Kapitel 14
Sie fuhren die ganze Nacht, bis Eric kurz vor dem Morgengrauen wieder an einem Motel hielt.
„Wieder Vampir-sicher?" fragte Sookie augenrollend. Der Wikinger nickte ernst.
„Ja. Und da es hier diese Schutzvorrichtung nicht gibt, muss ich dich darum bitten." „Worum bitten?"
„Dass du im Zimmer bleibst, nicht rausgehst und mit niemandem sprichst. Wir sind jetzt schon ziemlich weit in Illinois, da will ich keine Risiken mehr eingehen." „Was für Risiken?"
Eric stieg aus, machte ihr die Tür auf und hielt ihr seine Hand hin, die sie unsicher ergriff. „Sookie, wann begreifst du endlich das ich dich nur beschützen will? Und wenn dich hier ein Vampir angreift kann ich dir nicht garantieren, dass du nicht verletzt wirst!" Sookie zog erst einmal einen Schmollmund.
Wie ein echter Gentleman führte er sie zur Rezeption und bestellte doch tatsächlich wieder ein Doppelzimmer, diesmal aber mit getrennten Betten.
Bevor er sich zur Ruhe legte sah er ihr noch einmal ernst in die Augen. „Also, Sookie, ich bitte dich darum, bitte bleib heute in diesem Zimmer." Dann drehte er sich um.
Verblüfft starrte sie seinen Rücken an.
Wer zum Geier war dieser Vampir da? Eric Northman definitiv nicht…
Auf dem Rücken liegend starrte Sookie an die Decke. Den ganzen Tag heute hatte er sich so anders gegeben, das machte es ihr verdammt schwer an ihrer Abneigung festzuhalten. Und was war da eigentlich am Anfang der Nacht passiert? Sollten sie nicht eigentlich darüber reden? Wollte sie überhaupt darüber reden? Nein, in Wirklichkeit wollte sie, dass es überhaupt nicht passiert war.
Dann hätte sie es nicht so verdammt genossen und, viel wichtiger, sie hätte nicht diesen Ausdruck in seinen Augen gesehen…
Sookie prügelte ein paar Mal auf ihr Kissen ein und versuchte erfolglos zu ignorieren, das Eric auf der anderen Seite des Zimmers mit dem Rücken zu ihr an die Wand starrte.
Sie spürte wie die Sonne unterging und bedauerte, dass sie Erics Bitte wirklich nachgekommen war. Wenigstens hatte sie durch den Zimmerservice richtig frühstücken können.
Sookie setzte sich neben ihn auf sein Bett und hielt im sein Tru:Blood hin. „Guten Morgen." Sagte sie vorsichtig. Er stürzte es in einem Zug runter und stand auf. „Guten Morgen."
Während er sein Shirt anzog fragte Sookie: „Hast du mir noch etwas zu sagen, bevor wir uns in die Höhle des Löwen begeben?" Zum Beispiel was du für mich empfindest?
„Sei einfach vorsichtig."
Damit drehte er sich um und machte Anstalten das Zimmer zu verlassen. „Willst du nicht wissen ob ich dir noch etwas zu sagen habe?" Zum Beispiel was ich für dich empfinde?
Eric blieb stehen, sah sich aber nicht an. „Besser nicht."
Kurz darauf saßen sie wieder im Auto und rasten nach Norden. Schweigend. Sookie hatte die Sachen die Eric ihr gekauft hatte angezogen. Sie fühlte sich ein bisschen wie eine kleine graue Maus, was er wohl auch beabsichtigt hatte…
Sie fuhren nur noch etwa 2 Stunden auf dem Highway, dann verließen sie ihn und Eric bog wenig später in die Auffahrt zu einem weitläufigen Herrenhaus ein.
Alle Lichter waren erleuchtet, auf dem Rund vor dem Haupteingang standen viele teure Autos. Eric parkte am Rand. Als er ihr die Tür öffnete sah er sie wieder ernst an.
„Denk dran: Halt dich zurück! Aber halt die Ohren offen!"
Dann setzte er ein Lächeln auf und ließ sie sich bei ihm einhaken.
An der weit offenen Tür wurden sie bereits erwartet. Zwei Männer, offensichtlich Vampire, im Smoking begrüßten sie. „Eric Northman, Sheriff von Bereich 5 in Louisiana." Stellte er sich vor. „Meine Begleitung." Mehr sagte er nicht, auf Sookie deutend.
„Ihre Majestät wünscht Sie sofort zu sprechen."
Die beiden Pinguine führten sie durch eine atemberaubende Eingangshalle eine weite Treppe mit goldbeschlagenem Geländer hoch in einen großen Saal, in dem kleine Sitzgruppen um einen opulenten Thron angeordnet waren.
Überall saßen Vampire unterschiedlichsten Alters, die meisten in detailreichen Abendkleidern und Anzügen. Fast alle hatten sie einige Menschen an ihrer Seite, von denen sie sich augenscheinlich nach Bedarf nährten. Sookie wurde sich bewusst, das Eric das wohl mindestens einmal auch von ihr erwarten würde, schon alleine um den Schein zu bewahren.
Auf dem reichverzierten Thron in der Mitte residierte eine wunderschöne Frau, sie sah mit fast aristokratischen Gesichtszügen auf die Anwesenden herab. Ihre Haare waren blond und unglaublich lang, teilweise hochgenommen zu einer vor Brillanten glitzernden Hochsteckfrisur.
In der Hand hielt sie ein Kristallglas mit Blut, ihre Fingernägel waren lang und augenscheinlich sehr scharf, da sie gerade einen Mann in ihrer Nähe damit das Handgelenk anritzte und etwas von dem Blut in ihrem Glas auffing.
Sookie spürte wie sie von den grauen Augen kurz gemustert und für unwürdig befunden wurde. Sie ließ sich von Eric nach vorne führen, sie der Aufmerksamkeit aller Anwesenden durchaus bewusst, und wurde dort dann von ihm sanft auf die Knie gedrückt. Er selbst verbeugte sich nur ehrerbietig.
„Eric Northman…. Sie haben mich warten lassen!" Sookie hätte viel erwartet, aber nicht das ihre Stimme so rauh und dunkel sein würde. Sie passte überhaupt nicht zu dieser filigranen Gestalt…
„Es tut mir sehr leid, Euer Hoheit." Die Fee hatte Mühe einen ernsten Gesichtsausdruck zu behalten, sie kannte ihn inzwischen gut genug um herauszuhören, dass es ihm sowas von egal war… „Wer ist Ihre Begleitung?" Anscheinend war ihr die Frage nicht wichtig genug, als das sie der Antwort viel Aufmerksamkeit geschenkt hätte, sie taxierte schon wieder einen der umstehenden Männer.
„Ariane Smith. Sie ist mein."
Sookie zuckte kurz vor Überraschung, dann hatte sie sich wieder im Griff. Das hätte er ihr definitiv vorher sagen sollen…
„Ich wünsche später mit Ihnen unter vier Augen zu sprechen."
Damit waren sie offensichtlich entlassen. Eric verbeugte sich noch einmal und bot Sookie dann wieder seinen Arm an. Freundlich lächelnd ergriff sie ihn und ließ sich von ihm wieder weg führen. Sie nahmen an einer Dreiersitzgruppe am Rand Platz.
„Das hättest du mir früher sagen können." Flüsterte Sookie ihm durch die Zähne zu. „Das war eine spontane Entscheidung." Sagte er in derselben Lautstärke. „Warum?" „Weiß nicht… Das hab ich spontan entschieden…"
„Eric Northman vertraut also seiner Intuition." Kicherte Sookie. Er legte lächelnd einen Arm um sie und zog sie näher zu sich heran. „Treib es nicht zu weit!" Der ernste Ton strafte seinen Gesichtsausdruck Lügen. Sookie bemühte sich weiterhin um Unbeschwertheit, aber er machte es ihr nicht gerade einfach.
Ein gefrackter Kellner stellte ein großes Kristallglas mit einer dunklen Flüssigkeit vor sie hin.
„Aronia-Apfel-Saft mit einem Schuss Rote Beete." Die Fee sah Eric verwirrt an. „Vielen Dank." Meinte er zum Kellner gewandt und als dieser wieder weg war erklärte er ihr: „Diese Art der Säfte sind sehr verbreitet in der-" Er grinste sie an „-Fangbanger-Gemeinschaft. Es ist einer der blutbildenden Cocktails. Lass ihn dir schmecken."
Sookie rollte mit den Augen und knuffte ihn in die Seite.
Hatte sie das gerade wirklich getan? Eric Northman fast schon liebevoll den Ellenbogen in die Seite gepufft?
Um sich abzulenken probierte sie den Saftcocktail. Er schmeckte nicht schlecht, etwas herb, leicht süßlich, sehr fruchtig.
Es setzte Streichermusik ein, ein kleines Orchester war aufgetreten und spielte einen leichten Walzer auf. Eric warf Sookie einen seiner besonderen Blicke zu. „Darf ich die Dame zum Tanz bitten?"
„Das ist nicht dein Ernst?
Er stand auf und zog sie hoch. „Mein voller Ernst! Immerhin muss ich beweisen, dass ich bei der Wahl meiner Frau auch solcherlei gesellschaftlicher Gründe walten lasse."
„Deiner Frau?"
Eric zog sie auf die Tanzfläche und an sich heran. „Vielleicht kannst du ja wenigstens heute Nacht mal so tun als ob du mich wirklich magst…"
„Aber nur heute Nacht!"
Von da an entspannte sich Sookie. Eric war ein verdammt guter Tänzer, auch wenn er verbissen darauf achtete das ER zu jeder Zeit führte. Sie konnte sich völlig fallen und von ihm leiten lassen. Vorsichtig fühlte sie in die Gedanken der umstehenden Menschen hinein, jeden noch so kleinen Gedankenfetzen hörte sie sich an, vielleicht würde er später ja noch wichtig werden.
Sie flogen geradezu über den Boden, in fließender Harmonie, ein perfektes Paar.
Gerade als Sookie dachte sie würden gleich von der Erde abheben und in die Lüfte fliegen, da kam so ein Pinguin angewatschelt und teilte ihnen mit, das Ihro Hoheit nun gewillt wären mit dem Herren Sheriff Northman zu referieren.
Mal wieder völlig verunsichert ließ sich Sookie von Erics starker Hand ins Hinterzimmer führen, wo die Königin sie ausgestreckt auf einem ausladenden Diwan empfing. Er bedeutete der Fee sich zu einigen anderen Menschen zu stellen, etwas abseits vom Geschehen aber noch nahe genug um jedes Wort zu hören.
Sookie fuhr alle ihre Sinne hoch.
