange Nacht werden würde.
Da Kid ja ein Auge auf mich haben sollte, konnte ich es also abhaken, alleine zurückzugehen, er würde mich knallhart mitnehmen.
„Es ist aber noch nicht Nacht. Was willst du in der Zeit denn machen?" Ich hatte wahrlich keinen Nerv, jetzt noch stundenlang herum zu sitzen. Abgesehen davon, dass wir schon seit Stunden hier saßen!
„Wir warten." Der Ton seiner Stimme duldete keinen Widerspruch, dennoch zauberte es mir ein „Was zum Teufel?" aufs Gesicht.
Die Zeit schien gar nicht vergehen zu wollen, während ich lustlos vor einem Buch von Level 1 über Waffenformen hockte.
Nach einiger Zeit jedoch fand ich Gefallen daran, besonders als von beweglichen Formen die Rede war.
Ich setzte mich erregt auf und stierte in die Seiten.
Es gab Waffen die alleine kämpfen konnten, indem sie nur Teile ihres Körpers zur Waffe werden ließen. Daher brauchte nicht jede Waffe einen Meister. Es gab sogar sehr viele Death Scythes die allein kämpften.
Ich staunte nicht schlecht. Erst vor kurzem hatte Black*Star mir erklärt, was es mit den Todessensen auf sich hatte. Natürlich hatte er auch unablässig darüber geschwätzt, dass er Tsubaki im Nullkommanichts in eine Death Scythe verwandeln werde.
Dass ich nicht lache!
Dennoch nahm ich es ihm nicht übel, er war nun mal ein Angeber, aber auch ein echter Freund, wie Maka es mir mitgeteilt hatte.
Ich blätterte um, doch auf der nächsten Seite ging es schon mit einer Zeitlinie der registrierten Death Scythes von vor Jahrzehnten weiter. Meine Lippen verzogen sich zu einem leichten Schmollmund.
Moment, unten stand ein kleiner Verweis. Ich kniff die Augen zusammen, um die verblichenen, kleinen Buchstaben zu entziffern.
Es war ein Vermerk zu einem anderen Buch, das von verschiedenen Waffenformen handelte.
Dieses Buch musste ich haben!
Ich beschloss gleich mal den Bibliothekar nach der entsprechenden Regalnummer zu fragen, da ich in einem Bücherlabyrinth wie diesem ewig danach suchen müsste.
Bis dahin blätterte ich noch ein bisschen durch die gelben Seiten und merkte nicht wie ich immer schläfriger wurde.
„Es ist schon Viertel nach Zehn.", stellte Liz fest, als sie die riesige Analoguhr betrachtete, die über der Eingangstür hing.
Kid stand vor einem Bücherregal und sah von seiner Lektüre auf.
„Können wir jetzt gehen?", bettelte Patty. Sie war wohl nicht die Einzige, die sich kurz vor dem Wegratzen befand.
„Es wird langsam Zeit, ja." Kid stellte sein Buch zurück und räumte Pattys auch noch schnell weg, bevor er die Hand an die Türklinke legte und auf uns Drei wartete.
Ich legte mein Lehrbuch einfach an den Platz zurück, an dem ich es gefunden hatte, nämlich auf den Tisch neben mir, wo zahllose andere Schmöker verstreut lagen. Ich war wohl auch eine von denen, die gerade keine Lust hatten es einzusortieren.
Der Kopf sank mir auf die Brust, als wir die Stufen der steinernen Wendeltreppe herabstiegen, die zu den Katakomben führte.
„Das letzte Mal, war ich wegen dem Dämonenwerkzeug hier.", kommentierte Liz, ihre Stimme zitterte.
Ich war aber zu schläfrig, um etwas dazu zu sagen.
„Da wären wir." Kid nahm die Hände aus den Taschen und zündete eine erloschene Fackel auf dem endlosen Gang, der in beide Richtungen führte, an einer anderen Fackel wieder an.
Das Adrenalin schoss mir plötzlich wieder in die Venen und ich streckte meinen Kopf über seine Schulter, um besser sehen zu können.
„Unglaublich... .", staunte ich, doch Kid ging ignorant voraus.
„Achtet auf alles Verdächtige. Wir wissen nicht, mit wem wir es zu tun haben."
Unsere Schritte hallten schallend über den Gang und ich verwandelte mich von Fuß bis Schenkel in einen Drachen, sodass sehnige Drachenbeine aus meiner Short herausschauten.
Auf leisen Pfoten schlich ich hinter unserem Führer hinterher. Wir kamen an mehr als einer Tür vorbei und ich malte mir instinktiv aus, was zu tun wäre, sollte sich eine der Türen plötzlich öffnen.
In diesem Gang gab es weder Verstecke, noch die Möglichkeit in eine Seitengasse zu flüchten, wie in der Stadt. Würde also auf einmal eine Lehrkraft auf den Flur kommen, wären wir geliefert.
Es schien eine halbe Ewigkeit zu dauern bis Kid irgendwann stehen blieb. Patty hatte schon angefangen leise ihre Schritte zu zählen.
„Ab hier ist Verbotene Zone.", merkte Liz an, da der Shinigami es wohl für unnötig hielt.
Und tatsächlich: Ein breites Band mit der Aufschrift „Keep out" zog sich orthogonal durch den Ern.
Ich zog kurzeitig die Mundwinkel nach unten und bückte mich, um unten durch zu gehen. Weiter vorne wurde der Gang immer dunkler, da der Abstand zu den jeweiligen Fackeln sich immer mehr vergrößerte.
„Was genau suchen wir hier eigentlich?", flüsterte ich und schloss zu Kid auf, damit er mich besser hören konnte. Auf seinen Befehl hin sollte ich zwischen ihm und Liz gehen, falls ich in Versuchung käme irgendwelche 'Dummheiten' zu begehen. „Schließlich wissen wir ja nicht mal wie der oder die Fremde aussieht."
Einige Minuten vergingen bevor Kid mir antwortete, ich hatte schon damit gerechnet, dass er mich einfach überhört hatte.
„Etwas, das nicht hierher gehört, wird sich bemerkbar machen, allerdings nur sobald wir es entdecken." Er ließ sich zurückfallen, sodass sich seine Lippen beinah an meinem Ohr befanden, was mich genug Gründe gab tief durchzuatmen, damit ich nicht errötete. „Es wäre natürlich besser jemanden aus einer anderen Kategorie hierfür auszuwählen. Zum Beispiel einen Attentäter, aber jemand wie Black*Star würde uns nur unsere Chance verspielen."
Er seufzte und ging wieder voraus.
Ich blieb ausdruckslos, obwohl er meine Frage nicht wirklich beantwortet hatte. Um genau zu sein, hatte ich mir eine andere Antwort erhofft.
Als der Weg splitartig wurde, verwandelte ich meine Beine zurück, da mir die Steinchen zwischen die Paarhufe stachen.
Patty blieb ein wenig hinter Liz zurück und sah interessiert aber auch unschuldig zur Decke, was ich nicht wirklich deuten konnte.
Kid bemerkte es auch. „Patty.", rief er sie, dennoch auf Stille bedacht. „Was ist?"
„Ich höre etwas.", erwiderte sie und lauschte weiter gespannt. Doch außer ihr schien niemand etwas wahrzunehmen. Ich legte den Kopf schief und verwandelte eines meiner Ohren in das eines Drachen.
Und ja! Leise, aber deutlich vernahm ich leicht entfernte Stimmen.
„Gute Arbeit, Patty.", lobte ich, kam mir allerdings etwas albern vor, da das eher eine Aussage war, die zu Kid besser gepasst hätte. Ich war weder ihr Meister, noch hatte ich das Recht ihr etwas zu sagen. Aber es war unglaublich, dass sie mit normalem Menschengehör diese kleine Menge an Dezibel wahrnehmen konnte!
„Was hört ihr?", fragte Liz und auch Kids Blick ruhte auf mir und Patty.
„Stimmen.", erzählte Patty und wiegte den Kopf hin und her.
Ich verwandelte mein anderes Ohr auch und ging zur rechten Wand, um meinen Kopf seitlich daran zu legen. Dann tat ich ein paar Schritte vorwärts und horchte in verschiedene Richtungen, um das Geräusch zu orten. „Aus einem Raum, wie es scheint.", stellte ich fest und schärfte weiter mein Gehör. „Erwachsene."
„Vermutlich Lehrer.", entgegnete Kid schnell. „Wo genau?"
Nun hatte ich eine Idee. Ich bat Liz meine Schultern festzuhalten und mich durch den Gang zu führen, sodass ich die Augen schließen und mich besser aufs Lauschen konzentrieren konnte.
Allerdings musste ich meinen ganzen Kopf zur Drachengestalt werden lassen, was aber nicht weiter schlimm war. Das Einzige was mich an meiner Zweitgestalt störte, waren immer die Blicke der Anderen.
„Ich hab's.", sagte ich und öffnete die Augen, um wieder vollständig in meine Erstgestalt zurückzukehren. „Hier drin müssten sie sein."
„Jetzt höre ich sie auch.", meinte Liz und Kid nickte, bevor er sein Ohr vorsichtig an die Holztür legte, die in den Stein eingelassen war.
„Das ist auf jeden Fall Mira Knyges und noch irgendjemand." Er drückte seinen Kopf noch fester ans Holz. „Ich glaube, es geht um den Feierabend."
Da ich zu neugierig war, konnte ich einfach nicht widerstehen und verwandelte mein rechtes Ohr in ein Sehniges.
Immerhin konnte ich jetzt gezielt wahrnehmen, was geredet wurde.
„Dann geh' doch einfach.", sagte die weibliche Stimme, die Kid Knyges zugeordnet hatte.
„Ich glaube, ich habe aber den Weg vergessen. Sag' ihn mir doch bitte noch einmal kurz.", bat die andere männliche Stimme, die leicht rau war. „Es ist schon spät und ich will mir wenigstens jetzt die Mühe ersparen, mir den gesamten Lageplan des Schulgeländes nochmal in Erinnerung zu rufen."
Knyges schwieg kurz. „Die Zweitnächste rechts rein und am brennenden Gargoyl links."
„Danke.", entgegnete die raue Stimme.
„Sonst noch was? Ich würde dann nämlich auch gerne mal ins Bett."
„Nein. Das wäre alles. Gute Nacht, Mira."
Ich hielt die Luft an und warf Kid einen ängstlichen Blick zu. Was wenn der Typ gleich herauskäme? Wenn uns hier ein Lehrer fände, wären wir in großen Schwierigkeiten!
Death Card hin oder her, um Zehn vor Zwölf war es selbst für einen bevorzugten Schüler verdächtig mit drei Freunden im Schulkeller herumzustreunen.
Kid verzog allerdings keine Miene, zu konzentriert war er darauf, dem Gespräch zu lauschen, das jeden Moment beendet sein konnte.
Ich zupfte nervös an Kids Jackett. „Die kommen gleich raus!", formte ich mit meinem Mund die Lippenbewegungen nach, betend, dass Kid von den Lippen ablesen konnte.
Dieser schüttelte den Kopf. „Andere Seite."
Ich zog mich zurück zu Liz und Patty und wollte in Richtung Ausgang vorgehen, wo irgendwo ein Weg zur Rückseite des Raumes führen müsste, wenn Kid mich nicht belogen hatte, als sich plötzlich eine Hand auf die innere Türklinke legte und sie herunterdrückte.
Ich fuhr zu Kid herum, dessen aufgerissene Augen mehr verrieten, als es nötig war.
Die Tür öffnete sich.
Und mir war klar, dass mich meine schnelle Reaktion dieses Mal nicht retten würde.