Liebe Leser/innen, leider fehlen in der spanischen und englischen Übersetzung manchmal ganze Passagen, wie in Kapitel 12 und 13, die ich nur teilweise durch leichte Veränderungen des Textes hinzugefügt habe. Das ist sehr schade, weil Szenen damit aus dem Zusammenhang gerissen werden … Eure Gruselbad

Vor Kälte schlotternd stand Sansa am Rande eines schmalen, gewundenen Baches in einem dichten Laubwald. Sie hätte nicht sagen können, wo genau sie sich befanden, doch Sandor, der die Gegend leidlich kannte, hatte ihr versichert, es sei nicht mehr weit bis Harrenhal. Sie waren seit über zwei Wochen unterwegs und waren Steinsepte ziemlich nah gekommen, da sie aus Angst vor den Truppen der Lennisters den Königsweg nicht benutzen konnten. Also waren sie der Straße großräumig nach Westen ausgewichen. Das machte ihr Vorankommen nur halb so schnell, aber es war sicherer als den Königsweg hinaufzupreschen und sich alle zwei Stunden in die Büsche schlagen zu müssen, weil sich Löwen näherten.

Rückblickend war ihre überstürzte Flucht aus der Hauptstadt für Sansa nicht so schlimm gewesen wie sie befürchtet hatte. Sandor hatte sich für das Königstor im Südwesten entschieden, um sie aus der Stadt hinauszuführen. Natürlich war es verschlossen und bewacht gewesen und obwohl das Gerücht vom entlaufenen Hund anscheinend noch nicht bis zu den Wächtern vorgedrungen war, wollte man ihnen das Tor nicht ohne weiteres öffnen. Sandor hatte zwei Mitglieder der Stadtwache töten müssen, bevor die anderen seinem Befehl nachkamen und sie durchließen. Glücklicherweise war es bei den zwei Männern geblieben und man hatte davon abgesehen sie zu verfolgen.

Sansa hatte sich zuvor im königlichen Stall für einen Apfelschimmel entschieden, eine Stute, die nicht allzu groß war, aber kräftig wirkte. Nachdem sie das Tor passiert hatten, ritten sie nach Westen, stundenlang, jedoch soweit vom Schwarzwasser entfernt, der jetzt ein gewöhnlicher Fluss war, so dass sie von Booten aus nicht gesehen werden konnten.

Der hellgrüne Widerschein des Seefeuers hatte sie die ganze Zeit begleitet, doch sie trafen weder auf Kämpfende noch auf andere Menschen, mit Ausnahme von ein paar wenigen, von denen sie jedoch nur einen kurzen Blick erhaschten, ehe diese von dem Pfad, die sie hinuntergaloppierten, auch schon wieder verschwunden waren.

Wie lange genau sie in Richtung Westen geritten waren, hatte sie vergessen, todmüde, wie sie gewesen war, vielleicht war es der späte Nachmittag des Folgetages gewesen, als sie abermals umschwenkten, diesmal in Richtung Norden. Ab da war es schwieriger geworden, denn Sandor entschied sich bald dafür, auch die verlassensten Pfade zu meiden und nur noch querfeldein zu reiten. Die ersten Stunden hatte es schnell gehen müssen, auch auf die Gefahr hin, aufgehalten zu werden. Und dann hatte das Versteckspiel begonnen.

Auf diese Weise wird es Monate dauern, bis wir überhaupt Schnellwasser passieren, dachte Sansa, aber sie beschwerte sich nicht. Auch wenn sie voll und ganz auf ihn angewiesen war, sie vertraute Sandor Clegane, der große Mann wusste, was er tat.

Außer ein paar wurmstichigen Äpfeln und weichen Möhren, die Sansa im Stall gefunden und eingesteckt hatte, hatten sie kaum Proviant gehabt, nur das, was Sandor an Notration in seiner großen Satteltasche gehabt hatte. Er besaß außerdem eine Schlafmatte, eine Decke und einen Bogen zum Jagen, Sansa hatte in ihrem Beutel sogar Wäsche zum Wechseln, und ihren Umhang konnte sie wahlweise als Decke oder Unterlage benutzen. Sandor besaß noch sein ganzes gespartes Geld, doch sie konnten nichts damit anfangen, zumindest nicht in dieser Region, so nah an der Hauptstadt, wo sie in jedem noch so kleinen Weiler erkannt werden konnten. Sie kamen zurecht, aber der Ritt war hart und die Nächte, zumindest für Sansa, noch härter. Sie war noch nie gezwungen gewesen, im Freien zu schlafen, immer, wenn sie eine Reise hatte antreten müssen, was selten der Fall gewesen war, hatte es zumindest ein Zelt gegeben, in das sie sich zurückziehen konnte, während Sandor nichts anderes gewohnt war, als sich zum Übernachten auf die harte und kalte Erde zu betten. In den ersten Tagen regnete es fast ununterbrochen, auch des Nachts, und alles war bestenfalls klamm, wenn nicht sogar durch und durch nass, wenn sie morgens aufwachten, egal ob sie einen Unterschlupf gefunden hatten oder nicht.

Sie redeten wenig. Während der ersten zwei Tage hatte Sansa noch versucht, den Bluthund in Gespräche zu verwickeln, doch wenn er überhaupt geantwortet hatte, war er einsilbig geblieben, also befahl sie sich, ihn einfach in Ruhe zu lassen. Er trug noch immer ihr grünes Haarband, es war jetzt dunkel und ganz steif vom Blut derer, die es gewagt hatten, sich ihm in den Weg zu stellen, doch in den Nächten schlief er von ihr abgewandt, wenn er überhaupt schlief, denn die dunklen Ringe unter seinen Augen erzählten eine andere Geschichte. Manchmal stöhnte und zitterte er im Schlaf, doch sie traute sich nicht, ihn anzufassen oder gar zu wecken. Auch Sansa schlief schlecht, meist war ihr kalt oder ihre Kleider waren nass, meist beides zusammen, außerdem fürchtete sie sich in den Wäldern, in die sie sich meist für die Nacht zurückzogen.

Doch am schlimmsten für sie war, dass sie sich nicht an ihn schmiegen konnte, wie sie es am liebsten getan hätte. Zwar hatte er es ihr nicht ausdrücklich verboten, aber er wirkte so abweisend, dass sie sich nicht ein einziges Mal getraut hatte, ihn zu berühren. Sie hatte verstanden, dass sie ihm Zeit geben musste.

Nachdem sie vier Tage geritten waren, zwang sie ihn mit sanfter Gewalt dazu, sich waschen zu gehen, nachdem sie ihm mitgeteilt hatte, dass sie den Gestank von Schweiß und Blut nicht eine einzige Nacht länger mehr würde ertragen können. An diesem Tag war es noch immer bedeckt, doch zumindest hatte es zu regnen aufgehört. Die Temperaturen waren gestiegen und so ging er zu dem kleinen See, an dem sie ihr Lager aufgeschlagen hatten, zog sich aus und wusch sich gründlich, während sie seine Kleidung einweichte und reinigte und zudem versuchte, die getrockneten Blutflecken mit Sand, den es am Ufer in Hülle und Fülle gab, von der Rüstung zu kratzen. Deren Reinigung erwies sich als schwierig, die des Kettenhemdes als noch schwieriger. Sie tat ihr Bestes, doch mit dem Ergebnis war sie ganz und gar nicht zufrieden. Beide entschieden sich dazu, noch eine Nacht am See zu bleiben, um alle Kleider trocknen zu lassen und so konnte Sansa sich auch noch auf die Suche nach Beeren machen, während Sandor im Morgengrauen des zweiten Tages jagen ging. Sansa achtete darauf, nicht gleichzeitig mit ihm das Lager zu verlassen, da sie schreckliche Angst hatte, sie könnten sich aus den Augen verlieren. Zumindest äußerlich war Sandor jetzt wieder ganz der Alte, was sie mit deutlicher Erleichterung zur Kenntnis nahm. Die ersten Tage waren schrecklich gewesen, er hatte wie ein gebrochener Mann auf sie gewirkt, doch langsam, aber sicher schienen seine Lebensgeister wieder zu erwachen.

Trotz ihrer Erleichterung spürte Sansa wachsende Frustration. Seitdem es ihm besser ging und sie sich ein wenig an die neue Situation gewöhnt hatte, war ihr Verlangen nach ihm schlagartig wieder aufgeflammt. Besonders in den Nächten war es eine wahre Qual, wenn sie, die Muskeln im Unterleib schmerzhaft verkrampft, still neben ihm liegen musste, obwohl sie sich am liebsten heftig an ihn gepresst hätte. Tagsüber warf sie ihm manchmal fragende Blicke zu, doch die schien er nicht zu bemerken oder tat zumindest so. Während sie am See lagerten, zog sie sich morgens zum Waschen splitternackt aus, doch sein Blick schien nach innen gewandt und er nahm ganz offenbar keinerlei Notiz von ihren weiblichen Reizen. Langsam aber sicher wurde sie ratlos.

Nachdem er fast zwei Wochen lang keine Anstalten gemacht hatte, sich zu ihr zu legen, verführte Sansa ihn eines Abends in einer abgelegenen, alten Scheune, die sie sich zu ihrem Schlaflager auserkoren hatten. Draußen regnete es wieder, doch innen war es trocken und warm und Sansa hatte ihnen zum ersten Mal ein halbwegs bequemes Bett aus Stroh herrichten können. An diesem Abend beschloss sie, dass sie es keine einzige Nacht länger aushalten würde, sich von ihm fernzuhalten. Eine innere Stimme riet ihr davon ab, ihn küssen zu wollen, obwohl sie nichts lieber getan hätte, also schob sie stattdessen einfach ihre Hand unter seine Decke und verbuchte es als Erfolg für sich, dass er sie nicht sofort wieder abwehrte, doch es dauerte eine ganze Weile, bis er erregt war. Später war er in ihr und sie bemühte sich, ihn so weit in sich aufzunehmen wie sie konnte. Als er sich langsam und vorsichtig in ihr zu bewegen begann, dauerte es nicht mehr lang, doch kurz bevor er kam, fasste er in ihr Haar und versuchte sie fortzuziehen, doch sie wich seiner Hand aus und krallte stattdessen die ihren in seine Hinterbacken und nur Augenblicke später kam er mit einem gequälten Stöhnen.

Es fiel ihr nicht schwer, in dieser Nacht auf ihr eigenes Vergnügen zu verzichten. Sie spürte, dass er sich um ihre Bedürfnisse kümmern würde, wenn er soweit war und für den Moment reichte ihr das. In dieser Nacht gab sie sich damit zufrieden, einfach nur in seinen Armen zu liegen und sich von ihm wärmen zu lassen. Es war überhaupt die erste Nacht, in der sie durchschlief und als sie erwachte, stand vor dem Fenster die Sonne schon hoch, der Himmel war klar und von einem kühlen Blau und der fremdartige und zugleich erregende Geschmack seiner Liebe lag noch immer auf ihrer Zunge.

Die Landschaft veränderte sich, je weiter sie nach Norden kamen. Sie mussten das Götterauge längst passiert haben, aber so weit westlich, dass Sansa es nicht zu Gesicht bekommen hatte. Die Gegend war dafür bekannt, dass sich Söldner und Strauchdiebe dort herumtrieben und so waren Clegane und sie dazu übergegangen, nur nachts zu reiten und das Ganze meist querfeldein. Sie bewunderte Sandor um seine Fähigkeit, sich an den Sternen zu orientieren und ihren Weg auch dann zu finden, wenn diese sich hinter den Wolken versteckten. Sansa selbst hätte gar nicht beurteilen können, ob sie in die richtige Richtung ritten, aber jedes Mal, wenn sie ihn fragte, beruhigte Sandor sie und meinte, er habe alles im Griff.

Ursprünglich hatte sie gehofft, nach spätestens sechs Wochen in Winterfell anzukommen. Leider konnte sie sich nicht mehr genau erinnern wie lange der Tross König Roberts damals bis zurück in die Hauptstadt gebraucht hatte. Sie waren mit großen, schwerfälligen Wagen im Schlepptau geritten und da sie und Sandor nur zu zweit waren, hätte sie sich gewünscht, alles würde ein bisschen schneller gehen, doch da machte das Schicksal ihnen einen Strich durch die Rechnung. Sansas Stute strauchelte und begann später zu lahmen, was ihre tägliche Wegstrecke beträchtlich verkürzte. Ungefähr zur gleichen Zeit begann eine fiebrige Erkältung Sandor zu schaffen zu machen und sie war diejenige, die darauf bestand, dass sie nicht weiterritten, sondern sich in eine kleine Hütte, die eine halbe Ruine war, zurückzogen, bis das Fieber abgeklungen war. Sansa kramte ihr gesamtes Wissen über Heilpflanzen aus dem Gedächtnis hervor, was sowohl Maester Luwin von Winterfell als auch Septa Mordane ihr hatten angedeihen lassen. Als es dann endlich so weit war, dass es ihm besser ging, war die Erkältung auf Sansa übergegangen und sie verloren wieder ein paar Tage.

Sie zählte die Tage nicht mehr, wie sie es anfänglich getan hatte. Wahrscheinlich waren seit ihrem Aufbruch schon mehr als drei Wochen vergangen, eher vier. Seit längerem hatten sie weder Lennisters von weitem noch anderes Volk von nahem gesehen und auch sonst geschah nicht viel. Zwischenfälle hatte es wenige gegeben, doch einmal war Sandor erkannt worden. Derjenige, der ihn erkannte, hatte jedoch nicht lange genug gelebt, um anderen von seiner Entdeckung zu berichten. Der Bluthund selbst kannte den Mann nicht, doch das hinderte ihn nicht daran, ihn mit einem Streich seines Schwertes zu köpfen. Ein schneller und schmerzloser Tod, wie er der erschrockenen Sansa versicherte.

„Ich liebe dich, aber ich werde mich nie daran gewöhnen, wie leicht es dir fällt, einen Menschen zu töten", murmelte sie eines Abends, kurz bevor ihr die Augen zufielen. Sie hatten es gewagt, ein Lagerfeuer zu entzünden, denn die Nächte wurden immer kälter, und hatten ein für ihre Verhältnisse reichhaltiges Abendessen genossen, Wild mit Pilzen und frischen Kräutern, zum Nachtisch für jeden eine Handvoll Beeren. Er sah sie ernst an. „Meinst du es, wie du es gesagt hast, kleiner Vogel? Dass du mich liebst?" Sie schrak auf. Hatte sie die drei großen Worte wirklich ausgesprochen? Sie wandte ihm den Kopf zu und lächelte verschlafen. „Ja, das tue ich." Er starrte sie durchdringend an, aber von ihm kam nichts, keine Bekräftigung, dass es ihm ebenso ging. Doch mittlerweile kannte sie ihn so gut, dass sie sich deswegen keine Gedanken mehr machte. Sandor Clegane hegte zweifellos Gefühle für sie, doch er war nicht der Typ Mann, der diese Gefühle in Worte fasste. Sie selbst hatte sich zwar innerhalb der letzten Monate ziemlich verändert, doch sie war nun einmal romantisch veranlagt, woran sich höchstwahrscheinlich auch nie etwas ändern würde und sie hätte ihm wohl über kurz oder lang ohnehin ihre Liebe gestanden, da war es ihr einerlei, was ihr in einem unaufmerksamen Moment entschlüpft war. Sie schämte sich nicht für ihre Gefühle und insgeheim hoffte sie, dass er sie zu der Seinen machen würde, wenn sie erst einmal in Winterfell angekommen waren. Doch das würde sie ihm gegenüber niemals erwähnen. Er war ihr zugetan, doch sie würde ihn nicht unter Druck setzten. Sie wünschte sich jedoch, dass er es wäre, der dazu auserkoren war, einmal ihr Hoher Gemahl zu werden. Zwar wäre er nicht der junge, stattliche Ritter auf dem weißen Ross, von dem sie stets phantasierte hatte, wenn sie mit Jeyne Poole in der Nähstunde saß und Septa Mordane abgelenkt war, sondern ein was Alkohol betraf maßloser, von hässlichen Narben gezeichneter und vulgärer Mann ohne den Eid eines Ritters, der fast dreimal so alt war wie sie und dessen Pferd so schwarz war wie seine Seele, ein Teufel, der seinem Besitzer in Punkto Übellaunigkeit in nichts nachstand. Doch bevor es so weit war, musste sie sich einer Sache gewiss sein.

Eines Abends, nachdem sie sich geliebt hatten, fasste Sansa sich ein Herz. Sie lagen eng umschlungen in der erdigen Kuhle unter einem umgestürzten Baum am Rande eines dunklen Waldes, während ihre Pferde nicht weit von ihnen entfernt an einer jungen Eiche angebunden grasten. „Ich muss Euch etwas fragen, was sehr wichtig für mich ist." Sie erhielt ein Grunzen als Antwort, anscheinend war er kurz davor, in den Schlaf hinüberzugleiten. „Habt Ihr jemals …?" Die Kehle schnürte sich ihr zu und sie musste von vorn beginnen. „Habt Ihr jemals bei der Königin gelegen?" Seine Antwort bestand in einem ungläubigen Schnauben. „Cersei die Schlampe Lennister? Wie bei allen Sieben Höllen kommst du denn auf die Idee, kleiner Vogel?" Sansa spürte, wie ihre flatternden Nerven sich ein wenig beruhigten. „Sie selbst hat es mir gesagt. In der Nacht der Schlacht gegen Stannis, nachdem Raneah mich an sie verraten hatte. Sie meinte, Ihr hättet sie genommen, im Stall des Roten Bergfrieds, noch vor Joffreys Geburt." Er lachte bellend auf. „Ich verstehe. So lange hast du das jetzt schon mit dir rumgeschleppt, mein kleiner Vogel? Ich kann dich beruhigen. Das irre Weib hat gelogen." Der Stein, der Sansa von der Brust fiel, schien das Gewicht eines kleinen Hauses zu haben. „Eher war es anders herum." „Wie meint Ihr das?" fragte sie argwöhnisch. Es war dunkel und sie konnte eher hören, dass er grinste, als dass sie es sah. „Kleiner Vogel, bist du etwa eifersüchtig? Dazu besteht keine Veranlassung. Aber jetzt, wo du es sagst … Verdammt, ich hatte es schon fast vergessen. Cersei war ein außergewöhnliches Mädchen, schön anzusehen, doch sie schien sich für keinen Mann ernsthaft zu interessieren, obwohl alle Männer in Casterlystein verrückt nach ihr waren. Und schon damals gab es Gerüchte über sie und ihren Zwillingsbruder. Die Szene im Stall, die sie erwähnte, hat wirklich stattgefunden. Der Königsmörder war fort, ziemlich lange, auf irgendeinem Feldzug. Ich hätte mit ihm reiten sollen, doch im Buhurt brach ich mir einen Arm und musste in der Burg bleiben und mich von diversen Maestern behandeln lassen, wobei einer beschissener war als der andere. Man hatte mir aufgetragen, die Pferde zu versorgen, das konnte ich selbst mit einem Arm noch hinkriegen. Tja, und dann stand sie auf einmal vor mir." „Was hat sie gesagt?" „Ehrlich gesagt ist mir der genaue Wortlaut entfallen. Aber das ist scheißegal, sie wollte von mir gefickt werden, nicht mehr und nicht weniger. Ein Mann merkt sowas." „Und Ihr habt ihrem Wunsch nicht entsprochen?" „Jaime Lennister ist einer der besten Schwertkämpfer in den Sieben Königslanden, wenn auch nicht so gut wie ich. Ihn sollte man sich nicht zum Feind machen. Ich hab sie stehen lassen." Sansa musste lächeln. Dem Bluthund mangelte es nicht an Selbstgefühl, was seine Fähigkeiten anging. „Aber begehrt habt Ihr sie trotzdem", stellte sie fest. Er nahm sie fest in den Arm. „Damals ja. Aber ich habe sie nie so begehrt, wie ich dich begehre, kleiner Vogel." Sie glaubte ihm und dies blieb das erste und einzige Mal, dass sie den Vorfall erwähnte.

Etwa eine Woche später erreichten sie ein winziges, verschlafenes Dorf. Dort gab es zu Sansas großem Entzücken sogar ein Gasthaus, in welchem sie nach reiflicher Überlegung einkehrten. Sie war es, die sich durchgesetzt hatte, immerhin waren sie nicht mehr auf von Lennisters besetztem Gebiet und Sansas Meinung nach wurde es höchste Zeit, sich den ein oder anderen Luxus, sprich, ein Bett mit Matratze und Daunendecken sowie ein Essen zu leisten, das nicht sie selbst gekocht hatte. Als sie durch das Dorf ritten, sahen sie, dass der Wiederaufbau einer hölzernen Septe gerade in vollem Gange war. Einige verkohlte Balken zeugten davon, dass der Krieg anscheinend auch vor diesem Marktflecken nicht haltgemacht hatte. Ein paar alte Männer versuchten gerade vergeblich, eine dickbauchige bronzene Glocke mit Seilen hinauf in den Glockenturm zu ziehen, doch das schwere Ding hob sich immer nur kurz von der Erde, bevor es mit einem hohlen Gong wieder auf dem Boden aufsetzte. Nachdem er sich das Trauerspiel ein paar Augenblicke lang angesehen hatte, bot Sandor an, beim Hochhieven der Glocke behilflich zu sein, denn es gab offensichtlich im ganzen Dorf nicht genug junge und kräftige Männer für diese Aufgabe. Da Sandor kräftig genug für drei war, gelangte die Glocke in einem einzigen Anlauf hinauf in den Glockenturm und Sansa und Sandor wurden von einem freudestrahlenden Septon dazu eingeladen, ein reichhaltiges Abendessen im Gasthaus des Dorfes mit ihm zusammen einzunehmen. Sandor lehnte ab, hatte er doch noch mehr als genug Geld, für sie beide zu bezahlen, denn sie hatten auf ihrer Flucht selten die Gelegenheit wahrgenommen, sein lange verwahrtes Geld für die Annehmlichkeiten einer so bequemen Übernachtung und Essen auszugeben, doch davon wollte der dankbare alte Mann nichts wissen. Schließlich einigten sie sich darauf, dass der Bluthund bis Sonnenuntergang beim Aufbau der Septe helfen würde, das waren noch einige Stunden und danach wäre es für ihn in Ordnung, sich einladen zu lassen. So wurde es gemacht.