Kapitel
Als Professor Severus Snape, Trankmeister von Hogwarts, nach dem Abendessen die Treppen in die Kerker herunterstieg, bemerkte er ein kleines, rechteckiges Päckchen in seiner rechten Umhangstasche. Behutsam zog er es heraus. Wieso hatte er es erst jetzt bemerkt? Wie war das nur möglich? Auch nach Voldemorts Tod konnte er sich solche Unachtsamkeiten nicht erlauben! Jemand hatte ihm etwas in die Tasche geschmuckelt und er hatte nichts davon gemerkt! Was, wenn es sich um etwas gefährliches handeln würde? Noch immer liefen einige Totesser draußen frei herum, einigen davon war sicher auch seine Spionagetätigkeit für Dumbledore kein Geheimnis mehr.
Vorsichtig inspizierte er das Päckchen. Komischerweise schien es mit Geschenkpapier umwickelt zu sein, doch, wer sollte einem Severus Snape schon Geschenke machen!
Siedend heiß fiel es ihm ein: Das Wichtel Geschenk! SEIN Wichtel Geschenk! Jemand hatte ihm tatsächlich etwas geschenkt und dann das auch noch so raffiniert dass er es nicht bemerkt hatte. Innerlich atmete er auf. Um ehrlich zu sein, hatte er nicht geglaubt, dass ihm jemand etwas schenken würde... nicht umsonst hatte er den Ruf des schrecklichsten Lehrers an der Schule.
In seinen Räumen angekommen, setzte er sich in die Mitte seines großen Sofas, legte das Geschenk in seinen Schoß und atmete erst einmal tief durch. Wie lange war es her, dass er das letzte Mal etwas geschenkt bekommen hatte? Sein Wichtel wusste ja gar nicht, was er ihm mit diesem Geschenk antat. Das letzte Mal... das musste an seinem sechzehnten Geburtstag gewesen sein... von seinen Eltern hatte er einen neuen Besen bekommen, einen Flying Star 005. Noch immer konnte er sich an die herrlich geschwungene Linie des Besens erinnern, an die goldenen Schriftzüge die den Namen verkündeten... den Namen des damals besten Rennbesens der Zaubererwelt.
Doch danach war Schluss gewesen, aus Verzweiflung über den Hass den ihm viele seiner Mitschüler entgegen brachten hatte er sich dem Dunklen Lord angeschlossen. Seine Eltern wollten ab sofort nichts mehr mit ihm zu tun haben und er zog sich immer mehr von allen zurück, auch von seinen wenigen Freunden die er in dieser Zeit noch hatte. Zuerst wollten sie ihn nicht gehen lassen doch nach einiger Zeit schienen sie bereit zu sein, ihn zu vergessen...
Die Aufnahme in die Reihen Voldemorts war eine Verzweiflungstat gewesen. Zu dem Hass kam auch noch die Enttäuschung seines Lebens: seine große Liebe Lilly Evans entschloss sich, statt seiner selbst, James Potter zu ehelichen.
Wütend riss er sich aus seinen Gedanken. Er war darüber hinweggekommen und hatte sich als Spion unter Einsatz seines Lebens wieder der richtigen Seite angeschlossen. Nun war Voldemort tot und er konnte wieder tun und lassen was er wollte!
Und alle diese Gedanken kamen auf wegen... einem Geschenk. Tränen traten in seine sonst so kalten Augen. Hastig wischte er sie weg – er konnte sich innerlich noch immer nicht erlauben, Schwäche zu zeigen, nicht einmal vor sich selbst.
Sein Blick senkte sich wieder auf das Päckchen und mit fahrigen Händen wickelte er es aus. Im Inneren befand sich ein Buch, genauer gesagt ein Muggelbuch , wie er auf den ersten Blick feststellen konnte.
„Frisch und glücklich in den Morgen" war in großen, rubinroten Lettern auf den Buchrücken zu lesen. Severus Snape schüttelte ärgerlich den Kopf. Ein Muggelbuch! Noch dazu eines, das ihn „frisch und glücklich" in den Morgen bringen sollte!
Was hatte sich sein Wichtel dabei nur gedacht? Langsam fing es ihn an zu amüsieren. Vielleicht sollte er wirklich einmal in dieses Buch hineinschauen! Doch unmöglich konnte es helfen wo selbst seine geliebten Zaubertränke versagt hatten. Nun ja, er würde ihm eine Chance geben, einen Versuch war es wert.
Doch jetzt war es an der Zeit, sich um etwas anderes zu kümmern: Er musste sich immer noch ein Geschenk für Miss Granger beschaffen und das jetzt auch ziemlich schnell.
Miss Granger... so wie er sie kannte, würde sie sich über ein interessantes Buch sicher freuen. Doch aus welchem Themenbereich? Zaubertränke? Er schüttelte den Kopf. Das wäre viel zu offensichtlich! Er wusste zwar, dass sie dieses Fach mochte, aber der Verdacht würde zu schnell auf ihn fallen und auch er musste sich eingestehen, dass er an der Belohnung Dumbledores interessiert war.
Warum mochte dieses Mädchen sein Fach überhaupt? Seit ihrem ersten Schuljahr hatte er sie schikaniert wo es nur ging, hatte ihr für ihre erstaunlich guten Tränke miese Noten gegeben und es geschafft, ihr und ihren Freunden das Leben so schwer wie möglich zu machen!
Er schüttelte den Kopf. Wunder gab es...
Severus Snape versuchte sich zu konzentrieren. Immer wieder hörte er im Lehrerzimmer, wie Minerva McGonagall über die herausragenden Fähigkeiten ihrer Schülerin in Verwandlung schwärmte. Verwandlung? Warum nicht, fragte er sich. Er ging zu einem seiner Bücherregale und nach einigem Suche entdeckte er etwas, was richtig erschien. „Verwandlungen im Laufe der Zeit" prangte in großen, goldfarbenen Buchstaben auf dem Buchdeckel. Hastig blätterte er ein wenig darin herum. Es gab Erklärungen für alles, wie es ihm schien. Erklärungen für die Entdeckung neuer Zaubersprüche, Anleitungen zu Verwandlungen und und und... oh ja, er hatte das richtige gefunden!
Sein Buch würde er natürlich behalten aber er schickte eine Eule nach Hogsmeade in ein Büchergeschäft, bald schon würde es eintreffen.
Diese Sorge los, setzte er sich mit seinen neuen Muggelbuch in einen seiner Sessel und fing an zu lesen. Nach einer Weile vergaß er die Welt um ihn herum und musste sich eingestehen, dass das Buch wirklich lesenswert war und ihm vielleicht auch helfen konnte.
Bislang gab es eine ganze Menge wissenschaftlicher Erklärungen für den „Morgenmuffel". Interessiert las Severus Snape eine nach der anderen. Wer hätte auch gedacht, dass mind. 60 Prozent der Bevölkerung morgens unausgeschlafen und ärgerlich aufwachten? Bislang hatte er sich als beinahe einziges Opfer davon gesehen.
Nach einer Weile war er beim Übungs – und Trainingsteil angekommen. Seine Augen zogen sich zusammen.
Nein, das konnte er nicht machen! Er ließ seinen Blick über die einzelnen Schritte gleiten und sein Gesichtsausdruck wurde immer finsterer. Das konnte er wirklich nicht machen, nein, das konnte niemand von ihm verlangen! Die Schüler würden aus dem Wundern nicht mehr herauskommen, die Lehrer würden sich über irgendwelche Gerüchte das Maul zerreißen und er? Er... würde wahrscheinlich endlich wie jeder normale Mensch in der Früh auch einigermaßen ansprechbar sein.
Damit stand sein Entschluss fest: Er würde es wenigstens einige Tage lang versuchen, wenn es nicht klappte, konnte er immer noch aufhören. Severus Snape stöhnte in Gedanken als er bemerkte, was das für ihn und sein bisheriges Leben hieß:
Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen gilt, dass ein Lächeln am Morgen Wunder bewirken kann. Auch wenn Sie sich nicht danach fühlen, vertrauen sie darauf und seien Sie aufgeschlossen allen neuen Dingen gegenüber.
Nach dem Aufstehen empfiehlt es sich, einige Aufwärme – und Dehnübungen zu machen, s. S. 110-129. Auch während Ihres Tages im Büro sind solche Trainingsübungen sicher von Vorteil, sie stärken Ihren gesamten Körper und gelten als Erfrischung für Geist und Seele.
Seien Sie fröhlich, glücklich und ausgelassen. Wenn etwas im Büro nicht so vonstatten geht wie Sie es wünschen, sehen Sie einmal großzügig darüber hinweg. Lassen Sie sich Ihre gute Laune nicht durch Kleinigkeiten verderben!
Fröhlichkeit ist ansteckend: Versuchen Sie, die ersten Morgenstunden mit gut ausgeschlafenen und tatkräftigen Personen zu verbringen! Vielleicht kann jemand Sie ja auch noch zu einer morgendlichen Jogging – Runde überreden!
Versuchen Sie, Ärger zu vermeiden so gut es geht! Beschwören Sie ihn nicht durch schlechte Verhaltensweisen herauf, seien Sie z.B. darauf bedacht, freundlich zu Ihren Mitmenschen zu sein, sich nicht auszugrenzen etc. Gemeinsame Tätigkeiten mit Freunden oder Kollegen helfen Ihnen, sich auch in den Morgenstunden richtig in eine Gruppe integrieren zu können.
Wichtig ist auch, dass Sie Ärger über eventuelle Misserfolge nicht an Ihren Mitmenschen (Freunde, Verwandte, Kollegen, Schüler, Kinder, etc.) auslassen. Schlucken Sie ihn hinunter! Sie wissen, nach jedem Tief kommt wieder ein Hoch.
Über Probleme aller Art sollten Sie gelassen und ruhig diskutieren können. Schieben Sie diese Probleme nicht auf Ihre Unansprechbarkeit am Morgen, diese wollen Sie mit diesem Buch doch gerade beheben!
Stehen Sie zu diesem Buch und genieren Sie sich nicht vor anderen Menschen. Seien Sie gewiss, dass wir Ihnen helfen können und befolgen Sie unsere Ratschläge. Sie werden es schaffen! Doch dafür müssen Sie natürlich auch richtig und konzentriert mitmachen, was Ihnen jetzt, da Sie dieses Buch gekauft haben, allerdings leichter fallen dürfte.
Viel Spaß beim Lernen, glauben Sie an sich!
Snape runzelte unglücklich seine Stirn: „Genieren Sie sich nicht", die haben gut reden. Er konnte sich schon denken, was seine werten Kollegen, allen voran Minerva und Albus, dazu sagen würden. Natürlich würden Sie seinen Plan unterstützen, alle wären froh, am Morgen nicht mehr als sonst unter ihm leiden zu müssen. Doch hinter seinem Rücken würde das Gegrinse los gehen und die Gerüchteküche würde kochen... nein, erzählen konnte er es wirklich niemanden – er verspürte auch nicht die geringste Lust dazu.
Morgendlich Joggen und Übungen machen, das ließe sich vereinbaren, aber sonst? Das ganze drehte sich insgesamt doch eigentlich nur um Fröhlichkeit, Freundlichkeit und Kommunikation mit den Mitmenschen! Und gerade da lagen seine Probleme.
Nun, er hatte seinen Entschluss gefasst. Er, Professor Severus Snape, Trankmeister von Hogwarts, würde es schaffen, das wäre doch gelacht!
