Huhu,
so, nun auch hier Kapitel 13 :-) Ich wünsche euch viel Spaß damit und stelle auch hier die Frage, sollen Harry und Ginny ein Paar sein in dieser FF oder nicht?
LG
Sera
Die schweren, grünen Vorhänge wehten leicht im Wind und ein Holzscheit knackte im Kamin, als die Flammen aufflackerten. Das Feuer war neben dem Schein des Laptopmonitors die einzige Lichtquelle im Raum. Isis und Osiris lagen oben auf der Empore neben dem Bett und schliefen friedlich. Mit einem Gähnen streckte sich die junge Hexe und rollte ihren Kopf, um ihre Nackenmuskulatur zu entspannen. Die Uhr auf dem Notebook zeigte drei Uhr in der Früh an. Sie war mehr als müde, aber sie wollte diese Zahlen noch heute fertig bekommen. Sie wusste, dass sie ansonsten keinen Schlaf finden würde. Dieser Mr. Freeman hatte sich als noch größerer Stümper herausgestellt, als sie anfangs geglaubt hatte. Seit der Mann die Finanzabteilung übernommen hatte, waren die Zahlen der Firma zwar gestiegen, aber noch lange nicht so viel, wie es hätte sein können und auch müssen. Sie suchte immer noch den Grund für die schwindende Wachstumsrate. Bislang hatte sie nur herausgefunden, dass alle Geschäfte in Deutschland immer weniger Gewinn machten und das ohne ersichtlichen Grund. Beziehungsweise ohne nachweisbaren Grund. Hermione war sich verdammt sicher, dass der Mann sich Gelder abzweigte, nur wie genau, musste sie noch herausfinden. Es konnte einfach nicht sein, dass plötzlich alle Geschäfte in Deutschland weniger Profit machten und das auf einen Schlag. Klar, brachten Eisdielen im Winter weniger ein als im Sommer und natürlich machte der Teeladen im Winter mehr Umsatz als im Sommer, solche Schwankungen gab es immer. Aber wenn alle Geschäfte mit einem Schlag gut 3% weniger Gewinn machten, war etwas faul. Das Steuergesetz hatte sich nicht geändert, die Mieten der Räumlichkeiten auch nicht und wenn sie sich die Warenbestellung anschaute, waren diese eher gestiegen, was bedeutete, dass sie auch verkauft wurden. Aber die Einnahmen stimmten einfach nicht mit den Bestellungen überein. Entweder waren die Preise in den Geschäften gesenkt worden ohne Draco darüber zu informieren, oder es wurden Artikel verschenkt. Nun, mehr verschenkt, als es in den Werbeaktionen vorgesehen war. Es hatte auch keine Einbrüche gegeben oder dergleichen. Die einzig plausible Idee, die ihr gekommen war, waren Schutzgelder und Veruntreuung. Ja, es klang, als hätte sie zu viele Krimis gesehen, das gab sie gerne zu, aber mal ehrlich, was konnte sonst noch der Grund sein? Eben hatte sie alle Geschäftsführer der Läden angeschrieben und die Verkaufszahlen für das letzte Jahr inklusive Preise und Verkaufsdatum angefordert. So lange arbeitete der Kerl nämlich schon für Hydrus. Sie hatte dafür Dracos E-Mail-Account genutzt, aber sie bezweifelte, dass er etwas dagegen hatte. Wecken wollte sie ihn einfach nicht. Er hatte sich gerade so die Treppe hinauf zu seiner Suite geschleppt, ehe er mehr oder weniger auf dem Bett zusammengebrochen war vor Erschöpfung. Sie hatte es noch geschafft, dass er mit einem schwachen Wink seines Zauberstabs seine Kleidung gewechselt hatte. Seitdem schlief er wie ein Stein.
Das Feuer knackte erneut und riss sie aus ihren Gedanken. Noch eine Monatsabrechnung blieb übrig, bevor auch sie ans Schlafengehen denken konnte. Eine Stunde später konnte sie kaum noch die Augen offen halten, als sie aufstand und den Laptop zuklappte. Ihre Theorie kam ihr immer plausibler vor, aber ohne die angeforderten Zahlen konnte sie nichts machen. Müde tapste sie die Stufen zur Empore hinauf und ging ins Bad. Schneller als sonst putzte sie sich die Zähne und entledigte sich ihrer Kleidung. Als sie wie gewohnt nach ihren Schlafsachen greifen wollte, fiel ihr auf, dass sie diese noch in ihrer Tasche hatte, welche in seinem Kleiderschrank stand. Murrend tapste sie auf die Tür zu, als ihr Blick auf eines von Dracos T-Shirts fiel. Kurz zögerte sie, doch dann nahm sie das schwarze Kleidungsstück und zog es über. Sie waren schließlich verheiratet, richtig? Mit halb geschlossenen Augen wankte sie zum Bett und ließ sich neben den Blonden in die Federn fallen. Vielleicht hätte sie nach einem Gästezimmer suchen sollen, vielleicht hätte sie sich irgendwie auf die Zweiercouch pferchen sollen, auf der sie bis eben gesessen hatte, um zu arbeiten, aber ehrlich? Sie brauchte Schlaf, und zwar keinen unangenehmen, sondern einen guten. Hier in Dracos Zimmer schien sie weitestgehend vergessen zu können, dass sie in Malfoy Manor war, aber sie wollte nicht riskieren, mitten in der Nacht herumzuwandern und Orte zu sehen, die sie lieber nie wieder sehen wollte. Hermione kannte schließlich ihr Glück. Zudem waren Osiris und Isis auch hier und sollte Draco morgen irgendwas dagegen sagen… Nun, sie wünschte ihm Glück, diese Diskussion mit ihr zu gewinnen.
Draco wurde von dem Gefühl geweckt, als hätte ihm jemand einen Waschlappen übers Gesicht gezogen. Ein Waschlappen mit dem Geruch von Hundefutter, um genau zu sein. Ohne die Augen zu öffnen, wedelte er mit seiner rechten Hand neben sich umher und traf auch prompt den flauschigen Pelz eines Welpen, welcher mit ziemlicher Sicherheit Osiris gehörte. Isis machte zwar auch gerne Unfug, aber wenn es um diese körperlichen „Angriffe" ging, steckte meist ihr Bruder dahinter. Der getroffene pelzige Ruhestörer quietsche überrascht und der Plumps, der folgte, ließ Draco annehmen, dass der Hund vom Bett gesprungen war. Erleichtert atmete er tief ein und wollte sich auf seine Seite drehen, als ihn ein Gewicht auf seiner Brust daran hinderte. Schlaftrunken runzelte er die Stirn. Osiris und Isis waren nicht mehr auf dem Bett, das Gewicht auf ihm war auch definitiv zu schwer für die Welpen und falsch geformt. Hinzu kam noch, dass ihm gerade gewahr wurde, dass seine linke Hand auf etwas Warmen ruhte, das definitiv nicht sein Bauch war. Es fühlte sich zwar wie ein Körperteil an, aber sicher nicht seines. Irritiert öffnete der Malfoy-Erbe nun doch seine Augen und musste einen überraschten Laut unterdrücken, als er Hermione schlafend auf seiner Brust vorfand… in seinem Shirt. Okay, was war gestern Abend geschehen? Vorsichtig hob er den Kopf und sah sich um. Sie waren in seinem Zimmer im Manor, keine Kleidung lag verstreut und auf dem Couchtisch stand sein Laptop, anstatt Weinflaschen. Also hatten sie sich schon mal nicht betrunken und waren im Bett gelandet, Gut. Langsam ließ er seinen Kopf wieder auf das Kissen sinken. Was war dann gestern gewesen? Ah, sein Quidditchspiel. Oh, und natürlich seine Verletzung. Hermione hatte ihm so halbwegs den Hintern gerettet und dann waren sie zum Manor gefahren. Er wusste noch, dass er sich in sein Zimmer geschleppt hatte, aber dann wurde es mehr als dunkel. Wie der Laptop auf den Couchtisch kam, die Balkontüren geöffnet worden waren oder wie Hermione in seinem T-Shirt in seinem Bett gelandet war, entzog sich völlig seinem Erinnerungsvermögen. Das Piepen seines Handys riss ihn aus seinen Überlegungen und er langte mit der rechten Hand zum Nachttisch, wo das Gerät lag. Eine neue E-Mail von seiner Bäckerei in Deutschland. Überrascht wollte er sie öffnen, als sein Handy ein weiteres Mal piepte und eine Mail von seinem Geschäftsführer seines Buchladens in München anzeigte. Er kam gar nicht dazu, auch nur einen Finger zu heben, als schon die nächste Mail eintrudelte. Ebenfalls aus Deutschland. Irritiert beobachtete er, wie nach und nach die Mails eintrudelten und merkte nicht einmal mehr, dass die Hexe auf seiner Brust wach wurde. „Warum schickt mir jeder verdammte Geschäftsführer aus Deutschland eine E-Mail?", brummte er unwillig und erschrak, als ihm das Handy aus der Hand gerissen wurde und das Gewicht auf seiner Brust verschwand. „Die sind für mich", murmelte die junge Frau bloß und fixierte den Handybildschirm, ungeachtet dessen, dass sie immer noch in Dracos Shirt direkt neben ihm im Bett saß. Draco hob eine Augenbraue. „Warum sollten dir meine Geschäftsführer E-Mails auf mein Handy schicken?", fragte er und konnte nicht anders, als leicht amüsiert zu lächeln, als sie von dem Gerät aufsah und leicht rot wurde. „Es könnte sein, dass die Herren der Annahme erlegen sind, dass du ihnen diese Nacht eine Mail geschickt hast und nach den Verkaufszahlen inklusive der Preise für das vergangene Jahr gefragt hast", erwiderte sie und biss sich auf die Unterlippe. „Und wie kommen die Herren zu dieser Annahme?", fragte Draco nach und musterte die junge Hexe, welche mit zerzausten Haaren in seinem schwarzen Shirt auf dem Bett saß und immer wieder einen kurzen Blick auf sein Handy warf. „Nun ja, es könnte sein, dass ich, rein hypothetisch, gestern Nacht noch die Zahlen geprüft habe und mir ein Gedanke gekommen ist, der möglicherweise etwas mit Schutzgeldern zu tun hat beziehungsweise Veruntreuung und dabei aus Versehen deinen E-Mail Account genommen habe, um die Geschäfte in Deutschland anzuschreiben, und vielleicht habe ich auch nur mit Malfoy unterschrieben und habe vergessen darauf hinzuweisen, dass ich eigentlich keine Befugnis habe die Daten anzufordern, da ich offiziell nicht zur Firma gehöre, auch wenn ich mit dir verheiratet bin", babbelte sie los und grinste leicht scheu, während Draco nur amüsiert mit dem Kopf schüttelte. Es war deutlich zu sehen, dass sie darauf brannte die Informationen in den E-Mails zu sichten. „Rein hypothetisch?", fragte er nach. „Irgendwie… Also die Theorie ist noch hypothetisch… Der Rest ist irgendwie mehr wahr?", antwortete sie und zuckte mit den Schultern, wobei sie abermals auf das Handy guckte und sogar einen kurzen Blick zum Laptop riskierte. Ein Lacher entfuhr dem Blonden und er machte eine scheuchende Handbewegung. „Ab mit dir", sagte er gespielt ergeben, sodass Hermione vom Bett hüpfte und zu seinem Laptop eilte.
Der Wind hatte aufgefrischt und fuhr durch Dracos Haare, als er auf der Terrasse des Manors stand und den Hunden zusah, wie sie im Garten herum wuselten. Die Mittagssonne ließ Isis' Fell leuchten, als die Hündin zwischen den Rosenbüschen herumlief. Er fühlte sich komisch frei in diesem Moment. Kein Handy in seiner Nähe. Kein Laptop. Keine verkupplungsbesessene Mutter. Kein Training zu planen oder zu leiten. Zumindest für den Moment. Nur seine Hunde, die vor ihm in seinem Garten spielten. Und Hermione – er drehte sich leicht zur Seite, um zu sehen wie die junge Hexe mit einem Tablett, - mit zwei Tassen und dem Tagespropheten - aus dem Haus trat – die ihm Kaffee brachte. Sie hatte sich umgezogen und wenn ihr verschlagenes Lächeln irgendein Indikator war, waren die Mails aufschlussreich gewesen. „Ich hab ihn", verkündete sie und reichte ihm den Kaffee. Draco hob fragend eine Augenbraue, ehe er einen Schluck nahm und wieder zu den Hunden sah. „Dein Finanzleiter hat dir falsche Preise genannt und die Differenz selber eingesteckt, während er die Geschäftsleiter hat glauben lassen, du würdest die Läden schließen, wenn sie nicht mehr Gewinn machen, wodurch diese die Preise für die Artikel nochmal angehoben haben. Zu dumm, dass er sein Treiben nicht besser verschleiert hat. Ich konnte die Überweisungen von den Firmenkonten ausfindig machen. Wenn du erlaubst, würde ich ihn gerne in unser Büro bestellen und ihn selber feuern", erklärte sie und folgte seinem Blick zu den Welpen. „Unser Büro?", fragte Draco irritiert und sah sie von der Seite her an. Die Brünette grinste schelmisch. „Na, wenn du nun offiziell der Geschäftsführer sein willst, solltest du nicht ein Büro haben, wo dich die Kunden auch antreffen können? Man kann nur so viel über E-Mail und Dinners machen", erklärte sie ehrlich und Draco beschlich das Gefühl, dass sie wesentlich besser für seinen Job geeignet war, als er. „Ähm, ja", stimmte er zu und runzelte die Stirn. Wieso war er da noch nicht selber drauf gekommen? „Paris oder London?", fragte Hermione unerwartet und nippte an ihrem Kaffee, während sie davon absah, Osiris zu verwarnen, der gerade einen Mini-Buchsbaum ausbuddelte. „Paris?", erwiderte Draco zögerlich und nickte als Antwort auf seine Frage. Es war mehr als wahrscheinlich, dass Hermione ihm weiterhelfen würde und mit den Hunden war es am einfachsten, in ihrer Nähe ein Büro zu suchen. Außerdem blieb so die Gefahr relativ gering, dass Hermione in die magische Welt gezogen würde. In London würde man sie zu schnell erkennen, selbst wenn sie nur einmal zu Besuch ins Büro kommen würde. „Wirklich?", fragte Hermione nach und sah ihn mit blitzenden Augen an. „Wirklich", erwiderte er und zwinkerte ihr zu, ehe sich beide wieder den Hunden zuwandten. Die junge Frau folgte ihren Zöglingen einen Augenblick mit ihrem Blick, bevor sie sich lächelnd dem Tagespropheten zuwendete. Ihre Augenbrauen rutschten nach oben und sie stellte ihre Tasse auf einem Beistelltisch auf der Terrasse ab, um die Zeitung besser in der Hand halten zu können. Aufmerksam las sie den Leitartikel des heutigen Tages. Es war eine Reportage über „Death Angel". „Komisch, ich dachte, es wäre ein Zufall gewesen, dass ich den Death Eater in den Muggelnachrichten gesehen habe", murmelte sie und lenkte damit Dracos Aufmerksamkeit auf sich. „Was meinst du?", fragte er und wandte sich ihr zu. Hermione hielt ihm die Zeitung entgegen. „Hier, der Mann auf dem zweiten Bild wurde in den Muggelnachrichten gezeigt. Und ich dachte, dass seine Ermordung in der Muggelwelt ein Zufall gewesen wäre. Aber wie es aussieht, gibt es einen Rächer, der alle tötet, denen man nichts nachweisen kann, wobei man weiß, dass sie mehr als nur Dreck am Stecken haben", erläuterte Hermione. Dracos graue Augen flogen über die Schlagzeile – „Death Angel, Schutzengel oder gefährlicher Rächer?" - und die Reportage. „Scheint so", kommentierte er nach einigen Momenten und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die Hunde. Die Braunhaarige wartete noch einen Augenblick, in der Hoffnung, dass er eine Diskussion über die Ethik dieses Fremden anfangen würde, zuckte dann aber nur mit den Schultern, als sie merkte, dass er kein Interesse an einem Gespräch zu haben schien. Dann würde sie jetzt in aller Ruhe ihren Kaffee zu Ende trinken, die Zeitung lesen und danach hoch in die Bibliothek gehen.
Staub wirbelte auf, als Hermione das Stammbuch vor sich aufschlug. Isis, die auf ihren Füßen lag nieste und guckte ihr Frauchen anklagend an. „Sorry", entschuldigte sie dieses automatisch und merkte erst, dass sie etwas Komisches getan hatte, als sie Dracos Lachen von der gegenüberliegenden Couch vernahm. „Lach nicht! Schon was gefunden?", schnappte sie und verschränkte die Arme vor ihrer Brust. „Wie man es nimmt", erwiderte er überraschenderweise und legte das Buch, welches er in den Händen gehalten hatte, auf den Tisch. „Hier steht, dass es neben den Veelas und den Partveelas noch eine weitere verbotene Art gibt." Hermione ließ ihre Arme sinken und erhob sich, um sich neben ihn zu setzten. „Eine verbotene Art?", fragte sie interessiert und las den Absatz, auf dem sein Finger ruhte. „Ja, aber mehr steht hier nicht, wenn man davon absieht, dass nach dem Verbot dieser Art vor mehr als eintausend Jahren kein Auftreten dieser verbotenen Art mehr bekannt geworden ist." Draco runzelte die Stirn und lehnte sich zurück. Er hatte das Gefühl, dass die Lösung zur Frage, was die verbotene Art war, offensichtlich sein musste und er sie bereits kannte, aber er kam einfach nicht darauf. Neben ihm seufzte Hermione enttäuscht und lehnte sich ebenfalls zurück. „Warum steht da nicht mehr über die verbotene Art? Konnte der Autor sie nicht einfach erklären?", grummelte sie verstimmt und legte den Kopf in den Nacken. Über ihr hing ein riesiger Kronleuchter, ähnlich dem, den sie bei ihrer Flucht zerstört hatten. Ein paar ungewollte Bilder flogen vor ihrem inneren Auge vorbei und sie schüttelte leicht den Kopf. Sie hatte Wichtigeres zu tun und die Erinnerungen waren Vergangenheit. Eine Vergangenheit, mit der sie leben lernen musste. Weglaufen und ignorieren brachte nichts. „Hast du auch das Gefühl, dass wir etwas übersehen?", fragte Draco in die Stille hinein und verschränkte seine Arme vor der Brust, nur um sie sofort wieder sinken zu lassen, als seine Verletzungen ihn mit einem freundlichen Zwicken an ihre Anwesenheit erinnerten. „Ja, es ist, als hätte ich die Lösung direkt vor meiner Nase, aber ich sehe sie nicht. Frustrierend, wenn du mich fragst", erwiderte die junge Hexe und massierte sich mit der linken Hand die Nasenwurzel. Im hellen Schein des Kerzenleuchters über ihnen konnte Draco die feinen Narben auf ihrem Unterarm erkennen und das Wort, welches seine Tante so kunstvoll eingeritzt hatte. Bitterkeit schwappte wie eine Welle über ihn. Nein, er hatte Hermiones Hilfe nicht verdient. Er hatte zugelassen, dass sie vor seinen Augen gefoltert worden war und als Dank brachte er sie auch noch an den Ort zurück, ließ sie in seiner Familiengeschichte herumwühlen, nur weil er eine Identitätskrise durchlebte. „Lass uns Schluss machen für heute. Wir haben den ganzen Tag hier gesessen und Bücher gewälzt", schlug die Brünette vor und erhob sich. Der Blonde sah sie überrascht an. „Impliziert deine Aussage gerade, dass du kein Buch heute mehr sehen willst?", fragte er und grinste spaßig. Das Grinsen rutschte ihm augenblicklich vom Gesicht, als sie nickte. „Jap, bevor du aufgetaucht bist, habe ich ehrlich gesagt kein Buch mehr wirklich gelesen… nach dem Krieg", erwiderte sie unbedacht und gähnte. Es war, als wäre Draco von einem Blitz getroffen worden, so reglos saß er auf der Couch und starrte seine Ehefrau ungläubig an. Hermione sah ihn an und musterte seinen erschrockenen Gesichtsausdruck. Ein entschuldigendes Lächeln legte sich auf ihre Lippen. „Es ist in Ordnung, Draco, ich bin lange genug gerannt", gab sie zu und damit verließ sie die Bibliothek. Sie war lange genug gerannt? Was meinte sie damit? Verwirrt erhob sich der Quidditchspieler und folgte ihr in seine Suite, die Hunde auf seinen Fersen.
Hermione lag noch lange wach, nachdem Draco bereits eingeschlafen war. Ohne zu fragen, hatte sie abermals Residenz in seinem Bett bezogen und er hatte nichts dazu gesagt, nicht mal eine Augenbraue gehoben. Vielleicht ahnte er, dass ihr in diesem Haus doch nicht ganz so wohl war, wie sie vorgab. Eventuell hatte er das aus ihrem Verhalten abgelesen. Sonst war sie eher neugierig und erkundete ihre Umgebung gerne, doch hier im Manor hielt sie sich strikt an die Wege, die Draco ihr zuvor gezeigt hatte. Im Grunde bewegte sie sich nur von seinem Zimmer zur kleinen Küche im Erdgeschoss des Mittelflügels, welche praktischerweise auch noch auf dem Weg zum Garten lag, in dem sie am Morgen mit den Hunden gespielt hatte. Den weitesten Weg musste sie zur Bibliothek zurücklegen. Dafür musste sie in das oberste Stockwerk des Mittelflügels und dann bis an die Grenze des Ostflügels, welcher Dracos Eltern gehörte. Dracos Zimmer lag am Ende des Westflügels ebenfalls im oberen Stockwerk. Allerdings gab es keine direkten Wege von hier aus. Man musste diverse Treppen rauf und runter. Das gesamte Manor glich eher einem Labyrinth. Sie hatte sich nicht nur einmal gefragt, wie Draco seinen Weg durch das Gebäude ohne Lageplan fand.
Es hatte sich etwas geändert. Heute im Garten hatte sie mit einem Mal realisiert, dass nicht nur Draco freundlicher zu ihr geworden war, sondern auch sie in ihrem Umgang mit ihm. Freundlicher war hier vielleicht das falsche Wort, vertrauter wäre wohl passender. Es war schon komisch, wie sie sich schleichend zu dem entwickelt hatten, was sie nun waren. Nicht, dass es dafür auch nur im Entferntesten eine Bezeichnung gab. Sie wusste ja selber nicht einmal genau, was sie waren. Okay, klar auf dem Papier waren sie Mann und Frau, aber von dem Vorgetäuschten einmal abgesehen. Was genau waren sie? Feinde auf keinen Fall mehr, diese Stufe hatten sie nach der Endschlacht verlassen und waren eher zu einem neutralen Irgendwas gewechselt. Doch nun befanden sie sich in einem positiven Irgendwas? Anscheinend. Mal ehrlich, vor etwas mehr als 5 Wochen hatte sie noch ein ruhiges, zurückgezogenes Leben in Paris geführt ohne einen Gedanken an Draco zu verschwenden. Und nun war sie mit ihm verheiratet, löste seine Firmenprobleme, besaß zwei Hunde mit ihm, besuchte Quidditchspiele, suchte nach Lösungen für sein Genetikproblem, stritt sich, vertrug sich… Sie lebte wieder, realisierte sie mit einem Mal. Natürlich hatte sie auch vor Dracos Auftauchen gelebt, aber nicht richtig. Sie konnte sich noch gut an den Moment erinnern, als sie vor etwas über einer Woche hinter dem Auto gestanden hatte, bevor sie nach England gefahren war und über ihre Gründe sich mit ihm zu treffen, nachgedacht hatte. Ein großer Punkt war gewesen, dass sie das Gefühl gehabt hatte, an sich selbst zu verzweifeln, da sie sich in den letzten drei Jahren nicht mehr wie sie selbst gefühlt hatte. Schon komisch, dass ihr nun eine Woche später auffiel, dass sie sich, seit Draco wieder in ihrem Leben war, immer mehr wie sich selbst fühlte. Klar, sie hatte noch ungewollte Erinnerungen, Ängste, doch sie war weitaus mehr sie selbst, als an irgendeinem Punkt in den letzten drei Jahren. Das Bett bewegte sich hinter ihr und Hermione spürte, wie Draco sich erhob. Kurz war sie versucht, ihre Augen zu öffnen und ihn zu fragen, was los sei, als sie es sich anders überlegte. Wollte sie wirklich hören, wie er ihr erklärte, dass er mal auf die Toilette musste? So ein absolutes Klischee wollte sie doch irgendwie vermeiden. Hermione unterdrückte ein Gähnen und rollte sich auf die andere Seite, während sie lauschte, wohin Dracos Schritte ihn führten. Sie konnte keine Schritte ausmachen. War sie eingeschlafen und er war zwischenzeitlich wiedergekommen? Das gab es ja, dass man dachte, man sei wach und in Wirklichkeit hatte man eine gute Portion Schlaf hinter sich. Irritiert öffnete sie nun doch die Augen und sah auf seine Bettseite, welche leer war. Suchend setze sie sich auf und ließ ihren Blick durch den Raum gleiten, die Tür zum Badezimmer stand offen und es war kein Licht in dem Raum. Sie bezweifelt irgendwie stark, dass Draco im Dunkeln und mit offener Tür aufs Klo ging, wenn sie im Nebenraum lag. Der begehbare Kleiderschrank war ebenfalls dunkel und die Tür war wie zuvor am Abend angelehnt, die Balkontüren auch unverändert geöffnet. Moment! Hermione runzelte die Stirn und starrte auf einen schwarzen Schatten auf dem Boden bei der Balkontür. Langsam schob sie sich aus dem Bett, tapste die paar Stufen hinunter in den Wohnbereich und ging zur Tür. Dort lagen vereinzelt schwarze Federn auf dem Boden. Zögerlich bückte sich die junge Hexe und hob eine der seidenweichen Federn auf. Warum bei Merlins alten Socken flog Draco bitte mitten in der Nacht draußen herum und das auch noch mit seiner Verletzung? Klar, er hatte sich heute relativ gut bewegen können, aber verheilt war das Ganze noch lange nicht. Mit einer Mischung aus Besorgnis und Wut über seine Unvernunft blickte sie hoch in den Nachthimmel. Wo war er nur?
