Disclaimer: Wenn ich JKR wäre, hätte ich Kohle. Ich schreibe, weil es mir Riesenspaß macht. Bitte nicht klagen!

Tut mir leid wegen der Verspätung!

WARNUNG! In diesem Kapitel gibt es eine Vergewaltigungsszene. Bitte nicht essen während ihr lest :)

Cassie

oooooooooooooooo

Kapitel 13 - Ihre Musik hallt in meinen Ohren

/Hermines Sicht

Dieser Tag scheint wohl kein Ende zu haben. Wahrscheinlich kommt es mir so vor, weil ich kein Auge zugemacht habe. Falls ich gedacht habe, dass ich all meine Probleme mit nur einem Besuch lösen würde, habe ich mich gewaltig geirrt. Denn jetzt ist mein Problem, das einmal nur eine Knospe war, aufgeblüht und hat all seine Komplexität und erschreckende Schönheit gezeigt.

Aber ihre Musik... sie hallt noch in meinen Ohren...

Ich drehe den Kopf um. Bellatrix steht mit Rodolphus an der Tür und sie tuscheln. Barty steht alleine bei einer der Statuen und starrt Löcher in der Luft. Draco steht an meiner Seite und untersucht gedankenverloren seine Nägel.

Das wunderschöne Wesen hat mir sein Zimmer gezeigt. Alles war glänzend sauber; und erfrischend düster, ganz nach meinem Geschmack. Ihre Büchersammlung ist alphabetisch geordnet... Warum wundert es mich nicht? Sie hat ungefähr dreißig Federn von verschiedenen Längen und verschiedener Qualität... Und in einer Ecke habe ich einen Geigenkasten gesehen. Ich habe sie gefragt, ob sie Geige spiele. Sie hat sich umgedreht und mich angelächelt. Und urplötzlich wurde der Raum ganz still als diese stahlblauen Augen mich anlächelten und als Freude in ihnen, wie Kerzenlicht, von dem wir derzeit umgeben waren, brannte. Und in jenem Moment ist mir (wieder) klargeworden, dass ich verliebt bin.

Sie nahm die Geige in ihre kleinen Hände, setzte sich auf einen Stuhl und hob den Bogen. Und als sie begann, die Geige zu spielen, hat mein Herz aufgehört zu schlagen. Sie benutzte auch ihre Magie, um ihre Musik schöner und fließender zu machen. Ihre Magie war so unbeschreiblich geschickt in ihre Musik eingewebt, wie goldene Strahlen der Sonne, sodass ich alles um mich herum vergessen habe, außer ihr und ihrer Musik. Sie schloss ihre stahlblauen Augen und neigte den Kopf zur Seite. Und in jenem Moment wurde sie zu einem Engel, den man einfach bewundern und angaffen muss. Ich verspürte einen unwiderstehlichen Drang, sie in meinen Armen zu halten, ein Stück dieser Schönheit zu besitzen, mir zu eigen zu machen. Ich wollte dieses wunderschönes Wesen berühren und dadurch einen Teil ihrer innen Schönheit bekommen. Ich fühlte mich wie ein armer Bettler, der einen Engel erblickt hat, ein Bote des Göttlichen, und an ihn näher rankommen, und dadurch seine Heiligkeit und seine Unschuld besitzen wollte.

Ich kann noch immer ihre Musik in meinen Ohren hören...

„Bin ich zu spät?" fragt eine atemlose Stimme, die mich dadurch aus den Gedanken herausreißt.

Severus ist gerade angekommen und er hält eine Papiertüte in seinen Händen.

„Er ist noch nicht hier," antwortet Draco ruhig.

Der Frühlingsduft war überall. Er lebte in ihren Kissen, in ihren Vorhängen, in ihren Büchern... Und ihre Gegenwart war in allem zu spüren. Wir setzten uns auf ihr Sofa und tranken Tee. Wir haben über die Schule geredet. Sie hat mich gefragt, ob alles in Ordnung sei, dass ich etwas gedankenverloren aussehe. Ich habe ihr gesagt, ich habe mich gerade an ein Gedicht erinnert. Und ich habe ihr das Gedicht rezitiert... Sie hat zugehört und mit jedem Wort wurde ihr Lächeln noch breiter und mein Herzschlag noch schneller, falls das überhaupt möglich war. Und am Ende hat sie mir gesagt, es sei ein wunderschönes Gedicht. Es sei ein Muggelgedicht, sagte ich zu ihr, von einem französischen Muggeldichter. Egal, hat sie gesagt. Es ist wunderschön. Aber warum ist mir gerade jetzt dieses Gedicht eingefallen? Weil... weil es mich an dich erinnert, habe ich gesagt.

Ein gesamter Schmetterlingschwarm tobte in meinem Bauch als ich mich zu ihr beugte; und als ich meine Lippen auf ihre legte, hörte die Welt auf, zu existieren. Alles, was existierte, war dieser Frühlingsduft, ihre Hände auf meinen, ihre Lippen auf meinen... Ich spürte in nur einem Moment tausende von verschiedenen Sachen und wusste nicht mehr, wer oder wo ich bin. Sie hat mich verzaubert, wie eine Fee. Und als ich ihre Finger in meinen Haaren gespürt habe, wurde mir schwindelig. Sie zog sich ein wenig zurück, um Luft zu holen. Die stahlblauen Augen schauten mich aus der Nähe an und ich atmete tief ein, als ob mir erst jetzt eingefallen ist, dass ich ein lebendiges Wesen bin, das atmen muss. Ihre kleinen Finger suchten meine; und in jenem Moment spürte ich solche Freude, dass ich einfach platzen konnte.

„Sind wir alle hier?" fragt eine bekannte Stimme.

Ich fahre hoch und Draco schaut mich seltsam an. Ich schüttle den Kopf und mustere den dunklen Prinzen, der gerade angekommen ist. Er trägt seine neuen Stiefel und ein einfaches, enganliegendes T-Shirt. Mir fällt auch auf, dass er keine Dolche in seinem Gürtel trägt. Also... Wo gehen wir hin?

Er lässt seinen Blick über uns schweifen und nickt.

„Heute haben wir eine wichtige Aufgabe im irischen Ministerium," sagt er. „Wir werden der Welt zeigen, wie mächtig die dunkle Seite ist. Heute werdet ihr, zusammen mit mir, eine Botschaft an der Welt vermitteln, indem wir den Minister hinrichten werden. Das heißt, ich werde das tun."

WAS?

„Wir werden die Gestalten von ein paar Ministerialbeamten annehmen," fährt der dunkle Prinz fort, auf die Papiertüte in den Händen von Severus deutend. „Severus, teile sie aus."

„Die Blumen still wie Weihrauchschalen stehn,

Die Geige bebt, ein Herz klagt aus den Saiten,
Schwermütiger Walzer, zärtlich sanftes Gleiten,
Ein großes Grab der Himmel, ernst und schön."*

Ich schaue stumm zu, als Severus die Phiolen austeilt. Die Geigen spielen noch immer in meinem Kopf und sie hören nicht auf... Und ein Teil von mir möchte, dass sie nie damit aufhören.

Er reicht mir eine Phiole und nickt mir ernst zu. Hoffentlich handelt sich um eine Frau... Ohne darüber nachzudenken, entkorke ich sie und leere sie in einem Zug aus. Draco schaut mich überrascht an. Bin ich in Eile, fragt er sich wahrscheinlich? Nein, aber ich habe einfach andere Sachen im Kopf, außer dem Vielsaftstrank. Aber eigentlich soll ich damit aufhören, über Laetitia nachzudenken.

Wie aus der Ferne höre ich Bellatrix, die hustet. Ich schaue auf gerade in dem Moment, als es mir übel wird, zuzuschauen, wie sie sich in eine alte Dame verwandelt. Ich kichere, aber mein Kichern scheint mir in der Kehle zu stehen. Das tut weh...

„Ein großes Grab der Himmel, ernst und schön
Und blutigrot der Sonne still Entgleiten."

Ich schaue auf meine Füße hinunter und presse die Hand auf den Mund, um mich ja nicht zu übergeben. Meine Füße wachsen und mein Körper schießt in die Höhe. Wer bin ich? Den Busen nach zu urteilen, eine Frau mit großen Busen. Na krass. Glücklicherweise habe ich heute gar nichts gegessen...

„So," sagt Harrys Stimme, aber anstatt Harry steht jetzt ein kleiner Zauberer mit grauen Haaren und kleinen, schlauen Augen direkt vor mir. „Sind wir bereit?"

„Nur eine Sekunde," sagt Rodolphus, der ziemlich blass im Gesicht ist. „Bellatrix geht es nicht gut."

Ich höre seltsame Geräusche, die mich wissen lassen, dass ihr tatsächlich übel ist. Der Zauberer mit grauen Haaren rümpft mit der Nase und schüttelt den Kopf. Eigentlich wundert es mich überhaupt nicht, dass ihm nicht übel ist. Wahrscheinlich hat er es schon tausendmal getan.

Die alte Frau richtet sich endlich auf und hustet, sich den Mund abwischend. Der Zauberer mit grauen Haaren verdreht die Augen.

„Wenn du mit dem Kotzen fertig bist, können wir endlich gehen," sagt er trocken. „Man würde denken, du machst so was zum ersten Mal."

„Warum muss ich eine alte Schlampe spielen?" fragt Bellatrix empört.

„Wir hatten ja keinen Katalog dabei, aus dem wir Menschen auswählen konnten," meint der dunkle Prinz sarkastisch. „Und hör auf, dich zu beklagen sonst könnte ich entscheiden, dich in einen Hund zu verwandeln, den ich an der Leine ins Ministerium hineinführen würde."

Bellatrix sagt nichts dazu, leckt sich die Lippen und knurrt.

„Na also," sagt der dunkle Prinz. „Folgt mir und folgt meinen Anweisungen. Wir sind Kollegen, also wäre es nicht verdächtig, wenn wir uns zusammenhalten."

Er zieht einen rosafarbenen Frauenschuh aus seinen Umhang hervor und stellt ihn auf den Boden. Ich kichere und bin nicht die einzige. Das soll unser Portschlüssel sein?

„Der Todesser, der den Portschlüssel gemacht hat, hatte nichts anderes dabei," sagt der Prinz sachlich. „Seine Frau hat ihn vor kurzem verlassen. Kommt her."

Wir umrunden den Schuh und ich strecke meine Hand aus als der dunkle Prinz es macht. Als ich einen Ruck hinter meinem Nabel spüre, schließe ich die Augen. Hoffentlich werde ich mich nicht übergeben.

Ihre Musik... Ich kann sie noch immer in meinen Ohren hören...

Das irische Ministerium ist heute vollgepackt. Überall gibt es Zauberer und Hexen, die mit Mappen herumlaufen und unser Ankommen ist unbemerkt geblieben. Der dunkle Prinz drängt sich zielstrebig durch die Menge, dabei ein paar Menschen zunickend. Vielleicht hatte er Zeit, über den Zauberer, für den er sich heute ausgibt, etwas herauszufinden sodass er wissen würde, wer seine Freunde und Kollegen sind, aber wir hatten leider keine Chance dafür.

Es gibt Apparierpunkte auf jeder Seite und als wir weiter gehen kann man alle drei Sekunden einen Knall hören. Passiert heute was besonderes im Ministerium? Warum gibt es so viele Menschen hier?

Ich schaue auf. Es gibt zwei Treppen, welche nach oben führen und allem Anschein nach ist das irische Ministerium ein hohes Gebäude, das gut beleuchtet ist. Der dunkle Prinz führt uns zu einer der Treppen und beginnt sie hochzusteigen. Im Vorbeikommen höre ich zwei Hexen, die sich sehr schnell und aufgeregt auf Englisch unterhalten. Ich habe Englisch echt vermisst, auch wenn man es mit einem irischen Akzent spricht...

Urplötzlich wird mir peinlich klar, wo ich bin und was ich gerade tue als ich zwei Zauberer, die offensichtlich etwas wie Auroren sind, an einer der Wände stehen sehe. Sie schauen uns ernst an, scheinen aber nicht zu denken, dass sie etwas unternehmen müssen. Sie fahren damit fort, weiter ernst zu reden.

„Was geht hier vor?" flüstere ich Draco ins Ohr.

„Nun, ich behaupte, dass der ganze Wirbel wegen dem Quidditchspiel ist," sagt er leise. „Aus welchem Grund wir ausgerechnet heute hier sind. Alle sind mit der Veranstaltung viel zu beschäftigt."

Und natürlich beziehen sich die Sicherheitsmaßnahmen nur auf den Ort, an dem das Spiel stattfindet und sicherlich nicht auf das Ministerium. Die Beamten sind nur mit der Veranstaltung beschäftigt und es ist nicht merkwürdig, Menschen in Eile zu sehen, die keine Zeit für Smalltalk haben. Sehr schlau, Harry.

Das Gebäude an sich ist wunderschön. Ob es ein Zauber ist oder nicht, scheint das ganze Gebäude aus Glas gebaut zu sein, denn wohin auch immer ich schaue, kann ich die Straßen und die Stadt da draußen sehen. Die Sonnenstrahlen durchdringen die langen Korridoren und wärmen mein Gesicht auf. Sie fühlen sich echt an. Warum das britische Ministerium unter der Erde gebaut worden ist, ist mir schleierhaft. So ist es viel schöner und außerdem viel praktischer. Ich frage mich vage, was die Muggel sehen, wenn sie sich das Ministerialgebäude anschauen? Wahrscheinlich etwas ganz uninteressantes.

„Hallo, Pat," sagt der dunkle Prinz zu einem Zauberer, der vor einer Tür steht und mit einem anderen Zauberer redet.

Er hat seine Stimme geändert, durfte sie aber nicht drastisch ändern, denn er weiß nicht, was für eine Stimme der Zauberer, für den er sich ausgibt, hat.

Der Zauberer dreht sich um und mustert ihn.

„Heute ist es besonders lebhaft," sagt der dunkle Prinz mit einem Lächeln.

Der Zauberer knurrt und verdreht die Augen. Er sieht hundemüde aus. Er hat dunkle Ringe unter den Augen und ich nehme vage einen Alkoholgeruch wahr. Wann hat er zuletzt die Zähne geputzt? Wahrscheinlich ist er schon seit zwei Tagen auf den Beinen.

„Wie geht es der Frau?" fragt der Prinz weiter.

Wahrscheinlich hat er seine Gedanken belauscht. Eine äußerst nützliche Fähigkeit.

„Oh viel besser," sagt Pat. Er wirkt erleichtert. „Weißt du, wir sind alle froh, dass sie endlich nach Hause kommt. Das Haus ist ein Durcheinander."

„Das kann ich wohl glauben," erwidert der Prinz.

„Was ist mir dir? Deine Stimme hört sich anders an," sagt Pat.

„Nur eine Erkältung," sagt der Prinz und hustet, um seine Aussage zu unterstreichen. „Bin spät nach Hause gekommen, wir haben in Pub geredet."

Er deutet vage in die Richtung von Bellatrix.

Pat lächelt und nickt.

„Es ist viel angenehmer, über Arbeit in einem Pub zu reden, weißt du," sagt der dunkle Prinz. Der andere Zauberer kichert.

„Na dann, gute Besserung," sagt Pat. „Falls ihr Herrn Sekretär sprechen wollt, solltet ihr wissen, dass er in einer sehr schlechten Laune ist. Er brüllt alles an, was zwei Beine hat."

„Wir haben einen Vorschlag, der zu einer besseren Laune beitragen könnte," sagt der Prinz.

„Na von mir aus," sagt Pat, uns einen neugierigen Blick zuwerfend. „Aber sagt nicht, dass ich euch nicht gewarnt habe."

Der dunkle Prinz drückt die Türklinke und geht erhobenen Hauptes rein. Es ist so einfach! Man muss nur das Aussehen ändern, die Gedanken der Menschen lesen, ihre Familie erwähnen und man darf reinkommen. Es heißt natürlich, dass die Zauberer und Hexen, für die wir uns heute ausgeben entweder Todesser sind oder tot sind. Aber ich würde lieber nicht fragen.

Der Sekretär sitzt hinter seinem Schreibtisch und kritzelt auf eine Pergamentrolle, die so lang ist, dass sie den Boden reicht. Zu seiner linken Seite steht ein hoher Papierstapel, der so aussieht, als würde er jede Sekunde auseinander fallen. Er schaut genervt auf.

„Was?" zischt er. „Wenn ihr hier seid, um mich nochmal zu fragen, ob es freie Tickets gibt, könnt ihr ruhig gehen. Es gibt keine mehr."

„Eigentlich wollten wir den Minister sprechen," sagt der dunkle Prinz.

Nur so? Gleich den Minister suchen?

Der Sekretär hebt den Kopf und schaut den Prinzen – oder eher den grauhaarigen Zauberer – sprachlos an. Dann prustet er los.

„Mr Connor," sagt er. „Der Minister ist kein Heiler, zu dem man gehen kann, wenn etwas wehtut. Der Minister ist ein sehr beschäftigter Mann und ich bin es auch. Sie können einen Termin haben aber nur nachdem dieses Chaos wegen dem Spiel vorbei ist."

Ich spüre deutlich, wie eine Welle von Zorn den Prinzen erfüllt, obwohl man keine Anzeichen davon in seinem Gesicht sehen kann. Er ist im Laufe der Jahre ein sehr guter Schauspieler geworden. Aber der dunkle Prinz, genau sowie der dunkle Lord, kann es einfach nicht erdulden, so angesprochen zu werden, von wem auch immer. Er lächelt – solch ein gefälschtes Lächeln habe ich noch nie gesehen – und geht zum Schreibtisch hinüber. In jenem Moment höre ich seine gedankliche Stimme in meinem Kopf, die mir sagt, ich solle bereit sein. Das weiß ich eben ohne seine Warnungen, denn ich kenne ihn. Er würde dem Mann am liebsten den Hals umdrehen.

„Na klar," sagt er mit einer süßen Stimme. „Geben Sie uns bitte einen Termin."

Der Sekretär verdreht die Augen und bückt sich, um eine Schublade zu öffnen, in der er höchstwahrscheinlich das Terminbuch bewahrt, aber als er sich wieder aufrichtet, erstarrt er. Denn der Zauberer vor ihm steht mit gezücktem Stab da, der auf seinen Hals gerichtet ist. In der Zwischenzeit haben wir alle unsere Stäbe gezückt und Rodolphus ist jetzt mit der Tür beschäftigt.

Meiner Meinung nach war das ziemlich leichtsinnig. Ist der dunkle Prinz etwa so selbstsicher, dass er glaubt, so was könnte klappen? Vor der Tür stehen zwei Zauberer und dem generellen Wirbel nach zu urteilen sind wir nicht die einzigen, die mit dem Sekretär sprechen wollen. Jede Sekunde könnte jemand reinkommen. Oder nicht, denn Rodolphus hat die Tür versiegelt. Aber auch so würde man wissen, etwas seltsames da drin vorgeht. Und der Minister sitzt im Büro nebenbei und könnte auch jede Sekunde reinplatzen.

Aber ich weiß nicht, was der dunkle Prinz wirklich plant. Hat er es uns gesagt? Ich kann mich nicht daran erinnern. Ich war Meilen weg... Ich könnte mir eine verpassen. Ich soll Draco fragen...

„Bella, Barty, kümmert euch um ihn," sagt der dunkle Prinz, sich der Tür, die ins Büro des Ministers führt, zuwendend. „Der Rest, folgt mir."

Barty und Bellatrix wechseln identische teuflische Grinsen als sie ihre Stäbe auf den sprachlosen und zu Tode erschrockenen Sekretär richten. Als ich dem Prinzen ins Büro folge und die Tür hinter mir zugeht, erblicke ich einen grünen Blitz unter dem Türspalt.

Ich reiße mich zusammen als der dunkle Prinz direkt vor dem Schreibtisch des Ministers innehält. Er öffnet den Mund, aber kein Laut kommt heraus. Mittlerweile springt Rodolphus zu der anderen Tür, die hinaus führt, um auch sie zu versiegeln.

„Das ist also dein Büro," sagt der dunkle Prinz, der sich mit einem verächtlichen Ausdruck umschaut. „Wie geschmacklos."

Die Todesser kichern. Eine aufgeregte Bellatrix, dessen Augen wie verrückt glitzern, platzt rein, dicht von einem schlechtgelaunten Barty gefolgt. So wie es scheint hatten sie eine Diskussion zum Thema wer den Sekretär tötet und allem Anschein nach hat sie gewonnen.

„Rodolphus, der Stillezauber," befielt der dunkle Prinz dem Todesser, ohne in seine Richtung zu blicken. „Ich möchte mit dem guten Minister ungestört reden."

Während der Todesser seine Aufgabe erledigt, mustert der dunkle Prinz die vollgestopften Regale und sein Blick fällt auf das Gemälde von einer Mühle und Blumen, dessen Rahmen mit kleinen Herzen geschmückt ist. Er verzieht das Gesicht.

„Wer auch immer dein Büro eingerichtet hat, hatte er offensichtlich Probleme," meint der dunkle Prinz. „Na also. Reden wir."

Er wedelt mit seinem Stab und der Minister schnappt hörbar nach Luft.

„Wer bist du? Was willst du von mir?" fragt er leise.

„Normalerweise beantworte ich keine Fragen sondern stelle sie, aber da ich über mich selbst reden mag, werde ich es dieses Mal erlauben," sagt der dunkle Prinz. „Ich bin der dunkle Prinz. Und ich bin hier um dir ein paar Sachen zu erklären."

Er setzt sich anmutig auf einen Stuhl direkt dem Minister gegenüber und schlägt die Beine übereinander.

„Ich habe wirklich versucht, es dir zu erklären, aber offensichtlich hast du es nicht begriffen," sagt der dunkle Prinz ruhig. „Zuerst habe ich dir gezeigt, die dunkle Seite möchte Irland übernehmen. Es ist ein wunderschönes Land, das jedoch dringende Veränderungen benötigt."

Er wirft dem Gemälde mit der Mühle und dem Chaos in den Regalen einen Blick zu und schüttelt den Kopf.

„Du hast die Nachricht offensichtlich nicht verstanden," fährt er fort. „Danach habe ich dir gezeigt, was ich tun kann. Ich hab mit meinen Anhängern im hellen Tageslicht durch das Zaubererviertel einen Spaziergang gemacht, aber auch dann hast du es nicht begriffen. Deswegen bin ich heute hier, denn ich vermute, du hast dich danach gesehnt, mit mir persönlich sprechen zu können."

„Das kann ich verstehen," fährt er arrogant fort. „Viele möchten mich kennenlernen. Aber es hätte nicht so sein müssen. Du hättest mich einfach zum Tee einladen können und ich wäre gekommen."

Der Minister gafft ihn an. Es ist leicht für ihn, sich so zu benehmen, als hätte er all die Zeit auf der Welt, aber wir sind diejenigen, die hinter ihm mit gezückten Stäben stehen und bereit sind, gleich zu reagieren.

„Also heute bin ich hier," fährt der dunkle Prinz fort. „Und ich habe dir was zum Lesen mitgebracht. Gibt es denn keinen Tee? Du bist ein schlechter Gastgeber, Herr Minister."

Der Minister reißt sich auf einmal zusammen.

„Wenn du denkst, du kannst einfach so davonlaufen..." fängt er wütend an.

„Aber ich bin so einfach reingekommen," der dunkle Prinz unterbricht ihn. „Ich kann auf gleiche Weise wieder gehen."

Nicht wirklich, aber schön. Er möchte, dass der Minister glaubt, es gebe niemanden in der Nähe, der ihm helfen kann und dass wir eine geheime und dunkle Methode benutzt haben, um in sein Büro reinzukommen. Aber in der Wirklichkeit war es ziemlich einfach. Und ganz und gar nicht 'dunkel'.

„Na dann," sagt der dunkle Prinz geschäftsmäßig. „Sei ein guter Zauberer und lese den Lesestoff durch, den ich dir gebracht habe."

Worum geht es? Hat Harry es erwähnt? Wenn schon, kann ich mich nicht daran erinnern. Ich habe natürlich über Laetitia nachgedacht. Ich bin wirklich ein Vollidiot. Einer dieser Tage werde ich mich selbst verprügeln.

„Was soll das sein?" fragt der Minister mit einer schockierten Stimme, noch einen Blick in Richtung Tür werfend.

Draco hält seinen Stab in Hand, den er sich geschnappt hat so bald wir reingekommen sind, und jetzt dreht er ihn in seiner linken Hand. Ich bin fest überzeugt, dass der Minister bald etwas versuchen wird und bin bereit, ihn bei kleinster Bewegung zu verfluchen.

„Das ist dein Abschiedsbrief," sagt der dunkle Prinz mit einem breiten Grinsen. „Alles, was noch fehlt, ist deine Unterschrift."

Der Minister wirft ihm einen langen, überprüfenden Blick zu und lehnt sich zurück in seinem Stuhl.

„Warum zeigst du mir nicht dein wahres Gesicht?" fragt er. „Wenn du schon vorhast, mich umzubringen, kannst du wenigstens meine Neugier befriedigen."

„Oh nein, es geht nicht," sagt der dunkle Prinz lächelnd. „Denn ich brauche dieses Gesicht, sicherlich verstehst du das. Aber du weiß sehr wohl, wer ich bin. Und du sollst auch wissen, dass ich für den dunklen Lord spreche. Ich bin sein Erbe."

„Sein Erbe," murmelt der Minister.

Wie können sie sich nur so ruhig unterhalten? Warum bringt er ihn einfach nicht um sodass wir endlich gehen können? Mit jeder Sekunde, die verstreicht, ist es für uns gefährlicher, hier zu bleiben. Es kann jede Sekunde jemand reinkommen...

Auf einmal bemerken wir alle, dass die Türklinke sich bewegt und dass die Tür von da draußen geschüttelt wird. Wir alle schauen in Richtung des dunklen Prinzen, der Rodolphus zunickt und dann mit seinem eigenen Stab seelenruhig wedelt.

„Ich bin beschäftigt," sagt der Minister laut, dessen Augen auf einmal glasig werden. Der Imperiusfluch. „Lasst mich in Ruhe."

Stille. Er kämpft gegen den Fluch, das kann man ihm deutlich im Gesicht sehen. Er beißt sich auf die Lippen und schließt kurz die Augen. Die Augen des Prinzen verengen sich und er deutet erneut mit dem Stab auf ihn.

„Ähm... es gibt dringende Nachrichten, Herr Minister," sagt die Stimme auf der anderen Seite der Tür.

„Später," sagt der Minister laut.

„In Ordnung," sagt die Stimme und wir hören entfernende Schritte.

Ich atme aus. Es ist jetzt ziemlich offensichtlich, dass sie vor der Tür warten und ich habe keine Ahnung, wie wir entkommen werden, nachdem Harry seine Aufgabe erfüllt. Hoffentlich hat er einen Plan.

„Das war ein jämmerlicher Trick," zischt der Minister als der Stillezauber erneut wird und als der Prinz seinen Stab hebt.

„Aber ein sehr nützlicher," ist der Prinz der Meinung. „Zurück zum Thema. Deine Unterschrift, jetzt."

„Fein," murmelt der Minister, seine Hand in Richtung Federkasten ausstreckend.

Der dunkle Prinz reagiert reflexartig und der Minister erfriert. Dabei bleibt seine Hand mitten in der Luft schweben.

„Du wirst meine Feder dafür benutzen, wenn du nichts dagegen hast," sagt der Prinz und steht auf.

Er winkt Draco zu, der eine Feder aus seinem Umhang hervorzieht. Dem Ausdruck des Ministers nach zu urteilen, hat der dunkle Prinz gerade ihn daran gehindert, einen Stab in die Hand zu nehmen. Also bewahrt er einen extra Stab mit den Federn auf. Das ist eigentlich ziemlich einfallsreich von ihm.

Zähneknirschend kritzelt er seinen Namen da unten und legt die Feder ab. Ich kann Angst in seinen Augen sehen und es erfüllt mich mit einem seltsamen Gefühl. Ist es Mitleid? Schlechtes Gewissen? Schließlich werde ich nicht diejenige sein, die ihn tötet, aber ich bin hier. Ich werde genauso schuldig sein, wie Harry. Jetzt wäre es eine gute Zeit, an Laetitia zu denken, aber irgendwie gelingt es mir nicht. Wenn wir unsere Gedanken nach Belieben hervorrufen und ignorieren könnten, wäre das Leben viel einfacher. Aber so leicht ist es leider nicht.

„Wenn du denkst, dass mein Tod etwas lösen wird, irrst du dich, Harry Potter," stößt der Minister hervor.

Das war... eine sehr schlechte Idee, Harry beim Namen zu nennen.

Die Augen des dunklen Prinzen weiten sich kaum merkbar, aber sein bisher ruhiger Ausdruck wird von einem unangenehmen Ausdruck von Zorn ersetzt und seine Finger, die seinen Stab noch immer umklammern, zucken. Ich kenne diesen Ausdruck. Das ist das Zeichen, man solle dringend ein Versteck suchen.

Die nächste Sekunde aber grinst er teuflisch.

„Ganz im Gegenteil," sagt er leise. „Dein Tod wird alles lösen."

Ich schließe unwillkürlich die Augen. Ein Teil von mir, für den ich mich noch immer schäme, möchte nicht zuschauen, wie der Minister getötet wird. Er möchte Tod nicht sehen. In jenem Moment huscht ein Bild an meinem geistigen Auge vorbei... Eine Haarsträhne löst sich und fällt ihr übers Gesicht. Ihre Augen sind geschlossen und ihre Augenwimpern sind nach unten gerichtet, alle der gleichen Länge und Farbe. Ihr Gesicht glüht als ein unsichtbarer Sonnenstrahl ihr übers Gesicht fällt und ihre Blässe betont. Als ihre langen Finger sich geschickt über die Saiten bewegen verspüre ich den Wunsch, diese Finger zu berühren, sie in meiner Hand zu halten... Der Kleeanhänger rollt zur Seite, gleitet über die weiche, makellose Haut und glüht im Kerzenlicht auf. Und als sie sich nach vorne beugt, ihrer eigenen Musik folgend, erscheinen zwei blendend weiße Flügel hinter ihrem Kopf, die sich träge im Kerzenlicht bewegen, als genießen auch sie die Musik. Sie öffnet leicht die Lippen als sie den Bogen hebt und mich anschaut. Und die Zeit steht ganz still... Die Worte sind ausgesprochen worden und es gibt nichts mehr zu sagen. Alles, woran ich denken kann, ist ihre Schönheit und wie atemlos sie mich lässt. Sie streicht sich die verlaufene Haarsträhne aus dem Gesicht und lächelt mich an. Und die Kerzen hören auf zu brennen, sich Laetitias Lichtes schämend. Die Sonne versteckt sich hinter den Wolken, auf den Engel hinunterblickend, der solche himmlische Musik erzeugt...

„Die Geige bebt, ein Herz klagt aus den Saiten,
Schwermütiger Walzer, zärtlich sanftes Gleiten,
Ein großes Grab der Himmel, ernst und schön."

Ich öffne die Augen nachdem das Büro grün aufblitzt. Der Minister sitzt nicht mehr auf seinem Stuhl, aber es gibt eine regungslose Hand auf dem Boden... Eine tote Hand...

Ein Knall reißt mich aus den Gedanken und ich wirbele herum. Die Tür schüttelt heftig und der dunkle Prinz blickt zum Fenster. Es war nur eine Frage der Zeit, wann ihnen einfällt, dass etwas merkwürdiges im Büro des Ministers vorgeht. Leider sind sie zu spät. Aber wie kommen wir hier raus?

Der dunkle Prinz rennt zum Fenster und richtet seinen Stab darauf. Er blickt über das Glas mit verengten Augen während wir alle gespannt warten, bereit auf die Tür zu schießen, falls es ihnen gelingt, doch die Tür zu sprengen.

„Wir werden fliegen," sagt der dunkle Prinz entschlossen, der jetzt seinen Stab auf eine beinah hypnotisierende Weise wie ein Dirigent hin und her bewegt. Vermutlich nimmt er die Schutzzauber auseinander aber er macht es ziemlich schnell und geschickt, als hätte er vorher gewusst, auf welche Zauber er aufstoßen wird. Na ja, der dunkle Orden hat überall Spione.

Er hat es gesagt, als sei es die selbstverständlichste Sache auf der Welt. Bellatrix wiederum scheint seinem Gedankengang folgen zu können, aber sie ist die einzige. Wie gestochen hebt sie den Stab und richtet ihn auf Rodolphus. In eine Sekunde steht ein Rabe gerade auf der Stelle, auf der Rodolphus gestanden hat. Ich blinzele. Verwandlung. Ja klar, er hat Flügel, aber das heißt nicht, er weiß, wie er sie benutzt.

Und bevor ich die Chance habe, darüber nachzudenken, wird mir schwindelig und ich spüre, wie das Arbeitszimmer sich um mich auflöst. Ich falle in das Nichts und meine Hände und meine Beine verschwinden. Als ich die Augen aufmache und tief einatme, erblicke ich Klauen. Was bin ich? So fühlt sich Verwandlung an?

Aber er gibt keine Zeit, um darüber nachzudenken. Schon die nächste Sekunde gibt es einen ohrenbetäubenden Knall und Holzstücke fliegen überall. Ich laufe so schnell ich kann, was sich als sehr schwierig erweist. Vage bin ich mir bewusst, dass der dunkle Prinz jetzt eine schwarze Wolke in Richtung Tür abschickt. Ich höre auch die Stimme von Severus, der zusammen mit ihm kämpft.

Jemand gibt mir einen Schubs und ich schaue mich schnell um, um einen weißen Vogel bei meiner Seite zu sehen. Wer ist das? Keine Ahnung, aber er scheint mir die Richtung zu weisen. Das Fenster ist zerbrochen worden und es gibt ein Loch in der Mitte. Den Krach ignorierend, trabe ich schnell dem anderen Vogel hinterher, der einfach seine Flügel ausstreckt und durch das Loch hinaus fliegt. In Ordnung... Wie mache ich das? Ich möchte fliegen, fliegen, geht mir durch den Kopf. Reflexartig strecke ich meine Flügel aus und spüre, wie ich in die Luft gehoben werde. Ist es so einfach?

Schneller und schneller die Flügel bewegend, werde ich hochgehoben bis ich mich auf der Augenhöhe mit dem Loch befinde. Aber ich habe keine Zeit, weiter hinauszuzögern, denn ein roter Blitz saust an mir vorbei und ich sause durch das Loch hindurch, dabei Schmerz spürend, da ich offensichtlich an eine Glasscherbe gestrichen habe. Schon die nächste Sekunde öffnet sich der Raum vor mir und ich erstarre fast mitten in der Luft. Wir sind im dritten Stock und der Boden ist irgendwo da unten. Ich kann deutlich die Köpfe der Passanten sehen, welche die Straße wie Ameisen entlang gleiten. Panik ergreift mich; ich kann nicht atmen; und ich spüre, wie ich die Höhe löse und zu fallen beginne.

/Severus Sicht

Das Ganze war eine sehr schlechte Idee. Ob der dunkle Prinz so selbstsicher ist, dass er wirklich geglaubt hat, wir hätten einfach so durch die Korridore des Ministeriums schlendern können nachdem er den Minister getötet hat?

„Geh!" brüllt er.

Wir stehen Schulter an Schulter und kämpfen. Das Büro ist voller Rauch und überall gibt es Menschen, die auf dem Boden regungslos liegen. Ich weiß nicht, wie viele wir getötet haben. Ich weiß nur, dass der dunkle Prinz selbst zehn Zauberer und Hexen mit einem Fluch niedergeschlagen hat. Er dreht sich wie ein Kreisel, duckt, springt und greift erneut an. Und dabei benutzt er seine Magie sowie der dunkle Lord sie benutzt. Er kämpft mit beiden Händen und benutzt seine freie Hand um Wellen von roher Magie zu erzeugen, die sich gnadenlos auf seine Feinde stürzen. In der Zwischenzeit hat die Wirkung des Vielsaftstranks nachgelassen und jetzt können alle sein wahres Gesicht sehen. Das heißt, diejenigen, die es überleben werden.

„Mein Prinz," fange ich an, aber der dunkle Prinz gibt mir einen groben Schubs in den Rücken.

Ich verwandele mich in meine Tierform und fliege zum Fenster hinüber. Da angekommen drehe ich mich um, in der Luft schwebend. Der dunkle Prinz schickt noch einen Todesfluch auf einen Zauberer, der hinter der Wand sich auf ihn gestürzt ist, lacht schallend und verschwindet.

Nein, warte mal... Apparition ist natürlich im Ministerialgebäude unmöglich. Ein schwarzer Schatten saust auf mich zu und verschwindet durch das Fenster. Man muss mir ja nicht zweimal sagen. Ich fliege durch das Loch hindurch, ein Durcheinander und ein Zimmer voller Leichen hinterlassend, und suche den Rest der Truppe mit meinem Blick.

/Hermines Sicht

Wenn ich die Augen wieder öffne, beugt sich ein ernster Draco Malfoy über mich mit seinem Stab in Hand.

„Sie ist wach, mein Prinz," sagt er.

Das blasse Gesicht des dunklen Prinzen erscheint und ich setze mich schnell auf.

„Was ist passiert?" frage ich atemlos.

„Du hast nicht deine Flügel benutzt," erwidert der dunkle Prinz trocken.

Ich kann seinen Zorn deutlich spüren, denn er breitet sich wie Gift durch die Gegend aus. Er ist sauer auf mich. Ich habe es verkorkst. Ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe erlaubt, dass Panik mich ergreift und mir den Kopf verschleiert.

„Wir werden darüber reden, wenn wir zurück sind," sagt er aufstehend. „Los."

Er dreht sich um und ich starre seinem schwarzen Umhang hinterher. Draco wirft mir einen besorgten Blick zu, aber ich schüttele den Kopf. Mir geht es gut. Wahrscheinlich hat man mich gefangen, sonst wäre ich jetzt nicht hier und wohlauf. Und wie sind Severus und Harry entkommen? Severus wirkt etwas erschüttert aber sonst scheint es ihm gut zu gehen. Nur Bellatrix grinst breit und wirkt zufrieden. Offensichtlich machen ihr solche selbstmörderischen Abenteuer Spaß. Dafür muss man abenteuerlustig oder einfach verrückt sein.

Das war die verrückteste Flucht, die ich je erlebt habe. Wie ist es ihm überhaupt eingefallen, wir können durch das Fenster hinaus fliegen? Man vermutet natürlich, dass er sich diesen Plan auf der Stelle ausgedacht hat. Und doch... hat er so schnell reagiert, zu schnell, als hätte er es im Voraus geplant.

Als wir in der Eingangshalle erscheinen, blicke ich auf eine der Statuen und erinnere mich gleich an das, worüber ich nachgedacht habe, bevor wir ins Ministerium gingen. An den Engel... Ich bin ein Vollidiot. Ich habe mich und Harry enttäuscht. Ich hoffe nur, dass keiner Laetitia erzählt, was passiert ist.

„Hat er uns früher gesagt, wie Plan B lautet?" frage ich Draco leise.

„Nein," sagt er überrascht. „Erinnerst du dich nicht an das, was er uns gesagt hat?"

Ich beiße mich auf die Lippen und senke den Blick.

Draco seufzt verständnisvoll und wirft einen Arm um meine Schultern.

„Es hat dich wirklich schlimm gepackt," sagt er leise. „Ist dein Besuch so schlecht verlaufen?"

„Nein," sage ich mit einem flüchtigen Lächeln. „Ganz im Gegenteil."

„Echt?" fragt er und grinst mich an. „Du musst mir alles erzählen."

„Ja," sagt eine Stimme hinter uns. „Ich würde gerne hören, warum du wie eine Statue dastanden hast und warum du dich nicht auf deine Aufgabe konzentriert hast. Ich hätte Gregory Goyle mitnehmen können, er wäre nützlicher als du gewesen. So dumm wie er ist, macht er wenigstens, was man ihm sagt."

Die grünen Augen bohren sich in meine und ich schlucke. Seine Worte tuen weh... Aber ich verdiene sie. Er hat mir vertraut und ich habe sein Vertrauen verraten. Glücklicherweise ist meinetwegen keinem etwas passiert.

„Komm schon, sprich nicht so," springt Draco zu meine Verteidigung.

„Klappe," knurrt der dunkle Prinz, dessen Augen aufblitzen und in deren Tiefen jetzt ein roter Schimmer erscheint. „Geh ins Zimmer."

Draco verbeugt sich leicht und dreht sich um, mir einen besorgten Blick zuwerfend. Der dunkle Prinz macht noch einen Schritt in meine Richtung und packt mich am Kinn.

„Ich höre zu," zischt er, jedes Wort betonend.

„Es tut mir leid," gelingt es mir zu sagen.

In jenem Moment, so in seiner Nähe stehend und zum ersten Mal seinen Zorn an meiner Haut spürend, jagt mir mein bester Freund Angst ein. In diesen Augen brennt Zorn wie eine Flamme, die sich aus den Tiefen seines Wesens wie eine wütende Schlange erhoben hat. Ich kann beinah die Geister all seiner Opfer in seinen Augen sehen und die Stimmen der Menschen, die er getötet hat, hören. Und als seine Finger mein Kinn umklammern kann ich nicht richtig denken, nur sein zornverzerrtes Gesicht vor mir sehen kann.

„Ich schenke dir mein Vertrauen," zischt er. Warum ist seine Hand so eiskalt? „Ich wähle dich unter all den Todessern, um mich zu begleiten. Einige beneiden dich darum, weißt du? Einige denken, dass sie eine bessere Wahl wären. Und langsam beginne ich einzusehen, dass einige doch bessere Wähle gewesen wären."

Ich spüre kochend heiße Tränen, die mir die Wangen entlang gleiten, aber der dunkle Prinz scheint sie zu ignorieren.

„Ich bin ein Durcheinander," sage ich leise. „Ich..."

„Mich interessieren deine Probleme nicht," zischt der dunkle Prinz, dessen Augen jetzt ganz schön rot sind. „Und falls du denkst, ich habe dich ausgewählt weil du Hermine bist, dann irrst du dich. Ich habe dich aufgrund deiner Fähigkeiten ausgewählt und weil ich denke, dass du eine bessere Wahl als viele Todesser bist."

„Du hast es verkorkst," zischt er weiter. Ein Schluchzen entgeht mir aber er hält mich noch immer mit einem Schraubstockgriff. „Du hast mein Vertrauen verraten. Hätte Draco dich nicht gefangen, wärst du jetzt tot. Wegen deiner UNENDLICHEN DUMMHEIT."

Ich öffne den Mund, um etwas zu sagen, spüre aber in jenem Moment einen Stich vor Schmerz, der sich augenblicklich durch meinen Körper ausbreitet und die Kontrolle über meinen müden Verstand übernimmt. Ich falle tiefer und tiefer und gebe den Versuch auf, mich zusammenzureißen. Ich gehe in die Knie und versuche nicht einmal, wieder aufzustehen. Der Schmerz ist einfach zu viel. In ein paar Sekunden senke ich erleichtert in die Schwärze.

/Dracos Sicht

Soll ich Hermine suchen? Harrys Zorn nach zu urteilen, wird es ihr schlecht ergehen. Ich soll mal nachschauen, ob es ihr gut geht. Und doch weiß ich, ich soll auf ihn hier warten. Er wäre echt sauer, wenn er herkommt und mich nicht hier findet. Ich weiß auch, was er tun wird. Er wird mich entweder anbrüllen, vögeln oder beides gleichzeitig. Er ist in einer passenden Laune dafür.

Hermine hat es schlimm gepackt. Man kann es deutlich in ihren Augen sehen. Aber wenigstens ist etwas zwischen den beiden passiert. Es freut mich, dass sie endlich jemanden gefunden hat. Dass sie mit ihrer sexuellen Orientierung klargekommen ist. Und ich weiß, dass Harry es nicht versteht. Ein Teil von mir weiß sehr wohl, dass er Recht hat. Ihre Leichtsinnigkeit hätte uns alle in Gefahr bringen können. Und doch kann ich es ihr nicht übel nehmen. Sie denkt ständig an Laetitia und kann sich nicht helfen. So was kann man nicht kontrollieren. Aber Harry kann es nicht nachvollziehen und er hat kein Verständnis dafür. Er sieht nur Ungehorsam und Leichtsinnigkeit und er wird sie dafür bestrafen. Die arme Hermine... Wenn ich nur Harry ein Teilchen von meiner Empathie und meinen Gefühlen geben könnte! Vielleicht würde dann er verstehen können, wie sie sich fühlt. Vielleicht dann würde er sich für sie freuen können.

Aber gerade aus diesem Grund ist der dunkle Orden so erfolgreich. Jeder funktioniert wie eine Maschine, die nur den Befehlen folgt und ihre Aufgaben erfüllt, koste es, was es wolle. Wir alle geben unser Bestes und stellen unseren Kummer und unsere Gedanken beiseite. Vielleicht habe ich gelernt, wie man das macht. Zweifelsohne haben mir meine Kindheit und meine Erziehung dabei geholfen. Aber Hermine... Hermine hat sich zum ersten Mal bis über die beiden Ohren verliebt. Sie wusste nicht, was Liebe war, bis sie sie gepackt hat. Und ausgerechnet jetzt mussten wir nach Irland gehen.

Ob er sie schon bestraft hat? Natürlich kann ich nichts hören, denn Harry hat die Stillezauber auf der Tür erneut. Er hat etwas über den dunklen Lord und wie alle wissen, wenn wir Sex haben, gemurmelt als er an den Zaubern gearbeitet hat. Ich soll hier auf ihn warten und so bald er aufwacht und verschwindet Hermine suchen. Ich stehe seufzend auf und öffne mein Buch.

Ich frage mich, was zwischen Hermine und Laetitia passiert ist. Und ich finde es seltsam, dass sie erst jetzt bemerkt hat, dass sie sich nicht von Jungen angezogen fühlt. So was weiß man einfach. Aber vielleicht hat die Tatsache, dass sie aus einer Muggelfamilie stammt, etwas damit zu tun. Unter Muggeln ist so was ein Tabu. Man betrachtet Homosexualität als etwas widernatürliches und ich habe gehört, dass man auch nicht heiraten darf und so. Offensichtlich sind Muggel noch dümmer als ich dachte. Aber es würde erklären warum Hermine einfach nicht wollte, weder über Jungen noch über Mädchen nachzudenken. Sie ist mit Anthony Goldstein ausgegangen aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie nur das getan hat, was die Gesellschaft von ihr erwartet hat. Sie denkt, alle erwarten von ihr mit einem Jungen auszugehen also hat sie genau das getan. Aber als sie Laetitia getroffen hat, konnte sie ihre Gefühle nicht mehr leugnen. Und gut so, denn man soll mit sich selbst klarkommen. Ein dunkler Magier soll immer mit sich selbst ehrlich sein. Und ich vermute, dass Hermine jetzt eine ganz neue Welt gefunden hat, welche sie erforschen muss. Ich freue mich für sie. Sie hat ein ganz neues Ich entdeckt und hoffentlich wird sie es allmählich akzeptieren. Sie hat immer in einer gewissen Distanz über Laetitia geredet, als schäme sie sich ihrer Gefühle und möchte sie unterdrücken. Aber Harry stammt auch aus einer Muggelfamilie und er hat die Tatsache, dass er schwul ist, ziemlich schnell akzeptiert. Und ich hatte nie den Eindruck, dass er sich dieser Tatsache schämt. Ganz im Gegenteil – ich hatte den Eindruck, dass er froh ist. Denn das unterscheidet ihn von den anderen und Harry möchte nicht wie jemand anderer sein. Er möchte einzigartig sein. Und das ist er.

So... Er kommt bald und ich weiß nicht, was ich erwarten soll. Bei Harry weiß man nicht. Und das jagt mir Angst ein. Ich habe natürlich Hermine beruhigt, wenn wir über Harry und seine Wutanfälle geredet haben. Ich war nicht vollkommen ehrlich mit ihr, für ihr eigenes Wohl. Ich lebe ständig auf der Hut vor ihm, denn ich weiß nicht, was er als nächstes macht. Wie oft habe ich in meinem Arbeitszimmer gelesen oder gearbeitet, um von ihm unterbrochen zu werden. Ein Teil von mir versteht, warum er es macht. Er möchte ihm Freude bereiten und ihn beruhigen. Er möchte ihm alles geben, was ein lebendiges Wesen einem anderen geben kann. Er möchte, dass er glücklich und zufrieden ist. Dieser Teil von mir vergibt ihm alles; all die Schläge, das Anbrüllen und die Grobheiten. Er schließt die Augen und erduldet seinen Zorn und wehrt sich nicht. Dieser Teil von mir liebt ihn so selbstlos und so leidenschaftlich, mit seinem ganzen Wesen, dass er ihm alles vergeben würde.

Aber der andere Teil von mir hat Angst und manchmal hasst er ihn, für alles, was er mir antut. Er möchte, dass alles wieder beim Alten ist und dass wir in Frieden leben, aber ich weiß, dass Harry sich nicht ändern wird. Und ich soll auch nicht versuchen, ihn zu ändern. Er macht es nicht. Er hat mich nicht dazu gezwungen, die Heilmagie aufzugeben und dem dunklen Pfad zu folgen. Er unterstützt mich in allem, was mich interessiert und was ich tun will. Er steht immer zu mir und gibt mir, was ich brauche. Aber er nimmt sich auch das Recht, mit mir so umzugehen wie er will. Natürlich weiß ich, dass er nicht sich selbst ist, wenn er mich angreift oder misshandelt. Ich weiß, dass er es nicht macht. Es ist die Dunkelheit in ihm; das Tier, das sich nach Blutvergießen und Gewalt sehnt; eine Bestie, die nie gesättigt werden kann. Aber er versucht nichts dagegen zu unternehmen, denn dieses Wesen gibt ihm die Kraft und die Macht, Sachen zu tun, die er normalerweise nie tun könnte. Manchmal wünsche ich mir, er könnte alles aufgeben und alles zurücknehmen, alles, was er geopfert hat und den Teil seiner Seele, zurückbekommen. Aber dann wäre er nicht Harry. Ich liebe ihn so wie er ist und würde nie wollen, dass er jemand anderer ist, auch wenn dieses Tier in ihm mir Schmerzen zufügt. Ich respektiere ihn und alles, das er erreicht hat, zu viel.

Ich höre Schritte und schlage das Buch zu. Er kommt.

Die Tür öffnet sich und ich höre zu, wie er seine Stiefel auszieht. Er dreht sich im Halbdunkeln um und ich unterdrücke einen Seufzer. Seine Augen sind blutrot. Also...

Ich schaue stumm zu, wie er seinen Umhang auf den Boden wirft und sich auszuziehen beginnt. Was wird er tun?

Ohne dass ich mir dessen bewusst bin, beginnt mein Herz zu rasen und ich schaue nervös auf meine Hände hinunter. Ich werde mich nie daran gewöhnen können. Vielleicht kann ich bewusst akzeptieren, was Harry macht und was auf mich zukommt, aber ein Teil von mir wird immer Angst haben. Und es ist schlimmer wenn es plötzlich, ohne Vorwarnung, passiert. Ich weiß, die Mehrheit der Zeit lebe ich auf der Hut und manchmal ist es zu viel für mich. Aber tief in meinem Inneren weiß ich, dass Harry mir nie wirklich wehtun könnte. Auch wenn er sich manchmal vergisst und zu weit geht, auf einmal zieht er sich zurück. Es ist, als gäbe es eine Stimme in seinem Inneren, die ihn warnt, wenn er es zu weit treibt. Das ist die Stimme von dem Teil von ihm, der mich liebt.

„Du bist noch immer wach," sagt er leise.

Seine Stimme ist eiskalt...

„Ja, ich habe auf dich gewartet," erwidere ich.

Der dunkle Prinz wirft seine Boxershorts auf den Boden und dreht sich splitternackt um. Er lächelt hämisch als ich unwillkürlich meinen Blick über seinen nackten Körper schweifen lasse. Seine Narben machen diesen gut austrainierten Körper noch schöner und ich kann einfach nicht genug von dem Anblick haben. Liebe, mächtige Morgana... es gibt keinen hübscheren Mann auf dieser Welt, außer ihm. Ich liebe jeden Zentimeter seiner Haut, jede Kurve, jedes kleines Teilchen von ihm... Seine roten Augen auch...

„Guter Drache," sagt der dunkle Prinz, dessen rote Augen gefährlich funkeln. „Wenigstens bist DU gehorsam."

Ich öffne den Mund um zu fragen, wie es Hermine geht, aber ich schließe ihn wieder. Ich soll nicht fragen, ich soll sie nicht erwähnen. Denn dann würde er ausrasten. Ich soll ihm Freude bereiten und ihm auf welche Weise auch immer helfen. Er wirkt mit sich selbst zufrieden, auch wenn er im Rausch ist. Aber spricht nicht meine Angst anstatt mir? Ich würde lieber nicht über Hermine sprechen und fragen, ob es ihr gut geht, weil ich Schiss vor ihm habe?

Ich krieche auf allen vieren zum Ende des Bettes, während der dunkle Prinz nur dasteht und mich schweigend anschaut. Zärtlich lege ich meine Hände auf seine Schenkel reibe sie. Aber ehe ich ihn zärtlich in den Mund nehmen kann, packt er grob meinen Kopf und macht es anstatt mir. Das hatte ich ja vor, du musst mich nicht dazu zwingen. Er stöhnt als ich seinen steinhartes Körperteil verschlucke und presst meinen Kopf hart an sich jedes Mal, wenn ich ihn näher zu ihm bringe. Ich kann nicht atmen... Harry ist nicht gerade groß, aber vielleicht ist mein Mund einfach viel zu klein. Oder ich weiß einfach nicht, wie man dabei atmen soll. Ich versuche verzweifelt Luft zu ziehen als er meinen Kopf für seinen eigenen Zweck benutzt. Ich muss ja gar nichts tun, denn er macht alles anstatt mir. Ich spüre, wie mir übel wird, aber er scheint meinem Würgen keine Aufmerksamkeit zu schenken. Er stöhnt und zieht meinen Kopf schneller und kräftiger zu sich, während ich versuche, es einfach zu überleben. Ich muss mich übergeben. Ich kann es nicht mehr aushalten. Und doch... ich möchte dieses wunderschönes Wesen befriedigen, ihm Freude bereiten. Er wäre echt sauer, wenn ich es jetzt tue, ehe er die Chance hat, zu kommen. Hoffentlich passiert es bald.

Urplötzlich versenkt er die Nägel in mein Haar und zieht Luft scharf ein. Das ist das erste Zeichen, dass er nahe ist. Er zieht meinen Kopf kräftig zu sich und hält ihn weiter in seinen Händen, während ich würge und mit mir selbst ringe, versuchend, mich nicht jetzt zu übergeben. Aber als er meinen Kopf loslässt, beuge ich mich über den Bettrand und lasse los. Er schweigt und schaut zu, als ich den Inhalt meines Magens auf den Teppich ausleere. Welche Erleichterung...

„Alle kotzen heute," höre ich seine gereizte Stimme hinter mir. „Was ist nur los mit dir?"

„Es war..." keuche ich auf. „Zu viel für mich."

„Genießt du denn meinen Geschmack nicht?" fragt er scharf.

„Nein, das ist es nicht," sage ich schnell, mir den Mund abwischend. „Es ist nur... Mir war auch vorher übel."

Wie aus heiterem Himmel packt mich eine Hand am Kragen und wirft mich aufs Bett. Ich keuche überrascht auf als er sich auf mich wirft und eine Hand auf meinen Hals legt, während die andere über meinen Körper zu wandern beginnt.

„Weicher Hals," murmelt er. „Wunderschöner, weißer Hals..."

Oh nein. Wenn er fängt so zu reden an, heißt das, dass er nicht er selbst ist. Jetzt kann keiner wissen, was ihm in den Sinn kommt, nicht einmal ich. Aus irgendeinem Grund findet er meinen Hals anziehend und zweimal hat er sich schon gefragt, wie er mit blauen Flecken aussehen würde. Er hat es natürlich ausprobiert. Aber danach konnte er sich nicht erinnern, was er gesagt oder getan hat. Nur wenn ich laut seinen Namen geschrien habe, ihn anflehend, damit aufzuhören, hat er endlich begriffen, was er macht und wo er ist. Und er hat mich losgelassen.

„Lass den Hals," murmele ich in das Kissen, versuchend, ihn abzulenken. Mir ist nicht wirklich Sex zumute, aber irgendwie muss ich ihn ablenken. Ich hebe einladend meine Hintern in die Luft und seine Hand wandert nach unten. „Komm schon, ich habe es mir seit langem gewünscht."

„Ach ja?" fragt er nach einer Pause. „Dass ich dich so von hinten vögele?"

Ach gut, er ist wieder er selbst. Sonst hätte er weiter Unsinn gemurmelt und mir keine Aufmerksamkeit geschenkt.

„Ja, aber beeil dich," sage ich schnell. Hoffentlich wird er mehr Interesse an meinem Hintern haben, als an meinem Hals. „Ich kann es nicht mehr aushalten."

Zu meiner großen Erleichterung zieht er schnell meine Boxershorts nach unten und wirft sie beiseite. Ich schließe die Augen, mich auf das, was als das nächste kommt, vorbereitend. Der dunkle Prinz genießt es, wenn Sex schmerzvoll ist, auch für ihn. Aus diesem Grund benutzt er gar nichts um den Schmerz zu lindern. Ich höre wie er sich in die Hände spuckt und schon die nächste Sekunde beiße ich in das Kissen, um mir ja nicht die Seele vor Schmerzen auszuschreien. Ich habe mich gestern geheilt und der Zustand da unten war nicht gerade gut, aber ich habe das getan, was ich tun konnte. Jetzt wird es noch schlimmer sein. Ich spüre deutlich, wie meine Haut aufreißt und ich beiße mich auf die Lippen. Heißes Blut beginnt auf das Laken zu tropfen, das mir jedoch augenblickliche Erleichterung bietet, denn jetzt gibt es etwas Nässe, um die Reibung zu erleichtern.

Er legt wieder eine Hand um meinen Hals und ich gurgele. Nicht das schon wieder... Als er meinen Hals fester umklammert, beginnt er laut zu stöhnen und Unsinn über meinen weichen Hals zu murmeln. Heiße Tränen kullern meine Wangen entlang als der dunkle Prinz mir mit dem Daumen über den Hals fährt und ihn weiter mit den anderen Fingern drückt. Ich kann nicht atmen... Was ich nicht geben würde, dass er damit aufhört!

„Erebus..." gelingt es mir zu flüstern. „Bitte... Ich kann nicht atmen."

Er knurrt als er sich in mich so hart versenkt dass mein Kopf wieder in das Kissen sinkt. Morgana sei Dank, dieses Mal machen wir es im Bett, wo es genug Kissen gibt. Er knurrt und murmelt etwas unverständliches. Seine andere Hand packt mich urplötzlich an den Haaren und ich beiße mir auf die Lippen. Er zieht grob meinen Kopf zu sich, dabei mein Wimmern ignorierend. Ich halte es nicht mehr aus. Und zur gleichen Zeit weiß ich, dass die Tatsache, dass ich Schmerzen habe, ihn wahnsinnig erregt. Hoffentlich hilft es. Hoffentlich kommt er bald.

Als das gesamte Bett quietscht, ändert sich plötzlich seine Stimme, die tiefer und heiser wird. Ein Schauer läuft mir über den schweißgebadeten Rücken als mir klar wird, was vorgeht. Es ist eine Dämonenstimme...

„Nemo vita superabit," murmelt er. „Omnia in igne pereunt..."

Panik packt mich als er zu sich brummt sodass sein gesamter Körper vor Vibration bebt. In jenem Moment wird mir klar, dass er nicht mehr er selbst ist. Was wird er mir antun? Ich habe ja keine Angst vor dem Tod, aber ich habe Angst vor dem Unbekannten, denn ich weiß nicht, was er mir antun wird. Ich kenne diesen Dämon nicht. So was ist noch nie passiert und ich weiß nicht, woher das kommt. Das ist auch nicht Memphistos Stimme, denn ich hätte sie erkannt. Andererseits ist es wohl möglich, dass sich Memphistos Stimme anders aus Harrys Mund anhört. Und vielleicht kann er auch seine Stimme ändern? Keine Ahnung... Aber der bloße Gedanke, dass ein Dämon die Kontrolle über ihn genommen hat und dass ich in seiner Macht stehe, jagt mir paralysierende Angst ein.

Mein Herzschlag rast als Panik sich wie eine eiskalte Welle, die gar nichts mit dem Schmerz zu tun hat, über mich ergießt. Ich versuche Luft zu ziehen aber es ist unmöglich. Mir wird schwindelig und ich versuche mich verzweifelt diesem Schraubenstockgriff zu entreißen, aber mir gelingt es nicht mich einen einzigen Millimeter zu bewegen. Ich muss hier raus, ich muss irgendwie entkommen... und doch weiß ich, dass er mir hinterher rennen würde, falls ich so was täte. Er würde mich finden, wohin auch immer ich gehe... Und dann würde ich in diese roten Augen schauen müssen und alles erneut erdulden... Es gibt keinen Ausweg...

„Ich bin es, Draco," schluchze ich verzweifelt in das Kissen. „Dein Freund! Die Person, die dich liebt! ICH LIEBE DICH, HÖRST DU? Bitte, Erebus... du bringst mich um..."

„Terra sanguine madefacta erit..." spricht die heisere Stimme weiter. „Et animae mortuorum per terram errabunt..."

„Erebus," flüstere ich, nach Atem ringend.

Er lacht und mir kommt es so vor, als komme dieses Gelächter aus den Tiefen seines Wesens, denn sein gesamter Körper bebt als er lacht. Ich schließe die Augen und lasse zu, dass die Tränen das Kissen durchnässen. Er ist verloren... Und ich zusammen mit ihm. Wenn ich dafür sterbe, in Ordnung. Man könnte beinah sagen, ich sterbe für meine Liebe. Weil ich ihn so liebe, ich würde ihm alles vergeben... Sterne beginnen vor meinen Augen zu tanzen und ich spüre, wie mein Körper taub wird als ich mich meinem Schicksal ergebe und regungslos unter ihm liegen bleibe. Ich kann nicht atmen... In einem Moment, wie aus der Ferne, höre ich wie er laut stöhnt und noch einen Satz auf Latein zischt, bevor das Schlafzimmer sich um mich auflöst und der Schmerz und Panik ein ferner Traum werden...

*Charles Baudelaire: Abendklänge (Die Blumen des Bösen)