Kapitel 14: Shutdown

… „Ich schon. Da ich dich liebe", flüsterte er und presste seine Lippen auf ihre, während seine Hände über ihren Körper fuhren und sie an sich drückte.
Cameron hielt inne, tat nichts, um den Kuss zu stoppen, doch erwiderte ihn auch nicht.
Als John seine Lippen von ihren löste, blickte sie in seine Augen, die sie in all seiner Hoffnung förmlich anstrahlten.

„Ich glaube nicht, dass das hier eine Gute Idee ist", erklärte sie ihm klar und deutlich, woraufhin John seinen Kopf schüttelte und Haar entlang streichelte, bis er zu der Haarnadel kam, die er herauszog, sodass ihr langes Haar, welches er so mochte, an ihren Schultern hinunterfiel.

Er streichelte ihr Haar und ihre Schultern, während sie regungslos verharrte.
„Mir ist es egal…", er küsste zärtlich ihre Stirn und schnupperte an ihrem wohl duftenden Haar.
„Du bist betrunken", stellte sie fest, „Du weißt nicht was du tust."
„Ich weiß, was ich tue!", entgegnete er etwas gereizt, „Ich hätte es schon viel früher tun sollen. Und mir ist es egal was andere davon denken. Ich liebe dich. Und das werde ich immer…"

Sein Mund näherte sich ihren sinnlichen Lippen, die er daraufhin begann leidenschaftlich zu Küssen.
Langsam zog er ihren starren Körper an seinen heran und presste sie an sich.
Seine Hände glitten ihren Körper entlang, der sich durch den dünnen Stoff des Kleides abzeichnete und es erregte ihn. Noch nie hatte er ein Mädchen so angefasst und er war glücklich darüber, dass Cameron die erste war und die einzige, die er so anfassen wollte.

Das Blut in seinen Adern pochte und sein Herzschlag wurde schneller. Er spürte wie sein Körper das Blut in den Unterleib pumpte, als seine Hände langsam unter die Träger ihres Kleides glitten, um sie von ihren Schultern zu streifen. Seine Atmung wurde schneller und stärker, als seine Küsse in ihren Nacken abdrifteten und dass Kleid zu Boden fiel. Mit seinen Händen berührte er die bloße, nackte Haut an ihren Schultern, Rücken und ihren Taillen, was ihn vor Wollust fast erbeben ließ.
Lüstern blickte er auf den schwarzen schlichten BH und den dazugehörigen Slip, wobei sein Atem zu stocken schien.

Vorsichtig dirigierte er sie zu seinem Bett und ließ sie sachte darauf fallen. Hastig zog er sein Hemd aus, öffnete seine Gürtelschnalle und schlüpfte aus seiner Hose.
Schnell entledigte er sich von Schuhen und Socken, bevor er Camerons Oberschenkel nach unten englang für und sie von ihren Stöckelschuhen befreite.

Kaum lagen sie auf dem Boden küsste er ihren Bauch aufwärts, während seine Hände an ihren Oberschenkeln zur Taille und dann zur Brust ebenfalls aufwärts glitten.
Er umschloss den BH mit seinen Händen und küsste die nicht bedeckte Haut ihrer linken Brust, dort wo ihr Herz sein sollte.

Seine Hände glitten hinter ihren Rücken, um den widerspenstigen Verschluss zu öffnen.
Als er den BH von ihren losen Armen abgestreift hatte, bewunderte er die Rundungen, die er verhüllt hatte.
Seine Hände berührten sie und er küsste sie.
Sein Blick streifte ihren wunderschönen Körper hinab, von dem er jede Nacht insgeheim geträumt hatte, und blieb an dem schwarzen Slip hängen.
Nervös doch entschlossen glitten seine Hände hinab und hinein, um auch dieses Kleidungsstück zu entfernen. Gröber zog er hastig seine Boxer-Shorts aus.
Er senkte seinen Körper auf ihren. Seine Ur-Instinkte übernahmen seinen Körper vollends.
Er presste seinen an ihren Unterkörper und spürte kurz einen Widerstand.
Überrascht aber auch erleichtert begann er sich rhythmisch zu bewegen und spürte dabei, wie sich die Lust in ihm immer weiter staute.
Seine Hände pressten ihre Schenkel an seinen Körper oder spielten mit ihren Brüsten.
Seine Atmung wurde immer hastiger und das Gefühl immer intensiver.

Doch als er in Camerons Augen blickte, erkannte er nichts. Sie schien nichts zu fühlen.
Er war sich jedoch sicher, dass sie zu Gefühlen in der Lage war. Schließlich zeigte sie sie ja jeden Tag und zurückblickend hatte er wahrscheinlich echte Gefühle nach der Explosion bei ihr gesehen – oder etwa doch nicht? Entsetzt musste er schlucken und beschleunigte daraufhin sein Tempo.
‚Warum fühlt sie nicht wie ich?!', schrie eine Stimme in seinem Kopf während er verzweifelt nach einer Antwort, einer Lösung suchte.
Doch egal wie sehr er versuchte sich anzustrengen um ihr das Gefühl was sie ihm schenkte ebenfalls zu bescheren, es half nicht. Cameron blickte ihn trotzdem leer mit einem blanken Gesicht an. Ihren Körper bewegte sie keinen Millimeter. Sie hielt ihn nicht auf, doch erwiderte auch nichts während sein Höhepunkt unvermeidlich näher kam und das Bett durch seine Bewegungen immer lauter quietschte und sich Tränen in seinen Augen bildeten…

Am nächsten Morgen lag Cameron noch immer in Johns Bett. Sie hatte sich noch immer keinen Millimeter bewegt. Er lag noch immer auf ihr.
Nachdem er seinen Höhepunkt erreicht hatte war er in Tränen ausgebrochen und hatte sich mit dem Kopf über ihre Schulter auf dem Kopfkissen in den Schlaf geweint.

Sie wusste nicht wie sie sich verhalten sollte oder hätte sollen ohne die Regeln zu brechen.
Somit hatte sie einfach nichts getan.

Ihr HUD alarmierte sie dass John aufwachte.
Langsam kam er zu sich. Seine geröteten Augen wichen beschämt ihren Anblick aus und er setzte sich auf die Bettkante – starrte den Boden vor ihm an, den Kopf mit seinen Armen aufgestützt, welche auf seinen Knien ruhten.
„Ich…", begann er doch stoppte, „Ich brauche Zeit, für mich", stammelte er weiter.

Cameron setzte sich auf – es war das erste Mal seit Stunden, dass sie sich wieder bewegt hatte.
„Du solltest etwas essen", stellte sie, den Blick auf ihn gerichtet, fest, „Soll ich dir Pancakes machen?", bot sie ihm an.

Er schloss seine Augen und schüttelte den Kopf.
„Ich bin nicht hungrig", erklärte er.

„Es war ein Fehler", hörte er ihre Stimme.
Er blickte mit einem fragenden Ausdruck im Gesicht über seine Schulter, doch seine Augen fokussierten zugleich auf ihren entblößten Brüsten, bis er seinen Blick beschämt von ihr abwandte.
„Was war ein Fehler?!", fragte er gereizt.

„Du warst betrunken", entgegnete sie monoton, „Jungs betrinken sich und zwingen ihre Freundinnen zu Sex. Es passiert häufig…"
„Wie?", unterbrach er sie, „du meinst ich wäre ein Verg…", er sie brachte das Wort in seiner Situation kaum über die Lippen.
„Nein", stellte sie hastig klar, „Ich bin nur eine Maschine, ein Ding. Du kannst mir nicht wehtun. Du hast mich einfach nur benützt und ich hab dich gelassen – Das war der Fehler.", erklärte sie ihm, „Ich hätte dich stoppen sollen. Es tut mir leid."

John begann daraufhin zu zittern und brach in Tränen aus.
Cameron schien nichts zu verstehen, rein gar nichts. Und ihre Entschuldigung schmerzte ihn nur noch weiter.
„Ich… ich will allein sein", schluchzte er, „Geh weg! Bitte geh!"

So kam es, dass Cameron unangezogen an ihm vorbei aus dem Zimmer lief und die Türe hinter sich schloss. Als sie den Gang entlang zu ihrem Zimmer lief, prallte sie fast mit Sarah zusammen, welche einen großen Wäschekorb trug und von der Treppe kam.
Sarahs Blick wandelte sich bei Camerons Anblick von überrascht hinzu wütend.
„Was habe ich dir über das Kleidertragen gesagt!?", zischte sie die Maschine an und lies ihren eifersüchtigen Blick von Camerons Figur, um mit funkelnden Augen in ihre zu schauen.
„Du hattest gemeint, dass es nicht angemessen ist, in Unterwäsche durchs Haus zu laufen", antwortete Cameron und beäugte Sarah von der Seite,
„Ich trage keine Unterwäsche, oder?", fuhr sie weiter fort, sodass Sarahs Gesicht vor Wut rot anlief und sich ihre Hände in den Wäschekorb krallten, sodass sich die Knöchel weiß färbten.
„Außerdem hatte ich noch keine Zeit mich anzuziehen. John wollte, dass ich aus seinem Zimmer gehe und anhand meiner Software, so schnell wie möglich.", erklärte Cameron weiter.
„Was wollte John… du in seinem Zimmer… nackt?", stammelte Sarah mit aschfahlem Gesicht hervor, „Was habt ihr gemacht?!", fragte sie und konnte ihre Gedanken kaum mehr bündeln.
„Er hat mich benutzt", antwortete Cameron monoton.

Die Gewissheit war wie ein Paukenschlag für Sarah.
Sie ließ den Korb mit der Wäsche auf den Boden fallen und starrte die Maschine tief ein- und ausatmend, völlig unter Schock mit offenem Mund an.

„Was hast du meinem Jungen angetan!", zischte Sarah die Maschine an.
„Nichts", schwor Cameron.
„Nichts?!", fragte Sarah aufgebracht weiter, „Und warum hat er dich dann hinaus geschickt?!"
„Er scheint verstört zu sein.", entgegnete Cameron.
„Ich wette darauf, dass er es ist!", fuhr Sarah sie zornrot an, „Also, was hast du getan!?"
„Gar nichts", antwortete Cameron, „Ich habe ihn nicht gestoppt als es dazu kam – das war ein Fehler. Wahrscheinlich hätte ich das Risiko annehmen sollen und ihn mit Gewallt stoppen sollen. Aber ich will ihm nicht wehtun. Also habe ich gar nichts getan."
„Ich rede nicht darüber, du blöde Maschine!", schrie Sarah sie nun an, „Wie hast du dich verhalten, als er… ihr…"
Sie brachte ihren Satz nicht zu Ende. So sehr sie versuchte die restlichen Wörter rauszustammeln – es half nichts. Der bloße Gedanke, dass John und diese Maschine, dieses lieblose kalte Ding etwas miteinander hatten, ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren.

„Nichts", erklärte Cameron monoton weiter, „Gar nichts habe ich getan."
„Nichts?!", wiederholte Sarah schreiend, „Willst du mir damit sagen, dass du mit blanken Gesichtsausdruck nur wie ein Brett dalagst?!"
„John hatte klargestellt, dass ich nicht weiter unehrlich zu ihm sein darf. Also darf ich ihm auch keine Gefühle vorgaukeln, oder er wird mich verbrennen.", stellte sie fest, „Ich fühle nichts, wie ihr wisst."

Sarah raufte sich zornig die Haare und riss sich vor Wut fast Büschel aus.
„Argh", schrie sie, ‚Wie kann eine intelligente Maschine nur so blöd sein?!'
„Vielleicht denkt John anders darüber!", fauchte sie die Maschine vor ihr an, „Schon einmal darüber nachgedacht?!"
„Warum sollte John denken, ich könnte fühlen?", fragte Cameron verwirrt.
„Schau dich an!" zischte Sarah und schüttelte den Kopf.

„Los zieh dich an!", raunzte sie weiter und lief auf Johns Zimmertüre zu.

Nun war nicht der Zeitpunkt, Augen auskratzend auf den Cyborg loszugehen und die letzten verbliebenen Sicherungen, die sie davon abhielten zu riskieren.
John brauchte sie und zwar jetzt. Und ihre Liebe zu ihm, war größer als der Hass auf diese Maschine.
Nach dreimaligen kurzen klopfen trat sie ein.
Sie sah ihren Sohn weinend auf seinem Bett liegen. Als er sie bemerkte, sah er sie mit geröteten Augen an.

„Und, bist du gekommen um mir eine Gardinenpredigt zu halten? Los, fang an!", schluchzte er.
Sarah seufzte und setzte sich zu ihm auf die Bettkante.
„Ich wusste, dass es früher oder später passieren würde. Ich wusste es seit dem ersten Tag, als ich sie traf.", entgegnete sie,
„Zwar hatte ich gehofft, dass es niemals eintreffen würde, aber deine Blicke, die sich zum Beispiel beschämt abgewendet haben, als sie mit ihrer Unterwäsche an dir vorbeilief, haben meine Vormutung nur verstärkt."
„Und nun läuft sie nackt aus deinem Zimmer und du weinst…"
„Es ist schlimmer als ich es mir vorgestellt habe.", stellte sie bedrückt fest, „Das war eine dumme Idee, John!"

„Ich weiß Mom", gab er mit gesenktem Blick zu, „Ich weiß…"
„Aber es gibt nichts, mit dem ich es ändern oder rückgängig machen könnte… und das Schlimmste ist, dass ich sie liebe!"
„Ich liebe sie!", erklärte er laut unter Tränen, sodass Sarah ihren angewiderten Blick von ihm nahm.
„Warum hat sie nichts gefühlt? Ich dachte… ich war mir so sicher, dass sie es könnte", stammelte er verzweifelt.
„John", mahnte Sarah, „Dies sind Dinge, Maschinen – sie können nichts fühlen."
„Sie ist anders!", widersprach John trotzig.
„Sie hat nichts gezeigt, da sie dich nicht anlügen wollte", erklärte Sarah eindringlich, „Das ist, was sie sagt!"
„Warum hat sie mich dann nicht umgebracht?!", fragte John tief ein und ausatmend, „Warum hat sie mich wieder zusammengeflickt?!", fragte er aufgebracht weiter, „Warum hat sie mich zurückgeholt?!", schrie er seine Mutter an.
„Sie hatte Fehlfunktionen, ganz einfach", widersprach Sarah gereizt, „Nichts anderes versteckt sich hinter dem Vorhang. Fehlfunktionen!"
„Nun, wenn das Fehlfunktionen waren, was ich meine Gefühle zu sein, dann will ich lieber in Gefahr vor ihr mit ihr leben, als ohne Gefahr vor ihr und ohne ihre…", entgegnete er traurig, „Fehlfunktionen.", betonte er spitz.

„Du weist genauso gut wie ich, dass du Unsinn redest!", widersprach Sarah.
„Wenn dem so ist, dann will ich nicht weiterleben…", stammelte er, worauf Sarahs Hand zu seinem Kinn griff und seinen Kopf so drehte, dass er sie zwangsweise anschauen musste.
„Was redest du da?!", fuhr sie ihn wutentbrannt an, „Wofür habe ich in den Wehen gelegen?! Wofür ist dein Vater gestorben?!", schrie sie ihn an,
„Willst du für den Tod der Menschheit verantwortlich sein?!", fragte sie nun heisern, „Du bist die einzige Hoffnung!"
„Wenn du stirbst, sterben wir alle!", schrie sie mit ihren durchdringenden Blick, welchen er versuchte auszuweichen, an, „Verstehst du?!"

John schluckte einige Male verdrossen, während Sarah schnaubend von ihm ließ, um sich wieder zu beruhigen, als plötzlich mit einem Elektrischen Sirren jegliche Beleuchtung im Raum an ging, heller strahlte als gewöhnlich, bis mit einem kurz darauf folgenden Klirren die Glühbirnen zu Bruch gingen.

„Was war das?!", fragte John aufgebracht und starrte seine Mutter an, welche ebenfalls vor Schreck aufgesprungen war.
„Könnte alles gewesen sein, die Sicherung, ein Tripple Eight…", entgegnete Sarah aufgeregt, während John hastig nach T-Shirt und Hose griff, um nachzusehen.

„John!", mahnte Sarah, als ihr Zögling hastig aus dem Zimmer rannte.

„Cameron?!", schrie John hastig durch den Gang und nahm die Treppe, „Cameron?!" …