Shania

Ich fand meinen Vater in unserer Koje. Ich wusste zwar nicht genau, wie ich es ihm am besten sagen sollte, aber ich wusste, dass er es nicht mochte wenn man um den heißen Brei herum redete.
„Vater, ich finde, du solltest es tun", meinte ich deshalb zu ihm und er sah mich erstaunt an.
„Was denn? Mich bei Will entschuldigen?"
„Ja, das auch... ich dachte aber eher daran Norrington zu behandeln... medizinisch."
„Bist du von allen guten Geistern verlassen, Shay?" Entsetzt sprang er auf. „Ich werde für diesen Navy-Fuzzi keinen Finger krumm machen!"
„Vater! Soweit ich mich erinnere hast du damals den hypokratischen Eid geschworen..."
„Oh nein, Shay, komm mir nicht so!"
„Der gilt doch noch immer, oder?" fuhr ich unbeeindruckt fort.
„Ja", knurrte er.
„Außerdem finde ich, dass du es ihm schuldig bist."
Vater keuchte auf und starrte mich an. „Na hör mal. Ich bin diesem Typen gar nichts schuldig!"
„Doch! Du hast ihm ohne Grund die Nase zerdeppert."
„Shay, ich führe diese Diskussion nicht nocheinmal mit dir!"
„Dann lass es. Herr im Himmel, es ist doch nur die Nase! Ihr müsst ja nicht gleich Freunde werden. Außerdem bist du Arzt, da sollte es dir vielmehr um die Gesundheit der Besatzung gehen und Norrington gehört nun zwangsweise mit dazu."
„Ich bin kein Arzt mehr", wollte er protestieren, doch das ließ ich ihm nicht durchgehen.
„Doch das bist du und du wirst es immer sein. Bitte Vater, wenn schon nicht für ihn, dann tu es für mich." Ich setzte meinen besten traurigen Dackelblick auf den ich hatte. Wenn ihn schon nicht meine Worte überzeugten, dann dieser Blick. Diesem hatte er noch nie widerstehen können und ich wusste schon damals als Kind diesen Umstand schamlos auszunutzen.
„Oh nein", kam die prompte Reaktion. „Sieh mich nicht so an."
„Bitte, mein über alles geliebter Papi. Tu's für mich..."
„Meinetwegen", gab er seufzend nach. „Aber ich kann dir nicht versprechen, dass ich ihm nicht weh tun werde."
„Versuche wenigstens nicht ganz so grob zu sein."
Vater erwiderte nichts darauf und wir gingen zusammen in den großen Gemeinschaftsraum, wo wir auf Alex und Norrington warteten.

Bill und James

James näherte sich zögerlich dem Tisch, umrundete ihn und blieb vor Bill stehen, der ihn erwartungsvoll musterte.
"Damit das klar ist, ich bin nicht wegen dir hier, sondern weil meine Tochter mich darum gebeten hat. Denn mir ist es eigentlich scheißegal, wie du an deiner Hochzeit aussiehst!" knurrte Bill und stemmte seine Hände in die Hüften.
James zog sich ärgerlich den Stuhl heran und setzte sich.
"Da ihr es mir ja nicht anbietet mich zu setzen, bin ich einfach mal so frei...Scheinbar haben wir hier ein kleines Problem, denn ich bin auch nicht freiwillig hier. Oder glaubt ihr, Mr. Farraday, dass ich mich gerne von euch begrapschen lasse? Ich mach das nur für Alex..."
"Schön, dann sind wir uns ja einig..." Bill verschränkte die Finger ineinander und drückte die Handflächen nach außen, sodass die Fingerknochen gefährlich knackten.
"Noch ein paar letzte Wort, bevor ich anfange?" grinste er dann breit.
Das war zu viel für James und empört sprang er wieder auf.
"Mir reichts! Ich verschwinde! Das muß ich mir wirklich nicht antun!"
"Woah, Mann... das war doch nur Spaß! Werd mal locker! Aber bitte, ich muß dir deine Nase nicht unbedingt richten. Aber unser Prinzesschen wäre bestimmt nicht erfreut, wenn du mit so einem schiefen Zinken aufläufst... hast du eigentlich schon mal in den Spiegel gesehen?" Bill reichte James einen Spiegel und konnte nur mit Mühe ein weiteres Grinsen unterdrücken.
James sah in den Spiegel und verzog das Gesicht. Das war nicht mehr sein eigentlich recht hübsches und ansehnliches - wie er fand- Gesicht. Aber sein Eindruck wurde nicht nur durch die gebrochene Nase ausgelöst, sondern auch durch den leichten Bart, der sich mittlerweile gebildet hatte. Wie viele Tage hatte er sich jetzt schon nicht rasiert? Seitdem die Dauntless gesunken war, aber wie lange war das schon her? 3- 4 Tage oder gar schon eine Woche? Ihm fiel auf, dass er jegliches Zeitgefühl an Bord der Pearl verloren hatte und strich sich gedankenverloren über den leichten Bart.
"Mein Gott", seufzte er dann. "Ich muß mich dringend rasieren..."
"Ich schätze das ist im Moment dein geringstes Problem", grinste Bill und drückte ihn wieder leicht, aber bestimmt auf den Stuhl zurück.
"Augenblick mal! Was habt ihr jetzt eigentlich vor? Woher soll ich wissen, dass ihr überhaupt qualifiziert genug für so was seit und nicht nur irgendein Quacksalber?" zierte sich James.
"Soll ich dir jetzt ein Zeugnis oder meine Approbation vorlegen?" Bill runzelte die Stirn und sah James ungläubig an." Glaub mir, Jungchen, deine Nase ist nicht die erste, die ich zusammenflicke. Außerdem, wenn ich nicht gut wäre, würde die Hälfte der Besatzung schon nicht mehr am Leben sein. Eine gebrochene Nase ist nichts gegen Schuß- und Brandwunden...oder hast du etwa Angst um dein hübsches Gesicht?" grinste Bill breit.
"Natürlich nicht", gab James entrüstet zurück.
"Gut, wir wollen ja nicht, dass das Prinzesschen wegen deinem - gerade nicht mehr ansehnlichen - Riechorgan doch noch 'Nein' sagt. Dann hättest du ja drei Jahre umsonst gewartet." Bills Grinsen wurde noch breiter.
"Was soll das denn heißen? Alex kümmert sich kaum um Äußerlichkeiten..."
"Ach? Und warum hat sie dich dann hierher geschleppt und vertraut dich meinen fähigen Händen an?"
"Sie ist eine englische Lady und ihr geht es um innere Werte wie Loyalität, Treue, Ehrlichkeit und Anstand. Eben alles was einen englischen Offizier und Gentleman ausmacht..." James überging Bills Kommentar.
"Soll ich dir mal einen guten Rat geben, was Frauen und Äußerlichkeiten betrifft?"
"Ich wüsste nicht, was ihr mir da raten wollt... Aber ich höre..."
"Auch wenn Frauen sagen, sie würden sich nichts aus Äußerlichkeiten machen... sie meinen genau das Gegenteil. Jede Frau hat gerne einen starken, gutaussehenden Mann an ihrer Seite und da bildet unser Prinzesschen ganz sicher keine Ausnahme...Oder meinst du, sie hätte dich genommen, wenn du ausgesehen hättest wie der Klabautermann persönlich?"
"Meint ihr, dass diese Diskussion noch zu einer tollen Einsicht führt, die uns beide intellektuell weiterbringt? Ich für meinen Teil glaube, dass Alex anders ist, als alle anderen Frauen...Nein, ich weiß, dass sie anders ist..."
"Ja, ja... bla, bla... sagt das nicht jeder Mann von seiner Frau? Wie auch immer... darf ich jetzt anfangen oder hat der gute Herr Commodore noch etwas zu sagen?"
James schwieg eingeschnappt, weil er sich eingestehen musste, dass Bill vielleicht doch ein kleines bisschen Recht hatte mit seinen Worten und dass er, Commodore James Norrington, einfach viel zu verliebt in Alex war -und das schon seit Jahren- um schlecht von ihr zu denken. Er seufzte schwer, als ihm klar wurde, dass er wohl bereit war alles für Alex zu tun und das war eine Einstellung, vielleicht sogar Schwäche, die er von sich als englischem Offizier niemals erwartet hätte.
"Ich fasse das dann mal so auf, dass ich anfangen kann", meinte Bill und musterte James kritisch. "Willst du ein Stück Holz zwischen die Zähne, für den Fall dass es zu schmerzhaft ist?"
"Würde es ein Schluck Rum nicht vielleicht auch tun?" fragte James und wurde etwas blasser dabei.

"Wenn du meinst, dass ein Schluck da ausreicht..."
James griff nach der Flasche Rum auf dem Tisch, setzte an und leerte die halbe Flasche in einem Zug.
"Laß das bloß nicht das Prinzesschen sehen", grinste Bill dann noch, bevor er anfing.
"Oh man, Jack bringt mich um", murmelte er dann weiter. "Hast aber einen guten Schluck drauf. Ich denke das sollte erst mal reichen, wenn nicht, dann schrei."
Er begann damit James Nase mit den Fingern abzutasten. Da er wusste dass diese Prozedur bisweilen sehr schmerzhaft sein konnte, versuchte er so vorsichtig wie möglich zu sein.
"Au!" schrie James auf. "Seid ihr noch ganz bei Trost? Das tut verdammt noch mal weh!"
Er wollte Bills Hände wegschlagen, der ihn aber nur ärgerlich und ernst ansah.
"Wenn du nicht still hältst, hab ich keine Wahl..."
"Was soll das heißen?"
"Dann hol ich mir Hilfe und jemand der dich fesselt!"
James sah Bill erschrocken an, da er es todernst zu meinen schien.
"Und jetzt sei still, ich hab noch gar nicht richtig angefangen"
Wieder tastete Bill die Nase des Commodores ab. "Aha", rief er dann nicht ganz unzufrieden aus. "Ein glatter Durchbruch, das ist gut!"
"Was ist daran bitte schön gut?"
James konnte Bills Enthusiasmus nicht ganz teilen.
"Na ja... ich hätte dir deine Nase auch zertrümmern können. Dann hättest du dich leider von deine hübschen Nase verabschieden müssen. Aber so stehen die Chancen ganz gut, dass du nicht aussehen wirst, wie ein Boxer für Arme."
"Sehr witzig. Macht ihr euch immer über eure Patienten lustig?"
"Nein, dieses Privileg kommt nur einem Commodore zu Gute", grinste Bill.
"Okay." prüfend sah Bill James an. "Das könnte jetzt gleich sehr weh tun..." Er sah nicht so aus als würde er diesen Umstand groß bedauern.
"Wieso hab ich nur das Gefühl, dass euch das nicht Leid tun wird?"
"Aber werter Commodore", tat Bill überrascht. "So etwas traust du mir zu?"
"Eines habe ich mittlerweile auf diesem Schiff gelernt. Euch Piraten ist alles zu zutrauen..."
"Wie dem auch sei... ich werde dir jetzt den Knochen zurecht rücken, damit das Nasenbein wieder gerade zusammenwachsen kann", verfiel Bill automatisch in einen sachlichen Ton. "Dazu muss ich ein wenig Druck ausüben und womöglich ein wenig ausprobieren um den Knochen in die exakte Position zu bringen. Wie gesagt, es wird weh tun."
James erwiderte nichts mehr, sondern biss die Zähne zusammen und harrte der Dinge, die da noch kommen sollten.
Bill fuhr mit seinen Fingern an James Nase entlang, bis er zu der Bruchstelle kam.
"Zum Glück ist nichts gesplittert", murmelte er vor sich hin. Die Nase nun zwischen Daumen und Zeigefinger ruckelte er so lange daran herum, bis die beiden Bruchstellen genau aneinander passten.
"Halt mal kurz so fest", wies er James an.
"Und was dann? Soll ich jetzt die ganze Zeit meine Nase festhalten und so durch die Gegend laufen?" presste James unter Schmerzen hervor.
"Gäbe ein hübsches Bild ab", grinste Bill, wurde aber sofort wieder ernst.
"Ich muss die Nase fixieren", erklärte er einem James, der mittlerweile schon ziemlich bleich im Gesicht war. Aus einem Beutel kramte er verschiedene Sachen hervor. Dabei musterte er eine Schraubzwinge länger als James lieb war.
"Was ist denn jetzt?" brachte James stöhnend und näselnd hervor.
"So kann ich Alex wohl kaum heiraten und den Ring anstecken, wenn ich nur eine Hand frei habe..."
"Ja, ja. Einen Moment noch", meinte Bill geistesabwesend und drehte sich mit der Schraubzwinge zu Norrington um, um dessen Nase noch einmal eingehend zu mustern.
"Das ist jetzt nicht euer ernst, oder?" meinte James und wenn er noch blasser hätte werden können, dann wäre er es sicher geworden.
"Was denn?" fragte Bill unschuldig.
"Na die Schraubzwinge! Autsch! Ach verdammt! Ich wusste doch, dass ihr nur ein Quacksalber seid!" regte James sich auf, wobei er sich natürlich selbst noch mehr Schmerzen zufügte.
Bill grinste breit.
"Glaubst du wirklich ich würde dir dieses Ding auf die Nase schrauben?"
"Was weiß ich, was in eurem kranken Hirn vorgeht?" gab James patzig zurück.
"Oh, vergreifen wir uns mal wieder im Ton?" Langsam wurde Bill ärgerlich. "Vielleicht sollte ich damit deine Zunge festschrauben."
"Also entweder ihr macht jetzt weiter oder ich gehe..." James wurde langsam wirklich ungeduldig und wollte sich nicht länger auf den Arm nehmen lassen.
"Schön dann geh, aber dann musst du ja doch deine Nase die ganze Zeit festhalten. Im übrigen wollte ich das Ding hier eigentlich gar nicht rausholen, aber ich muss sagen es hat sich gelohnt. Dein Gesichtsausdruck war erste Sahne." Bill fing wieder an zu grinsen und widmete sich seinem Beutel, aus dem er schließlich eine Pflasterrolle beförderte.
"Zugegeben, ich bin ja schon abgebrüht", brummte Bill, während er James Nase bepflasterte.
"Aber eine Schraubzwinge würde ich selbst meinem schlimmsten Patienten nicht antun."
James stöhnte genervt auf und als Bill unsanft ein Pflaster auf die Bruchstelle klebte, konnte er sich nicht mehr zusammenreißen und schrie kurz auf.
"Verdammt was soll das? Ihr bringt mich ja um..."
Aus den Augenwinkeln sah Bill, wie Flo kurz hereinschaute.
"Was geht hier vor?" fragte sie völlig verwirrt und rannte dann die Treppe nach oben an Deck.
"Das hast du ja ganz toll hinbekommen", grollte Bill.
"Was denn?" fragte James verwundert.
"Jetzt hast du der armen Flo Angst eingejagt mit deiner dämlichen Brüllerei." Bill knallte noch ein letztes Pflaster auf James Nase. "Fertig!"
"Und das soll jetzt meine Schuld sein? Ich hatte...habe schließlich Schmerzen und ihr habt gesagt, wenn es zu schlimm wird, solle ich schreien..."
"Aber doch nicht gleich, dass ich dich umbringe!"
"Und was kann ich dafür, dass sie das gleich ernst nimmt? Frauen...!" James stand auf und wollte schon verschwinden. Sein Anstand verbot es ihm aber, sich einfach so davon zu stehlen. Er räusperte sich und zeigte etwas unbeholfen seine Nase.
"Mr. Farraday... Danke...hierfür...jedenfalls für das Richten..."
"Stets zu Diensten, Sir", grinste Bill und vollführte eine übertriebene Verbeugung.
James seufzte nur und winkte ab.
"Ich werde mal Alex suchen... die ist wenigstens etwas zärtlicher als ihr es seid..."
"Ich kann auch zärtlich sein", rief Bill ihm hinterher. "Wenn ich will."
"Danke für das Angebot", gab James ironisch zurück. "Aber ich bin froh, dass ich endlich dort angekommen bin, wo ich immer hin wollte: Bei Alex..."
"Na dann hoff mal, dass sie dich auch reinlässt", grinste Bill anzüglich und packte seine Sachen zusammen.

Florance

Nachdem Jack gegangen war, ging ich in meine Kajüte und dachte noch einmal über unser Gespräch nach, ich wusste ja nicht, dass Jack so ernst sein kann, wenn ich auf der Pearl bleiben würde, was würde Alex nur dazu sagen, hoffentlich würde sie mich wirklich darin unterstützen.
Ich legte mich ein wenig hin, ich hatte in letzter Zeit nicht sehr viel geschlafen, wie sollte man das auch, ständig stritt sich irgendjemand.
Ich schlief sofort ein.
Nach einer Weile wachte ich langsam wieder auf, an Deck war ein einziges Hin- und Hergerenne zu hören. Ich stand auf und musste dabei am Mannschaftsraum vorbei, ich hörte wie Norrington irgendetwas schrie von
„Wollt ihr mich umbringen?" oder so ähnlich.
Ich sah in den Raum hinein und sah Bill mit Norrington, der auf einem Stuhl saß, Bill fummelte ihm irgendwas im Gesicht rum.
Seit wann sprachen die denn wieder miteinander, vor allem, ohne dass jemand dabei war, der Bill von seinen Wutausbrüchen gegenüber Norrington abhalten konnte?
An Deck traf ich dann auf Alex, sie stand bei Shay, hatte ich irgendetwas verpasst, oder warum verstanden sich jetzt alle möglichen Leute miteinander?
Noch halb verschlafen fragte ich die beiden, was denn hier an Deck los war, sie erzählten mir die ganze Geschichte, von dem Hochzeitsantrag, von Boomer, von dem wunderschönen Ring und von dem guten Willen Bills, der Norri die Nase richtete.
Oh Mann, wie lange hatte ich denn geschlafen, dass ich das alles verpasst hatte?
Ich freute mich so für Alex, endlich hatte sie ihren Heiratsantrag bekommen, zwar mit Hindernissen, aber letztendlich war ja doch noch alles gut gegangen.
Jack kam zu uns angetänzelt:
„Eine Hochzeit, hast du schon gehört Flo, ICH darf unsere Turteltäubchen hier an Bord trauen, ist das nicht schön?"
Dann machte er wieder eine dieser komischen Drehungen und ging weg.
Bill und Norrington kamen nun auch wieder an Deck, seine Nase war zugepflastert, aber immerhin war sie nun wieder gerade.
An Bord herrschte ein reges treiben. Ich fragte Alex:
„Was wirst du denn an deiner Hochzeit tragen, hier an Bord?"
Alex schaute mich an:
„Ich weiß es gar nicht!"
Bill kam ebenfalls auf uns zu.
„Auftrag erledigt, die Nase ist gerade und ich habe ihm nichts getan!" dabei grinste er breit.
„Schließen unsere Ladys sich jetzt alle zusammen hier an Bord, oder wie seh ich das?"
Shay schaute ihren Vater an:
„Dürfen wir uns nicht unterhalten, oder was?"
„Doch, natürlich…."
„Also, es gibt eben Themen, die man unter Frauen so zu besprechen hat!" sagte Shay und grinste ihren Vater an.
Von weitem sah ich, wie Jack eine Kiste aus einer Ecke zog. Alex und Shay unterhielten sich noch ein wenig. Ich beobachtete, was Jack wohl vorhatte.
Er kniete vor der Kiste nieder und öffnete den Deckel, ganz in sein Vorhaben versunken. Er wühlte einige Sachen aus der Kiste heraus und warf sie einfach hinter sich, es sah schon etwas chaotisch aus.
Plötzlich rief er:
„Ha, hab ich's doch gewusst!"
Dann kam er auf uns zugerannt.

Alexis

Jack konnte gar nicht schnell genug bei Flo, Shay und mir ankommen.
„Ich hab doch immer gewusst, dass man die alten Kisten nicht einfach wegwerfen darf, aber meine ignorante Crew hat von so was ja keine Ahnung!"
Wir schauten uns etwas verwirrt an..
„Prinzesschen, ihr wollt doch nicht in diesem…" er schaute mich von oben bis unten mit einem kritischen Blick an
„…in diesem, na ja, ich will euch ja nicht zu nahe treten, aber, geschmacklosen Fummel heiraten?"
Ich schaute an mir herunter.
"Was soll das denn heißen?"
"Ich kann ja nichts dafür, dass ich mitten in der Nacht von Shay entführt wurde und niemand vernünftige Kleidung für eine Lady an Bord hat."
Jack schaute mich zweifelnd an.
"Also wenn ich das mal anmerken darf, das ist nicht gerade das Outfit, das ich mir für das, was ich schon immer mal wieder veranstalten wollte, was ihr euch nebenbei auch gewünscht habt und nun verwirklicht, vorgestellt habe!"!
Dabei wedelte er mit den Händen um mich herum und zeigte immer wieder auf die alte Uniform, die ich noch trug.
"Moment mal...ist das jetzt eure Hochzeit oder die von James und mir? Und seit wann begeistern Piraten sich für Hochzeiten?" fragte ich skeptisch.
"Hochzeiten, ich hab es ja schon mal gesagt: Ich LIEBE Hochzeiten, Drinks für alle! Ist das denn kein Grund?" antwortete er mit einem fragenden Blick.
Mit einer hochgezogenen Braue sah ich Jack an. Dachte dieser Pirat eigentlich auch noch an was anderes als an Rum?
"Gibt's in eurem kleinen Hirn eigentlich noch Platz für etwas, dass nicht mit diesem Schiffswrack oder Alkohol zu tun hat?"
"Ja!" antwortete er "Eine nette keine Party!"
Außer dem fügte er noch hinzu: "Nebenbei bemerkt bin ich Pirat, daher gehen mir auch noch andere Dinge im Kopf rum, zum Beispiel Rauben, Plündern, kurz gesagt, wie ich mir meine schwarze, heimtückische Seele ausreißen kann!" und grinste.
"Ach so...ich verstehe... euer Lebensmotto ist dann wohl: Gestern standen wir am Abgrund -heute sind wir einen Schritt weiter", gab ich ironisch zurück.
"Nicht ganz, eher: Gestern standen wir am Abgrund, heute sind es die anderen!"
"Ist das nicht eine sehr unsoziale Einstellung?"
„Piraaat!" antwortete er mit einem etwas genervten Unterton.
"Irgendwie kann ich euch nicht ganz folgen..." gab ich ihm zur Antwort und fügte noch hinzu:
"Vielleicht sollte ich sagen: Es ist unmoralisch?"
"Also, ihr, junge Lady, seid wohl eine anständige Frau, die Tochter des Governors, also eine der 'Guten', ich, ich bin ein Pirat, was mich dazu zwingt, eine solche Einstellung zu haben. Klar soweit? Aber wenn ich ja so unsozial bin, kann ich ja wieder gehen...!" Jack drehte sich um.
"Fein...allerdings wette ich, dass ihr darauf brennt noch etwas loszuwerden...oder uns zu zeigen?" Ich sah ihn herausfordernd an.
Er drehte sich wieder zu uns zurück: "Vielleicht ist es ja etwas, das ich nicht unbedingt loswerden muss, ihr aber unbedingt braucht, ich es aber wieder mitnehme, weil ich ja so unsozial bin?"
Flo stieß ihn von der Seite an, "Jack!" ermahnte sie ihn.
"Nun, vielleicht wäre es ja für uns alle leichter euch zu verstehen, wenn wir wüssten worum es geht..."
"Das ist ja gerade euer Nachteil, ich weiß schon lange, worum es geht, von dem ihr gerne wüsstet, worum es geht, es aber nicht erfahren werdet, da ich das, von dem ich weiß worum es geht und ihr es nicht wisst für mich behalten werden."
"Wisst ihr, vielleicht irrt ihr euch und ich habe eine Vermutung um was es geht, bei der Sache von der ihr denkt, dass wir es nicht wissen..." Was Jack konnte, konnte ich schonlange.
"Wie sollt ihr denn so genau von etwas wissen, von dem ihr nur eine Vermutung habt, was ich im Gegensatz zu euch weiß, euch aber nicht verraten werde um was es genau geht, wodurch ihr weiterhin bei eurer Vermutung bleibt und niemals genau wissen könnt, ob es wirklich um das gegangen ist, was ihr vermutet?" Jack sprach immer verwirrter.
"Nun, ihr seid nicht gerade dezent vorgegangen...Soll ich mal ins blaue raten? Es geht um Kleidung...und zwar um meine Kleidung."
"Vielleicht, vielleicht auch nicht..." sagte er auf einmal kurz angebunden und drehte sich wieder weg.
Ich grinste triumphierend.
"Darf ich euch einen Rat geben: Wenn ihr etwas geheim halten wollt, dann solltet ihr nicht so mit der Tür ins Haus fallen und mit eindeutigen hinweisen um euch schmeißen..."
Jack ging einfach weg, er reagierte gar nicht mehr auf das, was ich gesagt hatte.
"Tja, jetzt ist er wohl eingeschnappt", schlussfolgerte ich.
Jack meinte es wohl ernst, der er packte gemütlich die Kiste wieder ein und schob sie wieder in ihre alte Ecke zurück, wo sie wohl noch für die nächsten Jahre stehen bleiben würde.
"Wo waren wir gerade stehen geblieben?" meinte ich dann zu Shay und Flo und ignorierte den Piraten, der aber ständig zu uns rüberschielte.
"Das war aber nicht gerade nett von dir!" begann Flo.
"Wieso? Was hab ich denn getan? Wenn er etwas zu der Hochzeit beitragen will: Bitte schön... aber er soll nicht so tun, als wenn es seine Hochzeit ist!"
"Er wollte dir nur was gutes tun, aber du fängst sofort wieder an ihn zu beleidigen..." sagte Flo etwas betrübt.
"Ich habe ihn nicht beleidigt. Ich sagte nur, dass Piraterie unsozial und unmoralisch ist...und stimmt das etwa nicht? Wenn dich in Port Royal jemand ausgeraubt hätte, wärest du sicher auch zu James gerannt, damit der Dieb bestraft wird..."
"Doch, du hast ihn beleidigt!" sagte Flo zu mir etwas angesäuert "Wenn du nicht willst, dass sich die Leute mit dir auf deine Hochzeit freuen, dann kannst du ja damit warten, bis Norrington und du wieder in Port Royal seid."
"Meine Güte! Dann sag ich eben gar nichts mehr...", beleidigt ging ich ein paar Schritte zur Reling.
Flo ging mir hinterher.
"Entschuldigung, ich wollte dich nicht angreifen, aber er wollte dir eben etwas geben, da musst du ihm nicht wieder sofort vorwerfen, dass er ein Pirat ist!"
"Verzeihung, aber es ist nun mal nicht zu übersehen, dass er einer ist..."
"Ich weiß, sei froh, dass er wenigstens versucht nett zu sein."
"Ja, schon gut. Weißt du Flo, ich wollte dich sowieso noch etwas fragen: Willst du meine Trauzeugin sein?" Gerade als Flo etwas erwidern wollte, kam Jack von hinten dazwischen.
"Wollt ihr es wirklich nicht wissen?" fragte er.
"vielleicht überleg ich's mir noch mal und zeigs euch doch!"
Ich seufzte.
"Na schön...ihr habt mich neugierig gemacht...Also?"
"Also was?" fragte plötzlich James, der nun auch neben uns aufgetaucht war.
"Nein, der Bräutigam darf nicht dabei sein!" sagte Jack schnell
"Wisst ihr, das bringt Unglück!" und sah James vorwurfsvoll an.
James verdrehte die Augen.
"Was soll das Sparrow? Ist das eure oder unsere Hochzeit?"
Jack drehte sich wieder um und ging, dabei sagte er:
"Gut, dann eben doch nicht!" Flo sah ihm genervt hinterher und dann zu mir:
"Nicht schon wieder!"
"Das ist ja zum verrückt werden hier", meinte ich frustriert.
"James? Würdest du uns kurz alleine lassen?"
Er sah mich misstrauisch an und fragte sich sicher, was wir mit Sparrow zu schaffen hatten.
"Soll ich das wirklich?" fragte er skeptisch und ich lächelte ihn an.
"Ja bitte. Und danach gehör ich wieder ganz dir alleine, in Ordnung?"
James schmunzelte verdächtig.
"In Ordnung." Dann beugte er sich zu mir und flüsterte mir noch ins Ohr:
"Ich könnte ein paar Streicheleinheiten gebrauchen nach der Behandlung von Bill..."
Flo verdrehte die Augen, ich wusste, sie konnte ihn immer noch nicht leiden.
Ich küsste ihn flüchtig. "Wo steht unser Bett noch mal?" fragte ich dann mit einem Grinsen.
"Zumindest weit genug weg von allen anderen..."
war seine Antwort.
Jack schielte wieder von de Seite zu uns, als James weg war kam er zurück, er hielt etwas in der Hand.
"Ich hoffe ihr wisst es zu schätzen!"
Ich sah, dass Jack ein wunderschönes Kleid hochhielt und musste schmunzeln.
"Und ihr würdet es lieber sehen, wenn ich das trage anstatt der zumindest bequemen, wenn auch nicht standesgemäßen, Kleidung, die ich jetzt gerade trage?"
"Hallo, das ist eine HOCHZEIT!" sagte er erstaunt.
"Scheinbar wisst ihr zumindest noch ein bisschen, was sich gehört...steckt in euch vielleicht doch ein Gentleman?" grinste ich.
Jack grinste breit zurück:
"Wer weiß, vielleicht kann auch ein Captain Jack Sparrow mal ein anständiger Mensch sein!"
"Das wage ich zwar zu bezweifeln, aber vielleicht bekommt ihr noch eure Chance das zu beweisen..."
Flo lächelte, als ich das sagte und schaute zu Jack.
Der sah mich aber eher angewidert an.
"Ich und ein Gentleman", murmelte er dann.
"Wollt ihr mich beleidigen? Schließlich würde mich das auf eine Stufe mit eurem geschniegelten und moralisch immer unfehlbaren Commodore stellen..."
Flo hatte es gehört und musste ein wenig schmunzeln.
"Nun ich glaube, ich kenne keine Treppe, die so viele Stufen hat, als dass James sie hinunterfallen könnte um mit euch auf einer Stufe zu stehen...", gab ich zu bedenken.
Flo stieß mich an.
"Ich habe zumindest noch ein Schiff!" grinste Jack.
"Was ihr so Schiff nennt..."
"Dieses Schiff hat euch das Leben gerettet! Wäre es nicht, hätte euch wahrscheinlich dieses kleine, schnuckelige Tierchen gefressen! Klar soweit?"
"Ja ja, und ich werd mich auch nicht weiter beschweren...solange es schwimmt."
"Glaubt mir, junge Lady, es wird noch sehr lange schwimmen, auch wenn es eurem geliebten Commodore zuwider ist!"
"Mmmhhhh, wir werden sehen...denke ich. Darf ich euch vielleicht noch fragen, was ihr weiterhin mit mir und James vorhabt? Da wir euch geholfen haben, euer Schiff vor diesem kleinen Tierchen zu retten, denke ich, dass ihr zumindest in Betracht ziehen solltet uns in einem Hafen abzusetzen...auch wenn es nicht Port Royal ist."
"Bis wir den nächsten Hafen anfahren kann es noch eine Weile dauern, aber keine Sorge, ich bin auch nicht sonderlich erpicht darauf, euch ewig an Bord zu haben!" gab er mir zur Antwort.
"Ihr solltet auch bedenken, dass wahrscheinlich mittlerweile die gesamte Royal Navy hinter euch her ist... man könnte euch für den Untergang der Dauntless verantwortlich machen..."
In Flos blick sah man Sorge.
"Das werden wir ja sehen!" sagte Jack.
"Vielleicht solltet ihr etwas netter zu James sein, denn er ist ein Ehrenmann und würde euch sicher zumindest von diesem Vorwurf freisprechen..."
Jack grinste breit. "Was würde es mir bringen, die restlichen Vorwürfe reichen auch aus, um mich an den Galgen zu bringen, da muss ich mir nicht die Mühe machen und nett zu ihm sein!"
"Wie ihr meint...denkt aber an unsere Vereinbarung", ermahnte ich ihn.
"Wer soll eigentlich bei euch Trauzeuge spielen?" fragte Jack dann plötzlich und ich zögerte.
"Na ja, ich hatte Flo gefragt..."
Flo erinnerte sich an die Frage, die sie ja noch nicht beantwortet hatte, da Jack dazwischen geplatzt war.
"Ich wäre gerne deine Trauzeugin, Alex!" lächelte sie mich an.
"Schön", meinte ich und musste mir ein paar Tränchen verkneifen.
Jack stand neben uns und grinste uns beide an.
"Is das nicht schööönnnn! Der Adel findet doch noch mit dem gemeinen Volk zusammen!"
James kam wieder zu uns.
"Entschuldigt mich", meinte ich grinsend zu den beiden.
"Ich werde mich jetzt mal um meinen zukünftigen Mann kümmern..."
Flo und Jack grinsten mich nur breit an.
"Anständig bleiben!" ermahnte Jack uns noch. Danach ging ich hinüber zu James.
James bot mir seinen Arm an und als ich mich bei ihm eingehakt hatte, drehte ich mich noch kurz zu Jack und Flo um.
"Danke, Sparrow...ihr wisst schon wofür?"
Dafür erntete ich ein Stirnrunzeln von James, aber ich beruhigte ihn mit den Worten:
"Das wirst du schon noch früh genug erfahren..."