Wer mich schlagen will, weil das hier (fast) nur eine dumme Author's Note ist, darf es gerne tun. Ich hab die letzte Zeit erstaunlich viele Anfragen gekriegt, was mit der Story ist und ich wollte mich dann doch mal zu Wort melden. Leider war die letzte Zeit wahnsinnig viel bei mir los: beruflich, privat und auch ein wenig gesundheitlich. Ich kam so gut wie zu nichts, hatte zwischendurch auch noch eine nette Schreibblockade und konnte deshalb so lange nicht mehr updaten. Tut mir auch schrecklich leid! Aber ich versichere, dass ich die Story weiter schreiben und beenden werde. Ich kann nur nicht sagen, wie schnell die Updates zukünftig kommen werden. Ich hoffe auch, dass das nächste Kapitel in den nächsten 1 bis maximal 2 Wochen komplett online ist.

Noch mal vielen Dank für die netten Nachrichten (powergleek: hätte dir gerne auf deine Anfrage geantwortet, aber du hast mich geblockt *lol*) und ein danke an meine lieben Leser, die mir hoffentlich wirklich zum Großteil geblieben sind. Da ich nicht ganz so mit leeren Händen dastehen will, gibt es noch eine kleine Preview (Rohfassung) vom kommenden Kapitel - ja, auch weil ich eine blöde kleine Tease bin :-p

Bis hoffentlich bald!

Preview:

(14) Schwarzer Sonntag

Ich sitze auf dem Bürgersteig vor ihrer Einfahrt und kann mich nicht entscheiden was ich machen soll. Unruhig knete ich meine Hände im Schoß und sehe immer wieder von rechts nach links. Es ist wirklich eine schöne Nachbarschaft. Tolle große Häuser, gepflegte Vorgärten. Aber das hilft mir auch nicht weiter. Ich hab keine Ahnung in welche Richtung ich gehen soll.

Vielleicht könnte ich ja doch noch einmal kurz zurück zum Haus gehen, klingeln und wenigstens nach dem Weg fragen. Und vielleicht meinen Klamotten und meiner Handtasche. Dann hätte ich wenigstens etwas Geld und könnte einen Bus nehmen, wenn sie mir vorher noch erklären würden welche Linie ich nehmen müsste. Aber irgendwie glaube ich nicht, dass mir jemand öffnen würde.

Na gut, vielleicht würde mir wirklich die Tür geöffnet werden. Aber wahrscheinlich stünde dann Santanas Großmutter mit einer Schrotflinte dahinter, würde mich damit bedrohen oder mir sogar vor die Füße schießen. Wenn nicht sogar schlimmeres. Mit den Orangen nach mir werfen oder so...

Sie hat mich jedenfalls viel zu sehr eingeschüchtert und ich traue mich nicht mehr zurück. Als ich jetzt noch einmal zurück zum Haus sehe, habe ich tatsächlich das Gefühl, als würde sich einer der Vorhänge im Untergeschoss leicht bewegen. Ich schüttele mich und sehe lieber wieder nach vorne.

Ich muss Santana unbedingt fragen, was es mit ihrer Großmutter auf sich hat. Ich hatte wirklich angenommen sie wäre eine liebenswerte, vielleicht etwas grimmige, alte Frau. Immerhin scheint sie ja ein gutes Verhältnis mit ihr zu haben. Aber dieser Auftritt hatte wenig Ähnlichkeit mit 'liebenswert'. Diese Sache ergibt sowieso wenig Sinn in meinem Kopf. Vielleicht will man seine Enkelin nicht unbedingt knutschend in der Küche erwischen, aber wo ist das wirkliche Problem daran?

Oder liegt es an dem, was sie mir erzählt hat? Dass ihre Familie ihren Lebenswandel nur toleriert solange sie ihn nicht öffentlich auslebt? Allerdings kann man eine Küche nicht unbedingt als öffentlich bezeichnen und ich bin mir ziemlich sicher, dass man uns nicht einmal durch die Fenster hat sehen können.

Außerdem weiß ich nicht wieso, aber irgendwo in meinem Kopf hatte ich die Idee, dass ihre Großmutter mit dieser Sache anders umgeht. Nach dem liebevollen Telefonat, welches ich vor wenigen Wochen belauscht hatte und dem Eindruck, den Santana auf den Fotos mit ihrer Großmutter macht, habe ich es mir irgendwie eingebildet. Dabei konnte ich es gar nicht wissen und bin jetzt wohl eines Besseren belehrt worden.

Vielleicht ist es auch viel einfacher und ich entspreche einfach nicht dem, was sich ihre Abuela unter einer zukünftigen Schwieger-Enkelin vorstellt. Obwohl das sicherlich auch nicht unbedingt einfach wäre. Außerdem denke ich gerade vielleicht schon einen großen Schritt zu weit. Obwohl ich schon allein bei dem Wort 'Schwieger-Enkelin' schmunzeln muss und sich die hibbeligen kleinen Schmetterlinge in meinem Bauch zu Wort melden, schüttele ich dann doch lieber den Kopf um diese Idee wieder daraus zu vertreiben.

Dabei fallen mir einige Haarsträhnen in die Stirn und bleiben fast umgehend daran hängen. Erst als ich sie versuche wegzustreichen, dabei gegen meine feuchte Stirn treffe, wird mir bewusst wie heiß es ist. Es ist drückend und mein gesamter Körper fühlt sich unter dem bereits leicht an mir klebendem Shirt wahnsinnig schmierig an. Wahrscheinlich ist es einfach auch nicht die schlauste Idee mitten in der prallen Sonne zu sitzen. Aber was soll ich auch anderes tun?

Ein weiteres Mal drehe ich den Kopf nach links und sehe lange die Straße hinunter. Ich kann keinen Hinweis entdecken, dass ich mich für diese Richtung entscheiden sollte. Als ich den Kopf dann nach rechts drehe, sieht es dort auch nicht viel anders aus. Gepflasterte Straße, Bürgersteige, parkende Autos, Häuser und irgendwie keine Menschenseele.

Ich weiß nicht, ob es einfach die Hitze ist. Oder die verzweifelten Versuche meines Gehirns eine Entscheidung über den möglichen Heimweg zu treffen. Vielleicht ist es aber auch der restliche Alkohol in meinem System, der sich in Verbindung mit den anderen beiden Dingen nun wieder melden will, aber mir ist komisch. Ich fühle mich schwummerig und ich bin mir nicht sicher, ob ich mir den Heuballen einbilde oder ob er gerade tatsächlich wie in einem Western die leergefegte Straße an mir vorbei rollt. Ich sehe ihm jedenfalls nach, mein Blick leicht verschleiert. Als ich die Augen jedoch kurz zu kneife und wieder öffne, ist er verschwunden obwohl ich mir sicher bin, dass er eben noch da war.

Eigentlich ging es mir die letzten Stunden doch recht gut. Überraschenderweise habe ich mich nach der letzten Nacht nicht zu schlecht gefühlt und es wurde auch stetig immer besser. Jetzt hier scheint mich der Kater allerdings doch noch einzuholen und ein anhaltender pochender Kopfschmerz schießt in meinen Kopf. Ich sehe kurz nach oben und muss sofort wieder die Augen schließen, als mich das unnatürlich helle Licht der Sonne blendet. Wahrscheinlich ist es wirklich einfach keine gute Idee so lange in der direkten Sonne zu sitzen.

Deshalb stehe ich schließlich ein wenig wackelig auf. Hätte ich eine Münze, würde ich sie jetzt werfen. So muss ich doch einfach selbst die Entscheidung treffen. Ein letztes Mal sehe ich erst zu Santanas Haus, hoffe noch einmal darauf, dass sie vielleicht einfach zu mir kommt und mich zurück holt. Ich starre beinahe auf die Haustür, als wolle ich sie hypnotisieren, hoffe auf eine Bewegung, doch sie bleibt regungslos. Seufzend wandern meine Augen dann wieder nach rechts und links die Straße entlang.

Wenn mir danach nicht sicher schlecht wäre, würde ich jetzt einfach mit geschlossenen Augen eine kurze Pirouette drehen und dann in die Richtung gehen, in der ich am Ende zum Stehen komme. Jetzt bleibt mir aber nichts anderes übrig, als eine eigene Entscheidung zu treffen und ich sollte vielleicht nicht noch länger sinnlos darüber nachdenken. Deshalb setze ich mich letztendlich mit einem etwas mulmigen Gefühl ein wenig schwerfällig und schlurfend in Bewegung. Nach rechts. Was kann denn dabei schon viel schief gehen?

x x x

Was kann schon viel schief gehen? Wenn man in meinem Körper steckt anscheinend eine ganze Menge.

Seit etwa 10 Minuten kann ich mich zusätzlich zu der allgegenwärtigen Erschöpfung auch nur noch humpelnd vorwärts bewegen. Wie aus dem Nichts musste dieser kleine spitze Stein vor mir auf dem Bürgersteig auftauchen. Er kam wahrscheinlich, während ich meinen Fuß für den nächsten Schritt angehoben habe, teuflisch lachend einfach angeflogen und hat sich dann in meine Fußsohle gebohrt, als diese wieder Kontakt mit dem Boden aufnahm.

Fluchend bin ich dann erst einmal unter Schmerzen auf der Stelle herum gesprungen. Was wiederum nicht sonderlich förderlich für das Pochen und Flimmern in meinem Kopf war. Ich musste mich erst mal setzen, tief Luft holen und dann den fiesen Stein aus meiner Sohle popeln. Und das war natürlich nicht gut für meinen Magen, meinen Kreislauf und alles weitere.

Normalerweise kann ich Blut sehen, aber diese eigentlich nur kleine Wunde war in diesem Moment beinahe zu viel für mich und ich hab den Ohnmachtsanfall schon kommen sehen. Mit geschlossenen Augen, gleichmäßigem Atmen und einfach einen weiteren Blick auf meinen Fuß vermeiden, konnte ich mich dann zum Glück aber wieder zusammen reißen. Kurz hatte ich nämlich schon wirklich überlegt, ob ich mich einfach auf dem Bürgersteig ausgestreckt hinlegen und auf mein nahendes Ende warten sollte.

Genau wie den Heuballen konnte ich mir bereits gut die über meinem Kopf herum kreisenden Aasgeier vorstellen. Lustigerweise wollte mir dabei aber nicht einfallen, welche Laute Aasgeier von sich geben und sie klangen in meinem Kopf deshalb wie eine Nachtigall, über die ich zufälligerweise vor einigen Tagen einen Fernsehbericht auf dem Discovery Channel gesehen habe. Dieser freundliche Gesang hat diese fiesen Vögel durchaus um einiges sympathischer werden lassen.

Immerhin musste ich mich aber dann doch nicht mit dem Gedanken abfinden als ihre Mahlzeit zu enden. Nach einigen Minuten konnte ich mich wieder aufrappeln und weiter gehen. Unter Schmerzen und noch viel langsamer als zuvor.

Besser wurden die Umstände danach jedoch auch nicht. Eher noch um einziges schlechter. Ich war fast schon erleichtert, als mir plötzlich endlich eine Person entgegen kam. In meinem Kopf musste ich nämlich schon die ganze Zeit an diesen einen Film mit Will Smith denken. 'I am irgendwas'. Wo er als einzig zurückbleibender durch eine verlassene, evakuierte Stadt rennt. Sogar der Gedanke an die Zombieapokalypse kam mir wieder kurz in den Sinn und für einen Moment habe ich mir tatsächlich vorgenommen in Zukunft nie wieder Alkohol zu trinken, wenn man dann nicht einmal mitbekommt, wie die Welt um einen herum unter geht.

Aber dank der älteren Dame musste ich mir darüber keine Sorgen mehr machen. Na gut, ich hab sie mir tatsächlich erst einmal näher angesehen – so wie sie sich langsam vorwärts bewegte, hätte sie ja doch ein Zombie sein können. Aber so wie ich meinen Fuß hinter mir her ziehe, könnte ich wohl auch als einer durchgehen. Jedenfalls wirkte sie nicht bedrohlich und ich ging erleichtert, strahlend auf sie zu.

Als sie mich jedoch erblickte, riss sie förmlich ihre Augen auf. Ich konnte noch nicht einmal ein Wort sagen, ehe sie urplötzlich überraschend flink die Straßenseite wechselte. Sogar als ich ihr nachging, sie ganz freundlich ansprach, blieb sie nicht stehen. Ihr Griff um ihre Handtasche versteifte sich eher und sie nuschelte kurz ein: „Ich habe Pfefferspray."

Für mich Grund genug die Verfolgung ziemlich resigniert aufzugeben. Wenn sie wirklich Pfefferspray hatte, hätte sie wohl nicht gezögert es gegen mich einzusetzen. Brennende Augen hätten meinem Allgemeinzustand wohl nur noch mehr geschadet.

Eine ganze Weile ging ich dann immer nur weiter geradeaus. Die Häuserreihen lichteten sich. Es wurden immer weniger, ehe sich vor mir tatsächlich nur noch eine langgezogene Straße etwas aufsteigend dahin zog. Es gab keine Abzweigungen. Keine Nebenstraßen. Also bin ich ihr weiter gefolgt.

Es dauerte lange, bis sich die Umgebung wieder veränderte. Ich war schon kurz davor umzudrehen. Es kam mir so vor, als hätte ich einfach das Ortsschild übersehen und Lima schon längst verlassen. Ich weiß zwar nicht, was als nächste Stadt gekommen wäre, aber ich wollte ganz sicher nicht in einer anderen Ortschaft landen. Obwohl dort vielleicht mehr Leute unterwegs gewesen wären...

Die Gedanken konnte ich jedoch schnell wieder vertreiben, als ich wieder erste Häuser erblickte. Noch deutlich davor fiel mir ein Schild ins Auge. Die Reflexion der Sonne darauf blendete mich kurz. Erst nachdem ich meine Augen dagegen abschmierte und noch einige Schritte näher trat, konnte ich die Worte lesen.

Lima Heights

Anscheinend war ich doch noch nicht außerhalb von Lima, was mein rasantes, panisches Herzrasen ein wenig beruhigte. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nie von einem Stadtteil mit diesem Namen gehört. Was wirklich nicht für mich spricht, aber auch nicht sonderlich verwunderlich ist. Hätte ich gewusst, was mich dort erwartet, hätte ich umgedreht. Doch in diesem Augenblick gab es keine andere Wahl als weiter zu gehen, endlich jemanden zu finden der mir helfen würde und hoffentlich noch sonntags zu Hause anzukommen.

...to be continued