Vergangenheit der Liebe
Kapitel 14
Heimweh
Es war Sonntag und Ginny ging es nicht gut. Sie hatte die in der Nacht nicht wirklich viel geschlafen. Es schien so, als wollten ihre Gedanken sie einfach nicht in Ruhe lassen. Nicht mal für einen kurzen Moment!
Jedenfalls war Ginny in dieser Nacht schmerzlich bewusst geworden, dass sie ihre Familie vermisste. Sie wusste zwar nicht, ob ihre Familie auch sie vermisste, aber das war im Moment nicht wichtig. Ihre nervigen Brüder, ihre schimpfende Mutter und alle anderen fehlten ihr. Sogar Harry … sie hatte in letzter Zeit alle Gedanken an die Anderen verdrängt, aber jetzt vermisste sie sie doch irgendwie. Aber das war auf jeden Fall nicht ihr Hauptproblem.
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"Ich kenne eine Möglichkeit Ginny Weasley wieder in die Gegenwart zu befördern."
Severus Snape wusste selber nicht so genau was in ihn gefahren war.
Als er Molly und Arthur Weasley gesehen hatte, wie sie um ihre Tochter trauern hatte er einen sehr großen Stein - nein, einen Felsbrocken auf dem Herzen gehabt. Auch wenn er sich normalerweise nicht viel aus den Emotionen anderer Leute machte, so hatte sich bei diesem Anblick der weinenden Miss Weasley doch sein schlechtes Gewissen gemeldet. Nach einigem hin und her überlegen hatte er sich dazu entschlossen es Dumbledore zu erzählen.
"Das ist eine sehr, sehr, sehr erfreuliche Nachricht, Severus!", strahlte der Professor. "Ich lausche Ihnen."
"Nun ja … Wir müssen zunächst einmal die übrig gebliebenen Teile des Denkariums mit einem Repaturzauber reparieren."
"Aber, Severus. Selbst wenn das Denkarium wieder seine ursprüngliche Form hat kehrt der Zauber nicht wider. Das sollte Euch eigentlich bekannt -"
"Ich weiß, Proffessor. Ich hatte auch noch nicht zu Ende gesprochen."
"Oh. Verzeiht."
"Also … nachdem das Denkarium wieder seine ursprüngliche Form angenommen hat, schütte ich einen speziellen Trank darüber und der Zauber kehrt für eine kurze Zeit zurück. Aber wirklich nur für eine extrem kurze Zeit."
"Aber was geschieht dann, Severus? Ginny Weasley wird davon nichts mitbekommen."
"Das ist mir durchaus bewusst. Ich muss noch einen Trank zubereiten. Einen weit aus schwierigeren. Diesen Trank müssen wir in einer Flasche in das Denkarium hinein werfen und zwar in die Erinnerung, in der auch Ginny Weasley zur Zeit verweilt."
"Aber die Flasche wird niemand sehen, Severus."
"Proffessor, es wäre wirklich freundlich von Ihnen mir zu zuhören, bis ich fertig gesprochen habe!"
"Verzeiht…" Dumbledore schaute mit schuldbewusster Miene auf seinen Schreibtisch.
Severus Snape räusperte sich kurz bevor er weiter sprach.
"Nun… wo war ich … ach ja! Wie ich bereits erwähnt habe kehrt der Zauber nicht allzu lange zurück und so wird man die Flasche sehen, wenn man in das Denkarium blickt. Wir könnten einen Brief dran hängen und die Situation beschreiben. Wir bitten denjenigen, der die Flasche findet, sie Miss Weasley zu geben. Wenn sie ihn trinkt, dann muss sie nur fest an die Zeit denken, in die sie reisen möchte. Wenn die Wirkung des Trankes einsetzt und sie an die jetzige Zeit gedacht hat, dann müsste sie auch wieder hier auftauchen."
"Vielen Dank, Severus!"
"Da gibt es nur einen winzig kleinen Haken, Sir. Ich brauche eine gewisse Zeit, um den Trank zu zubereiten. Die Kräuter müssen erst ausreifen und -"
"Wie lange?"
"Ich schätze sechs Monate …"
Ja, es passte alles zusammen. Albus Dumbledore schüttelte innerlich den Kopf. Er würde derjenige sein, der das kleine Fläschchen in seinem Denkarium finden würde. Er würde derjenige sein, der es zu Ginny Weasley brachte. Doch was Ginny damals zu ihm gesagt hatte, als er ihr das Fläschchen gab, hätte er nicht erwartet …
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"Ich will aber noch nicht aufstehen, Alice!", maulte Ginny und zog sich die Bettdecke über den Kopf.
"Es ist gleich Mittag, Ginny! Willst du den ganzen Sonntag verschlafen? Es ist doch so schönes Wetter draußen! Außerdem hast du schon lange genug geschlafen!"
"Pff!" , machte Ginny unter der Decke. Schlafen konnte man das nicht nennen. Sie hatte die ganze Nacht wach gelegen und nachgedacht. Erst vor ein paar Stunden hatte sie es geschafft einzuschlafen.
Außerdem ging es ihr heute überhaupt nicht gut.
Alice seufzte und zog ihr die Deck ewig.
"Hey!", machte Ginny und funkelte Alice böse an.
"Raus aus dem Bett! Die Sonne scheint und wir haben keinen Unterricht. Du gehst jetzt frühstücken und danach mit uns nach draußen!"
"Gerne…", motzte Ginny und verzog sich ins Badezimmer.
Ginny hatte kein Frühstück mehr bekommen, aber es hatte nicht lange gedauert bis es Mittagessen gegeben hatte.
Es war wirklich schön draußen. Ginny saß mit Alice und Joe (der seit heute wieder mit ihnen redete, da er doch noch eine Verabredung für den Herbtsball gefunden hatte) unter einem Baum. Sie genoss es und schloss die Augen. Sie fühlte sich für diesen einen Moment frei. Schien zu glauben, dass alles für diesen einen Moment richtig war.
Natürlich war es nicht falsch - nein, es war ganz falsch!
Auf einmal stubste sie jemand in die Seite und sie öffnete die Augen.
"Ähm, ich glaube die wollen zu uns.", sagte Joe und zeigte auf drei Jungen die in ihre Richtung gingen. Es waren Malfoy, Lestrange und … Tom.
Ein paar Meter entfernt blieben Malfoy und Lestrange stehen und Tom trat alleine zu Ginny und den anderen.
Ginny musterte ihn mit einem verwirrten Blick. Was wollte er?
Er hingegen schaute sie mit ausdruckslosem Gesicht an. Er suchte Blickkontakt mit ihr und als sie ihm in die Augen sah sagte er:
"Ich muss mit dir reden!"
