14. Wahrheiten
Mit eiligen Schritten erreichten sie den Thronsaal.
Glücklich traten sie auf die kleine Gruppe zu, die neben dem
Thron stand. Sie hörten Fred und George laut lachen und
Alexander und Elias kichern, während Sirius wild gestikulierte
und Grimassen schlug.
Harry musste schmunzeln, als er das sah,
wobei Draco nur mit den Augen rollen konnte.
„Hey, Harry!",
rief Sirius, der den Gryffindor als erstes gesehen hatte, und winkte
ihn zu sich. Er klopfte seinem Patenkind freundschaftlich auf die
Schulter und grinste wie ein Honigkuchenpferd. Doch dann sah er Draco
und seine gute Miene verzog sich.
„Ach, Malfoy. Auch noch
hier?"
„Sicher, Blacky. Mich wird man so schnell nicht
los.", schnaubte Draco malfoyisch und lächelte
arrogant.
„Stimmt ja, wie das Ungeziefer. Das bekommt man
auch nicht mehr aus dem Haus, wenn es sich mal eingeschlichen
hat."
Dracos Blick entgleiste und lodernde Wut breitete sich in
seinen Augen aus.
„Hey, Draco.", murmelte Harry
vertrauensvoll und drückte die Hand des Blonden fester. „Ganz
ruhig."
Der Gryffindor stellte sich auf die Zehenspitzen und
hauchte dem Malfoyspross einen Kuss auf den Mund. Er schloss die
Augen und bewegte seine Lippen leicht gegen Draco seine. Dieser
knurrte zuerst unwillig, küsste dann aber voller Inbrunst zurück
und umarmte seinen Partner besitzergreifend.
Seine grauen
Sturmböen waren noch ein Spaltbreit geöffnet, so dass er
die anderen beobachten konnte. Er grinste fies in den Kuss hinein,
als er Sirius geschockt sah. Doch der Rest der Gruppe nickte nur
wohlwollend und sein Bruder sah regelrecht erleichtert aus.
Erst
nach ungefähr einer Minute lösten sie sich wieder und
blickten sich nur einfach in die Augen. Für Außenstehende
schaute dies nicht liebevoll aus, doch für die beiden
Betroffenen reichte dieser Blickaustausch zur Verständigung.
Draco seufzte resignierend und drehte sich wieder zu dem
schwarzhaarigen Mann, der immer noch entsetzt auf sein Patenkind
hinabguckte.
„Nun, Mr. Black, in
Anbetracht der neuen Ereignisse, sehe
ich mich gezwungen, mich mit ihnen zu vertragen.", ratterte der
Blonde herunter und streckte Sirius seine blasse Hand entgegen.
Diesem fielen fast die Augen heraus und mechanisch nahm er
die Hand entgegen.
„Äh, ja…. Öhm, neue Ereignisse?
Wie… ja, wie darf ich das verstehen?", stotterte der Animagus
verwirrt und schüttelte mit dem Kopf.
„Harry, deine
Aufgabe.", lautete Dracos schlichte Antwort, der nun Sirius Hand
losließ und sich mit verschränkten Armen an den Thron
lehnte.
„Tja, Siri… wie soll ich es sagen?" Harry
druckste herum und kratzte sich fast verlegen am Kopf.
„Vielleicht
direkt?", unterstützte Draco seinen Liebsten und schnalzte mit
der Zunge.
„Aber, Draco. Der fällt
mir hier aus den Latschen.", zischte der Gryffindor und machte eine
abwertende Handbewegung.
„Wir haben uns geküsst… und er
steht schließlich immer noch.", warf der Blonde in die Runde
und zog eine Augenbraue hoch.
„Das ist was anderes.", meinte
der schwarzhaarige Junge und lugte vorsichtig zu Sirius, der langsam
gar nichts mehr verstand.
„So??? Na, dann pass mal auf…."
Draco wandte sich an den Animagus und lächelte hämisch.
„Ihr Patenkind und ich sind nun gebunden. Verstanden?"
„Ihr
seid… Ihr habt…" Sirius stockte.
„Genau, Mr. Black. Wir
haben miteinander geschlafen."
Harry stöhnte und legte
sich die Finger an die Schläfen. Dieser Slytherin konnte einen
ins Grab bringen.
„Oh.", stieß der schwarzhaarige Mann
nur aus und sah unsicher zu den Zwillingen, die zustimmend
nickten.
„Tja, Sirius. So ist das Leben.", prustete Fred los
und machte es so dem Animagus nicht leichter.
Dann räusperte
sich plötzlich Alexander, der einen Schritt vortrat und Sirius
fest in die blauen Augen schaute.
„Bevor Sie sich von diesem
Schock erholen, setzte ich einen drauf und ich glaube Harry wird es
auch interessieren."
„Also wirklich… steckt wohl doch ein
kleiner Slytherin in dir?!", schmunzelte Draco amüsiert.
„Sicher. Gedenke deiner Vorfahren… in dieser Sache allerdings
Eltern."
Sirius konnte das alles nicht glauben. Diese
Kinder führten ihn an der Nase
herum. Er hatte das Gefühl jeden Moment einfach los zu schreien.
Gequält stöhnte er auf. Er wollte nur noch aus diesem Saal
fliehen und sich ins Bett verkriechen, doch er bezweifelte, ob ihn
diese Teufelskinder überhaupt ließen. Teufelkinder….
richtiger Ausdruck, dachte der Animagus
sarkastisch.
„Okay, Junge. Heraus
mit der Sprache. Schlimmer als die Nachricht, mein Patenkind ist
einem Malfoy verfallen, kann es ja eh nicht mehr werden.",
versuchte sich der schwarzhaarige Mann selbst zu beruhigen, wurde
aber zunehmend nervöser bei Alexanders Gesichtsmimik.
„Es
geht um meinen zweiten Vater.", fing der Braunhaarige an und
begann, um Harry und Sirius seine Kreise zu ziehen.
„Zweiter
Vater?"
„Ja, Mr. Black. Ich habe zwei Väter und der eine
ist kein Geringerer, als Tom Riddle, oder besser: Lord Voldemort."
Sirius Kind klappte nach unten und machte Bekanntschaft mit dem
Boden.
„Der
Dunkle Lord ist-"
„Aber nicht nur von ihm.", unterbrach
Draco den Animagus und schlenderte auf den anderen zu. Nur Millimeter
trennten ihre Nasenspitzen, wobei der Blonde allerdings den Kopf
leicht senken musste, da er größer war als Sirius.
„Auch mein Vater ist kein anderer als Lord Voldemort."
Der
Animagus wurde blass und starrte zu Harry, der sich bisher nur alles
seelenruhig angehört hatte.
„Wusstest du das, Harry?"
Der
Gryffindor nickte nur und zuckte die Schultern.
„Doch das
Interessantere für euch kommt erst noch.", redete nun
Alexander weiter und marschierte weiter seine Runden um Patenonkel
und –Kind.
„Mein
zweiter Vater…. Selbst Draco war fassungslos, als unser Dad mir
damals eröffnete, wer mein anderer Erzeuger war. Sie kennen ihn,
Mr. Black."
„Wie?"
„Und nicht nur Sie, sondern auch
Harry."
Harry runzelte mit der Stirn, schwieg aber.
„Mein Vater lernte ihn damals auf Hogwarts kennen. Er hatte Lust, sich unter die Zauberer zu mischen. Also nahm er eine Stelle als Lehrer in Hogwarts an. Selbstverständlich unter falschen Namen. Keiner dieser Trottel erkannte ihn, mit Ausnahme vielleicht Dumbledore, doch der konnte höchstens nur merken, dass Dad ein Schwarzmagier war. Na, jedenfalls machte es ihm Spaß zu unterrichten. Besonders Verteidigung gegen die Dunklen Künste. Dabei lernte er einen siebzehnjährigen Gryffindor kennen. Schüchtern, zurückhaltend, aber höchst intelligent. Der Junge schlich sich sofort in das Herz meines Vaters. Er mochte den kleinen auf Anhieb und so begann es. Nach den Stunden unterhielten sie sich noch über Dunkle Künste und schließlich trafen sie sich immer öfter. Dad erzählte, dessen Freunde mussten ein wenig eifersüchtig gewesen sein."
Hier beende Alexander kurz seine Erzählung und betrachtete abwechselnd Sirius, der immer noch nichts verstand, und Harry, der langsam alle Puzzleteile zusammensetzen konnte. Zuerst war es entsetzlich, doch wenn er weiter darüber nachdachte, freute er sich für den Braunhaarigen und besonders für dessen zweiten Vater, dem man immer angesehen hatte, wie sehr er Kinder mochte.
„Tja. So folgte das Eine dem Anderen und sie verliebten
sich… Für Dad unverständlich. Schließlich war der
andere ein Löwe, ein Gegner der Slytherins. Und doch… die
Gefühle waren da und ließen sich nicht auf Knopfdruck
abstellen. All das führte darauf hinaus, dass sie miteinander
schliefen… und ich kam daraus hervor. Mein Dad wurde schwanger…
also gab er seine Stelle auf und war einfach wieder der Dunkle Lord…
mit dem Unterschied, dass er einen kleinen Dunklen Lord bekam.
So
gingen die Jahre ins Land… ich wurde geboren, wuchs auf, und kam
schließlich nach Hogwarts… in das Haus Gryffindor… ein
weiter Schock für meinen Vater, da es ihn schon davor fertig
machte, dass ich im Aussehen ebenfalls meinem zweiten Erzeuger
nacheiferte."
Nun wusste Harry mit Sicherheit, über wen Alexander die ganze Zeit redete und er freute sich schon auf Sirius Reaktion. Er kicherte leicht und bekam so ein kleines Grinsen von Alexander geschenkt.
„All die Jahre lebte ich zwar mit dem Wissen, wer mein zweiter Vater war, doch wusste ich nicht, wie er aussah. Dies änderte sich allerdings, als ich zum sechsten Schuljahr nach Hogwarts kam. Ein neuer Lehrer für Verteidigung. Ich bekam einen Schrecken, als ich seinen Namen hörte und erstrecht, als ich ihn sah! Denn er hatte dieselbe Haarfarbe, fast dieselbe Augenfarbe und besonders die Gesichtsmimik… ich war bestürzt. Am liebsten wäre ich aus der Halle gerannt und hätte mich ins Bett verkrochen. Ich hätte heulen können, doch dafür war ich einfach zu stolz. Somit akzeptierte ich diese Situation und konzentrierte mich auf seinen Unterricht, um von ihm abgelenkt zu sein. Doch wie oft stand ich kurz davor, ihm zu erzählen, dass er einen Sohn hatte. Mich! Ich stand vor ihm, und er erkannte mich nicht. Aber wie auch. Er wusste von mir nichts… es tat weh… doch ich lernte damit umzugehen."
Hier endete der Braunhaarige und stierte
abwartend in Sirius blaue Seen, in denen sich immer noch die
Unwissenheit spiegelte.
„Mr. Black, kommen Sie nicht darauf?
Harry weiß es bereits und scheint es sogar gut zu finden."
„Nein, ich…." Der Animagus überlegte und ein kleiner
Verdacht regte sich... Nein…nicht er… unmöglich….
Sirius
schüttelte irritiert den Kopf und verdrängte diesen höchst
beunruhigenden Gedanken. „Ich weiß es nicht…"
„Gut,
dann sollte ich etwas detaillierter werden. Dad machte mal die
Bemerkung, dass diese schicksalsvolle Nacht einen Tag vor Vollmond
war. Zu der Zeit musste mein zweiter Vater immer besonders… ja
sagen wir rollig, gewesen sein. Zudem noch dominant, worüber Dad
wirklich erstaunt war… Doch er nahm es so hin und ließ sich
von seinem Schüler nehmen."
„Bitte? Dein Vater
erklärt dir so etwas?"
„Mr. Black,
sagen sie mir nicht, dass sie bei solch
einem Thema verklemmt sind."
Sirius lief rot an und senkte den
Blick.
„Pah. Red nicht so viel." Plötzlich stolperte der
schwarzhaarige Mann nach hinten. Seine Augen waren aufgerissen und
seine Lippen zusammengepresst.
„Nein.",
hauchte er und knallte fast auf seinen Hosenboden. Zu seinem Glück
konnte der Animagus sich an Harrys Schulter abstützen, der ihn
sanft am Arm hielt und beruhigend auf ihn einredete.
„Siri,
bleib ruhig. Bitte. Tief durchatmen."
„Das kann nicht sein. Oder? Nein… bei Merlin… ich kann mich an das Schuljahr erinnern… und… er war wirklich öfters weg. James und ich witzelten immer über ihn… wir dachten er hätte endlich eine Freundin… aber das er … nein." Sirius stöhnte und setzte sich langsam auf die Treppen unter dem Thron, während Harry ihn immer noch festhielt und dann neben ihm Platz nahm.
„Doch, Mr. Black. Er ist mein
Vater…. Und er weiß es nicht." Alexander sah traurig aus.
Seine Augen schauten in die Ferne und ein unsagbarer Schmerz schlich
sich in seine bernsteinfarbenen Augen.
Die Zwillinge bemerkten es und beide küssten ihn zärtlich
auf die Wange. Sie umarmten ihn und kuschelten sich an ihn.
„Danke,
ihr zwei. Wenn ich euch nicht hätte.", bedankte sich der
Braunhaarige und hauchte jedem einen Kuss auf die Stirn.
„Wenn
wir dich nicht hätten…", meinte George nur und lächelte
liebevoll.
„Meine Güte…. Ich kann es nicht
glauben…"
„Ach Siri, stell dich nicht an. Er kann ja nichts
dafür… jedenfalls nicht direkt. Nimm es hin…", sagte Harry
und tätschelte seinen Patenonkel.
Sirius schien zu überlegen.
Seine blauen Seen waren geschlossen, während sich sein Mund
kräuselte. Seine Haut schimmerte blass, wegen des Schocks, doch
seine Wangen waren gerötet, wie bei einem kleinen Jungen, der zu
lange an der frischen Luft war.
Minuten vergingen, ohne dass
jemand etwas sagte. Es traute sich einfach keiner, jeder wartete nur
auf Sirius Meinung.
Deswegen merkte auch niemand, wie Luzien
in den Thronsaal schlich und sich hinter den Haufen stellte. Er
wusste worum es hier ging, er hatte schließlich seinem
Schwiegersohn den Rat gegeben mit dieser Wahrheit herauszurücken.
Also starrte auch er gebannt Sirius an, der nun zu einem Ergebnis
kam.
Er stand von den Treppenstufen auf und lief langsam auf
Alexander zu, der ihn stillschweigend erwartete. Der Animagus
zögerte, legte aber letztendlich seine Arme um den braunhaarigen
jungen Mann, der nicht merkend die Luft angehalten hatte.
„Jetzt,
wo ich es weiß, sehe ich es auch. Du siehst ihm wirklich
ähnlich. Bei Gryffindor, du bist fast Remus Ebenbild.",
nuschelte Sirius emotional und drückte den Kleineren sanft. Der
erwiderte nun die Umarmung und lächelte glücklich.
„Ja,
Dad meint auch immer, ich sehe Remus Lupin ähnlich."
„Der
Verdacht drängte sich mir schon auf, als ich dich das erste Mal
sah.", mischte sich Harry ein und lächelte matt.
„Alex,
du solltest es Remus sagen."
„Ja, irgendwann… wenn ich den
Mut habe… tz, und das als Gryffindor.", erwiderte der
Braunhaarige und löste sich dann von Sirius, der kleine Tränen
in den Augen hatte.
Alle, natürlich außer Draco, der
seine kalte Maske aufhatte, lachten befreiend und die Stimmung hellte
sich sofort wieder auf.
„Siri,
wenn wir hier schon bei der Wahrheitsfindung sind, könntest du
ja mal erzählen, wie du hier bei uns sein kannst.", verlangte
der Gryffindor und trippelte mit dem einen Fuß.
„Oh,
tja…"
„Vielleicht sollte ich das aufklären.",
ertönte Luzien Stimmte, der sich in seinen Thron warf und
kicherte.
„Vorausgesetzt,
es ist erlaubt."
„Dad, dass wäre zu liebenswürdig
von dir.", antwortete Harry ironisch und verzog genervt das
Gesicht.
„Nicht so Vorlaut!", bellte Luzien ernst, zumindest
versuchte er es, scheiterte aber kläglich.
„Also, wenn
ihr nichts dagegen habt, dann entferne ich mich. Ich will nach Saniel
gucken.", unterbrach Elias das Gespräch
„Grüß
den Typen. Der ist irgendwie sympathisch.", grinste Sirius.
„Werde
ich."
Und schon war der gefallene Engel verschwunden.
„Stiller
Geselle.", meinte der Animagus Schulter zuckend und blickte zu
Luzien, der schmunzelte.
„Darf ich?"
„Ich bitte
darum, Dad."
„Ok… nun… als Saniel dich und Elias
zurückbrachte, hattet ihr ja keine Erinnerung an eure Leben vor
den Ereignissen im Himmelsschloss… also musste ich etwas
unternehmen. Ich konnte es nicht ertragen,
euch so zu sehen… nur wusste ich bei Elias nicht wirklich,
was ich tun sollte, wobei ich bei dir schon immer diese traurigen
Gefühle aufschnappte… doch ich konnte mir nicht erklären,
woher diese kamen… bis ich mich mit Fred und George unterhielt, dir
mir einige interessante Dinge verrieten."
„Meine Gefühle für Sirius."
„Ja,
Harry. Da wusste ich, er konnte dir helfen. Doch meine Zwillinge
berichteten, dass er hinter diesen Vorhang gefallen war. Das stellte
sich als Problem heraus… er war nicht tot! Also was tun?" (zurück
holen?)
An dieser Stelle schnaubte Sirius verächtlich
und spießte den Herrn der Unterwelt regelrecht mit seinen
Blicken auf.
„Luzien, was hast du getan?", prustete Alexander
los, der die verrückten Ideen seines Schwiegervaters
kannte.
„Nun ja, wie gesagt. Sirius hätte tot sein
müssen…Denn alle Seelen kommen nach dem Ausscheiden aus dem
Leben, ins Fegefeuer… nur für
kurze Zeit. Dort werden sie nämlich verteilt, Himmel oder Hölle.
Ich hätte ihn, sobald ich seine Seele dort gefunden hätte,
zu mir hierher geholt… Doch der Junge lebte einfach weiter hinter
diesem Vorhang. Also…"
Hier machte Luzien eine
bedeutungsschwere Pause und lächelte zuckersüß.
„Oh,
wie ich dich hasse.", knurrte Sirius und zog einen Schmollmund.
„Wieso? Was hast du angestellt, Dad?"
„Tja, Harry. Ich
habe ihn töten lassen."
„DU HAST WAS?" Der junge
Gryffindor sprang von der Treppe auf und stolperte sie herunter. Er
ging auf Sirius zu und kniff diesem in den Arm.
„Au, was sollte
das?", zischte der Animagus verletzt und rieb sich den Arm.
„Wollte nur sicher gehen, ob du nicht ein Geist bist.",
rechtfertigte sich der schwarzhaarige Junge und zwinkerte seinem
Vater zu.
„Bitte? Hast du mich nicht schon genug berührt,
um zu wissen, dass ich aus Fleisch und Blut bin?"
„Na ja…",
bestand Harrys Antwort.
„Also, hast du ihn getötet?!"
„Nun, ich habe einen Dämon
für diese Aufgabe geschickt. Ein Unterweltler kann sich nämlich
in solch einer Dimension frei bewegen."
„Und wieso hat
der ihn nicht einfach daraus
mitgenommen?", fragte nun nach langer Zeit Draco wieder, der sich
alles einfach angehört hatte. Er wollte sich eigentlich nicht
einmischen, doch fand er dies alles irgendwie reichlich bescheuert.
„Menschen habe diese Fähigkeit nicht. Sie sind anders
beschaffen als wir Dämonen. Also mussten wir ihn töten. Du
kannst gar nicht glauben, was der für einen Aufstand gemacht
hatte."
„Ist ja auch kein Wunder! Man wird nicht vorgewarnt, nichts… der tötete mich einfach! Und als ich aufwachte, fand ich mich in diesem Fegefeuer wieder, woran ich mich nicht gerne
erinnern
möchte."
„Stell dich nicht an! Schließlich haben
wir dich befreit und du bist nun bei meinem Sohn."
„Ja,
wunderbar.", murmelte Sirius unwirsch, wuschelte aber seinem
Patenkind durch die schwarzen Zotteln.
„Frage.", meldete sich
der blonde Slytherin zu Wort, der wieder respektlos am Thron gelehnt
stand.
„Wenn ihr ihn abgemurkst habt… wieso steht er hier?"
Harry musste zustimmend nicken.
„Tja… stellt
euch vor… Ich bin kein Mensch mehr.", rückte Sirius heraus
und strich sich durch die schwarzen, langen Haare.
„Kein
Mensch?" Wissbegierig wanderten Harrys Augen von Luzien zu dem
Animagus und wieder zurück.
„Richtig."
„Siri, was
bist du sonst?"
„Oh man, Potter!"
„Was?", giftete
Harry Draco an und streckte ihm die Zunge heraus.
„Stell dich
nicht so an. Ist doch nicht schwer.", konterte der Blonde und
senkte schmunzelnd den Kopf, so dass ihm seine blonden Strähnen
ins Gesicht fielen. Harry mochte diesen Anblick des Slytherins und
versank in seinen Träumereien.
„Potter?"
„Hm?"
„Du
sabberst gleich.", grinste Draco und schüttelte den Kopf.
„Oh.", meinte Harry nur und versuchte dann abzulenken.
„Also,
was soll er denn nun sein?"
„Dein Vater hat ihn zu einem Dämon
gemacht."
„Stimmt das?"
„Ja, mein Sohn. Sonst wäre
er jetzt in der Hölle."
„Ich wäre was?", schrie
Sirius und kippte beinahe um.
„Tja, jetzt wissen wir, wie wir
ihn zu einem Nervenzusammenbruch bekommen.", murmelte Draco und
alle lachten, außer Sirius.
„Luzien, dass ist nicht wahr,
oder?"
Der Animagus rannte fast auf Luzien zu, der
plötzlich von jemanden abgelenkt wurde, der den Thronsaal mit
wehendem Kleid betrat.
„Luzien, wir haben ein Problem.",
schnaufte Lilith atemlos und legte dem Herrn der Unterwelt eine Hand
auf die Schulter.
„Welches?"
„Gucke es dir lieber selber
an! Es wird dir nicht gefallen.", sprach die schwarzhaarige Frau
ernst und besorgt. Luzien sprang daraufhin auf und stürmte
sofort aus dem Saal.
„Hey, Luzien! Du musst mir noch sagen, ob
das nun wahr ist oder nicht.", rief Sirius kleinlaut hinterher und
erntete dafür die Aufmerksamkeit von Lilith, die immer noch
neben dem Thron stand. Ihr Augen trafen sich, blau versank in blau.
Doch nach Sekunden war der Blickkontakt vorbei und die schwarzhaarige
Frau folgte Luzien geschwind.
Sirius sah ihr entzückt
hinterher und seufzte träumerisch.
„Was hast du? Bist du
krank?"
„Harry, wer war das?", fragte der Animagus beglückt
und knetete aufgeregt mit den Fingern.
„Lilith."
„Lilith,
schöner Name."
„Siri, was-"
„Harry, lass ihn. Der
kann dir jetzt sowieso keine vernünftige Antwort mehr geben.
Komm, ich will wissen, was hier los ist!", drängte Draco und
schnappte sich die Hand des Gryffindors und zog diesen, ohne sich von
den anderen zu verabschieden, aus dem Saal.
„Draco, wo
willst du hin?"
„Zu deinem Vater. Spürst du nicht die
Anspannung?"
Harry schloss die Augen und stockte im
Schritt.
„Verdammt, wieso merke ich es jetzt erst?!" Nun
schleppte Harry den Blonden hinter sich her, der seinen Rücken
sorgenvoll anstierte.
Draco hatte eine schlimme Vorahnung.
