„Unmöglich, nein!", sagte Harry wieder.
Neville zuckte mit den Schultern. „Okay. Ron hat er noch nicht versucht zu beißen", sagte er. „Soll Sev ihn umbringen? Oder willst du warten, bis Ron ihm dieses Messer in die Kehle rammt, wie er immer sagt?".
Der Vampir saß in seiner dämonischen Form auf einem der Küchenstühle. Hermines Zauberstab hielt ihn ruhig. Er hörte scheinbar teilnahmslos zu, wie die Magier seine wenig rosigen Aussichten ausdiskutierten.
„Wenn ihr in Glasgow ankommt wird Malfoy dich töten, Neville, und er verschwindet wieder in den Kerkern von seinem beschissenen Landsitz", sagte Harry.
Es war halb vier Uhr morgens und sie alle saßen in der Küche zusammen. Mit dabei war auch Dumbledore, dessen Zeichnung auf der bewährten Klappboxkonstruktion stand.
„Deswegen kann Sev nicht mit nach Glasgow...", sagte Harry, "...und am liebsten wäre mir du würdest auch hierbleiben". In einer Tour hatte sich Harry den Kopf zerbrochen über die Sache mit Malfoy. Für keines der Szenarien die er sich ausmalte, fand er ein gutes Ende.
„Es war doch sogar deine Idee, dass wir uns Malfoy packen. Als ich dir die Nachricht gezeigt hab'", hielt Neville dagegen. "Wie lange willst du noch Voldemort Widerstand aus deiner heimeligen kleinen Küche leisten, Harry?!".
Harrys Augen verengten sich gefährlich über dem Ausdruck von Malfoys Foto auf dem Tisch. 'Wir müssen reden', las er dessen Nachricht zum gefühlt 100. Mal.
„Mir passt es nicht, wie gut du dir darin gefällst an Severus' Stelle zynische Scheiße zu reden!", sagte er dann. "Eben wegen Malfoy kannst du ihn nicht mitnehmen!".
"Aber hier gibt es nichts für Sev...", sagte Neville, "... und der Hunger macht ihn wahnsinnig. Mach die Augen auf, Harry, er kann nicht mehr!".
Dass der Vampir ihn beißen wollte, zeigte es, sie hatten zu lange gewartet. "Irgendwas müssen wir ihm geben", sagte Neville. „In der Stadt könnten wir die Metzgerei versuchen"
„Kannst du überhaupt von Tierblut leben?", fragte Harry skeptisch.
Der Vampir bejahte.
"Jungs, das bringt nichts", sagte Hermine urplötzlich.
Dass sie bisher zugehört hatte, war einzig Harry zuliebe gewesen. Wie sie ihn kannte, war Harry fast durchgedreht, als Neville mit dem Vampir im Sicherheitsgriff apperiert war.
"Eure Idee mit der Metzgerei funktioniert nicht", erklärte sie. "Weil die... Wohnung in Glasgow wie wir im Haus sind durch Zauber geschützt. Es gibt keine Formel die das bei Fortbewegung bewirkt.
Du kannst nicht dein Leben für ...Schweineblut riskieren, Neville. Das ist er nicht wert, und wenn der Vampir der Horcrux ist"-
„Pass' auf, was du sagst!", fauchte Neville. Ohne Vorwarnung packte er über den Tisch recht grob Hermines Handgelenk.
"Er ist mein Freund", sagte er. „Und dank seiner Magie bräuchten wir nicht den Wagen nehmen...". Mit schwer unterdrückter Wut und ließ Neville sie los, fast schon erschrickt über sich selbst. "Ich habe über Portschlüssel nachgedacht, Hermine".
Sev suchte darauf Harrys Blick. Er sollte die Streiterei beenden, immerhin war er der Anführer.
"Ich habe doch gesagt, du bleibst hier!", sagte Harry knapp.
"Dann prüfen wir jetzt, ob er besessen ist?", hakte Hermine nach.
Harry nickte zustimmend, und unter Nevilles leisem Fluchen rückte Hermine ihren Stuhl näher an den Vampir heran zum Kreuzverhör. Sie musterte den Vampir, der sich nur mehr mühsam und krumm auf dem Küchenstuhl hielt.
Seine Schonhaltung blieb ihr dringlichster Beweis für einen Horcrux. Naginis verfluchter Biss musste Narben geschlagen haben, vermutete sie, ähnlich wie der Blitz auf Harrys Stirn.
Was nun der kleinen Küche zum Verhör an der obligatorischen Schreibtischlampe fehlte, machte Hermine wett mit ihrem Zauberstab.
"Also, fangen wir an, Sev", sagte sie. „Was versteckst du unter den Tarnzaubern?".
Als fürchtete der Vampir sich zu verraten, nahm er die Hand von seinem Hals. „Also gut...", begann er zögerlich.
„Sieh' zum Fenster...". Mit einem sehr bedächtigen Nicken - weder sollte sie es für einen Angriff halten, noch wäre er zu mehr fähig gewesen - deutete er zu den 2 Fenstern hinter der Eckbank, wo Harry und Dumbledore saßen.
Allein Hermine spiegelte sich im Fenster im Licht der Küchenlampe.
„Kein Bild", kommentierte Sev.
„Sev, Schluss jetzt damit!", sagte Neville wütend vom anderen Endes des Tisches. „Das ist der absolut... schlechteste Zeitpunkt, sich wie ein Idiot zu benehmen!
Tu... ein einziges Mal was Hermine sagt", meinte Neville. „Da musst du jetzt durch, da kannst du ihr ...uns mit deinen Fängen drohen wie du willst!".
Mit einer obskuren Grimasse verbarg Sev seine Eckzähne. Er deutete wieder ein Nicken an, doch er dachte nicht daran die Zauber aufzuheben.
Harry hatte gesagt, er würde ihn nicht wegschicken. Doch sähen die Magier unter die Zauber, Sev fürchtete, sie befände ihn endgültig für nutzlos. Welcher Grund bliebe dann Harry und seinen Leuten, ihn vor den Londoner Dämonen zu schützen?
Sev akzeptierte indes, dass Neville sein dämonisches Angesicht nicht adäquat befand für diese Art Unterhaltung. Er veränderte sich und murmelte seine Entschuldigung.
„In Ordnung", sagte er, „ich kämpfe für euch".
Er wollte abwarten, was die Hexe zu sagen hatte, doch die hob schon ihren Zauberstab.
„Er ist zu stur, dass er nicht merkt, wenn es ihn umbringt", sagte Hermine. „Warum frag ich überhaupt?".
„Ja, du meintest doch, Sev lernt schnell unter deiner Anleitung", fuhr Neville dazwischen. „Dann los, zeig ihm 'Finite', Hermine. Dann kannst du ihm befehlen, die Zauber selbst aufzuheben!", sagte er sarkastisch.
„Wie du willst", fauchte sie zurück, „Sev, du hast die Formel gehört. Heb die Zauber auf!".
Dann stoppte Papierrascheln ihren Streit. Von dem Eckbankplatz aus neben Harry war der Blick der Zeichnung taktierend durch die Runde gegangen. „Das ist nicht nötig", sagte Dumbledore. "Du hast mich gezeichnet, Junge", meinte er zu dem Vampir.
„Was ich sagen will, ist – ich sehe durch seine Augen. Vor mir wirken Lucius Malfoys Tarnzauber nicht".
In der Folge ging Sevs reserviert leises, „In Ordnung, Dumbledore", unter in der Wut der Magier.
„Malfoy...?!", rief Harry. Auch Sevs leise Bestätigung überhörte er. Wut und Abscheu machten ihn taub und blind dafür. „Ich will hier keine schwarze Magie", polterte Harry. „Los Hermine, heb' die verdammten Zauber auf"-
„Harry, komm wieder runter", sagte die Hexe. Dabei behielt sie den Vampir sorgfältig im Fokus des Stabes. "Dann hat er Zeichen an sich, die auf einen Horcrux hinweisen?", fragte sie die Zeichnung.
„Leute, ihr macht ihm Angst", unterbrach Neville.
Einen Moment lang war es still in der Küche. Harry schüttelte den Kopf und Neville verstand, es gäbe keine Wahrheit für Sev.
„Wir haben den Horcrux und er sieht nur seinen ...Dämonenfreund", sagte Hermine böse. „Willst du vielleicht warten, bis er einen von uns tötet, Neville?".
„Nicht... ", bat Sev plötzlich.
Den Streit meinte er nicht.
„Neville, bitte...".
Die Worte des Magiers 'tu was sie sagt' hatten seinen Bann übertragen. Hermines Befehl, er solle die Zauber aufzuheben band Sev, schnürte ihn ein an den Armen, an Hals und Oberköper wie mit scharfem Draht.
Er sah auf seine Arme, die Magie arbeitete ohne äußerliche Spuren.
Warum jetzt, überlegte er – er hatte zugesichert für sie zu kämpfen. Sev verstand gar nichts mehr: Wenn er versuchte Neville zu beißen, ging es okay - aber wegen Lucius' Zauber quälten sie ihn?! Ihm gegenüber am Tisch schüttelte derjenige Magier, der sich eben sein 'Freund' genannt hatte den Kopf.
„Jetzt lass' den Zauberstab, Hermine", sagte Neville. „Wie soll er dich in Menschenform beißen?".
„Freiwillig redet ...dein Vampir aber nicht!". Hermine gab einen entnervten Laut von sich und verschränkte die Arme. „Voldemort hätte nicht noch einen Horcrux erschaffen können...", sagte sie, „...der hier wird übergesprungen sein, als er Nagini befahl Severus zu töten. Ich fürchte, es ist durch den Biss passiert. Sehen sie Anzeichen dafür, Dumbledore?".
Erschrocken sah Sev zu Hermine. "Was ist... 'Nagini'?", fragte er.
Keine Antwort.
„...auch ein Dämon?", wollte er wissen. Sev deutete an sich herunter, vorsichtig mit zittrigen Fingern die Stabhand der Hexe immer im Blick haltend. Sie wusste, wie es unter den Zaubern aussah, dachte er - sie wusste von dem Biss.
„Ich stelle die Fragen, Sev!", sagte Hermine.
„Wozu denn, wenn du die Antwort kennst?", raunte er.
Schließlich sprang sie auf und stach ihren Stab gegen Sevs Kehle. „Dann kannst du die verdammten Zauber erst recht aufheben!".
„Vergiss' es!", fauchte er zurück.
Dann begann die Bannmagie ihr Exempel. Sevs Schrei war nicht mal laut, er krümmte sich auf dem Küchenstuhl zusammen.
Dank der Reflexe der Hexe waren sie nicht gegeneinander gestoßen.
„Schon gut, schon gut", wimmerte er. „Ihr habt mich soweit... ".
„Was ist jetzt?", fragte Hermine irritiert. Neville hob hilflos die Schultern.
„Was los ist...?", wimmerte Sev in seine Armbeuge. Es war als klafften neue tiefe Schnitte überall in seiner Haut. „Ich habe nie... von einem Biss geredet, ...aber du weißt davon! Sag mir... wie geht das?".
Ruhig und gelassen zuzusehen wie ihre Magie folterte, so hatte Sev die Magier kennen wie hassen gelernt, und so musste es gewesen sein, als sich Hermines Dämon in ihn verbissen hatte - wie es der Dunkle Lord immer sagte. Die einzige Erklärung, wie Hermine von dem Biss wissen konnte, war, sie wäre dabei gewesen.
Dass Sev ausgesprochen hatte was der Bann verlangte, stoppte den schlimmsten Schmerz und er stemmte sich mühsam zurück in die Stuhllehne. „Sie sagten... ihr hättet den Dämon beschworen... der mich angegriffen hat", gestand er.
„Hey, sieh mich nicht so an", sagte Neville sofort. „Ich war nicht in der Hütte... und außerdem... Nagini wollte Hermine töten", erklärte er. „Hätte sie den Dämon beschworen, Nagini hätte sie nicht angreifen können – so viel verstehst du doch?
Ich hab Nagini im letzten Moment erwischt. Das war einige Stunden nachdem sie dich gepackt hatte...
Leute, das ist nicht weil Hermine ihm Angst macht. Nicht nur", sagte Neville zu den anderen. Es war zum Verrücktwerden mit Severus. Alle Gespräche endeten wie Voldemort wollte.
„Sev, was hast du?", fragte Neville.
„Er weiß bescheid über den Horcux und will es nicht sagen", schnappte Hermine dazwischen. „Ihr könnt ihm das nicht durchgehen lassen!".
„Sev denkt, wir haben zugesehen wie Nagini ihn fertig gemacht hat, und uns einen Spaß daraus gemacht", sagte Harry angespannt. Er rieb seine Stirn.
„Wir sollten ihm eine Menge durchgehen lassen". Sevs verhärmter Blick, die scharfen Linien zwischen seinen Mund und Nase, die sich vertieften als er sein Nicken andeutete. Als zwang ihm jede Bewegung zurück ins Bewusstsein was sie ihm angetan hatten.
„Hör zu, Sev, ich weiß, ich war ...fürchterlich zu dir", sagte Harry. „Aber das ändert doch nicht, was dir Lily über Voldemort gesagt hat!".
„Nicht, Harry. Ihr beide findet nicht zusammen wegen Lily", sagte Neville sanft. Da war er sicher, doch davon ab wollte er vermitteln: „Sev, Schwarzmagier bannen Dämonen - Voldemorts Leute. Hermine würde so etwas nicht tun. Wir tun so 'was nicht...".
Der Vampir merkte auf. Die Bannmagie pochte und zog wie frisch geschlossene Schnitte. Sie waren viele, es tat weh.
Er sah sich um. Kein Magier war je behutsam mit ihm gewesen, bis auf Neville bis zu ebendiesem Moment. Alles passte nicht, die andere Magie über ihnen beiden hätte eine Lüge verraten.
Mehr aus Verzweiflung denn als dass Sev daran glaubte, wagte er seine Frage. „Neville..., Harry, bitte...", sagte er, „...wenn es nicht euer Dämon war, wie kommt es... dass Hermine den Namen kennt von diesem Ding?".
„Was spielt das für eine Rolle?", entgegnete Hermine kalt. Mittlerweile saß sie wieder.
„Sollte er die Hülle für den Horcrux sein, ist alles andere irrelevant".
Während die Magier am Tisch in verbittertes Schweigen fielen, widersprach ihre Antwort nicht Sevs fixer Idee, dass die Quälerei vielleicht nicht gewollt war.
Daher ignorierte Sev das Wort, das niemand erklärte und suchte Nevilles Blick.
Und obwohl der tat, als bemerke er ihn nicht riskierte Sev konkreter zu werden. „Ich denke... ich verstehe jetzt, Dumbledore", sagte er einigermaßen gefasst. „Sie hatten mich damals schon unter einen Bann gezwungen... Sie glaubten Sie könnten mich... dem Dunklen Lord wegnehmen... und hätten nichts zu befürchten".
„Nun sei still, Junge", sagte die Zeichnung.
„Was für ein Bann?", fragte Hermine und raufte sich die Haare. „Und warum lässt er sich jedes Wort aus der Nase ziehen?". Schon hatte der Vampir ihren Zauberstab an der Brust.
Wie in Zeitlupe drehte Sev sich zur Seite. Er hielt seine wie immer ausdrucklose Miene und sah an ihr vorbei auf den Tisch.
Dumbledores Block raschelte autoritär und er verlangte, gehört zu werden. In der Vertracktheit der Situation bekam er sofort die geforderte Aufmerksamkeit.
„Weil ihm schleierhaft ist, dass ihm gestattet ist zu reden und ihr seine Worte hören wollt. Von den Magiern und... Dämonen ist er es nicht gewohnt.
Nimm sein dir-Hinwenden des Halses, zum Angreifer... keine Eckzähne", zählte er auf. „Demutsgebärden. Sein Verhalten spricht Bände, aber nicht für oder gegen einen Horcrux und kurz gesagt liebe Hermine – ich sehe keine Anzeichen dafür...
So groß sein Nutzen damals war - so leid es mit tut, Junge – wäre er nicht der Horcrux, wäre dieser Dämon kaum ein Verlust im Kampf gegen Voldemort".
Die Worte der Zeichnung waren derart gefühlskalt gewesen, dass es Neville ebenso kalt den Rücken herunterlief.
„Ich will das nicht hören", sagte er. „So würde Dumbledore nicht reden. Das ist, wie Sev ihn gezeichnet hat".
Am meisten staunte Hermine, dass Nevilles Beobachtung wahrscheinlich perfekt richtig war.
„Hermine hat Sev die Skizzen gegeben, ich weiß wie sie über Dumbledore denkt", stimmte Harry zu. Solche Ideen von Neville waren unverändert ungewohnt.
„Sie wird ihm Dumbledore als kompromisslos und kühl beschrieben haben...", schloss er.
Harry war zerrissen zwischen dem Verlangen die Sache mit Voldemort zu beenden und dem Wunsch zu helfen.
Ein Seitenblick zu Severus, der sich wie eine schmerzliche halbwüchsige Karikatur seiner selbst gab, und alles widerstandslos über sich ergehen ließ, entschied ihr weiteres Vorgehen. Harry würde ihn nicht Verderben schicken, wie es Dumbledore und Voldemort getan hatten.
„Nein!", bestimmte Harry. „Wir werden es Neville auf seine Art versuchen lassen...
Also dann soll Sev mit ihm mitgehen, wenn er denn will... Auf einige paar Tage kommt es nicht mehr an...".
„Was heißt das wieder?", schnappte Neville.
Hermine funkelte sie beide nacheinander böse an.
„Schön - wie du willst, Harry. Ich hätte gewettet, ihr gebt nach", sagte sie. „Aber ich finde schon eine Möglichkeit den Vampir auf den Horcrux zu prüfen... Schon für Ron und nur für den Fall".
Sev indes interessierte die Aufregung nicht länger. Hermines Zustimmung reichte und die Bannmagie hat losgelassen, der Schmerz hörte auf.
Hermine war zu wütend um sitzen zu bleiben. Sie stand auf, ging ein paar Schritte und lehnte sich entnervt gegen den Küchenschrank.
„Ihr macht einen Fehler", sagte sie. „Ein Horcrux betrifft die Substanz der Dinge, er verändert ihre äußerliche Gestalt nicht... zwangsweise.
Seine Magie ist viel zu stark. Seht ihn euch an, verdammt. Er kann nicht mal den Kopf drehen, sein Dämonenblut heilt ihn nicht!. Wenn damit nicht seine Substanz betroffen ist, was wollt ihr noch als Beweis? Bathildas Leiche war besessen – deswegen - muss er es sein, eine andere Möglichkeit gibt es nicht!".
"So?", entgegnete Harry müde. „Wie soll ich ihm das beibringen?
Tut mir leid, Sev, aber nur wenn ich den Horcrux beherrsche, kann ich Voldemort am Ende besiegen?
Hast du das so ähnlich vielleicht schon mal gehört, Hermine?".
Der Vampir legte den Kopf schief und musterte sie der Reihe nach. Neville sah ihn nicht an, wie schon eine ganze Zeit lang nicht.
'Also doch eine Waffe', schloss er.
Ein Ziehen in der Bauchnabelgegend und dann, unsanft aber aufrecht landen in der beschriebenen Wohnung.
Als der Schmerz im Bein nachließ jagte Sevs Blick durch den Raum. Der Portschlüssel hatte ihn in ein dunkles Wohnzimmer geschickt. Wo war Neville?
Er versuchte einen Schritt. Schlechte Idee - festkrallen an einer Kommode, ja nicht doch noch stürzen. Die Möbel und alles andere im Raum schienen einfach und preiswert.
Dann hörte er die Stimme des Freundes gedämpft aus dem Nebenzimmer. Er lauschte, Neville war nicht allein.
Hektisch warf Sev einen Blick zum Balkon um die Maße der Wohnung abzuschätzen; ihr Reden kam definitiv von nebenan - der Zauber hatte ihn fehlgeleitet.
'Dumme sinnlose Magie!', fluchte er. Er musste zu ihm, Sev hinkte zur Diele als er plötzlich knurrend stehen blieb. Wegen des häuslichen Schutzbanns brächte er keinen Fuß über die Schwelle. Die Todesser würden Neville töten und er könnte nicht dort sein, wo sein Freund ihn brauchte.
Sein Knurren verstummte - niemand brauchte ihn. Selbst wenn er sich den Leuten des Dunklen Lords jetzt stellte, er glaubte nicht, dass sie Neville dann in Ruhe ließen.
'Na großartig', resümierte Sev, auch dafür müsste er in die andere Wohnung gelangen.
Die Angst um Neville drückte ihm die Brust zusammen. 'Ich sollte - verdammt noch mal – bei ihm sein!', schrien seine Gedanken.
Dann, plötzlich, löste sich die Wohnzimmereinrichtung auf. Mit einem magischen "fupp" schlug er im Halbdunkel auf Badezimmerfliesen. Leise wimmernd blieb er liegen.
"Longbottom, ich bin es leid. Wo ist er?".
Nachdem Sev begriffen hatte was passiert war, hörte er, er war näher dran. Das unfreiwillige Apperieren hatte dem verfluchten Bein den Rest gegeben. Sev fühlte es, ehe er versuchte sich aufraffen. Aus eigener Kraft ging nichts mehr.
Benommen kroch er zur Wand und lehnte sich gegen die kalten Fliesen. Durch den Türrahmen sah er schon einen hünenhaften Mann im Umhang der Todesser. Wahrscheinlich über den Lärm im Nebenzimmer hatte der ihn nicht bemerkt.
„Stupor!".
Krachend schlug der Fluch ein.
„Aaach, Longbottom, sag mir wo er ist, damit ich dich töten kann!", verlangte eine zweite Stimme.
'Einem geschockten Mann würden sie keine Fragen stellen', dachte Sev und rückte tiefer in die Schatten.
Der Todesser vor ihm stank, und er war im Weg.
"Crucio!", rief ein anderer.
Sev schreckte unwillkürlich zusammen. 'Keine Schreie bedeuteten nicht getroffen' - noch nicht bei drei gegen einen. Magier waren keine Nahkämpfer.
Neville brauchte eine Waffe, beschloss Sev. Die Wohnung war unbewohnt und leer, außer ihm gab es nichts. Ohne die Kräfte von Severus dem Magier waren sie chancenlos.
Also fokussierte der Vampir den Rücken des Mannes vor ihm, konzentrierte sich auf den fürchterlichen Gestank nach Moschus und Hackbraten, der von ihm ausging. Er ließ zu, dass Magie wieder an seinem Körper riss.
Bevor der Todesser wusste wie ihm geschah, klammerte der Vampir an seinem Hals, und riss seinen Schädel zurück. Die gespannte Haut klaffte auf, als Sev seine Klauen und Zähne in dessen Kehle grub.
Einen Augenblick später schlug die massige Leiche allein auf den Dielenboden.
„Was war das...?", fragte der Todesser Nott. Im selben Moment apperierte Sev zwischen den Magiern im Wohnzimmer. Geistesgegenwärtig packte Neville ihn und hielt ihn aufrecht.
"Was machst du hier?!", rief er.
„Das gibt's doch nicht...", sagte Logan Mulciber. Er lächelte selbstzufrieden und umklammerte sein Dunkles Mal, "du müsstest verbrannt sein".
"Logan...", sagte Nott sofort, "...bleib weg von ihm. Sieh dir seine Reißzähne an - dafür ist Goyle zuständig. Wo ist er?
Goyle, wir haben ihn!", rief Nott.
Keine Antwort.
„GOYLE!".
Sev riss sich los von Longbottom und Mulcibers Grinsen wurde breiter. Der jüngere Todesser, Nott, war zwar vorsichtiger, aber auch er sah erleichtert wie Malfoys Gehirnwäsche arbeitete.
Nott war nur deswegen misstrauisch, weil der untote Bastard aus dem nichts auftauchen konnte und im Weg stand, um Longbottom zu erledigen. Der Dunkle Lord wollte den Dämon unversehrt.
In der Zwischenzeit beschwor Neville einen neuen Schildzauber. Er würde ihnen Zeit verschaffen, die sie nicht hatten. Längst hatten die Todesser Voldemort über das Dunkles Mal gemeldet.
„Komm, Junge!", sagte Mulciber und streckte Sev den Arm hin. "Lucius ist ganz krank vor Sorge". Mulciber stutzte - der Vampir sah übel aus. Schon wieder. Nie hatte er jemanden gesehen, der so verhext war wie Snape als der Monate nach der Schlacht um Hogwarts wieder auftauchte.
Damals hatte er zumindest allein stehen können. Dass Snape ein Dämon war, hatte Mulciber den zweiten Schock verpasst, nachdem sie alle von seinem Verrat erfahren hatten. Früher waren sie Freunde gewesen.
"Komm rüber, Junge", sagte Mulciber sanft, "Longbottom kann dir nichts mehr tun".
Mit einer betont ruhigen Bewegung nahm er Sevs Hand. Folgsam aber sehr langsam ließ der sich herüber ziehen.
"So ist es gut", sagte der Todesser.
Indes traute Nott traute der Sache immer weniger. Wo war Goyle? Bei drei gegen einen glaubte er sich dennoch ausreichend überlegen. Er reckte den Hals in die Diele.
Keine Spur von Goyle.
In der grimmigen Gewissheit, dass Mulciber Longbottom platt machen würde, sobald der untote Bastard aus dem Weg war, trat Nott ein Schritt weit in die Diele.
Als er um die Ecke sah, ragten dort ein paar Turnschuhe in einer Blutlache aus dem Türrahmen des Badezimmers. "Scheiße", fluchte er.
Der Todesser stürzte zurück ins Wohnzimmer. Dort grub der Vampir gerade gierig seine Fänge in Mulcibers Hals, während dessen Zauberstab nutzlos in Sevs Rücken hing.
"Crucio!", griff Nott an.
"Stupor!", Neville stoppte den Fluch. Mit einem Hechtsprung ging der Todesser in Deckung, "Incube obsequime!", rief er.
Das Letzte was Nott sah, war wie der Dämon getroffen einen Augenblick aufsah, ehe er erneut zubiss.
"Avada Kedevra!", rief Neville und Nott fiel tot zu Boden.
Neville fand Sev auf dem Balkon der richtigen Wohnung. Es dämmerte. Im 11. Stock war es windig und ziemlich kühl.
Der Magier blieb einige Zeit in der Tür stehen, eher er sich zu seinem Freund stellte. So standen sie angelehnt an das Geländer und sahen in den Hof. Die sanften Hügel des Parks erhoben sich auf der anderen Seite des Hochhauses. Dort unten vor ihnen und auf dem Balkon gegenüber waren Todesser.
Neville riskierte einen Seitenblick, 'gestärkt ging er fast für einen normalen jungen Mann durch', dachte er. „Mir wäre es lieb, wenn du reingehst", sagte der Magier.
Sev reagierte nicht gleich, sondern drehte seinen Kopf gegen eine Art magische Verlängerung des Balkongeländers. Der Fideliuszauber ließ sie aufblitzen.
„Ein paar Minuten bleiben noch", sagte er.
Der Magier atmete hörbar ein. "Sag' es halt, Sev. Wenn wir - wie du gewollt hast - abends das Auto genommen hätten, hätten wir nicht kämpfen müssen. Ich hatte dir erklärt, die Portschlüssel sind zu ungenau".
Sev wandte weg vom Geländer und sah zu ihm hoch. "Beinahe hättest du allein zurecht kommen müssen. Wäre die Wohnung bewohnt gewesen - ich hätte sie nicht betreten können wegen der häuslichen Schutzzauber".
Trotz der Vorwürfe lächelte Neville leicht. Es fühlte sich gut an, um wie viel weniger mühsam Sev redete und sich bewegte - und dass er sich sorgte. Ein Hocrux täte das sicher nicht.
„Aber so ist es nicht gekommen ", sagt Neville. „Du bist da gewesen und hast geholfen, hast deine Haut riskiert, Sev"-.
"Nein, so war es nicht", widersprach der Vampir und sah wieder in den Hof.
„Aaah", sagte Neville gedehnt, „dann bist du nur rübergekommen, weil mein Bann dich gezwungen hat?".
Sev antwortete nicht.
„Wie auch immer...", sagte Neville ärgerlich.
„Los, jetzt. Ich will dir nicht befehlen müssen reinzugehen", sagte er und nickte in Richtung Tür. „Aber ich könnte es, oder? Lass mich raten: Es ist wegen dem Namen - wegen Sev...?!
Und es war deswegen, dass Notts Bannspruch keine Wirkung hatte.
Jetzt antworte mir!", herrschte Neville ihn an.
Sev wandte sich den Magier so hektisch zu, wie der Bann ihn zwang. Es hatte an Naginis Biss gerissen und Neville sah wie so oft den unterdrückten Schmerz in seinem Gesicht.
„Bitte... vergib, Neville", sagte Sev vorsorglich. „Vergib, aber... mir scheint, du hast keine Ahnung, wie ein Bann funktioniert. Ihr alle nicht"-
„Weil ich solche Dinge nicht wissen will...", sagte Neville. „Du bist mein Freund, versteh das endlich. So geht das nicht weiter. Ich weiß, ich hab dich drangehabt mit der Bannmagie, du hast versucht es zu überspielen... ". Neville wollte erklären, dass sie darüber reden mussten - Severus' Schweigen ertrug er nicht. Die anderen mochten vergessen haben, was Snape für sie alle getan hatte – er nicht.
Indes war Nevilles eigenes Geheimnis schlimmer. Harry hatte verboten, dass er die Bedeutung des Horcruxes erklärte. Jedes kleine bisschen Vertrauen wäre zerstört, und dafür war der Vampir zu gefährlich.
Unruhig trat Neville von einem Fuß auf den anderen.
„Du hast gelogen als du meintest, du hättest keinen Herrn, Sev. Und deine Zauberei ist dir auch weniger fremd als du tust. Glückwunsch zum Apparieren übrigens", sagte der Magier scharf, denn Hermines Worte über seine Magie machten den Erfolg kaputt. „Warum merke ich nichts mehr von der Sev-Magie?".
„Weil du dich irrst ", entgegnete Sev. Er verlagerte sein Gewicht gegen das Geländer.
„Zu diesem Zeitpunkt, Neville, bestand dein Schutz noch nicht".
„Es ist ein Bann!", widersprach Neville sofort. „Schwarze Magie – ich hebe ihn auf, wenn ich herausgefunden habe wie!".
„Du redest schon wie sie".
„Was meinst du?", fragte der Magier.
Dieses Mal brauchte es keine Befehle, damit der Vampir aufsah. „Siehst du, eben aus diesem Grund habe ich nicht geredet", sagte er aufgeregt. „Lily und du ihr versteht beide nicht... Du hast dich mir nicht aufgezwungen, Neville - wie du vorhin nicht befahlst zu töten. Sogar wegen Lucius' Zauber verzichtetest du auf Befehle.
Ich sehe nicht das Warum. Aber es bedeutet, du verrätst deine Freunde. Sie denken, meine Magie könnte eine nützliche Waffe sein gegen den Dunklen Lord - aber nur unter deiner Kontrolle. Nimm es an".
Sev sprach schneller als sonst, denn der weiß-graue Anstrich des Geländers flirrte jetzt vor seinen Augen wo er sich aufstütze. Er tat sich schwer damit zu erklären, aber er brachte es zu Ende.
„Ich ahnte nicht um dein Unverständnis wegen des Bannes.
Doch dann, hätte ich geredet – du hättest ihn aufgehoben. Wenn sich aus unerfindlichen Gründen deine Freunde um seine... die aah disziplinarische Wirkung scherten - sofern sie sie - anders als du – verstanden haben, ließen sie es geschehen.
Nott indes zögerte nicht er und ich... hätten nicht gezögert dich anzugreifen. Du hast gesehen, was ich mit Mulciber getan habe...", sagte er. Sev wusste, eines Nachts zusammen mit Bellatrix hatte er die Kräfte des Menschenmagiers Severus zu Schlimmerem genutzt, als die Dinge, die eben damit angestellt hatte.
„Es macht sie nicht wieder lebendig, wenn du dich der Sonne aussetzt. Lass uns reingehen jetzt!", sagte Neville und schob ihn vorsichtig in Richtung Tür.
