Alles was ich will...

Draco Malfoy stand vor ihm und er sah aus, als wollte er Harry mit einem Fausthieb zu Boden schicken. Ron funkelte ihn böse an. »Was soll das Malfoy? Lass ihn in Ruhe!« Draco zog Harry hinter sich und knurrte. »Mach Hundeplatz Weasle-Bee!«

Völlig hilflos versuchte Harry die Situation zu klären, er hatte keine Ahnung warum Draco so aufgebracht war. Über Rons Schulter konnte er Grabbe und Goyle sehen, die das Geschehen beobachteten und sich bereit machten, jederzeit auf einen Wink von Malfoy einzugreifen. Er griff nach Dracos Arm um ihn zu beschwichtigen, bevor das Ganze noch in einer ausgewachsenen Prügelei endete.

»Was ist denn los Draco? Warum bist du so wütend?« Draco warf ihm einen giftigen Seitenblick zu. »Du hältst den Mund und kommst mit!«

Hermione hatte sich von ihrem Schrecken erholt und packte Malfoys Arm. »So geht das nicht Malfoy! So kannst du nicht mit ihm umspringen!« Nachdem Draco wütend auf ihre Hand blickte, zog sie, sie zurück. »Was zum Teufel ist eigentlich mit dir los?«

»Halt du dich da raus Granger, glaub mir, es ist besser für dich!«

Malfoy war echt sauer, seine Aggression war schon fast greifbar. Aber Hermione wäre nicht Hermione, wenn sie dem ganzen nicht auf den Grund gehen wollte.

In der Beziehung gehörte sie nicht nur zu der Sorte Menschen, die mit einer brennenden Fackel eine Pulverkammer betraten, um nach dem Rechten zu sehen. Nein, sie gehörte zu den Menschen die auch noch die Deckel von den Pulverfässer nahmen und die brennende Fackel hineinhielten, um sich zu vergewissern das alles seine Ordnung hatte.

Sie erhob sich und stellte sich direkt vor Malfoy, der sie mit geballten Fäusten anstarrte. »Du willst es wohl unbedingt herausfordern, Schlammbl...«

»DRACO!«

Harry wusste wirklich nicht was er tun sollte, am liebsten hätte er dem Slytherin eine gesemmelt! Aber Hermione ließ sich nicht einschüchtern. Während sie mit beiden Händen Ron zurückhielt, der sich auf Malfoy stürzen wollte, fragte sie diesen erneut, warum er sich so aufführte. Malfoy atmete durch und schaute sie verachtend an.

»Ich weiß nicht, wie es bei dir läuft, wenn du ein Date hast Granger. Aber ich finde es gar nicht lustig, wenn sich meine Verabredung plötzlich verdrückt, um sich von seinen Freunden Füttern zu lassen.«

Sein Kopf drehte sich zu Harry.»Ich möchte mal gerne Wissen, was du dir dabei gedacht hast Potter? Wenn du dieselbe Nummer mit Cho Chang abgezogen hast, kann ich mir gut vorstellen warum das mit euch nicht geklappt hat!«

Harry war sprachlos. Er starrte Malfoy mit knallrotem Kopf, schuldbewusst an. Der blickte von Potter zu Granger, die ebenfalls mit rotem Kopf dastand und verlegen mit einem Fuß auf dem Boden scharrte. Dann wandte der Blonde seinen Blick wieder zu Harry.

»Was denn, das hat sich tatsächlich so abgespielt?« Ein Nicken ließ ihn aufseufzen, während Harry leise anfing zu nuscheln. »Naja, so ähnlich. Wir hatten uns zum Valentinstag in Hogsmead bei Madam Poddifoot verabredet. Ich musste mich aber auch noch mit Hermione in den drei Besen treffen und schlug vor, das Cho einfach später mitkommen sollte, aber sie hat das Ganze völlig missverstanden.«

»Du bist wirklich ein Esel Harry Potter! Wenn mir das jemand anderes erzählt hätte, den würde ich auslachen. Aber du, du tust mir echt leid.«

Damit packte Draco, Harry beim Arm und schob ihn auf die andere Seite der Tafel, zurück zu ihren alten Plätzen. Er drückte den Schwarzhaarigen auf die Bank und lies sich daneben fallen. Mit einem missmutigen Kopfschütteln griff er nach der Flasche mit Wein und füllte ihre Gläser.

»Es tut mir leid, ich habe einfach nicht darüber nachgedacht!« Harry warf einen verstohlenen Blick auf Hermione, die Ron inzwischen wieder beruhigt hatte und sich an den Tisch setzte. Sie gab sich Mühe nicht allzu offensichtlich in ihre Richtung zu sehen.

»Manchmal frage ich mich, ob du überhaupt denkst Potter?!«

»Jetzt krieg dich mal wieder ein. Ich dachte du wolltest etwas Zeit mit deiner Mutter allein haben. Ich wollte euch halt nicht stören!«

»Und ich hätte dich gern dabei gehabt!«

Draco nahm einen Schluck von seinem Wein. Er griff sich einige Schüsseln und legte Harry etwas Rotkohl, Klöße und Gans vor. Danach nahm er sich selbst. Nach einer Weile war er wieder zur Ruhe gekommen und bemerkte, dass Harry sein Essen nicht angerührt hatte. »Iß!«

Aber der Gryffindor schüttelte nur leicht seinen Kopf. »Ich habe keinen Hunger.«

Es war zum Mäusemelken, Draco fand den Gedanken, Potter mit seinem Zauberstab zu verprügeln, sehr verlockend. Entschied sich aber dagegen. Er knuffte ihn leicht in die Seite und nickte ungeduldig zu Harrys Teller.

»Jetzt stell dich nicht so an!«

»Mir gefällt es nicht, wie du mich behandelst!«

Harry sah ihm forsch in die Augen, er presste seine Lippen zusammen und wirkte sehr ungehalten. Aber Malfoy war nicht so leicht aus der Reserve zu locken. Er zuckte mit den Schultern und wendete sich wieder seinem Essen zu.

»Wenn es dir nicht passt, kannst du ja gehen!« Energisch spießte Draco ein Stück Gans auf und kaute wütend darauf rum. Harry warf ihm einen kurzen Seitenblick zu, mit so einer Reaktion hatte er nicht gerechnet. Er wusste, wenn er jetzt gehen würde, hätte seine Beziehung ein Ende gefunden, noch bevor sie richtig angefangen hatte.

»Das will ich aber nicht!«

»Was willst du dann?«

»Das du die blöde Gabel weglegst, mir in die Augen schaust und mir sagst, was dein Problem ist!«

Wider Harrys Erwartungen, knallte Malfoy die Gabel nicht auf seinen Teller, sondern legte sie behutsam ab. Er wischte sich mit seiner Serviette kurz über den Mund, bevor er aufseufzte und sich dem Gryffindor zuwandte.

»Mein „Problem", Harry, ist, das du mich nicht ernst nimmst.«

Harry schaute ihn verwirrt an und wollte gerade etwas sagen, als Draco die Hand leicht hob und weiter sprach.

»Ich meine vor allem die Sache mit UNS! Du machst deine Scherze, du gehst immer in Opposition zu mir, rein nur aus Prinzip, weil offenbar Harry Potter nicht derselben Meinung sein kann wie Draco Malfoy. Ich habe den Eindruck, für dich ist das Ganze ein einziger Spaß, oder ein cooles Abenteuer. Du scheinst zu glauben, dass ich dir mit verklärten Kuhaugen den Hof mache, dich umwerbe und wahrscheinlich auch noch mit irgendwelchen Firlefanz daherkomme wie Liebesschwüre im Mondschein.«

Harry musste sich räuspern. Er war der Überzeugung, eine sehr genaue Vorstellung darüber zu haben, wie es ist mit Malfoy liiert zu sein. Kulleraugen und Liebesgesäusel im Mondenschein gehörten garantiert nicht dazu.

»So ist es doch gar nicht! Ich weiß sehr wohl, was ich von dir erwarten kann und was nicht! Ich wünschte mir nur... , du wärest etwas... !« Er vollführte eine hilflose Geste mit den Händen und machte dicke Backen. Draco schaute ihn abwartend an, als Harry nichts mehr hinzusetzte, fragte er.

»Liebevoller? Geduldiger? Zärtlicher?«

»Umgänglicher!«

Malfoy lachte auf. »Ha! Longbottom ist umgänglich! Creevey oder Dean Thomas sind umgänglich! Ich nicht! Ich habe dir schon heute Nachmittag gesagt, dass ich mich nicht um Hundertachtzig Grad drehen werde. Ich bin ein Malfoy! Ich nehme mir das, was mir gefällt! Einfach so und ohne einen Gedanken an die Konsequenzen zu verschwenden!«

Er legte seine Hand auf Harrys Unterarm und hielt diesen fest umschlossen. »Ich bin immer noch derselbe Mistkerl, der dich die letzten fünfeinhalb Jahre hindurch gequält und gepiesackt hat!«

Harry schaute ihn lange und durchdringend an. »Das ist nicht wahr! 0h, ich weiß sehr wohl, dass du dich gern den anderen überlegen fühlst, das hast du heute mehr als einmal bewiesen. Aber ich sehe auch die Kleinigkeiten, die du tust. Mir die Schuhe binden, oder mir das Schlittschuhlaufen beibringen, Hermione die Hand geben weil es mir was bedeutet, oder dich schützend vor mich stellen. Diese Dinge sind mir nicht entgangen und ich möchte auch nicht, dass du dich völlig änderst. Im Gegenteil, ich mag gerade einen Teil der dunklen Seite an dir. Du weißt ja...«

Draco musste grinsen und legte den Kopf etwas schief. »Hmmh, Harry Potter steht auf böse Jungs!« Harry lachte und zwinkerte Malfoy zu. »So in der Art. Es reicht wenn du dich nur ein wenig änderst.«

»Und wenn ich das nicht will?« Malfoy rutschte etwas näher zu dem Gryffindor und schaute ihn provokant an.

»Langsam glaub ich, du bist insgeheim doch ein Todesser. Mit dem Auftrag von Voldemort mir auch noch den letzten Nerv zu rauben! Vielleicht hofft er ja ich würde mich aufhängen oder irgendwo runterstürzen, wenn du nur lang genug quengelst.«

Der Slytherin biss sich leicht auf die Unterlippe und neigte sich zu Harrys Ohr. »Keine Angst! Ich habe meine eigenen Pläne mit dir und die verlangen es, dass du quicklebendig bist!« Sein aufreizendes Lächeln ließ Harry erahnen um was es bei diesen Plänen ging. Sicherheitshalber wollte er etwas weg von Malfoy rücken, doch der hielt ihn einfach fest.

»Ich werde heute NICHT mit dir schlafen Draco!«

Malfoy grinste gefährlich, er ließ seine linke Hand auf Harrys Bein gleiten und fing an ihn leicht zu massieren. »Der Abend ist noch jung, ich wäre mir da nicht so sicher an deiner Stelle!«

Harry schluckte laut und blickte sich hektisch um, ob irgendwer sie beobachtete. Doch niemand achtete auf sie, selbst Clearwater und ihre Freundinnen waren mit ihren Verwandten beschäftigt und hatten Harry und Draco vorerst vergessen.

Entsetzt blickte der Gryffindor, Malfoy an. »Was tust du da? Lass das!«

Doch der setzte nur eine hochmütige Miene auf und ließ seine schlanken Finger zärtlich über Harrys Schenkel streicheln. »Was ist Potter? Gefällt es dir nicht?«

»Ganz und gar nicht! Was ist wenn uns jemand sieht?« Inzwischen hatte Harry bereits einen knallroten Kopf. Das intensive Gefühl, das sich von seinem Oberschenkel ausgehend durch seine Lenden in sein Innerstes zog, ließ in scharf nach Luft schnappen und sein Herz in einem beschleunigtem Rhythmus schlagen.

Der Slytherin grinste lüstern und drückte mit jeder Faser seines Gebarens eine absolute Zufriedenheit aus, die Harry fast in den Wahnsinn trieb. Er wollte nach Dracos Hand greifen um diese wegzuziehen, doch Malfoy schüttelte nur den Kopf. Seine Hand glitt plötzlich in höhere Regionen und ließ Harry augenblicklich innehalten.

»An deiner Stelle würde ich das lassen.« Er blickte den Schwarzhaarigen lasziv aus halbgeöffneten Augenliedern an. »Sonst könnte ich mich herausgefordert fühlen und den letzten Rest meiner Zurückhaltung aufgeben!« Harry wollte es nicht so weit kommen lassen. Er zog seine Hand zurück und griff verzweifelt nach seinem Weinglas. Um sich abzulenken wollte er gerade einen Schluck nehmen, als plötzlich eine heftige Welle der Erregung, durch sein Innerstes preschte und ihn lustvoll aufstöhnen ließ.

Erschrocken ließ er seinen Blick umherwandern, ob jemand ihn gehört hatte und war froh, dass die Plätze auf seiner linken Seite leer waren. Plötzlich erschauderte er. Harry spürte Malfoys Atem an seinem Hals, als dieser sich vorbeugte um ihn was zu zuflüstern. »Ich möchte wetten, mir gelingt es, dass du mich noch darum anbettelst in mein Bett zu dürfen.« Der Gryffindor hätte fast das Glas fallen lassen und seine Augenlieder begannen zu flattern, als Malfoy keck seine Finger über Harrys Schoß wandern ließ und dabei sanft über seine Wangen hauchte.

Der Slytherin lehnte sich in aller Ruhe zurück und nahm mit seiner freien Hand ein Stück Wildpastete und tat sich einige Yamswurzeln auf, an denen er genüsslich knabberte. Aus seinen Augenwinkel sah er wie Harry ihm einen giftigen Blick zuwarf, sein Glas unwirsch abstellte und es dabei fast umwarf.

Zu Harrys Entsetzen kam Misses Malfoy auf sie beide zu und setzte sich an seine Seite. Gefolgt natürlich von Fred und George, die den Eindruck zweier Schoßhündchen machten, wie Harry zwischen zwei unterdrückten Seufzern bemerkte, die ihrem Frauchen ergeben folgten. Fred bot ihr Wild oder Geflügel an, was sie dankend ablehnte. Stattdessen bat sie um etwas Käse und Obst.

Ihr Blick glitt zu Harry, der die Arme über der Brust verschränkte und sich leicht nach vorn lehnte, um ihr die Sicht auf das zu nehmen, was ihr Sprössling gerade unter dem Tisch anstellte. Sie lächelte ihm kurz zu und er war augenblicklich von ihren silbriggrauen Augen gefangen.

»Wie geht es Ihnen Harry Potter?«

Harry war sich da nicht so sicher, auf der einen Seite entfalteten Malfoys Zärtlichkeiten ihre Wirkung auf ihn und er begann sie auszukosten. Doch andererseits wurmte ihn Dracos selbstgefälliges Gehabe und er wollte dem Slytherin das nicht durchgehen lassen. Mit Unbehagen stellte er fest, dass der Blonde Recht gehabt hatte, als er Harry vorwarf ihm oft zu widersprechen, nur rein aus Prinzip. Sei es wegen der alten Gryffindor-Slytherin Sache, oder dem obligatorischen Zwist zwischen Harry Potter und Draco Malfoy. Aber er hasste es, wenn der Blonde mit allen Mitteln versuchte seinen Kopf durchzusetzen.

»M... mir geht e.. es bestenss!« Stieß er hervor. Es war gar nicht so einfach einen ruhigen Eindruck zu erwecken, wenn man ein heftiges Aufstöhnen unterdrücken musste, während einem Dracos Hand im Schoß herumwühlte.

Narcissa Malfoy runzelte die Stirn, Harry sah gar nicht gut aus und hörte sich auch etwas derangiert an.

»Uu... und.. und Iih.. hnen geht ...s auu... uch gut?«

Er stöhnte auf und schlug seine Hand vor den Mund, als Malfoy zu weit ging und seine Finger dort zugreifen ließ, wo sie definitiv nichts verloren hatten. Jedenfalls nicht im Moment. Vielleicht später. Aber das war eine andere Sache, soweit wollte Harry im Augenblick nicht denken.

Mit einem besorgten Blick, legte Misses Malfoy ihre kühle blasse Hand auf Harrys Stirn. Er schloss seine Augen und genoss die sanfte Kühle ihrer Finger.

»Sie sehen unwohl aus Harry. Und Ihre Stirn ist ganz heiß! Sind Sie sicher dass es Ihnen gut geht?«

Hilflos ergriff er sein Weinglas und schwenkte es leicht herum. »Ja... aah! Ich habe nu... urr zuviel Wein getr... nken. Ich trinke sonst nicht.« Ein verlegenes Lächeln stahl sich auf seine Lippen und ließ ihn, zusammen mit seinen roten Wangen, wirken als ob er tatsächlich einen im Tee hatte.

Misses Malfoy fischte ihm das Glas aus der Hand und griff dann nach einem leeren Becher und einer Karaffe. Sie füllte den Kelch mit klarem Wasser und drückte ihn sanft in Harrys Hände.

»Hier, das tut Ihnen gut!« Sie blickte Draco streng an. »Du solltest deinen Freund keinen Alkohol trinken lassen, wenn er keinen gewohnt ist.« Draco teilte elegant ein Stück Pastete ab und führte es mit der Gabel zum Mund. Bevor er hinein biss, bemerkte er trocken. »Er ist alt genug Mutter und weiß was er tut!«

Mit diesen Worten zwängte er seine Hand derart heftig zwischen Harrys Beine, dass der Gryffindor zusammen zuckte und zischend einatmete. Nun sah auch Misses Malfoy warum Harry Höllenqualen litt und fuhr ihren Sohn an. »Draco! Also wirklich, das ist unerhört! So habe ich dich nicht erzogen.«

Der Slytherin nahm mit einem Schulterzucken seine Hand von Harrys Schoß und aß weiter als ob nichts gewesen wäre. Dankbar sah der Gryffindor Misses Malfoy an. »Ich glaube ich sollte mich nicht immer von ihm unterbuttern lassen.«

»Das hat er von seinem Vater, der weiß auch nie so genau wo seine Grenzen liegen!«

»Mutter, lass bitte Vater aus dem Spiel. Hierbei geht es nur um eine Sache zwischen Harry und mir!«

Besitzergreifend fasste Dracos Hand um Harrys Taille und zog den Schwarzhaarigen enger an sich. Der ließ ihn gewähren und wandte sich stattdessen wieder an Misses Malfoy.

»Es tut mir leid, dass Sie sich verstecken müssen. Hat man Sie sicher untergebracht? Kümmert man sich um Sie? «

Narcissa Malfoy sah Harry tief in die Augen und er spürte wie seine Wangen brannten. Sie lächelte ihn dankbar an. »Es ist nett, dass Sie so besorgt um mich sind, Harry. Ja, ich bin gut untergebracht. Molly kümmert sich sehr um mich und meine beiden charmanten Kavaliere sorgen für meine Sicherheit.«

Fred und George prosteten ihm mit einem Grinsen zu und Harry musste lächeln, als er ihre Blicke sah, die Misses Malfoy bewundernd umspielten.

»Das ist schön. Draco freut sich bestimmt sehr darüber, er hat sich in letzter Zeit sehr große Sorgen um Sie gemacht Misses Malfoy.«

Der Blonde schaute seinen Freund überrascht an. Leise flüsterte er Harry ins Ohr. »Woher weißt du dass? Ich habe es nie mit einer Silbe erwähnt.«

Harrys sanfter Blick ließ ihn schlucken und der Gryffindor berührte zärtlich seine Hand. »Ich habe dir deinen Kummer angesehen. Es an deinen Gesten und besorgten Blicken erkannt, in Momenten, in denen du dich unbeobachtet gefühlt hattest. Sicher war ich mir dann heute Nachmittag, als du mir von deiner Mutter erzählt hast.«

Sanft legte Draco seine Stirn an Harrys Schulter. Die Welle der Zuneigung und Liebe, die ihn mit sich riss, raubte ihm die Worte. Er schimpfte sich einen sentimentalen Narren und sein Ärger über sich selbst, ließ ihn aufseufzen.

Harry drehte sich wieder Misses Malfoy zu. »Trotzdem müssen Sie sehr einsam sein Misses Malfoy, getrennt von Mann und Sohn. Ich denke dass es sehr schwierig für Sie ist.«

»Ja, das ist es in der Tat.« Sie berührte mit ihrem Handrücken zärtlich seine Wangen. »Das ist ein Gefühl, was uns beide verbindet, wenn auch die Trennung von Ihren Eltern... , endgültig ist. Das Schicksal hat Ihnen bitter mitgespielt Harry Potter.«

Seine Augen spiegelten eine Traurigkeit wider, die ihr Herz berührte und obwohl sie ihn in der Vergangenheit gehasst hatte, ihn für das Scheitern des von ihr damals angebeteten dunklen Lords verantwortlich machte, konnte sie nicht umhin, ihn in diesem kleinen Augenblick einfach gern zu haben. Sei es, weil sie Mutter war oder weil seine smaragdgrünen Augen eine Güte und Zuversicht ausstrahlten, der sie sich nicht entziehen konnte.

»Auch, wenn es sich etwas seltsam anhören sollte, dass ausgerechnet ich das sage, ich weiß Ihre Eltern wären stolz auf Sie Harry.«

Sie wollte noch mehr sagen, wollte sagen, dass wenn er seine Liebe und das Andenken an Lilly und James in seinem Herzen bewahren würde, seine Eltern nie ganz von ihm gehen würden. Doch sie hatte das Gefühl, dass ihr das nicht zustand. Sie eventuell zu weit gehen würde.

Aber Harry verstand sie auch so. Er lächelte ihr dankbar zu und griff nach seinem Becher mit Wasser um davon abzulenken, dass ihm die Tränen kamen. Er war froh, dass George, Misses Malfoy in ein Gespräch zog und ihre Aufmerksamkeit von ihm lenkte.

An seine Eltern hatte er heute den ganzen Tag nicht gedacht, Draco hatte all seine Gedanken beschäftigt und wenn man von dem Streit heute Morgen absah, hatte der Slytherin dafür gesorgt, dass Harry seine Trübsal für Stunden vergessen konnte.

Plötzlich schreckte er hoch, als ihm Draco sanft ins Ohr pustete. »He mein Löwe, ich bin auch noch da!«

»Ich habe gerade an dich gedacht.«

Malfoy blickte ihn skeptisch an. »Na danke schön auch, wenn du dabei so ein Gesicht ziehst.«

»Das hatte nichts mit dir zu tun.« Seine Finger strichen liebevoll eine Haarsträhne aus Dracos Gesicht und der Blonde nahm seine Hand und drückte sie sanft.

Professor McGonagall vergewisserte sich, dass alle Anwesenden mit dem Essen fertig waren. Mit einem kurzen Klatschen ließ sie die Speisen und Teller verschwinden, stattdessen erschienen die leckersten Knabbereien passend zur Jahreszeit. Das würzige Aroma von Kürbispunsch und Glühwein waberte durch die Große Halle und es machte sich eine freudige Gemütlichkeit breit.

Argus Filch, der Hausmeister hatte gerade ein gewaltiges Gramophon heran geschoben und wählte eine alte Schellackplatte aus. Leider war er nicht gerade für seine Feinfühligkeit bekannt und so setzte er die Nadel derart hart auf die Platte, dass es einen fiesen Ton gab, der einige vor Schreck aufspringen ließ. McGonagall warf ihm einen rügenden Blick zu, den er schief lächelnd erwiderte.

Professor Snape verdrehte genervt die Augen. »Bitte keine Weihnachtslieder!«

Professor McGonagall reichte ihm einen Becher mit Punsch. »Keine Bange Severus, es gibt auch Musik zum Tanzen!«

Er stürzte den Punsch in einem runter und verzog sein Gesicht. »Ich bin tot!«

Sie warf ihm einen kurzen Seitenblick zu. Minerva hatte es längst aufgegeben zu zählen, wieviel er heute schon getrunken hatte und war sich sicher, dass Snape am nächsten Morgen mit dem tierischsten Kater aufwachen würde, den Hogwarts je erlebt hatte.

Die Musik ging ihr in die Beine und sie wippte zu den Klängen eines schottischen Tanzliedes. »Komm du alter Griesgram, lass uns einen Reel tanzen.« Snape protestierte, konnte es aber nicht verhindern von McGonagall unformell hinter sich hergezogen zu werden.

Dort wo normalerweise die Tische der Lehrer standen, hatte man Platz zum Tanzen geschaffen und einige Paare nahmen Aufstellung. Wie auf ein Kommando begannen sie die althergebrachten Schrittfolgen zu tanzen. Wechsel und Drehungen, flinke Schritte lösten sich ab und ließen trotz aller Kolmpliziertheit, den Reel flott und einfach erscheinen, dass es für die Zuschauer eine wahre Freude war. Einige feuerten die Tänzer mit Klatschen und aufmunternden Rufe an und es schien als ob diese daraufhin sich schneller und übermütiger drehten.

Draco war aufgesprungen und hatte Harry bei der Hand genommen. Diesem war gar nicht wohl bei dem Gedanken, mit Malfoy auf die Tanzfläche zu müssen.

»Warte Draco, ich kann das nicht.«

»Jetzt stell dich nicht so an, ich zeigs dir!«

»Das sieht unheimlich kompliziert aus.«

Draco seufzte. »Du brauchst wirklich nichts weiter zu tun, als dich von mir führen zu lassen.«

»Aha! Ich wusste doch, dass die Sache einen Haken hat!«

»Jetzt reichts aber!« Mit rotem Kopf, stapfte Draco nach vorn. Harry wurde einfach hinter hergezogen wie ein störrisches Kind. Die Beiden gingen zu Madam Pince, die Filch vorsichtshalber vom Gramophon vertrieben hatte, bevor er noch alle Platten ruinierte.

Der Slytherin nahm sich einen Plattenstapel vor und sah diesen unwirsch durch. Einige drückte er der Bibliothekarin in die Hand und bat darum, dass sie diese abspielen sollte.

»So, ich gehe einfach mal davon aus, das du Walzer tanzen kannst. Jedenfalls musstest du es bei dem Weihnachtsball während des Turniers.«

Harry nickte. »Ja, aber wie du heute schon richtig bemerkt hast, habe ich dabei keine gute Figur gemacht.«

»Du hast ja auch nicht mit mir getanzt.«

»Ja, sonst noch was Fred Astaire?«

Draco runzelte die Stirn. »Wer oder was ist ein Astaire?«

Kopfschüttelnd verdrehte Harry die Augen. »Ist nicht wichtig. Aber ich habe seitdem keinen einzigen Schritt getanzt. Ich weiß lediglich dass man bis drei zählt und das „und" nicht vergessen darf.«

»Herzlichen Glückwunsch! Mehr brauchst du auch nicht zu Wissen, den Rest mache ich!«

Harry schaute Draco zerknirscht an. »Gibt es irgendeine Möglichkeit aus der Nummer wieder raus zukommen?«

»Nein!«

»Dacht ich mir!«

Mit einem hilflosen Seitenblick fügte sich Harry seinem Schicksal. Dass Misses Malfoy auch noch von Fred und George gemeinsam auf die Tanzfläche geleitet wurde verbesserte seine Stimmung auch nicht.

Draco unterdessen lehnte sich an ihn, neigte sich Harrys Ohr zu und sprach im Flüsterton. »Aber wenn du stattdessen lieber mit mir in meinem Be... !«

»Vergiss es!«

»Hmpf!« Malfoy zuckte mit den Schultern, ein Versuch war es allemal wert.

Der Reel kam zu seinem Ende und die Tänzer ernteten stürmischen Beifall. Professor Snape nutzte die Gelegenheit seiner Tanzpartnerin zu entfliehen, die aber nicht lange allein blieb. Charlie Weasley hielt ihr seinen Arm hin und McGonagall akzeptierte lachend.

Die ersten Walzerklänge ertönten und die Tanzfläche füllte sich. Harry nahm Aufstellung und hielt Malfoy beide Arme hin. Der schaute ihn irritiert an. »Was machst du da?«

»Äh, Walzertanzen?«

Draco schüttelte den Kopf und beschrieb mit seinem Zeigefinger einen kleinen Kreis. »Andersrum!«

»Aber... , aber das wären dann die Schritte für die Mädchen!«

»Oh, schnell erkannt. Fünf Punkte für Gryffindor!«

»Ich bin ja schon froh wenn ich die normalen Schritte einigermaßen hinbekomme, aber wenn ich...«

Weiter kam er nicht, Malfoy packte ihn um die Hüfte und stellte Harry in die richtige Position. Er griff eine von Potters Händen und legte sie sich auf die Schulter, die andere nahm er dann in seine Hand. Er hielt Harry eng an sich gedrückt und schaute ihm tief in die Augen.

»Potter! Eins muss dir klar sein. ICH führe!«

Harry seufzte und funkelte ihn böse an. Malfoys Ton ließ ihn kaum im Zweifel, dass er sich nicht nur auf das Tanzen bezog.

»So Harry, jetzt stell dich auf meine Schuhe.«

»Was?«

»Du... sollst... deine... Füße... auf... meine... stellen!«

Draco war dazu übergegangen, jedes Wort einzelnd und betont auszusprechen, schließlich hatte es in der Vergangenheit bei Grabbe und Goyle auch immer funktioniert. Als aber Harry immer noch keine Anstalten machte der Aufforderung nachzukommen, ließ er die Schultern hängen.

»Mensch Potter, verstehst du nicht? So lernen kleine Kinder das Tanzen.«

»Wenn du meinst.« Harry stieg auf Malfoys Schuhe und der begann leicht im Takt hin und her zu schwingen. Dann begann er sich zu drehen und beide bewegten sich in weiten Kreisen, elegant über die Tanzfläche.

Einige Zeit später hatte Harry den Dreh raus und klopfte Draco sacht auf die Schulter um ihm zu verstehen zu geben, dass er es jetzt richtig versuchen wollte. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten, die damit endeten das Harry, Draco ein paar mal auf die Füße trat und sein Schienbein schmerzhafte Bekanntschaft mit Dracos Stiefel machte, klappte das Ganze vorzüglich.

Harry sträubte sich auch nicht mehr dagegen, dass Malfoy ihn führte und der war durch Potters Geschick so übermütig, dass er seinen Arm hob, Harry um die eigene Achse wirbelte und ihn dann wieder in seine Arme zog.

»Respekt, als Mädchen bist du gar nicht so übel!« Draco schaute ihm frech in die Augen und Harry grinste keck zurück. »Ja, ich kann dir auch mal meine Krallen zeigen.«

»Später mein Löwe, später.«

In ihrer Nähe tanzten Mister und Misses Weasley, die sich verliebt in die Augen schauten. Aber Misses Weasley hatte trotzdem immer noch ein wachsames Auge auf ihre Zwillinge, die übermütig abwechselnd Misses Malfoy über die Tanzfläche wirbelten, die jedoch ihren heiden Spaß dabei hatte. Trotzdem war Molly bereit, notfalls einzugreifen, falls Fred und George es übertrieben.

tbc...