- Kapitel 14 -

Sein Herz offenbaren

Tarsuinn hasste es, wenn Snape zufrieden war, denn es bedeutete meist, dass irgendein Schüler leiden musste. Doch ein unzufriedener Snape war noch schlimmer – und leider stellte das den Standardzustand dar. Doch heute war es ganz extrem, was Tarsuinn im Moment aber nicht störte. Stattdessen lächelte er und bereitete den Regenbogentrank zu. Er war sich absolut sicher, dass Snape diesen Trank herausgesucht hatten, um ihn endlich mal scheitern zu sehen. Tarsuinn war sehr gespannt, ob der Lehrer irgendwann herausfand, warum das nicht geschehen würde. Natürlich betrog Tarsuinn nicht wirklich – zumindest sah er das so. Ein paar Runen, kombiniert mit seinem Farbzauber und schon flüsterte ihm sein Kessel jede Farbänderung zu, die der Inhalt durchmachte. Tarsuinn musste zugeben, mit jedem weiteren Tag verstand er Marie-Anns Faszination für Alte Runen besser. Ja, es war ein schwieriger, aufwendiger, langsamer und vor allem komplizierter Weg Magie auszuüben, aber er war auch sehr persönlich. Mehr als nur ein Handwerk. Wichtiger für ihn jedoch war, dass man über jede Nuance die Kontrolle und Fehler immer einen nachvollziehbaren Grund hatten.

Professor Snapes Schritte verklangen direkt vor Tarsuinns Kessel.

„Beige, blassgelb, hellgelb, gelb, zitronengelb, eigelb, tiefgelb, dunkelgelb, rosa…", zwitscherte sein Kessel leise in einer wohlbekannten Stimme und in sehr schnellem Tempo. Snape konnte das nicht hören, dafür war es zu leise. Tarsuinn wartete bis popelgrün und warf die entsprechende Zutat hinein. Frisch musste diese sein, aber zum Glück hatte der Oktober recht kühl und regnerisch begonnen und ein leichter Schnupfen ging gerade um.

Dann wartete er auf zweimal zitronengelb und dreimal schimmelgrün und gab auch dieses Zeug dazu. Kurz darauf folgte noch schnell hintereinander blutrot und froschgrün und dann hatte er auch schon Phase drei überstanden. Nun konnte er sich fünf Minuten entspannen und musste nur zwei Mal links und fünf Mal rechts herum rühren. Sobald der Trank zehnmal die Farben des Regenbogens durchlaufen hatte, würde dann die vierte und letzte Phase folgen. Obwohl nicht nötig, las er noch einmal mit den Fingern in seinem neuwertigen Zaubertrankbuch jeden der noch übrigen Schritte nach.

Professor Snape ging ohne ein Wort davon.

Winona nutzte die Gelegenheit, als der Lehrer weiter vorn einen Hufflepuff-Jungen fertig machte, um ihm eine Warnung zuzuflüstern.

„Er hat ganz fies gegrinst", sagte sie kaum hörbar.

Tarsuinn nickte ganz leicht zum Zeichen, dass er verstanden hatte. Trotzdem beschloss er, sich keine Sorgen zu machen. Die Kesselstimme war fast so leise wie ein Buch und die Runen hatte er unter den Kesselboden geritzt, da wo das Feuer sie vor Blicken schützte.

Unbesorgt nahm er seine Finger aus dem Buch und tat lieber etwas Sinnvolles – er begann die fast unbewegliche Tikki zu streicheln, die neben dem Buch lag. Aufs Rühren und Zählen musste er sich nicht konzentrieren. Da war schon das ungesunde Puff von Winonas Trank ein größeres Problem. Das Mädchen musste schwer husten.

„Darkcloud!", war natürlich Snape sofort zur Stelle. „Das hätte ein Blinder gesehen, dass dies die falsche Farbe war. Vielleicht sollte ich Sie zu Madame Pomfrey schicken, wenn Sie nicht einmal cyan von türkis unterscheiden können! Und hören Sie endlich auf die giftigen Dämpfe Ihres Versagens einzuatmen. Aber da Sie offensichtlich nicht in der Lage sind, Ihren Abfall selbst aufzuräumen – Evanesco!"

Nicht ablenken lassen, sagte Tarsuinn zu sich selbst. Nicht wütend werden. Es ist nur Snape! Der ist immer so.

Er hatte auch gar nicht die Zeit, sich zu ärgern. In der letzten Zubereitungsphase musste man dreizehn Zutaten mit jeweils sieben Anteilen in den Sud werfen. Da blieb einfach keine Zeit sich aufzuregen. So konzentrierte er sich auf den Trank. Um Snape zu ärgern, musste man einfach nur trotz der Gemeinheiten des Mannes etwas erreichen.

Trotzdem verfiel Tarsuinn ab der fünften Zutat in leichte Hektik. Sobald der Kessel eine Farbe angesagt hatte, hatte er nur wenige Augenblicke, um das Richtige hinzuzufügen. Sollte er mit der Zutat zu spät dran sein, endete die Sache in einem kleinen Desaster. Zum Glück kannte er die Reihenfolge inzwischen auswendig. Trotzdem landeten die abschließenden Libellenflügel und die Pfauenfeder fast zu spät im Kessel. Geduldig wartete er auf das Ergebnis. Wenn es schiefgegangen war, konnte er auch nichts ändern und Snape hätte endlich mal etwas, über das er sich freuen konnte. Während des Wartens hörte er noch einmal dem Zaubertrankbuch zu, welches eben das erwünschte Endergebnis beschrieb, und in diesem Moment erkannte er seinen Fehler. Doch es war zu spät. Der Trank nahm die Farben des Regenbogens an und sein Kessel versuchte alle Farben gleichzeitig anzusagen, wobei er sich immer weiter zu übertönen versuchte. Selbst ein fast tauber Rentner mit Hörsturz und Knalltrauma hätten das gehört und so war es kein Wunder, dass sich Tarsuinn, und sicher auch alle anderen im Raum, die Ohren zuhalten musste. Keine fünf Sekunden später endete jedoch der Lärm in einem abschließenden und langgezogenen Rülpsen.

„Scheiße, waren das viele Farben auf einmal", sagte der Kessel laut.

Der halbe Raum kicherte verhalten, während der Rest vor Angst aufstöhnte. Warum nur hatte Tarsuinn auch unbedingt dem Kessel Professor Snapes Stimme verleihen müssen? Als er vor einer Woche auf diese Idee gekommen war, hatten Merton und er es noch für lustig gehalten. Schließlich waren sie davon ausgegangen, dass nur Tarsuinn es würde hören können.

„Heh du, Nasenbär", fuhr der Kessel zu Tarsuinn Entsetzen fort. „Ja, du! Der mit mehr Fett im Haar, als jeder Fischotter im gesamten Fell. Schon gemerkt, dass das Feuer mich fast zum Schmelzen bringt, wenn keine Flüssigkeit mehr in mir brodelt. Also, nimm deine Spinnenfinger und dreh den Brenner aus..."

Ingis Inferna!", zischte Snape und klang richtiggehend wütend – zumindest mehr als sonst. Tarsuinn duckte sich vorsichtshalber hinter dem Tisch ab.

Der Kessel verstummte umgehend in einem ungesund klingenden Ächzen. Gleichzeitig verklang auch das letzte verhaltene Kichern und eine ängstliche Stille durchzog den Raum. Von Tarsuinns Kessel ging eine unnatürliche Hitze aus, die ihn warnte, nichts anzufassen. Zusätzlich warnte ihn auch noch Tikki vor Feuer.

Ganz langsam und vorsichtig schob er seine Nase wieder über die Tischkante.

„Zwanzig Punkte Abzug für Ravenclaw für den Betrug, zehn für den verpfuschten Trank und weitere zwanzig für das unautorisierte Verwenden permanenter Runen!"

„Ich habe nicht betrogen", wagte Tarsuinn zu widersprechen. Er gab sich Mühe, seine Stimme möglichst ruhig klingen zu lassen. Niemand sollte denken, dass er sich schämte oder gar Angst hatte.

„Das zu entscheiden ist nicht an Ihnen!", sagte Snape geradezu angewidert.

„Aber ich hätte sonst niemals eine Chance gehabt, diesen Trank..."

„Wenn Sie sich nicht dazu in der Lage sehen einen Trank zu brauen, aufgrund welcher Minderwertigkeiten auch immer, dann hätten Sie mir dies mitteilen müssen und ich hätte dann entschieden, ob, und in welchem Maß, Sie Hilfestellung benötigen."

„Was Ihnen natürlich erst jetzt..."

„Still!", herrschte Snape ihn wütend an und er klang dabei ein wenig wie der Narr, wenn Tarsuinns Widerstand diesen frustrierte. „Dieser Trank ist nicht nur dazu gedacht, magisch erschaffene Dinge und Wesen mit einer Art Seele zu versehen. Seine Zubereitung soll auch die Augen für die verschiedenen Farben schulen."

„Aber seine Augen...", unterbrach Winona zornig.

„Noch eine Unterbrechung...!", drohte Snape - plötzlich sehr leise. „McNamara, Strafarbeit am Samstag. Neun Uhr. Nehmen Sie sich für den Rest dieses Tages nichts vor."

Tarsuinn nickte leicht zur Bestätigung und hoffte, dass Winona nichts dazu sagen würde. Für ihn war es offensichtlich, dass Snape es darauf angelegt hatte, ihn mal wieder am Samstag zu beschäftigen. Allein die Ausrede – Tarsuinn hätte vorher fragen sollen – war völlig an den Haaren herbeigezogen. Ein guter Lehrer wäre von selbst und vorher auf ihn zugekommen und hätte eine Lösung angeboten. Oder aber – was sicher Professor Dumbledores Lösung gewesen wäre – man erwartete von dem Schüler eine selbstständige Lösung. Dann durfte aber auch nicht gemeckert werden, wenn einem die Umsetzung nicht gefiel. Woher sollte denn Tarsuinn wissen, dass es auch für die sehenden Schüler eine Herausforderung war, Farben voneinander zu unterscheiden? Gedankenlesen zählte schließlich nicht zu seinen Talenten. Was bedeutete – die Strafarbeit war unvermeidlich gewesen und deshalb ärgerte er sich nicht sonderlich darüber.

Ganz im Gegensatz zu Winona, die zwar wirklich im Unterricht still geblieben war, aber dafür nach dem Pausenklingeln gehörig über Snape schimpfte.

„Mögen die Kojoten mit seinen Knochen spielen und sein Geist auf ewig durch die Kloaken geistern", schimpfte sie heftig, sobald sie ein wenig Sicherheitsabstand zum Kerker hatten.

„Sehr blumig, Winona", grinste Tarsuinn. „Jetzt noch eine passende Fluchformel dazu..."

„Ach, halt die Klappe", gab sie ihm einen ihrer berüchtigten Rippenstöße. „Snape hat dir deinen Kessel geschmolzen. Einfach so! Stattdessen hätte er nur die Trankwirkung neutralisieren müssen."

„Dazu war er viel zu sauer", mischte sich Merton lachend ein. „Hast du nicht seine Augen gesehen, als der Kessel anfing, ihn mit seiner eigenen Stimme zu beleidigen?"

„Und ob ich das gesehen habe. Aber das gibt ihm trotzdem nicht das Recht!"

„Er wird ihn ersetzen", meinte Tarsuinn überzeugt. „Ich muss mir ja jetzt einen neuen kaufen. Meinen kleinen eigenen werde ich sicher nicht riskieren."

„Woher nimmst du nur deinen Kinderglauben?", erkundigte sich Winona und klopfte leicht gegen seine Stirn. Von ihr ließ er sich das ohne Widerwillen gefallen. „Snape wird dir den Kessel niemals ersetzen! Denn wenn er das tut, dann würde er ja einen Fehler eingestehen müssen."

„Ich bin nicht naiv, wenn du das meinst", meinte Tarsuinn überlegen. „Natürlich wird er mir nur eine Leihgabe für den Rest des Schuljahres geben, aber er wird es tun. Das ist jetzt was anderes als mit meinem Spielzeugzauberstab und als ich auch noch reich war. Heute weiß er, dass ich mich bei Professor Flitwick beschweren werde, wenn er nicht irgendwie einen Ausgleich schafft. Schließlich habe ich den größeren Kessel für dieses Jahr von dem Unterstützungsgeld bezahlt."

„Und ich stell mir gerade vor, wie Snape dem Schulfinanzausschuß erklären muss, warum es unbedingt nötig war, den Kessel zu schmelzen", lachte Merton. „Ob es denn, bei seinen herausragenden Fähigkeiten als Meister der Zaubertränke und Zauberer, nicht eine Alternative gegeben hätte"

„Ich denke, das würde niemand zu fragen wagen", fand Winona und schien sich doch ein wenig beruhigt zu haben. „Was mich jedoch ein wenig verwirrt ist, warum ich ohne Strafe davongekommen bin! Ich weiß nicht, Snape ist für seine Verhältnisse irgendwie... na ja, irgendwie..."

„Zahm", half Merton aus. „Damit meine ich nicht, dass er weniger gemein als sonst wäre, aber er lässt dieses Jahr irgendwie das Vergnügen am Schüler quälen vermissen. So als würde ihn etwas viel mehr beschäftigen."

„Vielleicht liegt es am Turnier", vermutete Tarsuinn. „Kann ja sein, dass er da eine wichtige Rolle spielen muss."

„Wenn das stimmt, sehe ich schwarz für die Überlebenschancen der Champions", sagte Merton ernst.

„Ich denke, es liegt eher an Professor Moody", sagte Winona leise und klang dabei nicht so, als würde sie Mutmaßungen anstellen.

„Warum denn das?", erkundigte sich Merton folgerichtig.

„Ach, ich vergesse immer wieder, dass die meisten hier solche Sachen nicht wissen, weil deren Eltern ihren Kindern solche Sachen nicht erzählen – oder selbst keine Ahnung haben", brummte Winona. „Und eigentlich sollte ich ja auch meine Klappe halten!"

„Jetzt ist es ja wohl dafür zu spät, oder?", grinste Tarsuinn hinterhältig.

„Ja, ja", gab Winona ohne Widerstand auf. „Aber wenigstens haltet ihr die Klappe, okay?"

„Wir werden genauso verschwiegen sein wie du?", formulierte Merton hinterhältig.

„Das bedeutet, ihr werdet es über zwei Jahre für euch behalten müssen", meinte Winona säuerlich und lachte kurz auf. „Damit kann ich gut leben."

„Und?", fragte Merton drängend. „Was ist nun das große Moody-Snape-Geheimnis? Waren sie mal ein Paar, oder so?"

„Sag so was nie wieder", forderte Winona eindringlich, aber sehr leise. „Oder willst du dich mit einem Ex-Todesser anlegen?"

Für einen Moment schien für Tarsuinn die Zeit stillzustehen. Alle Geräusche und Gerüche waren seltsam gedämpft und langgezogen. Was so eine Nachricht alles anrichten konnte, war schon erstaunlich.

„Gehörte er zu denjenigen, die unter dem Imperius-Fluch standen oder es behaupteten?", fragte er flüsternd.

„Nein", antwortete Winona sofort. „Meine Eltern haben damals Professor Dumbledores und Professor Moodys Aussage bezeugen dürfen. Beide sagten aus, dass Snape zum Todesser verführt worden war, aber von sich aus Ihr-wißt-schon-wen verriet, lange bevor er von Harry Potter vertrieben wurde. Er hat für Dumbledore als Spion gearbeitet."

„Und so seinen Kopf aus der Schlinge gezogen", meckerte Merton. „Wenn ich mir nur vorstelle, wie gut es uns hier ohne ihn gehen könnte!"

„Du hast ein sonniges Gemüt", schimpfte Winona. „Verstehst du denn nicht? Snape hat die Fähigkeit und die Nerven Ihr-wisst-schon-wen zu täuschen und zu verraten. Dumbledore war völlig von Snape überzeugt, während Moody ein wenig – ähem – zurückhaltender war."

„Weshalb?", erkundigte sich Tarsuinn.

„Nun, er meinte wohl, dass Snape den letzten Beweis seiner Loyalität nicht erbracht hat, weil Der-dessen…"

„…blah blah blah…", murmelte Merton grinsend, was ihm sicher einen sehr bösen Blick einbrachte.

„…Name-nicht-genannt-werden-darf vorher ablebte, vertrieben wurde – was auch immer. Moody hat dafür gestimmt, Snapes Zauberrechte einzuschränken."

„Schade, dass er sich damit nicht durchgesetzt hat!", sagte Merton, als wären Winonas Worte an ihm vorübergegangen.

„Du denkst also, Winona…", meinte Tarsuinn etwas ernster, „…dass Snape durch Moody abgelenkt ist?"

„Na klar. Allein was Moody uns ständig in Dunkle Künste versucht einzubläuen", passend zum Anlass verstellte Winona die Stimme. „Denkt immer daran! Viele Todesser wurden niemals überführt. Und manche sind vielleicht näher, als ihr denkt. Ich wette, damit meinte er Snape."

„Ein wenig ist das genauso wie das, was Snape letztes Jahr mit Lupin-san gemacht hat", sann Tarsuinn. „Aber während Snape log, als er gegen Lupin-san hetzte – er hielt ihn nicht wirklich für gefährlich – höre ich bei Moody überhaupt keine Lüge. Er glaubt felsenfest, dass ein Todesser unter uns sein könnte."

„Ja, aber dies würde er auch glauben, wenn er im Glücksbärchen-Land eingesperrt wäre", amüsierte sich Merton frech. „Moody ist zwar ein cooler Lehrer, aber nen Sockenschuß hat er trotzdem!"

Dem war eigentlich nichts mehr hinzuzufügen und da Tarsuinn und Winona zu Alte Runen mussten, trennten sie sich von Merton, der sich gleich mit Toireasa Muggelkunde antun musste.

Kurz bevor sie das Atrium, den Unterrichtsraum für Alte Runen, erreichten, gabelte sich der Weg.

„Oh, Mist!", fluchte das Mädchen. „Sag nicht, wir hatten Hausaufgaben?"

„Doch, hatten wir", runzelte Tarsuinn die Stirn. „Ich hab dich doch gestern noch gefragt, ob du Hilfe brauchst."

„Mag sein", murmelte Winona unglücklich. „Aber da dachte ich noch, wir könnten zusammen die Tür öffnen. So wie immer halt. Aber diesmal hat sie die Wege aufgetrennt. Über dem linken steht mein Name und über dem anderen deiner. Mist! Ich hab doch keine Ahnung von dem Schrott."

„Versuch einfach die Schlüsselrune zu finden. Dann kann nicht viel passieren", versuchte Tarsuinn zu helfen.

„Hast du nicht zugehört?", fragte Winona unglücklich. Das Mädchen verlor nicht gern und mochte es auch gar nicht, wenn man sie bei Fehlern erwischte. „Ich hab nicht mal Ahnung, was eine Schlüsselrune ist."

„Aber das hat doch Professor Vaughan letzte Stunde ausführlich erklärt."

„Nun, dann hab ich wohl in der letzten Stunde halt auch nicht aufgepasst."

„Wie geht…", staunte Tarsuinn.

„Nicht jeder hängt an den Lippen dieser Ledertussi wie du", fauchte Winona und stapfte entnervt davon.

Sie nahm es wirklich nicht gut auf, dass sie mal in einem Fach nicht auf Anhieb gut war. Zaubertränke schob sie ja einzig und allein auf Snape, aber in Alte Runen gab es diese Ausrede nicht. Ganz im Gegenteil! Professor Vaughan kümmerte sich wirklich intensiv und sehr geduldig um jeden einzelnen Schüler. Besonders um die, die nicht so gut waren – wie zum Beispiel Winona. Schulterzuckend ging er in seinen Gang. Das Schloss rings um das Atrium zeichnete sich durch eine extreme Wandlungsfähigkeit aus. Am Ende seines Weges fand er dann auch die erwartete Aufgabe, die seinen Lernforschritt und die Erfüllung der Hausaufgaben testen sollte. Tarsuinn las die Runen mit der gesamten Handfläche und konnte sogar ein leichtes, unförmiges Leuchten sehen.

Abfällig pfiff er durch die Zähne. Professor Vaughan hatte einfach das Gewicht eines großen Steins um das Tausendfache erhöht und dabei als kleine Falle die Schlüsselrune so gemein eingesetzt, dass sie beim Umdrehen das Gewicht nicht auf ein Tausendstel reduzieren, sondern die Gewichtskraft umdrehen würde.

Armes Glasdach, dachte Tarsuinn lächelnd an Winona und verdrehte erst die sekundäre Schlüsselrune, bevor er die primäre veränderte. Dafür, dass dies nur in einem Nebensatz im Buch erwähnt worden war, war dies schon ein wenig fies.

„Ich denke, es ist Zeit für dich, ein wenig spielen zu gehen, Tikki", sagte Tarsuinn und streichelte seine kleine Freundin. „Letztes Mal hat sie schon angefangen zu niesen, gleich als sie dich gesehen hat. Ich schätze, dies ist bei ihr so ´ne Psycho… irgendwas oder so. Lassen wir sie also lieber wie immer in Ruhe."

„Ja, ja. Ich weiß, du spielst nicht, sondern hältst nach Gefahren Ausschau."

„Wenn du das sagst…"

Fröhlich fiepend lief Tikki davon.

Soweit er es richtig verstand, wollte sie Mrs Norris ein wenig ärgern, auch wenn sie es irgendwie anders ausgedrückt hatte. Aber wenigstens wollte sie sich auch nach Patsy umsehen. Dafür hatte Tarsuinn weder die Zeit, noch die Statur, weshalb er leider am Unterricht teilnehmen musste. Aber was hieß hier leider. Alte Runen war einfach das beste Fach – dank Professor Snape.

Lässig und mit einer Hand schob Tarsuinn den Stein beiseite. Er hatte sich absichtlich ein wenig Zeit damit gelassen, weil ihm das Lob von Professor Vaughan inzwischen ein wenig unangenehm war. In keinem anderen Fach stand er so positiv im Mittelpunkt wie in Alte Runen. Zwar lag er auch und in Geschichte und Zaubertränke deutlich über dem Durchschnitt – das war Tatsache und deshalb verschloss er die Augen nicht davor – aber weder Snape noch Professor Binns machten irgendein Aufheben darum. Bei ihnen konnte man gut sein, ohne groß aufzufallen. Bei Professor Vaughan jedoch…

„Gut gemacht, Tarsuinn", begrüßte ihn die Lehrerin. „Aber du solltest dir nicht angewöhnen zu spät zum Unterricht zu kommen, nur weil dir die Aufgaben leicht fallen."

„Ich war nicht zu spät, Professor", erklärte Tarsuinn ehrlich und ging vorsichtig zu seinem üblichen Platz.

„Dann solltest du nicht so herumtrödeln", fand die Lehrerin und dem konnte Tarsuinn nicht ohne zu lügen widersprechen. „So hast du gute fünf Punkte für dein Haus verschenkt!"

„Der hätte nie eine Chance gegen uns gehabt", flüsterte Regina leise.

Tarsuinn ignorierte sie und auch die fünf Punkte. Außerdem krachte gerade einer der Steine durch das Glasdach, welches sich jedoch schon wieder repariert hatte, bevor auch nur eine Scherbe den Boden erreichte.

„Und wieder ein kleiner Glücksbringer auf dem Weg", kommentierte die Professorin. „Na, Winona? Wie gründlich hatten wir denn unsere Hausaufgaben gemacht?"

„Anscheinend nicht gründlich genug", murmelte Winona in einer guten Imitation einer Schülerin, die trotz vielen Lernens versagt hatte.

„Das wird schon noch", versprach die Lehrerin aufmunternd und in Verkennung der Lage. „Zumindest hast du die primäre Schlüsselrune in der Quaderanordnung richtig identifiziert."

„Wenn Sie meinen, Professor."

Winona wurde mit zunehmendem Alter eine immer bessere Lügnerin, fand Tarsuinn.

„Hast du es doch geschafft", beglückwünschte Tarsuinn leise das Mädchen, als sie sich zu ihm setzte.

„Wozu ein Abzählreim doch alles gut sein kann", kicherte sie verhalten und war dank diesem glücklichen Erfolg offensichtlich wieder bester Laune.

Nach Winona kamen noch neun weitere Schüler, bei denen vier Steine fliegen gingen. Erst danach ließ Professor Vaughan die drei letzten Schüler ein, nicht ohne ihnen gleich einen Minuspunkt und zusätzliche Hausaufgaben aufzubrummen. Es freute Tarsuinn sehr, dass damit Slytherin zwei der fünf Punkte wieder verlor.

Danach begann der übliche Unterricht, wobei Winona hier ein wenig Unrecht gehabt hatte. Tarsuinn hing nicht an den Lippen der Professorin. Im Gegenteil! Er langweilte sich. Das war aber seine eigene Schuld. Zum einen lasen seine Finger Runen wie von selbst, zum anderen bekam er durch Marie-Anns Tagebuch immer mehr Übung. Außerdem hatte er auch noch begonnen, nachts das Lehrbuch vorzulesen. Noch ein paar Wochen und er musste sich den zweiten Band besorgen. Leider war sein gesamtes Feriengeld für das besonders gute Zaubertrankbuch und die Zutaten draufgegangen. Rica schickte ihm zwar inzwischen ein wenig Taschengeld, aber sie würde sicher nicht wollen, dass er damit ein Buch kaufte, das sie nächstes Jahr geschenkt bekamen oder sich sogar selbst besser leisten konnten als jetzt. Wenn Rica ihr Abitur schaffte, bekam sie vielleicht einen besser bezahlten Job als das Ding vom Zaubereiministerium. Das, was sie momentan machte, brachte zwar zwei Löhne ein, aber zwei kleine Beträge machten noch immer keinen großen. Vielleicht konnte Tarsuinn in den nächsten Ferien wieder ein wenig helfen. Immerhin hatte er mitbekommen, wie seine Schwester versucht hatte, Medir von der Idee zu überzeugen, aus Cutters Bruchbude eine ständige Pension zu machen. Musste er dann halt für Fremde kochen. Solange er nicht die volle Show bringen musste, konnte er sich dazu überwinden. Vor der Klasse sprach Professor Vaughan über die Gefahren einer unsauberen Glück-Wunsch-Rune. Mit dem Zeichenstock malte er mechanisch die geforderte Rune in den Sand. Das alles waren nur Grundlagen. Vorschlaghämmer relativ zu dem kleinen Stups, den es meist nur brauchte.

Marie-Ann hingegen war nach und nach eine Künstlerin geworden. Jeder kleine Schnörkel, jeder kleine zusätzliche Haken war gewollt und veränderte den Text um eine Kleinigkeit. Unwillkürlich schweiften seine Gedanken zu dem toten Mädchen. Er hatte in der Nacht gelesen, wie fuchsteufelswild ihre Eltern geworden waren, nachdem das Ministerium auf ihren Rattenbrief reagiert hatte und unangekündigt bei den Holts aufgetaucht war. Marie-Ann hatte einfach nur geschrieben, dass ihre Eltern sehr böse auf sie gewesen waren. Tarsuinn las jedoch von einer schmerzhaften Strafe. In dieser Nacht musste das Mädchen zum ersten Mal an Selbstmord gedacht haben, doch die Hoffnung auf Hogwarts hatte sie davon abgehalten.

Allein wie sie ihren Gemütszustand in einer einzigen Rune ausgedrückt hatte, war beeindruckend gewesen. Eine ganze Seite des Buches war angefüllt mit ineinandergehenden Runen. Allein genommen hatten sie keinen Sinn ergeben, aber als Ganzes…

„Was in des Verfluchten Namens machst du da?", herrschte Professor Vaughan jemanden an. „Tarsuinn! Hör sofort auf damit und beweg dich nicht mehr!" Er erstarrte völlig überrascht. „Die anderen, raus hier. Sofort! So als würde es brennen.

„Aber das tut es doch gar nicht!", sagte Regina vorlaut.

Plötzlich prasselten um Tarsuinn herum Flammen und es wurde sehr heiß und stickig.

„So, jetzt brennt es!", teilte Professor Vaughan überflüssigerweise mit. „Motiviert das etwas?"

Von etwas konnte überhaupt keine Rede sein. Tarsuinn fühlte ein unangenehmes Ziehen in seinem Kopf, das versuchte, ihm Angst zu machen. Was natürlich Quatsch war, denn schließlich würde Professor Vaughan sicherlich nicht sich und ihre Schüler verbrennen. Wahrscheinlich war ihrer Feuerillusion ein Zauber beigemischt, der Angst machen sollte und das logische Denken unterdrückte.

Zehn Sekunden später waren er und die Professorin allein. Selbst Winona war geflüchtet.

„Wer zur Hölle hat dir das beigebracht und spinnst du völlig, das vor allen anderen hier zu machen? War das deine Schwester?"

Hätte Tarsuinn dumm glotzen können, es wäre sicher der richtige Moment dafür gewesen.

„Häh!", formulierte er nicht gerade intelligent.

„Sag bloß…? Nein! Lass die Finger im Sand! Sag mir, bist du fertig mit der Herzrune?"

„Mit was?", fragte Tarsuinn nun völlig verwirrt.

„Das, was du in den Sand gemalt hast! Jetzt sag nicht, du hast einfach nur in dem Sand herumgekritzelt."

„Doch, irgendwie schon", gestand er.

„Oh je", stöhnte die Professorin auf und riss sich dann aber hörbar zusammen. „Wenn ich dich nicht unterbrochen hätte, hättest du weitergezeichnet?"

„Keine Ahnung, Professor. Ehrlich!", versicherte Tarsuinn, der erst jetzt wirklich bemerkte, dass seine beiden Zeigefinger im Sand steckten.

„Dann anders. Würdest du weiterzeichnen wollen?"

Angestrengt dachte er über die Frage nach – dann nickte er langsam. Seine Finger hatten etwas vor.

„Gott sei Dank", entfuhr es der Professorin und er hörte sie tief durchatmen. Pass auf! Du wirst jetzt deine Hände zu Fäusten ballen und dann die Rune rückwärts auslöschen. Lass dir dabei ruhig Zeit und versuch, keinen Fehler zu machen."

„Aber warum…?"

„Danach ist die Zeit für Antworten!"

„Könnten Sie dann wenigstens das Feuer löschen?", bat Tarsuinn. „Es würde mir sehr helfen!"

„Oh ja. Glatt vergessen. Eigene Illusionen ignoriert man immer so schnell."

Es wurde wieder kühler im Raum und so machte Tarsuinn sich an die geforderte Aufgabe. Oder genauer – seine Hände taten es. Er selbst hatte keine Ahnung, was eben vor sich ging. Es war nur störend, wie Professor Vaughan ihm ständig über die Schulter sah. Sie war viel zu nahe, als dass er sich wohlfühlen konnte. In weiter Ferne hörte er eine Mädchenstimme mit jemandem reden.

„Fertig", verkündete er trotzdem nach nur fünf Minuten. Ein wenig erstaunt war er schon, wie umfangreich und kompliziert er um sich herum in den Sand geschrieben hatte. Einige Stellen konnte er nur erreichen, wenn er sich weit nach vorn beugte.

„Sehr gut gemacht", sagte Professor Vaughan, aber diesmal klang ihr Lob falsch. So als wüsste sie gar nicht so recht, was sie sagen sollte. Obwohl sie behauptet hatte, mit Tarsuinns Arbeit zufrieden zu sein, nahm sie ihm seine Holzleiste aus der Hand und glättete noch einmal selbst den Sand.

„Darf ich Sie fragen, was los ist, Professor?", erkundigte sich Tarsuinn neugierig.

„Du weißt es wirklich nicht? Spiel mir jetzt ja nichts vor. Diese Sache ist zu ernst, als dass wir für solche Kindereien Zeit hätten."

„Ich lüge nicht", versicherte Tarsuinn die Wahrheit zu sagen.

„Seltsam", brummte die Lehrerin nur. „Und niemand – auch deine Schwester nicht – hat dir das beigebracht?"

„Was beigebracht?", wurde Tarsuinn langsam ungeduldig. „Sie sagten vorhin etwas von einer Herzrune, aber ich habe überhaupt keine Ahnung, was das ist. Es klingt nicht mal vertraut."

Einen langen Moment war Professor Vaughan sehr still. Tarsuinn versuchte vorsichtig ihre Gefühle zu erfassen, was sich als gar nicht so einfach herausstellte. Die Lehrerin war nicht gerade einfach gestrickt und von ihr ging ein einziges Chaos an mühsam kontrollierten Emotionen aus. Zumindest war es aber keine unterdrückte Wut, mit der Professor Snape Tarsuinn manchmal schaudern ließ.

„Du hast sicher schon einmal die Redewendung: Jemandem sein Herz schenken, gehört, oder?", sagte Professor Vaughan schließlich.

„Natürlich", sagte er. „Das sagen sie in fast allen Filmen, die Rica so toll findet."

„Wer ist… egal. Zumindest hat diese romantische Redewendung eine sehr reale Grundlage. In den Anfängen der Magie war es zwischen Hexen und Zauberern üblich nicht ihr Herz – wie auch – sondern ihre Herzrune als Pfand ihrer ehrlichen Liebe auszutauschen. Heutzutage würde man es vielleicht als eine Mischung aus Ehevertrag und Ringtausch sehen."

„Hab ich dann Ihnen oder Winona eben die Ehe versproche…?", war Tarsuinn plötzlich ziemlich besorgt.

„Red keinen Unsinn", lachte die Professorin unerwartet, aber durchaus sympathisch. „Diesen Brauch gibt es schon ewig nicht mehr. Und das mit sehr gutem Grund. Du musst wissen, die Herzrune ist der Spiegel deines Selbst. Wer sie lesen kann, erkennt, wen und was du liebst, wen du hasst, wovor du dich fürchtest. Und einmal vollendet verändert sie sich auch mit dir."

„Upss", entfuhr es Tarsuinn ungewollt.

„Konnten Sie es lesen?"

„Zu unserem Glück – nein! Aber dies ist nicht die eigentliche Gefahr. Viel schlimmer ist folgende Entwicklung: Die Herzrune war lange Zeit nur ein schöner Brauch. Man versicherte sich mit ihr gegenseitiger Liebe und gab dem anderen gleichzeitig die Möglichkeit der Kontrolle. Eifersucht gibt es ja schon seit dem Beginn der Menschheit. Außerdem konnte man so auch erkennen, wenn die Liebe erlosch. Dann tauschte man einfach die Runen zurück und suchte sich einen neuen Partner. Nur leider funktioniert so etwas nicht wirklich. Irgendjemand ist immer verletzt oder einer liebt noch und nur der andere nicht mehr. Wahrscheinlich einer von diesen Menschen, oder jemand sehr bösen Willens, entdeckte, dass die Herzrune weit mehr sein konnte als nur eine nette Geste. Man konnte mit ihr auch jemandem schaden oder ihn manipulieren."

„Aber wie soll das gehen?", widersprach Tarsuinn. „Jede Änderung in der Rune würde doch dann nicht mehr dem Zeichner entsprechen… oder…", er musste sich kurz unterbrechen. „…würde die Rune den Menschen ändern?"

„Nein, nein", wehrte die Professorin sofort ab. „So schlimm ist es dann doch nicht. Aber weit davon weg leider auch nicht. Zum Beispiel kann man mit einem Auslöschungszauber nicht nur die Rune, sondern auch den Zeichner aus der Welt entfernen, ohne eine Spur. Auch wirken verbotene Flüche, wenn auch in abgeschwächter Form, durch sie auf dich. Außerdem weiß der mit der Rune genau, wo du dich befindest. Kein Verstecken, kein Zauber, keine Unsichtbarkeit würde dir dagegen helfen.

„Ich hätte mich allen in der Klasse also ausgeliefert, wenn ich die Rune fertig gezeichnet hätte? Kann man eine Herzrune kopieren?"

„Nein, nur mir wäre vorerst diese Macht zuteil geworden. Vorerst. Niemand außer dir selbst kann deine Herzrune zeichnen und gleich vorweg, niemand könnte dich dazu zwingen. Aber was glaubst du, wie einfach es ist, eine Rune auszulöschen, die in Sand gezeichnet wurde?"

Die einzige Antwort, die Tarsuinn zustande brachte, war ein kurzes Pusten.

„Genau!", fuhr die Lehrerin fort. „Ich hätte zwar versucht, die Rune in Kristall einzuschließen, aber auch dann hätte sie noch existiert. Viel zu viele Menschen hätten davon gewusst, davon einige, die dich nicht sonderlich mögen, wie ich bemerkt habe. Sie hätten vielleicht versucht, in den Besitz der Herzrune zu gelangen."

„Ich sollte wohl dankbar sein", sagte Tarsuinn leise.

„Worauf du einen…", entfuhr es der Professorin fast, doch dann beherrschte sie sich und war wieder die seriöse Lehrerin. „Versprich mir, nie wieder so einen Unsinn zu machen! Eine Herzrune hat heutzutage keinen Sinn und stellt dank der Zauberstäbe nur eine Gefahr dar. Gäbe es nicht so viele überromantische Teenager, die in ihrem Hormonwahn unbedingt die Große Liebe so beweisen wollen, wie es in diesen hochschwachsinnigen Liebesromanen von Al Trivi steht, dann gäbe es diesen Unsinn nicht mehr und deshalb kann ich dich nur bitten, bringe es deinen Mitschülern nicht bei. Es gibt Dinge, die vergessen werden sollten, und die Herzrune zählt eindeutig dazu!"

Tarsuinn nickte nachdenklich zum Zeichen, dass er verstanden hatte. Seine Gedanken kreisten noch immer um diese Rune und die Mädchenstimme in seinem Kopf war wieder ein wenig lauter geworden. Ihm wurde langsam seine Fähigkeit wieder unheimlich. Es war nicht der Narr, der da zu ihm sprach, und er konnte die Stimme auch nicht wirklich verstehen, aber sie wirkte sehr vertraut. Wie aus einer Erinnerung heraus. Doch so eine Erinnerung gab es nicht mehr in seinem Kopf. In China hatte er sicher niemals mit Runen zu tun gehabt.

„Darf ich jetzt gehen?", fragte er, weil er nicht wollte, dass Professor Vaughan ihn weiter beim Nachdenken beobachten konnte.

„Noch nicht", hielt sie ihn zurück. „Zuerst wirst du jetzt etwas auswendig lernen und es bis morgen 100 Mal aufschreiben. Hör zu und wiederhole jeden Satz: Riannon Vaughan hat immer recht."

Tarsuinn wiederholte.

Sie ist die Meisterin der Rune."

Nur wenn sie es mir erlaubt, habe ich das Recht, Runen zu zeichnen."

Und sie wird mir fürchterlich in den Hintern treten, wenn ich mich nicht daran halte."

Tarsuinn musste diese Sätze noch dreimal wiederholen, obwohl er sie schon nach dem ersten Mal richtig aufsagte. Er setzte gerade zum vierten Mal an, als ihn ein Klopfen, dann ein davonbrausender Stein und Professor Dumbledores Stimme unterbrach.

„Professor Vaughan, ich habe von einem verheerenden Feuer im Atrium gehört? Könnten Sie mir bitte den Weg dahin erklären? Ich fürchte, ich habe mich verlaufen und auch diese Frage an der Tür war furchtbar missverständlich."

„Es war nur eine Feuerübung, Professor", erklärte die Professorin und schien ein wenig verlegen.

„Und ich glaubte, dass Vaughan-Mantra gehört zu haben. Darf ich fragen zu welchem Anlass?"

Als ob der nicht hier sitzen würde, dachte Tarsuinn bei sich.

„Ich wollte Sie heute Abend deswegen aufsuchen, aber vielleicht ist es wirklich besser, wenn wir das jetzt machen. Aber bitte unter vier Au… Ohren!"

„Aber natürlich!", erwiderte Professor Dumbledore freundlich und Tarsuinn hörte plötzlich die übelste Warteschleifenmusik, die man sich vorstellen konnte, in welcher alle zehn Sekunden eine völlig emotionslose Frauenstimme verkündete: „Bitte haben Sie einen Moment Geduld. Sie dürfen demnächst wieder an dem Gespräch teilnehmen."

Das nervte mit der Zeit, aber er konnte sich kaum dagegen wehren. Was er jedoch konnte war, sich konzentrieren. Er hatte noch niemandem gegenüber erwähnt, wie sehr er inzwischen Emotionen spüren konnte, auch wenn er sie meist verdrängte, wenn sehr viele Menschen in der Nähe waren. Hier jedoch waren nur die beiden Professoren in der Nähe. Tarsuinn konnte nun endlich fühlen, wie aufgeregt, besorgt und unzufrieden die Lehrerin wirklich war. Teilweise war sie sogar richtiggehend zornig, während Professor Dumbledore der Fels in ihrer Brandung blieb. Nur einmal, als Tarsuinn seinen Blick direkt auf sich fühlte, konnte er dessen Nachdenklichkeit spüren. Mindestens zehn Minuten lang diskutierten die beiden Erwachsenen über Tarsuinn.

Eine Zeit, in der er sich keinen Zentimeter bewegte. Dass Dumbledore sein Hören blockierte, schien seine restlichen Sinne richtiggehend zu beflügeln. Seine Haut fühlte jeden kleinen Luftzug, seine Nase kribbelte unter dem Ansturm von dem Geruch nach Zitronenbrausebonbons. Die Luft schmeckte nach dem süßen Wasser des Sees und Professor Vaughan vibrierte noch immer vor mühsam unterdrücktem Zorn. Er spürte, wie sie den Raum verließ, ohne es hören zu müssen, gleichzeitig endete die Warteschleifenmusik.

Dumbledore kam zu Tarsuinn und setzte sich auf die Matte vor ihm. Jetzt würde sicher die nächste ernsthafte…

„Brausebonbon?", bot der Professor vergnügt an.

„Nein, danke", lehnte Tarsuinn ab, bevor er darüber nachgedacht hatte.

„Nicht?", spielte Dumbledore den schwer Enttäuschten. „Na ja, nicht jeder kann meinen guten Geschmack teilen. Wie gefällt dir bisher das neue Schuljahr?"

„Es ist das bisher beste", sagte Tarsuinn vorsichtig, obwohl es stimmte. Die Voraussetzungen waren noch nie so gut gewesen wie dieses Jahr. Keine todkranke Rica, keine Dementoren. Die Warnung von Grigori Noiturspa nahm er nicht so ernst. Er fühlte sich nicht bedroht.

„Das freut mich zu hören", sagte Professor Dumbledore. „Du fühlst dich also zu allen Schandtaten bereit? Professor Snape hatte da einige interessante Ausführungen heute Mittag."

Mühsam verkniff Tarsuinn sich einen Kommentar, was Snape ihn könnte.

„Vielleicht hätte ich ihn wirklich vorher fragen sollen", sagte er. So eine Antwort wurde von einem Schüler erwartet.

„Es wäre sogar noch klüger gewesen, Professor Vaughan vorher zu fragen", erwiderte Dumbledore in verschwörerischem Ton. „Sie macht sich ein wenig Sorgen um dich."

„Das mit der Herzrune kommt sicher nicht wieder vor", versprach Tarsuinn ernsthaft.

„Ich hätte nicht gedacht, dass die Rune in Marie-Anns Buch ausreichen würde, um dich dazu zu inspirieren", gestand der Professor noch immer ohne den ernsten Ton. „Man könnte fast meinen, die Runenschrift wäre für dich genauso selbstverständlich wie für Marie-Ann."

„Nein, so gut bin ich nicht."

„Ich sagte nicht, dass du gut bist. Ich sagte, sie scheint für dich selbstverständlich."

„Den Unterschied verstehe ich nicht wirklich", gestand Tarsuinn.

„Nun, das ist einfach erklärt. Runenschrift ist wie Latein eine tote Sprache. Man kann sie erlernen, aber niemand benutzt sie noch als Muttersprache. Stell dir einfach einmal vor, die am besten Latein sprechende Frau der Welt trifft auf einen dreizehnjährigen Jungen der nie eine andere Sprache gehört und gesprochen hat als Latein. Ja, die Frau wird sich gewählter, korrekter und umfangreicher ausdrücken können als der Junge. Sie wird sogar wissen, warum man dieses so und jenes so sagt, mit all den wissenschaftlichen Fachwörtern, mit denen wir Lehrer so gerne Kinder quälen. Aber wird sie sich auch natürlich unterhalten können? Wird sie spontaner als der Junge sein? Wird sie einen Dialekt haben, der die Sprache subtil verändern kann? Woher will sie die richtige, lebendige Betonung von Wörtern kennen?"

„Aber eine Schrift ist doch sicher nicht mit Sprache vergleichbar, oder?", gab Tarsuinn zu bedenken.

„Warum nicht? Viele sagen, ich würde in Magie denken, weil ich Zauber improvisieren kann. Wenn das stimmen sollte, dann kannst du vielleicht in Runen sprechen, Tarsuinn."

„Aber ich weiß eigentlich nichts über Runen."

„Kann der lateinisch sprechende Junge denn sagen, was ein Adjektiv oder ein Incohativum ist, wenn es ihn niemand gelehrt hat?"

„Wahrscheinlich nicht."

„Und trotzdem würde er es richtig verwenden. Genauso ist es mit dir und den Runen."

„Also ist es eine Art Instinkt, wie ich mit Runen umgehe?"

„So hat es zumindest Professor Vaughan genannt."

„Und woher hab ich dann diesen Instinkt?", fragte Tarsuinn ernst. „Es war aber nicht der Narr!"

„Davon bin ich überzeugt", sagte der Professor und klang zum ersten Mal ein wenig ernst.

„Wirklich?", war Tarsuinn verblüfft.

„Kein Zweifel. Silvio Adimere, dein Narr, hat nicht einmal einen ZAG in Alte Runen geschafft."

„Er könnte es später gelernt haben", gab Tarsuinn zu bedenken.

„Natürlich, aber auch dies wäre nur eine angelernte Fähigkeit, keine natürliche."

„Und wenn er sich diese Fähigkeit von jemand anderem angeeignet hat?"

„Das kann man in unserem speziellen Fall natürlich nicht ausschließen, aber er war schon in seiner Schulzeit sehr begabt mit dem Zauberstab und wenn man diesen beherrscht – verzeih mir bitte – dann hat man Runenmagie einfach nicht mehr nötig."

„Bedeutet das, Professor Vaughan ist mit dem Zauberstab eine Niete?", fragte Tarsuinn und grinste frech.

„Sie ist gut genug, um dir mit dem Zauberstab ihr Mantra auf den Hintern zu brennen", lachte der Professor. „Und glaub mir, sie ist keine Person, die du verärgern möchtest."

„Aber dafür habe ich anscheinend das meiste Talent. Ich bin halt nicht so diplomatisch wie Rica."

„Nun, dann trifft es sich ja gut…"

Professor Dumbledore machte eine bedeutungsvolle Pause. Natürlich nur, damit Tarsuinn die Warum-Frage stellte. Aber da er trotz allem irgendwie guter Laune war…

„Warum?"

„Weil ich demnächst zu Gesprächen mit den Wassermenschen aufbreche und diese mich gebeten haben, einen gewissen Tarsuinn McAllister mitzubringen. Offensichtlich hat jemand desöfteren einen gewissen Namen in den See gerufen."

„Ich komme mit!", erklärte Tarsuinn freudestrahlend.

„Ich kann mich nicht daran erinnern, dich schon gefragt zu haben?", tat der Professor verwirrt.

„Ich kann auch allein…", grinste Tarsuinn breit.

„Oh, das muss ich natürlich entschieden verweigern", erklärte Dumbledore gespielt entsetzt.

„Und wenn ich Ricas Erlaubnis bekomme?"

„Dann könnte ich mir das noch einmal überlegen. Aber jetzt komm. Soweit ich weiß, musst du noch zu Verwandlungen und da die Stunde schon angefangen hat, werden sich sicher schon einige Sorgen um dich machen."

Gemeinsam erhoben sie sich und der Professor brachte Tarsuinn zum Unterrichtszimmer, aus dem schon Professor McGonagalls strenge Stimme erklang.

„Professor?", fragte Tarsuinn stirnrunzelnd. „Weshalb wollen Sie eigentlich zu den Wassermenschen?"

„Das, Tarsuinn, ist ein großes Geheimnis und unheimlich wichtig", sagte der Professor verschwörerisch. Tarsuinn hatte plötzlich den Verdacht, es könnte sich um eine Einladung zum Kaffee handeln. Doch er kam nicht dazu, diesen Gedanken nachzugehen.

Professor Dumbledore hatte die Tür geöffnet und ihn mit: „Hier ist ihr verirrtes Schäfchen, Professor McGonagall", entlassen. Tarsuinn fand das ziemlich gemein, denn schließlich hatte er sich nicht verlaufen.

Die Lehrerin begrüßte ihn dann auch folgerichtig mit dem recht beißenden Hinweis, er solle Platz nehmen und sich auf den Unterricht konzentrieren, den er dringend nötig hätte – was der Rest der Stunde leider bestätigte. Das konnte aber auch daran liegen, dass er mit Winona ständig kleine Zettel austauschte, auf denen er ihr mitteilte, weshalb Professor Vaughan die Stunde so überstürzt abgebrochen hatte.

Ein wenig ironisch war das schon. Immer wurde er zu besseren Leistungen in Verwandlungen gedrängt, aber kaum waren die Mädchen neugierig, durfte er unaufmerksam sein. Am Ende der Stunde änderte sich das aber.

„Hattest du nicht gesagt, du hättest einen Plan, wie du dich verbessern könntest?", fragte Winona leise. „Bisher hab ich nichts gesehen und auch Professor McGonagall scheint langsam die Geduld zu verlieren."

„Ja, ich hab einen Plan", sagte Tarsuinn säuerlich, weil sie ihn daran erinnerte.

„Und wann beginnst du damit?"

„Wenn ich dazu bereit bin."

„Dann wird das nie was. Also entweder setzt du ihn langsam in die Tat um oder ich fang an einen der neuen Vertrauensschüler auf dich zu hetzen, klar?"

„Ja, ja", nörgelte er und wünschte, sie würde nicht so drängen. Es fiel ihm sowieso schon nicht leicht. Zögerlich ging er auf Professor McGonagall zu.

„Ja, McNamara?", fragte die Lehrerin, bevor er den Mund aufmachen wollte. „Sparen Sie sich Ihre Entschuldigungen."

„Ähem, nein Professor", stotterte Tarsuinn ein wenig. Manchmal war sie einfach so schroff. „Darum ging es mir eigentlich nicht."

„Worum denn dann?", fragte McGonagall schneidend und er begriff, dass seine Eröffnung nicht gerade fehlerlos gewesen war.

„Eigentlich wollte ich Sie um einen Gefallen bitten?"

„So?", die Stimme der Lehrerin war nicht gerade Mut machend. „Ich war bisher immer der Ansicht, Gefallen müsse man sich verdienen."

„Wenn Sie meinen…", murmelte Tarsuinn und wollte gehen.

„Nun, heraus damit, McNamara", verlangte die Professorin mit ein klein wenig mehr Herzlichkeit. „Ich verwandle Sie schon nicht!"

„Aber genau darum geht es, Professor", sagte Tarsuinn vorsichtig. „Ich möchte Sie bitten, mich zu verwandeln. Ähem – natürlich nicht für immer oder lange oder so."

„Ich sehe keinen Grund, Sie zu bestrafen, McNamara", meinte die Professorin irritiert. „Wenn ich das mit jedem schlechten Schüler machen würde, hätten wir ein Haus voller Kanarienvögel."

„Ich will nicht bestraft werden", schüttelte Tarsuinn den Kopf. „Ich möchte nur wissen, wie es sich anfühlt. Und ich will vorher erfahren, dass es nicht weh tut."

„Sie denken, dass Ihnen das weiterhilft?", fragte die Lehrerin unentschlossen.

„Ich denke schon, Professor", war Tarsuinn fast überzeugt. „Bei einem Gegenstand weiß ich ja, wie er sich anfühlt, aber bei einem lebenden Wesen ist das irgendwie anders. Es ist mehr als nur Form und Oberfläche, aber ich hab kein Gefühl dafür."

„Das ist eine sehr ungewöhnliche Bitte", fand die Professorin. Trotzdem konnte er spüren, wie ihre Ablehnung ein wenig bröckelte.

„Ich würde es nicht als Strafe empfinden", hakte Tarsuinn nach. „Es sei denn, es tut weh."

„Das nicht. Aber die meisten Menschen empfinden es als eine sehr unangenehme Erfahrung. Vor allem, wenn sie sich nicht selbst aus dieser Gestalt befreien können."

„Deshalb frage ich ja Sie", versuchte Tarsuinn Vertrauen zu beweisen. Nichtsdestotrotz konnte er sich einen kleinen Tritt gegen Winonas Fuß nicht verkneifen, da die ihn zu diesem Schritt gedrängt hatte. Gerne machte er das sicher nicht und das wusste sie jetzt sicher auch.

„Danke für das Vertrauen", meinte Professor McGonagall, die noch immer unschlüssig schien.

„Werden Sie mir helfen, Professor?", bat Tarsuinn. „Und wenn es nicht funktioniert, können wir es ja lassen und vergessen den ZAG einfach."

Um ehrlich zu sein, dies wäre die ihm liebste Alternative gewesen. Obwohl er den Gedanken cool fand, sich verwandeln zu können (Ob er dann wie eine Fledermaus sehen konnte?), war er durchaus bereit, auf diese Fähigkeiten zu verzichten. Es gab genug Möglichkeiten, das anders auszugleichen. Es gab Verwandlungstränke und mit ein wenig Übung konnte man sicher auch ein paar Runen in diese Richtung verdrehen.

„Ich denke darüber nach, McNamara", versprach McGonagall schließlich.

„Danke", sagte Tarsuinn und ließ es dabei bewenden. Wenn er Glück hatte, fragte die Lehrerin bei Professor Dumbledore und dem Ministerium um Erlaubnis und einer von den beiden lehnte ab. Dann konnte Tarsuinn behaupten, er hätte das Äußerste versucht und konnte die Sache heimlich abhaken. „Darf ich inzwischen gehen, während Sie nachdenken, Professor?"

Aus irgendeinem Grund brauchte die Professorin mit der Antwort, ehe sie ihn entließ. Wahrscheinlich hatte er mal wieder was Falsches oder Missverständliches gesagt. Na ja, Winona würde es ihm sicher gleich erklären. Doch darin irrte er sich diesmal. Zunächst blieb das Mädchen unüblich still. Erst als sie sich ihren Platz in einem der Innenhöfe gesucht hatten, um auf Toireasa zu warten, schien sie ihre Gedanken geordnet zu haben.

„Es muss dich ziemlich viel Überwindung gekostet haben", murmelte sie nachdenklich. „Ich mein, dich McGonagall so extrem auszuliefern."

„Sie war die logische Wahl", zuckte Tarsuinn mit den Schultern und verdrängte die heimlichen Ängste, die ihn bei diesem Gedanken befielen. „Dumbledore hat sicher Besseres zu tun und dass McGonagall gut ist, hat sie ja vor zwei Jahren bewiesen."

„Und wie bist du überhaupt auf diese Idee gekommen?", wollte sie weiter wissen.

„Was für eine Idee?", fragte Toireasa, die endlich aus Geschichte gekommen war.

„Tarsuinn hat McGonagall gebeten, ihn für Lernzwecke zu verwandeln", erklärte Winona, bevor er auch nur den Mund aufmachen konnte.

„Und was soll das bringen?", fragte Toireasa verwirrt.

„Ich…", begann Tarsuinn.

„Anscheinend denkt er, dass er dann das richtige Gefühl dafür bekommt", unterbrach Winona.

„Wie kommt man auf eine solche Idee?", erkundigte sich nun auch Toireasa.

Tarsuinn wartete eine Weile ab.

„Und, Winona? Möchtest du auch darauf antworten?", fragte er grinsend und versuchte sich wieder einmal in einem Zwinkern. Die Erwiderung war ein kleiner Knuff am Oberarm. Fast zurückhaltend für Winonas Verhältnisse.

„Halt die Klappe und erzähl… ähem, du sollst mich nicht ärgern und endlich sagen, wie du darauf gekommen bist."

„Malfoy", erklärte Tarsuinn lachend, weil sie ein wenig verlegen klang. „…und wohl auch ein wenig unser immer wachsamer Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste."

„Du meinst, weil Moody ein wenig Ping Pong mit Malfoy gespielt hat, hattest du das Bedürfnis, das auch mal auszuprobieren?", staunte Winona.

„Bestimmt nicht", erklärte er ruhig. „Aber ich hab die ganze Zeit daran gedacht, was Malfoy denn in dem Moment so empfunden haben muss, und dachte, es könnte mir vielleicht helfen."

„Wahrscheinlich fühlte er sich nur gedemütigt", vermutete Toireasa. „Und Moody hat ihm auch nicht die Zeit gelassen, sich an die Frettchenform zu gewöhnen."

„Ich denke trotzdem, es könnte mir helfen", beharrte er.

„Denkst du wirklich?", fragte Toireasa unsicher.

„Momentan schon", erwiderte er. „Und wenn es nicht hilft, hab ich es wenigstens versucht und ihr könnt mir nicht mehr vorwerfen, ich würde mich gegen Verwandlungen sperren."

„Und dann denkst du fein aus der Sache raus zu sein, oder?", unterstellte ihm Toireasa. Natürlich durchschaute sie ihn damit, aber ein Schüler, der auf sich was hielt, gab so was nicht zu.

„Nö, aber dann bin ich mit meinem Latein am Ende und ihr müsst eine Lösung finden."

„Also machst du das nur, um uns nachher den Schwarzen Magier zuschieben zu können?", folgerte Toireasa.

„Das wäre doch eine Slytherin-Taktik, oder?", lächelte Tarsuinn ironisch. „Traust du mir so etwas zu?"

„Aber sofort!", stupste ihn Winona erneut an und lachte.

„Herzlichen Dank", kommentierte er fröhlich. „Aber lassen wir das. Ich hab heut keine Lust mehr auf Schule. Was wollen wir machen?"

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Diese lasche Einstellung setzte Tarsuinn den Rest der Woche fort. Zwar schrieb er seine Strafzeilen für Professor Vaughan, doch jede Hausaufgabe, die sich verschieben ließ, verschob er auch. Nicht, dass er vorhatte, das Wochenende dann mit Lernen zu verbringen, aber irgendwie fehlte ihm die Lust für echte Arbeit. Ein wenig war das wohl der Angst vor Professor McGonagall und Snape geschuldet. Damals, als ihm die Idee mit der Verwandlung gekommen war, hatte er sich das alles eher lustig vorgestellt, doch jetzt machte er sich eher Sorgen. Manchmal hatte er sogar so was wie Panikattacken, aber da half ihm jedes Mal Tikki wieder heraus. Sie war sehr fürsorglich, auch wenn sie immer wieder zu ausgedehnten Ausflügen aufbrach. Genau wie ihm, schien ihr irgendetwas keine Ruhe zu lassen. Aber sie wollte ihm nicht sagen was. Zumindest aber war sie immer da, wenn er sie brauchte. Wie zum Beispiel jetzt, als er Punkt neun Uhr vor Snapes Büro stand.

Er hatte alles dabei, was er erfahrungsgemäß gebrauchen konnte. Seine Zaubertrankutensilien, seine Drachenlederhandschuhe, Schutzbrille und Ohrenschützer, Brandsalbe und Heilpflaster. Die Hände hatte er bis auf die Fingerkuppen dick eingecremt, um noch ein klein wenig mehr Schutz zu genießen. Snape hatte die unschöne Angewohnheit, bei Strafarbeiten möglichst eklige und hautreizende Arbeiten herauszusuchen.

Geduldig wartete er, bis es zehn Sekunden vor neun war, dann klopfte Tarsuinn an die Tür. Tikki saß mal wieder auf seiner Schulter, hatte den Schwanz um seinen Hals gelegt und eine aggressive Abwehrhaltung eingenommen. Sie war die personifizierte Drohung und damit genau das, was Tarsuinn am liebsten selbst gezeigt hätte. Was natürlich Snape gegenüber absolut dämlich gewesen wäre.

„Herein, McNamara!", ertönte es von innen, kurz nach seinem Klopfen.

Er trat ein und gab sich Mühe, sich nicht noch mehr Ärger einzuhandeln. Vielleicht gab Snape dann auf und ließ ihn ein wenig eher gehen.

„Guten Morgen, Professor", grüßte Tarsuinn und versuchte sämtliche Ironie und Abscheu aus seiner Stimme zu verbannen.

„Kommen Sie her und setzen Sie sich hier hin", ignorierte der Lehrer seinen Gruß. Ein Stuhl wurde kurz verrückt.

Ein wenig verwirrte das Tarsuinn, denn so was machte Snape normalerweise nicht. Eine akustische Hilfestellung war einfach unerwartet. Nicht, dass sie dank Tikki nötig gewesen wäre. Er ging zu dem Platz, stellte seine Tasche auf den Tisch und wandte sich einfach an Snape. Tarsuinn hatte für sich festgelegt, dass er die heutige Aufgabe genauso abhandeln würde wie die freiwillige Hilfe im letzten Jahr. Nur keine Emotionen aufkommen lassen.

„Was brauche ich für Ihre Aufgabe?", fragte er ruhig und öffnete die Tasche.

„Nichts", erwiderte Snape kurz angebunden. „Stellen Sie die Tasche neben den Tisch und setzen!"

Sich fragend, was wohl kommen würde, kam er der Anweisung nach. Er hoffte inständig, dass die Strafe kein Herumsitzen war. Das wäre wirklich grausam gewesen. Zum Glück war Snape nicht auf den Gedanken gekommen, aber seine Lösung war auch nur unwesentlich besser.

„Ich hab mit Professor Vaughan gesprochen – du wirst Runen übersetzen."

Und wo ist da die Strafe?, dachte Tarsuinn.

„Hier!" Ein dicker Stapel Papier knallte vor Tarsuinn auf den Tisch. „Machen Sie sich an die Arbeit und ich will kein Wort hören!"

Letzter Hinweis war auch dringend nötig gewesen, denn schon mit dem ersten Blatt begriff Tarsuinn die Strafe. Er musste Runen übersetzen, keine Texte. Die ganzen Zeichen auf dem Blatt ergaben überhaupt keinen Sinn! Alle Runen waren einfach zufällig zusammengewürfelt. Kein Inhalt, keine Magie, einfach nur stumpfes Übertragen von Nonsens. Das war die mit Abstand schlimmste Strafe, die Snape ihm jemals angetan hatte, und dass da auch noch Vaughan beteiligt war, enttäuschte ihn. Aber da musste er wohl durch.

Allein für die erste Seite brauchte er mehr als eine halbe Stunde und schon auf Seite zwei musste er innehalten.

Ohne sich an dem Verbot zu stören, sprach er Snape an: „Professor, was mache ich mit Runen, die ich nicht kenne?"

„Nachschlagen!", brummte der Zaubertranklehrer, wirkte wortlos einen Zauber und Sekunden später wurde ein kopfkissengroßes Buch neben Tarsuinn abgesetzt. Das Buch war alt und schien richtiggehend müde zu sein. Zumindest schnarchte es tief und verstaubt. Es reagierte auch nicht auf Tarsuinns tastende Finger, als er die Gravuren auf dem Einband erfühlte. Es hatte sogar ein Schloss, aber das konnte man einfach öffnen, indem man die richtigen Runen in der richtigen Reihenfolge berührte. Es machte Klack und er konnte das Buch öffnen. Jetzt musste er nur noch…

Eine Hand legte sich auf das Buch.

„Sie sind fertig, McNamara, und können gehen", sagte Snape kühl.

Tarsuinn stand vor Staunen der Mund offen und klappte ihm erst nach ewigen drei Sekunden wieder zu. In dieser Zeit entzog ihm Snape das Buch.

„Sie haben mich benutzt!", fauchte Tarsuinn in plötzlicher Erkenntnis.

„Mit solchen Formulierungen sollten Sie vorsichtig sein, McNamara", erwiderte Snape leise und schien sehr mit sich zufrieden.

„Was ist das wirklich für ein Buch?", verlangte Tarsuinn zu wissen.

„Meines", entgegnete Snape. „Und jetzt raus mit Ihnen, McNamara, oder ich überleg es mir noch mal."

Tarsuinn war kurz davor den Lehrer anzuschreien oder ihm zu drohen, doch beides war sinnlos, das wusste er, und außerdem hielt ihn Tikki zurück. Wie konnte Snape es wagen, seine Fähigkeiten zu benutzen, um sich Zugang auf ein möglicherweise illegales Buch zu verschaffen? Warum hatte er nicht Professor Vaughan gefragt? Aber die Antwort darauf kannte Tarsuinn in dem Moment, als er sie stellte. Tarsuinn war blind und ein Schüler. Er konnte nicht erkennen, um was es bei dem Buch ging, und hatte nicht die Macht, Fragen zu stellen. Genau was Snape gewollt hatte, jemand, der ihm das Buch öffnen konnte, ohne darüber berichten zu können.

Doch in einer Sache hatte Snape sich diesmal verrechnet. Früher hätte Tarsuinn vielleicht gekuscht oder zumindest die Sache allein geregelt, heute würde er einfach bei Professor Dumbledore petzen gehen. Ohne das jedoch laut kundzutun nahm er seine Sachen und ging zur Tür.

„Wissen Sie, warum Ihre Eltern von dem Todesser gejagt wurden?"

Tarsuinn zögerte, gab Snape aber nicht die Genugtuung, etwas dazu zu sagen.

„Also nicht", fuhr Snape fort. „Nun, der Todesser hieß Cable und sollte etwas für den Dunklen Lord aus dem Ministerium stehlen. Das tat er dann auch, wurde fast gefasst und musste nach seiner geglückten Flucht jedoch feststellen, dass er seine Tarnung für eine billige Kopie aufgegeben hatte. Zwei mittelmäßige Diebe und Magier waren ihm zuvorgekommen und hatten dann auch noch die Frechheit, ihm diesen Gegenstand zum Kauf anzubieten – nur um ihm eine weitere Fälschung anzudrehen."

„Das interessiert mich nicht!", flüsterte Tarsuinn und griff zur Türklinke.

„Vielleicht interessiert dich dann, dass das Ministerium nichts von den wahren Dieben weiß? Oder sollte ich besser sagen: Das Ministerium weiß noch nichts davon."

Am liebsten hätte Tarsuinn mit Snape diskutiert, aber dazu fehlten ihm die Informationen. Seine Eltern waren – wie war doch gleich das Wort – amnestiert. Doch davon, dass sie das Ministerium bestohlen hatten, war nie die Rede gewesen. Es mochte aber auch sein, dass niemand den Einbruch offiziell zugeben wollte. Das sollte vorkommen, von wegen Vertrauen oder so. Es konnte also auch gut sein, dass Snape bluffte oder selbst keine Ahnung hatte. Doch der Mann wusste auch, dass Tarsuinn nichts riskieren konnte. Am liebsten wäre er jetzt zurückgegangen und hätte Snape gesagt, was er im Moment von ihm dachte. Das Fünkchen Respekt, welches er noch für die Fähigkeiten des Mannes gehabt hatte, war verflogen.

Tarsuinn drückte die Klinke nach unten und ging ohne ein Wort oder eine eindeutige Geste. Sollte Snape doch glauben, er hätte gewonnen. Vielleicht hatte er das auch. Bevor Tarsuinn jedoch entschied, ob er Snape gewähren lassen sollte oder nicht, würde er sich ein wenig schlau machen. Tikki warnte ihn, kurz bevor er es selbst spürte.

„Wen haben wir denn da?", fragte Jean Leraux.

Nur ihn konnte Tarsuinn hören, doch er wusste, es waren noch mehr Slytherins hier, die ihn langsam umringten. Ihren Geruch hatten sie nicht magisch getarnt und Tikki warnte ihn vor genau fünf von ihnen. Weglaufen – seine erste Wahl – war leider nicht drin. Ein Fluch war schneller als seine Beine.

„Selbst du, Leraux, solltest inzwischen meinen Namen behalten haben", antwortete Tarsuinn abfällig.

„Bitte verzeih mir", sagte der Slytherin-Junge lauernd. „Aber deine Familiengeschichte ist so sehr durch die Gosse geprägt, dass man nicht mal weiß, wie du wirklich heißt."

Ringsherum spürte Tarsuinn kalte Belustigung, aber auch ein wenig Verwirrung.

„Ich fühle mich unglaublich geehrt, dass meine Familie eine so erhabene Aufmerksamkeit genießt", entgegnete Tarsuinn. Er überlegte zwar angestrengt, wie er sich aus dieser Situation befreien sollte, aber er kam auf keine Lösung. Versuchte er einfach wegzugehen, würde er wahrscheinlich mit jemandem zusammenstoßen, was sie ihm sicher als Angriff auslegen würden. So blieb er erst mal stehen und wartete ab. Tikki hingegen vertrat eine sehr direkte Ansicht, wie man sich den Weg bahnen könne. Sie sagte ihm aber auch, dass niemand einen Zauberstab gezogen hatte.

„Das beantwortet meine Frage nicht", sagte Leraux.

„Ich bin nicht gut genug drauf für Spielchen", erklärte Tarsuinn ein wenig genervt.

„Na, na, na. Nicht so aggressiv. Das ist kein Spiel, nur echtes Interesse. Ich will nur wissen, ob du den Namen von reinblütigen Zauberern tragen willst oder einen, den du von Tierwesen hast."

Tarsuinn musste fast lachen.

„Ich hab beide Namen von meinen Eltern", erklärte er. „Die Meermenschen sind nur meine Paten."

„Aber du ziehst McNamara vor!", sagte Leraux angewidert. „McAllister ist aber dein richtiger Name. Warum willst du das nicht einsehen? Du verweigerst dich einer Jahrhunderte alten, ehrenvollen Tradition."

„Hab mich nie darum gekümmert", gestand Tarsuinn achselzuckend. Es interessierte ihn auch nicht sonderlich. Wenn Leraux sie ehrenvoll nannte, wollte er es erst recht nicht wissen.

„Ich könnte dir helfen zu begreifen", bot Leraux an und klang dabei fast freundlich. „Die McAllisters waren schon immer stark. Und sie arbeiteten mit unseren Familien zusammen, was sie noch stärker machte. Das könnte wieder so sein."

Jetzt kostete es Tarsuinn wirklich Mühe, nicht laut loszuprusten. Das hier war ein Werbegespräch! Und gerade von Leraux geführt. Dem größten Abschaum Slytherins.

„Ähem, ja", sagte Tarsuinn und verkniff sich jedes einzelne Muskelzucken. Tikki hingegen verstand das alles jetzt noch weniger und war der Ansicht, man könne die Situation dadurch lösen, dass Tarsuinn mit seinem Zauberstab einen Wirbelsturm beschwor. „Ich passe wohl kaum zu euch und ich hab nicht vor, mich zu ändern."

„Das verlangt auch keiner", überraschte ihn Leraux ein wenig. „Es ist nur so. Du hast ´n paar coole Sachen drauf, deine Familie ist die richtige und trotzdem brauchst du Hilfe. Wir wissen, dass du im Sommer angegriffen wurdest – wir können dir Schutz bieten."

„Ihr?" Das war wirklich witzig. Er spürte direkt, wie sein Ärger auf Snape verflog.

„Du weißt nicht, was wir bedeutet", erklärte Leraux voller Überzeugung. „Ich kann dir nicht mehr sagen. Aber mit uns, wird dir keine Tür verschlossen bleiben. Wir können dafür sorgen, dass niemand mehr den Bedlam in dir sieht oder jemanden, der mit Schlammblütern Umgang pflegen muss. Du könntest mit deinesgleichen leben. Darkcloud und Keary würden ja auch dazu zählen. Du würdest also nichts aufgeben und könntest alles gewinnen."

„Du redest von einer Art Bund, oder so?", fragte Tarsuinn. Die Situation wurde immer skurriler für ihn. „Oder gar über einen Geheimbund. Und da wollt ihr, mich dabei haben?"

„Ich habe nie von einem Geheimbund gesprochen!", korrigierte ihn Leraux überhastet.

Für einen Moment wollte Tarsuinn ihm ins Gesicht lachen, ihn verspotten und ihm sagen, wohin er sich seinen Vorschlag stecken sollte, aber dann schaltete er sein Hirn wieder ein. Wenn er so etwas machte, wollte er nicht allein dabei sein.

„Ich werde darüber nachdenken", sagte er, was sogar stimmte, und log, weil er dabei klang, als würde er die Idee ernsthaft erwägen.

„Denk nicht zu lange nach. Das Angebot bleibt nicht ewig bestehen", glaubte Leraux sich offensichtlich schon fast am Ziel. Er schien überhaupt nicht begreifen zu können, wie unmöglich es für Tarsuinn war, solch ein Angebot gerade von diesem Jungen anzunehmen. Und vor allem nicht auf blauen Dunst und mit der Möglichkeit des Verrats im Hinterkopf. Wer immer Leraux geschickt hatte – Tarsuinn hielt den Jungen für zu blöd für Eigeninitiative und Freundlichkeit ihm gegenüber – der war entweder dumm, realitätsfern oder hatte Tarsuinns Ablehnung gewollt. Warum dann aber das Ganze? Ob es den Aufwand wert war, das herauszufinden?

Tikki sagte ihm, dass alle bis auf Leraux gingen. Es fühlte sich extrem seltsam an, dass es keinen Austausch von Flüchen gegeben hatte. Selbst die Worte waren nur relativ lasche Beleidigungen gewesen. Beinahe enttäuschend. Es war wohl an der Zeit zu gehen.

„Eins noch, Tarsuinn!", sagte Leraux und dass er Tarsuinn beim Vornamen ansprach, ließ diesen verwundert stehen bleiben.

„Was!", fragte Tarsuinn und konnte einen warnenden Unterton nicht unterdrücken.

„Nur eine kleine Frage", der Slytherin-Junge kam unangenehm nahe heran und sprach leise in Tarsuinns linkes Ohr. „Wie fühlt es sich an, einen Menschen zu töten?"

Es waren nicht die Worte, die Tarsuinn so extrem schockten. Er hatte seit der Auslieferungsverhandlung damit gerechnet, dass irgendwann jemand damit ankommen würde. Vor allem einer von den Slytherins, aber in seiner Vorstellungen hatte man es immer als Beleidigung genommen und um ihn unmöglich vor seinen Mitschülern zu machen. Gegen all das hatte er sich innerlich schon gewappnet, aber mit etwas hatte er nicht gerechnet – begeisterte Neugier, gepaart mit ehrlichem Respekt. Snape – mit seiner Gemeinheit, seinem Zorn, seinem Zynismus – verblasste neben dieser Monstrosität, die da vor ihm stand.

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