Dieses Kapitel: Drama, baby, drama.
Außerdem schreibe ich Abitur und habe allgemein ein chaotisches Leben, Leute.
Kapitel 14: Hit the baby one more time und Astaroth macht dir das Leben zur Hölle
Eigentlich hätte es schon Abendessen geben können, laut Iblis, allerdings nahm die Einrichtung seines Raumes eine ziemlich lange Zeit in Anspruch. Rin war leicht verwirrt, da es zwar dunkel wurde, aber nicht so schnell wie er es gewohnt war, selbst im Sommer. War es nicht sogar beim „Mittagessen" schon dunkler gewesen? Und hatte Beel es nicht Abendessen genannt? Warum nannte Iblis die nächste Mahlzeit Abendessen? Wäre das nicht ein Mitternachtssnack?
Seine innere Uhr war vollkommen im Eimer. Das erinnerte ihn an die Wecker, die er im Halbschlaf mit seiner unmenschlichen Stärke zertrümmerte hatte.
Iblis wollte er jedoch dieses Mal nicht fragen; er redete immer für Stunden über etwas, was man auch in fünf Minuten klären könnte. Nicht, dass ihn das sonderlich störte, aber der Jungdämon würde gerne heute noch mit diesem Raum, seinem Zimmer fertig werden.
Die Hilfe des Feuerkönigs war ein zweischneidiges Schwert. Dieser … Einrichter präsentierte ihn mit verschiedenen Varianten , allesamt farbabgestimmt, aber Iblis machte es ihm unmöglich, das erstbeste zu nehmen. Das ausgewählte Möbelstück würde dann auf magische Art erscheinen. Der Jungdämon hinterfragte es einfach nicht mehr. Solange nicht noch ein Zug (oder gar der selbe wie zuvor) durchdrehten, war es ihm ziemlich gleich.
Rin hätte nie gedacht, dass er jemals in eine leidenschaftliche Diskussion mit einem Dämonenkönig in Gehenna geraten würde, dessen Thema war, ob die Vorhänge nun mit einer weißen oder einer hellblauen Schleife geschlossen werden sollte. Und das kam nach der Frage, ob Samt jetzt zu dem Parkett passte oder nicht. Und warum gab es überhaupt so viele Holzarten und Formen für Bodenbeläge? War es Tradition in Gehenna, stundenlang auf den Boden zu starren?
Nach einer schier endlosen Zeit waren sie endlich fertig. Der Raum mit anschließenden Bad war ENDLICH fertig und er konnte ihn verlassen, um zu essen, bevor er vor Hunger umkippte. Iblis hingegen war so energetisch, als ob er gerade fünf Tassen Kaffee getrunken hatte.
Das Zimmer war mit Parkett ausgelegt, welches nicht weiter im Detail beschrieben wird, da Rin ansonsten seine Doktorarbeit mit dem Titel „Analyse des gehennischen Lebenstils in Form der Innenraumgestaltung am Beispiel von hölzernen Fußbelägen" verfassen würde. Wenn man ihn danach nicht zum Paladin ernannte, war die Heiligkreuzritterschaft entgültig der Hirnlosigkeit geweiht.
Ein für Rins Verhältnisse recht großes Himmelbett stand an der Wand. Und zwar ein Himmelbett mit einem täuschend echten Himmel, der das Wetter und Licht draußen wiederspiegelte. Warum? Warum nicht?
Iblis kommentierte hingegen, wie niedlich solche kleinen Betten doch seien, und er legte sich auch hinein, um zu demonstrieren, dass er dafür viel zu groß war. Er lachte, als ihn sein jüngster Bruder versuchte, aus dem Bett zu schubsen, und ergab sich schließlich, indem er selbst hinausrollte. Natürlich blieb er halb auf Rin liegen, welcher sich innerhalb von dem Bruchteil einer Millisekunde – okay, vielleicht war nach ein paar Minuten - unter dem Dämonenkönig herauswurschtelte. Niemals würde er sich für einen längeren Zeitraum so erniedrigen lassen! Egal wie kusche- warm es war und wie seine Instinkte ihm sagten, dass es angenehm war! NIEMALS!
An einem der Fenster stand ein Schreibtisch, wobei zwischen Schreibtisch und Fenster noch einmal eine Art Brett hochkant stand, welches man hochheben konnte, doch er hatte keine Ahnung, wozu es gut war, neben des Blockieren des Fensters.
Säuberlich geordnet, obwohl Rin jetzt schon wusste, dass es nur wenige Tage dauern würde bis alles im Chaos versank, gab es allerlei Schreibmaterialien. Sogar Wachsmaler. Er konnte sich nicht an das letzte Mal erinnern, als er die benutzt hatte. Wofür hielt ihn diese magische Apparatur, ein Kleinkind? Okay, das tat auch jeder andere. Nicht so überraschend, aber nicht weniger nervend.
Im Raum standen auch ein paar Bücherregale mit Büchern auf Japanisch und Gehennisch, sogar mit ein paar Manga. Es gab aber auch viel leeren Stauraum, was die Umgebung irgendwie hohl wirken ließ. Abgetrennt in einer Ecke des Raumes gab es auch eine Sitzecke mit einen Couchtisch.
Der Kleiderschrank war bereits bestückt – aber nicht nur in Blautönen, was auch ziemlich seltsam gewesen wäre. Alles schien zu seinem Geschmack zu passen. Magie halt. Effektiv, aber auch sehr verwirrend.
Das Bad selbst war ziemlich groß dafür, dass es sein eigenes war. Zwar war er mittlerweile an das Gemeinschaftsbad im Wohnheim gewohnt, aber mit der einzelnen Dusche und Badewanne hatte es mehr das Gefühl eines normalen Badezimmers, nur eben viel, viel größer als das im Stift.
Als Rin und Iblis nun das Zimmer des Jüngeren verließen, kommentierte der Feuerkönig: „Um ehrlich zu sein – ich will dich jetzt nicht beleidigen, überhaupt nicht! Es sieht gut aus, meine ich. Aber wenn ich es mir so angucke, ist es doch ein wenig trist, nicht? Hast du was gegen Ornamente? Mein Zimmer ist auch nicht überladen, okay, aber das – naja, du hast ja auch noch nicht so lange darin gelebt, nicht? Hach, es fühlt sich so an, als ob die eine Ewigkeit hier wohnen würdest! Dabei ist heute erst dein erster Tag hier!"
Fakt war, dass Rin einige farbenfrohere Kombinationen schlichtweg abgelehnt hatte. Iblis hatte versucht, ihn dazu überreden, aber er weigerte sich schlichtweg. Nichts sollte den Eindruck erwecken, er wäre kindisch oder gar tatsächlich ein Kleinkind. Er war fast erwachsen und so gut wie eigenständig!
Samael hatte noch nicht einmal Assiah verlassen, da war er schon wieder kurz davor, seinen „großen" Bruder zu erwürgen. Also, mehr als sonst. Er hatte ihn schon fast den Arm gebrochen, als Lucifer der Meinung war, ihm brüderlich über die Haare streichen zu müssen. Natürlich ließ ihn der König der Zeit das nicht tun; mit so etwas würde der Lichtkönig nur wieder demonstrieren, dass er ja so viel älter war.
Lucifer unterließ es, seinen kleinen Bruder „niedlich" zu nennen, da er gerne mit allen Extremitäten zurück nach Hause kommen wollte. Auch wenn es befriedigend war, zu sehen wie er sich aufregte, das war es nun wieder auch nicht wert. Außerdem hasste Vater es, wenn sie sich stritten.
Zwar waren sie zeitlich nah beieinander geboren worden, doch aufgrund magischer Differenzen brauchte Samael viel länger, um erwachsen zu werden. Lucifer erinnerte sich gut daran, dass er schon ein Teenager war als Samael – geneckt mit dem Spitznamen „Sammy", für den er heutzutage morden würde – noch als Kleinkind Chaos stiftete.
Dennoch hatte Samael darauf bestanden, dass er so ziemlich gleich alt war wie Lucifer und auch gleich behandelt werden sollte. Das führte zu Konflikten über Jahrtausende, welche vor ungefähr zweihundert Jahren dazu führten, dass sie ihr Zuhause verließen und ihre Leben in Assiah fortführten. Ohne Kontakt zum Anderen.
Einfach nur, weil Satan ihnen nach ihrem letzen Streit Hausarrest erteilt hatte.
Samael beauftragte Belial, seine Angelegenheiten (und auch die von Rin, denn was auch immer mit ihm passiert war, er würde nicht zurückkommen) in Assiah abzuwickeln. Wenn Rin etwas passiert war … würde es nicht bei Hausarrest bleiben. Und wenn das mit dem Siegel rauskam … vielleicht hätte der König der Zeit einmal in tausend Jahren auf seine Instinkte hören sollen und einfach die Zwillinge selbst großziehen sollen. Oder irgendwie nach Gehenna bringen lassen.
Wenn Rin etwas passiert war, würde er für eine lange Zeit kein Tageslicht mehr sehen, so viel war sicher.
Als Rin sich auf den Weg zum Esszimmer machte (mit hyperaktiven Feuerkönig), spürte er plötzlich zwei neue Auren, die anscheinend zu zwei der Dämonenkönige gehörten, denen er noch nicht begegnet war. Super, wie viele ältere „Geschwister" hatte er noch einmal? Acht? Waren das nicht ein paar zu viele? Und wahrscheinlich waren die genauso anstrengend wie der Rest.
„Oh, Lucifer und Samael sind zurück! Das ist … uhm … eine … Überraschung. Die habe ich ewig nicht gesehen! Also, eigentlich fühlt sich das wie gestern an. Zweihundert Jahre sind ja auch nicht so lang. Aber naja. Weißt du, ich gehe schon mal vor, wie wärs, wenn du sie mal triffst? Ich muss Vater darauf einstimmen, dass sie da sind … das wird lustig … haha ...", ratterte Iblis herunter.
„Denkst du, dass das so eine gute Idee ist? Du wirkst ziemlich … nervös."
„Alles in Ordnung! ALLES IN ORDNUNG! Egal. Dir wird es super gehen! Du bist immerhin unser Babybruder, dir tun sie nichts."
Das beruhigte Rin nicht im geringsten. Dennoch schubste der König des Feuers ihn in Richtung der zwei Unbekannten, und verzog sich selbst in Richtung Esszimmer. Er nahm auch Kuro mit, da er anscheinend noch einen Platz vorbereiten wollte, an dem die Cait Sidhe mit ihnen zusammen essen konnte.
Rin war hungrig und nicht wirklich in der Stimmung noch zwei wahnsinnige Dämonen zu treffen, aber was muss, das muss.
Mit vorsichtigen Schritten näherte er sich den Auren, und schon bald hörte er streitende Stimmen.
„OH WAS FÜR EINE WUNDERVOLLE IDEE. Warum kommst du erst jetzt darauf, nachdem du mich hierhergeschleppt hast, Lucy?"
„Es tut mir Leid, dass ich nicht sofort an eine Suchaktion gedacht habe!"
„Wenn ich nicht alles mache, bekommst du nichts auf die Reihe! Und DU bist mein älterer Bruder, dass ich nicht lache!"
Zwei wie üblich riesige Dämonen schienen sich gerade zu streiten. Sehr angenehm. Tatsächlich schienen sie gleich groß zu sein. Der, der Lucy genannt worden war – wahrscheinlich Lucifer, wie Beel Beelzebub war – hatte blonde Haare. Jedoch hatte er keine Hörner wie normale Dämonen, nein. Er hatte einen verdammten Heiligenschein. Was zur Hö- Gehenna? Außerdem schien er ausschließlich weiß zu tragen. Das WAR ein Dämon, oder? Ein Sohn Satans zumindest, wie seine Aura dem Jungdämon verrieten.
Der andere, der ziemlich wütend aussah aber seltsamerweise Rin keine Angst einflößte, erinnerte ihn verdammt an den Clown, wenn er ehrlich war. Er kannte aber auch nicht viele Leute mit lila Haaren. Dieser jedoch hatte ein paar Hörner, die ihn an den Verwesungsdämon erinnerten, der ihn fast verkrüppelt hätte. Nur waren seine komplett schwarz, wie auch seine momentane Garderobe.
Vorsichtig näherte sich Rin. Im nachhinein würde er das wohl bereuen, aber er war nicht wirklich für seine vorrausschauenden Entscheidungen bekannt.
„Oh, und du hast dich so wundervoll um unseren jüngsten Bruder gekümmert, nicht? So sehr, dass er von einem DEINER Dämonen verschleppt wurde, nicht?"
„Das war nicht meine Schuld."
„OHHHHHH nicht deine Schuld! Nicht deine Schuld! Wenn ich etwas nicht perfekt mache, meckerst du, aber wenn bei dir was schiefgeht, ist es nicht deine Schuld!"
Lucifer fuchtelte mit seinen Armen, und wurde zunehmend wütender, auch wenn es nicht vergleichbar war mit dem anderen, welcher wohl Samael war.
„Und dann kommst du wieder an, dass du so erwachsen und erfahren bist! SIEH ES EIN, DU BIST VIEL KINDISCHER ALS ICH!"
Lucifer schleuderte seine geballten Fäuste nach unten, und Rin, welcher nur Hallo sagen wollte, bekam sie – gelinde gesagt – volle Kanne auf die Fresse, sodass ein Knacken zu hören war. Der Jungdämon fühlte einen stechenden Schmerz und warmes Blut aus seiner anscheinend gebrochenen Nase fließen.
Rin hasste es, Dämonenbrüder zu haben.
Lucifer fühlte, wie sein Herz aussetzte. An seiner Hand klebte Blut, welches langsam trocknete. Nun, er hatte seinen Bruder gefunden, das heißt seine Idee, ihren Bruder erst zu finden und ihn dann nach Hause zu bringen, hatte sich bereit erledigt. Aber Gehenna, ich habe meinem jüngsten Bruder die Nase gebrochen.
Samael brauchte keine Bedenkzeit und zögerte nicht, dem König des Lichtes verbal die Fresse zu polieren wie er es so eben mit dem Jungdämonen gemacht hatte: „Oh, wie schön, dass du jemanden auf deinem Niveau gefunden hast, großer Bruder! Was planst du als nächstes, Babyhobgoblins von ihren Müttern stehlen und sie verspeisen? MIT VERDAMMTEN PFEFFER?"
Ja, Pfeffer, erinnerte sich Lucifer. Das war die Sache, weshalb sie sich ursprünglich gestritten hatten vor zweihundert Jahren. Lucifer aß seine Frühstückseier mit Pfeffer, Samael seine mit Salz. Gelinde gesagt ist eine Debatte ein wenig aus dem Ruder gelaufen. Ein wenig.
Zunehmend sah es aus, als ob Samael die Kontrolle über sein dämonisches Selbst verlieren, was nun wirklich nicht seine Art war.
Rin erholte sich von einem Schock und hielt sein Gesicht. Seine Nase fing an zu heilen in der üblichen übermenschlichen Geschwindigkeit, aber es hatte wirklich weh getan. Konnte der Typ nicht mal aufpassen? Man könnte annehmen, dass er seine Aura fühlen konnte, aber anscheinened nicht …
Samaels Lache klang verdächtig wie die des Clowns, auch wenn sie ein wenig sehr dämonisch Klang. Jedem anderen wäre ein Schauer über den Rücken gelaufen, aber Rin war (leider) viel zu furchtlos im Moment. Im Rückblick betrachtet verarschten ihn seine Instinkte gerade so ziemlich.
Selbe Haarfarbe. Gleiche Lache. Beide sind Dämonen (es sei denn, etwas anderes als Dämonen war in der Lage sich in Hunde zu verwandeln und Magie zu benutzten). Gleicher unnachvollziehbarer Sinn für Humor und keine Empathie für irgendjemand anders.
„Ey, du Clown, lachst du mich jetzt auch noch aus? Erst zwingst du mich dazu weiter zur Schule zu gehen, dann das hier?", motze der Jungdämon den König der Zeit an. „Respekt" war NICHT in seinem Wörterbuch.
Aber „Angst" schon, als die Miene des Dämonenkönigs sich schlagartig stark verfinsterte. Lucifer war immer noch in seiner Schockstarre.
Samael hatte aufgehört zu lachen und sein Blick fokussierte sich auf Rin. Oh oh.
Er trat näher. Oh oh. Und beugte sich über den Jüngeren und griff ihn fest and die Schultern. Der Abstand zwischen ihren Gesichtern war so klein, dass einzelne Haarsträhnen des Zeitkönigs das frische Blut berührten. OH OH.
Rin konnte sehen, wie die Fangzähne des Dämonenkönigs plötzlich noch viel gefährlicher aussahen. Gar nicht gut. GAR NICHT GUT. Seine Instinkte entschieden sich überraschenderweise, plötzlich die ganze „Lass uns meine großen Geschwister umarmen"-Geschichte wie eine heiße Kartoffel fallen zu lassen und stattdessen Rin zu raten, so schnell wie möglich wegzurennen und nicht umzuschauen. Aber der Griff des Zeitkönigs war fest wie Eisen, an Flucht war nicht zu denken.
Blaue Flammen flackerten auf, doch auch wenn sie jetzt auf einmal Schaden zuzufügen schienen, der Ältere ignorierte sie. Und Rin war viel zu verängstigt, um den König der Zeit ernsthaft anzugreifen, dann würde er sowieso als Dämonenkompott enden.
Hoffentlich würde er ein anständiges Grab bekommen. War für so etwas nicht Azazel zuständig? Der Typ war eigentlich ganz okay. Für einen Dämonenkönig. Er hielt Einhörner, so schlimm konnte er nicht sein. Vielleicht würde er einen schönen Grabstein neben der Koppel haben? Kuro würde ihn vermissen. Arme Cait Sidhe.
Dann schrie ihn der Dämonenkönig an. „WER DENKST DU EIGENTLICH, WER DU BIST? Mehr als eine Made, die es nicht einmal verdient sich in dem Fleisch einer tagealten Leiche eines Vergänglichen zu laben? Und dann verhältst du dich so, als ob du irgendeinen Respekt verdienst, während du dich nicht um die scherst, die über dir stehen?"
Lucifer schien teilweise aus seinem Schock zu erwachen. „Samael, hör auf -", doch der Zeitkönig ignorierte ihn. Hey, er hatte es wenigstens versucht, also würde Rin nicht in dem Glauben sterben müssen, dass niemand versucht hatte, ihn zu beschützen.
„Ich besitze eine Macht, die du dir nicht einmal ansatzweise ausmalen kannst. Die, die ich erschaffen habe nennen mich ihren Gott und das ist es was ich bin. Du verdienst es noch nicht einmal, in meiner Präsenz zu verweilen, und dennoch -"
Samael brachte es nicht fertig, seinen Satz zu beenden, da er mit einem gezielten Fußtritt in die Wand befördert wurde. Doch es war nicht Lucifer, der sich entschieden hatte, physisch einzuschreiten. Auch nicht Satan, der zu weit weg war, als dass Rin seine Aura wahrnehmen konnte.
Nein, das war jemand anders.
„SAMMY DU VERFICKTER ARSCH, WIE WAGST DU ES DAS BABY ANZUSCHREIEN!", schrie der anscheinend verbleibende Dämonenkönig, Astaroth.
Rin, der nun nicht mehr von Samael festgehalten wurde, sackte auf dem Boden zusammen. Es überraschte ihn selbst, dass er nicht einfach ohnmächtig wurde. Danach war ihm gerade so ziemlich. Baby oder nicht, er war gerade einem gewissen König der Verwesung ziemlich dankbar, aus dieser Situation befreit worden zu sein. Wahrscheinlich doch kein Grab bei der Einhornkoppel, zumindest jetzt noch nicht.
Samael tat es Rin gleich und sackte auf der anderen Seite des Flures, in dem sie sich befanden, zusammen, und schien geistlich komplett abwesend zu sein.
Astaroth traf die Entschiedung, Lucifer auch gleich eins überzuziehen. „LUCIFER, WARUM HAST DU DAS BABY GESCHLAGEN?"
Astaroth schien durchzudrehen und schmiedete wohl Pläne, die beiden Dämonenkönige als Bettvorläger zu verwenden. Lucifer hatte zumindest versucht, Samael davon abzuhalten, Rin in kleine Stücke zu zerteilen, also schuldete der Jungdämon ihn irgendetwas. Oder so. Sein Gehirn fing langsam wieder an zu funktionieren, und er unterbrach den Verwesungsdämon: „War ein Unfall! Er hat's nicht so gemeint, ich nehm es ihm nicht übel!"
Astaroth ließ davon ab, Lucifer noch schlimmer zuzurichten, und drehte sich zu Rin. Lucifer schaute den Jungdämon so an, als ob er die neue Reinkarnation Jes- ARGH – als ob er der Retter aller Welten wäre.
Der König der Verwesung verlor langsam seinen wilden Gesichtsausdruck, und während er den immer noch leicht geschockten Jungdämon betrachtete, fing er an zu lächeln. Der Dämonenkönig war bei weitem nicht so groß wie seine älteren Geschwister, er war ungefähr vergleichbar mit Amaimon. Er hatte die Hörner eines Widders, die Rin schon wieder an den Verwesungsdämon erinnerten, der versucht hatte, ihn zu kidnappen (und zu verkrüppeln).
Dann breitete sich ein Ausdruck unbändiger Freude auf dessen Gesicht aus, und er rannte zu Rin, um sich vor ihn zu knien. „Oh Gehenna, ist das mein altes Shirt? Aww, du bist siehst darin so niedlich aus!"
Alle fanden Rin niedlich. Ernsthaft. Der Typ war gerade eben noch dabei, ordentlich Ärsche zu treten (was Rin bewunderte, wenn nicht sein Arsch getreten wurde) und plötzlich war er zu dem hier degradiert.
„Oh! Du kennst mich ja noch gar nicht.", stellte Astaroth fest, wahrscheinlich im Zusammenhang damit, dass Rin seiner Hand auswich, als er ihm über das Haar streichen wollte. Diese Bewegung hing aber auch damit zusammen, dass er gerade ziemlich Angst gehabt hatte, zu sterben.
„Hi, ich bin Astaroth, dein großer Bruder! Die beiden Idioten sind Lucifer und Samael, und eigentlich sollten sie wissen, dass man nicht so mit so einem niedlichen Kerlchen wie die umgeht.", stellte sich der Dämon vor, wobei er sich bei dem letzten Teil zu den beiden anderen Dämonen umdrehte und ihnen Todesblicke zuwarf. Okay …
Vorsichtig, als ob er aus Glas wäre, nahm ihn Astaroth in den Arm, und Rin ließ es über sich ergehen, weil verdammt nochmal, er hatte es nötig, okay?
Und im nächsten Kapitel sehen wir ob Rin es schafft, ins Esszimmer zu kommen bevor er verhungert.
