Kapitel 14
Am Abend fand wieder einmal eine so genannte Slugh-Party statt, bei denen ihr Zaubertränke Lehrer, Professor Slughorn, seine Lieblingsschüler zusammentrommelte und ihnen berühmte Magier vorstellte.
Die Rumtreiber und auch die Mädchen waren eingeladen. Professor Slughorn hatte in die Einladung geschrieben, dass er für den heutigen Abend, etwas sehr besonderes geplant hatte und deswegen war eine festliche Kleidung gefragt.
Wahrscheinlich hatte er mal wieder jemanden ganz besonderem zu Besuch, wie eigentlich jedes Mal bei seinen Treffen.
Bei dieser Gelegenheit, wollte James Lily fragen, ob sie nicht seine Freundin sein möchte. Nur wie macht man so etwas? Wollte sie überhaupt? Wie sollte er nun mit ihr umgehen? Direkt zu ihr hingehen und sie küssen, oder lieber doch nicht? Aber vielleicht viel ihm ja noch etwas ein, was Lily würdig war.
Beim Abendessen hatten sie sich nur ab und zu angeschaut und zugelächelt, was hauptsächlich daran lag, dass Lily im Schlafsaal fast einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte, da sie sich James Potter an den Hals geschmissen hatte und nicht ihren eigentlichen Plan nachgegangen war.
Sie wollte sich nur mit ihm unterhalten, ihn näher kennen lernen und nicht küssen, nicht beim ersten Date. So war es geplant gewesen, aber warum hatte ihr Körper alles anders gemacht, als ihr Kopf es geplant hatte?
Selbst Mona und Jasmin konnten sie nicht beruhigen. Sie könnte sich echt ohrfeigen, in jedem Märchen, in jeder Liebesgeschichte war es so, dass der Junge das Mädchen als erstes zu küssen hatte. Basta.
Sicherlich wusste Lily, dass das Leben kein Märchen war und James garantiert nicht so häufig auf einem weißen Pferd, in die Große Halle kommen würde, um sie abzuholen, aber selbst ihre Mutter hatte immer gesagt:
„Lily, ein Junge muss dich erobern. Männer sind Jäger und Sammler. Also lass Jungs immer so lang wie möglich zappeln, am ausgestreckten Arm verhungern, bis du sie später endlich einmal kurz knabbern lässt."
Nach einer geschlagenen halben Stunde, hatten Mona und Jasmin es doch geschafft, sie zu beruhigen.
Also starrten sie beim gesamten Abendessen ihr Essen an, schauten kurz auf, genau wie der andere, lächelten und starrten wieder ihr Essen an.
Es ging soweit, dass Sirius schon fast kein Hunger mehr verspürte, was so gut wie gar nicht vorkam. So kannte er sein Freund gar nicht, so komisch, so schüchtern. War er früher nicht mindestens ein so großer Frauenheld gewesen wie er?
Auch den anderen entgingen die Blicke des Schulsprecher nicht.
Um Punkt acht Uhr, hatte Lily schon das erste Glas mit festlichen Sprudelwasser von Professor Slughorn in die Hand gedrückt bekommen und wurde vielen Leuten vorgestellt, dass Lily sich nach dem Zwölften, Kevin Schnackboer, schon gar nicht mehr an den Fünften erinnern konnte.
Die Marauder kamen jedes Mal zu spät es war schon eine Art Markenzeichen, das Kunststück dabei war, dass Professor Slughorn es duldete.
Wenn es sich dies andere Schüler erlauben würden, könnten sie glatt bei der Jagd der Kopflosen teilnehmen und damit den Fast Kopflosen Nick richtig eifersüchtig machen.
Als sie es nun endlich doch geschafft hatten zu erscheinen, wurden sie auch gleich von Slughorn bedrängt.
Sirius und Remus wurden mit Barnabas Cluffe bekannt gemacht, der wie es sich rausstellte ein großartiger Quidditchspieler war, aber nur in einer schlechten Mannschaft, was natürlich nur und wenn überhaupt am Schiedsrichter lag. Peter trottete ihnen einfach wie gewöhnlich hinterher.
James zerrte er genau dorthin, wo seine Beine ihn wahrscheinlich nie hin getragen hätten – zu Lily, die bei einem gewissen Mad-Eye Moody stand. Diese schien erleichtert, dass James kam, denn Alastor Moody war schon etwas zu fürchten, er trank nur aus seinem eigenen Flachmann und sein Gesicht war mit etlichen Narben bedeckt und anstatt ein zweites normales Auge zu haben, war ein hellblaues das sich drehten konnte, in seinem Gesicht. Während er trank, schwang er das Auge immer wieder nach hinten oder zur Seite, dass andere Auge weiterhin auf die Schulsprecher gerichtet.
Nach ein paar Floskeln der Höflichkeit und damit Slughorn verschwand um andere Schüler seines legendären Slugh-Clubs, seiner Meinung nach wichtige Kontakte zu vermitteln, verschwanden James und Lily mit der Ausrede, ein wenig frische Luft schnappen zu müssen.
Während sie redeten und die Augen nicht voneinander lassen konnten, liefen sie aus dem Schloss.
Doch plötzlich erstarrte Lily.
„James!", flüsterte Lily und sein Blick folgte ihren ausgestreckten Zeigefinger, der mit etwas durchsichtigen Nagellack bestrichen war.
Am See stand eine Menge Leute und es schien, dass sie sich um irgendetwas, irgendjemanden scharten, der immer weiter zurückwich und bald keine Fluchtmöglichkeit mehr besaß.
Sie zögerten keine weitere Sekunde und rannten drauf los.
Als sie nur noch ein paar Meter entfernt waren, erschien durch das Licht eines Schutzschildes, dass Gesicht von Severus Snape, der von jeder Menge anderer Slytherins umzingelt war.
„Hey!", schrie James.
Gooyle und Crabbe drehten sich um, um nachzusehen wer ihre kleine „Party" störte. Doch James hatte ihnen schon einen Schockzauber auf den Hals gejagt, so dass jetzt auch die anderen Slytherins aufmerksam wurden.
Doch Bellatrix Black und Lucius Malfoy schienen sich gar nicht darum zu kümmern, was um sie herum geschah. Ihre ganze Aufmerksamkeit, war gegen Snape gerichtet, der jetzt schon am Ende des Stegs angekommen war und keine Fluchtmöglichkeit mehr besaß.
Er saß in der Falle und hatte zwei gut funktionierende Zauberstäbe auf ihn gerichtet, nur der See war hinter ihm, aber in der Kälte des Sees würde er innerhalb kürzester Zeit erfrieren und der beste Schwimmer, war er garantiert auch nicht.
Ihn ekelte es bei den Gedanken an das kühle Nass hinter ihm, dass so viel anderes Leben in sich hatte.
James und Lily waren immer noch beschäftigt, sich durch zu kämpfen. Aber nachdem Lily Macnair geschockt hatte, zog sie blitzschnell ihre hochhackigen Schuhe aus, denn es war unmöglich mit solchen Schuhen zu duellieren.
Aber wie es sich herausstellte, waren ihre Absätze eine sehr gute Waffe, denn damit schlug sie Rudolphus Lestrange kurzerhand einen über den Schädel, der sofort zusammen sackte.
Malfoy und Bellatrix drängten Snape immer weiter ein, der immer weiter zurück nach hinten wich, bis man ein lautes Platsch hörte.
James nahm den Kampf mit beiden Reinblütern auf und Lily fackelte nicht lange, schlüpfte aus ihrem Kleid, so das sie nur noch in Unterwäsche auf dem Bootssteg dar stand und sprang in das kalte Wasser.
Die Kälte stach an ihrer ganzen Haut und in dem Moment wurde ihr bewusst, dass sie sich mindestens eine Grippe einfangen würde. Aber das zählte jetzt nicht, sie brauchte die Luft, die ihr die Kälte noch übrig ließ, um Severus Snape zu suchen.
Lily wusste dass er nie wirklich schwimmen gelernt hatte. Der Slytherin hatte immer das Wasser gefürchtet. Sie brauchte nicht lange zu tauchen, bis sie endlich Snape entdeckte. Der verzweifelt mit seinen Beinen strampelte und versuchte sich von seinem störenden Umhang zu befreien.
Nach ein paar Zügen, hatte sie ihn erreicht. Sie packte ihn, doch er zappelte so sehr, dass sie ihn wieder verlor.
Ein zweiter Versuch glückte und sie zog ihn mit an die Oberfläche. Lily dachte schon, sie müsste unter der Last versinken. Snape machte es ihr auch nicht gerade einfach, indem er voll Panik, die ihn überkam immer wieder anfing wie wild um sich zu schlagen.
Sie zog ihn an den Bootssteg, wo schon eine große Menge Leute stand, die vorher nicht dort gestanden hatte.
Sie schob, den inzwischen bewusstlosen Severus Snape zu Professor McGonagall, die ihn aus dem kalten Wasser zog.
James, der die restlichen Slytherins mit einem Fesselspruch belegt hatte, stand am Ufer von einem Bein auf das andere hüpfend, seinen Umhang in der Hand mit den er sofort auf Lily zuging, damit keiner der Schaulustigen seine Lily nur in Unterwäsche sah.
Der Hirschanimagus legte den warmen Umhang der zitternden und schlotternde Hexe um und nahm sie in die Arme.
Aber sie löste sich und sah nach Snape, der immer noch bewusstlos war, aber in warme Umhänge und Decken gehüllt.
Die Rothaarige setzte sich neben ihn und verpasste ihn ein paar saftige Ohrfeigen.
Bis Professor McGonagall scharf die Luft einzog und gerade mit einer vollen Strafpredigt, für die klitschnasse Lily anfangen wollte, doch dann fing der junge Slytherin an, Wasser auszuspucken und wieder zu sich zu kommen.
Keine Sekunde länger wartend, wandte sich Lily wieder James zu, der sie dann kurzerhand auf die Arme nahm, denn sie schlotterte immer noch heftig am ganzen Körper.
Und Lily Evans, genau diese Lily Evans, die gerade einen Slytherin das Leben gerettet hatte, immer James Potter verachtet hatte lehnte sich an ihn und lies sich bis in den Schulsprechergemeinschaftsraum von ihm tragen.
James wollte sie zwar noch in den Krankenflügel bringen, doch davon konnte Lily ihn noch abhalten.
Während Lily sich ein heißes Bad gönnte, hatte James vielleicht eine seiner besten Ideen. Er ging runter in die Küche, um die tüchtigen Hauselfen von Hogwarts um einen Gefallen zu bitten.
Als Lily, in einem blauen Jogginganzug in den Schulsprechergemeinschaftsraum kam, war James schon dort und wartete ungeduldig auf sie.
Sie lächelte und setzte sich zu ihn auf das Sofa, doch er sprang sofort auf und holte eine Decke. Dann reichte er ihr einen Kakao mit Schlagsahne.
„Wow, danke!", lächelte Lily.
Jetzt fing James an unsicher zu lächeln und auf seinem Platz hin und her zurutschen, was Lily ziemlich amüsant fand.
Schließlich fing er an ein Wenig rumzustottern und die Schulsprecherin musste genau hinhören um zu verstehen was ihr Klassenkamarad von ihr wollte:
„Ich ich hab auch noch Kek..Kekse, Schoko..Schokoladenkekse geholt. Möchtest Möchtest du vielleicht ein paar?"
„Schokoladenkekse?"
Er nickte. Mochte sie keine Schokoladenkekse? Es war vorbei er konnte von den Astronomieturm springen. Aber dann:
„Lecker, wo sind sie?"
Jetzt wurde es ernst. Sollte er es wirklich durchziehen? Es war noch nicht so gut geplant. Aber er war ein Gryffindor. Mut und Tapferkeit zählten da. Mut brauchte er jetzt und Tapferkeit, wenn sie.. .
Schnell verdrängte er diesen Gedanken und sprang zum zweiten Mal auf, um die Kekse zu holen.
„Die riechen schon lecker!", grinste Lily.
James atmete noch einmal tief ein und aus und reichte Lily dann genau einen großen, runden, auf den Kopf gedrehten Keks.
„Danke."
Sie drehte den Keks um und wollte gerade reinbeißen, als sie die Schrift auf den großen runden Keks sah.
Mitten auf den Keks stand in weißen Zuckerguss geschrieben:
„Willst du meine Freundin sein?"
Sie schaute auf den Keks, dann wieder zu James der ziemlich aufgeregt aussah, sich durch die Haare fuhr und wieder auf den Keks.
Schließlich hob sie wieder ihren Kopf und grinste.
Als ihr ein verwunderter ein paar haselnussbrauner Augen entgegenblickten nickte sie auch noch.
Dann rückte James Potter näher und küsste seine neue Freundin Lily Evans.
