So, hier dann das nächste Kapitel. Vielen Dank für die Reviews und ich hoffe, es gefällt noch immer :)
Kapitel 13
Vier Tage unter der Führung Maedirs waren bereits vergangen, als Haldir wieder für die Nachtwache am Aussichtspunkt eingeteilt war. Diesmal jedoch waren fünf Wächter anwesend, mit ihm Orophin, Amdir, Dagorion und einer der Männer Maedirs, Norugorn. Legolas hatte sich als sechstes Mitglied dazu gesellt, da er sagte, er könnte ihnen ebenso gut Gesellschaft leisten, auch wenn der neue Anführer ihn zu anderen Arbeiten eingeteilt hatte.
In den letzten Tagen hatte es öfter hitzige Diskussionen mit dem arroganten Elben gegeben. Die ursprüngliche Gruppe hatte Schwierigkeiten damit, sich so einfach seinem Willen zu beugen, da sie allesamt fanden, dass er ihre Autorität untergrub. Doch es nützte nichts. Ganz gleich welche Argumente sie brachten, Maedir erwiderte diese stets mit einer gelassenen Selbstsicherheit, die schon fast erschreckend war.
Obwohl Legolas Pferde wirklich liebte, konnte Haldir sehen, dass er mit seiner Arbeit mehr als unzufrieden war. Nicht, weil er es nicht gerne tat, sondern weil er dazu gezwungen wurde und gar keine Möglichkeit hatte, sich anders unter Beweis zu stellen.
„Sag, Norugorn, warum ist Maedir so streng? Du scheinst ihn besser zu kennen als wir", sagte Amdir, der mit den anderen Wächtern auf der Plattform im Kreise saß. Nur Dagorion stand am Rand und ließ seine Blicke in die Ferne schweifen.
„Ich kann mir vorstellen, dass es euch allen nicht gefällt, wie er euch behandelt", antwortete Norugorn mit einem Schulterzucken. „Doch dies hat seine Gründe, müsst ihr verstehen. Maedirs Autorität wurde nie in Frage gestellt, als er damals noch das Südlager anführte, und dies tat er gut, sehr gut sogar. Wir hatten auch damals schon Schwierigkeiten mit Orks, doch er hat sie stets in die Flucht schlagen können, und das ohne große Verluste. Um ehrlich zu sein waren sie sogar sehr gering."
„Wir können uns alle noch an den großen Angriff erinnern", sagte Orophin. „Auch wenn wir nicht betroffen waren, so hörten wir damals doch davon."
Norugorn nickte. „Nun, Maedir ist der Meinung, dass es nichts bringt, wenn alle gleichermaßen mitbestimmen dürfen. Eine starke Truppe braucht einen fähigen Anführer, dem die Männer vertrauen und bedingungslos folgen."
„Darin mag etwas Wahres liegen", gab Dagorion nun zu und blickte über die Schulter zu den anderen, die auf dem Boden saßen. „Zumindest wenn die Gruppe so groß ist wie unsere nun. Dennoch sollte er uns andere auch anhören."
„Ja, das sollte er", sagte Amdir nun wieder. „Schließlich leben wir lange genug hier im Wald und haben sicherlich auch einiges an Erfahrungen gesammelt, von denen er nur profitieren kann."
„Aber er behandelt uns wie unerfahrene Elblinge", sagte Orophin leicht aufgebracht. „Er duldet keinerlei Widerrede, egal wer von uns etwas sagt."
„Nun ja, so ist er nun mal", antwortete Norugorn und zuckte wieder mit den Schultern.
„Wer hat ihn überhaupt zu unserem Anführer ernannt, frage ich mich", sprach Dagorion wieder und ließ sich nun ebenfalls bei der Gruppe nieder. „Er kam einfach daher und stellte uns vor vollendete Tatsachen. Wir hatten gar keine Möglichkeit, ihn in Frage zu stellen."
Haldir hörte dem Gespräch gespannt zu, doch war es ihm selbst zu müßig, etwas dazu zu sagen, denn er konnte dem Gesagten nichts mehr hinzufügen. Er sah es genauso wie seine Gefährten. Auch Legolas war still, doch schaute er nachdenklich vor sich hin.
Norugorn ergriff wieder das Wort. „Auch das ist seine Art. Als er von Celeborn bestellt wurde, die Truppen im nördlichen Lager zu ergänzen, ging er von nichts anderem aus, als hier Anführer zu sein. Versucht es ihm nachzusehen. Er mag streng sein und manche seiner Entscheidungen mögen euch ungerecht erscheinen, doch ist er ein fähiger Krieger und weiß genau, was er tut. Das Ergebnis wird euch nicht enttäuschen. Ihr könnt von seinem Erfahrungsreichtum nur profitieren und viel von ihm lernen."
Ein leichtes Raunen ging durch die Runde, doch keiner sagte mehr etwas.
„Und was ist mit ihm?" fragte nun Legolas und blickte Norugorn direkt an. „Sollte er nicht vielleicht gelernt haben, andere mit Respekt zu behandeln? Ich hätte ihm das sagen sollen, als er mich wegen meines Alters gleich verurteilte. In seinem Alter sollte man doch weiser sein."
„Damit hättest du es dir nur noch schwerer gemacht", antwortete der grünäugige Elb. „Wenn Maedir etwas beschließt, nimmt er es nur zurück, wenn er durch Taten sieht, dass er sich geirrt hat. Versuche dich nicht darüber zu ärgern. Immerhin bleibt es dir erspart, in gefährliche Situationen zu kommen."
„Legolas hat Recht", sprach nun Haldir. „Man könnte fast meinen, Maedir ist gar nicht so weise wie er tut. Er scheint mir eher ein verzogenes, größenwahnsinniges Kind zu sein."
Ein amüsiertes Lachen ging durch die Runde, doch Norugorn fiel nicht mit ein.
„Ich kann verstehen, dass ihr diesen Eindruck von ihm habt, aber vertraut mir. Er hat für alles seine Gründe."
„Ich weiß nicht, worin der Nutzen liegen soll, einen Elb zum Stalldienst zu beordern, wenn er doch eigentlich hier ist, um zu lernen. Sicherlich ist auch Maedir nicht mit einem Schwert in der Hand geboren worden und musste erst einmal erlernen, es zu führen", sagte Orophin und schüttelte verächtlich den Kopf.
„Und wie soll ich es je lernen, wenn mich niemand lässt?" fragte Legolas. „Sicherlich nicht beim Ausmisten oder Pferdestriegeln."
Norugorn legte seine Stirn in Falten und grübelte kurz. „Nun, diese Entscheidung war vielleicht wirklich ein wenig übereilt und ungerechtfertigt."
Zustimmende Rufe gingen durch die Gruppe, doch Norugorn sprach weiter. „Aber ich denke, die Lage könnte im Moment ernster sein, als ihr es vielleicht glaubt. Legolas hat noch genügend Zeit, um all die wichtigen Dinge zu lernen, wenn die Zeiten wieder friedlicher sind."
„Meinst du, das werden sie je sein?" fragte Amdir und lachte verächtlich auf. „Sie werden immer schlimmer, statt besser. Wenn wir auf bessere Zeiten warten, wird dieser Elb einige Jahrtausende alt sein, bevor er in seinen ersten Kampf zieht."
„Ich hoffe doch nicht!" stieß Legolas aus. „Es ist nicht so, dass ich mich nach dem Kämpfen sehne, und dennoch, ich kann nicht eine Ewigkeit lang von anderen beschützt und umsorgt werden. Davon hatte ich zu Hause genug."
„Hab Geduld", sagte Norugorn sanftmütig, doch es schien kaum ein angemessener Trost zu sein.
„Ich hoffe, deine Worte bewahrheiten sich, Norugorn, und wir werden sehen, dass Maedirs Entscheidungen wirklich weise sind und nicht nur überheblich", sagte Haldir. Er mochte diesen neuen Anführer wirklich nicht. Die ganze Zeit hatten die Wächter des Waldes immer gemeinsam gearbeitet, sich gegenseitig angehört und Ratschläge der anderen berücksichtigt. Er war es nicht gewohnt, blind einem einzelnen zu folgen, und genauso wenig war dies den anderen angenehm. Doch anscheinend nützte es wirklich nichts. Einen Aufstand wollte er sicherlich nicht anzetteln, und auch die anderen folgten lieber Maedir in Frieden, als sich auch noch untereinander zu bekriegen, wenn sie sich in diesen Zeiten doch auf die Bedrohungen von Außen konzentrieren mussten.
Wenigstens war Norugorn eine Art Vermittler zwischen seinem Herren und den anderen Wächtern, und er schien vernünftig genug, dass man mit ihm sprechen konnte.
„Nun, ich denke, dieses Gespräch führt uns nirgendwo hin", sagte Orophin schließlich. „Lasst uns doch über angenehmere Dinge reden."
„Und was schwebt dir da vor?" fragte Dagorion.
„Angenehme Themen? Nun da wüsste ich etwas", sagte Amdir mit einem schelmischen Grinsen. „Was ist wohl das schönste in Arda?"
Dagorion, Orophin, Legolas und sogar Norugorn antworteten im Chor: „Frauen!" Fröhliches Lachen hallte durch die Nacht. Auch wenn die Wächter sehr verschieden waren, so glichen sie sich doch alle in diesem Punkt – fast alle.
„Oh ja, Frauen sind fürwahr wundervoll, und dennoch bleibt uns ihre Gesellschaft hier leider verwehrt", sagte Amdir.
„Ja, das macht das Leben hier sehr einsam", stimmte Dagorion nickend zu, doch noch immer lächelte er.
„Sag, du verbrachtest mehr Zeit in Caras Galadhon, Norugorn. Welche Elbenmaid ist deiner Meinung nach die schönste?" fragte Amdir den Neuankömmling, der wieder seine Stirn leicht in Falten legte.
„Nun ja, es gibt viele schöne Elbenfrauen in unserer Heimat, und sicherlich ist die Herrin Galadriel eine von ihnen."
„Galadriel?" fragte Amdir etwas überrascht. „Nun, sie ist fürwahr sehr schön, doch ist sie wohl älter als wir alle hier gemeinsam. In meinen Augen strahlt sie so viel Weisheit und Erhabenheit aus, dass man in ihr nicht solches sehen kann, wenn ihr mich versteht."
„Dann würdest du sie verschmähen?" fragte Dagorion grinsend an seinen Gefährten gewandt.
„So würde ich es nicht ausdrücken, mein Freund, jedoch ist sie keine Frau, die ich bisher begehrt habe, und ich glaube auch nicht, dass ich es je werde."
„Und das ist auch gut so", sagte nun Orophin. „Herrn Celeborn würde dies bestimmt nicht gefallen." Wieder lachten alle vergnügt angesichts des leichteren Gesprächsthemas.
„Du solltest dich allerdings vorsehen, was du denkst", sprach Dagorion wieder. „Wir alle wissen ja, dass die Herrin Gedanken lesen kann."
„Sie hört doch aber nicht immer unsere Gedanken?" fragte Legolas ein wenig erschrocken.
„Nein, das tut sie nicht", antwortete Amdir. „Wieso fragst du? Hattest du denn irgendwelche interessanten Gedanken?"
„Nicht über sie", antwortete Legolas und biss sich sogleich auf die Lippen. Haldir schmunzelte, als er dies sah. Bevor irgendjemand jedoch fragen konnte, an wen Legolas denn gedacht hatte, ergriff er das Wort.
„Und wer ist also die schönste Maid von Lorien?"
„Ich würde sagen, es ist Ithiliel", antwortete Amdir.
„Auch wenn sich jeder an ihr die Zähne auszubeißen scheint, der versucht, um sie zu werben", fügte Dagorion schmunzelnd hinzu.
„Ja, es ist eigenartig, denn sie weist jeden ab. Man munkelt sogar, dass sie gar kein Interesse am männlichen Geschlecht hat", sagte Amdir geheimnisvoll und grinste zwinkernd in die Runde.
„Ich glaube, da irrst du dich", sagte nun wieder Legolas.
„Ach ja? Und woher willst du das wissen?" Amdir schaute den Düsterwaldelben verwundert an.
Ein leicht verlegenes Lächeln legte sich auf seine Lippen und er senkte den Blick ein wenig. „Nun ja, ich habe mich bereits einmal mit ihr getroffen und bin ein zweites Mal mit ihr verabredet, sobald ich nach Caras Galadhon zurückkehre."
Für einen Augenblick herrschte Stille unter den anderen Männern. Einige von ihnen starrten Legolas geradezu an.
„Nun, das ist fürwahr eine Überraschung", sprach Amdir schließlich, und Haldir glaubte, einen Anflug von Enttäuschung auf seinen Zügen zu erkennen. Natürlich hatte auch dieser Elb bereits versucht, Ithiliel den Hof zu machen, und war wie jeder andere gescheitert. Nur hatte es Amdir sich nicht so zu Herzen genommen wie beispielsweise Rumil, denn er fand schnell ein neues Ziel seiner Bemühungen, und hatte von allen Anwesenden wahrscheinlich die meisten Erfahrungen.
Legolas lächelte immer fröhlicher in die Runde, und es war eindeutig zu erkennen, dass er stolz darauf war, gerade von dieser Elbin begehrt zu werden.
„Und wie hast du das geschafft?" wollte Dagorion wissen. „Verrat uns dein Geheimnis."
Legolas blickte ihn mit leicht geweiteten Augen an, und wollte schon zu einer Erklärung ansetzen, als Haldir ihn davon abhielt.
„Nun, das Geheimnis ist das seine. Oder wollt ihr beiden vielleicht seine Methoden erfahren, damit ihr Ithiliels Aufmerksamkeit auf euch ziehen könnt?"
Die beiden Elben seufzten ein wenig enttäuscht, doch Legolas lächelte dankbar in Haldirs Richtung. Sie mussten ja nicht wissen, dass Legolas gar nicht um Ithiliel geworben hatte, sondern dass es vielmehr umgekehrt gewesen war.
„Es muss seine Jugend sein", sagte Dagorion mit übertriebener Dramatik und Amdir nickte.
„Ja, wir sind vermutlich zu alt für sie. Wahrscheinlich mag sie ihre Männer jung, unverbraucht und unerfahren." Ein schelmisches, fast heimtückisches Lächeln kräuselte sich um seine Lippen, als er Legolas ansah, dessen Wangen sich sofort wieder röteten.
„Und wie alt warst du, als du deine ersten Erfolge bei den Frauen hattest?" fragte Haldir herausfordernd. „Ich glaube mich erinnern zu können, dass ich diesen noch miterlebte, und du bist bereits zweihundert Jahre älter als ich, Amdir."
„Da musst du aber noch sehr klein gewesen sein", antwortete der Bloßgestellte etwas heiser, und alle anderen lachten.
„Doch dafür solltest du dich nicht schämen", sprach nun Norugorn. „Manche Elben wandeln Jahrtausende auf dieser Welt und erleben die Freuden der Liebe nicht."
„Sag bloß, du zählst zu jenen Unglücklichen?" fragte Dagorion verwundert, doch Norugorn schüttelte milde lachend den Kopf.
„Nein, den Valar sei Dank nicht. Aber dennoch kenne ich welche, denen es so erging. Wer sie sind, bleibt hingegen mein Geheimnis."
„Schade", bemerkte Amdir. „Ich hätte es nur zu gerne gewusst."
„Du bist erstaunlich neugierig", sagte Haldir nun, und war glücklich über die Tatsache, dass keiner der Anwesenden ihn bisher befragt hatte.
„Das bin ich, und ich gebe es auch unverhohlen zu", entgegnete Amdir. „Und wo wir schon dabei sind, wie alt warst du, Haldir?"
Er hatte sich zu früh gefreut. „Dreihundertzweiundsiebzig", antwortete er knapp, und hoffte, dass es sich damit getan hatte.
„Wer war sie?" wollte Amdir wissen, doch Haldir schüttelte nur den Kopf.
„Manche Geheimnisse gebe auch ich nicht preis, und dieses gehört dazu." Diese Antwort genügte, und keiner stellte mehr eine weitere Frage. Gespräche dieser Art kamen immer wieder auf, und bislang hatte Haldir es geschickt vermieden, näher in sie hineingezogen zu werden. Manchmal fragte er sich, ob er es nicht auch ebenso gut sagen könnte, schließlich wusste er nicht, wie sie reagieren würden, allerdings hatte er auch schon einige Male schlechte Reaktionen erfahren, und so vermied er es, zu viel von sich bekannt zu machen. Es konnte von Vorteil sein, wenn andere nicht alles über einen wussten.
Noch einige Zeit redeten die sechs Wächter über die Liebe und die Frauen, da dies ein sehr interessantes Thema zu sein schien, besonders, da die meisten von ihnen auf Grund ihrer Arbeit das weibliche Geschlecht nicht oft zu sehen bekamen.
Der Rest der Nacht verlief ruhig. Es gab keinerlei besondere Vorkommnisse, und so wurden die Sechs am Morgen abgelöst und fanden danach noch einige Stunden Ruhe in ihren Zelten.
Und so gingen auch die weiteren Tage dahin. Regelmäßig wurden Gruppen auf Patrouille ausgesandt, und einige Male war auch Haldir darunter, während Legolas immer nur im Lager blieb, was Haldir zunehmend erleichterte, da er so wenigstens keinen Gefahren gegenüber treten musste. Eines Nachts traf die Truppe tatsächlich auf eine kleinere Horde Orks, die sich vom Nordwesten dem Lager näherten. Doch diejenigen, die nicht schnell genug in den Wald fliehen konnten, wurden von den elbischen Bogenschützen niedergestreckt und fanden ein jähes Ende. Allerdings gab es auch auf der Seite der Elben einen Verwundeten. Es war einer der Männer Maedirs, jedoch wurde er nur leicht an der Schulter von einem Orkschwert getroffen und konnte somit im Lager behandelt werden, denn die Klinge war nicht vergiftet so wie die Pfeile.
Ansonsten verliefen die Tage und Nächte ruhig, auch wenn seit Maedirs Ankunft eine leicht gespannte Stimmung im Lager herrschte, doch die anderen Krieger waren freundlich, und so fanden sich die Gefährten schnell mit der neuen Situation ab und akzeptierten die Gegebenheiten.
Haldir musste zugeben, dass die neue Führung schnelle Fortschritte zeigte. Immer waren die Truppen der Elben im Wald präsent, und so wagten sich die Orks kaum nah genug an das Lager heran, und auch der Pfad nach Caras Galadhon war somit gesichert.
Jedoch gab es nach wie vor eine Sorge. Da die Orks immer wieder in die Nähe des Lagers kamen, hieß dies, dass sie irgendwo am Waldrand von Lorien einen Unterschlupf gefunden haben mussten. Dass sie jeden Tag aufs Neue von ihren Höhlen in den Bergen aus den Weg nach Lorien bestritten, war recht abwegig. Irgendwo in der Nähe mussten sie ihr Lager haben, doch niemand hatte davon bisher auch nur die geringste Spur entdeckt. So lange sie noch in den Wäldern lauerten, würde die Gefahr nie gänzlich gebannt sein, und dies bereitete Haldir Sorge.
Kurz vor Ablauf der zweiwöchigen Frist erhielt das Nordlager Nachricht aus Caras Galadhon, dass die Straße nach Düsterwald gebaut werden sollte, und so mussten fünf Krieger aus dem Nordlager abreisen, um sich den Truppen, die die Wege sichern würden, anzuschließen. Haldir hatte bereits gefürchtet, dass ausgelost werden würde, und dass er somit von seinen Brüdern getrennt werden könnte, sei es, ob er in den Norden ging oder sie, doch glücklicherweise meldeten sich fünf Freiwillige. Es waren drei von Maedirs Männern sowie Thoronen und Gwathion. Aus dem südlichen Lager wurden zehn Männer abgezogen, da es derzeit dort ruhiger war, aus dem östlichen ebenfalls fünf, während alle verfügbaren Kämpfer aus Caras Galadhon mitzogen. Die Stadt musste leer und einsam wirken.
Nur die Frauen blieben alleine zurück, einige ohne ihre Männer, die sich fortan dem Kampf gegen die Orks und die dunkle Bedrohung aus Düsterwald widmeten. Einige von ihnen würden nicht zurückkehren, so fürchtete Haldir. Immer wieder geschah es, dass Familien auseinander gerissen wurden, dass Väter starben und ihre trauernden Kinder und Ehefrauen zurück ließen. Es war wie ein Fluch, der sie alle verfolgte, der sie wieder in die Wirklichkeit zurück riss, wenn sie sich einige Zeit des Friedens zu sicher geworden waren.
Sie alle waren dazu verdammt, immer wieder Leid zu erfahren oder mit anzusehen, denn ihre Lebensspanne war zu lang, als dass sie wie die Menschen in Zeiten des Friedens geboren wurden und starben. Manchmal beneidete Haldir die Menschen um ihre kurze Existenz, in der sie die Möglichkeit hatten, nur friedliche und glückliche Zeiten zu erleben.
